45. ...Zwei unschuldige Männer...

Emily schloss für einen kurzen Moment die Augen. „Ja, es war Snape der mich zusammen mit Dumbledore aus dem Waisenhaus geholt hat. Snape hat mich damals auch begleitet um meine Einkäufe zu machen und hat mich dann für den Rest des Sommers zu den Weasleys gebracht. Aber es war alles halb so schlimm, wirklich."

Snape schnaubte leise. „Spiele deine Zeit im Waisenhaus nicht herunter, Emily. Sirius soll ruhig sehen was du durchmachen musstest. Ich erinnere mich nur zu gut daran wie ich dich das erste Mal gesehen habe. Du warst klein, unterernährt und diese Jungen haben dir das Leben schwer gemacht. Sie haben dich sogar ge-"

„Stopp!", brüllte Emily. Die Farbe kehrte langsam als wütende Röte auf ihren Wangen in ihr Gesicht zurück. Die anderen sollten auf gar keinen Fall erfahren was ihr im Waisenhaus passiert war. Es war eine Geschichte für einen anderen Ort, hier ging es nicht um sie. Außerdem sollte Harry nicht hier davon erfahren oder besser gesagt niemals. „Hören Sie bitte auf. Es geht hier nicht um mich!"

Sie trat näher zu Sirius und Snape. „Wie können Sie es wagen Sirius alles zu erzählen, wenn Sie dazu kein Recht haben? Ich habe ihm längst verziehen für alles was er getan hat. Es ist meine Vergangenheit. Ja, Sie haben mich aus dem Waisenhaus geholt, dafür bin ich Ihnen auch dankbar, auch das gibt Ihnen nicht das Recht, sie zu nutzen weil Sie Sirius eins auswischen wollen, weil Sie sich seit der Schule hassen!"

Atemlos stemmte sie die Hände in die Hüften und sah zu den beiden Männern, die Emily erstaunt anblickten.

„Es tut mir so, so Leid, Emily", flüsterte Sirius, so dass es nur Emily und Snape hören konnten. Seine Stimme war voller Trauer.

„Ich weiß", erwiderte Emily ebenso leise. „Aber ich habe immer noch dein Versprechen, dass wir zu dir kommen dürfen. Außerdem ist es Entschädigung genug wenn wir dich wieder frei bekommen."

"Wenn ich nur davon gewusst hätte", flüsterte Sirius, der aussah als ob er von tausend Dämonen heimgesucht wurde. "Oh, wenn ich nur davon gewusst hätte. Hunderttausend Dementoren hätten mich nicht aufhalten können. Aber ich dachte, du wärst tot, es gab keine Anzeichen dafür, dass du noch lebtest. Aber sag mir nur eins, hat Snape Recht?"

"Nein."

Ihre grünen Augen schienen Feuer zu sprühen als sie einen kurzen Blick zu Snape warf, dessen Gesicht kalt wie Stein geworden war als sie Sirius anlog. Sie konnte Sirius niemals die Wahrheit erzählen, sonst würde er nie wieder zur Ruhe kommen, er hatte genug Dämonen die ihn jagten. Sie wollte nicht, dass er sich schuldig fühlte, nicht wenn in seinen grauen Augen geschrieben stand, dass er sich die Schuld an Lilys und James Tod gab. Selbst wenn es bedeutete, dass sie anlog.

"Emily", sagte Snape warnend, seine Stimme kalt. Seine dunklen Augen schienen zu lodern, ob es aus Hass für Sirius oder wegen Emilys Lüge konnte Emily nicht sagen.

"Ich weiß was ich tue", zischte Emily. "Sie müssen nicht übertreiben." Sie wusste, dass sie Snape verletzte, doch er kannte die Wahrheit und sie hoffte er würde verstehen, während Sirius und auch die anderen niemals davon erfahren sollten. Es war wichtiger Sirius zu schützen. "Sirius, hör nicht auf ihn. Es ist alles in Ordnung."

Sirus nickte langsam und sah kurz zweifelnd zu Snape.

"Glaube ihr", sagte Remus aus seiner Ecke. Er blickte Emily an, doch sie konnte den Ausdruck in seinen Augen nicht identifizieren. "Warum solltest du Severus glauben?"

"Du hast Recht, Moony", erwiderte Sirius, dennoch verlor sich der gehetzte Ausdruch in seinen Augen nicht.

Emily lächelte Remus dankbar an und er antwortete nur mit einem knappen Nicken seines Kopfes.

„Was geht hier vor?", fragte Harry irritiert. Die drei wirbelten herum, sie hatten beinahe vergessen, dass Harry, Hermine und Ron ja auch noch da waren.

„Das erkläre ich euch wenn wir Zeit haben", antwortete Emily. „Es tut mir Leid, aber wir haben jetzt Wichtigeres zu tun."

„Genau", sagte Snape. „Rache ist sehr süß. Wie ich gehofft hatte, dass ich derjenige sein würde, der dich fängt…"

„Der Witz geht auf deine Kosten, Severus", knurrte Sirius. „Solange der Junge die Ratte zum Schloss bringt, komme ich ruhig mit." Er deutete auf Ron, der immer noch Krätze in der Hand hielt.

„Hoch zum Schloss?", fragte Snape ruhig. „Ich denke nicht, dass wir so weit gehen müssen. Alles was ich tun muss, ist die Dementoren zu rufen sobald wir die Weide verlassen. Sie werden sehr erfreut sein dich zu sehen, Black… erfreut genug um dir einen kleinen Kuss zu geben, wage ich zu behaupten."

Sirius wurde noch blasser als er schon war. „Du musst mich anhören", krächzte er. „Die Ratte, sieh dir die Ratte an."

Aber Snape schien ihn nicht zu hören. In seine kohlschwarzen Augen glomm ein Schimmer von Wahnsinn. „Kommt, ihr alle", befahl Snape. „Ich ziehe den Werwolf. Vielleicht haben die Dementoren auch einen Kuss für ihn." Die Seile die Remus hielten flogen in Snapes ausgestreckte Hand.

Mit einem Mal durchquerte Harry den Raum und stellte sich vor die Tür, so dass er Snapes Weg blockierte.

„Geh aus dem Weg, Potter", knurrte Snape. „Sie sind bereits in genug Schwierigkeiten. Wenn ich nicht hier gewesen wäre um Ihre Haut zu retten –"

„Professor Lupin hätte mich über hundert Mal dieses Jahr töten können", erwiderte Harry. „Ich war oft genug mit ihm alleine. Emily war auch dabei als wir Unterricht in Verteidigung gegen die Dementoren hatten. Wenn er Black geholfen hat, warum hat er uns dann nicht einfach getötet?"

„Fragen Sie mich nicht wie der Geist eines Werwolfs funktioniert", zischte Snape. „Geh aus dem Weg, Potter."

„Das ist doch nur eine lächerliche Ausrede!", rief Emily wütend. „Sie wollen Remus und Sirius einfach nur bestrafen."

„Sie sind jämmerlich", schrie Harry. „Nur weil sie einen Narr aus Ihnen in der Schule gemacht, wollen Sie nicht zuhören-

„RUHE! ICH LASSE NICHT ZU DASS SO MIT MIR GESPROCHEN WIRD", rief Snape, der immer wütender und verrückter aussah mit jedem Moment der verstrich. „Wie Vater so der Sohn, Potter. Ich habe gerade dein Leben gerettet, du solltest mir auf gebeugten Knien danken. Es hätte dir gut genützt wenn er dich getötet hätte! Du wärst genauso wie dein Vater gestorben, zu arrogant um zu glauben, dass Black falsch sein könnte – nun geh mir aus dem Weg oder ich zwinge dich. GEH MIR AUS DEM WEG, POTTER!"

Emily reagierte innerhalb von Sekunden, ohne wirklich groß nachzudenken. „Expelliarmus", rief sie so laut wie sie konnte, genauso wie Harry, Ron und Hermine. Die kombinierte Kraft der vier Zauber schleuderte Snape von seinen Füßen gegen die Wand, wo er leblos niedersank. Blut tropfte von seiner Stirn. Sein Zauberstab landete auf dem Bett neben Krummschwanz.

„Ihr hättet das nicht tun sollen", sagte Sirius. „Ihr hättet das mir überlassen sollen."

„Aber dann wäre die Gelegenheit vorbei gewesen", widersprach Emily. Sie kniete neben Remus und löste die Fesseln, so dass er endlich wieder aufstehen konnte.

„Wir haben einen Lehrer angegriffen… wir haben einen Lehrer angegriffen…", jammerte Hermine leise. „Oh, wir werden in solche Schwierigkeiten kommen."

„Danke, Harry", sagte Remus.

„Ich sage immer noch nicht, dass ich euch glaube", erwiderte Harry.

„Dann ist es Zeit, dass wir euch Beweise liefern", fügte Sirius hinzu. „Junge, gib mir Peter. Sofort"

„Hör doch auf", antwortete Ron schwach. „Wollen Sie mir sagen, dass sie aus Askaban ausgebrochen sind nur um Krätze in Ihre Hände zu bekommen? Ich meine… Okay, sagen wir, dass Pettigrew sich in eine Ratte verwandeln kann, es gibt Millionen von Ratten – woher weiß er hinter welcher er her ist wenn er in Askaban eingesperrt war?"

„Weißt du, Sirius, das ist eine faire Frage", wandte sich Remus an seinen alten Freund. „Wie hast du herausgefunden wo er war?"

Sirius zog aus einer Tasche ein zusammengeknülltes Stück Papier, welches er glättete und den anderen zeigte. Es war das Foto von Ron und seiner Familie als sie in Ägypten waren. Krätze saß auf Rons Schulter.

„Wie bist du daran gekommen?", fragte Remus erstaunt.

„Fudge. Als er letztes Jahr kam um Askaban zu inspizieren, gab er mir die Zeitung. Und dort war Peter, auf der ersten Seite… auf der Schulter dieses Jungen… Ich erkannte ihn sofort… Wie oft habe ich gesehen wie er sich verwandelt hat? Und die Bildunterschrift sagte, dass die Jungen zurück nach Hogwarts gehen würden… dort wo Harry und Emily waren…"

„Mein Gott." Remus starrte auf das Bild in der Zeitung. „Seine vorderste Tatze…"

„Was ist damit?", fragte Ron.

„Ihm fehlt ein Zeh. So einfach… So brilliant… Er hat sie sich selber abgeschnitten?"

„Kurz bevor er sich verwandelte", antwortete Sirius. „Als ich ihn eingeengt hatte, schrie er so laut, dass es die ganze Straße hören konnte, dass ich Lily und James verraten und Emily getötet hätte. Dann, bevor ich ihn verfluchen konnte, jagte er die Straße in die Luft mit dem Zauberstab hinter dem Rücken, tötete alle im Umkreis von zwanzig Fuß, deshalb dachte ich auch, dass Emily tot sei, weil sie in der Nähe war. Dann lief er mit den anderen Ratten hinunter in die Kanalisation…"

„Hast du nie davon gehört, Ron?", fragte Remus. „Das größte Stück von Peter, dass sie gefunden haben, war sein Finger."

„Schau, Krätze hatte wahrscheinlich einen Kampf mit einer anderen Ratte oder so! Er ist schon ewig in meiner Familie", widersprach Ron.

„Zwölf Jahre, in der Tat", sagte Remus. „Hast du dich niemals gewundert warum er so lange lebt?"

„Wir haben uns gut um ihn gekümmert", sagte Ron.

„Er sieht nicht gut aus im Moment, oder? Ich vermute er verliert Gewicht seitdem er gehört hat, dass Sirius auf der Flucht ist…"

„Er hat Angst vor dieser verrückten Katze!" Ron zeigte auf Krummschwanz.

Emily seufzte. Ron wollte anscheinend nicht die Wahrheit sehen, dabei war doch alles so offensichtlich. Selbst Krummschwanz hatte schon längst verstanden, dass Sirius unschuldig war, immerhin hatte er für Sirius die Passwörter geklaut. Krummschwanz war auch mit der Grund dafür, dass Pettigrew wieder einmal seinen eigenen Tod vorgetäuscht hatte und verschwunden war.

„Und warum hat er seinen eigenen Tod vorgetäuscht?", fragte Harry wütend. „Weil er wusste, dass Sie ihn töten würden genauso wie Sie meine Eltern getötet haben."

„Nein, Harry", widersprach Remus.

„Und nun bist du gekommen um ihn zu erledigen!"

„Das bin ich", erwiderte Sirius, während er Krätze finster anstarrte.

In diesem Moment glaubte Emily ihm wirklich, dass er zu dem Mord an seinem damaligen besten Freund fähig war. Egal wie sehr sie damals befreundet waren, der Verrat an Lily und James hatte alles ausgelöscht. Emily war nicht hinter Pettigrew her um ihn am Ende tot zu sehen, sondern nur damit Sirius am Ende seine Unschuld beweisen konnte und Pettigrew seine gerechte Strafe bekam, nämlich Askaban.

„Harry", sagte Remus hastig. „Siehst du es nicht? All die Zeit dachten wir, dass Sirius eure Eltern verraten hat und Peter ihn aufgespürt hat, aber es war genau andersrum. Peter hat eure Mutter und euren Vater verraten und Sirius hat ihn aufgespürt-"

„DAS IST NICHT WAHR!", schrie Harry aufgebracht. „ER WAR IHR GEHEIMNISWAHRER! ER HAT DAS GESAGT, BEVOR SIE GEKOMMEN SIND, ER SAGTE ER HAT SIE GETÖTET!" Er zeigte anklagend auf Sirius.

„Harry… Ich habe sie so gut wie getötet", krächzte Sirius. „Ich habe Lily und James im letzten Moment überredet Peter als Geheimniswahrer zu nehmen anstelle von mir… ich bin schuld, ich weiß es… die Nacht in der sie starben, habe ich es so arrangiert, dass ich bei Peter vorbeisehen konnte um sicher zu gehen, dass er sicher war, doch als ich an seinem Versteck ankam, war er weg. Es gab keine Anzeichen für einen Kampf. Es fühlte sich nicht richtig an. Ich hatte Angst. Ich bin direkt zum Haus eurer Eltern gegangen. Und als ich ihr Haus sah, zerstört, und ihre Körper – habe ich realisiert was Peter getan haben muss. Was ich getan habe." Seine Stimme brach.

„Genug davon." In Remus Stimme lag etwas Stählernes, dass so gar nicht zu ihm passen schien. „Es gibt nur einen sicheren Weg zu beweisen was wirklich geschah. Ron, gib mir die Ratte."

„Was machen Sie damit wenn ich sie Ihnen gebe?", fragte Ron angespannt.

„Ihn zwingen sich zu zeigen", antwortete Remus. „Wenn er wirklich eine Ratte ist, dann wird es ihm nicht wehtun."

„Remus hat Recht", fügte Emily hinzu. „Es ist ein simpler Zauber."

Ron zögerte kurz, gab Krätze aber dann an Remus weiter. Krätze schien die drohende Gefahr für ihn zu spüren, denn er kämpfte immer wilder gegen Remus Griff an.

„Emily? Da du den Zauber auch kennst, willst du-" , fragte Remus.

„Aber sicher doch", unterbrach Emily ihn bestimmt. „Nichts wäre mir lieber."

„Bereit Sirius?"

Sirius holte sich Snapes Zauberstab, seine dunklen Augen schienen plötzlich zu brennen. „Zusammen?"

„Ich denke schon." Remus streckte die Hand mit Krätze aus und alle drei richteten ihre Zauberstäbe auf die Ratte. „Auf drei. Eins – zwei –DREI!"

Ein Strahl aus blauweißen Licht brach aus drei Zauberstäben und traf auf die Ratte. Seine schmale Gestalt wand sich wild in der Luft, dann fiel sie auf den Boden. Ein zweiter Strahl brach hervor, dann formte sich in Sekundenschnelle aus der Ratte ein Mann.