33. Der Angriff von Black

Die Wochen vergingen und langsam begann der Alltag. Verteidigung gegen die dunklen Künste war mittlerweile das Lieblingsfach von allen, während Pflege magischer Geschöpfe unglaublich langweilig war, weil Hagrid kein Risiko mehr eingehen wollte. Emily hatte im Laufe der Wochen bemerkt, dass Hermine anscheinend wirklich alle Wahlfächer belegte. Inga hatte Hermine in Arithmantik gesehen und Leo in Muggelstudien. Gleichzeitig schien sie auch noch in Alte Runen, Wahrsagen und Pflege magischer Geschöpfe zu sein.

„Hermine, wie schaffst du es eigentlich alle Fächer zu besuchen?", fragte Emily sie als sie in der Bibliothek über den Hausaufgaben saßen.

„Als ob ich in allen Fächern wäre", sagte Hermine. „Ich kann ja nicht überall sein."

„Doch kannst du", erwiderte Emily. „Inga und Leo haben dich gesehen."

„Dann haben sie sich eben geirrt", beharrte Hermine störrisch. „Wie gesagt ich kann nicht überall sein." Damit vertiefte sie sich wieder in ihren Hausaufgaben. Emily wusste, dass sie jetzt nichts mehr aus ihr heraus bekommen würde. Aber sie würde aufpassen, denn falls Hermine wirklich alle Fächer besuchte, würde sie sich über kurz oder lang völlig überarbeiten.

Aber es gab erstmal Wichtigeres. Das Training für Quidditch hatte wieder angefangen und Wood wollte den Pokal mehr als sonst, denn es war sein letztes Jahr in Hogwarts. Aber dieses Jahr standen die Chancen gut, das Team war so gut wie noch nie und alle trainierten mit Feuereifer. Jeder von ihnen wollte den Pokal. Selbst das immer schlechtere Wetter konnte sie nicht abhalten.

Emily und Harry kamen eines Abends nach dem Training in den Gemeinschaftsraum und erfuhren, dass das erste Hogsmeadewochenende angesetzt war für Halloween.

„Exzellent", sagte Fred, der hinter ihnen durch das Porträtloch kam. „Ich muss unbedingt zu Zonko's. Ich habe fast keine Stinkkügelchen mehr."

„Bitte nicht", stöhnte Emily. „Die stinken so widerlich."

„Das ist ja gerade der Spaß daran", sagte Fred lachend. „Willst du mit uns mitgehen?"

„Nein, ich hab keine Erlaubnis", bedauerte Emily.

„Das ist für uns kein Hindernis", antwortete Fred und senkte seine Stimme. „Wir haben da unsere Mittel und Wege."

Emily grinste, sie erinnerte sich nur zu gut an die fantastische Karte der beiden. „Trotzdem. Ich leiste Harry Gesellschaft. Ihr könnt mir ja was mitbringen. Aber bitte keine Stinkkügelchen."

„Machen wir." Fred verschwand nach oben und Emily setzte sich neben Harry in eins der Sofas.

„Ich bin mir sicher, ihr dürft beim nächsten Mal mit", sagte Hermine. „Sie fangen Black bestimmt bald. Er ist schon gesehen worden."

„Black ist nicht so dumm und probiert irgendwas in Hogsmeade. Fragt McGonagall", schlug Ron vor.

„Ron! Harry und Emily sollen in der Schule bleiben", sagte Hermine entrüstet. Plötzlich sprang Krummschwanz auf ihren Schoß, in seinem Mund baumelte eine leblose Spinne. Die Katze starrte die ganze Zeit Ron, der Krätze in seiner Tasche hatte. Ohne Vorwarnung schoss Krummschwanz auf Ron zu und versenkte seine Krallen in Rons Tasche.

„He!", brüllte Ron. „Geh weg, du dummes Tier!" Er zog an seiner Tasche, doch Krummschwanz ließ nicht locker. Ron wirbelte seine Tasche herum und Krätze flog hinaus, sofort gefolgt von einem zischenden Krummschwanz. Krätze versteckte sich unter einem Schrank während Hermine hinter ihrem Kater her rannte und ihn wieder einfing. Ron zog Krätze wieder unter dem Schrank hervor. „Sieh ihn dir nur an! Er ist nur noch Haut und Knochen! Halte die Katze von ihm fern."

„Alle Katzen jagen Ratten", sagte Hermine.

„Die Katze jagt aber nur Krätze", erwiderte Ron. „Krätze war hier zuerst und er ist krank!" Mit diesen Worten verschwand er im Schlafsaal. Nach diesem Streit sprachen Hermine und Ron kaum mehr miteinander. Es trug auch nicht gerade zur Besserung der Stimmung bei, dass McGonagall Emily und Harry nicht erlaubte nach Hogsmeade zu gehen.

Halloween sahen die Zwillinge zu wie Ron und Hermine, die ihren Streit vergessen hatten, das Schloss verließen, dann kehrten die beiden zurück in ihren Gemeinschaftsraum. Es waren nur noch ein paar der Jüngeren hier, sonst war der Raum leer. Die beiden ließen sich vor dem Feuer nieder und spielten ein paar kurze Runden Zaubererschnippschnapp.

"Würde es dich stören wenn ich in die Bibliothek gehe?", fragte Emily. "Ich würde gerne weiter üben."

Harry runzelte erst verwirrt die Stirn, doch dann hellte sich sein Gesicht auf. "Klar. Mach ruhig."

"Ja? Ich habe schließlich gesagt, dass ich dir Gesellschaft leisten werde."

"Ich komme schon alleine klar", antwortete Harry. "Geh schon."

"Danke, du bist der Beste", rief Emily und lief die Treppe zu ihrem Schlafsaal hoch und holte ihre Bücher, dann machte sie sich auf den schnellsten Weg zur Bibliothek. So früh im Schuljahr und an einem Hogsmeade Wochenende war nicht viel los hier. Die meisten Schüler hatten Besseres zu tun. Sie verzog sich in eine der entfernteren Ecken, wo kaum einer hinkam (in der Nähe standen nämlich die Bücher über Wahrsagen. Und wer benutzte schon ein Buch dafür, wenn sich auch ganz bequem etwas ausdenken konnte?)

Wenn sie so weiter machte würde sie hoffentlich nach Weihnachten in der Lage sein sich endgültig zu verwandeln. Sie war schon gespannt welche Form sie annehmen würde. Sie glaubte allerdings nicht, dass es etwas Besonderes sein würde. Nach ein paar Stunden klappte sie ihre Bücher zusammen und streckte sich. Bald würden die anderen aus Hogsmeade wieder kommen, deshalb kehrte sie zurück in den Gemeinschaftsraum. Harry saß in einem der Sessel am Kamin.

"Hallo", sagte Emily und ließ sich in einen der Sessel neben ihn fallen. "Was war bei dir so los?"

„Lupin hat mich auf einen Tee eingeladen als ich durch die Gänge lief. Ich hab ihn gefragt warum ich mich nicht dem Irrwicht stellen durfte. Er dachte, dass meine größte Angst Voldemort wäre."

„Es wäre nicht gut wenn plötzlich Voldemort im Lehrerzimmer auftaucht", sagte Emily nachdenklich. „Aber das ist nicht deine wirkliche Furcht."

„Woher weißt du was?", fragte Harry erstaunt. „Aber du hast Recht."

„Langsam kenne ich dich besser", erwiderte Emily. "Außerdem hilft dieses ganze Seelenverwandtenzeugs."

„Es wäre ein Dementor gewesen. Angst vor der Angst selber hat Lupin gesagt. Du hättest auch keine Angst vor Voldemort gehabt."

„Nein", antwortete Emily langsam. „Obwohl ich nicht genau weiß ob der Irrwicht sich in einem Dementor verwandelt oder in die toten Körper von euch. Ich weiß nicht was schlimmer ist." Sie schauderte sichtbar. „Lass uns von was anderen reden."

„Oh, Snape hat Lupin einen Trank gebracht, der geraucht hat. Und Lupin hat ihn ohne zu Zögern getrunken."

„Ich dachte Snape hasst Lupin."

„Dachte ich auch. Snape tut es auch, aber anscheinend vertraut Lupin ihm genug, dass er etwas trinkt was Snape gebraut hat."

„Dann kann er ihn schon mal nicht vergiften wollen", stellte Emily fest. „Im Übrigen, Lupin kennt zumindest unsere Mutter. Er hat mich erkannt, weil ich ihr so ähnlich sehe. Aber er hat gesagt, er erzählt es nicht weiter. Ich frage mich ob er uns irgendwann mal etwas über sie erzählen kann."

Hermine und Ron kamen aus Hogsmeade wieder und hatten den Zwillingen jede Menge Süßigkeiten aus dem Honigtopf mitgebracht. Auch die Weasleyzwillinge brachten Emily Süßigkeiten und eine kleine Packung Stinkkügelchen.

"Aus Prinzip schon", sagten Fred und George.

Hermine und Ron erzählten begeistert von Hogsmeade während Harry ihnen von Lupin und Snape erzählte. Noch auf dem Weg nach unten zur Großen Halle überlegten sie ob Snape wirklich versucht hatte Lupin zu vergiften, doch sie kamen zu dem Schluss, dass er es nicht im Beisein von Harry getan hätte. Außerdem sah Lupin während des Festes ziemlich gesund aus. Das Fest war wundervoll, es gab jede Menge Köstlichkeiten zu essen und die Geister zeigten eine spektakuläre Show. Alle waren guter Laune, die nicht mal Draco ruinieren konnte.

Zwischendurch wechselten Emily und Leo ihre Plätze und quetschten sich zu den Hufflepuffs auf eine Bank. Neben Inga saß wieder das blonde Mädchen aus Slytherin. Wenn Emily sich richtig erinnerte, dann hatte sie Inga auch letztes Jahr schon ein paar Mal zusammen mit ihr gesehen.

"Das ist übrigens meine Cousine, Amilia", erklärte Inga.

"Ich bevorzuge Amy", erwiderte das Mädchen. Eine Locke fiel ihr in das blasse, schmale Gesicht mit den dunkelbraunen Augen, die sie hastig wieder hinter ein Ohr steckte. Sie hielt sich gerade und hatte eine gewisse kühle Eleganz an sich, obwohl sie jünger als Emily zu sein schien. "Und wer bist du?"

"Emily Evans", antwortete Emily. "Ich bin in Ingas Jahrgang."

Amy nickte. "Ja, ich glaube sie hat mir mal von dir erzählt. Freut mich dich endlich mal kennenzulernen." Sie lächelte Leo an. "Wir kennen uns ja schon."

"Auch wenn wir uns lange nicht mehr gesehen haben", sagte Leo. "Ich wusste gar nicht, dass du mit den Blues verwandt bist, Inga."

Inga zuckte mit den Schultern. "Amys Familie ist nicht gerade froh über diese Verwandschaft. Ihrer Meinung nach haben die Bergströms die falsche Vorstellung von der Welt. Unsere Väter waren Brüder, nur meiner hat den Namen von Mum angenommen", fügte sie noch erklärend für Emily hinzu.

"Was dazu führte, dass ich Inga erst hier in Hogwarts wiedergesehen habe, wir uns jetzt aber öfters sehen", sagte Amy. "Leo kenne ich weil die alten Reinblutfamilien immer dicht aufeinander hocken. Leo ist aber jetzt das schwarze Schaf, okay war es eigentlich schon länger, deshalb durfte er nie mit zu diesen Treffen."

Leo schnaubte. "Ich kann mir Besseres vorstellen als mit solchen Verrückten den lieben langen Tag in einen Raum zu hocken."

"Sie sind immer noch meine Familie." Amy zuckte mit den Schultern und widmete sich dann wieder ihrem Essen. Für sie war das Gespräch damit beendet. Langsam kam das Gespräch wieder auf andere Themen und es wurde lustiger. Amy hatte einen trockenen Humor, der immer mal wieder hervorblitzte, auch wenn sie sonst zurückhaltend war. Emily wusste noch nicht ganz was sie von ihr halten sollte, aber sie hatte sie ja auch erst gerade kennengelernt.

Nach dem Fest gingen Emily und Leo wieder zurück zu ihrem Gemeinschaftsraum. Auf dem Weg trafen sie auch wieder auf die drei anderen. Doch der Gang vor dem Portrait war voll mit Schülern.

„Warum geht keiner rein?", fragte Ron neugierig.

„Lasst mich durch", kam Percy Stimme von hinten und er quetschte sich durch die Menge. „Entschuldigt, ich bin Schulsprecher." Dann folgte plötzlich Stille. „Holt jemand bitte Professor Dumbledore, schnell."

Wenn man schon Dumbledore rufen musste, dann war wirklich etwas Schlimmes passiert sein. Einen Moment später tauchte auch schon der Schulleiter auf und die vier rückten näher um zu sehen was passiert war. Die Fette Dame war aus ihrem Gemälde verschwunden, das nun in Streifen herunter hing. Teile der Leinwand lagen über dem Boden verstreut.

„Wir müssen sie finden", befahl Dumbledore und drehte sich zu den neu ankommenden Lehrern.

„Sie ist in einem schrecklichen Zustand. Hab gesehen wie sie durch die Landschaft im vierten Stock gerannt ist. Schrie etwas Schlimmes", erzählte Peeves, der Poltergeist von Hogwarts.

„Hat sie gesagt wer es getan hat?", fragte Dumbledore ruhig.

„Oh ja", erwiderte Peeves. „Er wurde sehr wütend als sie ihn nicht reingelassen hat. Es war Sirius Black."

Sofort brach aufgeregtes Gemurmel aus, doch Dumbledore bewahrte Ruhe und schickte alle Gryffindors hinunter in die Große Halle wo sie übernachten würden. Die Lehrer würden das Schloss durchsuchen. Die vier schnappten sich ihre Schlafsäcke und verzogen sich in eine Ecke. Mittlerweile waren auch die Schüler der anderen drei Häuser in der Halle angekommen. Irgendwann mitten in der Nacht kam Dumbledore zurück in die Große Halle und berichtete Percy, dass man einen neuen Wächter für den Eingang zum Gemeinschaftsraum gefunden hatte. Ein paar Sekunden später kam Snape hinzu und berichtete, dass man keine Spur von Black gefunden hatte.

„Haben Sie eine Theorie wie er in die Schule kommen konnte?", fragte Snape.

Emily drehte sich um so dass sie in dem dämmrigen Licht die Umrisse der beiden Lehrer sehen konnte. Sie sah auch, dass Harry ebenso wach war.

„Viele, Severus, aber jede von ihnen ist ziemlich unwahrscheinlich."

„Sie erinnern sich an die Unterhaltung die wir am Anfang des Schuljahres geführt hatten?"

„Ja", erwiderte Dumbledore. Seine Stimme klang jetzt warnend. „Und ich glaube nicht, dass ein einziger vom Personal Black geholfen hat." Er verließ die Halle und beendetet damit die Diskussion.

„Was hat das alles zu bedeuten?", formte Ron lautlos mit den Lippen. Doch keiner hatte eine Ahnung.

Am nächsten Tag durften sie wieder zurück in ihren Gemeinschaftsraum. Sir Cadogan würde von nun an den Eingang bewachen. Das Problem war nur, dass er liebend gerne Schüler zum Duell aufforderte und das Passwort andauernd änderte.

Inga war die Einzige die mit Sir Cadogan einigermaßen auskam, aber sie musste ja auch nicht jeden Tag mehrmals am dem Portrait vorbei. Eines Tages nahm Emily Inga mit nach oben in den Gemeinschaftsraum der Gryffindors. Es kam zwar relativ selten vor, dass ein Schüler aus einem anderen Haus in den Gemeinschaftsraum eines anderen Hauses eingeladen wurde, aber es geschah doch oft genug, dass kaum einer sich darüber wunderte. Es geschah vor allem wenn Beziehungen zwischen Schülern unterschiedlicher Häuser entstand und natürlich bei der legendären Party der Hufflepuffs.

"Schick habt ihr es hier", kommentierte Inga während sie sich neugierig hier umsah. "Aber ein bisschen viel Rot hier, findest du nicht?" Sie grinste breit. "So ein bisschen Gelb und Schwarz würde doch bestimmt nicht schaden, oder?"

Emily streckte ihr die Zunge heraus. "Du weißt aber schon, dass du dich auf feindlichem Territorium befindest, oder?"

"Pfff, es kann ja nicht jeder in so einem genialen Haus wie ich sein", erwiderte Inga. "Aber Gryffindor ist auch nicht schlecht."

"Ich werde dich beim nächsten Quidditchspiel daran erinnern", murmelte Emily.

"Hat da gerade jemand Quidditch gesagt?" Fred und George tauchten hinter den beiden Mädchen auf und ließen sich auf zwei Stühle gegenüber von ihnen fallen. "Und wer bist du?"

"Das ist Inga Bergström", stellte Emily ihre Freundin vor.

"Lasses kleine Schwester?", fragte Fred.

"Wir haben dich gar nicht erkannt", fügte George hinzu.

Inga verdrehte die Augen. "Und ihr seid die kleinen Brüder von Percy, ich weiß."

"Na ob wir mit Percy verwandt sind ist fraglich", sagte George.

"Das wir ausgerechnet immer mit Percy in einen Topf geworfen werden ist höchst beunruhigend." Fred sah seinen Bruder mit gespielter Besorgnis an. "Ich finde da sollten wir etwas gegen tun."

Ingas Augen leuchteten auf. "Was habt ihr vor? Ich liebe Streiche!" Der Ruf der Weasleyzwillinge hatte sich wohl auch schon bis nach Hufflepuff gesprochen.

Fred und George tauschten einen Blick, dann nickten sie. "Also wollt ihr dabei sein?"

Inga hüpfte vor Begeisterung beinahe auf ihrem Stuhl auf und ab. "Auf jeden Fall!"

Emily lachte. "Ich bin auch dabei." Sie zwinkerte den Zwillingen spitzbübisch zu. "Ich glaube ich habe euch schon lange versprochen, dass ich mithelfe."

"Perfekt." Fred rieb sich die Hände. "Wir haben uns schon etwas überlegt."

Anonymia: Stolz, mutig, stark, Kämpferin. Mehr sage ich nicht :) Auch wenn man einem Hundeblick von Sirius schwer widerstehen kann...

GinnyPotter: Danke :) Freut mich sehr :)