70. Im Auge des Sturms

Die vergessene Schwester

Die Worte tanzten vor Emilys Augen und sie konnte nicht mehr atmen, als ob in der Großen Halle keine Luft mehr wäre. Die Blicke aller anderen schienen sie zu stechen und zu verbrennen, es war ihr alles zu viel. Dann waren die anderen bei ihr. Hörte die aufgeregten Stimmen, ohne zu verstehen was sie sagten.

Dumbledores kühle Hand auf ihrem Arm, der sie aus der Halle fortführte. McGonagall, die auf ihn einredete und dann Harry, der genauso fassungslos aussah wie sie. Emily sah in sein blasses Gesicht, doch er blickte nur ratlos zurück und zuckte mit den Schultern.

Emilys Finger krallten sich um die Ausgabe des Tagespropheten, die sie immer noch hatte. Auch wenn sie den Artikel immer noch nicht gelesen hatte, ahnte sie doch was drin stand.

Dumbledore und McGonagall führten die Zwillinge hinauf zu Dumbledores Büro, wo McGonagall bequeme Sofas für die beiden heraufbeschwor und Dumbledore ihnen Tee und Bonbons anbot. Harry nahm dankbar den Tee, doch Emily wollte nicht. Ihre Hände zitterten so sehr, dass sie Angst hatte die Tasse fallen zu lassen.

„Miss Potter", sagte Dumbledore sanft. „Vielleicht sollten Sie erst einmal den Artikel lesen." Seine dunkelblauen Augen waren ernst und er sah besorgt aus.

Emily nickte nur. Langsam entfaltete sie die Zeitung und strich sie glatt. Der Artikel nahm fast die ganze erste Seite ein. Die Buchstaben blinkten und veränderten sich immerzu. Die vergessene Schwester wurde zu Harry Potters Zwillingsschwester lebt und wieder zurück.

Darunter zwei große Bilder. Eins zeigte Emilys Gesicht in Nahaufnahme, wahrscheinlich irgendwann heimlich geschossen als sie in Hogsmeade gewesen war. Daneben eins von Lily Potter, das wie Emily später erfahren sollte, aus dem Nachruf stammte. Was auch erklärte wie Skeeter daran gekommen war.

Es ist wie eine Geschichte aus dem Märchen, die die Reporterin Rita Skeeter nun exklusiv für den Tagespropheten berichtet.

Jeder kennt die tragische Geschichte des Jungen, der lebte. Harry Potter, der einzige Überlebende des Todesfluches, bezwang in der Halloweennacht 1981 den schwarzmagischen Zauberer Ihr-wisst-schon-Wen. Dabei verlor er seine Eltern, die heroisch für ihn starben. So glaubten es zumindest die meisten.

Denn was kaum bekannt ist, dass Harry Potter eine Zwillingsschwester hat. Die Geschichtsbücher sprechen nicht von ihr, man findet kaum Spuren von ihr. Sie wird höchstens in Randnoten erwähnt.

Doch welches schreckliche Geheimnis wurde so versucht zu verbergen? Jemand scheint versucht zu haben die Existenz der Schwester zu löschen.

Ein Versuch es für Harry Potter nicht noch schwerer zu machen?

Harry Potter ist ein Junge, der in seinem jungen Leben schon viel Schweres durchmachen musste und nun als jüngster Champion im Trimagischen Turnier antritt. Der Verlust seiner Eltern war schon schwer zu verkraften wie er Rita Skeeter verriet, doch das Wissen, dass auch noch seine einzige Schwester gestorben sei, hätte dem jungen Zauberer sicherlich noch einen größeren Schmerz verursacht. Der Tod seiner Eltern ließ sich nicht leugnen, doch die unbekannte Schwester ließ sich leicht vertuschen.

Doch das ist nicht die Wahrheit.

Harry Potters Schwester lebt.

Unter dem Namen Emily Evans geht sie seit fast drei Jahren zusammen mit ihrem Bruder zur Schule. Außenstehende und Freunde der beiden berichten, dass die beiden ein enges Verhältnis zueinander haben. Die Zwillinge sind nun endlich wieder vereint.

Das junge Mädchen ist ein Ebenbild ihrer jung verstorbenen Mutter Lily Potter, unter deren Mädchennamen Evans sie an der Schule bekannt ist. „Wenn man Emily sieht, dann hat man sofort die junge Lily vor Augen", berichtete eine ehemalige Nachbarin der Potters Rita Skeeter. „Lily, sie war so eine nette Frau. Und solch ein tragisches Schicksal."

Nachforschungen haben ergeben, dass Emily ihre Kindheit getrennt von ihrem Bruder in einem Waisenhaus in London verbracht hat. Die genaueren Umstände sind unklar und werden wahrscheinlich auch nie geklärt werden, genauso wenig wie sie es geschafft hat zu überleben.

Das einzige was für den Jungen, der lebt nun zählt ist, dass seine geliebte Schwester wieder an seiner Seite ist.

Die ganze Geschichte von Harry Potter (Seite 5)

Harry Potter als Champion (Seite 7)

Emily ließ die Zeitung wieder sinken. Sie fühlte sich immer noch nicht besser. Wie konnte Rita Skeeter das alles herausgefunden haben? Klar war Emilys Ähnlichkeit mit ihrer Mutter unübersehbar, aber nur wenn man Lily auch gekannt hatte. Emily konnte sich nicht vorstellen, dass Rita Skeeter ihre Mutter so gut gekannt hatte. Selbst wenn Skeeter über Emily in einem der wenigen Bücher gelesen hatte, reichte dass doch noch lange nicht aus um solche Nachforschungen anzustellen, vor allem weil alle davon ausgingen, dass sie auf die eine oder andere Weise gestorben war.

Jemand musste es Rita Skeeter verraten haben. Aber wer? Es wussten nicht viele davon und die, die es wussten, hatten es der Reporterin bestimmt nicht verraten, da war Emily sich sicher. „Jemand muss es ihr erzählt haben", murmelte Emily und brach die Stille in dem Raum.

„Das ist auch unsere Vermutung", erwiderte Dumbledore.

„Skeeter hat schon immer dem Klatsch hinterher gejagt und andere benutzt", sagte McGonagall zornig.

„Wer weiß alles davon?", fragte Dumbledore.

„Hermine und Ron", antwortete Harry und sprach zum ersten Mal. „Die Weasleys."

„Leo", fügte Emily hinzu.

Überraschung glitt über die Gesichter der beiden Lehrer, bei McGonagall sogar so etwas wie Schock. „Sonst noch jemand?" Dumbledore sah die Zwillinge eindringlich an.

„Remus. Sirius und Sophia." Emily erinnerte sich wieder an die Erwachsenen. Jetzt verstand sie auch Sophias Nachricht von heute morgen.

„Sophia? Sophia Jones?" McGonagall sah Emily irritiert an.

Emily nickte. „Sie ist meine Patin." Sie reichte Dumbledore die Nachricht. „Das hat sie mir heute morgen geschickt."

Dumbledore las sich den Brief aufmerksam durch und reichte ihn an Emily zurück, die ihn an Harry weitergab. „Ich habe nichts anderes von ihr erwartet." Er seufzte und strich sich über den langen silbernen Bart. „Dennoch müssen wir uns überlegen was wir tun. Es hat leider keinen Zweck das alles zu leugnen."

„Die beiden Fotos sind leider Beweis genug", kam es von McGonagall.

Was anderes hatte Emily auch nicht erwartet. Es glaubten ja alle schon die Lügen, die Rita Skeeter normalerweise erzählte, wie sollte es dann sein, wenn sie einmal die Wahrheit erzählte. Und das war eigentlich das ganze Verrückte an der Sache, dass Rita Skeeter wahrscheinlich zum ersten Mal in ihrem Leben die Wahrheit berichtete.

„Können wir denn gar nichts anderes tun?", fragte Harry.

„Nein", erwiderte Dumbledore. „Euer Geheimnis ist aufgeflogen und so sehr ich gewünscht habe, dass es das nicht tut und dass ihr den Schutz länger habt, jetzt bleibt nichts anderes als zur Wahrheit zu stehen."

„Wie konnte das passieren?" Sirius knallte den Tagespropheten auf den Küchentisch. Unter der Wucht kippte seine Kaffeetasse um und der Inhalt ergoss sich über die Zeitung. Fluchend hob er das nasse Papier hoch und wedelte hektisch damit in der Luft herum.

„Nimm deinen Zauberstab und trockne es doch einfach, bevor du noch jemanden damit erschlägst."

„Hahaha. Sehr lustig, Moony", fauchte Sirius Remus an, der gegenüber saß und scheinbar alle Ruhe der Welt hatte. „Als ob wir nicht andere Sorgen hätten."

„Jungs, beruhigt euch", murmelte Sophia. Sie saß auf der Arbeitsfläche der Küche und beobachtete die beiden Männer. Sie war die Erste gewesen, die den Artikel im Tagespropheten gelesen hatte, schon im Morgengrauen als die Ausgabe noch druckfrisch gewesen war. Sofort hatte sie eine Nachricht an Emily geschickt, in der Hoffnung, dass sie rechtzeitig kommen würde und hatte dann Sirius und Remus geweckt.

„Ich habe Emily bereits geschrieben", berichtete Sophia. „So bald es geht, flohe ich nach Hogwarts."

„Ich komme mit", sagte Sirius sofort.

„Du kannst nicht", erwiderte Remus. „Darf ich dich daran erinnern, dass du immer noch auf der Flucht bist?"

„Nein, darfst du nicht." Sirius schmiss die nasse Zeitung wieder auf den Tisch und lief dann in der engen Küche auf und ab. „Wer weiß was gerade in der Schule abgeht?"

„Dumbledore wird sich um die beiden kümmern, da bin ich mir sicher", sagte Remus.

„Aber selbst er wird nicht verhindern, dass die Wahrheit bekannt wird", seufzte Sophia.

„Können wir das ganze nicht einfach leugnen?", schlug Sirius vor. „Diese verdammte Skeeter hat doch bis jetzt nur Lügen geschrieben. Jetzt hat sie eben noch eine erzählt."

„Hast du dir mal die Fotos angesehen?" Sophia deutete auf die Zeitung. „Wie willst du bitte schön die Ähnlichkeit zwischen Emily und Lily leugnen?"

„Außerdem gibt es immer noch genug Leute aus unserer Schulzeit, die sich an Lily erinnern werden", fügte Remus hinzu. „Vor allem einige der Slytherins. Du weißt ja was passiert ist."

„Meinst du ich kann diese Nacht vergessen?" Sirius fuhr sich durch die bereits schon unordentlichen Haare.

„Lily war Schulsprecherin und ziemlich beliebt. Nicht nur die Slytherins werden sich an sie erinnern." Sophia stand auf und begann auch auf und ab zu gehen. Ihre angeborene Ruhelosigkeit machte sich mal wieder bemerkbar.

„Jaja, ist ja schon gut", erwiderte Sirius ungehalten.

„Emily und Harry müssen zu der Wahrheit stehen, egal welche Konsequenzen das hat", sagte Remus. Auch er sah müde und besorgt aus, so wie er sonst nur vor dem Vollmond aussah. „Wir können hoffen, dass es nicht zu schlimm wird."

„Sie sind die Potter-Zwillinge, du glaubst nicht ernsthaft, dass die Zaubererwelt ruhig bleiben wird?", sagte Sophia leise. „Die nächste Zeit wird stürmisch. Sehr stürmisch."

„Minerva?", sagte Dumbledore mit einem Mal. „Miss Jones und ihre Begleiter warten unten am Tor. Würdest du sie bitte abholen und hierherbringen?"

McGonagall nickte und verschwand dann.

In der letzten Stunde hatte Dumbledore Emily und Harry von den Hauselfen Frühstück bringen lassen. Sogar bis zu den Hauselfen hatte sich die Nachrichten schon herumgesprochen und Dobby war außer sich gewesen. Zwischendurch hatte Emily die Befürchtung gehabt, dass der kleine Elf einen Herzinfarkt bekommen würde, aber er hatte sich Merlin sei Dank wieder beruhigt.

Ansonsten hatten sie nicht viel geredet, unausgesprochen hatten sie vereinbart, dass sie alles wichtige bereden würden, wenn Sophia endlich da war. Die Zeit schien unendlich langsam vergangen zu sein, Emilys Gedanken wanderten immer wieder zurück zu Inga und Leo, die jetzt wahrscheinlich gerade im Unterricht saßen und mit Fragen bombardiert wurden, weil sie mit Emily befreundet waren.

Emily war froh, dass sie es Leo bereits erzählt hatte, denn es wäre furchtbar gewesen wenn er es ausgerechnet aus der Zeitung hätte erfahren müssen. Aber nun würde auch seine Familie Bescheid wissen, zumindest Draco und Katharina, mit wem genau Leo zusammen war. Ein weiteres Problem.

Und dann war da Inga. Inga, die keine Ahnung gehabt hatte. Emily hoffte nur, dass ihre beste Freundin ihr verzeihen würde, dass sie Inga es niemals erzählt hatte. Sie wollte Inga nicht verlieren. Da war es ihr egal was alle anderen jetzt über sie dachten. Sie würde schon damit leben können.

Ein leises Quietschen riss sie aus ihren Gedanken. Es war die Tür zum Büro und dann hörte sie auch die Stimmen von McGonagall und Sophia. Emily hörte nur wie McGonagall sich verabschiedete um wieder zum Unterricht zu gehen und dann trat Sophia ein. Hinter ihr stand Remus und zu seinen Füßen trabte ein schwarzer zotteliger Hund.

Mit einem Freudenschrei sprang Emily auf und rannte auf Remus zu, den sie schon viel zu lange nicht mehr gesehen hatte. Er sah dünn aus und müde, doch nicht so schlimm wie damals als sie ihn zum ersten Mal gesehen hatte. Lachend fing Remus sie auf und hob sie hoch.

Sirius bellte empört als keiner ihn begrüßte, doch Harry beugte sich schnell zu ihm herunter und kraulte ihn. Sophia sah mit einem Lächeln zu und begrüßte lieber Dumbledore, den sie die ganzen Jahre über nicht gesehen hatte.

„Sirius, du darfst dich gerne zeigen", sagte Dumbledore lächelnd und für den Moment kehrte das berüchtigte Funkeln in seine Augen zurück.

Die schmale Statur des Hundes wurde breiter und zog sich dann in die Höhe als Sirius sich aufrichtete. Das Fell schoss zurück und Haut wurde sichtbar, dann die Kleidung und schließlich stand Sirius endlich als Mensch vor ihnen. Emily begrüßte ihn begeistert und dann auch Sophia, etwas verlegen weil sie ihre Patin beinahe vergessen hätte.

Harry schien ebenfalls glücklich zu sein, dass er seinen Paten so schnell wieder sah, wenn auch unter diesen Umständen.

Alle setzten sich auf die Sofas, die Dumbledore herauf beschworen hatte und es legte sich wieder etwas Ruhe über den Raum. Dumbledore berichtete Sophia, Sirius und Remus was bisher in der Schule geschehen war und Emily erfuhr jetzt auch was geschehen war bevor sie in die Große Halle gekommen war.

Harry war ganz normal zum Frühstück gegangen, doch das Chaos war erst ausgebrochen als die Eulen kamen und den Tagespropheten gebracht hatten. Hermine hatte schnell kapiert was los war und wollte mit Harry und Ron verschwinden, doch innerhalb von Minuten hatten es auch die anderen Schüler mitbekommen und es war zu spät gewesen.

Die Lehrer hatten den Aufruhr mitbekommen und hatten mehr schlecht als recht für Ruhe gesorgt, während Harry, Hermine und Ron die Halle verlassen wollten um Emily zu suchen, während Leo und Inga auf die gleiche Idee gekommen waren. Dann war Emily auch schon aufgetaucht und den Rest kannte sie ja.

„Was können wir tun?", fragte Remus ernst. Eine steile Sorgenfalte zeigte sich auf seinem Gesicht.

„Die Lehrer werden natürlich versuchen, dass die Schule nicht zu sehr in Aufruhr gerät, auch wenn das nicht einfach sein wird, wie heute Morgen gezeigt hat", antwortete Dumbledore. „Harry ist eine Berühmtheit und damit wird Emily auch ins Rampenlicht gerückt. Der Wirbel wird sich irgendwann legen und alles zur Normalität zurückkehren."

„Fragt sich nur wann", seufzte Sophia.

„Vielleicht wird ja alles gar nicht so schlimm wie befürchtet", meinte Sirius hoffnungsvoll, doch er sah dennoch nicht wirklich überzeugt von seinen Worten aus.

„Ich fürchte es gibt nicht viel was wir tun können", sagte Dumbledore. „Emily und Harry müssen sich dem allem stellen, wir können ihnen nur dabei helfen, doch es liegt an ihnen."

Emily und Harry tauschten einen Blick. Emily war immer noch leicht benommen von der rasanten Entwicklung und wie schnell alles seinen Lauf genommen hatte, dass sie noch nicht ganz klar denken konnte. „Entschuldigt mich kurz", murmelte Emily und stand abrupt auf. Dann rannte sie als sie ging aus dem Büro heraus und die Treppe hinunter.

Sie ließ sich auf die unterste Treppenstufe fallen, noch nicht bereit sich der Welt draußen zu stellen und lehnte den Kopf gegen die kühle Steinwand. Sie schloss die Augen und atmete ein paar Mal tief ein und aus um sich zu beruhigen und wieder einen klaren Kopf zu bekommen. Die plötzliche Stille tat ihr unglaublich gut.

Erst jetzt realisierte sie wirklich was der Artikel bedeutete, auch wenn sie schon den ganzen Tag darüber geredet hatten. Ihr allergrößtes Geheimnis war kein Geheimnis mehr, die ganze Welt wusste nun Bescheid, dass sie die Schwester des großen Harry Potters war. Fast vier Jahre lang hatten sie es erfolgreich geschafft das Geheimnis zu hüten und nun hatte jemand es an Rita Skeeter verraten.

Emily würde nun genauso im Rampenlicht stehen wie ihr Bruder und nicht mehr eine unbekannte Schülerin sein. Jeder würde sich für sie interessieren und alle würden wissen wollen warum sie angeblich gestorben war und alles Mögliche andere. Ihr grauste es jetzt schon vor all den Fragen, die unweigerlich kommen würden.

Auf der Treppe ertönte das leise Kratzen von Schuhen auf Stein und Emily öffnete ihre Augen wieder. Es war Harry, der sich neben sie auf die Stufen setzte.

„Alles okay bei dir?", fragte er besorgt.

„Klar. War nur plötzlich auf einmal so viel", erwiderte Emily leise. „Ich hab einfach mit so etwas nicht gerechnet. Bis jetzt hats ja auch immer funktioniert."

„Ich auch nicht", sagte Harry. „Keiner hat das. Ich würde nur zu gerne wissen wer uns verraten hat."

„Ich weiß es nicht", seufzte Emily.

„Hermine und Ron waren es todsicher nicht", meinte Harry felsenfest überzeugt.

„Der Rest der Weasleys würde uns auch niemals verraten", fügte Emily hinzu.

„Was ist mit Leo?" Harry sah seine Schwester verlegen an.

„Spinnst du?", antwortete Emily scharf. „Leo würde mich genauso wenig verraten. Nur weil er ein Lestrange ist, muss das noch lange nicht heißen-

„Ist ja gut." Harry hob abwehrend die Hände. „Ich gehe nur alle Möglichkeiten durch."

Emily sah ihn zweifelnd an. Sie wusste, dass Harry immer noch nicht so ganz begeistert von Leo war, auch wenn es schon besser geworden war. Doch weil sie gerade genug andere Sorgen hatte, ließ sie das Thema wieder fallen.

Harry merkte zum ersten Mal, dass dies alles seine Schwester viel härter traf als ihn. Für sie waren die letzten Jahre einfach gewesen, sie war die Unbekannte, doch er hatte die Zeit gehabt sich zumindest etwas an die Bekanntheit zu gewöhnen und auf Emily schlug jetzt alles auf einmal auf sie ein, ohne dass sie sich hätte darauf vorbereiten können.

Die anderen würden auch ihm Fragen stellen, doch Emily würde diejenige sein die alles abbekam. Sie war die Sensation.

Außerdem wussten all seine Freunde wer er war, während Emily ihre Freunde mehr oder weniger angelogen hatte. Hermine, Ginny, Leo und die Weasleyzwillinge wussten Bescheid, doch Harry wusste auch, dass Inga, trotz, dass sie Emilys beste Freundin war, es nicht wusste, genauso wenig wie die anderen Hufflepuffs und Neville. Er hoffte nur um seiner Schwester willen, dass die Freundschaften stark genug sein würden, dass die Hufflepuffs wirklich so loyal waren wie es immer hieß.

„Aber sieh es mal so", sagte Harry langsam. „Das ganze Versteckspiel hat endlich ein Ende und wir müssen nicht mehr so vorsichtig sein mit dem was wir sagen."

Emily lächelte angespannt. „Ja, da hast du Recht." Dennoch dachte sie, dass sie gerade erst jetzt vorsichtig sein mussten.