Jahr IV
Buche und Phönixfeder
Die Ollivander's lebten einfach.
Und irgendwie war Lia davon enttäuscht. Sie hatte wohl gehofft, dass jemand, der so berühmt war wie Ollivander interessanter lebte. Was Unsinn war. Immerhin kannte sie seinen Laden.
Sie war schon früher gerne dort hin gegangen, schon bevor sie dort ihren ersten Zauberstab kaufte.
Es war faszinierend was diese einfachen Holzstücken bewirken konnten. Und nicht jeder Zauberstab war für jeden gleich gut! Sie wusste bis heute nicht, wie Ollivander unter all diesen Stäben den richtigen fand.
Ollivander war übrigens genauso seltsam wie er wirkte.
Er war meist in seinem Laden, oder in der Werkstatt und wenn er mal zum Abendessen oder ähnlichen Gelegenheiten zuhause war, war er meist abwesend.
Wenn er sprach dann oft so plötzlich, dass Lia sich jedes Mal erschreckte und fast alle seine Fragen waren so verwirrend, dass sie keine Antwort darauf fand.
Schließlich entschied sie, dass er eben ein komischer Kauz war und beantwortete seine Fragen, wie es ihr gerade in den Kopf kam.
Seine Frau Rachel war so offen, wie ihr Mann verschlossen war. Sie war eine fabelhafte Köchin, war sanftmütig und zuvorkommend.
Doch Lia fehlte an ihr ein gewisser Humor. Ein eigener Schalk, ein Aufblitzen von Intelligenz. Ihr war Rachel ganz einfach zu langweilig. Sie wusste ihre Freundlichkeit zu schätzen, das schon. Aber sie war ihr einfach kein Gegenüber.
Tja, und dann war da noch Gary, Ollivanders 21-jähriger Sohn. Er sollte das Familiengeschäft übernehmen und nahm sich selbst immer unglaublich wichtig. Lia ging er auf die Nerven, doch da er sie meist ignorierte kam es zu keinerlei Auseinandersetzung.
Das änderte sich eines Tages am Ende der dritten Ferienwoche, als Lia sich das erste Mal traute Ollivanders Werkstatt zu betreten.
Es roch nach Holz, Lack, Öl und irgendwie...nach Magie.
Lia war sofort gebannt.
An einer Seite des Raumes war ein großes, schweres Regal aufgebaut, das mit verschiedenen Holzscheiten gefüllt war.
Lia ging hinüber und strich über eines der Holzstücke. Es wirkte sicher und stark...und irgendwie langweilig auf sie. Das nächste gefiel ihr besser. Sie fühlte Unabhängigkeit und Kreativität. Ohne es zu merken musste sie lächeln.
„Pinie. Wie gemacht für einen Zauberer, der gern seinen eigenen Weg geht und seine eigenen Methoden sucht. Unabhängigkeit, Kreativität..."
Ollivanders sanfte Stimme schreckte Lia aus ihren Gedanken und sie sah schuldbewusst auf. Es war unmöglich zu sagen ob Ollivander wütend auf sie war. Er sah sie einfach aus seinen grauen Augen an, als wolle er in ihren Kopf hinein blicken.
Dann bemerkte sie, dass Ollivander eine Hand ausgestreckt hatte.
„Dürfte ich einmal deinen Zauberstab sehen?"
Etwas widerwillig zog Lia ihren Zauberstab aus der Tasche und gab ihm dem Zauberstabmeister.
„Weißbuche, 12 ¼ Zoll, Phönixfeder, ziemlich fest."
Er gab ihr den Stab zurück und sah ein wenig missbilligend, wie sie ihn in ihre Hosentasche steckte.
„Möchtest du wissen, was es mit den verschiedenen Holzarten auf sich hat?"
Sie musste ihn mit ziemlich weit aufgerissenen Augen angestarrt haben. Jedenfalls genügte ihm ihr Blick als ja.
In den folgenden Tagen und Wochen lernte Lia bei Ollivander die Grundlagen der Zauberstabherstellung. Zunächst hatte sie überlegt abzulehnen, Ollivander war ihr noch immer etwas suspekt.
Doch wer würde sich schon so eine Chance entgehen lassen?
Und es gefiel ihr.
Sie hätte nie gedacht, dass Holzart, Stabilität und selbst die Länge eine Menge Auswirkungen auf einen Zauberstab hatten. Beim Zauberstab-Kern hatte sie es sich ja schon gedacht.
Alles spielte irgendwie zusammen und der richtige Zauberstab konnte ausschlaggebend für die Leistung eines Zauberers sein.
Vieles verstand sie nicht, was sie ärgerte.
Und manches verwirrte sie.
Ihr eigener Zauberstab war aus Weißbuche und Ollivander sagte, dass dieses Holz besonders geeignet war für Zauberer, mit einer Obsession, einer Vision.
Nunja, er drückte es eher so aus: dieses Holz suchte sich solche Zauberer aus.
Aber hatte Lia so etwas? Oder hatte sich ihr Zauberstab vielleicht „geirrt"?
Nachdem diese Stunden begannen schien Gary sie regelrecht zu hassen.
Wen Lia dagegen sehr mochte, war Garys hübsche Freundin. Wie er so ein kluges, humorvolles Mädchen verdiente war Lia schleierhaft, doch irgendeinen Grund würde Cassy schon haben, sich mit ihm abzugeben.
„Lia."
Erschrocken sah Lia auf. Sie war in Ollivanders Werkstatt und damit beschäftigt ein Regal umzuräumen und hatte dabei vor sich hin geträumt.
Sie wusste nicht was es war, vielleicht der Holzgeruch, aber irgendetwas in dieser Werkstatt brachte sie immer fast in Trance.
Jetzt kam sie herüber an den Werktisch, wo Ollivander sie herbei winkte.
„Hier. Sag mir, was das für ein Holz ist."
Lia zog ein wenig die Nase kraus und griff nach dem Stab, den er ihr hinhielt.
Sie hatte keine Ahnung. Es gab ein paar Hölzer, die sie erkannte, aber die meisten sahen für sie völlig gleich aus. Hell, mit mehr, oder weniger Maserung.
Sie hatte gesehen, wie Gary auf einen Blick die Art eines Holzes bestimmen konnte und es wurmte sie.
Sie starrte das Stück Holz an, drehte es in den Händen und wurde nervös.
„Schließ die Augen.", wies Ollivander sie an.
Ungläubig sah sie in an. Wie sollte sie es erkennen, wenn sie nicht hinsah? Am Geruch vielleicht?
„Nun mach schon, Mädchen."
Gehorsam, wenn auch widerwillig schloss Lia die Augen.
Und nun?
Plötzlich runzelte sie die Stirn.
Irgendwie...fühlte sie etwas.
Lebensfreude. Abenteuerlust. Etwas, dass sie unwillkürlich zum Lächeln brachte.
Sie kannte die Eigenschaften, die den Holzarten zugesprochen wurden, auswendig.
Schließlich war sie nicht umsonst eine gute Lernerin.
„Platane?", fragte Lia vorsichtig und blickte Ollivander an, als erwarte sie ein Nein.
Doch stattdessen lächelte der Zauberstabmeister sein unlesbares Lächeln. „Sehr gut."
Vollkommen verdutzt starrte Lia das Holz in ihren Händen an.
Lias Zimmer war nicht besonders groß und sie hatte nicht allzu viel getan um es wohnlich zu machen. Auf der Kommode standen Bilder von ihren Eltern und an der Wand hing ein Foto des Quidditchteams. Neben dem Kleiderschrank standen Merlins leerer Käfig und eine Schachtel Eulenkekse. Auf dem Bett gab es neben dem Kopfkissen zwei rotgoldene Kissen.
Auf Rachels Anweisung hin hatte Gary ein Gestell an die Wand neben dem Bett gebaut, an dem nun Lias Nimbus 1500 hing.
Der große Schreibtisch war gefüllt mit Büchern, Pergamenten, Tintenfässern und Federkielen. Sie nutzte fast jede freie Zeit zum Lernen.
An diesem Abend lag Lia auf dem Bett in ihrem Zimmer und drehte ihren Zauberstab in den Händen.
Wie heute Nachmittag schloss Lia auch jetzt die Augen und strich über das Holz ihres Stabes.
Als sie sie wieder öffnete war sie verwirrt.
Sie hatte etwas gefühlt. Aber es war nie im Leben so klar gewesen, wie mit dem Platanenholz. Da war...eine Art Feuer...Entschlossenheit...Angst?
Lia ließ den Stab neben sich plumpsen und schüttelte den Kopf. Was machte sie da denn überhaupt? Dieses ganze Zeug in Ollivanders Werkstatt machte sie wohl konfus.
Holz fühlen.
Klar.
Sie verschwendete bloß ihre Zeit. Viel lieber sollte sie weiter lernen!
Stattdessen jedoch blickte sie sich unmutig im Zimmer um und ihr Blick fiel auf die Fotos auf der Kommode. Das Hochzeitsfoto ihrer Eltern. Sie und ihr Vater. Ihre Mutter auf dem Karussell.
Wieso waren sie fort? Wieso waren ihre Eltern nicht mehr da?!
Lia sehnte sich danach Zuhause zu sein. Man hatte ihr dieses Zuhause genommen. Die Menschen, die sie liebten. In den Ferien hatte sie mit ihrem Vater oft Schach gespielt. Sie wären in die Winkelgasse gefahren und Lia hätte gejammert bis sie bekam was sie wollte. Ihr Vater und sie wären zu Potters zum Essen, wo er und Mr Potter sich über Dinge unterhielten, die Lia nie verstand. Ihre Mutter hätte alle ihre Lieblingsspeisen gekocht. Manchmal hätte sie morgens Frühstück ans Bett bekommen. Ihr Vater... getötet von unbekannten schwarzen Gestalten. Ihre Mutter... die ihren Mann so sehr liebte, dass sie nicht ohne ihn leben konnte. Sie hatten ihre Tochter allein gelassen.
Sie war allein, für immer allein. Sie hasste dieses Gefühl. Sie wollte es nicht.
Stumm rollte sie sich auf den Bauch und vergrub das Gesicht in den Kissen.
Still lag sie da, bis der Schlaf kam.
Kampf oder Aufgabe?
Nie zuvor hatte Lia mit solchem Unmut am Gleis 9 ¾ gestanden.
Es war kein sonderlich guter Morgen gewesen. Sie hatte ihren Kakao verschüttet, einige Sachen nicht gefunden und zu allem Überfluss musste sie sich von Gary zum Bahnhof bringen lassen. Rachel hatte an diesem Tag einen Termin gehabt.
Die Wochen bei den Olivanders waren einfach durchzustehen gewesen.
Zum einen waren sie ja begrenzt.
Und zum anderen ließ man sie dort in Ruhe. Sie aß zwar mit den anderen und ließ sich von Olivander unterweisen, aber im Prinzip war sie auf sich selbst gestellt. Niemand stellte ihr Fragen, oder bedrängte sie, niemand sprach sie auf Dinge an, über die sie nicht reden wollte.
In Hogwarts würde das anders sein. Es würde nun alles anders sein.
Wie sollte sie ihren Freunden begegnen? Sie wollte ihr Mitleid nicht, aber sie wollte auch nicht mit ihnen herum albern.
So leid es ihr auch tat, sie würde sie verletzen müssen.
Denn sie hatte keine Zeit mehr für dieses alberne Herumtollen. Sie hatte keine Zeit zu verschwenden. Nicht umsonst hatte sie Tage und Nächte durch gelernt.
Sie würde es schaffen. Und dazu konnte sie keine Ablenkung brauchen.
Mit dieser kühlen Entschlossenheit betrat Lia den Zug und suchte sich ein ruhiges Abteil. Nachdem sie alles verstaut hatte nahm sie ein Buch zur Hand und lehnte sich auf ihrem Sitz zurück.
Es dauerte fast zwei Stunden bis man sie entdeckte.
„Lia, da bist du!" Megan sah sie fröhlich an und öffnete den Mund um weiter zu sprechen, dann schloss sie ihn wieder unsicher.
Lia sah von ihrem Buch auf und lächelte freundlich. „Hallo Meg." Dann wandte sie sich wieder dem Buch zu.
Megan schluckte und sah zu Suse und Charlot, die nach ihr das Abteil betreten hatten. Sie schienen genauso unsicher zu sein, wie sie.
Schließlich ergriff Suse das Wort. „Also, wir haben ein Abteil weiter vorn, hinter dem Vertrauensschüler-Abteil, also, wenn du vorbei kommen willst..."
Mehr als ein abwesendes Nicken bekamen sie nicht von Lia, also verschwanden sie schließlich.
Eine ganze Weile blieb Lia danach ungestört.
Der nächste der ihre Ruhe brach, war Matt.
Er lehnte einfach eine Weile im Türrahmen und sah Lia an.
Irgendwann hielt sie es nicht mehr aus und klappte ihr Buch zu. „Was gibt es?"
Matt zuckte nur mit den Schultern, doch er kam ins Abteil und setzte sich ihr gegenüber hin.
„'Theorie magischer Verteidigung'? Das ist doch erst nächstes Jahr dran."
Lia warf einen Blick auf das Buch und zuckte dann mit den Schultern.
„Es ist interessant.", sagte sie schließlich.
Er sah sie noch einen Moment an und Lia versuchte ihm nicht in die Augen zu sehen, ohne dabei so zu wirken als scheue sie davor zurück.
„Hast du dieses Jahr vor Quidditch zu spielen?"
Das kam überraschend. Nun blinzelte Lia ihn verwirrt an.
Sein Blick war ernst. Seine Augen wirkten...nachdenklich. Lia suchte darin nach Mitleid doch was sie fand war etwas anderes. Trauer?
„Nein...nein, habe ich nicht."
Er nickte. „Das dachte ich mir."
Kurze Stille.
„Bist du sicher, dass du das willst?"
„Kein Quidditch mehr spielen? Ja, das -"
„Nicht nur das."
Matt lehnte sich vor und nahm das Buch in die Hand, das Lia gelesen hatte.
„Kein Quidditch, kein Interesse an deinen Freunden, krampfhaftes Lernen."
Er sah ihr wieder in die Augen.
„Ich hatte gehofft du würdest kämpfen, aber stattdessen hast du aufgegeben."
„Ich habe nicht aufgegeben!"
Wütend war Lia aufgesprungen und nahm nicht einmal wahr, wie ihr das Pergament vom Schoß fiel und ein Tintenfass zerbrach.
„Ich kämpfe!"
Dass er so ruhig da saß, sie weiterhin ansah, als ob, als ob...sie wusste selbst nicht was sie so aufregte und das machte sie nur noch wütender.
„Gut. Dann sag mir worum du kämpfst?"
Damit hatte er ihr den Wind aus den Segeln genommen.
„Worum -...um...um Rache!"
„Das ist die Art wie du kämpfen willst. Deine Motivation. Aber was ist dein Ziel?"
Einen kurzen Augenblick starrte Lia ihn einfach nur an.
Dann ballte sie die Hände zu Fäusten.
„Verschwinde."
Und er tat es.
Es war als hätte er den Schorf einer noch nicht ganz verheilten Wunde abgekratzt.
Und nun musste sie den Blutfluss stoppen.
Matts Worte waren mehr als nah an der Wahrheit.
Doch statt sie sich zu Herzen zu nehmen, schob Lia so bald sie konnte in einen entfernten Winkel ihres Verstandes. Es war nicht schwer, sie fand genug um sich abzulenken.
Sie sah ihre Freunde so gut wie nie.
Wie sie bereits Matt gesagt hatte stieg sie aus dem Quidditchteam aus. Ja, sie hatte vor nicht einmal zu den Spielen zu gehen. Sie stand morgens früh auf, wie sie es ja schon gewohnt war, diesmal, um zu lernen. Sie verließ abends erst die Biblitohek, wenn sie geschlossen wurde und lernte im Gemeinschaftsraum weiter.
Im Unterricht saß sie allein.
Die Veränderung war nicht zu übersehen und an jemand so präsentem wie Lia umso deutlicher.
Doch niemand wollte sie darauf ansprechen.
Alle wussten schließlich, was sie durchmachen musste und vermutlich brauchte sie einfach Zeit für sich.
Tatsächlich schien Matt der Einzige zu sein, der ihr Verhalten nicht akzeptieren wollte.
Trotzdem sagte er nach dem Gespräch im Zug nichts mehr, doch er beobachtete sie und das war ihr mehr als unangenehm.
„Professor McGonagall?"
Die Professorin sah von den Papieren auf, die sie gerade sortierte und Lia direkt in die Augen.
Dem Mädchen schauderte ein wenig. Irgendwie hatte Professor McGonagall diese Angewohnheit einen anzusehen, als wolle sie mehr wissen, als nur das Oberflächliche...
Irgendwie musste Lia unwillkürlich an Ollivander denken.
„Ich wollte mich erkundigen ob sie vielleicht eine Jobbroschüre für mich hätten."
Die Lehrerin hob die Augenbrauen und sah Lia noch durchdringender an.
„Die Broschüren sind für die Fünftklässler. Sie werden im nächsten Jahr alles bekommen was sie brauchen, Ms Kenneth."
„Ja...Ich würde sie aber gerne jetzt haben, um, ähm, mich vorzubereiten."
Warum musste sie sie nur so ansehen?
„An was für einen Beruf hatten sie denn gedacht?"
„Auror."
Einen kurzen Augenblick schwieg die ältere Frau, während Lia unruhig von einem bein auf das andere trat. Sie hatte sich das irgendwie einfacher vorgestellt.
„Ich verstehe...Das ist ein schwieriger Beruf, sehr anspruchsvoll und die Voraussetzungen-"
„Ich schaffe das schon. Deshalb will ich mich ja darauf vorbereiten!"
„Ms Kenneth, ich zweifle weder an ihrer Intelligenz, noch an ihrer magischen Begabung. Sie haben mehr als einmal bewiesen, dass Sie Beides zu Genüge haben. Aber ein Auror braucht noch einiges mehr als bloßes Wissen. Sie müssen zum Beispiel in der Lage sich unterzuordnen, Befehlen zu gehorchen. Sie müssen Situationen richtig einschätzen und nicht ihren eigenen Wünschen und Träumen nachjagen."
Lia sah auf den Tisch und ballte die Hände zu Fäusten.
„Kann ich diese Broschüre nun haben?"
Sie bekam die Broschüre. Allerdings hatte Lia nun das unangenehme Gefühl, als wäre es nicht nur Matt der sie beobachtete.
Was sollte das? Was wussten die denn schon? Sie verstanden doch überhaupt nichts!
Ohne Tränen
Mit zusammengebissenen Zähnen starrte Lia auf die Buchseite, ohne auch nur ein Wort zu sehen.
Sie hatte Kopfschmerzen, schlecht geschlafen und die Albträume der Nacht verfolgten sie noch bis in den Tag hinein.
Auf dem Weg zur Biblitohek war sie fast mit Matt zusammengestoßen.
Sie starrten sich kurz an, dann, als er schon den Mund öffnete, lief Lia weiter, ohne ihm die Chance zu geben etwas zu sagen. Er rief ihren Namen, doch sie tat als höre sie es nicht.
In ihrer Brust zog sich etwas zusammen.
Ohne es richtig zu merken presste Lia die Faust gegen die Brust und krümmte sich über dem Tisch.
Das kam, weil sie schlecht geschlafen hatte.
Sie würde heute einfach früher ins Bett gehen.
Sie sah vier Männer, die vor ihr einen dunklen Weg entlang liefen. Alles war dunkel. Die Männer trugen dunkle Umhänge.
Ihr Anblick erfüllte sie mit Abscheu.
Sie hob den Zauberstab.
Sie öffnete den Mund.
Sie war bereit. Sie würde sie töten. Sie würden büßen, für das, was sie ihren Eltern angetan hatten.
Ein grüner Blitz schoss aus dem Stab.
Und einer nach dem anderen fielen die Männern er um.
Langsam ging sie auf die leblosen Körper zu.
Mit dem Fuß drehte sie einen um, die Kapuze rutschte zur Seite.
Es war Matt.
Direkt daneben starrte ihr Vater ihr entgegen.
Ein Stück weiter war es Sirius' Gesicht unter der Kapuze.
Ihr Herz zog sich zusammen. Sie bekam keine Luft mehr. Sie stürzte und fiel, fiel, fiel...
...und wachte keuchend in ihrem Bett auf.
Rasch presste sie die Hand auf ihren Mund und starrte mit weit aufgerissenen Augen an die Decke, während ihr rasendes Herz sich langsam, schmerzhaft langsam, zu beruhigen begann.
Dieser Traum. Dieser verdammte Traum!
Als sie am nächsten Morgen in den Gemeinschaftsraum hinunter tappte traf sie wieder einmal auf Matt. Er und Sheila sprachen wohl gerade über das letzte Training.
„Guten Morgen, Lia.", begrüßte Sheila sie fröhlich, wenn auch etwas unsicher.
„Sag mal, hast du...hast du geweint, du hast ganz rote Augen..."
Lia, die bereits das 'Guten Morgen' erwidern wollte stutzte.
„Nein. Nein, wieso sollte ich geweint haben?" Sie klang ehrlich verdutzt.
„Oh, tja, dann...hab ich mich wohl getäuscht, entschuldige..." Unsicher sah Sheila zu Boden. „Tja, also, ich geh dann mal zum Frühstück."
Lia stand da und starrte ins Leere.
Dann drehte sie sich um, kletterte aus dem Portraitloch und rannte die Treppen hinunter, durchs Portal und raus an den See.
Soweit kam es noch, dass Matt sie weinen sah!
Doch sie weinte nicht.
Ihre Augen brannten, ihr Herz schmerzte, doch die Tränen kamen nicht.
Sie sah einfach nur auf die leicht gekräuselte Oberfläche des Sees und wünschte irgendetwas würde passieren. Irgendwas. Irgendwas, dass diese schreckliche Stille zerbrach.
Es würde helfen zu weinen. Doch sie konnte es nicht.
Es würde helfen zu schreien. Doch nichts geschah.
Sie war gefangen in einer großen Glaskugel, die alles von ihr abhielt.
Sie hatte ihre Eltern verloren.
Sie hatte ihre Freunde verloren.
Sie hatte den Sport verloren, den sie so liebte.
Es war alles weg. Zum Teil durch ihre eigene Schuld.
Und vermutlich hatte sie es aus irgendeinem Grund verdient.
„Veritaserum, ein farbloser, geruchloser Zaubertrank, der
den Trinkenden zwingt, die Wahrheit zu sagen..."
Bevor Lia weiterlesen konnte schreckte lautes Schreien von draußen sie auf. Ein Blick aus dem Fenster zeiget, dass sie den Fehler gemacht hatte sich einen Tisch auszusuchen, der an einem Fenster zum Quidditchstadion stand.
Sie wollte sich eigentlich genervt aufseufzend abwenden...doch sie konnte nicht.
Einer der Gryffindorjäger stürzte grade mit einem gewagten Flugmanöver aus der Reichweite des Hufflepuffgegners. Dem Flugstil nach musste es Kate sein. Und der Jäger der den Pass verpatzte war definitiv Jason, doch der dritte...sie hatte keine Ahnung, wer der dritte Jäger war, derjenige, der sie ersetzte...Die Jäger verschwanden aus ihrem Blickfeld und sie starrte abwesend weiter auf das Feld hinauf.
Was sie als nächstes aufschreckte, war ein rasend schneller Klatscher, der auf die Torstangen und auf Matt zugerast kam. Ein kleiner Schrei entfuhr ihr, den sie rasch mit der Hand abdämpfte.
Sie musste sich dringend einen anderen Tisch suchen.
Doch einen anderen Tisch suchen half nicht gegen das Problem.
Lias fühlte sich in diesen Tagen oft als habe sie anstelle eines Herzens einen Stein in der Brust.
Manchmal blieb sie mitten im Flur stehen und musste sich an die Wand lehnen, weil ihr das Atmen schwer fiel.
In solchen Momenten wusste sie sich nur zu helfen, indem sie noch intensiver lernte und noch mehr Zeit allein verbrachte.
Selbst ihren Lehrern fiel auf, dass etwas nicht in Ordnung war.
Slughorn hatte sie schon zweimal gefragt, ob sie vielleicht krank sei und Professor Kesselbrand hatte sie in der letzten Stunde dazu bringen wollen über ihren Verlust zu sprechen. Zumindest hatte sie danach eine Erklärung für die pferdeartigen Wesen bekommen, die die Kutschen zum Schloss zu Beginn des Jahres gezogen hatten.
Hatte sie jemals von Thestralen gehört? Sie waren im Unterricht bisher nicht vorgekommen.
Nach diesen Gesprächen hielt es Lia allerdings für besser etwas mehr zu schlafen und regelmäßig zu den Mahlzeiten zu erscheinen.
Auch wenn sie bei jeder Mahlzeit wieder Atemnot bekam.
Die beste Medizin
Die Weihnachtszeit war die schlimmste Qual ihres Lebens.
Nie zuvor war sie über Weihnachten in Hogwarts geblieben.
Die leeren Korridore und die ruhige Atmosphäre im Gemeinschaftsraum machten sie wahnsinnig.
Sie hatte Rachels Angebot abgelehnt bei ihnen Weihnachten zu verbringen. Sie wollte nicht Weihnachten bei einer fremden Familie erleben. Ebenso hatte sie auch alle anderen Einladungen abgeschlagen. Es hätte sie zu sehr an Zuhause erinnert.
Dann kehrten alle wieder zurück, das Schloss füllte sich mit Lärm, alle begrüßten einander und es war kein Stück besser.
Zwischen all den Menschen kam sich Lia verlorener vor, als sie es in der Einsamkeit empfand.
Eines Abends stand sie vom Tisch auf und verließ die Große Halle ohne etwas gegessen zu haben, um all den Lärm und das Gerede hinter sich zu lassen.
Draußen auf den Ländereien verlor der Winter gerade nach und nach die Macht.
Schneeglöckchen standen überall verteilt und Lia war sich sogar sicher, ein paar Krokosknospen zu entdecken.
Dennoch war sie für einen Spaziergang viel zu dünn gekleidet. Sie ging jedoch nicht zurück, sondern wanderte durch das nasse Gras zum See hinunter.
Dieser lag kalt und still da, wie eine riesige Scheibe aus Onyx, oder ein tiefer, mit Glas bedeckter Abgrund.
Wie lange Lia einfach nur dastand und aufs Wasser starrte wusste sie nicht.
Es war still und kalt. Zum ersten Mal seit Tagen, seit Wochen nahm Lia sich Zeit nachzudenken.
Die Gedanken, die sie so fürchtete stürzten nun auf sie ein. Nicht so schlimm jedoch, wie sie es erwartet hatte. Irgendwie schienen die Kälte und die Stille der Nacht den Schmerz zu betäuben und fast lachte sie ein wenig über sich selbst.
Sie war einsam, alleine und erfüllt vom Hass. Sie, ein 15-jähriges Mädchen, bildete sich ein es mit allen Todessern aufnehmen zu können um diejenigen zu finden, die Schuld am Tod ihrer Eltern waren.
In der dunklen, glatten Oberfläche spiegelten sich dunkle Kapuzen, weiße Masken. Schmerzhaft presste Lia die Zähne aufeinander.
Vielleicht war es Irrsinn. Aber es war ihr ernst damit.
Matt. Ihr war klar, dass er versuchte ihr zu helfen. Und in gewisser Weise wollte sie diese Hilfe. Aber sie konnte einfach nicht. Was sollte es denn schon bringen, als weiteren Schmerz. Und dann wieder, war sie sich gar nicht so sicher, ob es wirklich der Gedanke an kommenden Schmerz war, der sie davon abhielt die Hilfe ihrer Freunde anzunehmen, oder nicht etwas anderes, weniger fassbares. Eine unbestimmte Angst...Unsicherheit... Es war einfacher nur zu lernen, sich nur auf ihr Ziel zu konzentrieren, Auror zu werden.
Langsam wanderte sie weiter über die Ländereien, bewegte den Schmerz in ihrem Herzen, betäubt in der Melancholie der Nacht.
Als das Quidditchfeld in Sicht kam, konnte sie im Licht der Lampen ein trainierendes Team ausmachen. Es war pure Ironie, dort ihr eigenes Team spielen zu sehen.
Im Schatten der Tribünen blieb sie stehen und sah zu, wie die sieben Personen dort oben ihre Spielzüge trainierten und lauschte auf Matt's Anordnungen.
Sie fand ja schon immer, dass er einen grandiosen Kapitän abgab. Irgendwie schien er darin aufzugehen, als wäre alles andere nur Ballast, den er abwarf, wenn er sich der eigentlichen Aufgabe widmete.
„Okay, noch einmal. Keith, auf den Posten, Kate, du hast den Ball. Ja, ich weiß, wir sind alle müde. Macht's noch einmal und ich entlasse euch, einverstanden?"
Lia grinste als Kate die Augen verdrehte und sich den Quaffle schnappte. Jason folgte ihr als gegnerischer Jäger und versuchte ihr den Ball abzunehmen, während der dritte Jäger (wenn sie sich recht erinnerte hieß der Junge Jake) auf Position ging um Kates Pass anzunehmen.
Nicht ohne jegliche Genugtuung nahm Lia wahr, dass der Neue nicht halb so gut war wie sie.
Als schließlich alle in die Kabinen verschwunden waren kam Lia aus ihrem Versteck und trat auf das Spielfeld.
Es war richtig gewesen, dieses Jahr kein Quidditch zu spielen. Die Entscheidung war ihr ganz natürlich vorgekommen. Es war einfach nicht wichtig.
Wer hätte gedacht, dass sie es so vermissen würde?
Sie vermisste es fast so sehr wie ihre Freunde.
Und ihre Eltern.
War es nicht idiotisch, dass sie sich alles genommen hatte, was ihr noch blieb? War der Verlust ihrer Eltern nicht genug gewesen?
Zweifel überkamen Lia und sie biss unsicher auf ihrer Lippe herum.
Als die Gedanken unerträglich wurden drehte sie sich um und machte sich auf den Weg zum Schrank mit den Ersatzbesen.
Und als sie dort oben in der Luft war verteilte der Wind ihre Tränen in der Nacht.
So eingenommen war sie von ihren Gedanken, dass sie das Team ganz vergessen hatte.
Viele Meter unter ihr deutete eine Gestalt zu ihr hoch. Eine zweite nickte und als alle zum Schloss hochgingen, blieb einer zurück.
Überrascht, aber ohne Widersprüche ließ Lia zu, das das ältere Mädchen sich bei ihr einhakte, als sie den Besen weggebracht hatte, und gemeinsam gingen sie und Sheila zurück zum Schloss.
Mehrere Tafeln Schokolade und einen ganzen Stapel Fotos und Zeitschriften später lachte Lia das erste Mal seit Monaten wieder.
Und Lachen ist wirklich die beste Medizin, nachdem Tränen die Wunde ausgewaschen haben.
Alles Weitere bringt die Zeit.
Es ging nicht von einem Tag auf den anderen
Aber langsam ging es Lia besser.
Sie lernte immer noch die meiste Zeit. Aber ab und zu ließ sie sich von Matt und Sheila in ein Gespräch verwickeln, oder zu einer Runde ums Quidditchfeld überreden.
Charlot umarmte sie und weinte dabei all die Tränen die Lia selber weinen sollte. Und Meg zog sie dafür auf.
Immer mal wieder setzte Suse sich zu ihr in die Bibliothek und sie lernten gemeinsam.
Es war schlimm. Aber nicht mehr so schlimm. Und dafür war Lia dankbar.
Der Wind brachte die Bäume des verbotenen Waldes in Bewegung und die Torringe auf dem Quidditchfeld schwankten ganze leicht hin und her.
Es war dunkel, obwohl es erst früher Abend war. Ein warmer Abend, trotz des starken Windes und der vereinzelten Regentropfen.
Lia saß auf der Tribüne und blickte runter aufs Feld, während ihr die Haare ins Gesicht wehten. Immer wieder schob sie sie zurück hinters Ohr, doch sie bekam es kaum richtig mit.
Nach einer Weile merkte sie, wie sich jemand neben sie auf die Bank setzte und wusste, ohne hinzusehen, dass es Matt war.
Zunächst sagte er nichts und sie saßen schweigend nebeneinander.
Seine Anwesenheit lenkte Lia von ihren ursprünglichen Gedankengängen ab, während sie darauf wartete, dass er endlich sprach.
Dann endlich bewegte er sich und hielt ihr einen Quaffle unter die Nase. Als sie ihn verwirrt anblinzelte grinste er breit.
„Lust auf ein paar Würfe?"
Ihr vorsichtiges Lächeln war Antwort genug.
Das erste Mal wieder Fliegen hatte gut getan.
Das erste mal wieder einen Quaffle in der Hand zu haben fühlte sich ähnlich vertraut an.
Und als sie auf Matt zuschoss hatte sie das Gefühl, das letzte Jahr wäre nie gewesen.
Was sie am meisten ans letzte Jahr erinnerte war die Tatsache, dass sie wie immer kaum etwas an Matt vorbei bekam.
Als sie wieder am Boden waren und Matt den Quaffle eingepackt hatte beschwerte sie sich auch schon darüber.
„Ehrlich, du bist kein Mensch, Matt, du bist eine Maschine!"
Mit leicht gequältem Gesichtsausdruck massierte sie sich den Arm. Ihre Muskeln begannen bereits zu schmerzen.
„Was denn, du hast doch sogar einmal gepunktet.", erwiderte Matt nur mit einem höchst zufriedenen Grinsen.
„Oh prima, von wie vielen? Zwanzig? Dreißig?"
Alles was sie im Moment wollte war ein heißes Bad. Aber sie würde sich wohl mit einer Dusche zufrieden geben müssen...
„Oh je, wir haben noch 15 Minuten bis du im Bett sein musst.", bemerkte Matt gerade und Lia stöhnte. Das hieß Dauerlauf die Treppen hoch.
Matts Kommentar ignorierte sie gekonnt. Es hatte bestimmt nichts mit „Training" zu tun gehabt.
Es wurde immer wärmer. Ravenclaw gewann knapp den Quidditchpokal und Matt hatte eine Woche lang schlechte Laune.
Die sich darin äußerte, dass er seinem Team stundenlange Ansprachen darüber hielt, was sie besser zu machen hatten.
Lia musste darüber lachen, doch irgendwie wünschte sie sich auch, sich diese Ansprachen auch anhören zu müssen. So sehr sie es dann auch hassen würde.
Mehr als einmal sah sie sehnsüchtig zu der kleinen Gruppe hinüber.
Und mehr als einmal half sie Matts Freund Jeff dabei, das Team zu erlösen.
Der Sommer brachte die Prüfungen mit sich und die meisten Schüler waren in dieser Zeit in Bücher vertieft, oder mit dem Federkiel übers Pergament kratzend vorzufinden.
Sheila war besonders panisch, hatte sie doch ihre Abschlussprüfung vor sich.
Hätte Keith sie nicht immer wieder mit Nervereien in den Wahnsinn getrieben hätte sie wohl nichts anderes getan als zu lernen.
Leichenblass ging sie zu jeder ihrer Prüfungen.
Lia bestand die Prüfungen als Klassenbeste und hatte damit die besten Aussichten nächstes Jahr alle die OWLs zu kriegen, die sie wollte.
Wenn sie darüber nachgedacht hätte, wäre Lia vielleicht überrascht gewesen, dass sie selbst Suse übertrumpft hatte, die sonst immer die besten Noten bekam.
Schließlich kam der letzte Schultag und die Schüler rannten wie verrückt durchs Schloss um all die Dinge wieder zu finden, die sich sie dieses Jahr wieder verloren hatten.
Lia freute sich nicht wirklich auf die Ferien. Vor allem, weil sie Gary wieder den ganzen Sommer würde ertragen müssen. Sie hatte den anderen gesagt, dass sie sicher Zeit finden würden sich zu treffen, aber sie war sich ziemlich sicher, dass es nicht dazu kommen würde.
Sie alle hatten genug mit sich selbst und ihren Familie zu tun.
Und sie würde sie nicht stören.
„Du warst die ganze Fahrt so ruhig."
Suse schob ihren Koffer neben Lia und lächelte sie scheu an.
So leicht es Matt und Sheila auch fiel mit Lia umzugehen, für ihre Schlafsaalkameradinnen war es immer wieder eine Herausforderung.
„Ist schon in Ordnung. Ich war nur müde und nachdenklich."
„Hey! Hast du's bald mal?!"
Mit einem tiefen Seufzen wandte sich Lia zu Gary. Zu ihrer großen Erleichterung bemerkte sie, dass Cassy bei ihm war. Die junge Frau begrüßte Lia fröhlich und betrachtete Matt, der zum Abschied herüber gekommen war, mit einem wissenden Gesichtsausdruck, der Lia dazu brachte eine Grimasse zu ziehen.
„Pass auf dich auf, Kleine.", meinte Matt mit seinem typischen Grinsen.
„Was soll ich denn schon groß anstellen?", erwiderte Lia. Irgendwie war ihr seltsam zumute. Aber warum?
Matt lachte. „Dir fällt schon was ein, da bin ich mir sicher." Er wuschelte ihr durch die Haare und ging.
Und Lia wusste, was so seltsam war. Sie hatte gehofft, er würde sie umarmen.
„Ich bin doch kein Kind mehr.", grummelte sie missmutig. Ob sich ihr Unmut nun auf Matt oder auf sich selbst bezog, war schwer zu sagen.
„Na, komm, Kleine." Cassy's Augen blitzten spitzbübisch. „Gehen wir nach Hause."
Nach Hause. Wo war sie Zuhause?
