Nachdem die erste Version irgendwie weder Absätze noch Überschriften hatte, hier die zweite :)

Disclaimer wie üblich, ich hoffe euch gefällt das Kapitel. Lias letztes Schuljahr. Wird sie wohl mit einem Knall gehen?


Jahr VII

Planung

„Cassy, schaust du mal drüber?"

Seit Tagen schon schrieb Lia an ihrer Bewerbung und ihr Papierkorb quoll längst über von zerknüllten Pergamenten.

Cassy erklärte ihr, das sei absolute Papierverschwendung, wenn sie die Tinte auch einfach wieder wegzaubern konnte, doch irgendwie fühlte Lia sich besser, wenn sie die Blätter zerknüllen konnte.

„Ehrlich Lia, ich glaube nicht, dass du mich dafür brauchst..." Cassy überflog das Pergament und lächelte Lia an. „Das ist besser als alles, was ich je zustande gebracht habe."

Lia ließ sich auf Cassys Bett fallen und seufzte tief.

Sie spürte wie die Matratze nachgab und blickte auf in Cassys lächelndes Gesicht.

Lia war dankbar für Cassy. Das Leben bei Ollivanders wäre ohne sie nicht auszuhalten. Sie war ihr in den Jahren eine große Schwester geworden und Lia vertraute ihr.

Aber auch wenn Lia ihre Hilfe gern in Anspruch nahm und ihr dankbar war...der Gedanke von ihr abhängig zu sein ging ihr unglaublich auf die Nerven. Sie wollte ihre Freiheit. Nichts wünschte sie sich im Moment mehr.

Als Lia einige Tage später nach einem Ausflug zur magischen Menagerie zurück kam fand sie Cassy und einen Stapel Prospekte auf ihrem Bett vor. Die junge Frau grinste sie an. ¨Wohnungsprospekte.¨

Rasch legte Lia ihren Mantel und die gekauften Eulenkekse beiseite und ließ sich neben Cassy aufs Bett plumpsen.

Die nächsten Stunden waren die beiden vollauf mit dem Durchblättern von Prospekten beschäftigt.

Es waren stapelweise Prospekte und Lia hatte keine Ahnung wie viele Fotos sie sich schon angesehen hatte.

Trotzdem wollte ihr einfach keine der Wohnungen gefallen.

Ihr war zwar bewusst, dass sie von ihrer ersten Wohnung nicht zu viel erwarten sollte, aber trotzdem...

Gelangweilt betrachtete sie die Fotos von einer kleinen Dreizimmerwohung und sah zu sich die Kamera durch die Zimmer bewegte. Sie war zu klein, zu dunkel, zu langweilig.

Seufzend ließ Lia das Prospekt sinken und fiel rücklings in ihre Kissen.

Cassy sah zu ihr rüber und legte ihr eigenes Prospekt weg.

¨Hast du gedacht, dass du sofort was findest?¨, fragte sie das jüngere Mädchen.

¨Nein...aber ich dachte ich finde wenigstens irgendwas, was ich mir mal ansehen könnte...¨

Cassy schüttelte lächelnd den Kopf. ¨Dazu bist du viel zu wählerisch.¨ Sie klopfte Lia aufs Bein. ¨Na komm, schreiben wir uns mal auf, was du eigentlich haben willst.

Nach etwa einer dreiviertel Stunde hatten sie eine halbwegs vernünftige Liste mit Lias Vorstellungen.

Sie wusste, sie wollte eine helle, offene Wohnung. Große Fenster, Wohnküche, oder eine offene Durchreiche ins Wohnzimmer, einen vernünftigen Kamin, der nicht aussah, als wäre er aus dem 4. Jahrhundert und ein helles Badezimmer mit Fenster. Eine Zweizimmerwohnung war vollkommen ausreichend, aber keine zu kleinen Zimmer.

Außerdem sollte die Wohnung irgendwie etwas besonders haben.

Verwinkelte Zimmer, ein Erker, ein großer, schöner Kamin... und eine gute Lage wäre schön.

Lia betrachtete ihre Liste und begann zu zweifeln, ob sie überhaupt jemals eine Wohnung finden würde.


Das letzte Jahr

Als die Ferien vorbei waren hatte Lia das Gefühl, sie wären anstrengender gewesen als Schule. Wohnungssuche, Lernen, Bewerbungen schreiben, irgendwie war sie nie richtig zur Ruhe gekommen.

Ab und zu hatte sie Ollivander in der Werkstatt, oder im Laden geholfen. Und irgendwie waren das die einzig entspannenden Zeiten gewesen.

Sie stand mit ihrem Koffer am Bahnhof und betrachtete müde die große, rote Lock. Jemand tippte ihr auf die Schulter und sie drehte sich um. Hinter ihr stand eine Suse, die mindestens genauso erschöpft war wie sie selbst.

Die Beiden sahen sich an und mussten lachen.

Nachdem sie sich ein Abteil gesucht hatten erzählten sie sich was sie im Sommer gemacht hatten und wie erwartet hatten sie beide kaum Zeit zur Erholung gehabt.

Im Laufe der Fahrt wurden die beiden Mädchen ruhiger, sie hatten sich alles erzählt und die erste Aufregung flachte ab. Suse war irgendwann eingeschlafen und Lia sah schläfrig aus dem Fenster und aß Schokofrösche.

„Liaaa! Guten Mooorgeeen!"

Die Abteiltür wurde geräuschvoll aufgeschoben und die beiden Mädchen von Jasons fröhlicher Begrüßung aus dem Schlaf gerissen.

Lia sah ihren Klassenkameraden entnervt an, der mit einem lachenden Mike im Schlepptau hereinkam und sich neben Lia fallen ließ. Kaum saß er, machte er sich auch schon über ihre Süßigkeiten her.

„Lass mich raten, euer Süßkram ist leer? Und ganz nebenbei: Es ist halb zwei."

„Na und?", fragte Jason ungerührt, während er eine Lackritzstange vertilgte.

Lia rettete ihre Schokofrösche vor ihm und überließ ihm den Rest. Jungs hatten eben ständig Hunger.

„Wir sollten was machen", teilte Jason ihnen zwischen zwei Gummischnecken mit und Suse, die sich inzwischen ein Buch aus ihrem Koffer gefischt hatte sah ihn zweifelnd an.

„Ich weiß nicht, ob es dir aufgefallen ist, aber zumindest wir tuen gerade etwas", bemerkte Lia und hob eine Koboldsteinfigur hoch. Sie hatte Mike gerade mit einem ziemlich fiesen Zug zum Verzweifeln gebracht."

Doch Jason winkte ab. „Ich meine dieses Jahr. Es ist unser letztes und ich finde wir sollten mit einem Knall gehen!"

„Ich glaube nicht, dass mir deine Motivation gefällt..."

„Ach komm schon..."

Mike grinste seinen Freund an, froh über die Ablenkung. „Was hast du dir denn vorgestellt?"

„Keine Ahnung...Irgendeinen coolen Streich...wir könnten den Slytherins die Haare pink färben."

„Das nennst du cool? Gabs doch alles schon..."

Und so begannen die Jungs eine Diskussion über mögliche Streiche, die man spielen könnte, nur gelegentlich davon unterbrochen, dass die Mädchen ihnen klar machten, wie unmöglich eine Umsetzung wäre.

Es war eine fröhliche Fahrt und Lia war fast traurig, als sie in den Bahnhof von Hogsmeade einfuhren.


„Uff, ich kann keinen Zoll mehr schreiben", stöhnte Lia und rieb sich das Handgelenk.

Wie so oft in diesen Tagen saßen Lia und Suse in der Bibliothek und schrieb an ihren Aufsätzen. Lia hatte gerade zwei Pergamentrollen über die Wirkungsweise und mögliche Probleme von Veritaserum geschrieben und ihre Hand fühlte sich an als wolle sie abfallen.

„Hast du nicht nachher noch Training?", fragte Suse.

„Ja, hab ich..." Sie warf einen kurzen Blick auf ihre Uhr und schrak hoch. „Und zwar in 15 Minuten!" Hastig packte sie ihre Dinge zusammen, Suse versprach später ihre Bücher weg zu räumen, und sie rannte los.

Irgendwie schien Jessica jetzt, in ihrem zweiten Jahr die Kapitänskrankheit erwischt zu haben. Jeder, der zu spät kam musste Strafliegestütze machen. Wer während des Trainings träumte, um das Feld laufen.

So sehr Lia das Training auch liebte, es war einfach unmöglich NICHT zu träumen, wenn man den Großteil seiner Nächte damit verbrachte zu lernen und ellenlange Aufsätze zu schreiben.

Für ihr heutiges Zuspätkommen musste Lia immerhin nur 50 Liegestütze machen.

Mit zornfunkelnden Augen absolvierte sie ihre Strafe. Ihre Hand konnte sie danach völlig vergessen. Ihr rutschte ständig der Quaffle durch die Finger.

Doch der Stress war nicht nur nervig. Es machte sie fertig. Lia schlief schlecht und die Albträume fingen wieder an.

Suse bedachte sie mehr als einmal über ihre Kaffeetasse hinweg mit einem besorgten Blick, sagte jedoch nichts, wofür Lia dankbar war. Ihr war selber klar, dass sie sich überforderte. Aber was sollte sie denn tun? Sie musste nun einmal lernen und Hausaufgaben machen.

Und Quidditch streichen? Viele Siebtklässler stiegen aus dem Team aus, aber Gryffindors waren ja bekanntlich verrückt.

Und was sollte sie ohne Quidditch machen? Sie brauchte es, zwischendurch mal raus zu kommen, sich aus zu powern. Auch wenn Training momentan einfach nur Stress war.


Mitte Oktober gab es noch keine Antwort auf ihre Bewerbungen. Es war nicht zu erwarten gewesen, aber Lia machte sich trotzdem Gedanken.

Als Jessica sie bei einem Training zu insgesamt 200 Liegestütze und 10 Runden ums Feld verdonnert hatte, explodierte Lia.

Sie war noch nie der geduldigste Mensch gewesen. Sie war müde, überarbeitet und frustriert.

„ES REICHT, JESSICA!", brüllte sie.

Das ganze Team drehte sich zu den Beiden um. Sie hatten gerade Zielübungen gemacht.

„Mir ist egal wie sehr du den Pokal willst, wenn du so weiter machst kannst du dir eine neue Jägerin suchen! Ich halte dieses Pensum nämlich nicht durch! Meine Güte ich bin in meinem letzten Jahr! Ich muss lernen!"

„Na und? Jason schafft es doch offensichtlich auch, oder?", gab Jessica desinteressiert zurück.

Jason sah sofort in eine andere Richtung.

„Wenn du mal hinsehen würdest", erwiderte Lia, „würdest du sehen, dass Jason genauso fertig ist wie ich!"

„Aber offensichtlich kann er damit umgehen. Viellleicht solltest du mal deine Prioritäten überdenken."

„ICH soll meine Prioritäten überdenken?!" Lia wusste nichts mehr zu sagen. „Fein. Gut. Ich gehe."

Sie griff nach ihrem Besen und machte sich auf den Weg zu den Umkleiden.

Nach kurzem Überlegen drehte Jason sich um und folgte ihr.

„Was zum-", begann Jessica, doch Jason sah sie nicht einmal an.

Alle anderen sahen betreten zu Boden.


„Wir sollten nochmal vernünftig mit ihr reden."

Jason kletterte neben Lia auf die Bank und griff nach dem Kürbissaft. Lia war noch immer aufgebracht von ihrem Gespräch mit Jessica gestern Abend, doch nun war ihr eher nach Heulen, als nach Schreien zu Mute.

„Ach ja? Hast du den Aushang nicht gesehen? Sie hat keine zwei Stunden gebraucht um Auswahlspiele anzusetzen. Aber du solltest lieber mit ihr reden, bevor sie dich auch noch ersetzt."

Jason schüttelte den Kopf.

„Du weißt, dass sie keine Chance hat zwei neue Jäger ins Team zu integrieren, bevor wir nächste Woche gegen Ravenclaw spielen. Wenn sie überhaupt jemanden findet."

„Und wieso sollte das mein Problem sein?", giftete Lia.

Zunächst schien es als würde Jason nichts mehr sagen. Doch dann murmelte er: „Weil ich mir ziemlich sicher bin, dass du nicht willst, dass Gryffindor fertig gemacht wird. Und es ist immer noch unser Team."

Danach aßen sie beide schweigend ihr Frühstück.


Jason hatte Recht. Lia wollte nicht, dass sie verloren.

Sie sah sich die Auswahlspiele von einem Fenster im vierten Stock an und wusste sofort, dass es sinnlos war.

Und sie wusste, dass es nur ihr Stolz war, der sie davon abhielt mit Jessica zu reden.

Jemand trat neben sie und sie sah in Suse´ ruhige, braune Augen.

„Du weißt, dass das albern ist?", fragte sie leise.

Lia schluckte eine giftige Antwort runter und sagte nichts.

„Naja...du bist die Ältere...vielleicht solltest du ein bisschen Erwachsensein beweisen und den ersten Schritt machen."

Lia zog eine Grimasse und sah weiter zum Feld runter, während Suse davonging.

Sie hasste es Fehler zuzugeben. Aber Suse hatte Recht. Und wenn sie genauer darüber nachdachte war das wirklich peinliche ihr Verhalten jetzt, nicht eine Entschuldigung.

Nachdem sie sich das erste Training mit den neuen Jägern gesehen hatte, gab Lia nach. Nein, sie konnte nicht zusehen, wie Gryffindor sich so blamierte.

An diesem Abend sprach sie mit Jason.


Es war Donnerstag und das letzte Training vor dem Spiel.

Jason und Lia standen am Rand der Tribünen vorm Regen geschützt und sahen beim schlimmsten Training zu, dass sie je erlebt haben.

„Das können wir echt nicht zulassen.", meinte Lia und Jason nickte. Gemeinsam gingen sie zu den Umkleiden.

Sie hätten es nicht besser timen können. Als sie wieder rauskamen warfen die beiden Ersatzjäger gerade ihre Sachen hin und stürmten an ihnen vorbei in die Umkleiden. Es fiel den beiden Siebtklässlern reichlich schwer nicht zu grinsen.

Sie traten zu einem reichlich betreten aussehenden Team und Jason fragte grinsend: „Braucht hier jemand ein paar Jäger?"

Jessicas Blick hätte Lia schon fast als Entschuldigung gereicht.

Aber nur fast.

Nach dem Training, als sie sich umgezogen und geduscht hatten klopften Jason und Lia an die Tür zum Kapitänsbüro.

Als sie eintraten saß Jessica bereits geduscht und umgezogen an dem großen Schreibtisch.

„Hey...", sagte sie langsam.

„Hey", erwiderten die Beiden und kamen zu ihr an den Tisch.

„Hör mal...", begann Lia, doch Jessica fiel ihr ins Wort.

Wie ein Wasserfall strömten die Worte aus ihr.

„Es tut mir ehrlich so Leid! Ich weiß, dass ich es übertrieben habe ich wollte einfach nur ein guter Kapitän sein. Ich hatte das Gefühl alle denken ich hätte es nicht drauf und vor allem ihr Beide, immerhin seid ihr älter und erfahrener als ich und vor allem auch besser im Quidditch. Und nachdem wir letztes Jahr den Pokal nicht bekommen haben und...ich hab mir all diese Taktiken rausgesucht..." Während sie sprach stiegen ihr Tränen in die Augen und Jason und Lia sahen sich überrascht an.

Schließlich unterbrach Jason sie. „Hey, hey, beruhig dich mal..."

„Keiner denkt du wärst ein schlechter Kapitan.", sagte Lia. Sie schüttelte den Kopf. „Wie kommst du nur auf so einen Quatsch?"

„Naja, nach dem letzten Spiel letztes Jahr kam Bletchley..."

„Du hörst auf etwas, was ein SLYTHERIN gesagt hat?!", fragte Jason entgeistert und brachte Jessica fast wieder zum Weinen.

„Du brauchst echt etwas mehr Selbstbewusstsein, Jess." Lia fuhr sich seufzend durch die Haare. Das lief alles nicht so wie sie es sich vorgestellt hatte. „Ein schlechter Kapitän bist du höchstens die letzten Wochen gewesen und zwar nur aus einem Grund: Weil du alles auf dich nimmst. Wir sind ein Team und keine Horde Hunde, die du dressieren musst. Wir müssen zusammenarbeiten und nicht von dir drangsaliert werden."

Jessica schniefte und ihre Jäger sahen sich betreten an.

„Ich versuch mich zu bessern, ich versprechs."

„Vielleicht werden wir ja langsam doch erwachsen", meinte Jason grinsend, als sie das Büro verlassen hatten.

Lia sah ihn jedoch nur zweifelnd an. „Also du bestimmt nicht, Green." Doch erstaunlicherweise meinte sie es nicht ernst. Jason hatte sie wieder einmal überrascht. Er war ein unmöglicher Kindskopf und mehr als einmal so peinlich, dass es Lia lieber wäre ihn nicht zu kennen. Doch er bewies auch immer wieder, dass er Einfühlungsvermögen besaß.


Sie gewannen das Spiel gegen Ravenclaw mit 180 zu 30 und irgendjemand schaffte es am Abend Feuerwhiskey in den Gemeinschaftsraum und unauffällig auch in alle Getränke zu schmuggeln.

Der Gemeinschaftsraum hatte noch keine so ausgelassene Feier gesehen wie an diesem Samstag. Die Musik laut aufgedreht wirbelte fast das ganze Haus über die Tanzfläche, was es unmöglich machte sich zu bewegen ohne mit jemandem zusammen zu stoßen.

Einmal erhaschte Lia einen Blick auf eine hochrote Suse, die aus einem Cocktailglas schlürfte und Mikes Flirtereien ertrug. Der Anblick brachte Lia dazu wie wild zu kichern.

„Was ist denn so lustig?"

Es schien Lia, als hätte Jason es sich in letzter Zeit zur Angewohnheit gemacht immer und überall aufzutauchen. Doch heute Abend war sie zu aufgedreht um darüber nachzudenken.

Sie deutete auf ihre beiden Freunde und Jason lachte.

„Weißt du, so schlecht passen die zwei doch gar nicht zusammen."

Lia quittierte diese Aussage mit einer hochgezogenen Augenbraue, was Jason wiederum zum lachen brachte und als er sie zurück zur Tanzfläche zerrte musste sie ebenfalls wieder kichern. Sie hoffte wirklich, dass sie heute Abend nicht noch etwas tat, was sie in nüchterem Zustand bereuen würde.

Irgendwie bekam Professor McGonagall allerdings Wind von den Vorgängen im Gemeinschaftsraum ihres Hauses und um halb 12 wurde die Party mit einem großen Krach beendet.

Lia sah wie Meg und Charlot versuchten auf die Lehrerin einzureden, sie hatten jedoch herzlich wenig Erfolg. Als sie kurz darauf alle im Schlafsaal waren murrten sie noch immer.

Lia schüttelte nur den Kopf, in dem sich jedoch gerade eine Idee entwickelte. Und Suse vergrub den Kopf in ihr Kissen und weigerte sich mit irgendjemandem zu reden. Vielleicht sollte sie am nächsten Morgen mal mit Mike reden, doch Lia verwarf den Gedanken wieder. Sie bezweifelte, dass Mike sich noch an irgendetwas würde erinnern können.

Suse hatte die Party gut überstanden, redete jedoch in den nächsten Tagen kein Wort mehr mit Mike, der keine Ahnung hatte was er eigentlich getan haben sollte und schließlich einschnappte.

Lia hatte wie die meisten ihrer Hauskameraden einen ziemlich dicken Kopf, wenn auch nicht so schlimm wie Mike.

Beim Frühstück am Sonntagmorgen begann sie irgendwann ihn mit ihrer Gabel in die Wange zu picken, die nicht in seinem Frühstück lag. Er regte sich jedoch nicht.

Erst als Jason ihm bereits einen halben Schnurrbart ins Gesicht gemalt und Kate seine Ohren mit Cornflakes gefüllt hatte wachte er auf.

Da er sich nicht im Stande fühlte sich irgendwie zu rächen entschied sich Mike mit seiner Kaffetasse in die Küche zu flüchten. Und Lia überdachte Jasons Aussage mit dem Erwachsenwerden nochmal.

Lia war bewusst wie albern sie sich verhielten, doch irgendwie war sie fast ein bisschen dankbar dafür. Vielleicht sollte sie sich dafür schämen, aber es war einfach wundervoll einmal all den Stress zu vergessen, den die Schule und ihre Zukunft ihr im Moment machten.

Zumindest bis sie sich wieder den Hausaufgaben widmen musste, die oben im Gemeinschaftsraum auf sie warteten.


Vorstellungsgespräche

„Bald ist Weihnachten!"

„Ist uns bewusst, Jason." Kate sah ihren Teamkollegen stirnrunzelnd an.

„Wir müssen eine Party machen!"

„Vergiss es.", erwiderte Lia. „McGonagall lässt uns so schnell bestimmt keine Party mehr organisieren. Wir können schon froh sei, wenn wir nach unserem nächsten Spiel eine Siegesparty bekommen."

„Das wir erstmal gewinnen müssen." Die gefährlich ruhige Stimme ließ sie alle herum wirbeln. Keiner hatte gemerkt, wie Jessica, die eben noch mit Kenny einen Spielzug durchgesprochen hatte herüber gekommen war. Ihre drei Jäger schluckten und wagten nichts zu sagen.

"Und jetzt würde ich es vorziehen, wenn ihr drei euch bewegen würdet und diesen verdammten Ball an Kenny vorbei befördert."

Sofort setzten sie sich in Bewegung und Kate tauchte nach dem Quaffle ab, der irgendwann während ihres Gespräches zu Boden gesegelt war.

Jason hatte das Thema jedoch noch nicht vergessen.

"Sie kann uns doch nicht jeden Spaß vermiesen!" Er hatte seine beiden Jägerkolleginnen kurz vorm Portal eingeholt.

Kate verdrehte die Augen, doch Lia betrachtete Jason interessiert. Der runzelte die Stirn. "Ist was...?"

"Ach weißt du", erwiderte Lia, "Ich frage mich nur die ganze Zeit ob du versuchst Keith zu ersetzen."

Kate quietschte und rief: "Ja, du hast Recht!"

Jason sagte nichts mehr, drehte sich nur weg und verschwand. Lia fragte sich, ob sie ihn gerade ernsthaft verletzt hatte. Aber sie hatte es einfach aussprechen müssen.

Während Kate sich mit Tessa unterhielt, die gerade zu ihnen aufgeschlossen hatte hing Lia ihren Gedanken nach.

Das Team dieses Jahr war wirklich gut und sie verstand sich auch prima mit allen. Aber sie vermisste ihr altes Team. Das Team, mit dem sie angefangen hatte Quidditch zu spielen. Diese ständigen Änderungen im Team machten es unmöglich einen richtig festen Zusammenhalt zu bekommen. Sie konnte dankbar sein, dass sie immer noch mit Kate und Jason zusammen spielen konnte. Aber sie vermisste Keith, den Jason natürlich nicht ersetzen konnte und sicher auch nicht wollte.

Sie vermisste Sheila und Tally, die sich schwesterlich um sie kümmerten.

Mirco, mit seiner unumstößlichen Ruhe.

Und Matt.

Matt, ihren besten Freund, für den sie nichts getan hatte. Den sie nie verdient hatte und über dessen Wert sie sich erst richtig bewusst geworden war, als es bereits zu spät war.


Die Weihnachstferien waren, statt mit Vorbereitungen für Jasons Party, die natürlich abgelehnt worden war, mit Hausaufgaben gefüllt.

Nicht wenige Siebtklässler blieben in Hogwarts um zu lernen, so dass Lia und Suse Professor McGonagall eines Morgens baten, ob die Hauselfen nicht abends Kaffee im Gemeinschaftsraum bereitstellen könnten. Ihre Lehrerin nahm den Vorschlag an und die anderen Häuser griffen die Idee bald auf.

Als die Anderen am letzten Ferientag eintrudelten verzogen die beiden Mädchen sich in ihren Schlafsaal und futterten Süßigkeiten, die sie zu Weihnachten bekommen hatten. Nach den zwei Wochen Lernen hatten sie sich einen freien Tag verdient. Suse las wie so oft ein Buch, einen historischen Roman über Merlin, und Lia entschied sich Briefe zu schreiben. Sie hatte Cassy nicht richtig geantwortet und sie könnte Tally mal wieder schreiben.

Es war ein schöner und entspannter Tag und Lia hatte Mühe ihre Enttäuschung zu verbergen, als Meg und Charlot hereinkamen.

"Frohe Weihnachten!"

"Wir haben euch was mitgebracht!"

"Willkommen zurück."

Die vier Mädchen tauschten kleine Geschenke aus, größtenteils Süßigkeiten und redeten ein bisschen über ihre Ferien.

"Ihr habt allen Ernstes die ganze Zeit gelernt?!" Meg schien dieser Gedanke völlig abwegig.

"Die meiste.", erwiderte Suse freundlich. "Lia ist auch ab und zu ein bisschen geflogen und wir haben uns beim Essen immer mehr Zeit gelassen als sonst."

Meg schien das nicht sonderlich zu beruhigen.

Charlot dagegen begann sich Sorgen zu machen, ob sie auch genug lernen würde.

Als sie später alleine waren bemerkte Lia zu Suse gewandt: "Ich bin nicht sicher ob die Kombination aus den beiden so gut für ihre Noten ist..."

Doch sie wussten beide nicht, was sie dagegen tun könnten und so ließen sie das Thema fallen.

Es war seltsam wie schnell Freundschaften zerfallen konnten. Würde es immer so sein? Oder lag es einfach daran, dass die Freunschaft zu Meg und Charlot von Anfang an nicht besonders viel Grundlage gehabt hatte?


Einige Wochen nach Weihnachten erhielt Lia ein Notiz, dass sie sich abends in Professor McGonagalls Büro einfinden sollte.

"Es ist bestimmt wegen der Aurorenausbildung", meinte Suse. "Sie schicken sowas glaube ich oft über die Schule."

Suse sollte Recht behalten.

Als Lia um acht das Büro betrat lächelte die Professorin ihr freundlich zu.

"Setzen Sie sich, Ms Kenneth."

Lia setzte sich und nahm etwas von den Keksen, die die Lehrerin ihr anbot.

"Ich habe heute morgen eine Eule vom Aurorenbüro bekommen. Ich denke es wird sie freuen zu hören, dass sie für ein erstes Aufnahmegespräch eingeladen sind."

Lia atmete erleichtert aus. Irgendwie hatte sie befürchtet, sie wäre abgelehnt worden.

Professor McGonagall lächelte wissend.

"Wenn Sie beim Gespräch einen guten Eindruck machen, werden sie im Frühjahr eine Aufnahmeprüfung machen müssen, die ihre physischen und psychischen Vorraussetzungen einschätzen soll. Dann werden Sie im Sommer mit der Ausbildung beginnen."

Die Professorin nannte ihr den Termin für das Gespräch und Lia stellte überrascht fest, dass es bereits in kaum mehr als einer Woche war. Wie sollte sie sich denn vorbereiten?

"Wie Sie wissen, war ich nicht sehr angetan von ihrer Idee Auror zu werden, als sie mir das erste Mal davon erzählten."

Lia schluckte, unsicher, was die Lehrerin ihr nun sagen würde.

"Ich bin noch immer nicht völlig überzeugt", fuhr Professor McGonagall fort, "doch ich sehe, dass sie seitdem große Fortschritte gemacht haben. Und ich meine nicht akademische Fortschritte." Sie stand auf und ging ans Fenster. "Ich weiß, dass ihr Wunsch Auror zu werden vor allem daher rührt, dass sie den Tod ihrer Eltern rächen wollten. Als sie mir diesen Wunsch das erste Mal unterbreiteten waren sie ein in sich gekehrtes Mädchen, den dieser Rachewunsch antrieb." Sie drehte sich wieder zu Lia um. "Ich bin froh, dass dies nicht mehr so ist. Dennoch...ich bin noch immer nicht sicher, ob es so gut wäre, wenn sie Auror würden. Viele junge Auroren sind aufbrausend, übermotiviert. Das legt sich meist irgendwann. Wenn sie so weit kommen. Bei Ihnen jedoch ist es anders. Sie könnten Jahre lang als Auror arbeiten, ohne, dass etwas von den Verletzungen die Sie erlitten haben zum Vorschein kommt. Aber wenn es passiert, dann bringen Sie damit nicht nur sich selbst, sondern auch die Auroren mit denen Sie arbeiten, die Menschen, die Sie beschützen, in Gefahr. Ich möchte, dass sie sich dessen bewusst sind."

Eine lange Pause entstand nach diesen Worten, bevor die Professorin sie erlöste.

"Ich werde Sie rechtzeitig über den Ablauf ihres Gespräches informieren.

Das war dann alles, Sie können gehen."

Wie betäubt erhob Lia sich und verließ den Raum. Draußen ließ sie sich gegen eine Wand sinken und atmete tief aus.

Sie wusste selber nicht genau, warum die Worte der Professorin sie so mitnahmen. Sie war sich all dieser Dinge bewusst.

Aber wollte sie sie auch wahrhaben? Wollte sie sich damit beschäftigen?

Professor McGonagall hatte gesagt, die Prüfung solle auch ihre Psyche überprüfen. Würde sie überhaupt bestehen? Und wenn sie gar nicht so weit kam? Sie würden in dem Gespräch sicher wissen wollen, warum sie Auror werden wollte, oder?


Die nächsten Tage wirkte Lia abwesend. Sie versuchte sich nicht zu sehr vom Unterricht und ihren Hausaufgaben ablenken zu lassen und das Training wie gewohnt zu absolvieren.

Aber abends lag sie immer wieder im Bett und starrte an den Baldachin, darüber nachdenkend, was sie wohl sagen sollte.

Doch der Tag des Aufnahmegespräches fand sie noch immer völlig unvorbereitet. Vermutlich war es das Beste so, dann würde es wenigstens nicht auswendig gelernt wirken. Doch Lia mochte es gar nicht, schlecht vorbereitet an etwas heranzugehen.

Nachdem ihre Freunde ihr viel Erfolg gewünscht hatten brachte der Hogwartsexpress Lia nach London, wo ein Ministeriumsangstellter sie ins Ministerium und in das Aurorenbüro brachte. Sie erfuhr, dass es mehrere Sammeltermine für die Gespräche gab und, dass sie warten müsse bis sie dran kam. Die anderen Bewerber konnte sie nicht sehen, offensichtlich wurden alle in verschiedenen Räumen untergebracht. Lia fragte sich, was sie sich denn erzählen sollten, das Einfluss auf den Verlauf ihrer Gespräches hätte.

Aber vielleicht sollten auch nur alle die Chance bekommen ihre Ruhe zu haben.

Als sie schließlich dran kam fühlte Lia sich zittrig und ihr Atem ging flach. Sie hätte auf diese Ruhe liebend gern verzichtet.

Der Raum in den sie geführt wurde war ein spärlich möbliertes Büro, an einem massiven Mahagonitisch in der Mitte des Raumes saßen ein Mann und eine Frau in schwarzen Zaubererumhängen. Der Mann sah ernst aus und runzelte leicht die Stirn, als Lia den Raum betrat. Seine braunen Augen leuchteten aus dem dunklen Gesicht und wirkten durchdringend. Sie hatte das Gefühl als ließe er sie nicht aus den Augen. Die Frau war recht jung und hübsch und sie lächelte aufmunternd. Lia fragte sich kurz, ob sie diese Rollen wohl einstudiert hatten um die Bewerber auf bestimmte Arten zu beeinflussen. Wie die Polizisten in den Krimiserien, die ihre Mutter immer gesehen hatte, wenn sie Leute verhörten.

„Setz dich.", forderte die Frau sie auf und Lia setzte sich auf den gepolsterten Holzstuhl vor dem Tisch.

„Du brauchst dir gar keine Sorgen zu machen. Wir werden dir ein paar einfache Fragen stellen und du brauchst sie einfach nur ehrlich zu beantworten. Es geht hier nicht um richtig, oder falsch, oder darum was du schon kannst. Wir versuchen einfach nur dich ein bisschen kennen zu lernen. In Ordnung?" Wieder lächelte die Frau und während Lia nickte dachte sie sich, dass sie den Mann irgendwie lieber mochte. Ob er überhaupt sprach?

„Sehr gut. Dann fangen wir mal an. Du bist Celia Kenneth?"

„Ja."

„Du bist 18 Jahre alt und wirst im Sommer deinen Abschluss in Hogwarts machen?"

„Ja."

„Du hast 10 ZAGs geschafft...und mit hervorragenden Noten." Langsam ging Lia dieses Lächeln wirklich auf die Nerven. Sie nickte nur.

„Nun, du bist die Tochter von Paul und Natalie Kenneth..."

Endlich sprach auch der Mann. „Dein Vater war Auror." Das war keine Frage. „Hat das Auswirkungen auf deine Berufswahl gehabt?" Die Stimme des Mannes war weich wie Samt, doch er sprach mit Autorität.

Lia blickte in diese braunen Augen und wusste sofort, dass sie diesem Mann alle Fragen ehrlich beantworten würde. Sie konnte nicht genau sagen, ob es daran lag, dass sie das Gefühl hatte, dass dieser Mann jede Lüge sofort durchschauen würde, oder ob sie ganz einfach die Wahrheit sagen wollte.

„Ja, ich denke schon das es das hat.", sagte Lia nach kurzem Überlegen.

„Mein Vater und sein Partner, Allen Potter, waren die mutigsten und aufrichtigsten Männer, die ich je getroffen habe. Ich habe sie bewundert und bin immer unglaublich stolz auf meinen Vater gewesen."

„Ihr Vater ist vor wenigen Jahren von Todessern getötet worden." Lia wartete auf die unausweichliche Frage. Doch stattdessen fragte der Mann: „Was sind ihre Beweggründe Auror zu werden?"

Lia hielt sich davon ab die Stirn zu runzeln. Er schien auf genau die Frage hinauszuwollen, die Lia befürchtete. Ob Rache der Grund für ihren Berufswunsch war. Vielleicht würde er sie später stellen?

„Ich habe früh gelernt, was Gerechtigkeit bedeutet. Gerechtigkeit und Wahrheit waren die Dinge für die mein Vater einstand. Er beschützte die Menschen, die sich nicht selber beschützen konnten. Meine Mutter...sie hatte einen Beruf, der in der Welt wenig ausrichtete. Als Kind war ich stolz auf meine Mutter, denn sie war berühmt. Aber je älter ich wurde, desto mehr begann ich zu verstehen, dass mein Vater den sehr viel bewundernswerteren Beruf hatte." Sie machte eine kurze Pause und leckte sich über die Lippen. Kurz wartete sie, ob der Mann weiter frage würde. Doch er schien zu warten.

„Ich wollte ebenfalls etwas in der Welt bewirken. Als mein Vater von Todessern getötet wurde..." Sie schluckte. „Da war mein einziger Wunsch mich zu rächen. Meine Mutter hat den Verlust ihres Mannes nicht überstanden. Innerhalb kürzester Zeit hatten die Todesser mich der Menschen beraubt, die ich so sehr liebte und brauchte. Ich vergrub meine Verletzung unter Rachsucht."

Kurz sah Lia zu Boden und ironischerweise fiel ihr gerade jetzt auf, dass diese beiden Menschen ihr ihre Namen nicht genannt hatten. Sie schüttete gerade völlig fremden, namenlosen Menschen ihr Herz aus. Aber als sie dem Mann wieder in die Augen sah, da hatte sie das Gefühl, sie vertraue ihm.

„Ich habe lange Monate nur mit mir und meinen Rachewünschen verbracht. Aber es gab Menschen in meinem Leben, die mich wieder aufgebaut haben. Die mir gezeigt haben, dass es immer noch Hoffnung gibt, dass ich immer noch leben kann. Ich weiß, wie viel Leben wert ist. Wie viel Menschen, die einen lieben wert sind. Ich möchte nicht mehr den Tod meiner Eltern rächen. Ich möchte verhindern, dass es anderen Menschen so ergeht wie mir. Menschen, die vielleicht nicht so viel Glück haben. Ich denke, das wäre eine Art mein Leben sinnvoll einzusetzen."

Nach ihren Worten war es kurz still und Lia knetete nervös ihre Hände.

Dann lächelte der Mann und Lia musste unbewusst auch lächeln.

Die restlichen Fragen liefen irgendwie an ihr vorbei.

Sie hatte ohnehin das Gefühl, dass der wichtigste Teil des Gespräches bereits vorbei war.

Als sie fertig waren brachte der Mann Lia zur Tür und den ganzen Rückweg ließen Lia diese braunen Augen nicht los.

In der Halle angekommen waren entdeckte Lia jemanden, der ihr sehr bekannt vorkam.

„Remus?!"

Der Zauberer wandte sich um und sein müder Gesichtsausdruck wandelte sich in ein Lächeln. „Lia? Bist du das? Es ist ja schon ewig her. Was machst du hier?"

Remus' freundliches Lächeln ließ Lia für kurze Zeit ihre Nachdenklichkeit und Nervosität vergessen.

„Ich hatte ein Aufnahmegespräch im Aurorenbüro."

Remus hob erstaunt die Augenbrauen. „Du willst Auror werden?"

„Ja, schon lange."

Remus lachte leise und Lia wollte schon fragen, was so lustig sei, als er wieder sprach. „Und, wie ist es gelaufen?"

„Hm...ich bin mir nicht sicher. Aber..." Sie lächelte. „Ich mochte den Mann, der mir Fragen gestellt hat."

„Weißt du seinen Namen?"

Lia schüttelte den Kopf. „Nein. Aber er war ein Schwarzer, mit weicher Stimme und einem Blick, als hätte ich gar keine Chance ihm etwas anderes als die Wahrheit zu sagen..."

„Das klingt ganz nach Kingsley Shacklebolt. Ja, ich kann mir vorstellen, dass du ihn magst."

„Du kennst ihn also? Ach, was machst du denn eigentlich hier?"

Doch bevor Remus antworten konnte räusperte der Angestellte, der Lia zurück zum Bahnhof bringen sollte sich.

„Sieht so aus, als müsstest du zurück nach Hogwarts."

„Ja, leider..."

„Es war schön dich zu sehen, Lia."

Sie umarmten sich kurz, dann winkte Remus und wandte sich ab.


„Wie war's?"

Lia ließ sich erschöpft aufs Bett fallen. „Ich weiß nicht...seltsam. Aber ich hoffe gut."

„Du klingst erschöpft. Möchtest du Schokolade?"

Sofort setzte sich Lia auf und sah so hungrig drein, dass Suse lachen musste. Sie holte eine Schachtel Milchschokolade aus ihrem Nachttisch und setzte sich damit zu Lia aufs Bett. Zusammen vertilgten sie die Schokolade und Lia erzählte von ihrem Tag.

„Arbeitet Lupin jetzt im Ministerium?"

Lia zuckte mit den Schultern. „Ich weiß nicht. Ich hab ihn nicht gesehen, seit...naja, wir haben uns aus den Augen verloren."

„Hm...Für ihn ist es bestimmt nicht leicht."

Sie schwiegen eine Weile, dann begann Suse wieder. „Habt ihr heute Training?"

„Nein, zum Glück nicht, erst Montag wieder."

„Gehst du dann gleich noch eine Runde fliegen?"

„Nein, ich glaube, Adrenalin hatte ich für heute genug...", erwiderte Lia und zog eine Grimasse.

Suse lächelte. „Was hälst du dann davon, wenn wir die letzten Stunden des Tages mit unseren Hausaufgaben nutzen würden?"

Stöhnend ließ Lia sich flach aufs Bett fallen. „Suse, wie kannst du nur schon wieder an Hausaufgaben denken?"

Ihre Freunden zuckte jedoch nur mit den Schultern. „Naja, wenn wir heute alle schaffen könnten wir morgen mal nen freien Tag machen."

Das Argument wirkte und kurze Zeit später saßen die beiden Mädchen über ihre Bücher gebeugt an einem Tisch der Bibliothek und kratzten mit den Federn auf ihre Pergamentrollen.


Mit einem Knall

Ein unterdrückter Aufschrei entfuhr Lia und sie verteilte beinahe einen Mund voll Kekse auf ihrem Bett.

Nicht, dass es jemandem aufgefallen wäre. Sie lag alleine im Schlafsaal und las einen Brief von Cassy. Sie wusste jedoch, dass Suse in der Biblitohek war und rollte sofort vom Bett um mit den Pergamenten in der Hand zu ihr zu rennen.

„Suse! Hier, sieh dir das an! Sieh's dir an!" Lia ignorierte die aufgebrachte Bibliothekarin und hielt Suse den Brief unter die Nase.

Ihre Freundin ließ sich jedoch nicht aus der Ruhe bringen. Bis sie die Bilder gesehen hatte.

Sie lies die Blätter sinken und atmete einmal tief durch.

„Weißt du, manchmal ist es verdammt schwer deine Freundin zu sein."

Verwirrt blickte Lia sie an und das Lächeln verschwand aus ihrem Gesicht.

Suse zuckte mit den Schultern. „Ich weiß, du hast es nicht leicht gehabt...aber manchmal hast du einfach unverschämtes Glück und ich weiß nicht, wie ich nicht eifersüchtig sein könnte." Nun grinste sie doch. „Diese Wohnung ist unglaublich und absolut perfekt für dich. Aber kannst du sie dir auch leisten?"

Lia lies sich in einen Stuhl fallen. „Es ist machbar. Für den Anfang habe ich genug Geld von meinen Eltern und ich kann bei Ollivander arbeiten. Und danach...naja, das Gehalt eines Aurors in der Ausbildung würde reichen..."

„Dann hoffen wir mal, dass du wieder Glück hast.", erwiderte Suse und zwinkerte.

Lia lachte und sie begannen zu überlegen, was man mit dieser Wohnung machen könnte. Hasuaufgaben waren für den Moment vergessen.


„Okay Leute, die letzten Spiele haben wir verdammt gut gespielt, aber nächste Woche geht es gegen Slytherin und gut sein reicht da nicht."

Lia hatte den Sinn von Ansprachen am Ende eines Trainings ja schon immer in Frage gestellt. Aber aus irgendeinem Grund hatte jeder ihrer Kapitäne diese Tradition fortgesetzt. Und so saß das Team auf den unbequemen Bänken und gab sich die größte Mühe nicht einzuschlafen, während Jessica auf sie einredete.

„Jess...", unterbrach Kate leise.

Ihr Kapitän hörte auf im Raum auf und ab zu gehen und wandte sich zu ihnen um. „Was denn?"

Erst jetzt bemerkte sie, dass die Hälfte des Teams längst vor sich hin döste und auch der Rest sich kaum wach halten konnte.

„Es ist schon fast neun und morgen ist Unterricht.", erklärte Tess und versuchte ein Gähnen zu verstecken.

Jess seufzte. „Na, dann verschwindet eben.", erlöste sie das Team. Alle standen auf, gähnten, streckten sich und machten sich auf den Weg zum Schloss und in ihre bequemen Betten.


Der Morgen des Finales brach an und eine nervöse Spannung lag in der Luft.

Lia, die schon am längsten im Team war und mit der Aufregung am besten umgehen konnte, gab sich die größte Mühe die anderen zum Essen zu bewegen.

Neben ihr versuchte Jason alle mit Witzen zu unterhalten, doch niemandem war nach Lachen zumute.

Das ganze Haus wollte diesen Sieg, endlich wieder den Pokal. Dass es unwahrscheinlich war, dass sie Ravenclaw den Hauspokal noch ablaufen konnten war alles klar. Aber Quidditch, das war ihre Stärke. Und niemand gönnte Slytherin diesen Sieg.

Wie eine schwere Last spürte das Team diese Ansprüche auf seinen Schultern.

Doch vor allem anderen, wollten sie selber den Sieg.

Das Wetter war perfekt. Nicht zu warm, leicht bewölkt, kaum Wind.

In der Umkleide lockerte sich die Stimmung etwas. Irgendwie waren sie alle froh, dass das Spiel bald beginnen würde und die Anspannung dem Adrenalin weichen würde.


„Hey Jason!"

Lia musste schreien um sich über den Lärm der Musik hinweg Gehör zu verschaffen. Eine Siegesparty nach Eroberung des Pokals war wohl das Lauteste, dass Lia je gehört hatte.

Ihr Klassenkamerad wandte sich zu ihr um und sie winkte ihn in eine etwas ruhigere Ecke.

„Was ist los?", wollte Jason wissen.

„Erinnerst du dich noch, was du im Zug gesagt hast? Darüber, dass wir was besonderes machen sollten?"

„Du hast eine Idee für einen Streich?" Jason klang jetzt begierig, doch Lia schüttelte den Kopf.

„Ich hatte eigentlich an etwas weniger kindisches gedacht."

Fast schmollte Jason bei dieser Aussage, doch er wollte wissen, was Lias Idee war.

„Eine Party. Eine Abschlussparty nur für die Siebtklässler. Und vielleicht Begleitung."

„Hm..." Jason dachte kurz darüber nach. „Die Idee gefällt mir. Aber meinst du denn es ist umsetzbar?"

Sie zuckte mit den Schultern. „Einen Versuch ist es jedenfalls wert. Und ich denke mit den richtigen Argumenten bekomme ich McGonagall und Dumbledore davon überzeugt. Für uns würde es natürlich eine Menge Arbeit bedeuten. Zugegebenermaßen hab ich da schon ein wenig vorgeplant..."

Und sie erklärte Jason ihr Vorhaben. Wie erwartet war Jason Feuer und Flamme und schon am Montag Nachmittag standen die Beiden in Professor McGonagalls Büro.

Natürlich hatte die Lehrerin einige Bedenken, doch Lia hatte sich bereits mit Suse zusammen Argumente für jeglichen Einwand überlegt.

„Es wird keinen Alkohol geben, ich werde selber die Sprüche anbringen, die Alkohol identifizieren. Für die Planung und Dekoration sorgen natürlich wir, ich habe bereits mit ein paar Sechstklässlern gesprochen, die in der Zeit der Prüfungen die letzten Vorbereitungen treffen werden und dafür ebenfalls eingeladen sind."

Schließlich gab die Verwandlungslehrerin seufzend nach und versprach mit dem Direktor zu reden.

„Und dann möchte ich einen ausführlichen Bericht ihrer Planung haben", fügte sie hinzu. „Und wehe das wirkt sich auf ihre Noten aus!"

Zufrieden verließen die Beiden das Büro und stürzten sich in ihre Aufgabe.

Suse übernahm den Briefwechsel mit Läden und möglichen Bands, Meg griff ihr bei der Musikwahl unter die Arme. Charlot bastelte Einladungen, Jason und Mike besprachen mit den Hauselfen die Verköstigung.

Lia kümmerte sich gemeinsam mit Tess und Jessica um die Dekoration und behielt den Überblick über alle Fortschritte.

Sie waren alle mächtig eingespannt, doch Lia war den Stress durch Quidditchtraining ja gewöhnt und sie und Suse hatten im Rest des Jahres genug vorgelernt um jetzt problemlos klar zu kommen.


Die richtige Entscheidung

Mitten in all die Vorbereitungen drängte sich jedoch noch ein anderes, extrem wichtiges Ereignis.

„Miss Kenneth?"

„Ja, Professor?"

Lia hatte gerade vom Esstisch aufstehen und zur nächsten Stunde gehen wollen, als Professor McGonagall sie aufhielt.

„Kommen Sie bitte mit in mein Büro, sie sind von den nächsten Stunden befreit."

Viel zu verdutzt um Fragen zu stellen folgte Lia ihrer Lehrerin, ohne einen Schimmer worum es ging.

„Sicher haben sie schon erraten worum es geht."

„Ehrlich gesagt, nein..."

Professor McGonagall hob die Augenbrauen. „Nun, der Tag für ihre Aufnahmeprüfung ist bekannt gegeben."

„Aufnahme- ich wurde zugelassen?!"

„Zur Prüfung, ja. Sie werden nach unserem Gespräch zur Krankenstation gehen und ihre Gesundheit überprüfen lassen. Von den weiteren Stunden des Tages sind sie freigestellt und schlage vor, dass sie früh ins Bett gehen. Morgen um sechs Uhr werden sie nach London gebracht."
„Was, morgen?!" Lia schluckte und wusste nicht was sie sagen sollte.

„Ja, Miss Kenneth, morgen. Ebenso wie bei ihrem Vorstellungsgespräch geht es darum zu überprüfen wie sie sich verhalten, wenn sie keine Zeit hatten sich vorzubereiten. Haben sie noch weitere Fragen?"

„Ja, das heißt, nein...vielen Dank, Professor..."

Lia war sicher, dass sie kein Auge würde zu tun können.


Als sie am nächsten Morgen aufwachte wünschte sie fast, es wäre auch so gewesen.

Ihre Laken waren durchgeschwitzt und sie konnte spüren, dass ihr Herz raste. Sie erinnerte sich nicht an den Traum. Aber die Panik, die sie verspürte kannte sie sehr gut.

So leise sie konnte wusch sie sich und zog sich an und versuchte dabei ihren Puls zu beruhigen.

Im Gemeinschaftsraum erwartete sie ein Extra-Frühstück, doch sie bekam kaum etwas hinunter.

Um Punkt sechs saß sie im Zug und starrte aus dem Fenster, die Hände ineinander verkrampft.

Sie hatte auf dem Weg zum Zug kaum ein Wort mit Professor McGonagall gewechselt.

Die seltsame Stille des Zuges half nicht gerade dabei ihre Nerven zu beruhigen.

Am Bahnhof wartete wieder ein Ministerumsangestellter auf sie. Doch Lia war sich sicher, dass es sich diesmal um einen Auror handelte. Woher sie das wusste konnte sie allerdings nicht sagen.

Mit Seit-an-Seit Apparieren kamen sie in einen kleinen Raum, der ganz sicher nirgendwo im Ministerium war.

Er war nicht besonders groß und fast vollkommen leer. Es gab keine Fenster, nur eine Tür, genau Lia gegenüber. Es befand sich nur eine andere Person im Raum: Kingsley Shacklebolt. Er lächelte ein wenig, als er auf Lia zukam. Und trotz ihrer Nervosität verspürte Lia Erleichterung, ein bekanntes Gesicht zu sehen.

„Deine Prüfung beginnt sobald du durch diese Tür trittst. Was dich erwartet wirst du selbst herausfinden lassen. Wenn deine Prüfung beendet ist, wirst du hierher zurück gebracht und über dein Ergebnis informiert. Halte deinen Zauberstab bereit. Also dann."

Er führte sie zur Tür und bedeutete ihr sie zu öffnen und hindurch zu treten. Lia tat es und starrte in eine kalte, dunkle Gasse.

Sie wirbelte herum, doch der Raum und die Tür waren verschwunden.

Die Gasse war eng und dichter Nebel lag auf allem und machte es unmöglich das Ende des Gasse zu sehen.

Lia atmete tief durch und ging dann vorsichtig los, den Zauberstab vor sich ausgestreckt, doch sie machte kein Licht.

Licht zu machen wäre dumm. Es würde gegen den Nebel nicht helfen und sie würde nur auf sich aufmerksam machen.

So leise sie konnte ging sie weiter, fuhr auf jedes Geräusch hin herum. Es kam ihr ewig vor, bis sie das erste menschliche Geräusch hörte. Ein Schrei.

Lia unterdrückte den Impuls los zu rennen und schlich leise weiter, in die Richtung, aus der sie das Geräusch gehört hatte.

Da. Eine Frau. Und ein schwarzer Schatten.

Stupor

Glücklicherweise hatte Lia eine Begabung für ungesprochene Zauber. Die schwarze Gestalt kippte um und Lia schlich weiter, zu der Frau am Boden hin. Dabei behielt sie die Umgebung im Auge.

Die Frau wimmerte vor sich hin.

„Schhsch.", machte Lia. „Ganz ruhig."

Eine Bewgung in ihrem Augenwinkel fiel ihr auf. Doch statt herumzuwirbeln bewegte Lia nur ihren Zauberstab.

Protego.

Gerade rechtzeitig. Ein roter Lichtblitz prallte von ihrem Lichtschild ab.

„Wen haben wir denn da?"

Zwei Personen in schwarzen Umhängen näherten sich, die Kapuzen tief ins Gesicht gezogen.

„Hey, du wurdest etwas gefragt!"

Von den Stimmen her mussten es beides Männer sein. Lia schwieg weiter und versuchte die Gasse im Blick zu behalten, während sie die beiden Männer beobachtete.

„Was ist, hast du keine Stimme?"

„Vielleicht ist dem Schlammblut ihr Name peinlich."

Wütend ballte Lia die Hände zu Fäusten. Nichts sagen. Nur nicht reagieren.

Einer der Männer kam näher. „Du kommst mir bekannt vor, Kleine. Deine Augen. Ich kenne diese Augen."

Augen wie dein Vater" Wie oft war ihr das gesagt worden. Lia gefror das Blut in den Adern. Dieser Mann hatte ihren Vater getötet. Doch bevor sie etwas tun konnte, riss das Wimmern der Frau zu ihren Füßen Lia zurück in die Realität. Es war eine Prüfung. So real es sich auch anfühlte, nur eine Prüfung. Und so behielt sie den Schild aufrecht und schwieg weiter. Sie konnte nichts tun ohne die Frau in Gefahr zu bringen. Sicher war irgendwo Verstärkung? Konnte sie ein Zeichen setzen? Oder wäre es dumm auf sich aufmerksam zu machen?

Aber wie redet ihr miteinander, wenn ihr leise sein müsst, Papa?" Wir haben geheime Zeichen, Lia. Allen und ich benutzen zum Beispiel Vogelrufe."

Das hier war ihre Prüfung. Irgendwie war sie auf ihre Probleme, Ängste abgestimmt. Vielleicht...

Ohne die Konzentration von ihrem Schild zu nehmen spitzte Lia die Lippen und ließ ein Eulen-Schuhen hören.

Selbst wenn diese Idee Blödsinn war. Sie hatte ihre beiden Angreifer damit ein wenig verwirrt.

„Sie hat um Verstärkung gerufen. Lass uns verschwinden."

Der Mann hatte bisher nicht viel gesagt. Jetzt ließ etwas in seiner Stimme Lia aufhorchen. Er sprach leise, flüsternd, fast röchelnd...und doch...

Schnelle Schritte näherten sich und drei Männer kamen in die Gasse gerannt. Sie rissen ihre Stäbe hoch und in dem Moment als dem Mann die Kapuze vom Aufprall eines Zaubers vom Kopf rutschte erkannte Lia die Stimme.

Nur eine Prüfung!

Ein Zauber traf den Schutzschild, den sie wenige Augenblicke vor Schreck hatte fallen lassen. Gerade noch rechtzeitig hatte sie sich an ihre Pflichten erinnert. Oder in diesem Fall an ihre Prüfung.

Wie paralysiert starrte sie in Matts Gesicht als alles um sich herum sich aufzulösen begann.

„Gratuliere. Du hast es geschafft."

Verwirrt blinzelte Lia in das Gesicht von Kingsley Shacklebolt.

Sie wollte etwas sagen, doch ihre Stimme versagte. Sie räusperte sich.

„Schon in Ordnung." Seine sanfte Stimme beruhigte Lia ein wenig.

„Ich habe also bestanden?"

Er nickte. „Du wirst im Sommer deine Ausbildung beginnen. Das erste halbe Jahr ist ein Probejahr. Am Ende wirst du eine Mission durchführen müssen und dann wird entschieden werden, ob du weiter machen darfst."

Lia nickte. Es wäre wohl sonst auch zu einfach.


Die Abschlussparty

Kurz vor den Ferien war alles so weit, dass Tess, Jessica und zwei Ravenclaws aus der 6. die restliche Organisation der Abshclussparty übernehmen konnten, so dass die anderen sich voll auf die Prüfungen konzentrieren konnten.

Mit der Vorfreude auf die große Party waren selbst die Prüfungen weniger schlimm.

Suse hatte nirgends ernsthafte Probleme, selbst Zauberkunst brachte sie erfolgreich hinter sich. Lia hatte etwas Angst vor Alte Runen und Geschichte der Zauberei gehabt, doch sie war mit dem Ergebnis recht zufrieden.

Auch die anderen hatten es irgendwie geschafft und am Freitag Abend saßen sie im Gemeinschaftsraum und entspannten gemeinsam am Kaminfeuer. Morgen würde die große Party steigen, und dann...ja, dann wartete die große Zukunft auf sie.

„Wow, du siehst fabelhaft aus!" Charlot sah Lia mit offenem Mund an.

Das lange schwarze Kleid, dass sie trug, war einfach, aber stand ihr unglaublich gut und bei jedem Schritt schien es zu glänzen, wie Perlmutt.

Suse und Lia hatten in der Bibliothek ein Buch mit Zaubersprüchen für Make Up und Frisuren entdeckt und Lias widerspenstige Haare fielen zurückgesteckt in perfekten Locken über ihre Schulter.

„Komm, ich helf dir mit den Haaren", bot Lia an und Charlot nahm das Angebot sofort an. In gewisser Weise hatten Lia und Suse sich in erster Linie mit diesen Dingen beschäftigt, um mit Meg und Charlot noch einen letzten positiven Abschluss zu haben.

Als sie fertig war wandte Lia sich um und lächelte Suse an. Das taubenblaue Kleid sah an ihr unglaublich süß aus und sie konnte es sich nicht verkneifen zu bemerken: „Du wirst Mike völlig den Kopf verdrehen.", worauf ihre Freundin sie böse anfunkelte.

Die Große Halle war über und über mit Kristallen und Kronleuchtern geschmückt und glitzerte, wie eine Diamantenhöhle. Auf dem Podium, wo sonst die Lehrer saßen, standen bereits die Musiker und spielten zur Begrüßung etwas ruhiges.

An den Wänden war ein Buffet aufgebaut und im hinteren Bereich der Halle standen runde Tische, mit bis zu acht Sitzplätzen, vorne war Platz zum Tanzen.

Die Geister, die durch den Raum schwebten waren zwischen all den Kristallen kaum zu erkennen, gaben der Szene aber doch etwas unvergleichlich magisches.

„Es ist grandios.", verkündete Meg.

Sie konnten einfach nicht anders, als sich zu ihrer Planung zu gratulieren.

Tess und Jessica kamen herüber und Lia bedankte sich noch einmal bei ihnen für die Hilfe, doch sie winkten nur ab. Da sie für den Abend die Kontrolle hatten, waren sie auch bald wieder verschwunden und die anderen suchten sich erst einmal einen Tisch.

„Wir hätten die Slytherins nicht einladen sollen.", brummte Jason.

Er und Lia waren auf der Tanzfläche und hatten auf dem Weg dorthin schon drei dumme Bemerkungen zu hören bekommen.

Die Slytherins hatten ihre Niederlage noch nicht so ganz verkraftet und Lia hoffte, dass es heute nicht noch zu Problemen kommen würde.

„Wir konnten sie ja schlecht nicht einladen."

Doch Jason zuckte mit den Schultern. „Ich seh da kein Problem."

Einige Zeit später saß Lia am Tisch, trank Kürbissaft und sah den anderen beim Tanzen zu.

Suse kam zu ihr und setzte sich neben sie. Lia grinste. „Du hast dich tatsächlich dazu herabgelassen mit Mike zu tanzen?"

Doch Suse tat den Kommentar nur mit einem Schulterzucken ab.

„Was ist mit dir? Ich hatte erwartet dich den ganzen Abend auf der Tanzfläche zu finden."

Diesmal war es an Lia mit den Schultern zu zucken.

„Liegt es daran, dass nicht die richtigen Leute da sind?", fragte Suse leise.

Tatsächlich hatte Lia schon darüber nachgedacht. Jason gab sich ja wirklich Mühe, machte ihr Komplimente, flirtete mit ihr, alberte mit ihr herum. Aber er war eben nicht Matt. Und wenn er ehrlich war, sah er Lia wohl auch mehr als gute Freundin. Sie seufzte.

„Was willst du tun, wenn die Schule vorbei ist. Wirst du einfach so weiter machen und ihn nie wiedersehen?"

Lia sah ihrer Freundin in die Augen. Sie hatte das Thema Matt lange nicht mehr angesprochen. Sie war niemand, der seine Nase in die Angelegenheiten anderer steckte, aber hin und wieder half sie Lia gerne auf die Sprünge, wenn die ihr Leben nicht auf die Reihe zu bekommen schien.

„Keine Ahnung." Sie wandte sich ab und sah in die Menge. Sie hatte schon darüber nachgedacht...aber sie war zu keinem Entschluss gekommen.

Jetzt betrachtete sie die tanzenden und lachenden Menschen. Zwei Jahre hatte sie Matt nicht gesehen. Und sie vermisste ihn noch immer. Cassy hatte Recht damit, dass sie nach vorne sehen musste. Aber Suse hatte auch Recht, oder?

„Vielleicht werde ich ihm schreiben. Irgendwann. Aber es kann auch keiner sagen, ob wir überhaupt noch Freunde sein können. Ich meine, wer weiß ob er sich nicht schon total verändert hat."

Nach kurzem Schweigen entschied Lia, dass sie nicht zum Nachdenklichsein auf einer Party war. Sie stand auf und wandte sich an Suse. „Kommst du?"

„Nein, ich denke ich bleibe noch ein bisschen sitzen."

„Gut, wie du meinst."

Damit stürzte Lia sich zurück ins Getümmel.


„Merlin, das war die beste Party meines Lebens."

Mit einem lauten Plumps landete Meg auf ihrem Bett.

Charlot kicherte noch immer als sie ihre Ohrringe und die Halskette abnahm.

Alle schienen zufrieden mit dem Abend zu sein und besonders zufrieden mit diesem gelungenen Abschluss.

Lia nahm einen Stapel Fotos in die Hand.

Als kleines Highlight hatten sie einen Fotografen engagiert und jeder, der wollte, konnte sich mit seinen Freunden fotografieren lassen.

Auf einem waren die vier Mädchen, wie sie versuchten sich in Pose zu werfen und es schließlich vor Lachen nicht aushielten.

Jason hatte sie zum Fotografen gezerrt, für ein Foto, das, wie er wohl hoffte, nach einem Paar aussehen würde hatte jedoch nicht bemerkt, wie Lia ihm für kurze Zeit Hasenohren gezaubert hatte.

Später hatten sie sich noch mit Tess und Jessica fotografieren lassen.

Außerdem hatte Lia den Fotografen um ein paar Bilder vom Raum gebeten, die sie Cassy zeigen wollte. Und vielleicht würde sie auch ein paar Abzüge an Tally schicken.

Sie lehnte sich auf dem Bett zurück und starrte an den Baldachin.

Morgen würde alles vorbei sein.

7 Jahre. Lernen, Stress, Freude, Schmerz, Erschöpfung. Lia fühlte sich müde. Sicher würden morgen die Emotionen kommen. Wenn sie die Koffer packten. Ein letztes Mal Lebwohl sagten.