Jahr VI

Was fehlt?


Hey Lia!

Die Ausbildung läuft super. Ich bin zwar völlig K.O., aber hey, das ist es wert.

Und, hast du schon deine Hausaufgaben gemacht? Haha, natürlich hast du. Du hast ja schließlich große Pläne.

Also, streng' dich schön an.

Und vergiss nicht Quidditch zu trainieren! Gryffindor muss endlich wieder gewinnen! Treib das Team ordentlich an!

Also dann, mach's gut.

Matt

Lia warf das Pergament auf den Papierhaufen auf ihrem Schreibtisch und sah kurz seufzend aus dem Fenster. Dann ließ sie sich rückwarts aufs Bett fallen und schloss die Augen.

Seit Beginn der Ferien hatte sie den Briefwechsel mit Matt aufrecht erhalten.

Sie war keine besonders gute Briefschreiberin und glaubte auch nicht, dass Matt es war.

Also hatte sie die recht inhaltslosen Briefe zunächst darauf geschoben. Doch statt besser wurde es immer schlimmer.

Eigentlich wusste sie selbst nicht so recht, warum sie sich immer noch schrieben. Vermutlich weil beide wussten, dass der Kontakt abbrechen würde, wenn sie es nicht taten.

Aber so hielt Lia es einfach nicht mehr aus.

Sie rollte sich zur Seite und ihr Blick fiel auf ein Foto, das sie an die Wand gehängt hatte.

Es war ein Foto des Quidditchteams, in dem ersten Jahr, als sie drin war. Mirco hatte irgendwie darauf bestanden, aber wie man sehen konnte, wurde er von den anderen nicht sonderlich ernst genommen.

Lia stand auf und ging hinüber zur Wand.

Nachdem sie das Bild abgenommen hatte setzte sie sich wieder auf die Bettkante und betrachtete es.

Mirco stand an der rechten Seite des Bildes und betrachtete mit einem halb genervten, halb belustigten Bild die Szene: Keith zog Tally am Pferdeschwanz, die sich daraufhin zu ihm umdrehte um ihm mit ihrem Armschoner eins über zu ziehen. Stattdessen jedoch stolperte sie über Malcolms Bein, das nicht zufällig dort gewsen war. Sie fiel gegen Sheila und beide purzelten übereinander.

Leise kichernd wandte Lia den Blick auf die andere Seite des Fotos. Sie stand recht verwirrt da, es war noch relativ am Anfang der Saison gewesen und sie wusste nicht so recht was sie mit diesem bunten Haufen anfangen sollten. Matt stand hinter ihr und wuschelte ihr durch die Haare. Sofort sah sie weniger verloren drein und versuchte stattdessen Matt davon abzuhalten ihre Frisur zu zerstören.

Lia stand auf und legte das Bild umgedreht auf ihre Kommode. Wieso konnte es nicht immer noch so sein, wie es damals gewesen war? Matt, der immer für sie da war, immer genau wusste was sie gerade brauchte.

Nach ein paar Löffeln Cornflakes verzog sich Lia in die Werkstatt und begann aufzuräumen. Das war ziemlich schnell zu ihrer Aufgabe in den Ferien geworden, denn Ollivander war reichlich chaotisch, ließ aber außer Lia kaum mal jemanden in seine Werkstatt.

Wieso wusste sie nicht, was Matt jetzt tat? Er sagte in seinen Briefen immer nur, die Ausbildung wäre gut, nie was er machte. Sie hatte ihn in all den Jahren nur ein einziges Mal gefragt, was er machen wollte.

Sie kannte seine Hobbys nicht.

Sicher gab es doch irgendwas außer Quidditch, was er gerne tat.

Sie wusste nicht welche Fächer ihm lagen, was für Essen er mochte, was er nicht leiden konnte.

Lia hielt inne, das Staubtuch noch in der Hand.

Hatte sie überhaupt das Recht von einer Freundschaft zu sprechen, wenn der einzige, der irgendetwas investiert hatte, Matt gewesen war?

"Celia, du musst hier nicht von Hand putzen, ich kann das jederzeit per Zauberei machen."

Lia drehte sich zu Ollivander um.

"Sicher könnten Sie, aber Sie tun's nicht."

Er hatte wieder einmal, dieses seltsame Lächeln aufgesetzt, das immer so aussah, als sehe er sie nicht einmal an.

"Komm hier rüber." Er deutete zur Werkbank und Lia ging gehorsam zu ihm. Immer mal wieder war Ollivander bereit ihr Dinge über Zauberstabmaterialien zu erklären, oder ihr zu zeigen, wie man das Holz bearbeitete.

"Ich möchte, dass du einen Zauberstab herstellst."

Lia starrte den Mann an, als erwarte sie er rufe gleich "April, April", doch er schien es ernst zu meinen.

"Hier ist alles was du brauchst, also, fang an."


Nachdem sie begonnen hatte in der Werkstatt und im Laden zu helfen vergingen die Ferien unglaublich schnell.

Manchmal kam es ihr so vor, als lerne sie mehr von Ollivander, als Zauberstabherstellung. Sie lernte etwas über Menschen, lernte mit einem Blick zu erkennen, was für einen Zauberstab ein Kunde brauchte.

Und sie war unglaublich schlecht darin. Sie brauchte ewig um den richtigen Stab zu finden und auch dann meist nur mit Ollivanders Hilfe.

Trotzdem, es war lehrreich. Sie wünschte nur es würde nicht so lange dauern es zu lernen.

Als die Ferien aufs Ende zu gingen wünschte Lia sich das erste Mal, sie täten es nicht.

Sie hatte sich gerade an alles gewöhnt, sie war ausgelastet und hatte eine Arbeit, die ihr gefiel. In den letzten Wochen war der Briefwechsel mit Matt fast zum Erliegen gekommen, was zumindest zur Folge hatte, dass sie seltener an ihn dachte.

Und in Hogwarts? Was blieb ihr nun noch?


"Lia-Schätzchen!"

Sie wollte mit den Augen rollen. Wirklich. Doch stattdessen konnte sie nicht anders, als Keith mit einem breiten Grinsen zu begrüßen, als sie mit ihrem Besen in der Hand das Quidditchfeld betrat.

"Endlich bist du da! Mein Herz hat sich nach dir verzehrt!"

"Ach, tatsächlich?"

"Sicher! Sieh dich doch mal um! Was soll ich denn mit all diesen trüben Tassen hier anstellen?"

"Keith, noch eine dumme Bemerkung und du läufst Runden." Jessica verpasste Keith einen Schlag auf den Hinterkopf und lächelte Lia an. "Ich bin tatsächlich froh, dass er seine dummen Sprüche jetzt an dir auslassen kann. Du hast definitiv mehr Geduld mit ihm als ich."

Lia lachte und wenige Minuten später waren sie, Kate und Jason in der Luft und machten Aufwärmübungen, während Jessica sich mit den Neuen befasste.

Es hatte Lia mehr als einen kleinen Stich verpasst, als sie herausfand, dass die ein Jahr jüngere Jessica zum Kapitän ernannt worden war. Sicher, es hatte ihr klar sein müssen, als sie kein Abzeichen erhielt. Niemand bei Verstand würde Keith zum Kapitän machen. Dennoch...als Jessica vor ihr stand um über Trainingszeiten zu reden, wäre sie vor Neid fast geplatzt.

Inzwischen hatte sie sich wieder etwas gefangen. Vor allem, weil Jessica so eine verdammt gute Kapitänin war.

Aber ein gewisser Trübsinn blieb.

Kenny, der neue Hüter, war schlaksig und sah aus, als müsse er gleich vom Besen fallen. Als Lia ihn jedoch das erste Mal einen Ball abwehren sah revidierte sie ihre Meinung gleich. Er war unglaublich schnell und hatte sehr viel mehr Kraft als man ihm zutrauen mochte.

Tessa, eine Sechstklässlerin die mit Jessica befreundet war, kannte Lia bereits. Sie war extrem ruhig, aber hatte eine unglaubliche Beobachtungsgabe und schnelle Reflexe.

Die Beiden waren auf jeden Fall ein guter Zuwachs für das Team.


Außer Lernen und Quidditch blieb Lia wenig zu tun. Sie unternahm ab und an etwas mit Meg, Suse und Charlot, doch meist blieben Suse und sie allein.

Sie hatte einfach das Gefühl nicht dazu zu gehören, wenn Meg und Charlot über Jungs, Mode und Bücher diskutierten. Und Suse schien es ähnlich zu gehen. So unterschiedlich sie auch waren, eines hatten Susan und Lia gemeinsam: beide waren zu reif für zwei pubertierende Teenager.

Obwohl Suse gerne darauf hinwies, dass Lia auch nicht viel besser sei.

"Aaaargh, ich halt das nicht mehr aus!"

"Pscht! Jammer gefälligst leiser rum! Ich will nicht aus der Bibliothek rausgeworfen werden."

Lia warf ihrer Freundin einen kühlen Blick zu und seufzte dann tief.

Suse musste lächeln.

"Du hast nicht einmal eine halbe Stunde durchgehalten. Was ist los mit dir?"

Lia zog eine Grimasse und ließ den Blick über die Bücher schweifen. "Das Standardbuch der Sprüche, Band 7", "Enzyklopädie der Zaubersprüche", es war ein einziges Wirrwarr. Und es machte sie wahnsinnig.

"Ich muss einfach mal wieder raus!", beschwerte sie sich, diesmal jedoch leiser.

Ihre Freundin hob hinter ihren Brillengläsern die Brauen. "Ihr habt doch gestern erst Training gehabt."

"Vorgestern!", berichtigte Lia sie "Und das sind bereits 1 1/2 Tage ohne frische Luft!"

"Mach doch ein Fenster auf."

Es war ungewohnt, dass Suse einen Witz machte, doch Lia war nicht danach zu lachen. Sie war WIRKLICH frustriert. Suse schien das auch aufzufallen. Sie nahm seufzend ihre Brille ab und stützte den Kopf auf ihre Hand. "Wieso fragst du nicht Professor Chandler, ob du abends mal eine Runde ums Feld drehen darfst? Er würde dir doch nie einen Wunsch abschlagen und dieses Jahr gibt es sowieso keine so verrückten Kapitäne mehr, dass jeden Abend das Feld belegt wäre."

Lia warf ihr einen bösen Blick zu, doch sie hatte Recht. Sie brauchte Auslastung.


"Aber sicher darfst du, Lia, Schätzchen!"

Chandler schien überrascht zu sein, dass Lia überhaupt meinte fragen zu müssen.

"Sei nur vorsichtig, und achte darauf, dass immer jemand weiß wo du bist. Du weißt ja wo das Buch liegt, schau einfach nach, wann das Feld frei ist."

Das war ja erstaunlich einfach gewesen.

Lia hatte sich schon öfter gewundert, dass fast nie jemand außerhalb der Trainingszeiten flog.

Matt hatte das ständig gemacht.

Aber vermutlich genügten den meisten Spieler ihre regulären Trainingszeiten.

Am nächsten freien Abend machte sich Lia nach dem Essen auf dem Weg zum Feld.

Es war nicht allzu kalt, obwohl bereits November war, ließ der Winter noch auf sich warten und die Luft war eher angenehm kühl, als kalt.

Ihr erstes Spiel der Saison, gegen Hufflepuff, hatten sie gewonnen, doch Lia musste Suse Recht geben. Dieses Jahr wollte irgendwie kein richtiger Kampfgeist aufkommen. Ihr Team war gut, Jessica eine gute Trainerin, und Lia genoss die Trainingsstunden. Für sie hatte sich ja kaum etwas geändert, noch immer spielte sie mit Kate und Jason und irgendwie schien dieses Chaos-Trio prima zu funktionieren.

Während sie durch den Gang zu den Umkleiden lief dachte Lia darüber nach, was sich eigentlich geändert hatte. Sie liebte Quidditch noch immer, sie mochte ihr Team...und doch fühlte sie sich abends oft so...leer. Nein, es war nicht fair das so zu sagen. Ihr Leben war doch so erfüllt wie es eben ging.

Sie öffnete den Schrank und nahm ihren Besen heraus. Das angenehm kühle, glatte Holz in ihrer Hand ließ sie lächeln. Sie spürte ein paar Macken, sie würde ihn nachher mit raufnehmen und polieren.

In Trainingskleidung verließ Lia die Umkleiden wieder und stieß sich vom Boden ab, kaum, dass sie aus der Tür war.

Es schien ihr als würde der Wind alle Sorgen aus ihrem Kopf pusten, das Sausen übertönte trübe Gedanken und ein lautes Lachen entwich ihr.

Erschrocken hielt sie die Hand vor den Mund und kicherte dann.

Wirklich sie war ja sowas von albern.

Und sie genoß ihren Flug in ganzen Zügen.


„Aaaaaaaah..."

Das lange, zufriedene Seufzen ließ Suse von ihrem Buch aufsehen. Lächelnd nahm sie ihre Brille ab. Lia konnte den Einband nicht sehen, aber das Buch war dick und mit Sicherheit extrem anspruchsvoll und stinklangweilig. Grinsend sah sie zur Decke ihres Himmelbettes.

„Ich hatte also Recht?", fragte Suse mit erhobenen brauen und Lia musste kichern.

„Natürlich hatten Sie Recht, Dr."

Suse verdrehte lächelnd die Augen und setzte die Brille wieder auf.

„Nein, ehrlich", begann Lia, nun wieder ernst, „Ich bin froh, dass du da bist."

Leicht rot anlaufend wandte sich Suse wieder ihrem Buch zu und Lia begann ihr Kopfkissen zu bearbeiten. Sicher würde sie heute wunderbar schlafen.


Schwarze Gestalten.

Kapuzenumhänge.

Über allem dichter Nebel.

Sie rannte. Sie wusste nicht wohin, ob zu den Gestalten, oder von ihnen weg.

Ihr Herz pochte. Pochte. Pochte.

Völlige Stille.

Dann: eine der Gestalten begann sich umzudrehen...

...und Lia wachte keuchend auf.

Zitternd warf sie die Decke beiseite und hechtete zum Fenster. Weit riss sie es auf und sog die kalte Luft auf. Es war vermutlich nicht mal fünf. Nebel lag über dem Gelände und die Sonne ließ sich noch nicht hinter den Bäumen blicken. Der Frühling war bereits unterwegs. Und dann würde der Sommer kommen. Und dann ein neues Schuljahr. Warum war ihr nur alles so egal?

Langsam ließ sie den Kopf auf die Arme sinken, doch kaum hatte sie die Augen geschlossen waren sie wieder da. Die Gestalten, die Angst...

Die Erfahrung hatte sie gelehrt, dass Schlaf in so einer Situation unmöglich war. Es würde vermutlich den ganzen Tag dauern diesen verfluchten Traum wieder los zu werden.

Seufzend griff sie nach ihrer Kleidung und ging ins Bad. Würde sie eben lernen.

Matt, wie geht es dir?

Ich habe lange nichts mehr von dir gehört.

Mir geht es gut

Ehrlich, es geht mir nicht gut. Es ist alles anders, ich weiß nicht warum, aber irgendwie ist alles...leer. Es bedeutet nichts mehr!

Ich wünschte du wärst hier, wünschte -

„Lia, du bist aber früh wach!"

Hastig griff Lia nach dem Pergament und wischte es vom Tisch.

„Alles in Ordnung?", erkundigte sich Suse besorgt.

„Ja, alles prima, konnte bloß nicht schlafen."

„Hm...in Ordnung. Wie wär's mit Frühstück?"

„Klar."

Unauffällig zerknüllte sie das Blatt in einer Hand und stopfte es in ihre Tasche.


Weil es sich ändert

Als Lia aus der Bibliothek kam bemerkte sie eine Schülertraube am schwarzen Brett. Suse winkte von einer Sitzecke und sie ging hinüber. „Was ist denn los?"

„Apparierkurs.", erwiderte Suse lächelnd.

Lia sah sie überrascht an und grinste. „Echt? Wann?"

„Nächsten Samstag."

„Gehen wir hin?"

„Gern."


Am Samstag hatte sich eine ganze Menge aus Sechst- und Siebtklässlern in der Großen Halle versammelt.

Lia entdeckte Meg und Charlot ein Stückchen entfernt und wandte sich unsicher an Suse, die ihren Blick bemerkte, aber nur mit den Schultern zuckte. Einen Moment standen sie im Raum, unsicher, ob sie zu ihnen gehen sollten, oder nicht, dann griff plötzlich jemand nach Lias Arm und als sie sich umwandte blickte sie in das grinsende Gesicht von Jason Green.

„Jason...", grummelte Lia genervt, obwohl sie in Wirklichkeit froh darüber war, dass er da war. Es war leicht nur mit Suse unterwegs zu sein, wenn es bloß um Unterricht und Lernen ging. Aber Lia war es einfach nicht gewöhnt ein Außenseiter zu sein. Jedenfalls nicht, wenn es nicht ihre eigene Entscheidung war.

Jason war albern, aber er war längst nicht mehr so ein Idiot wie früher. Er lachte gern und irgendwie schaffte er es, dass immer Menschen um ihn herum waren.

So begann der Apparierkurs recht vergnüglich. Suse brachten Jasons Witze zwar immer wieder in Verlegenheit, doch sie ertrug ihn so gut sie konnte, ebenso wie die anderen die sich zu ihnen gesellt hatten. Sie wusste, wie froh Lia war, endlich wieder Menschen um sich zu haben.

Leider waren ihre ersten Versuche im Apparieren nicht besonders erfolgreich. Gleichzeitig hatte Lia aber auch schon lange nicht mehr so gelacht.

Nach den Schritten – Ziel – Wille – Bedacht, versuchten sie alle sich mit einer Drehung in den vor ihnen liegenden Holzring zu bringen.

„Hey Mike, du könntest zum Ballett gehen!", lachte Jason seinen Freund aus, der sich tatsächlich etwas zu viel Mühe beim Drehen gab.

Es sollte jedoch nicht lange dauern, dass Mike sich revanchieren konnte.

Jason runzelte die Stirn. „Ich war mir ganz sicher dieses Mal würde es funktionieren...", murmelte er. Lia blickte sich zu ihm um, sah ihn verdutzt an, dann auf das Innere seines Reifens und platzte laut los. Mike sah ebenfalls herüber und grinste.

„Was?!" Jason sah verwirrt zu Lia, die kein Wort herausbrachte.

Mike dagegen erklärte ihm todernst: „Kumpel, du hast es geschafft. Zu Apparieren. Oder sagen wir, deine Augenbraue hat es geschafft." Die ganze Gruppe lachte.

Es gab noch weitere kleine Unfälle, doch Jasons Augenbraue blieb der Höhepunkt. Später erklärte er eingeschnappt, er habe es immerhin geschafft überhaupt zu apparieren.

Als sie am Ende des ersten Kurses munter die Große Halle verließen, hielt Suse Jason zurück.

„Hey...Danke."

Jason sah sie mit gespielter Überraschung an. „Wofür denn?" Dann grinste er, verbeugte sich gallant und lief den anderen hinterher.

Suse schüttelte den Kopf, musste dann aber doch lächeln.

„Hey, Suse, kommst du?"

„Ja, bin schon unterwegs."


Die Apparierstunden waren neben Quidditch Lias Höhepunkte. Sie wünschte sich, sie wären häufiger und es tat ihr Leid, als sie vorbei waren.

Der Winter hatte gerade noch einmal mit voller Kraft zugeschlagen, und vereiste die ersten, zaghaften Knospen an den Bäumen, als Lia einen unerwarteten Brief bekam.

Wobei der Brief an sich eigentlich nicht erstaunlich war, sein Inhalt ihr jedoch einiges zu Denken gab.

Hallo Lia!

Wie läuft die Schule? Ach, ich weiß schon, sie läuft so hervorragend wie sie es bei dir immer tut. Ich habe wie du mich gebeten hast, vom Tagespropheten einen Katalog mit Wohnungen angefordert. Sobald die Sommerferien angefangen haben, werden wir da mal einen Blick reinwerfen. Ich muss zugeben, dass Gary ganz froh sein wird, wenn du in der Zeit die du hier bist, mit Wohnungssuche beschäftigt bist...

Aber das ist eigentlich gar nicht der Grund warum ich dir schreibe...

Lia, ehrlich gesagt, hatte ich in letzter Zeit das Gefühl, dass es dir nicht so richtig gut geht, nicht so gut wie früher jedenfalls und ich habe mich gefragt was los ist.

Du wirst nicht überrascht sein, wenn ich frage, ob es mit Matt zusammenhängt. Du weißt ja, dass ich einen Narren an diesem Jungen gefressen habe.

(Lia musste unwillkürlich lachen und verschluckte sich fast an ihren Cornflakes. Dass Cassy das zugab, war ja auch höchste Zeit)

Und ich glaube auch, dass du selber glaubst, dass er etwas damit zu tun hat, wie es dir jetzt geht. Eure Freundschaft hat ein ziemlich abruptes und unschönes Ende gehabt.

Aber Lia, ich denke, es hat nicht allein mit ihm zu tun.

Dein Leben hängt nicht an einem einzigen Menschen.

Im Laufe der Zeit verändern sich viele Dinge, Dinge, an die wir uns gewöhnt hatten. Wir selbst verändern uns, unsere Lebensumstände, die Menschen um uns herum. Und gerade jetzt verändert sich bei dir sehr viel. Du hast schon viel durchgemacht in deinem Leben, aber das ändert nichts daran, dass du das Leben eines ganz normalen Teenagers führen musst. In diesem Lebensabschnitt verändert sich eben viel. Das ist einfach so und das muss auch so sein.

Du musst damit fertig werden.

Und erzähl mir nicht, das wäre kein Problem für dich. Versuch nicht das mir, oder dir, einzureden. Du wolltest immer unabhängig sein, aber Kleines, das hast du nie geschafft und ich wünsche mir, dass du es auch nie schaffen wirst. Menschen leben eben in Abhängigkeit voneinander. Aber deine muss sich jetzt ganz einfach ändern.

Du weißt nicht, was die nächsten Jahre dir bringen werden, aber ich bitte dich, sei offen dafür. Klammere dich nicht an das, was Vergangenheit ist. Versuch nicht das wieder zu bekommen, was du einmal hattest, sondern freu dich auf das Neue!

Pass auf dich auf.

Alles Liebe,

Cassy

Meg und Charlot saßen ein Stück weiter unten am Tisch und flirteten mit ein paar Jungs. Jason unterhielt seine Freunde mit irgendeinem Witz, Jessica und Kate sprachen angeregt über irgendein Buch. Suse sah von ihrem Frühstück auf und lächelte.

Ja, es war alles anders.

Aber war es schlecht?


„Lia, hast du Lust auf einen Spaziergang?"

Lia sah von ihrem Buch auf und starrte Jason an.

„Was?"

Er zuckte mit den Schultern. „Ich dachte ich frag mal." Damit drehte er sich um und ging zum Porträtloch.

War er gerade rot geworden?

Etwas verwundert drehte Lia sich zu Suse, die sich Mühe gab nicht zu grinsen und zog eine Grimasse. Mussten die Dinge denn noch komplizierter werden?


Als Lia eines Morgens Ende März die Treppe vom Schlafsaal herunter kam, wartete Suse bereits unten. Mit einer Kopfbewegung deutete sie zum Schwarzen Brett.

„Hogsmeade Wochenende."

„Ja, das war zu erwarten gewesen, oder...?", erwiderte Lia und war etwas verwirrt, wieso Suse sie extra darauf hinwies.

Ihre Freundin sah sie mit einem Lächeln an, das Lia schon fast als herablassend bezeichnet hätte. Dann dämmerte ihr langsam worauf Suse hinaus wollte.

Es war nicht bei Jasons einmaliger Aufforderung zum Spaziergang geblieben.

Er setzte sich beim Essen jedes Mal zu ihr, fragte sie ob sie zusammen lernen sollten und hatte letztens sogar ihre Tasche getragen. Er war nie ein subtiler Mensch gewesen und Lia wünschte sich fast er wäre etwas direkter. Dann könnte sie wenigstens darauf reagieren.

Stöhnend warf Lia einen Blick zur Treppe zu den Jungenschlafsälen. Sollte sie versuchen ihm auszuweichen? Nicht erfolgsversprechend, sie hatten nachher Verwandlung zusammen. Genau genommen hatte sie einen Großteil ihrer Fächer mit Jason zusammen.

„Du solltest Ja sagen."

Verdutzt sah Lia ihre Freundin an. „Ernsthaft?"

„Ja, warum nicht? Du musst ja nicht gleich mit ihm gehen. Es ist nur ein Date. Und du hättest Gelegenheit ihm klar zu machen, dass du keine Beziehung willst. Und außerdem -"

„Und außerdem hast du gar keine Lust auf Hogsmeade."

„Und außerdem", fuhr Suse mit etwas Nachdruck fort, „solltest du mal was mit anderen Leuten unternehmen. Du brauchst dringend ein bisschen Abwechslung."

Einen Moment sah Lia ihre Freundin einfach nur an.

„Sicher, dass du Heiler werden willst. Nicht Psychotherapeut? Oder wie wärs mit Paarberatung?"


Es dauerte tatsächlich nicht lange, bis Jason Lia auf Hogsmeade ansprach. Und Lia entsprach Suse' Rat.

„In Ordnung, Jason, ich geh mit dir nach Hogsmeade. Aber versprich dir nicht zu viel davon, in Ordnung?"

„Ja!" Fröhlich grinsend legte Jason einen Arm um ihre Schultern. „Ich wusste doch, dass du mir nicht widerstehen kannst."

Betont langsam griff Lia nach Jasons Arm und hob ihn von ihrer Schulter, wobei sie sein Handgelenk fester drückte als nötig.

Auf sein leises Keuchen hin meinte sie nur: „Achtung, Green, ich weiß mich sehr gut zur Wehr zu setzen."


Jasons Vorstellung von einem Date war zu Lias Erstaunen gar nicht mal so schlecht.

Einen Großteil des Tages schlenderten sie durch die Straßen von Hogsmeade und betrachteten die Auslagen in den Schaufenstern. Beide machten ein Paar Besorgungen, Jason hauptsächlich bei Zonko's und Lia beim Postamt.

Mittags kaufte Jason ihnen Butterbier und etwas Knabberkram, den sie unterwegs verspeisten.

Danach überraschte Jason Lia damit, dass er eine wunderschönen kleine Wiese aufspürte. Am Ende war ein Zaun hinter dem ein kleiner, verwunschen wirkender Teich lag.

Der kleine Teich lag still und ruhig vor ihnen. Lia lehnte sich an den Zaun und atmete die frische Luft ein.

Sie waren beide still und Lia hatte Zeit um nachzudenken. Und es dauerte nicht lange, bis Matts Gesicht wieder vor ihrem inneren Auge erschien. Ein wenig hasste sie sich selbst dafür. Es nervte sie, dass sie ständig an ihn dachte, gerade jetzt, wo sie mit Jason unterwegs war! Und sie wusste, dass sie es selbst schuld war. Denn sie wollte an Matt denken. Sie wollte von ihm träumen. Träumen tat nicht weh.

Sie war so versunken in ihre Gedanken, dass sie gar nicht merkte, wie Jason sie beobachtete.

„Na, komm, machen wir uns auf den Rückweg."

Grinsend stand Jason ein paar Schritte weiter, mit den Händen in den Hosentaschen da.

Lia stimmte lachend zu und hakte sich bei ihm ein.

Gemeinsam machten sie sich auf den Rückweg zum Schloss.

Jason war definitiv kein übler Kerl. Sie hatte einen sehr schönen Tag mit ihm gehabt.

Und sie hatte den ganzen Tag lang nicht halb so viel an Matt gedacht, wie sie erwartet hatte.


„Mmmmh..."

Lia merkte gar nicht, wie ihr zum wiederholten Male ein nachdenkliches Geräusch entwichen war.

Vom Bett neben ihr kam ein resignierendes Seufzen.

Vor etwa einer Stunde war Lia von ihrem Date mit Jason zurückgekehrt und lag nun ausgestreckt auf ihrem Bett.

„Möchtest du dich mitteilen?"

„Hm?" Überrascht sah Lia ihre Freundin an, die erneut seufzte.

„Du bist vor einer Stunde von eurem Date zurückgekehrt, sagtest mit einem Lächeln, dass es ein schöner Tag war, dass du Spaß gehabt hast und du Jason gut leiden kannst. Dann hast du kurz leise gelacht und begonnen in Gedanken versunken Jacke und Schuhe auszuziehen. Und seitdem liegst du gedankenverloren auf dem Bett und starrst Löcher in den Baldachin."

„...und wieso genau sagst du mir das?"

Suse runzelte ein wenig die Stirn. „Um zu erklären wie ich auf die Idee komme, dass du ein Mitteilungsbedürfnis hast."

„Hm." Lia sah wieder auf den Baldachin. „Ich denke an Matt. Und an Jason."

„Ja, das war zu erwarten. Und mit welchem Ergebnis?"

„Wenn ich ein Ergebnis hätte, müsste ich wohl nicht mehr nachdenken, oder?"

Suse lächelte. „Auch wahr. Okay, pass auf...was magst du so an Matt?"

Lia wurde ein wenig rot und schalt sich selbst dafür. „Naja, er ist eben Matt. Er ist...ein bisschen großer Bruder. Er passt auf mich auf und gibt mir das Gefühl wichtig zu sein. Gab. Er gab mir das Gefühl." Sie schluckte. „Er...er ist stark. Ich konnte mich immer auf ihn verlassen. Ich glaube Jason hat nicht diese Stärke. Er ist eher niedlich als stark. Er bringt mich auch zum Lachen...aber ich glaube, ich würde nicht bei ihm weinen..."

„Warum vergleichst du die Beiden eigentlich?"

Überrascht sah Lia auf und musste lachen. Schon wollte sie zu einer Antwort ansetzen, als ihr etwas anderes einfiel.

Nachdenklich betrachtete Lia ihre Freundin.

„Was ist?"

„Suse...was geht eigentlich in deinem Kopf vor?" Sie setzte sich auf und sah Suse in die Augen. „Ich bin dir dankbar für deine Freundschaft und für deine Hilfe. Sehr sogar." Suse wurde bei diesen Worten tatsächlich ein wenig rot. „Aber, ich habe nie Gelegenheit dir zu helfen. Ich meine, ich weiß, du lernst viel und du hast dein Ziel Heilerin zu werden vor Augen. Und du magst die Ruhe des Lernens. Aber was ist dir denn sonst wichtig?"

Suse antwortete nicht gleich. Eine Weile saß sie einfach nur da und betrachtete ihre Bettdecke.

„Ich bin eben mit einfachen Dingen zufrieden, Lia. Ich brauche kein so spannendes Leben wie du." Sie lächelte. „Ich beschäftige mich gerne mit deinen Problemen, aber eigene lache ich mir lieber nicht an."

„Hm."

Plötzlich stand Lia auf, ging zu dem anderen Mädchen hinüber und umarmte sie fest.

Dann lächelte sie sie an und verschwand im Bad und gab Suse damit Gelegenheit diesen plötzlichen Ausbruch zu verarbeiten.


Suse und Lia bestanden ihre Apparierprüfung mit Bravour und selbst Jason schaffte es. Er wollte jedoch niemandem genauere Auskunft darüber geben, wie es denn gelaufen war. Lia hatte das leise Gefühl, dass seine eine Augenbraue schon wieder irgendwie anders aussah... Jason bestritt dies allerdings vehement.

Als der Sommer näher kam hatten die Sechstklässler kaum Zeit für etwas anderes als Lernen.

Lia saß wie so oft in der Bibliothek und verzweifelte an Kräuterkunde. Wenn sie es nicht bräuchte, hätte sie dieses Fach längst abgewählt. Sie konnte sich den ganzen Blödsinn einfach nicht merken und verstand auch nicht, wieso sie ihn brauchen sollte.

Alles was sie wirklich über Pflanzen wissen musste war, wie man sie in Tränken verwertete. Wen interessierte schon der Rest?

Seufzend gab Lia auf und suchte ihre Sachen zusammen.

Sie würde einfach Suse bitten ihr zu helfen.

Doch Suse war nirgends zu finden. Weder in der Bibliothek, noch im Gemeinschaftsraum, noch im Schlafsaal. Lia kletterte sogar rauf in die Eulerei, doch ohne Erfolg.

Als sie schon wieder nach unten gehen wollte, fiel ihr etwas auf. War dort jemand auf dem Astronomieturm?

Lia wollte keine fremden Leute stören, aber wenn es tatsächlich Suse war, dann wollte sie wissen, was sie dort tat.

Also machte sie sich auf den Weg.

Der Korridor im siebten Stock war vollkommen ausgestorben.

Es war nicht verwunderlich. Es lief schon zu normalen Zeiten kaum jemand hier herum und jetzt befanden sich wahrscheinlich all die Glücklichen, die nicht mit Lernen beschäftigt waren, draußen auf dem Gelände und genossen die Sonne.

Lia wäre jetzt selbst am liebsten dort draußen.

Als Lia die Tür zur Aussichtsplattform öffnete wehte ihr ein starker, angenehm kühler Wind entgegen.

Und drüben am Geländer stand Suse.

Schweigend ging Lia zu ihr und stellte sich neben sie. Sie ließ ihr Zeit, in der Hoffnung, dass sie von selbst etwas sagen würde.

„Was ist los?", fragte Lia schließlich.

„Nichts. Ich bin nur nachdenklich."

„Und worüber denkst du nach?"

Zunächst dachte Lia ihre Freundin würde nicht antworten.

Doch dann lächelte sie sie zögerlich an. Lia hatte fast das Gefühl, als wäre ihr peinlich, was sie dachte.

„Ich glaube, ich denke darüber nach, wie mein Leben weiter gehen wird.."

Das hielt Lia für nicht besonders aussagekräftig, doch Suse sprach schon weiter.

„Weißt du...ich glaube, für mich war es immer selbstverständlich gute Noten zu schreiben. Vermutlich wegen meiner Mutter. Es ist nicht so, dass sie wütend gewesen wäre, wenn ich schlechte Noten gehabt hätte. Zugegebenermaßen hat sie mich auch niemals gelobt, wenn sie gut waren. Irgendwie gibt es für sie gar kein schlecht. Sie ist extrem intelligent und ambitioniert. Sie ist so eine Art Alchemistin. Sie arbeitet zusammen mit einem Team am Wolfsbanntrank. Ich hab mich immer gefragt, warum jemand wie sie ausgerechnet meinen Dad geheiratet hat. Er arbeitet im Ministerium in der Abteilung für magische Spiele und Sportarten. Er ist ein fröhlicher, einfacher Mensch ohne Ambitionen und nur mittelmäßiger Bildung. Ich glaube, so richtig habe ich es erst verstanden, als Dad in meinem zweiten Jahr die Drachenpocken bekam. Ohne ihn war zuhause alles trüb und leblos. Er machte das Leben in unserem Haus aus. Meine Mum war völlig verzweifelt. Sie braucht ihn. Glücklicherweise hat er die Krankheit überlebt und ist längst wieder fit. Aber mir ist etwas klar geworden. Ich bin meiner Mutter sehr ähnlich. Ich suche vielleicht nicht Erfolg, aber es ist mir wichtig etwas zu erreichen. Und deshalb brauche ich jemanden, der das ausgleicht. Der mich daran erinnert, was es bedeutet zu leben. Ich glaube-", Suse wurde ein wenig rot. „Ich glaube du bist für mich das, was mein Dad für meine Mum ist. Du bringst Farbe in mein Leben. Nur, weder dich, noch meinen Dad werde ich ständig an meiner Seite haben, wenn ich Hogwarts verlasse. Und ich frage mich, ob ich jemals so jemanden finden werde."

Kurz war es wieder still, dann umarmte Lia ihre Freundin.

Sie war dankbar, dass Suse ihr das alles erzählt hatte. Und fast musste sie grinsen, war es doch so untypisch, dass Suse sich Gedanken über Jungs machte. Wenn auch nicht auf die gleiche Art wie es vielleicht Meg und Charlot taten.

„Du bist toll, Suse."

Suse lachte.

„Und das solltest du öfter tun."

Das verständnislose Gesicht ihrer Freundin brachte Lia zum Lachen.

„Suse, du solltest mehr lächeln. Und dann wird der Richtige dich finden. Denn er wird dein Lächeln sehen und sich wünschen, dich zum Lachen zu bringen."

„Das ist kitschig, Lia."

„Na und?"

Die beiden Mädchen lachten und gemeinsam stiegen sie die Treppen vom Astronomieturm runter.

„Und jetzt musst du mir mit Kräterkunde helfen!"


„Und wieder ist ein Jahr rum... Kaum zu glauben, dass wir nächstes Jahr um diese Zeit schon unseren Abschluss in der Tasche haben..."

Suse seufzte tief und betrachtete die Felder, die am Zugfenster vorbei flogen.

„Was hast du im Sommer vor?", fragte Lia und fischte einen Schokofrosch aus seiner Verpackung.

„Was wohl? Lernen und mich umhören, was Jobs betrifft."

„Ich dachte es steht schon fest, dass du ins Mungo's gehst?" Lia lächelte, als Suse eine Grimasse zog.

„Gar nichts steht fest. Mein Abschluss muss grandios sein, damit die mich gleich nach der Schule übernehmen."

„Und er wird grandios sein."

Lia meinte ihre Ermutigung vollkommen ernst. Suse war eine hervorragende Lernerin und mindestens so begabt wie Lia selbst. Mit weniger Ablenkungen und mehr Arbeitseifer, hatte sie ihrer Freundin einiges voraus. Ihr Abschlusszeugnis WÜRDE grandios sein.

Suse zuckte nur mit den Schultern.

„Ich will abgesichert sein. Du guckst schonmal wegen einer Wohnung?"

Lia lehnte sich zurück und sah auf die Langschaft draußen.

„Ich will nächsten Sommer sofort in meine eigene Wohnung. Am liebsten würde ich jetzt schon umziehen."

„Alleine wohnen kann, denke ich, ganz schön einsam sein...", warf Suse ein. Doch Lia schüttelte entschloss den Kopf. „Ich will meine Freiheit. Außerdem werde ich Bewerbungen schreiben."

„Ist nicht leicht ins Aurorentraining rein zu kommen, oder?"

„Nein, sicher nicht. Ich muss die Bewerbung bis zum Herbst eingereicht haben, weil die ersten Tests schon im Frühjahr starten."

„Hm. Die Zukunft kommt jetzt immer schneller auf uns zu."

„Ja..."

Nachdenklich betrachteten die beiden Mädchen die grauen Wolken am Himmel über ihnen, jede versunken in ihre eigenen Pläne.

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