71. Stürmisch

Es war nicht das erste Mal, dass so ein Aufruhr in der Großen Halle von Hogwarts herrschte, doch selbst die Ankündigung des Trimagischen Turniers hatte nicht so viel Lärm und Gerede verursacht. Jeder kannte Harry Potter und seine Geschichte, aber kaum jemand wusste, dass er eine Schwester hatte. Jetzt kannten sie alle.

Die Slytherins waren noch die ruhigsten, die meisten versuchten den Eindruck zu machen als ob es ihnen völlig egal wäre, dennoch sah man in einige nachdenkliche Gesichter und ein paar der älteren Schüler unterhielten sich angeregt und es war die Rede von Briefen nach Hause um alles zu berichten, auch wenn ihre Eltern sicherlich schon selbst den Artikel gelesen hatten. Eine Potter musste man im Auge behalten.

Ravenclaw und Hufflepuff hatten den Artikel interessiert gelesen und es flogen schon die wildesten Verschwörungstheorien herum. Während die Ravenclaws sehr gut verstanden, warum man Emilys Herkunft nicht bekannt gegeben hatte, es war ja schließlich logisch, sorgten sich die Hufflepuffs darum was danach passieren würde. Auch wenn sie kein Haus waren, das viel Aufmerksamkeit bekam, wünschten sie Emily dennoch nicht solch eine Aufmerksamkeit.

Am meisten Aufruhr herrschte natürlich bei den Gryffindors. Emily kannten alle, schließlich war sie Püppchen, die kleine Jägerin und hier hatte sie ihre meisten Freunde. Während manche sich über Rita Skeeter aufregten und wie es wagen konnte so etwas zu verbreiten, wurden die Weasleys, Hermine, Leo und die anderen Gryffindors aus dem Jahrgang schon mit Fragen bombardiert. Doch keiner gab eine Antwort. Bald flogen schon die ersten Scherze durch die Luft, nicht nur von den Gryffindors. Dass man Emily sich eher eine entfernte Verwandtschaft mit den Weasleys vorstellen könnte, bei den Haaren.

„Lass uns abhauen", flüsterte Hermine Ginny ins Ohr. „Die geben sonst keine Ruhe."

Ginny nickte starr. Zusammen mit Hermine stand sie und schnappte sich ihre Sachen, Ron und Leo hatten mitbekommen was die Mädchen vorhatten und beeilten sich um sich den beiden anzuschließen. Vom Lehrertisch kam Professor Sinistra herbei und begleitete die vier nach draußen um sie vor Fragen zu schützen, da McGonagall nicht hier war und die anderen Hauslehrer versuchten für Ruhe zu sorgen.

„Es war eine gute Idee von euch", sagte Sinistra mit einem Mal. Sie waren in der Eingangshalle angekommen und es herrschte eine wohltuende Stille.

„Danke", murmelte Hermine.

„Bestimmt wird sich der Aufruhr bald wieder legen und ihr werdet eure Ruhe haben", versuchte Sinistra die vier aufzumuntern.

„Wussten die Lehrer eigentlich über Emily Bescheid?" Hermine runzelte die Stirn. Die Frage wer Emily an Skeeter verraten haben könnte, beschäftigte sie schon die ganze Zeit. Sie glaubte zwar nicht, dass es einer der Lehrer war, aber je größer der Kreis war, der von ihr Bescheid gewusst hatte, desto wahrscheinlicher war es auch, dass irgendwie versehentlich etwas nach draußen gedrungen war.

„Nicht alle", antwortete Sinistra langsam. Ihre dunklen Brauen zogen sich zusammen als sie nachdachte. „Viele der Lehrer sind schon so lange in Hogwarts, dass sie Lily und James selber unterrichtet haben und einige von uns sind mit den beiden zur Schule gegangen, Lockhart, Severus Snape, Remus Lupin und ich zum Beispiel. Aber ich denke nicht, dass Lockhart Emilys Geheimnis verraten haben wird, genauso wenig wie einer der anderen."

„Lockhart ist auch zu dämlich dafür, er interessiert sich ja nur für sich selbst", murmelte Ron und bekam einen Stoß in die Rippen von Hermine.

Sinistra lachte nur. „Ich werde diese Bemerkung überhören, Mr Weasley. Um ehrlich zu sein, einige der Lehrer hier sind einer ähnlichen Meinung."

Ginny und Ron lachten, während Hermine nicht wusste ob sie lachen sollte. Sinistra wurde allerdings schnell wieder ernst. „Ich bringe euch besser zu euren Klassenzimmern, der Unterricht fängt bald an."

Sirius wollte schon aufspringen und Emily hinter her rennen, doch Harry war schneller und verschwand durch die Tür. Dumbledore bedeutete Sirius sitzen zu bleiben. „Gib den beiden etwas Zeit für sich alleine."

Sirius nickte und ließ sich wieder zwischen Remus und Sophia auf das Sofa fallen.

„Manchmal ist es einfach zu vergessen, dass die beiden erst vierzehn Jahre alt sind", sagte Dumbledore nachdenklich. „Sie haben schon so viel durchgemacht." Mit einem Ruck schien er wieder in die Realität zurück zu schnappen und richtete seine Aufmerksamkeit auf die drei vor ihm. „Sophia, warst du in letzter Zeit einmal im Ministerium?"

Sophia schüttelte den Kopf. „Nein, wieso sollte ich auch?"

„Es hätte sein können, dass du noch Kontakt zu den Auroren hast", erwiderte Dumbledore. „Aber du wirst sicherlich vom Verschwinden von Bertha Jorkins gehört haben und dass Crouch nicht mehr zur Arbeit aufgetaucht ist?"

„Natürlich. Ganz von der Welt verschwunden war ich ja nicht", antwortete Sophia trocken und Sirius maskierte sein Lachen wenig erfolgreich als Husten, was ihm einen Rippenstoß von Remus einbrachte.

„Verzeih mir." Dumbledore lächelte sie an. „Aber ich mache mir Sorgen, dass da mehr dahinter stecken könnte als es den Anschein hat."

„Voldemort und die Todesser?", überlegte Remus. „Es würde passen wenn man bedenkt was bei der Weltmeisterschaft passiert ist."

Dumbledore nickte. „Mir wurden genug verdächtige Tätigkeiten berichtet, die alten Anhänger scheinen sich wieder zu versammeln. Zumindest diejenigen, die noch auf freiem Fuß sind."

„Aber Voldemort gilt doch als tot? Was macht es für einen Sinn, sich ohne ihn zu versammeln?", fragte Sirius. „Es sei denn jemand hat sich zu einem neuem Anführer aufgeschwungen.

„Ich fürchte Voldemort ist nicht so tot, wie wir es gerne hätten", seufzte Dumbledore. „Sein Körper wurde zerstört, doch seine Seele, beziehungsweise was davon noch übrig geblieben ist, hat überlebt."

Stille senkte sich über den Raum als Sophia, Sirius und Remus versuchten zu verstehen. Alle drei hatten gehofft, dass der Krieg mit Lilys und James Tod zu Ende war, dass sie genug gelitten hatten, doch irgendwo tief drinnen hatten sie alle gewusst, dass es noch nicht vorbei war.

„Jetzt wo er weiß, dass Emily noch am Leben ist, wird sie auch zum Ziel", sagte Sophia endlich. „Er wird versuchen sie zu benutzen."

„Wenn Skeeter nur wüsste was für einen Schaden sie angerichtet hat", rief Sirius wütend und ballte die Hände zu Fäusten.

„Als ob sie das kümmern würde", warf Remus ein.

Leise stieß Sirius eine Reihe Schimpfwörter aus und dieses Mal unterbrach ihn keiner und es kaum auch kein Rippenstoß von Remus um ihn wieder zur Ordnung zu rufen.

Remus betrachtete währenddessen den Schulleiter genau, die feinen Linien um die dunkelblauen Augen und die Falten, die sich noch tiefer in seine Stirn eingegraben hatten als damals in seiner Schulzeit. Er hatte nicht gemerkt wie viel älter Dumbledore in der letzten Zeit geworden war. „Warum haben sie eigentlich Emilys Existenz immer verschwiegen?" Eine Frage, die er sich in den dreizehn Jahren immer wieder gestellt hatte, aber niemals getraut hatte zu fragen.

Dumbledore nahm seine Brille ab und rieb sich über die Stirn, während Sophia und Sirius aufhorchten. „Weil niemand wusste was wirklich geschehen war, es gab keinen Beweis dafür ob sie lebte oder tot war. Ich hätte dem Jungen nur falsche Hoffnung gegeben und Hoffnung kann sehr gefährlich sein." Er pausierte kurz und in den alten Augen sah man für einen Augenblick so etwas wie Trauer und Schuld aufblitzen, doch es hätte auch nur eine Reflektion des Lichts sein können, so schnell war es wieder vorbei. „Und weil manchmal die schwerste Bürde das Wissen ist, dass man eine Schwester verloren hat, während man selbst lebt."

Emily hatte keine Lust wieder nach oben in Dumbledores Büro zu gehen, doch Harry überzeugte sie, dass sie nicht für ewig hier unten sitzen bleiben konnte. Seufzend stand sie wieder auf und folgte Harry die Treppe wieder hinauf.

Emily entschuldigte sich noch einmal dafür, dass sie so abrupt geflohen war, doch die anderen winkten nur ab. Sie verstanden was Emily zu der Flucht getrieben hatte.

„Zitronenbonbon?", fragte Dumbledore stattdessen nur.

Emily schüttelte den Kopf, genauso wie Harry.

„ Ich denke ihr beide versteht den Ernst den Situation, deshalb bitte ich euch in den nächsten Wochen vorsichtig zu sein", sagte Dumbledore ernst zu den Zwillingen. „Und sollte es irgendwelche Probleme geben, wendet euch an die Lehrer. Es gibt leider nicht viel was wir tun können."

Emily nickte, es gab wirklich nichts was Dumbledore für sie tun konnte, diesen Sturm mussten sie selber aushalten.

„Für den Unterricht ist es schon zu spät- Dumbledore zwinkerte den beiden zu. „also könnt ihr den Rest des Tages gerne nutzen. Schließlich bekommt ihr nicht jeden Tag solchen Besuch." Er stand auf und schickte sich an den Raum zu verlassen. „Remus, ich vertraue darauf, dass du ein Auge auf Sirius haben wirst." Dann fiel die Tür hinter ihm ins Schloss.

„Warum hacken alle Leute immer auf mir herum?", fragte Sirius irritiert. „Ich bin doch gar nicht so schlimm."

„Natürlich Sirius. Du bist ja auch nicht derjenige, der den Schulrekord im Nachsitzen hält", erwiderte Remus nur trocken.

Emily und Harry lachten als sie Sirius verletzten Blick sahen. „Ich glaube Fred und George sind dir dicht auf den Fersen", sagte Emily.

Sirius sah sie neugierig an. „Eine neue Generation von Streichespielern?"

„Sag besser nichts mehr, Emily, sonst redet er von nichts mehr anderem", warnte Sophia ihr Patenkind. „Und glaub mir, du willst nichts davon hören."

Sirius blickte beleidigt drein. In solchen Momenten verloren seine Augen den harschen Ausdruck, denen ihnen zwölf Jahre Askaban verliehen hatte und etwas aus seiner Jugend kam wieder hervor, dann als er wirklich glücklich gewesen war. Aber genauso war es mit Remus und Sophia, fiel Emily auf, in solchen Momenten kamen ihre alten Selbst wieder zum Vorschein, die noch nicht mit dem Krieg in Berührung kamen und jung und unbeschwert waren.

Es war bestimmt nicht einfach Emily und Harry zu sehen und dabei immer Lily und James vor Augen zu haben und zu sehen was man verloren hatte, auch wenn die Zwillinge bedeuteten, dass ein Teil der beiden für immer weiterlebte. Emily schüttelte den Kopf um die traurigen Gedanken zu vertreiben und konzentrierte sich lieber wieder auf das Gespräch.

Sirius war aufgestanden und betrachtete neugierig die Regale voller Bücher, die sich an den Wänden entlang zogen.

„Sirius", zischte Remus. „Setz dich wieder hin. Du hast genug Zeit hier verbracht, langsam müsstest du hier doch alles kennen."

„Spielverderber", murmelte Sirius missmutig. „Meinst du damals hätten mich Bücher interessiert?"

„Als ob Bücher dich heute interessieren würde", kam es von Sophia.

Sirius setzte sich tatsächlich hin, allerdings aus Protest zu den Zwillingen auf das Sofa. Um auf ein anderes Thema zu kommen, fragte Emily Sophia wo sie alles schon gewesen war und Sophia erzählte bereitwillig von den vielen fremden Ländern, die sie in den langen Jahren besucht hatte. Thailand, China, Kenia, Ägypten, Äthiopien, Nepal, Norwegen, Deutschland, Tibet, Marokko, Arabien und noch so viele mehr. Emily und Harry hingen ihr fasziniert an den Lippen, aber auch Remus und Sirius lauschten interessiert.

Einer der Hauselfen brachte ihnen irgendwann etwas zu Essen, sie hatten gar nicht bemerkt, dass es schon Mittagszeit war. Sirius und Remus gaben dann doch ein paar ihrer Streiche zum Besten und es war leicht zu vergessen, dass Emily irgendwann auch wieder sich der Realität stellen musste. Doch für den Moment wollte sie alles genießen.

Doch irgendwann war der Zeitpunkt gekommen an dem die drei wieder gehen mussten. Emily umarmte Remus zum Abschied und flüsterte ihm ins Ohr: „Wann nimmst du mich wieder mit wenn Vollmond ist?"

Remus sah sie erstaunt an. „Du weißt, dass das nicht geht, Kleines. Es ist zu gefährlich."

„Ich bin stärker als Sirius", meinte Emily störrisch.

„Trotzdem." Remus schüttelte den Kopf. „Es geht nicht. Mach es gut, Feuerfell."

Als nächstes verabschiedete Emily sich von Sirius. „Kannst du Moony sagen er soll mich mitnehmen?"

Sirius lachte und wuschelte ihr durchs Haar. „Mache ich."

Genervt schlug Emily seine Hand weg, aber sie lächelte dennoch. Remus sah die beiden misstrauisch an, sagte aber nichts. „Pass auf dich auf", sagte Sirius nur und wandte sich dann Harry zu.

„Danke, dass ihr gekommen seid", sagte Emily zu Sophia als sie sich gegenüber standen.
„Das ist doch selbstverständlich", antwortete Sophia nur. „Auch wenn du es wahrscheinlich schon sehr oft gehört, pass auf dich auf und wenn was ist, melde dich, ja? Die Welt ist nicht so sicher, wie es momentan den Anschein hat."

Gemeinsam mit Harry kehrte Emily zurück zum Gemeinschaftsraum der Gryffindors. Zu ihrem Glück begegneten sie auf ihrem Weg nur ein paar der Lehrer, die aber alle keine Fragen stellten. Die Fette Dame betrachtete Emily neugierig als sie bei dem Porträt ankamen. Sie hatte Besuch von ihrer Freundin Violet und anscheinend hatten mittlerweile auch die Porträts von dem ganzen Aufruhr mitbekommen.

Harry nannte einfach nur das Passwort und ignorierte die Fragen, so dass die Fette Dame zwar beleidigt dreinschaute, aber dennoch aufschwang.

Nach und nach drehten sich alle Köpfe zu Emily und Harry um, die wie festgefroren am Eingang standen. Und dann fing wieder das Gerede an, schließlich waren die beiden den ganzen Tag verschwunden gewesen. Hermine, die am Kamin gesessen und gelesen hatte, sprang auf und zog die beiden zu den anderen, die es sich ebenfalls am Kamin gemütlich gemacht hatten. Ein paar böse Blicke von Hermine und Ginny schienen alle anderen Gryffindors erst einmal auf Abstand zu halten und bald waren alle mit ihren eigenen Sachen beschäftigt, auch wenn immer wieder jemand verstohlen zu der kleinen Gruppe am Kamin blickte.

Emily ließ sich neben Leo fallen und legte den Kopf auf seine Schulter. Irgendwie war sie auf einmal total müde, der ganze Tag war so voll und aufregend gewesen, dass sie es gar nicht gemerkt hatte. Mit Harrys Unterstützung erzählte Emily was oben in Dumbledores Büro passiert war.

„Also Dumbledore hat auch keine Ahnung wie das passieren konnte?", fragte Ron ungläubig.

„Jemand muss es Skeeter verraten haben, das ist das einzige, dessen wir uns sicher sind", meinte Emily.

„Hmm. Professor Sinistra hat uns gesagt, dass auch einige der Lehrer über euch Bescheid wissen, aber dass keiner von denen euch verraten würde", gab Hermine zu Bedenken.

„Ich glaube auch nicht, dass einer der Lehrer war", antwortete Emily. „Das würde ich denen nicht zutrauen. Wenn war es eher einer der Schüler."

„Aber wer?", fragte Harry. „Wir haben es nicht so vielen gesagt?"

„Keine Ahnung. Wir drehen uns die ganze Zeit schon im Kreis." Emily musste gähnen und die anderen lachten nur.

„Wir sollten später noch einmal darüber sprechen", sagte Hermine.

„Hast du Inga heute gesehen?", fragte Emily Leo als die anderen weg waren.

„Nur ganz kurz", erwiderte Leo.

Emily seufzte. „Ich hoffe sie ist nicht sauer auf mich."

„Bestimmt nicht", beruhigte Leo sie. „Sie ist deine beste Freundin."

„Trotzdem."

Leo gab ihr einen Kuss auf die Stirn. „Wie geht es dir überhaupt?"

„Ich bin des ganzen müde. Und einerseits freue ich mich, dass ich nicht mehr so lügen muss, aber andererseits war ich froh, dass ich nicht die ganze Aufmerksamkeit hatte, wie Harry", sagte Emily langsam. „Ich hoffe nur, dass es morgen nicht allzu schlimm wird."

„Du hast ja immer noch uns", antwortete Leo. „Wir helfen dir."

Neugierige Blicke folgten Emily und Harry am nächsten Morgen. Bereits auf dem Weg in die Große Halle mussten sich die beiden ein paar dämliche Fragen, meistens von Slytherins, aber auch ein paar von den Ravenclaws anhören. Der Artikel war in der Großen Halle immer noch Gesprächsthema Nummer Eins und immer wieder merkte Emily, dass jemand sie unverhohlen anstarrte.

So schnell es ging aß sie ihr Frühstück und verschwand dann zum Unterricht. Auch im Unterricht schien es als ob jeder Emily genau beobachten würde, jede Bewegung wurde kritisch beäugt. Ihr eigenes Haus hatte sich mittlerweile wieder beruhigt, Emily vermutete, dass ihre Freunde etwas damit zu tun hatten.

Erst nach dem Unterricht fand Emily die Zeit und die Ruhe mit Inga zu sprechen. Die beiden Mädchen verließen das Schloss und liefen in Richtung des Schwarzen Sees.

„Es tut mir Leid, dass ich es dir niemals erzählt habe", sagte Emily und brach damit die Stille zwischen den beiden. „Es ist nicht so, dass ich dir nicht vertraue, schließlich bist du meine beste Freundin. Es ist nur so- Sie brach frustriert ab. Es war gar nicht so einfach die richtigen Worte zu finden. „Ach, irgendwie gibt es keine Erklärung warum ich es dir nicht hätte sagen sollen."

„Doch", widersprach Inga. „Es ist dein Geheimnis und die Entscheidung liegt allein bei dir ob du es mir sagst oder nicht. Klar, ich bin schon ein bisschen verletzt, dass du es mir nicht gesagt hast, aber andererseits kann ich verstehen warum du es nicht getan hast. Wenn ich die ganzen Geschichten über Harry höre und er ist jetzt Champion, kein Wunder, dass alle versucht haben wenigstens dich zu schützen."

„Jetzt echt?", fragte Emily erstaunt.

„Natürlich." Inga sah Emily irritiert an. „Ist doch nur logisch."

„So wie du es sagst, dann schon." Emily lächelte kurz.

„Wusste Leo Bescheid?"

Emily nickte. „Ich hab es nach ein paar Wochen erzählt."

„Gut. Ich hatte schon Angst, dass ihr euch deswegen streitet oder so. Leo kann da empfindlich sein."

„Also bist du nicht sauer?"

„Ich erwarte mindestens fünf Kilo der besten Schokolade vom Honigtopf als Entschuldigung", lachte Inga. „Und dass du dich vor mir auf die Knie wirfst."

Emily grinste. „Über die Schokolade können wir reden." Selten in ihrem Leben hatte sie sich so erleichtert gefühlt wie in diesem Moment als Inga sie so bedingungslos akzeptierte. „Wie ist eigentlich dein Date mit Lee gelaufen?"

Jetzt war es an Inga zu grinsen. „Sehr gut. Wir sind jetzt zusammen."

Emily quietschte vor Freude auf. „Ich freu mich so für euch." Sie umarmte die Freundin.

„Danke." Inga lachte. Doch sie wurde schnell wieder ernst. „Emily?"

„Ja?"

„Versprich mir nur eins: Das Emily Potter nicht total abdreht, weil sie berühmt ist, sondern wie Emily Evans bleibt."

„Versprochen."