48. Durch die Zeit
„Wir sind in der Zeit zurückgereist?" Emily sah Hermine entgeistert an, obwohl diese das in der dämmrigen Kammmer gar nicht sehen würde.
„Aber-" , sagte jetzt Harry.
„Psscht", zischte Hermine. „Hört zu. Da kommt jemand! Ich denke, dass sind wir."
Das war absolut surreal. Sie saßen hier in dem Besenschrank und gleichzeitig liefen sie dort draußen lang. Emily hatte gar nicht gewusst, dass Zeitreisen überhaupt möglich waren. Aber es erklärte auf jeden Fall wie Hermine es immer geschafft den ganzen Unterricht zu besuchen. Harry schien es auch nicht besser zu ergehen als Emily. Sie hörten wie dort draußen die vier Personen leise durch die Halle gingen und das Schloss verließen.
„Woher hast du das Ding bekommen?", fragte Harry.
„Es ist ein Zeitumkehrer", erklärte Hermine wispernd. „Ich habe ihn von McGonagall am ersten Tag bekommen. Ich habe ihn das ganze Jahr dazu benutzt um all meinen Unterricht zu besuchen. Sie hat mich schören lassen, dass ich es keinem erzähle."
„Deshalb hast du gesagt, dass Inga und Leo dich nicht gesehen haben als ich dich gefragt habe!", rief Emily aus.
Hermine nickte. „Ja. Aber ich verstehe nicht was Dumbledore von uns will. Warum hat er gesagt wir sollend drei Stunden zurückgehen. Wie soll das Sirius helfen?"
„Es muss etwas passiert sein, dass wir ändern sollen", sagte Harry langsam. „Was ist passiert? Wir sind zu Hagrids Hütte hinunter gegangen…."
Emily schlug sich mit der flachen Hand gegen die Stirn. „Seidenschnabel!"
„Seidenschnabel?"
„Natürlich", rief Harry. „Wir retten Seidenschnabel!"
„Das zweite unschuldige Leben! Wir können mit Seidenschnabel zu Flitwicks Büro fliegen und Sirius daraus holen!"
„Und dann kann Sirius auf Seidenschnabel fliehen", fügte Harry hinzu. Die Zwillinge sahen sich begeistert an.
„Wenn wir das schaffen ohne gesehen zu werden, dann ist das ein Wunder." Hermine war definitiv nicht so begeistert wie die Zwillinge.
„Aber wir müssen es versuchen", sagte Emily.
„Genau. Es hört sich nicht mehr an als ob noch jemand hier wäre", fügte Harry hinzu. Er machte die Tür auf und die Eingangshalle war tatsächlich leer. So schnell sie konnten sprinteten sie durch die Halle und dann hinaus zu den Gewächshäusern und zu Hagrids Hütte. Hermine sagte noch etwas, dass sie aufpassen sollten, dass sie sich selbst nicht sehen würden, doch Emily hatte gerade andere Sorgen als herausfinden was genau ihre Freundin damit meinte.
Anscheinend kamen sie gleichzeitig mit ihrem anderen Selbst an der Hütte an, denn sie hörten ihre eigenen Stimmen, während sie sich hinter einem Baum versteckten. Vorsichtig bewegten sich in Richtung Seidenschnabel der am Zaum von Hagrids Garten festgebunden war.
„Jetzt?", wisperte Harry.
„Nein", erwiderte Hermine. „Wenn wir jetzt stehlen, dann glauben die Leute vom Komitee, dass Hagrid ihn freigelassen hat. Wir müssen warten bis sie ihn gesehen haben."
„Dann haben wir nur ungefähr sechzig Sekunden Zeit", sagte Emily. Langsam erschien ihr die ganze Sache ziemlich unmöglich.
Sie hörten wie drinnen Hermine Krätze fand und Emily fand sich selbst in der Versuchung hineinzustürmen und Krätze einfach zu nehmen. Doch Hermine erzählte ihnen, dass sie niemals die Gesetze der Zeitreisen brechen durften, denn sonst gäbe es heftige Konsequenzen.
Endlich kamen die Leute des Komitees hinunter zu Hagrids Hütte und die vier verließen die Hütte. Wieder überkam Emily dieses surreale Gefühl sich selbst zu sehen und gleichzeitig sich hinter den Bäumen zu verstecken.
Die anderen vier verschwanden unter dem Tarnumhang und machten sich auf den Weg zurück. Hagrid ging zu dem Komitee, dass an seiner Tür klopfte.
Macnair, der Henker, sah nach Seidenschnabel, während sich die anderen über die bevorstehende Hinrichtung unterhielten.
„Wartet hier", wisperte Harry. „Ich mache es."
Drinnen hörte man wie Fudge die Anklageschrift vorlas. Nervös beobachtete Emily wie sich Harry zu Seidenschnabel hinüber bewegte und versuchte den Hippogreif davon zu überzeugen ihm zu folgen. Doch Seidenschnabel wollte nicht weg, doch die Zeit wurde langsam knapp, denn bald war Fudge am Ende angelangt, es fehlten nur noch ein paar Unterschriften.
Harry zog immer heftiger an dem Seil und endlich bewegte sich Seidenschnabel. Die beiden verschwanden gerade noch rechtzeitig im Schutz der Bäume. Hinter ihnen hörten sie wie die Leute in Hagrids Garten traten.
„Wo ist es?", fragte der alte Mann vom Komitee.
„Es war hier angebunden", sagte Macnair wütend. „Ich habe es gesehen. Genau hier."
„Wie außergewöhnlich", sagte Dumbledore. Er klang amüsiert.
Sie hörten das Zischen der Axt als sie durch die Luft schnitt und dann auf den Zaun traf. Hagrid heulte laut auf, doch sie erkannten, dass es aus Freude war. Emily sprang ihrem Bruder zur Seite und hielt Seidenschnabels Leine fest, denn der Hippogreif wollte unbedingt zurück zu Hagrid.
Als alle wieder in die Hütte zurückgekehrt waren, beschlossen die drei in Richtung der Peitschenden Weide zu gehen um von dort aus die Geschehnisse der Nacht zu bewachen. Da Hagrid jetzt weg war, kam auch Seidenschnabel freiwillig mit ihnen mit.
Es wurde immer dunkler und so fanden sie nur schwer den Weg, doch sie kamen rechtzeitig an um zu sehen wie Ron Krätze hinterher jagte. Sie sahen wie Sirius auftauchte und Harry umrannte, dann wie Emily als Löwin Sirius folgte. Ein paar Minuten später verschwanden auch Harry und Hermine in den Schatten und dann in dem Tunnel.
Ein paar Meter von ihnen entfernt kamen Dumbledore, Fudge und Macnair vorbei, doch sie sahen die drei nicht. Remus war der nächste der vor ihren Augen auftauchte und dann in dem Tunnel verschwand.
Harry wollte Remus nachlaufen und den Tarnumhang holen, damit Snape ihn nicht finden würde, doch Hermine hielt ihn zurück.
„Wie kannst du das aushalten?", fragte er Hermine. „Wir stehen nur hier und schauen zu wie es passiert?"
„Harry, nein", keuchte Hermine. Ein paar Sekunden später kam nämlich Hagrid vorbei, in voller Lautstärke singend und betrunken.
„Wir können nicht, Harry. Es ist alles passiert und wir können nichts mehr ändern", wisperte Emily traurig. „Wir können nur noch Sirius retten. Der Lauf der Geschichte ist geschrieben."
Harrys Schultern sanken und er nickte geschlagen, während sie sahen wie Snape als Letzter in den Tunnel stieg. Er hatte den Tarnumhang auf den Boden gefunden.
„Das ist es", sagte Hermine leise. „Wir sind alle unten…. und nun müssen wir nur noch warten bis wir nach oben kommen."
Sie befestigte Seidenschnabels Leine an einem Baum und setzte sich auf den Boden, die Arme um die Knie gelegt. Die Zwillinge setzten sich dazu.
„Wieso bist du ein Animagus, Emily?", fragte Hermine neugierig. „Es ist komplizierte Magie."
„Ich habe die alten Bücher der Rumtreiber, außerdem habe ich dank Lockhart Zugang zu der Verbotenen Abteilung bekommen und da stand alles", erklärte Emily. „Das einzige wozu er mal wirklich nützlich war."
Harry grinste, während Hermine nicht so ganz wusste was sie sagen sollte und über ihre Wangen zog sich eine feine Röte. „Aber das ist doch illegal."
„Ich weiß", seufzte Emily. „Aber registrieren werde ich mich nicht. Sirius ist auch nie aufgeflogen, warum sollte ich es dann? Wenn ihr alle dicht haltet, dann sollte es klappen. Außerdem wenn ich mich registriere muss ich erklären woher ich alles weiß und dann fliegen Sirius und Remus auch auf. Es ist ja auch nicht so, dass ich als Löwin quer durch die Schule renne."
Hermine sah immer noch nicht ganz zufrieden aus. „Du könntest in Askaban landen."
„Ich glaube nicht, dass alle Animagi auf dieser Welt sich registriert haben", erwiderte Emily. „Ich werde schon nicht erwischt. Aber lass uns von etwas anderem reden. Was ist am See passiert? Wer hat den Patronus geschickt? Er kam vom anderen Ufer und die Personen die ich gesehen habe, können es nicht gewesen sein."
Harry sah sie verwundert an. „Dir ging es genauso?"
„Was ist passiert?", fragte Hermine.
Hastig erklärten die beiden ihr was passiert war. „Es muss jemand mächtiges gewesen sein", sagte Harry.
„Habt ihr nicht gesehen wie sie ausgesehen haben?"
Emily schüttelte den Kopf. „Nicht wirklich. Es war kein Lehrer. Vielleicht habe ich mir das auch nur eingebildet, aber wenn Harry das gleiche gesehen hat…"
„Ich denke es waren unsere Eltern", fügte Harry hinzu.
„Eure Eltern sind tot", sagte Hermine ungläubig.
„Das wissen wir", erwiderte Emily. „Aber es waren auch keine Geister die wir gesehen haben."
„Sie sahen genauso aus wie auf den Bildern die wir haben", sagte Harry. Er drehte sich von ihnen weg und schien Seidenschnabel zu beobachten, doch Emily merkte, dass seine Gedanken ganz woanders waren. Es musste schwer für ihn sein alles zu begreifen was innerhalb von ein paar Stunden passiert war. Sie hatte ja länger Zeit gehabt um alles zu verstehen.
Hermine lenkte Emily ab und fragte sie leise weiter über Animagi aus und Emily antwortete bereitwillig. Nach einer Stunde tauchten sie endlich wieder aus dem Tunnel auf. Nach und nach kletterten sie alle hervor und machten sich dann auf den Weg zum Schloss. Jeden Moment würde sich der Mond zeigen und dass Drama seinen Lauf nehmen.
Sie standen auf und selbst Seidenschnabel hob neugierig seinen Kopf. „Harry", murmelte Emily. „Wir müssen hierbleiben. Wir dürfen nicht gesehen werden." Sie ahnte was er tun wollte. Sie würde es ja am liebsten selbst tun, doch es ging nicht. „Es gibt nichts was wir tun können."
„Also lassen wir Pettigrew wieder entkommen…"
„Wie willst du eine Ratte in der Dunkelheit finden?", schnappte Hermine. „Es gibt nichts was wir tun können. Wir sind zurück gekommen um Sirius zu retten. Wir sollen nichts anderes tun."
„Selbst ich habe die Ratte nicht finden können", sagte Emily bitter. „Noch nicht mal als Löwin…" Ihre Stimme verlor sich in der Dunkelheit.
„Ist ja gut! Es ist nicht deine Schuld, Emily", fügte Harry sanfter hinzu.
Der Mond tauchte hinter den Wolken auf und Remus verwandelte sich. Als sie begriffen, dass der Werwolf direkt auf sie zu rennen würde, flohen sie zu Hagrids Hütte, die nun leer bis auf Fang war.
„Ich denke ich gehe besser nach draußen. Ich kann nicht sehen was passiert", sagte Harry. „Wir wissen nicht wann es Zeit ist…"
Hermine sah ihn misstrauisch an.
„Wir werden nicht versuchen uns einzumischen", antwortete Emily. „Wenn wir nicht sehen was passiert können wir nicht wissen wann es Zeit ist Sirius zu retten."
„Wir?", fragte Harry erstaunt.
„Meinst du ich lasse dich alleine nach draußen? Natürlich komme ich mit."
„Nun dann, okay. Ich warte hier mit Seidenschnabel… aber seid vorsichtig… da sind ein Werwolf und die Dementoren."
„Ich passe auf ihn auf", versicherte Emily und die Zwillinge verließen die Hütte. Heulen war in der Ferne zu hören. Gemeinsam rannten sie in Richtung des Sees, beide wussten genau, dass der andere auch dorthin wollte. Die Personen die den Patronus beschworen hatten, mussten jeden Moment dort auftauchen und wenn es wirklich ihre Eltern waren, dann wollte Emily sie unbedingt sehen.
Harry war schneller als sie und so verwandelte sie sich wieder in ihre Löwin um mit ihm mitzuhalten können. Es musste ein wunderliches Bild abgeben, so wie sie durch den Wald rannten. Ein dünner Junge mit schwarzen wilden Haar, begleitet von einer Löwin, die wie getrieben im Mondlicht durch den Wald hetzten.
Sie versteckten sich hinter einem Busch am Ufer und Emily verwandelte sich zurück. Am anderen Ufer sahen sie wie die silbernen Lichter ihrer schwachen Patroni erloschen. Aber niemand tauchte auf ihrer Seite auf, dabei wurde es doch Zeit dazu…
Niemand würde kommen um ihnen zu helfen, schoss es Emily durch den Kopf. Nur sie waren hier. Doch dann erklärte sich plötzlich alles. Sie sah zu Harry und er schien zu dem gleichen Ergebnis gekommen zu sein. Beide sprangen hinter dem Busch hervor, die Zauberstäbe erhoben.
Was sagten alle immer zu ihnen? Sie sahen aus wie ihre Eltern.
Es waren nicht Lily und James gewesen, sondern Emily und Harry. Sie hatten sich selbst gerettet. „EXPECTRO PATRONUM!", riefen sie gemeinsam und schon schossen silberne Lichter aus den Spitzen.
Die silbernen Lichter vermischten sich und trennten sich dann um zwei große Formen zu bilden. Sie schienen hell, so hell wie der Mond über ihnen und sie waren überirdisch schön. Die Patroni jagten die Dementoren davon und dann kehrten sie zurück. Emily zitterte, dabei war ihr gar nicht kalt und sie hatte Tränen in den Augen. Stattdessen fühlte sie so etwas wie Hoffnung.
Erst dann erkannte Emily die Formen. Es waren ein Hirsch und eine Hirschkuh, die majestätisch und grazil über den See liefen. Krone. Ihr Vater. Dann musste die Hirschkuh für Lily stehen. Vorsichtig streckte sie ihre Hand aus während der große Hirsch seinen Kopf vor ihnen beugte genauso wie Emilys Patronus.
"Mama, Papa", flüsterte Emily, ihre Worte nicht lauter als ein Windhauch und unter Tränen lächelte sie.
Die silbernen Figuren verschwanden wieder bevor Emily sie wirklich berühren konnte. Ohne es wirklich zu merken streckte Emily ihre Hand aus und drückte Harrys. Beide starrten immer noch auf die Stelle wo der Hirsch und die Hirschkuh verschwunden waren als Hermine und Seidenschnabel auftauchten.
„Was habt ihr getan?", zischte Hermine. „Ihr habt gesagt ihr wollt nur gucken."
„Wir haben gerade all unsere Leben gerettet", sagte Harry.
„Wir erklären es dir", fügte Emily hinzu.
Hermine sah sie mit offenem Mund an als sie mit der Erklärung fertig waren. „Das ist sehr fortgeschrittene Magie."
„Ich wusste, dass ich es tun konnte, weil ich bereits wusste, dass ich es tun kann", erklärte Harry. „Macht das Sinn?"
Auf der anderen Seite des Ufers war Snape aufgetaucht, der anscheinend endlich das Bewusstsein wieder erlangt hatte. Er legte alle auf Liegen und brachte sie dann zum Schloss hinauf. Auf einer fünften Liege lag bereits Ron. Später tauchte Macnair auf, zweifellos um die Dementoren zu holen. Es war Zeit für sie um Sirius zu retten.
„Es passen nur drei Leute auf Seidenschnabel", wisperte Hermine. „Wir treffen uns vor dem Krankenflügel. Fliegt ihr beide."
„Danke Hermine." Emily umarmte Hermine hastig. Dann half Harry ihr auf Seidenschnabels Rücken.
„Passt auf euch auf, ja?", sagte Hermine. „Ihr wisst wo das Büro ist?"
Emily nickte, während Harry ebenfalls aufstieg. „Wir sind bald wieder zurück."
„Bereit?", fragte Harry und schlang seine Arme um Emily. Er nahm die Leine auf als ob es Zügel wären. Er stupste Seidenschnabel an und der Hippogreif erhob sich in die Luft. Beinahe flogen sie zu schnell und verpassten das Fenster, doch irgendwann hielt Seidenschnabel vor dem passenden Fenster. Sie schwankten zwar in der Luft, doch Harry schaffte es ans Fenster zu klopfen.
„Alohomora", murmelte Emily und das Fenster öffnete sich. Sirius war schon auf die Beine gesprungen und zum Fenster gelaufen. „Wie?", krächzte er.
„Steig auf, wir haben nicht viel Zeit", sagte Harry.
„Du musst hier raus", rief Emily mit dringlicher Stimme. „Die Dementoren kommen. Macnair holt sie gerade."
Sirius griff nach dem Fensterrahmen und schwang sich hinaus. Zum Glück war er so dünn. Er ließ sich hinter Harry auf Seidenschnabels Rücken fallen und sofort begannen sie weiter zu fliegen. Harry lenkte den Hippogreif auf das Dach des Westturms, da er am nächsten war.
Kaum, dass sie gelandet waren, rutschten sie von seinem Rücken hinab. „Sirius, du musst gehen", keuchte Emily.
„Sie werden Flitwicks Büro jeden Moment erreichen", sagte Harry, ebenso atemlos. „Sie werden herausfinden, dass du weg bist."
„Was ist mit dem anderen Jungen passiert? Ron?", fragte Sirius, während hinter ihm Seidenschnabel ungeduldig mit den Hufen scharrte.
„Geh, Sirius, aber schnell", flehte Emily.
„Wie kann ich euch jemals danken", begann Sirius.
„Geh", riefen die Zwillinge gemeinsam.
„Wir sehen uns wieder", sagte Sirius. „Ihr seid wahrhaft die Kinder eurer Eltern."
Der Hippogreif erhob sich in die Luft und katapultierte sie mit mächtigen Schlägen seiner Flügel in den Himmel hinauf. Emily und Harry beobachteten wie die beiden immer kleiner und kleiner wurden und irgendwann ganz verschwunden waren.
Emily wandte ihren Blick wieder vom Himmel ab. „Wir haben nur noch zehn Minuten, wir müssen zurück." Sie wartete Harrys Antwort gar nicht erst ab, sondern zog ihn hinter sich her. Sie liefen eine schmale Wendeltreppe hinab und mussten dann Fudge und Snape ausweichen, die sich über Sirius und die Dementoren unterhielten. Danach hörten sie noch Peeves, dem sie entkamen in dem sie sich in einem alten Klassenraum versteckten. Die Zeit lief ihnen immer mehr davon.
Endlich kamen sie in den Korridor an dessen Ende der Krankenflügel lag. Hermine löste sich aus den Schatten und lief mit ihnen die letzten Meter.
„Ist er weg?", fragte sie atemlos.
„Ja", erwiderte Emily mit einem kleinen Lächeln.
Dumbledore stand bereits außerhalb des Krankenflügels und wollte gerade die Tür abschließen als die drei ankamen.
„Wir haben es geschafft", verkündete Harry. „Sirius ist weg, auf Seidenschnabel…"
„Gut gemacht. Geht hinein", sagte Dumbledore.
Die drei schlichen sich wieder hinein und legten sich in ihre Betten. Keinen Moment später kam Madam Pomfrey aus ihrem Büro. Sie zwang die drei große Stücke Schokolade zu essen. Mit einem Mal ertönte ein gewaltiger Wutschrei durch das Schloss. Anscheinend hatte man Sirius Flucht entdeckt. Laute Stimmen näherten sich dem Krankenflügel.
Es ging um Sirius Flucht, so viel konnte Emily hören. Snape beschuldigte Harry etwas damit zu tun zu haben. Fudge war immer noch bei ihm, genauso wie Dumbledore, denn die drei Männer kehrten zurück in den Krankenflügel.
Sie hatte Snape noch nie so wütend gesehen wie in diesem Moment. „WAS HABEN SIE GETAN, POTTER?"
Madam Pomfrey und Fudge versuchten ihn zu beruhigen, doch Snape ließ es nicht zu. Dumbledore schritt ein und erklärte ihm, dass die Tür verschlossen war und Madam Pomfrey bestätigte, dass niemand die Betten verlassen habe.
Snape wollte absolut nicht einsehen, dass er Unrecht hatte und redete sich immer weiter in Rage. Endlich stürmte er aus dem Krankenflügel, wenig später gefolgt von Fudge und Dumbledore. Es war richtig still ohne die drei Männer.
Emily erhob sich wieder aus ihrem Bett und stand auf.
„Wohin willst du?", fragte Harry.
„Ich suche nach Remus", erklärte sie. „Es ist nicht gut für ihn wenn er alleine die Nacht durchstehen muss. Die Nacht hat noch einige Stunden."
„Spinnst du? Du kannst doch nicht mit einem Werwolf durch die Nacht rennen?", rief Hermine entrüstet und besorgt.
„Ich bin ein Animagus, mir kann nichts passieren", beruhigte Emily sie. „Ich mache mir nur Sorgen um Remus. Ich bin zurück bevor jemand was merkt. Diese Nacht kontrolliert keiner mehr."
Harry stand ebenfalls auf und holte von einem der benachbarten Betten das Kissen und die Decke. „Hier, stopf wenigstens dein Bett aus."
„Danke." Hastig präparierte Emily das Bett und schlich sich dann aus dem Krankenflügel. Die Idee nach Remus zu suchen war ihr gekommen als sie das Geheul des Wolfes gehört hatte. Remus hatte sich seit dem Tod ihrer Eltern nur noch alleine verwandelt und man konnte ihm ansehen wie sehr es am ihm zerrte. Außerdem wollte sie ihm auch etwas zurückgeben, schließlich hatte er sich so um sie gekümmert als sie zusammen gebrochen war.
Geschwind lief sie durch die Schule, zum ersten Mal als Löwin, weil sie so schneller war. Außerdem würde diese Nacht nicht mehr viel los sein, denn das Schloss hatte genug Aufregung für eine Nacht erlebt. Sie schlüpfte durch die Türen und überquerte die Ländereien, glücklicherweise schob sich für ein paar Minuten eine Wolke vor den Mond.
Sie tauchte in den Schatten der Bäume und lauschte nach dem Geheul während sie immer weiter in den Wald hineinlief. Der Werwolf war tief in den Wald eingedrungen und sein Heulen war selbst für Emily leise. Doch sie lief unbeirrt weiter und irgendwann fand sie ihn auch.
Der Werwolf kauerte auf einer Lichtung, er schien geradezu im Mondlicht zu baden und knurrte laut als die Löwin ebenfalls auf die Lichtung trat. Selbstbewusst fauchte Emily zurück und wagte sich näher. Der Werwolf sprang wieder auf seine Beine und kam auf Emily zu. Emily blieb stehen und ließ ihn näher.
Der Wolf schnappte nach ihr, doch Emily wehrte ihn ab. Er schien ruhiger geworden zu sein, als noch am Anfang der Nacht, er war nicht mehr so gewalttätig. Vielleicht erkannte er sie auch wieder.
Emily folgte dem Wolf tiefer in den Wald als er davon lief. In dem Mondlicht erkannte sie dunkle Blutspuren auf seinem Fell, dort wo er sich selbst verletzt hatte. Gemeinsam liefen sie durch den Wald und bald wusste Emily nicht mehr ganz wo sie waren.
Sie achtete darauf ob der Wolf sich noch einmal selbst verletzte, doch der Wolf schien jetzt anderes im Kopf zu haben. Er war froh, dass jemand anderes bei ihm war. Ein paar Mal wollte er die Löwin noch angreifen, doch Emily machte ihm schnell klar, dass sie sich ganz gut selbst verteidigen konnte.
Langsam machte es ihr Spaß mit dem Wolf durch die Nacht zu streifen. Es war noch viel los im Wald, auch wenn sich viele der kleineren Tiere vor ihnen versteckten. Emily war sicher ein paar Mal Zentauren gesehen zu haben, die aus den Schatten heraus den Wolf argwöhnisch beobachteten.
Es war berauschend zwischen den Bäumen entlang zu rennen und zu sehen wie die Welt an einem vorbeirauschte. Der Verbotene Wald entfaltete seine geheimnisvolle Schönheit erst wenn man keine Angst vor ihm und seinen Kreaturen hatte. Das Mondlicht tauchte alles in silbernen Schein und je früher es wurde, desto mehr Nebelschwaden erschienen. In der Luft lag der erste feine Geruch des Sommers.
Nach ein paar Stunden gab der Werwolf auf und ließ sich einfach auf den Boden fallen. Auch Emily konnte nicht mehr und so legte sie sich neben den Wolf und schloss die Augen. Daran, dass sie am nächsten Morgen wieder ins Schloss zurück musste, dachte sie nicht mehr.
