67. Die zweite Aufgabe

Rundherum ertönte lauter Beifall, den Emily kaum hörte. Fleur, Cedric und Viktor verschwanden schnell in den Tiefen des Sees, während Harry noch auf der Plattform stand und so wie es aussah, hatte er gerade das Kiemenkraut genommen.

Emily biss sich auf die Unterlippe, so fest, dass sie bald den kupfrigen Geschmack von Blut im Mund hatte. Endlich stakste Harry ins Wasser, allerdings konnte Emily nicht erkennen ob das Kraut überhaupt wirkte. Doch dann stürzte er bäuchlings ins Wasser und tauchte komplett unter. Emily hoffte, dass das Kraut jetzt wirkte und versuchte sich einzureden, dass sie merken würde, wenn mit ihm etwas nicht stimmte. Dennoch umklammerte sie Leos Hand fest und unablässig irrten ihre Augen über die Wasseroberfläche.

„Welcher Idiot hat sich eigentlich diese Aufgabe ausgedacht?", murmelte Inga nach ein paar Minuten.

„Wieso?", fragte Emily erstaunt.

„Bei den Drachen konnte man wenigstens was sehen", sagte Inga grummelig. „Es ist echt langweilig wenn wir die Wasseroberfläche eine Stunde lang anschauen müssen. So spannend ist der See ja jetzt auch schon wieder nicht."

Emily entrang sich ein winziges Lachen, schließlich hatte Inga Recht. Für die Zuschauer war die Aufgabe echt nichts. So schien es auch den anderen zu gehen, denn rundherum brachen lauter Gespräche über alles Mögliche aus und die meisten schienen kaum mehr auf die Seeoberfläche zu achten.

Und so verbrachten auch sie ihre Zeit damit zu quatschen, doch die Anspannung und die Angst um ihren Bruder verließen Emily nie ganz, sondern wurden mit jedem Vorrücken der großen Zeiger der Uhr ein bisschen schlimmer.

„Da", schrie plötzlich jemand als die Oberfläche des Sees in Aufruhr geriet. Ein Raunen ging durch die Menge und alle wandten ihre Aufmerksamkeit zum See. Die Richter verließen ihre Plätze und liefen an den Rand des Sees. Einige Sekunden später tauchte ein heller Schopf auf.

Es war Fleur. Allerdings war sie alleine, sie hatte es nicht geschafft ihre Person zu retten. Erschöpft kletterte sie aus dem Wasser und wurde sofort von Madame Maxime umsorgt, während die Richter auf sie einredeten, wahrscheinlich um zu erfahren was ihr passiert war.

„Die ist ja ganz schön fertig", meinte Inga. „Was die wohl erlebt hat?"

Emily zuckte mit den Schultern. Es wurde viel spekuliert, aber von den Richtern kam keine Information. Stattdessen verbreiteten sich in der Menge jede Menge Gerüchte. Es fing an, dass Fleur einfach aufgegeben hatte, bis hin dazu, dass der Große Krake sie angegriffen hatte. Erst von Harry sollte Emily erfahren, dass Grindelohs Fleur angegriffen hatten.

Danach passierte lange Zeit erst einmal gar nichts und die Aufregung der Zuschauer legte sich wieder. Die Uhr tickte unaufhörlich weiter und bald zeigte sie an, dass die eine Stunde vorbei war, doch keiner der Champions war bis jetzt zurückgekehrt. Langsam wurde die Menge unruhig, genauso wie die Richter.

Doch dann tauchte mit einem Mal Cedric zusammen mit Cho auf und die beiden schwammen mit kräftigen Zügen zurück zum Ufer. Donnernder Applaus tönte auf als Hogwarts seinen Champion feierte. Inga hüpfte vor lauter Freude auf und ab, während Emilys Blick immer noch fest auf den See gerichtet war.

Der nächste der auftauchte war Viktor. Sein Kopf verwandelte sich vom einem Haifisch wieder zurück zu seinem menschlichen, was einen ziemlich grotesken Anblick bot. Hermine schwamm wohlbehalten neben ihm.

Aber wo blieb Harry? Emily rutschte unruhig auf ihrem Platz hin und her und wäre am liebsten hinunter zu den Richtern gelaufen um wenigstens nicht tatenlos sitzen zu bleiben müssen. Die Sekunden schienen schmerzhaft lang bis endlich ein dunkler, ein rothaariger und ein silberner Schopf die Oberfläche durchbrachen.

Emily fragte sich für einen kurzen Moment wem die silbernen Haare gehörten, doch dann war es ihr auch egal, denn das einzige was zählte, war das Harry zurück war. Sie gab Leo einen schnellen Kuss auf die Wange und drängte sich dann durch die Menge zu den Richtern und Champions.

Im allgemeinen Chaos fiel es Merlin sei Dank nicht auf, dass Emily eigentlich gar nicht hier sein sollte. Als sie auf Harry zukam, sah sie wie er und Ron gerade von Fleur auf die Wange geküsst wurden und fürchterlich rot wurden. Da erst fiel ihr die Ähnlichkeit zwischen Fleur und dem silberhaarigen Mädchen auf, sie schienen Schwestern zu sein.

Emily umarmte Harry, sich nicht darum kümmernd, dass er noch nass war. „Du Idiot", flüsterte sie ihm ins Ohr. „Du bis viel zu nobel für die Welt." Es war typisch für Harry, dass er auch noch Fleurs Schwester gerettet hatte, anstatt sich nur um seine eigene Geisel zu kümmern. „Ich dachte du ersäufst noch in dem See."

Harry grinste verlegen. „Ähm- ja. Ich weiß auch nicht so was ich mir dabei gedacht habe."

Danach umarmte Emily auch noch Hermine, die nicht weit entfernt stand und Ron immer noch mit einem wütenden Blick bedachte. Anscheinend hatte sie gesehen wie Fleur die beiden Jungen auf die Wange geküsst hatte.

„Du darfst doch eigentlich gar nicht hier sein", wisperte Hermine Emily ins Ohr.

„Meinst du das kümmert mich?"

Hermine wurde einer Antwort enthoben, denn jetzt verkündeten die Richter die Punkte. Fleur bekam immerhin noch fünfundzwanzig Punkte, während Cedric siebenundvierzig und Viktor vierzig bekam.

„Mr Harry Potter hat mit bester Wirkung Kiemenkraut genommen", sagte Bagman. „Er kehrte als Letzter zurück und weit über dem Zeitlimit von einer Stunde. Wie uns die Seehäuptlingin allerdings mitteilt, hat Mr Potter die Geiseln als Erster erreicht, und die Verspätung bei seiner Rückkehr war seiner Entschlossenheit geschuldet, alle Geiseln, nicht nur die seine, in Sicherheit zu bringen. Die Mehrzahl der Richter" – und an dieser Stelle versetzte Bagman Karkaroff einen sehr gehässigen Blick – „sind der Überzeugung, dass dies moralisches Rückgrat beweist und mit der vollen Punktzahl belohnt werden sollte. Dennoch … Mr Potters Ergebnis lautet fünfundvierzig Punkte."

Das bedeutete, dass Harry zusammen mit Cedric auf dem ersten Platz war. Emily schüttelte lachend den Kopf als sie sah wie erstaunt Harry war als er die Punkte hörte. So etwas konnte auch nur Harry schaffen. Aber eigentlich egal wie viele Punkte Harry bekommen hatte, hauptsache er lebte noch und hatte die zweite Aufgabe erfolgreich überstanden. Jetzt brauchte er sich bis zum 24. Juni, dem Tag der dritten Aufgabe, nicht mehr zu sorgen.

Auf dem Weg zurück ins Schloss, nachdem alle Gryffindors und die halbe Schule Harry beglückwünscht hatte, hatte Harry endlich Zeit ihnen zu erzählen was im Unterwasser alles passiert war. Eigentlich hatte er die Geiseln relativ schnell gefunden, er war sogar der Erste gewesen, doch er konnte nicht einfach wieder wegschwimmen ohne sicher zu sein, dass auch sie gerettet wurde. Schließlich sagte das Lied, dass sie sonst im Stich gelassen werden würden. Auf die Idee, dass es nur dazu da war damit alle innerhalb der Zeit wiederkamen, war er überhaupt nicht gekommen.

Irgendwann wären dann auch Viktor und Cedric aufgetaucht und hätten Hermine und Cho mitgenommen, während von Fleur jede Spur fehlte. Und so hatte er irgendwann auch Gabrielle, so lautete der Name von Fleurs Schwester, mitgenommen.

„Naja ist ja auch egal wie du es gemacht hast", sagte Emily. „Du hast den ersten Platz und du hast die zweite Aufgabe überlebt."

„Genau", fuhr Ron fort. „Und die dritte Aufgabe schaffst du auch mit links. Was kann dir jetzt noch passieren?"

Alle vier brachen in lautes Gelächter aus. Schließlich hatten sie noch keine Ahnung was Harry wirklich erwartete.

In den nächsten Tagen herrschte viel Trubel um die Champions, vom dem Ron auch seinen Anteil abbekam und es ganz besonders genoss. Doch das war schnell vergessen als eines Tages Pansy Parkinson Hermine eine Ausgabe der Hexenwoche zuwarf.

Doch bevor sie etwas lesen konnte, rief Snape sie alle in den Kerker hinein. Emily quetschte sich in die Reihe vor den dreien um ja nichts zu verpassen und kurze Zeit später reichte Hermine ihr die Zeitschrift.

Harry Potters stummes Herzeleid

Ein Junge wie kein anderer, könnte man meinen – doch auch ein Junge, der die ganz gewöhnlichen Qualen des Heranwachsenden durchleidet. Seit dem tragischen Ableben seiner Familie der Liebe beraubt, glaubte der vierzehnjährige Harry Potter, endlich Trost bei seiner festen Freundin in Hogwarts, der muggelstämmigen Hermine Granger, gefunden zu haben. Doch er ahnte nicht, dass seine Seele in diesem ohnehin von persönlichen Verlusten geprägten Leben bald erneut einen schweren Schlag erleiden würde.

Miss Granger, ein äußerlich unscheinbares, aber ehrgeiziges Mädchen, hegt offenbar eine Vorliebe für berühmte Zauberer, die Harry allein nicht befriedigen kann. Seit Viktor Krum, der bulgarische Sucher und Held der letzten Quidditch-Weltmeisterschaft, in Hogwarts weilt, spielt Miss Granger mit den Gefühlen beider Jungen. Krum, der von der tückischen Miss Granger offensichtlich hingerissen ist, hat sie bereits eingeladen, ihn während der Sommerferien in Bulgarien zu besuchen, und versichert, er habe „solche Gefühle noch für kein anderes Mädchen empfunden".

Allerdings sind es womöglich gar nicht die zweifelhaften natürlichen Reize Miss Grangers, denen diese beiden unglücklichen Jungen verfallen sind.

„Die ist echt hässlich", meint Pansy Parkinson, eine hübsche und lebhafte Viertklässlerin, „aber dass sie einen Liebestrank zusammenbraut, traue ich ihr durchaus zu, sie hat ja ziemlich viel Grips. Ich bin sicher, damit schafft sie es."

Natürlich sind Liebestränke in Hogwarts verboten und zweifellos sollte Albus Dumbledore diesen Behauptungen nachgehen. In der Zwischenzeit können alle, die sich um das Wohl Harry Potters sorgen, nur hoffen, dass er sein Herz das nächste Mal einer würdigeren Kandidatin schenkt.

Rita Kimmkorn

„Verdammt", zischte Emily als sie fertig war mit Lesen. „Was hat sich diese bescheuerte Frau jetzt schon wieder ausgedacht?" Sie drehte sich wieder um und gab Hermine die Zeitschrift zurück. Sie war schon eifrig mit Harry und Ron am tuscheln. „Hast du eine Ahnung wie sie das herausgefunden haben könnte?"

Hermine schüttelte den Kopf. „Keine Ahnung. Ich habs ja keinem erzählt." Sie warf Emily einen entschuldigenden Blick zu.

„Was hast du geantwortet?", fragte Ron und sah Hermine interessiert an. Emily zog erstaunt eine Augenbraue hoch, anscheinend klang da doch die Eifersucht bei Ron durch.

„Mich hat nur interessiert ob es dir und Harry gut geht-

Doch weiter kam sie nicht, denn hinter tauchte Snape auf und konfiszierte gleich die Zeitschrift. Er ließ sich natürlich auch nicht die Gelegenheit entgehen Gryffindor noch ein paar Punkte abzuziehen. „Potter muss natürlich erfahren, was die Presse über ihn schreibt…"

Die Slytherins lachten lauthals, während auf Snapes Gesicht ein dünnes Lächeln erschien. Snape begann den Artikel vorzulesen und gab den Slytherins genug Gelegenheit über Harry und Hermine zu lachen.

Emily umklammerte mit den beiden Händen ihren Stuhl um sich davon abzuhalten aufzuspringen und Snape die Zeitschrift aus der Hand zu reißen. Sie fragte sich mal wieder warum sie jemals gedacht hatte, dass Snape nett sein konnte. Seit der Begegnung in der Heulenden Hütte verachtete sie ihn einfach nur noch, selbst wenn er derjenige war, der sie aus dem Waisenhaus geholt hatte.

Dennoch war sie immer noch die einzige Gryffindor, der er noch nie niemals Punkte abgezogen hatte und die er einigermaßen gut behandelte. Sie wurde nicht schlau aus ihm.

Endlich hatte Snape den Artikel zu Ende gelesen, doch die Tortur war noch lange nicht vorbei. Snape trennte Ron, Harry und Hermine voneinander und begann dann leise auf Harry einzureden. Emily verstand nicht alles, doch sie konnte erkennen, dass Snape Harry provozieren wollte und er wurde richtiggehend beleidigend.

Oh, wie gerne würde sie Snape jetzt ein paar Worte sagen, doch das würde sie alle noch mehr in Schwierigkeiten bringen. Es war ja sowieso schon ein Wunder, dass sie damals in der Hütte so einfach davon gekommen war.

Gerade hörte sie wie Snape Harry beschuldigte Baumschlangenhaut aus seinem Büro gestohlen zu haben und Emily horchte auch. Baumschlangenhaut wurde für den Vielsafttrank benötigt, aber wer in der Schule braute heimlich einen solchen Trank? Ron, Harry, Hermine und sie waren es dieses Mal auf jeden Fall nicht.

Es klopfte an der Tür und Karkaroff schneite herein und verlangte Snape zu sprechen. Karkaroff war auch so jemand, der Emily nicht ganz geheuer war. Außerdem hatte sie ihn immer noch im Verdacht es auf Harry abgesehen zu haben. Karkaroff blieb die ganze Stunde im Kerker, es schien also wirklich dringend zu sein.

Langsam verließen die Schüler den Klassenraum, froh, dass sie endlich das Ende der Stunde erreicht hatten und sie aus Snapes Fängen befreit waren. Erst in der Großen Halle merkte Emily, dass Harry fehlte, doch er tauchte kurz darauf wieder auf. Er war zurück geblieben um die beiden zu belauschen.

„Karkaroff hat Snape etwas auf seinem Arm gezeigt." Harry deutete auf seinen linken Unterarm. „Snape war ziemlich wütend."

„Ich hab keine Ahnung was das bedeuten soll", sagte Emily ratlos. „Ihr?"

Hermine und Ron schüttelten den Kopf. Doch die Gedanken der vier wanderten bald zu dem nächsten Tag. Es war wieder Hogsmeadewochenende und sie würden sich mit Sirius treffen. Er hatte ihnen vor ein paar Tagen geantwortet. Emily freute sich unglaublich darauf endlich ihren Paten wiederzusehen.

Am nächsten Morgen verließ sie schon früh das Schloss. Dieses Mal hatten sich Emily und Leo dafür entschieden nicht alleine zu gehen, sondern auch wieder etwas mit all ihren Freunden zu machen, weil sie nicht zu den Pärchen gehören wollten, die alle rundherum um sich vernachlässigten. Außerdem war Emilys Zeit mit ihren Freunden in letzter Zeit eh zu kurz geraten zwischen der ganzen Aufregung um die zweite Aufgabe.

So kam es, dass sie zusammen mit Neville, Inga, Hannah, Justin und Ernie unterwegs waren. Susan ar mit ihrem Freund Aidan unterwegs und Inga würde sich später noch mit Lee treffen. Weswegen Inga auch die ganze Zeit über ziemlich hibbelig war. Noch gestern Abend hatte sie Emily gestanden, dass sie sich wirklich in Lee verliebt hatte und sie wollte es ihm heute noch sagen.

Emily drückte der Freundin beide Daumen, auch wenn sie ziemlich sicher war, dass Lee genauso verschossen in Inga war. „Wenn er nein sagt, dann bekommt er es mit mir zu tun", versicherte Emily Inga leise.

„Danke", grinste Inga. „Ich wusste auf dich kann ich zählen."

„Aber immer doch." Emily grinste ebenso.

„Warum vergeht die Zeit so langsam?", murmelte Inga und sah zum wiederholten Male auf ihre Uhr.

„Wenn wir in Hogsmeade sind, dann wirst du merken, dass die Zeit im Flug vergeht", beruhigte Emily sie.

„Hmmm." Inga schien nicht wirklich überzeugt, aber sobald sie in die ersten Geschäfte traten schien sie schon viel entspannter zu sein.

Auf der Hauptstraße trafen sie auch auf Sky Edwards und ihre Freundin Milena, die beide einen großen Stapel Stoffballen trugen und offensichtlich in Eile waren. Dennoch blieben sie stehen als sie Inga und Emily sahen.

„Hallo Mädchen", begrüßte Sky sie mit einem Lachen. „Und war der Ball schön?"

„Sie erinnern sich noch an uns?", fragte Emily erstaunt.

„Ja", lachte Sky. „Ich erinnere mich an die meisten meiner Kunden. Außerdem hat ihre Freundin hier mit ihren Kommentar durchaus Eindruck hinterlassen."

Inga wurde ein bisschen rot.

„Der Ball war wunderschön", beantwortete Emily Skys Frage.

Skys Blick fiel auf die verschränkten Hände von Emily und Leo und sie lächelte. „Ich sehe es. Ein Ballpaar, wie süß."

Jetzt war es an Emily und Leo rot zu werden und die anderen lachten.

„Es war schön euch zu wiederzusehen", sagte Sky. „Aber wir müssen diese Ballen endlich wegbringen. Mir fallen schon die Arme ab."

„Jetzt wissen wir ja zum wem wir gehen müssen wenn wir ein Kleid brauchen", rief Inga den beiden Frauen hinterher.

Sky und Milena lachten. Milena warf Emily noch einen prüfenden Blick zu, dann folgte sie Sky und die beiden verschwanden in der Menge.

Die Freunde bummelten durch alle Geschäfte ohne nach etwas Bestimmten Ausschau zu halten. Bei Zonkos trafen sie auf Fred und George, die mehrere dicht gefüllte Tüten trugen und einen sehr zufriedenen Gesichtsausdruck hatten.

„Habt ihr noch was vor?", fragte Emily und deutete auf die Tüten.

„Man weiß ja nie was noch kommt", antwortete Fred geheimnisvoll.

„Genau, man muss auf alles vorbereitet sein", fügte George hinzu. „Und entschuldigt mich bitte. Eine hinreißende Jägerin wartet auf mich." Er grinste.

„Du nimmst mir die Worte aus dem Mund." Fred trug genau das gleiche Grinsen zur Schau. „Wir wollen die Damen nicht warten lassen."

„Na dann mal los", lachte Emily.

Als sie alle Geschäfte durchhatten, gingen sie in die Drei Besen um Butterbier zu trinken. Die Kneipe war schon dicht gepackt mit Hogwartsschülern, doch sie schafften es noch einen Tisch zu ergattern an den sie sich quetschen konnten.

Emily stellte fest wie sehr sie es vermisst hatte einfach so mit ihren Freunden irgendwo zu sitzen und zu quatschen. Sie konnte sich schon kaum noch an das letzte Mal erinnern, aber es hatte sich auch so einiges geändert in diesem Jahr. Susan war mit Aidan zusammen, Inga fast mit Lee und sie selbst mit Leo, außerdem hatte sie ja immer noch ihre Freunde aus Gryffindor und ihren Bruder. Auch wenn sich die Wege von Harry und ihr dieses Jahr immer öfters getrennt hatten. Emily schwor sich wieder mehr Zeit mit ihren Freunden zu verbringen, egal wie schwer es wurde.

Dennoch verabschiedete sich gegen halb zwei von allen und machte sich auf die Suche nach Harry, Hermine und Ron. Leo hatte sie gesagt, dass sie sich mit Harry wegen einer Familienangelegenheit treffen wollte. Es war so viel einfacher seit dem sie Leo ihr Geheimnis erzählt hatte, dabei war ihr allerdings bewusst wie viele Geheimnisse sie noch hütete und die besser auch niemals ans Licht kommen durften.

Hinter Derwisch und Banges traf sie auf die drei und gemeinsam gingen sie die Hauptstraße entlang zum Dorf hinaus, eine Richtung, die Emily noch nie eingeschlagen hatte. Die Straße führte einen Berg hinauf, durch die wilde Landschaft des schottischen Hochlandes. Ein Stück außerhalb erwartete sie ein großer zotteliger Hund.

Mit einem freudigen Aufschrei stürzte Emily auf Sirius zu und kniete neben ihm nieder um die Arme um ihn zu schlingen. Sirius bellte fröhlich auf als auch Harry ihn begrüßte, dann wandte er sich ab und lief voraus den Berg hinauf.

Es dauerte nicht lange und alle vier waren vollkommen aus der Puste. Emily hatte zwar eigentlich eine gute Kondition dank Quidditch, allerdings hatte die dieses Jahr ganz schön gelitten und sie hatte immer noch die kürzesten Beine von allen, was sich dadurch bemerkbar machte, dass sie die Letzte war. Da die Gegend sowieso menschenverlassen war, verwandelte sie sich kurz entschlossen in ihre Löwin und jagte auf vier Beinen Sirius hinterher.

„Spinnst du?", hörte sie noch Hermine hinter sich rufen. „Wenn dich jemand sieht?"

Aber Emily war das egal, sie hatte viel zu viel Spaß daran endlich wieder in ihre Animagusform schlüpfen und frei herumrennen zu können. Es fühlte sich anfangs noch ein bisschen ungewohnt an und so manche Muskeln protestierten, doch sie stürmte vorwärts. Mit vier Beinen war es viel einfacher über das unwegsame Geröll zu kommen und bald war sie den anderen weit voraus.

Sirius lief ihr immer wieder hinterher, doch achtete immer noch darauf, dass sie anderen drei den Anschluss nicht verloren und so musste Emily zwischendurch immer wieder ihr Tempo drosseln. Ungefähr eine halbe Stunde später erreichten sie eine schmale Felsspalte, in der Sirius verschwand. Emily folgte ihm und verwandelte sich rasch. Sirius stand nun ebenfalls als Mensch vor ihr. Er sah besser aus, er hatte ein paar Kilo mehr auf den Rippen und war viel gepflegter. Emily warf sich in seine Arme und er wirbelte lachend sein Patenkind herum.

„Du bist ja immer noch nicht größer geworden, Feuerfell", murmelte er in ihr Haar und Emily versuchte ihn als Antwort gegen die Beine zu kicken, doch Sirius setzte sie schnell ab und wuschelte ihr durchs Haar. So streckte Emily ihm nur die Zunge heraus.

Die anderen traten nun ebenfalls durch die Felsspalte und begrüßten Sirius. „Kommt mit", sagte Sirius und führte sie ein paar Schritte weiter in eine Höhle hinein. Er wies sie an sich vor Seidenschnabel, der Sirius immer noch auf seiner Flucht begleitete, zu verbeugen, was sie auch taten. Der Hippogreif schien sie wiederzuerkennen, denn er verbeugte sich schnell vor ihnen.

Doch dann hörten sie das leise Klicken von Absätzen auf dem Steinboden und Emilys Hand fuhr automatisch zu ihrem Zauberstab. Harry und Hermine erging es genauso, während Sirius entspannt da stand und lächelte.

Hinter Seidenschnabel tauchte eine Frau auf. Als sie näher kam und mehr Licht auf sie fiel, keuchte Emily erschrocken auf.

Es war die Frau von den Photos.