68. Sophia Jones
Emily ließ ihre Hand wieder sinken und betrachtete die Frau genauer. Die schwarzen Haare waren nicht mehr zu unzähligen Zöpfen geflochten, sondern nur noch zu einem langen, der ihr bis über die Schultern fiel. Ein paar Locken umrahmten ihr Gesicht, um die immer noch strahlenden Augen hatten sich die ersten feinen Linien eingegraben, dennoch war sie immer noch eine Schönheit. Sie trug dunkle Jeans und darüber eine Lederjacke. Es gab keinen Zweifel, dass sie die Frau von den Bildern war.
„Wer ist das?", hörte sie hinter sich Ron flüstern.
Sirius lachte leise und winkte die Frau zu sich heran. „Das ist Sophia Jones." Als von den vieren immer noch keiner etwas sagte, fuhr er fort: „Sie ist eine alte Freundin von Remus, euren Eltern und mir."
„Ich bin Emily Potter", stellte sich Emily vor. Es kam ihr immer noch komisch vor sich mit Potter vorzustellen, aber Sophia Jones wusste so oder so wer sie war. „Auch wenn Sie's wahrscheinlich eh schon wissen."
Sophia lachte leise auf. „Du kannst mich ruhig duzen. Es ist nicht zu übersehen wessen Tochter du bist, du siehst ihr so unglaublich ähnlich. Ich kann nicht glauben, dass du lebst." Ihr Blick schwankte von Emily zu Harry. „Hallo Harry."
„Hallo", erwiderte Harry, der nicht dem ganzen gerechnet hatte, etwas irritiert.
„Das sind Hermine Granger und Ron-", stellte Sirius jetzt auch noch die beiden anderen vor, doch Sophia unterbrach ihn: „Weasley, oder?"
Ron nickte. „Woher wissen Sie das?"
„Ich kenne deinen Eltern und Bill", antwortete Sophia. „Und kannte deine Onkel", fügte sie nach einem Augenblick noch hinzu.
„Wieso sind Sie hier?", wollte Hermine wissen und betrachtete Sophia kritisch.
„Weil ich unbedingt wissen wollte wer sie ist", beantwortete Emily die Frage. „Sie ist auf so vielen Fotos drauf."
„Ich war die beste Freundin von Lily", sagte Sophia leise. „So wie Sirius der beste Freund von James war." Sie zog ihren Zauberstab und schon verschoben sich ein paar Steine zu einem Kreis. „Ihr solltet euch vielleicht besser setzen. Es ist eine längere Geschichte."
Emily war die Erste, die sich setzte, begierig darauf die ganze Geschichte zu erfahren, während die anderen drei immer noch leicht verwirrt waren. Sirius lehnte sich gegen die Felswand, während Seidenschnabel zu ihm herüberkam. Anscheinend vermisste der Hippogreif die Aufmerksamkeit.
„Lily und ich waren wie Schwestern", begann Sophia. „Sie war eine wundervolle Person und die beste Freundin, die man haben konnte. Wisst ihr, ich bin muggelstämmig und wir hatten beide keine Ahnung von der Zaubererwelt und dass hat uns zusammengeschweißt. Ich war dabei als sie sich in euren Vater verliebte, ihn heirate und später dann als ihr geboren wurdet." Sie blickte zu Emily. „Hat dir jemand mal erzählt wie du mit zweiten Vornamen heißt?"
Emilys Augen wurden groß als sie sich erinnerte. Sirius hat es ihr irgendwann einmal erzählt. „Sophia."
Sophia nickte und lächelte. „Ja. Emily Sophia Potter. Lily wollte es unbedingt so. Sie hat mich auch zu deiner Patin ernannt."
Stille folgte darauf und alle blickten zu Emily. „Ich dachte Sirius wäre mein Pate", brachte sie dann hervor.
„Nein", erwiderte Sirius. „Ich bin der Pate von Harry."
„Aber warum hast du mir dann gesagt, du wärst mein Pate?", wollte Emily wissen. Die Enttäuschung und die Lüge brannten schmerzhaft in ihr.
„Weil ich damals dachte, dass Sophia tot ist", sagte Sirius sanft. Ein Schatten huschte über sein Gesicht und für einen winzigen Moment kann Emily in seinen grauen Augen tiefen Schmerz erkennen. „Es war einfacher so."
Eine Lüge gegen eine Lüge. Sie hatte Sirius genauso angelogen, in dem sie ihm die Wahrheit über das Waisenhaus verschwiegen hatte. Es wäre scheinheilig sich jetzt darüber aufzuregen, vor allem weil sie selbst noch so viele Geheimnisse bewahrte.
„Warum dachtest du, dass Sophia tot ist?", fragte Harry. Er sah mit gerunzelter Stirn von einem zum anderen.
„Wir haben im Widerstand gekämpft", erklärte Sophia. „Und ich war eine der höchsten Aurorinnen im Ministerium. Ich stand wohl schon lange im Visier der Todesser und nach dem Fall Voldemorts haben sie mich auch geschnappt. Wollten wissen wo ihr Herr und Meister abgeblieben ist. Und wenn man in dieser Zeit von ihnen geschnappt wurde, überlebte es niemand." Ihre Stimme war hart, genauso wie die braunen Augen. Es war die Stimme einer Frau, die schon so viele Kämpfe und Schlachten gesehen hatte.
Sirius legte eine Hand auf Sophias Schulter. „Todesser kennen keine Gnade." Unausgesprochen klang mit, dass die beiden es aus Erfahrung wussten.
"Sirius", sprach Emily als ihr etwas einfiel. "Du hast gesagt, du hast mich zu einer Freundin gebracht. Sophia, warst du das?"
Sophia nickte langsam.
"Aber wie habe ich dann überlebt?", fragte Emily verwundert.
"Sie haben mich geholt, nachdem Sirius dich zu mir gebracht hatte", erklärte Sophia. "Die Todesser wussten nicht, dass du bei mir warst. Und ich wusste nicht, dass Peter sich in der Nähe aufhielt und die Straße in die Luft jagen würde. Ich dachte du wärst bei der Explosion gestorben."
„Aber wie haben Sie überlebt?", fragte Hermine.
„Ich habe es Harry zu verdanken", erwiderte Sophia leise und mit einem schiefen Lächeln.
„Mir?" Harry sah überrascht aus. „Wie das denn?"
„Du hast Voldemort besiegt. Es hat nicht lange gedauert und die Todesser sind geflohen, sie wollten ihr eigenes Leben retten. Da war ihnen ihr Herr und Meister auch wieder egal. Sie hatten zuviel Angst vor Askaban", sagte Sophia. „Sie haben mich dagelassen und ich konnte mich befreien. Anfangs hatte ich noch keine Ahnung was wirklich passiert war. Ich kam zurück, nur um zu erfahren, dass Lily, James und Emily tot sind, genauso wie Peter, Sirius in Askaban war und Harry bei seiner Tante lebte." Ihre Hände ballten sich zu Fäusten auf ihrem Schoß.
„Remus und ich waren die einzigen, die noch von uns übrig waren", fuhr Sophia fort. „Dumbledore versicherte mir, dass Harry es gut bei Petunia haben würde und ich habe ihm geglaubt."
„Es war Remus, der mir, nachdem die ganze Wahrheit ans Licht gekommen ist, gesagt hat, dass Sophia noch lebt", fügte Sirius hinzu. Die Erleichterung und Freude waren ihm immer noch anzumerken. „Sie hat mir geholfen mich zu verstecken." Er blickte zu Emily. „Wenn ich damals das alles gewusst hätte, hätte ich dich niemals genommen."
„Sirius, ich hab es dir schon mal gesagt. Ich habe dir vergeben für alles. Es ist egal."
Sophia lächelte Emily an. „Du erinnerst mich sehr an Lily."
„Irgendwo habe ich das schon mal gehört", witzelte Emily mit einem schiefen Lächeln bei dem Versuch die gespannte Atmosphäre aufzulockern. Sirius musste schmunzeln, während die anderen lachten.
„Und um jetzt noch alles zusammenzufassen: Sophia ist Emilys Patin, Sirius dafür aber nicht, weil er Harrys ist. Alle dachten, sie wäre tot, dabei war sie es gar nicht, weil Todesser sie geschnappt haben. Ihr habt die letzten dreizehn Jahre damit verbracht zu denken, die eine ist tot und der andere ein Mörder." Ron blickte skeptisch in die Runde.
„So kann man es auch sagen", erwiderte Sirius, während Hermine Ron in die Rippen boxte, weil er so unsensibel war. „Krasse Sache", kam es allerdings nur von ihm.
„Ich habe England danach verlassen", erzählte Sophia. „Ich arbeite als Fluchbrecherin-"
„Sie sind Aurorin und Fluchbrecherin?", unterbrach Hermine sie ungläubig. „Wie haben Sie das geschafft?"
„Die Aurorenausbildung damals ist nicht mit der von heute zu vergleichen. Es gab viel zu wenig und so haben sie uns innerhalb eines Jahres durch die drei Jahre geschleust", erklärte Sophia. „Nach dem Krieg habe ich gekündigt und bin bei Gringotts angefangen."
„Als beste, die sie überhaupt haben", berichtete Sirius stolz.
„Hör auf zu übertreiben", schalt sie ihn, doch auf ihren Lippen lag ein Lächeln. „Erzählt mir lieber, was euch dieses Jahr in Hogwarts widerfahren ist."
Hermine begann Sophia möglichst knapp alles zu erzählen was passiert war, denn es war nicht mehr viel Zeit bis sie wieder zur Schule zurück mussten.
„Irgendwas ist faul in Hogwarts", sagte Sirius nachdem Hermine geendet hatte. Er deutete auf zwei Tagespropheten, die auf dem Boden lagen. „Sie berichten schon, dass Crouch krank ist."
„Er sah schon ziemlich krank aus", meinte Harry nachdenklich.
„Ist die gerechte Strafe dafür, dass er seine Hauselfe rausgeworfen hat", meinte Hermine jedoch nur.
Harry fügte noch hinzu was bei der Weltmeisterschaft geschehen war. Dass es Winky gewesen war, in deren Hand man Harrys Zauberstab gefunden hatte und dass das Dunkle Mal erschienen war.
„Die Elfe saß in der Ehrenloge und hat einen Platz für Barty besetzt? Aber er ist nicht aufgetaucht?", hakte Sophia nach.
„Hast du nachgesehen ob du deinen Zauberstab noch hattest, als du die Ehrenloge verlassen hast?", fragte Sirius und lief in der Höhle auf und ab.
„Nein", gab Harry zu. „Ich hab ihn ja nicht gebraucht."
„Also hat derjenige, der Harrys Zauberstab geklaut hat, auch das Mal beschworen?" Emily sah nachdenklich zu Sirius.
„Möglich."
„Naja, sonst saßen da nur noch die Malfoys, Fudge und ein paar bulgarische Minister", erzählte Emily. „Und Ludo Bagman."
„Ich würde sagen die Malfoys", sagte Ron laut.
„Was ist mit Bagman?", wollte Sirius hingegen wissen. „Ich kenne ihn nicht."
„Er war ein paar Jahre über uns", meinte Sophia. „War auch Treiber. Hat mir mal das Schlüsselbein gebrochen und ich ihm dafür die Nase." Sie grinste schief, während die anderen lachten.
„Er ist schon in Ordnung", meinte Harry. „Er bietet mir andauernd seine Hilfe an."
„Warum eigentlich?" Sirius ging immer noch auf und ab.
„Bestimmt nicht aus purer Nächstenliebe", schnaubte Sophia. „Er ist nicht gerade als ehrliche Haut bekannt."
„Wir haben ihn im Wald gesehen", berichtete Hermine. „Kurz bevor das Dunkle Mal erschienen ist."
„Ich würde es eher Bagman zutrauen das Dunkle Mal beschworen zu haben als Winky", murmelte Emily.
„Ich auch", stimmte Sophia zu. „Was ich so von ihm mitbekommen habe…"
Sirius rieb sich über sein stoppeliges Kinn. „Was hat Crouch getan als das Dunkle Mal am Himmel war und die Elfe gefunden wurde?"
„Er ging ins Gebüsch um noch einmal nachzusehen", sagte Harry. „Aber er hat niemanden gefunden."
„Wen wunderts? Barty wollte bestimmt nicht, dass jemand ausgerechnet seine Elfe findet." Sirius nickte zustimmend bei Sophias Worten.
„Deswegen hat er Winky ja auch rausgeworfen", regte sich Hermine auf. Auf ihren Wangen bildeten sich schon rote Flecken. „Nur weil sie nicht im Zelt geblieben ist und sich hat niedertrampeln lassen-
„Hermine, nun hör doch mal auf mit dieser Elfe", stöhnte Ron.
Sirius schüttelte den Kopf. „Sie hat Crouch besser durchschaut als du, Ron. Wenn du wissen willst, wie ein Mensch ist, dann sieh dir genau an, wie er seine Untergebenen behandelt, nicht die Gleichrangigen."
„Oder seine Vorgesetzten", murmelte Sophia.
„Ihr kennt Crouch also?", fragte Harry.
Sophia nickte. „Barty war Chef der Magischen Strafverfolgung und somit damals auch mein Chef."
„Er war derjenige, der mich ohne Verhandlung nach Askaban geschickt hat", fügte Sirius düster hinzu.
„Er war sogar als nächster Zaubereiminister als Gespräch. Stark und machthungrig, aber kein Dunkler Zauber. Hat immer dagegen gekämpft, aber das würdet ihr nicht verstehen…"
„Lass es uns wenigstens versuchen", sagte Emily herausfordernd.
„Na gut." Sirius graue Augen blitzten auf. „Stellt euch vor, Voldemort ist gerade sehr mächtig. Ihr wisst nicht, wer seine Anhänger sind, ihr wisst nicht, wer für ihn arbeitet und wer nicht, ihr wisst, dass er sich Menschen untertan machen kann, die dann schreckliche Dinge tun, ohne, dass sie sich selbst Einhalt gebieten können."
Emilys Gedanken flitzten zu der Stunde mit Moody. Der Imperiusfluch und wie schrecklich sie sich gefühlt hatte. Ein Schauder lief über ihren Rücken.
„Ihr habt Angst um euer eigenes Leben, um eure Familie, eure Freunde. Jede Woche gibt es Meldungen von neuen Morden, von Verschwundenen, von Folter", fuhr Sirius fort.
„Das Zaubereiministerium versinkt im Chaos, weil sie keine Ahnung haben was sie tun sollen und weil ihnen die Leute fehlen", übernahm Sophia jetzt. „Sie versuchen alle geheim zu halten, doch auch Muggel sterben. Angst, Schrecken und Chaos herrschen."
„Solche Situationen bringen manchen das Beste zum Vorschein, in manchen das Schlechteste", sagte Sirius. „Crouchs Grundsätze mögen gut gewesen sein, ich weiß es nicht. Er hat angefangen sehr harte Maßnahmen gegen Voldemorts Anhänger zu befehlen-"
„Er gab den Auroren große Macht, zu große Macht für viele", unterbrach ihn Sophia. Sie hatte es ja selbst erlebt. „Zum Beispiel die Erlaubnis zu töten, statt Gefangene zu machen. Oder Unverzeihliche Flüche. Es gab nur noch selten Verhandlungen, er schickte die Verdächtigen lieber direkt nach Askaban. Spätestens da hat er meinen Respekt und meine Unterstützung verloren." Ihre Stimme war bitter.
„Dennoch gab es viele, die Crouch unterstützt haben", sprach Sirius. „Bis etwas sehr peinliches geschah." Er lächelte grimmig. „Sie haben seinen Sohn geschnappt."
„Seinen eigenen Sohn?", fragte Hermine ungläubig.
„War sein Sohn wirklich ein Todesser?", wollte Harry wissen.
„Ja", antwortete Sophia. „Ich war dabei als sie ihn geschnappt haben und ich habe das Mal gesehen." Sie schloss für einen kurzen Moment die Augen. „Es war mein letzter Fall."
Sirius kam zu ihr herüber und legte ihr wieder die Hand auf die Schulter. Dieses Mal hob Sophia ihre Hand und legte sie kurz über seine, bevor sie sie wieder in den Schoß fallen ließ.
„Sein Sohn hat noch einen Prozess bekommen", redete Sirius weiter. „War allerdings nur noch Gelegenheit für Crouch zu zeigen wie sehr er seinen Sohn hasste. Danach schickte er ihn direkt nach Askaban."
„Er hat seinen eigenen Sohn nach Askaban geschickt?", fragte Emily ungläubig.
„Ja", erwiderte Sirius. „Ich hab gesehen wie die Dementoren ihn rein gebracht haben. Er war nicht älter als neunzehn, hat nachts immer nach seiner Mutter geschrien. Nach ein paar Tagen wurde er ruhiger… irgendwann sind sie alle verstummt… nur hin und wieder schreien sie im Schlaf."
Jetzt war es Sophia, die ihre Hand ausstreckte und Sirius Hand kurz drückte. Die Abgestumpftheit in Sirius Blick verschwand wieder. „Er ist in Askaban gestorben, ein Jahr nachdem sie ihn eingeliefert haben", fuhr Sirius fort. „Seine Frau ist nicht viel später gestorben. Sie durfte ihren Sohn noch einmal sehen, dann haben sie ihn vor der Festung begraben."
„Das habe ich schon nicht mehr mitbekommen", sagte Sophia leise. „Ich war damals in Ägypten."
„Der alte Crouch hat alles verloren, genau in dem Augenblick, da er glaubte alles geschafft zu haben", sagte Sirius. „Deshalb wurde Fudge Minister und Crouch wechselte in die Abteilung für Internationale Magische Zusammenarbeit, als Minister war er jetzt natürlich nicht mehr geeignet."
Ein langes Schweigen trat ein, als alle versuchten zu verstehen was sie gerade gehört hatten.
„Moody behauptet Crouch sei davon besessen, schwarze Magier zu fangen", bemerkte Harry.
Sophia horchte bei der Erwähnung von Moody auf.
„Es ist bei ihm zum Wahn geworden", sagte Sirius. „Wenn du mich fragst, will er nur seine frühere Beliebtheit zurück."
„Und er hat sich in Hogwarts eingeschlichen und Snapes Büro durchsucht!", sagte Ron triumphierend.
„Das ergibt überhaupt keinen Sinn", entgegnete Sirius. „Warum kommt er dann nicht als Richter zum Turnier?"
„Dann glaubst du auch, dass Snape irgendwas ausheckt?", fragte Harry.
„Dumbledore vertraut Snape aber", kam es von Hermine.
„Nun lass doch, Hermine", sagte Ron ungeduldig. „Natürlich weiß ich, dass Dumbledore ein brillanter Kopf ist und so weiter, aber das heißt nicht, dass ein gerissener schwarzer Magier ihn nicht täuschen könnte."
„Ron hat Recht", meldete sich Sophia zu Wort. „Wenn ich eins als Aurorin gelernt habe, dann ist, dass jeder getäuscht werden kann. Selbst Dumbledore. Und gerade wenn es um Dunkle Magie geht. Allerdings wurde Snape nie beschuldigt ein Todesser zu sein."
„Du musst aber zugeben, dass er ein sehr guter Kandidat dafür ist", widersprach Sirius ihr. „Wenn du siehst mit wem er in der Schule zusammen gehangen hat. Die sind alle Todesser."
„Und was ist mit Karkaroff?", warf Emily ein. „Er wollte Snape etwas auf seinem Arm zeigen."
Sophia stöhnte auf. „Dieser Mistkerl." Als sie die irritierten Blicke der vier sah, fügte sie noch hinzu: „Hatte oft genug mit ihm zu tun, es hat nur leider viel zu lange gedauert bis er tatsächlich geschnappt wurde. Da war ich schon nicht mehr dabei. Wundert mich, dass er noch lebt, so viele Namen, wie der verraten hat."
„Es hat sich auf jeden Fall für ihn gelohnt", meinte Sirius. „Schließlich ist er jetzt Schulleiter von Durmstrang. Um noch mal auf Moody und Crouch zurück zu kommen: Mad-Eye ist es durchaus zuzutrauen, dass er sämtliche Lehrerbüros durchsucht hat. Er nimmt das schon sehr ernst."
„Er ist wahnsinnig was das betrifft", murmelte Sophia. „Immer-"
„Wachsam", kam es unisono von Harry, Emily, Hermine und Ron. Die vier grinsten.
„Moody ist mir allerdings lieber als Crouch", sagte Sophia. „Hart, aber immer noch gerecht. Er hat nie wie die Todesser gehandelt. Crouch ist da ein ganz anderes Kaliber."
„Ich finde Moody komisch", gestand Emily. „Er ist irgendwie sehr seltsam, ich habe kein gutes Gefühl bei ihm."
Sophia betrachte sie prüfend. „Wie genau meinst du das?"
Emily zuckte mit den Schultern. „Ich kann es nicht genau beschreiben. Es erinnert mich ein bisschen an Lockhart. Als ob da nicht alles ganz richtig ist."
„Naja, bei Moody ist auch nicht alles ganz richtig, wenn ich ehrlich bin", seufzte Sophia. „Auch wenn er ein wahnsinnig guter Auror ist. Vielleicht hat er trotz Ruhestand noch ein paar Flüche zu viel abbekommen. Aber woher kennst du Lockhart?"
„Er hat Verteidigung gegen die Dunklen Künste unterrichtet", erzählte Hermine während ihre Wangen ein bisschen rot wurden. „Im zweiten Schuljahr."
Sirius und Sophia brachen in brüllendes Gelächter aus. „Lockhart?", keuchte Sophia. „Gilderoy Lockhart?"
„Blonde Locken, eitel und zu sehr von sich selbstüberzeugt?", fragte Sirius.
Die vier nickten, was Sophia und Sirius noch mehr dazu brachte zu lachen. „Eigentlich ist es eher zum Weinen, dass ihr ihn aushalten musstet", meinte Sophia als sie sich wieder beruhigt hatte. „Ihr müsst wissen, dass Lockhart bei uns im Jahrgang war und wir daher oft genug erlebt haben, wie-"
„Unfähig er war", schlug Sirius immer noch mit Tränen in den Augen vor. „Das müssen wir unbedingt Remus erzählen."
„Auf jeden Fall", lachte Sophia. „Wie viel Uhr haben wir eigentlich? Müsst ihr nicht irgendwann zum Schloss zurück?"
„Bald", meinte Hermine. „Ein bisschen haben wir noch."
„Ron, kannst du deinem Bruder schreiben? Er ist doch der persönliche Assistent von Crouch", fragte Sirius.
„Ich kann's versuchen", meinte Ron skeptisch. „Der vergöttert den geradezu."
„Und wenn du schon dabei bist, kannst du ihn auch nach Bertha Jorkins fragen?", meinte Sirius. „Sie wird immer noch vermisst."
„Emily? Kann ich dich kurz noch sprechen?" Sophia sah ihr Patenkind bittend an.
Emily nickte verwundert, folgte aber Sophia aus der Höhle hinaus und ein Stückchen den Berg hinunter, so dass sie weit genug von den anderen entfernt waren.
„Es tut mir Leid, dass ich dir so einen Schock versetzten musste", begann Sophia langsam. „Aber du solltest die Wahrheit erfahren."
„Ich hätte es schlimmer gefunden wenn alle mich angelogen hätten", erwiderte Emily und blickte Sophia direkt an. „Es ist nur ein bisschen viel."
„Das kann ich verstehen", sagte Sophia. „Ich kann auch verstehen wenn du nichts mit mir zu tun haben willst, schließlich war ich nie für dich da."
Emilys Lippen verzogen sich zu einem schiefen Lächeln. „Wenn es danach geht, würde ich mit so einigen nichts mehr zu tun haben. Es ist nun mal nicht so einfach, wenn man plötzlich so viel aus der Vergangenheit von Mum und Dad hört."
„Die Vergangenheit ist nie einfach", seufzte Sophia. „Sirius und ich sind immer für euch beide da. Also zögert nicht euch an uns zu wenden wenn ihr Hilfe braucht."
„Bist du nicht immer unterwegs?"
„Ich habe für die nächsten Monate keine Aufträge", berichtete Sophia. „Keine Sorge, das geht schon in Ordnung. Ich habe selten Urlaub gemacht in den letzten Jahren."
„Ich werde daran denken", lächelte Emily.
Gelächter erklang von weiter oben und die drei anderen traten aus der Höhle, gefolgt von dem zotteligen, schwarzen Hund, der auf Emily zu rannte.
Emily kniete sich auf den felsigen Boden und umarmte den Hund. „Grüß Remus von mir, ja? Und sag ihm, dass wann immer er jemanden braucht um mit ihm unter dem Mond zu rennen, dann soll er mich rufen. Ausreden lasse ich nicht gelten." Sophia lachte leise, während Sirius nur fröhlich bellte. „Pass auch auf dich auf." Sie kraulte Sirius Kopf ein letztes Mal, dann liefen die vier den Berg hinunter in Richtung Schule.
„Sie erinnert mich erstaunlich viel an James", murmelte Sophia als sie den Berg auf der anderen Seite hinunter stiegen auf dem Weg zu einem sicheren Apparierpunkt, der nicht zu nah an den mächtigen Schutzzaubern von Hogwarts war.
„Hmm", sagte Sirius nur. Er war wieder in Menschengestalt, denn auf dieser Seite des Berges war nie jemand anzutreffen. „Sie ist wilder und temperamentvoller als Harry."
„Du weißt was Karkaroff Snape gezeigt hat, oder?", wechselte Sophia abrupt das Thema.
„Natürlich", erwiderte Sirius bitter. „Ich habe es oft genug gesehen. Das Dunkle Mal scheint zu erwachen."
„Ja." Sophia seufzte. „Und natürlich ist Karkaroff dabei."
„Was willst du wegen ihm machen?" Sirius klang besorgt.
„Was kann ich schon machen?" Sophias Stimme zitterte vor kaum kontrollierten Hass. „Ich bin keine Aurorin mehr und er ist legal aus Askaban freigelassen worden. Der Mord an meinen Eltern konnte ihm nie ganz bewiesen werden, trotz meiner Aussage."
„Wenigstens sitzt Bellatrix immer noch", sagte Sirius. „Ihre Brut ist auch in Hogwarts. Bestimmt beide brave Slytherins."
„Um die mache ich mir auch keine Sorgen", meinte Sophia. „Es ist mindestens ein Todesser in Hogwarts, zusammen mit Snape, der bestimmt auch einer ist und zudem noch das Trimagische Turnier. Selbst wenn Moody und Crouch in Hogwarts sind, beruhigt mich das nicht."
Sirius schnaubte verächtlich. „Meinst du mich? Moody vielleicht, auch wenn er selbst ziemlich verrückt ist, aber Crouch niemals." Er blieb stehen und sah Sophia eindringlich an. "Aber warum um Himmels willen hast du Emily nicht erzählt, dass du mehr oder weniger freiwillig mitgegangen bist um sie zu schützen?"
Sophia blieb ebenfalls abrupt stehen. "Weil sie das nicht wissen muss. Sie würde sich nur schuldig fühlen. So wie Lily. Du hast sie doch auch angelogen."
"Ja", seufzte Sirius. "Wenn alles nur einfacher wäre."
„Wir sind es Lily und James schuldig, dass die beiden so sicher wie möglich sind", flüsterte Sophia.
Sirius nickte.
