„Das ist Takahashi Suri", sagte Taro, „und nein, sie hat nie gute Laune." Er schenkte Sakura ein kurzes Lächeln und trat dann zur Seite, so dass Sakura den Raum betreten konnte. Das Zimmer war riesig, sicherlich so groß, wie ihre gesamt Wohnung – wenn nicht sogar noch größer. Das erste was Sakura auffiel, war die Tatsache, dass das Zimmer moderner wirkte, als der Flur. Zeitgenössische Kunst an der Wand, sanfte Farben und moderne Möbelstücke. Ein großer Schreibtisch stand auf der anderen Seite des Raumes vor dem Fenster und neben der Tür, auf der linken Seite, befand sich eine große, lederne Wohnlandschaft. Auf der rechten Seite stand direkt an der Wand neben der Tür ein großes Bücherregal, gefüllt mit klassischer Literatur sowie wirtschaftlichen Fachbüchern. Sakura ging ein paar Meter weiter und musste feststellen, dass der Raum auf der rechten Seite sogar noch erweitert war. Dort lag er. Dort in einem hochmodernen medizinischen Bett, angeschlossen an die neusten Geräte lag Uchiha Itachi. Er sah genauso aus, wie im Krankenhaus. Die schwarzen Haare zusammengebunden, die Haut erblasst.

„Itachi kennen Sie glaube ich schon, Doktor Haruno?", meinte Taro zu ihr stellte sich direkt neben Itachi an sein Bett. „Leider ist er heute nicht sonderlich gesprächig, Haruno-sama. Bitte sehen Sie es ihm nach. Es tut mir Leid, ich habe mich noch gar nicht vorgestellt: Tanaka Taro."

Taro reichte ihr die Hand. „Sakura", sie schenkte ihm ein kurzes Lächeln, „du pflegst Uchiha-sama rund um die Uhr?"

„Ganz richtig. Ich schlafe in dem, was eigentlich der begehbare Kleiderschrank ist", er deutete auf die Tür hinter Sakura, „bis auf die letzte Socke haben sie alles herausgeräumt. Wahrscheinlich haben Sie Angst, ich würde etwas mitgehen lassen. Und dann haben sie mir ein Feldbett hineingestellt und es wurde mir erlaubt, meine persönlichen Gegenstände in zwei der unzähligen Fächer zu stellen. Ziemlich armselig, wenn du mich fragst." Das letzte nuschelte er so vor sich hin, dass Sakura es beinahe nicht verstanden hätte. Scheinbar hatte er Angst, dass man sie belauschen würde. „Und das dort", Taro deutete auf die Tür neben dem Bett, „ist das Badezimmer. Ziemlich edel, mit allerlei Spielereien, doch welche Toilette darf der arme Taro benutzen? Genau die alte Kammer, unten im Keller."

„Und ich dachte, ich hätte es bereits schlecht getroffen", raunte Sakura.

Taro schüttelte den Kopf, „warte nur bis Takahashi gleich wieder kommt. Du solltest dich besser an die Arbeit machen; du willst nämlich nicht wissen, was dir blüht, wenn sie dich beim trödeln erwischt."

Wie von Taro angeraten machte Sakura sich an die Arbeit. Im Grunde genommen, war es das gleiche, was sie auch zuvor im Krankenhaus getan hatte. Nur musste sie nun Itachi die Medikamente verabreichen, die sie in der Tasche bei sich trug. Tsunade hatte ihr bezüglich der Tasche einen langen Vortrag gehalten, den Shizune ungewollt später noch einmal wiederholte, weil sie nicht darüber unterrichtet war, dass Tsunade ihr diese Aufgabe bereits abgenommen hatte. Sakura hatte in diesem Moment auch nichts gesagt, in der Befürchtung, dass es nur wieder Ärger geben würde. Zusammenfassung der beiden Vorträge: sollte Sakura diese Tasche verlieren oder Inhalte dieser Tasche, könnte sie auf der Stelle die Stadt verlassen. ‚Wieso gefährdet eigentlich alles was ich im Moment mache, meinen Job?', raunte ihre innere Stimme, ‚ich möchte gerne noch einmal einen Tag erleben, an dem ich nicht um meinen Job bangen muss.'

Während Sakura mit ihrer Arbeit beschäftigt war, hatte Taro sich auf einen Stuhl neben dem Bett gesetzt und erzählte ihr ein wenig über das Haus, sich, die Arbeit und auch über die Uchihas. „Das ist nicht der erste Fall, in dem ich mich über einen längeren Zeitraum um einen Komapatienten kümmern muss. Zuletzt hatte ich einen Fall, bei dem der Vater, nach einem Sturz von der Leiter, ins Koma gefallen war. Unglaublich nette, mittelständige Familie. Sie haben mir ihr Gästezimmer zur Verfügung gestellt, mit eigenem Badezimmer. Wenn ich ehrlich bin, habe ich dort wie ein König gelebt, im Vergleich hierzu. Dort wurde ich jeden Morgen und Abend – am Wochenende auch am Mittag – zum Essen gerufen. Ich habe mit der Familie zusammen am Tisch gegessen. Bei den Uchihas würde niemand im Traum daran denken, dass ich mit ihnen zusammen esse. Vielleicht hast du sie bereits bemerkt, aber draußen auf dem Flur, gegenüber der Tür habe sie eine Kamera angebracht, besser gesagt, gleich zwei. Damit sie immer ganz genau wissen, wer wann das Zimmer betritt. Takahashi hat mich gestern ermahnt, weil ich zu lange auf der Toilette gewesen wäre. Kann man sich so etwas noch vorstellen? Wieso binden die uns nicht gleich einen Peilsender um?"

„Wie sind die Uchihas so", fragte Sakura, „ich meine Privat..."

Bevor Taro ihr überhaupt antworten konnte, ging die Tür zum Zimmer auf und Takahashi kam wieder herein. „Haben Sie die Unterlagen bereits unterschrieben?", fuhr sie Sakura an.

„Nein, ich war hiermit beschäftigt", antwortete diese und deutete auf die Medikamente. Im ersten Moment schien es, als wollte Takahashi etwas einwerfen, doch sie entschied sich dagegen. Schließlich sagte sie nur, „bevor sie gehen, möchte ich, dass sie die Formulare unterschreiben. Ich warte unten auf Sie. Den Weg finden Sie doch hoffentlich alleine." Als Takahashi sich von ihr abgewandt hatte, rollte Sakura mit den Augen. ‚Glaubte diese Frau etwa, ich sei nicht in der Lage, durch zwei Türen hindurch zu gehen?'

Sakura wartete bis Takahashi wieder verschwunden war und fragte Taro dann, „wer ist sie eigentlich? Ich meine, was ist ihre Aufgabe?"

„So ganz sicher bin ich mir da auch nicht", antwortete Taro und kratzte sich am Kopf, „sie hat Mal erwähnt, dass sie schon seit gut 30 Jahren für die Uchihas arbeitet. Ich glaube, sie ist so etwas wie die Haushälterin. Sorgt dafür, dass hier im Haus alles rund läuft und kümmert sich um die weiteren Angestellten. Sie ist einer der Gründe, warum ich hier am liebsten wieder weg möchte."

„Wieso gehst du dann nicht?", meinte Sakura, als sie die Tasche wieder zusammen packte, „im Gegensatz zu mir, wirst du hierzu nicht gezwungen."

„Mein Beileid", war das erste, was Taro darauf antwortete. Er schüttelte den Kopf, „sie bezahlen Recht gut und ich bin nirgendwo fest angestellt, das heißt ich brauche das Geld. Für Pfleger ist es im Moment schwer eine Festanstellung zu bekommen. Ich habe schon etliche Bewerbungen an die Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen geschickt und trotz guter Empfehlungen der Familien, für die ich gearbeitet habe, habe ich noch keine Festanstellung bekommen." Er seufzte und Sakura beschlich ein sehr ungutes Gefühl. Möglicherweise erwartete sie ähnliches, falls sie ihren Job verlieren sollte. ‚Es ist fast so, als hätten die Uchihas mich in der Hand. Nein...', in diesem Moment kam ihr ein Gedanke, der so absurd war, dass er schon wieder wahr sein könnte, ‚er hat doch nicht etwa?!' Hatte Sasuke letztlich seine Taktik geändert? Wäre es tatsächlich im Bereich des Möglichen, dass er darum gebeten hatte, dass sie die weitere Überwachung seines Bruders übernahm, nur um ihr eine reinzuwürgen? Es würde zumindest erklären, warum er sich bisher noch nicht bei Tsunade über sie beschwert bzw. darauf gedrängt hatte, dass man sie feuerte. Zudem war es Sakura die ganze Zeit über Recht merkwürdig vorgekommen, dass sie die einzige war, die diese Aufgabe übernehmen musste. ‚Nein', sagte sie zu sich selbst, ‚das ist zu absurd. Er will mich loswerden und nicht, dass ich ständig bei ihm Zuhause auftauche.'

„Ohne, dass ich dich loswerden möchte, aber du solltest langsam wieder nach unten zu gehen. Takahashi wird schnell ungeduldig", Taro riss sie aus ihren Gedanken.

„Danke", sagte Sakura und verschloss den Koffer wieder, „wir sehen uns heute Abend." Nach diesen Worten und mit einem Stapel Papiere verließ sie den Raum und machte sich über die Dienstbotentreppe wieder auf den Weg nach unten in den Gemeinschaftsraum, wo Takahashi am Tisch mit einer Tasse Tee saß und auf sie wartete.

„Haben Sie die Unterlagen alle unterschrieben?", fragte sie und deutete auf die Papiere in Sakuras Hand.

„Nein", antwortete diese, „wenn es Ihnen nichts ausmacht, würde ich mir bis heute Abend gerne die Formulare in Ruhe durchlesen, bevor ich sie unterschreibe. Ich möchte gerne wissen, was genau ich dort unterschreibe."

Takahashi kniff für einen Augenblick die Augen zusammen. „Sie hatte jetzt gerade eine viertel Stunde Zeit, die Dokumente durchzusehen. Ich wusste nicht, dass man heutzutage auch Ärzte mit Leseschwäche einstellt", zischte sie und Sakura musste sich zurückhalten, ihr nicht die Dokumente um die Ohren zu schlagen.

„Ich musste mich halt entscheiden. Entweder Uchiha-sama sorgfältig und entsprechend behandeln oder diese Dokumente zu lesen. Aber da ihre Priorität den Dokumenten gilt, werde ich dies beim nächsten Mal natürlich berücksichtigen", antwortete Sakura mit einem falschen Lächeln. „Bitte entschuldigen Sie mich, ich komme zu spät zu meiner Schicht im Krankenhaus." Innerlich fluchend ging sie an Takahashi vorbei, auf die Tür zu. So eine Frechheit würde sie sich nicht von der Haushälterin bieten lassen. ‚Ist es nicht wunderbar', erklang es sarkastisch in ihrem Kopf, ‚nicht das ich nur all meine Freizeit hierfür opfern muss, nun muss ich mich auch noch mit den Angestellten der Uchihas vergnügen, die auch meinen, sie wären etwas Besseres.' Es wunderte Sakura, dass Takahashi ihr nicht hinterher lief und noch ein paar Beleidigungen an den Kopf warf. Erwartet hätte sie es zumindest. Besonders weil sie von der Familie Uchiha und Anhängseln nichts anderes erwartete.

Eine Stunde später erreichte Sakura dann endlich das Krankenhaus. Dort angekommen, hatte Sakura bereits das Gefühl, dass sie eine Pause brauchte – die ihr jedoch verwehrt wurde. Noch beim Umziehen wurde ihr von einer Schwester mitgeteilt, dass Tsunade sie in ihrem Büro erwartete. Was folgte war ein Statusbereich über den Gesundheitsstand von Uchiha Itachi sowie weitere Anweisungen, die sie zu beachten hatte. Der restliche Tag, bzw. die restliche Schicht im Krankenhaus verlief so, wie Sakura es bereits kannte und auch erwartet hatte. Nun da sie sich nicht mehr allein um Itachi kümmern musste, war sie auch wieder für die Betreuung anderer Patienten zuständig und konnte sich auch wieder viel freier im ganzen Krankenhaus bewegen. Gaara sah sie beim Mittagessen in der Cafeteria, wo dieser ihr kurz lächelnd zunickte. Sakura hatte seine Einladung nicht vergessen und nach ein wenig moralischer Unterstützung von Tenten und Hinata, hatte sie sich auch fest entschlossen, dass sie bei der nächsten Möglichkeit darauf eingehen würde.

Es war letztlich kurz nach sieben, als Sakura das Krankenhaus verließ und sie erneut auf den Weg zum Anwesen der Uchihas machte. Die nächste Stunde im Bus verbrachte sie damit, die Unterlagen durchzusehen, die Takahashi ihr am Morgen gegeben hatte. Eine Verschwiegenheitserklärung. In Ordnung. Ein Zeitplan für die Behandlung von Itachi. Auch in Ordnung. Nummern und E-Mail-Adressen, unter denen sie die Angestellten erreichen konnte. Nützlich. Erklärungen, dass sie selbst keine ansteckenden Krankheiten hatte oder schwanger war. Vollkommen übertrieben und fehl am Platz. Liste mit den Regeln, an die sie sich auf dem Anwesen zu halten hatte. So bescheuert, dass es schon wieder lustig war. Regel Nummer 27. kannte Sakura ja bereits: Möbelstücke, elektronische Geräte, Kunstgegenstände usw. (Ausnahme medizinische Geräte und Möbelstücke) dürfen nicht berührt werden. Je mehr Regeln Sakura las, desto mehr fragte sie sich, was sie überhaupt noch durfte. ‚Atmen darf ich bisher mal noch', schallte es durch ihren Kopf, ‚aber wer weiß, vielleicht wird das auch noch verboten.' Auf der einen Seite gab es Regeln, die vollkommen Sinn ergaben, so bspw. das man anklopfen sollte, bevor man einen Raum betrat. Doch die meisten Regeln waren einfach absolut übertrieben. Sie vermittelten den Eindruck, dass in diesem Haus göttliche Kreaturen wohnten und keine Menschen, die sicherlich genauso Fehler hatte, wie alle anderen Menschen auch. Regel Nummer 14. zum Beispiel: Sollte Ihnen ein Mitglied der Familie Uchiha entgegen kommen, treten Sie auf Seite und machen Sie diesem Familienmitglied den Platz frei. Während dieses Mitglied der Familie Uchiha vorbei geht, verbeugen Sie sich. Sie sprechen nur, wenn Sie von dem Familienmitglied angesprochen werden. Besonders gut war auch Regel Nummer 53: Die Familie Uchiha ist an ihrem Privatleben sowie an allgemeinen Gerüchten und dergleichen nicht interessiert. Erwähnen Sie etwas derartiges nicht in Ihrer Gegenwart. Ab irgendeinem Zeitpunkt wusste Sakura nicht mehr, ob sie über diese Regeln lachen und genervt die Augen verdrehen sollte. Sie entschied sich für letzteres. Anbei war auch ein Dokument, das ihr vorschrieb, wie sie sich zu kleiden hatte. Man erwartete von ihr stets, in einer schwarzen oder dunkelgrauen Hose und einer hellen Bluse zu erscheinen. Ähnlich dessen, wie die anderen Angestellten gekleidet waren. ‚Tss, ich ziehe an, was ich will. Ansonsten könnte ich gleich alle meine Klamotten rauswerfen und mit schwarzen Hosen, weißen Blusen und Krankenhauskleidung ersetzen...'

Mit Erleichterung musste Sakura feststellen, dass sie dieses Mal deutlich leichter auf das Grundstück kam, als noch am Morgen. Sasori und Deidara kamen ihr auf halbem Wege entgegen. Während Deidara ihr nur einen herabwertenden Blick zuwarf, begrüßte Sasori sie mit einem Lächeln. „Takahashi-sama sagte uns, Sie hätten noch Unterlagen einzureichen. Sie ist aktuell außer Haus, deshalb sollten Sie uns die Unterlagen geben." Sakura reichte Sasori die unterschriebenen Dokumente, als sie in dem Gemeinschaftsraum eintrafen. Ohne ein weiteres Wort verschwanden die beiden dann wieder. Zögerlich und nicht wissend, ob da noch Jemand kommen würde, wartete Sakura einen Augenblick in dem Gemeinschaftsraum, bevor sie sich dann eigenständig auf den Weg zu Itachi machte. Sie konnte nicht leugnen, dass sie erleichtert über die Abwesenheit von Takahashi war. ‚Wer weiß, was ich mir sonst hätte anhören müssen!' Vor dem Zimmer angekommen, klopfte sie an die Tür. Sakura konnte bereits draußen auf dem Gang Stimmen im Zimmer wahrnehmen, doch sie kam zu dem Schluss, dass es sicherlich merkwürdig erschien, wenn sie auf dem Gang warten würde, bis die Personen hinauskamen. Sie wollte bereits ein zweites Mal klopfen, als endlich eine junge Frau mit roten Haaren die Tür öffnete. Sie trug kurz lilafarbenen Shorts, eine Bluse mit Schleife und darüber einen merkwürdigen, altmodischen Kittel. Sakura sah sie zum ersten Mal und ihr abschätzender Blick, ließ sie vermuten, dass sie zu den Uchihas gehörte.

Sakura verbeugte sich vor ihr und sagte, „guten Tag, meine Name ist Haruno Sakura. Ich arbeite für das Konoha Central Hospital und soll Uchiha-sama die Medikamente verabreichen."

Die rothaarige zog für einen Augenblick die Augenbrauen hoch und wandte sich ohne ein Wort zu sagen, von ihr ab. Sie ging herüber zum Bett, in dem Itachi lag und flüsterte einen Mann mit langen schwarzen Haaren etwas zu. Sakura, die das Ganze als Erlaubnis betrachtet hatte, betrat das Zimmer und steuerte auf ihren Patienten zu, nur um auf halben Wege dann doch stehen zu bleiben. Die rothaarige und ihr schwarzhaariger Kollege im gleichen Kittel waren nicht die einzigen im Raum. Neben Taro waren auch noch die Uchihas selbst anwesend sowie eine junge Frau mit braunen Haaren. Sakura verbeugte sich erneut vor den Uchihas, so wie es in den Regeln stand und gab dabei keinen Laut von sich. Mikoto nickte ihr kurz zu, was Sakura dahingehend deutete, das sie mit ihrer Arbeit beginnen sollte. Keiner der hier Anwesenden machte einen zufriedenen oder gar glücklichen Eindruck. Natürlich, war die Stimmung sicherlich dadurch gemindert, dass Itachi immer noch im Koma befand, doch Sakura ließ der Gedanke nicht los, dass noch irgendetwas anderes im Argen lag. Sie sollte Recht behalten. Gerade als sie dabei war, die aktuellen Werte zu notieren, erhob Fugaku sich und blickte den Mann, mit den langen schwarzen Haaren, finster an.

„Ich halte diesen ganzen Vorschlag für absoluten Unsinn", raunte er, „Sie können mir in absolut keiner Art und Weise bestätigen, dass ihre Methode zum Erfolg führen wird, Orochimaru."

Orochimaru neigte den Kopf leicht zur Seite und schenkte Fugaku ein kleines Lächeln, „hätten die gewöhnlichen Konzepte angeschlagen, wären wir nun nicht in dieser Position. Karin, bitte reiche mir meine Tasche." Die rothaarige reichte Orochimaru eine kleinen grauen Koffer, ähnlich dem, den Sakura bei sich trug. Orochimaru holte eine Mappe heraus, blätterte in dieser und als er fand, wonach er suchte, reichte er sie Fugaku. „Sie werden sehen, Uchiha-sama, das die bisherigen Testergebnisse alle hervorragend waren."

„Versuche an Tieren", spottete dieser und wedelte mit der Mappe herum, „Tiere, keine Menschen. Sie wissen doch gar nicht, wie ihr Konzept bei Menschen anschlägt."

„Die Ergebnisse sind vielversprechend, Liebling", sagte Mikoto zu ihrem Mann, „es ist einen Versuch wert."

„Nein", donnerte Fugaku und Sakura zuckte zusammen, genauso wie Karin, die Brünette und Taro. Mikoto und Orochimaru hatte hingegen scheinbar nichts anderes erwartet. „Ich mache meinen Sohn nicht zu einem ihrer Testobjekte. Ich werde es nicht zulassen, dass sie eines ihrer Medikamente an ihm testen. Von mir aus machen Sie mit ihren nicht medikamentösen Behandlungen weiter, aber sie werden ihm keinen einzigen Tropfen verabreichen, haben wir uns verstanden?"

„Natürlich, Uchiha-sama", antwortete Orochimaru kühl und ohne einen weiteren Ton von sich zu geben, verließ Fugaku aufgebracht das Zimmer.

„Ich werde mit meinem Mann noch einmal darüber sprechen. Vielleicht überlegt er es sich noch anders", sagte Mikoto an Orochimaru gewandt, „vielen Dank, dass Sie sich die Mühe gemacht haben und zu uns gekommen sind. Das weiß ich wirklich zu schätzen." Sie und die braunhaarige neben ihr, standen auf und folgten dem erbosten Fugaku, ohne ein weiteres Wort zu sagen. Zurück blieben Orochimaru, Karin, Taro und Sakura. Letztere lenkte sich mit Arbeit von der vorausgegangenen, unangenehmen Situation ab. In den ersten zwei Minuten sagte keiner der Anwesenden ein Wort. Karin packte die Tasche, Orochimaru betrachtete nachdenklich Itachi und Taro tat so, als würde er die Geräte überprüfen. Orochimarus Blick, der mittlerweile von Itachi zu Sakura gewandert war sagte, „Sie arbeiten also für das Konoha Central Hospital. Mit Senju Tsunade sind Sie bekannt?"

„Sie ist meine Mentorin", antwortete Sakura und zwang sich selber zu einem Lächeln.

„Tatsächlich?!", entgegnete Orochimaru, als würde er es nicht glauben, „dann richten Sie ihr doch Grüße von mir aus."

„Natürlich", antwortete Sakura und nickte.

„Komm Karin, lass uns gehen", sagte er zu der rothaarigen, und binnen weniger Sekunden waren die beiden verschwunden. Innerlich entfuhr Sakura ein Seufzer. ‚Merkwürdiger Kerl, dieser Orochimaru – genau wie seine Assistentin.'

„Sei froh, dass du nicht die ganze Zeit hier warst", sagte Taro zu ihr. „Dieser Typ ist einfach nur merkwürdig und komisch. Dem wollte ich nicht nachts auf der Straße begegnen." Er lehnte sich entspannt zurück und betrachtete die Decke.

„Wer ist er überhaupt?" Sie hatte nicht den Eindruck gehabt, dass er oder Karin ein Familienmitglied der Uchihas waren, dennoch schienen diese mit ihm vertraut zu sein. Möglicherweise ein Freund der Familie oder der Arzt ihres Vertrauens. Vielleicht auch ein Vertreter von einem Pharmakonzern. Schließlich hatten Fugaku und Orochimaru über ein Medikament oder etwas dergleichen gesprochen. Eines wusste Sakura jedoch bereits in diesem Moment, nämlich das dieser Typ ihr alles andere als sympathisch war. Zwar hatte man ihr beigebracht keine Vorurteile gegenüber Menschen zu haben, die sie nicht kannte, doch in diesem Fall konnte Sakura einfach nicht anders. Da war diese Abneigung gegenüber diesem Mann, die sie einfach nicht rational erklären konnte. Möglicherweise war es einfach eine Art von Bauchgefühl. Orochimaru konnte einfach nichts Gutes verheißen.

„Er ist wohl Arzt, soviel ich bisher erfahren habe", erzählte Taro, „möglicherweise so etwas wie ihr Hausarzt. In der Vergangenheit hat er wohl schon einmal Familienmitglieder behandelt und geht dabei wohl nicht gerade konventionell vor. Ich glaube, deshalb ist Uchiha-sama auch so aufgebracht. Ich habe auch zum ersten Mal von ihm gehört."

Als Sakura einige Minuten später das Zimmer verließ drangen aus dem Erdgeschoss Stimmen zu ihr hoch. Scheinbar versuchte Orochimaru erneut Fugaku von seiner Therapie zu überzeugen. Sie hielt einen Augenblick inne und versuchte zu lauschen, doch in dem Stimmengewirr konnte sie kaum ein richtiges Wort verstehen. ‚Ich sollte besser Tsunade davon berichten', ging es ihr durch den Kopf, ‚sie ist sicherlich interessiert daran, dass sich Jemand in die Behandlung einmischt.' Unten im Gemeinschaftsraum wieder angekommen, zog Sakura sich ihre Jacke an und sah durch das Fenster nach draußen. Für Mitte August war es an diesem Tag recht kalt, zudem hatte die Dämmerung schon vor einer Weile eingesetzt und wenn sie sich nicht beeilen würde, müsste sie die Bushaltestelle im Dunkeln wiederfinden. Sie blickte sich noch einmal um. Es war niemand hier, der sich darum kümmerte, was sie tat. Ein „pah" entfuhr ihr. ‚Auf das Grundstück lassen sie einen nicht so einfach, aber wenn man dann mal drauf ist, ist es ihnen egal was man macht', dachte Sakura sich, als sie das Haus verließ. Die kühle Luft machte sie noch einmal richtig munter.

„Gibt es einen Grund warum du noch so spät über unser Grundstück schleichst, Pinkie?" Sakura war zusammengezuckt, da sie eigentlich erwartet hatte, dass sie hier draußen alleine wäre. Sasuke stand in der Tür zur Garage und beobachtete sie. Das Licht war aus, kein Wunder, dass sie ihn nicht bemerkt hatte. Im Gegensatz zum Morgen trug er keinen Anzug, sondern wieder eine Jeans sowie ein dunkles T-Shirt. Ganz gewöhnlich.

„Ich komme gerade von Ihrem Bruder", antwortete Sakura und wandte sich bereits wieder von ihm ab. Es war das erste Mal, dass Sakura realisierte, dass er sie gerade ‚Pinkie' genannt hatte. Doch sie entschied sich nichts dagegen zu sagen und damit eine weitere Konfrontation zu vermeiden.

„Da habe ich gehofft, dich nie mehr wiedersehen zu müssen, Pinkie, und jetzt muss ich erfahren, dass du demnächst täglich zweimal bei uns aufkreuzen wirst. Kannst du dir vorstellen, wie ich mich dabei fühle?"

„Geehrt?", fragte Sakura provozierend, ihre guten Vorsätze einer weiteren Konfrontation aus dem Weg zu gehen, hatte sie verworfen.

Sasuke entfuhr ein Schnaufen, der sich sehr nach einem Lachen anhörte. „In deinen Träumen, Pinkie", er war mittlerweile auf Sakura zugekommen, so nah, dass sie sein Aftershave riechen konnte. „Hm, was werden wir denn jetzt in dieser Angelegenheit unternehmen?" Seine Stimme klang in diesem Moment dunkel und rau – fast angsteinflößend. ‚Von diesem arroganten, verwöhnten Schnösel werde ich mich sicherlich nicht unterkriegen lassen', ging es Sakura durch den Kopf, was dazu führte, dass sie eine aufrechtere Position einnahm. „Ich weiß nicht, was sie tun werden, aber ich gehe jetzt nach Hause", antwortete sie und wandte sich erneut von ihm ab. Sie ging den Weg zum Eingangstor hinunter, während er ihr folgte. „Gibt es einen Grund, warum Sie mir folgen?", fragte sie ihn schließlich, ohne sich zu ihm umzudrehen.

„Ich wollte nur sichergehen, dass du auch wirklich das Grundstück verlässt. Bei Leuten wie dir, kann man ja nie wissen", antwortete Sasuke mit einem Schulternzucken, während Sakura ein heißer Schauer den Rücken herunter lief.

„Was soll das heißen", sie drehte sich zu ihm um, „Leute wie mir?" ‚Das hat er doch nicht allen Ernstes gerade gesagt, oder?', fuhr es Sakura durch den Kopf, ‚glaubt er wirklich, dass er so viel besser sei, als ich. Glaubt er, dass nur Leute mit viel Geld und guter Herkunft etwas wert sind?' Möglicherweise lag es daran, dass sie aus einer Familie von Bäckern und Konditoren stammte – aus einer Handwerksfamilie, doch es fiel ihr unglaublich schwer nach zu vollziehen, wie Jemand glauben konnte, so viel besser zu sein, als Jemand anders.

„Menschen mit deiner sozialen Herkunft", antwortete er gelassen, als hätte er noch nie in seinem Leben von etwas anderem gesprochen. „Meine Familie hat selbstverständlich Informationen über dich eingeholt. Glaubst du wirklich es würde auch nur irgendjemand auf dieses Grundstück gelangen, ohne eine vorherige Überprüfung. Das einzige Pinkie, was mich wirklich enttäuscht hat, war die Tatsache, dass du keine Vorstrafe hast. Bei deiner Herkunft, hatte ich wirklich darauf gewettet."

Sakura starrte ihn für einen Augenblick an. Sie hatte das Gefühl, als hätte man ihr die Kehle zugeschnürt. „Es tut mir Leid", krächzte sie hervor, „dass ich keine dicke Strafakte habe. Dass ich der Gesellschaft nie negativ aufgefallen bin. Es tut mir so unendlich leid, dass meine Eltern nur Bäcker und Konditorin sind. Und genauso sehr tut es mir leid, dass ich mir alles in meinem Leben hart erarbeiten musste. Das ich nicht auf einem Haufen Geld geboren wurde. Dass die Menschen mir nicht ständig in den Arsch kriechen. Dass ich nicht mit Privilegien geboren wurde, die andere Menschen sich hart erarbeiten müssen oder gar nicht erreichen können. Es tut mir wirklich so furchtbar leid."

Sasuke sah sie für einen Augenblick geschockt an. „Schon gut, ich verzeihe dir", antwortete er ihr dann und schenkte ihr ein falsches Lächeln. Sakura lief rot an und ihre Hände verkrampften sich zu Fäusten. Sie schüttelte kurz den Kopf, als würde sie nicht glauben, dass er dies gerade tatsächlich gesagt hatte. ‚Dieser elendige, arrogante...', die Stimme in ihrem Kopf versagte, denn ihr fehlten schlicht die Worte. ‚Diese verdammte Runde geht an dich', war der erste richtige Gedanke, den sie fassen konnte. Gut eine halbe Minute hatten die beiden dort am Tor gestanden und sich einfach nur schweigend angestarrt.

„Guten Abend noch", sagte Sakura und verließ das Gelände, mit der großen Hoffnung, dass Uchiha Itachi nun bald aufwachen würde.