Das nächste Mal, dass Sakura der Haushälterin der Uchihas, Takahashi Suri, begegnete war an ihrem dritten Tag auf dem Anwesen. Sakura betrat an diesem Morgen den Aufenthaltsraum und das erste was sie hörte, war wie Jemand ihr zubrüllte, dass sie sofort stehen bleiben sollte. Erschrocken folgte Sakura der Anweisung und drehte ihren Kopf zur Seite, nur um eine miesgelaunte Suri am Tisch sitzen zu sehen. Suri stand auf, ging auf Sakura zu und kniete sich vor ihr hin. Nach einem Augenblick gab sie ein „pah" von sich und richtete sich wieder auf. ‚Was um alles in der Welt stimmt mit der denn nicht?'

„Guten Morgen", sagte Sakura leicht irritiert und versuchte zu lächeln, was ihr jedoch auf Grund dieser abtrusen Situation nicht gelang. ‚Was ist ihr Problem mit mir?', raunte die Stimme in ihrem Kopf, ‚ich habe ihr doch gar nichts getan.'

„Sie haben die Regeln und Anordnungen gelesen?", fragte Suri sie und zog eine Augenbraue hoch.

„Ja, das habe ich. Ich habe die unterschriebenen Dokumente Sasori übergeben, wie von Ihnen gewünscht", antwortete Sakura und fühlte sich in ihre Schulzeit zurück versetzt. Zu dieser Zeit hatte sie auch eine Mathematiklehrerin gehabt, die jedes kleinste Vergehen ihrer Schüler, unmittelbar hart bestrafte. ‚Alter Hausdrachen' hatte die Schüler sie damals genannt und Sakura kam nicht um den Gedanken herum, dass dieser Name hier auch sehr zutreffend war.

„Danach habe ich Sie nicht gefragt", zischte Suri, „Ihre Hose ist am Saum schon etwas ausgefärbt."

Sakura sah auf ihre Hose herunter und fragte überrascht, „tatsächlich?"

„Ja, tatsächlich", fuhr Suri sie an und schüttelte den Kopf, „wie können Sie dies nicht bemerkt haben? Laufen Sie immer so schäbig herum? Erlaubt man Ihnen das im Krankenhaus?" Sie wandte sich von Sakura ab und ging herüber zu einer Kommode und schien nach etwas zu suchen. ‚Diese dämliche Kuh. Die Ausfärbung ist so leicht, dass man sie nur bei einem genauen Hinsehen wahrnimmt.' „Ah, da ist ja." Suri kam wieder auf Sakura zu und drückte ihr eine Zeitung in die Hand.

„Was ist damit?", fragte Sakura sie. Dem Datum auf der Zeitung zufolge, war diese drei Tage alt.

„Ich habe diese Zeitung für Sie zurückgelegt. Die Anzeige sollte für Sie interessant sein", Suri deutete auf eine kleine Anzeige auf der linken Seite. Wenn Sakura an diesem Morgen gute Laune gehabt haben sollte, dann war diese in dem Moment verflogen. Sie schaute wiederholt von der Anzeige zu Suri und wieder zurück. ‚Das kann sie doch nicht ernst meinen?' „Das ist eine Anzeige für eine Altkleidersammlung."

„Ja, dort kann man nicht nur alte Kleidung abgeben, sondern auch neue, für wenig Geld erhalten", antwortete Suri in einem Ton, als würde sie mit einem kleinen Kind sprechen.

„Sie haben also schon Erfahrung damit", antwortete Sakura sarkastisch und dachte sich, dass sie am besten direkt zurückschlagen sollte. ‚Wie überheblich muss man sein, dass man Jemanden vorschlägt, sich neue Kleidung in einer Altkleidersammlung zu kaufen? Hier glaubt ja wohl wirklich jeder, dass er besser sei als ich.'

„Ich spende meine gesamte alte Kleidung wohltätigen Zwecken, wenn ich mir neue im Geschäft kaufe", antwortete Suri mit einem hämischen Grinsen. „Sie sollten heute dort vielleicht einmal vorbei gehen. Dort finden Sie sicherlich eine schönere Hose in Ihrer Größe. Was tragen Sie L oder XL?"

Sakura zog die Augenbrauen. ‚Mehr kann man aber auch nicht mehr übertreiben...' „Sie mögen vielleicht eine Größe mit einem X davor benötigen – ich bin jedoch noch weit davon entfernt. Mag aber vielleicht auch daran liegen, dass ich keine Zeit habe mich in aller Ruhe hinzusetzten und ein Tasse Tee zu trinken. Vielleicht auch noch ein Stückchen Kuchen essen... Aber wie gesagt, ich bin sehr beschäftigt und muss jetzt auch Uchiha-sama behandeln. Es wäre schön, wenn Sie mich nicht von meiner Arbeit abhalten würden." Suri starrte sie ungläubig an und Sakura nutzte den Moment, um an ihr vorbei zu huschen und sich auf dem Weg hoch zu Itachis Zimmer zu machen. ‚So etwas hätte ich schon bei unserer ersten Begegnung sagen sollen. Aber sie hat es ja darauf angelegt...'

„Ach, kümmere dich nicht um sie", sagte Taro einige Minuten später zu ihr, nachdem sie ihm von dem Vorfall erzählt hatte, „mich hat sie letzten angefahren, weil mein Oberteil beim Waschen von Itachi nass geworden ist. Die Frau hat irgendwelche Komplexe." Er lehnte sich locker zurück gegen die Wand und starrte für einen Augenblick aus dem Fenster. „Ich habe übrigens total vergessen, dir gestern zu sagen, dass dieser Orochimaru-Typ wieder da war."

„Tatsächlich?", fragte Sakura ihn. Sie hatte Tsunade von ihm berichtet und diese war alles andere als begeistert gewesen. Sie erzählte Sakura, dass Orochimaru einst ein Kollege von ihr gewesen sei und man ihn herausgeworfen hatte, weil er in irgendwelche illegalen Aktivitäten verwickelt war. Was es genau war, konnte oder wollte Tsunade ihr nicht sagen. Letztlich beauftragte sie Sakura nur, möglicst alles darüber in Erfahrung zu bringen.

„Er hat ihn behandelt", meinte Taro, „also wenn man das wirklich behandeln nennen kann. Siehst du dieses merkwürdige Beutelchen dort am Bettpfosten? Er hat es dahingehangen und gesagt, niemand dürfe es entfernen. Ich habe keine Ahnung was da drin ist, aber es geht ein wirklich merkwürdiger Geruch davon aus." Taro stupste das kleine lilafarbene Beutelchen an und beobachtete für einen Moment, wie es hin und her schwank. „Zudem hat er noch so eine Art Akupunktur durchgeführt. Den armen Itachi, überall Nadeln reingehauen. Ich hatte ja schon überlegt ein Foto davon zu machen, aber ich glaube, das wäre zu auffällig gewesen."

„Wenn du das hinbekommen würdest, würde mir das sehr helfen. Meine Mentorin traut ihm nämlich nicht...", sagte Sakura und schenkte Taro ein kurzes Lächeln. „Sonst irgendwelche Neuigkeiten?"

„Mh, lass mich einen Moment überlegen", Taro kratzte sich am Kopf, „nun seine Mutter verbringt die meiste Zeit des Tages an seinem Bett und hält seine Hand. Und gestern, nachdem du gegangen warst, kam noch diese Frau wieder. Du hast sie vorgestern bereits gesehen. Braune Haare, sehr ruhig – meist an der Seite von seiner Mutter. Sie hat bis Mitternacht an dem Bett gesessen und geweint, aber kein einziges Wort von sich gegeben. Ich bin jetzt auch nicht so genau über die Familienverhältnisse informiert, aber sie scheint entweder eine Verwandte oder seine Freundin zu sein..."

Gut zehn Minuten später hatte Sakura ihre Pflicht erfüllt und verabschiedete sich von Taro. Für einen kurzen Augenblick hatte sie sogar die Auseinandersetzung mit Suri vergessen. ‚Vielleicht sollte ich hier morgen einmal im Minirock und Top auftauchen. Mal sehen, was sie dann sagt.' Mit einem leichten Grinsen auf dem Gesicht betrat Sakura den Gemeinschaftsraum, wo neben Suri auch Deidara und eine Frau mit blauen, kurzen Haaren auf sie warteten. Etwas irritiert verlangsamte Sakura ihren Gang und sah die drei an.

„Bis heute Abend", sagte sie und ging zu Tür, allein weil niemand von ihnen etwas sagte. Die blauhaarige versperrte ihr den Weg.

„Miss Haruno", sagte Suri ganz langsam und innerlich stöhnte Sakura auf. ‚Natürlich musste das Ganze noch ein Nachspiel haben. Wie hätte es denn sonst sein können?' „Bitte stellen Sie ihre Taschen auf dem Tisch ab."

Sakura blickte herunter auf den Koffer, mit den Medikamenten und auf ihre eigene Handtasche, mit ihren persönlichen Habseligkeiten. „Wieso?"

„Stellen Sie die Taschen ab", raunte Deidara sie an.

„Erst möchte ich wissen, wieso? Ich bin nämlich nicht befugt, diesen Koffer an Jemand anderes zu übergeben..."

„Sie stehlen", schnaufte Suri sie an und ein leichtes Grinsen spiegelte sich auf ihrem Gesicht. ‚Nein, das ist ein schlechter Scherz', fuhr es Sakura durch den Kopf, ‚sie zahlt es mir insofern heim, als dass sie behauptet, ich würde klauen.' In diesem Moment hatte sie das Gefühl auf verlorenem Posten zu stehen.

„Ich stehle nicht", antwortete Sakura und schüttelte den Kopf, „das habe ich nun wirklich nicht nötig."

„Dann sagen Sie mir, wo diese kleine, wertvolle Figur ist, die oben im Flur auf der Kommode stand..."

„Woher soll ich das wissen? Für Ihre dämlichen kleinen Spielchen habe ich keine Zeit", Sakura wollte sich an der blauhaarigen vorbeidrängen, doch Deidara griff nach ihrem Arm und zog sie unsanft zurück.

„Stellen Sie Ihre Taschen auf den Tisch, damit wir sie durchsuchen können", sagte er und zog bereits an dem Griff ihrer Handtasche. Sakura die das Gefühl hatte, keine andere Wahl zu haben, ließ nach und stellte ihre beiden Taschen auf den Tisch. Deidara und die blauhaarige durchsuchten unmittelbar ihre Taschen, sahen in jedes kleines Fach und nach gut zwei Minuten sagte die blauhaarige an Suri gewandt, „die Taschen sind in Ordnung."

Das leichte Grinsen auf Suris Gesicht war noch nicht verschwunden und Sakura war sich bewusst, dass da wahrscheinlich noch mehr kommen würde. „Nun diese kleine Figur ist bereits seit gestern verschwunden. Es war absehbar, dass Sie sie nicht mehr bei sich tragen würde. Konan", sie wandte sich an die blauhaarige, „durchsuch Sie. Möglicherweise hat sie heute erneut irgendetwas mitgehen lassen."

„Das ist doch ein verdammt schlechter Scherz", raunte Sakura, „was erlauben Sie sich eigentlich?"

Konan zog Sakura zur Wand, so dass diese mit dem Rücken zu den dreien stand. „Hände an die Wand und Beine auseinander. Seien Sie froh, dass Sie von einer Frau durchsucht werden", meinte Konan trocken zu ihr. ‚So unglaublich froh', ertönte es sarkastisch in Sakuras Kopf. Konan war gerade dabei ihre Hosentaschen abzutasten, als Jemand sagte, „was geht denn hier vor sich?" Die Köpfe der vier wandten sich zum Flur, wo Mikoto mit einer leeren Teekanne in der Hand stand. Ihr Blick haftete auf Sakura und Konan.

„Uchiha-sama, diese Frau", Suri deutete auf Sakura, „wir müssen davon ausgehen, dass Sie Sie bestohlen hat."

„Bestohlen?", Mikoto zog die Augenbrauen hoch und blickte Sakura an. „Ist das wahr?"

„Ich habe nichts gestohlen", antworte die angesprochene direkt. „Das würde ich nie tun."

„Worum genau geht es denn?"

„Um die goldverzierte Figur, die oben im Flur auf der Kommode steht. Sie ist seit gestern nicht mehr da", antwortete Suri, „und wir haben den starken Verdacht, dass diese Frau sie gestohlen hat."

„Du sprichst von der Kommode direkt neben Itachis Zimmertür, nicht wahr?", Mikoto blickte Suri fragend an, was diese bejahte. „Nun dieses Rätsel können wir doch sehr schnell lösen... Folgt mir."

Etwas irritiert über die Reaktion der Hausherrin, folgten Suri, Deidara, Konan und Sakura Mikoto durch den Flur. Die fünf gingen hinunter in den Keller des Hauses, wo Mikoto an eine stählerne Tür klopfte. „Kisame, bitte lass uns herein."

Es dauerte einen Moment, dann öffnete sich die Tür. Vor ihnen stand ein großer Mann, mit ebenfalls blauen Haaren, der die anwesend genervt ansah. Er trat zur Seite und ließ die fünf in sein Büro, wo er sich wieder an seinen Schreibtisch setzte, ohne ein einziges Wort zu sagen. Sakura sah sich in dem Raum um. Es schien so eine Art Kommandozentrale zu sein. Eine ganze Wand war voll mit Bildschirmen, die die Bilder der gesamten Überwachungskameras zeigten. Auf der anderen Seite standen zwei Schreibtische mit Computer und jeweils zwei Bildschirmen. Ein Fenster nach draußen gab es nicht und auch ansonsten wirkte der Raum ziemlich karg.

„Könntest du bitte die Bilder der Überwachungskamera vor Itachis Zimmer aufrufen. Gestern muss wohl eine Figur auf der Kommode neben der Tür entwendet worden sein. Wir möchten gerne herausfinden, wer dafür verantwortlich ist." Kisame tippte etwas in seinen Computer und deutete auf einen der Bildschirme.

„Da Miss Haruno dessen bezichtigt wird, sollten wir am besten mit Ihrem Besuch am Morgen anfangen", wies Mikoto Kisame an, der sofort die Bilder aufrief. Auf dem Überwachungsvideo konnte man sehen, wie Sakura in das Blickfeld der Kamera kam und an die Tür klopfte. Die Figur, von der die ganze Zeit über die Rede war, stand noch auf der Kommode. Kisame spulte das Video vor, bis zu dem Moment, in dem Sakura wieder aus dem Zimmer kam. Sie ging an der Kommode vorbei und nicht geschah. Sakura gab ein Schnaufen von sich.

„Noch ist Ihr Arsch nicht gerettet", flüsterte Deidara leise zu ihr.

„Und nun spul vor, bis zu dem Zeitpunkt, an dem Miss Haruno wieder kommt", sagte Mikoto. Kisame begann das Video vorzuspulen und brach dann plötzlich ab. Die Figur auf der Kommode war verschwunden, der Zeitstempel zeigte fünf Uhr an. ‚Zum Glück. Da ist der Beweis, dass ich es nicht gewesen bin.'

„Da ist sie nun also weg", sagte Mikoto und betrachtete für einen Augenblick das Bild, „spul das Video zurück, bis die Figur wieder da ist." Das Video zeigte nun einen Zeitstempel von ca. halb fünf am Nachmittag. ‚Mal sehen wer es gewesen ist?', dachte Sakura sich, ‚möglicherweise Orochimaru oder seine Assistentin Karin. Oder Suri. Das wäre zumindest eine sehr zufriedenstellende Lösung.'

„Da kommt Jemand", sagte Konan und Kisame begann das Video in normaler Geschwindigkeit abzuspielen. Eine Person erschien auf dem Video. Von der Statur her war es ein Mann, der wiederholt vor der Zimmertür auf und ab ging. Es dauerte eine Minute, bis er sich soweit der Kamera zuwandte, dass man sein Gesicht erkennen konnte. Sasuke lehnte sich gegen das Stück freie Wand zwischen der Zimmertür und der Kommode. Er schien in Gedanken zu sein. Dann nahm er plötzlich die Figur in die Hand, wandte sich ab und verschwand aus dem Bild. ‚Und das alles wegen diesem dämlichen, arroganten Arsch...'

Mikoto entfuhr ein Seufzer, „Kisame, spul bitte noch einmal vor, bis zu dem Zeitpunkt, an den Miss Haruno zurückkehrt." Kisame tat wie ihm aufgetragen wurde und die Figur tauchte auf der Kommode nicht wieder auf. „Miss Haruno, ich möchte mich bei Ihnen für die Unannehmlichkeiten entschuldigen. Es tut mir wirklich furchtbar Leid, dass man Sie hier zu Unrecht beschuldigt hat und dass Sie dies alles über sich ergehen lassen mussten." Mikoto warf im Folgenden Suri, Deidara und Konan einen vielsagenden Blick zu, worauf die drei sich verneigten. „Wir bitten um Verzeihung..." Es war ein Sieg mit bitterem Beigeschmack.

Sakura sagte darauf nichts, sondern wandte sich von den Beteiligten ab und ging zur Tür. „Entschuldigen Sie mich, aber ich muss versuchen meine Verspätung so gering wie möglich zu halten." Sie verließ den Raum und kehrte über die Treppe hoch ins Erdgeschoss zurück.

„Deidara", Mikoto wandte sich an ihren Mitarbeiter, „sei so freundlich und fahre Miss Haruno zum Krankenhaus. Soviel ich weiß, kommt Sie für gewöhnlich ja mit dem Bus – vielleicht schafft Sie es ja so noch pünktlich."

„Entschuldigen Sie, Uchiha-sama", wandte Deidara ein, „aber ich soll jetzt gleich auch Ihren Sohn zur Firma fahren."

„Das kannst du danach auch noch machen. Ich müsste sowieso noch mit ihm sprechen", Mikoto gab einen Seufzer von sich. Deidara tat wie ihm aufgetragen und schaffte es Sakura draußen vor der Tür einzuholen.

„Warten Sie, ich fahre Sie zum Krankenhaus", sagte er widerwillig zu Sakura, die ihn überrascht ansah.

„Schon gut, keine Umstände", antwortete diese und wollte bereits weitergehen, doch Deidara hielt sie – ausnahmsweise sanft – zurück.

„Bitte, nehmen Sie dieses Angebot an. Uchiha-sama bat mich darum – sie möchte das von vorhin wieder gutmachen", erklärte Deidara. „Bitte warten Sie hier, während ich den Wagen hole." Immer noch leicht überrascht, über diese nette Geste, stimmte Sakura zu. Es wäre auch einmal schön, nicht den Bus nehmen zu müssen und darüber hinaus würde sie die Strecke wahrscheinlich in der Hälfte der Zeit oder weniger schaffen. Deidara fuhr einen dunklen, eleganten Wagen aus der Garage und stellte diesen in der Einfahrt ab. Er stieg aus, nahm Sakura den Koffer ab und öffnete ihr die Tür. ‚An so einen Service könnte ich mich gewöhnen', erklang es in ihrem Kopf.

Deidara öffnete kurz die Fahrertür und beugte sich in den Wagen, „ich bin sofort wieder da. Ich muss nur kurz im Haus etwas holen." Nach diesen Worten schloss er die Tür wieder und Sakura beobachtete, wie er wieder zurück zum Dienstboteneingang ging. Sie nahm währenddessen ihr Smartphone aus der Tasche und begann eine Nachricht an Tenten und Hinata zu schreiben, als sich erneut eine Tür öffnete. Sakura die im ersten Moment noch geglaubt hatte, es würde sich um Deidara handeln, der zurückgekommen war, musste mit Erschrecken feststellen, dass dem nicht so war. Die Person stieg ein und warf eine Mappe auf sie.

„Hey", entfuhr es Sakura.

Irritiert und zugleich überrascht wandte Sasuke sich ihr zu. „Was machst du in meinem Wagen, Pinkie?"

„Ich werde zum Krankenhaus gefahren", antwortete diese trocken. Sie hatte in dieser kurzen Zeit nicht vergessen, dass er für dieses ganze Chaos verantwortlich war. ‚Dämlicher Idiot...'

„Zum Krankenhaus gefahren", wiederholte er und schnaufte, „ich weiß nicht wie du auf diese bescheuerte Idee kommst, Pinkie."

„Ich denke, es ist eine Art Wiedergutmachung von Ihrer Mutter", antwortete Sakura und dachte sich, dass Angriff möglicherweise die beste Verteidigung sei, „Ihre Angestellten haben mich nämlich des Diebstahles bezichtigt." Sie beobachtete genau seine Reaktion und er schien darüber nicht überrascht zu sein. ‚Mich würde es wirklich nicht wundern, wenn er die ganze Sache geplant hätte...' „Man hat behauptet, ich hätte eine kleine Figur, die auf einer Kommode oben im Flur steht – stand, gestohlen. Glücklicherweise konnte sich die ganze Situation mit Hilfe Ihrer Mutter aufklären."

„Tja, da hast doch aber noch einmal Glück gehabt, Pinkie", antwortete er und zuckte mit den Schultern.

„Es wäre schön, wenn Sie aufhören würden, mich Pinkie zu nennen."

„Kein Interesse, Pinkie."

„Wie wäre es dann, wenn ich Ihnen auch einen Spitznamen gebe", meinte Sakura und lächelte ihn an, „Auge um Auge."

„Schön, was wäre denn ihr Spitzname für mich? Irgendetwas Gang-mäßiges wäre schön, so einer mit dem man sich auch auf der Straße blicken lassen kann", er machte ein paar Handzeichen, wie die von Rappern.

„Oh verstehe, jetzt machen wir uns wieder über die kleine Haruno lustig, weil sie nicht aus gutem Hause kommt. Ich glaube, Ihre Mutter ist eine sehr nette Frau und ich weiß nicht, ob es Ihre Schuld ist, aber Ihre Erziehung ist ja mal total danebengegangen", meinte Sakura locker. ‚Und wieder lasse ich mich von diesem Kerl provozieren... Seine überhebliche Art, treibt mich noch in den Wahnsinn.' Sasuke war ihr mittlerweile so nah gekommen, dass sie sein Aftershave in vollen Zügen riechen konnte und seinen Atem auf ihrer Haut spürte. Sakura war klar, dass er nur mit ihr spielte und dass er sie mit dieser Geste nur einschüchtern wollte. Vielleicht sollte sie mitspielen? „Was haben Sie vor?", fragte Sakura ihn mit einem leichten Grinsen auf ihrem Gesicht, „wollen Sie mich küssen?"

Sasuke schreckte zurück und Sakura konnte ein kichern nicht unterlassen. Er gab ein „tss" von sich und wandte sich von ihr ab, in dem er aus dem Fenster auf seiner Seite schaute. „Wieso sollte ich Jemanden wie dich küssen wollen? Hast du mal in den Spiegel geschaut? Diese pinken Haare sind doch eine wahre Zumutung, genau wie diese breite Stirn. Man kann sicherlich viel über dich sagen, aber hübsch bist du nicht. Oder liebenswert", fügte er schließlich noch hinzu. Sakura antwortete darauf nicht. Einerseits hatte sie zwar genau so etwas erwartet, auf der anderen Seite hingegen, schmerzte es schon, sich derartiges anhören zu müssen. Ob er ein arroganter, dämlicher Arsch war oder nicht. Sakura hatte nie geglaubt, dass sie einen Schönheitswettbewerb gewinnen würde, doch hatte sie sich selbst immer für recht hübsch gehalten. Scheinbar sah man dies in den besseren Kreisen nicht so.

Die Fahrertür öffnete sich und Deidara stieg ein. Er warf beim Anschnallen einen Blick in den Rückspiegel und hielt irritiert inne. „Uchiha-sama, was machen Sie denn hier?"

„Sollte die Frage nicht eher lauten, was macht sie hier?", raunte Sasuke und deutete auf Sakura.

„Ihre Mutter ist auf der Suche nach Ihnen", sagte Deidara, „Sie sagte, ich solle Sie fahren, nachdem ich Miss Haruno zum Krankenhaus gebracht habe. Ihre Mutter wollte gerne mit Ihnen über etwas sprechen."

„Hm", antwortete Sasuke und sein Blick fiel auf Sakura, die über das ganze Gesicht grinste. „Was ist?"

„Nichts, Uchiha-sama", antwortete diese süßlich. Sasuke warf ihr noch einen verachtenden Blick zu, bevor er dann ausstieg. Während Deidara den Motor startete, beobachtete Sakura wie Sasuke zurück zum Eingang stampfte. An der Tür drehte er sich noch einmal zum Wagen um und wie ertappt, wandte Sakura sich schnell ab und sah in die entgegengesetzte Richtung. ‚Ich bin ein Idiot. Die Scheiben sind getönt, er kann mich gar nicht sehen.'

Allein Dank der Tatsache, dass Deidara Sakura zum Krankenhaus fuhr, kam diese pünktlich zu ihrer Schicht. Sie wollte sich gar nicht ausmalen, wie Tsunade reagiert hätte, wenn sie zu spät gekommen wäre. Weitergehend entschied sie sich, dass sie Tsunade nichts von dem Vorfall erzählen würde. Möglicherweise würde Tsunade ihr am Ende noch die Schuld für die ganze Misere geben. Die Schicht im Krankenhaus verlief für Sakura, wie viele ihrer anderen Schichten auch – so war ihr Arbeitstag eigentlich überhaupt nicht ungewöhnlich. Doch das Wissen, am Abend wieder zurück zum Anwesen der Uchiha zu müssen, minderte ihre Laune sehr. Was wenn heute Abend wieder etwas vorfallen würde? Was wenn sie sie dieses Mal etwas anderes bezichtigen würden? ‚Ich hasse diesen Job.'

Als sie am Abend zurück auf das Anwesen kehrte und den Gemeinschaftsraum betrat, war dort niemand, was in Sakura eine gewisse Erleichterung auslöste. ‚Möglicherweise hat Uchiha-sama den Angestellten noch eine Ansage gemacht, dass sie mich ab sofort besser behandeln sollen. Wünschen würde ich es mir zumindest...' Sakura war gerade dabei die Treppe hochzugehen, als im ersten Stockwerk die Tür aufging. Karin betrat das Treppenhaus, dieses Mal trug sie keinen altmodischen Kittel. Sie blieb auf dem Treppenabsatz stehen und beobachtete wie Sakura die Treppe hochstieg.

„Guten Abend", sagte Sakura, als sie das Ende der Treppe fast erreicht hatte. Karin antwortete nicht. Stattdessen packte sie Sakura am Arm und drängte sie gegen die Wand, als diese oben bei ihr ankam.

„Hey, was soll das? Lassen Sie mich los!"

„Hör mir genau zu, denn ich werde dies nur einmal sagen", raunte Karin in ihr Ohr, „halte dich fern von Sasuke-kun. Du bist eh nicht gut genug für ihn und wirst ihm nie das geben können, was er will."

Sakuras Augen weiteten sich. Glaubte Karin etwa, dass Sakura auf ihn stand. Von allen Männern in dieser Stadt, sollte es er sein? Das war absurd. Sakura war sich einer Tatsache bewusst, dass sie in keiner Art und Weise an einer romantischen Beziehung mit diesem Typen interessiert war und er mit Sicherheit auch nicht an ihr. ‚Das ist doch absurd. Wie kommt sie denn überhaupt darauf?' „Ich habe keinerlei Interesse an ihm... zudem weiß ich nicht, wie Sie überhaupt darauf kommen?"

„Spiel nicht die Dumme", zischte Karin und ließ sie endlich los, „ich habe euch beide doch miteinander gesehen."

„Miteinander gesehen?", wiederholte Sakura und wunderte sich, wann dies gewesen sein soll. ‚Möglicherweise an meinem ersten Abend hier...' „Ich weiß nicht, was Sie gesehen haben, doch Sie haben einen falschen Eindruck gewonnen. Ich bin nicht an Uchiha-sama interessiert – vielmehr das Gegenteil eigentlich. Ich glaube, ich hatte bisher keine einzige Begegnung mit ihm, in der er mich nicht beleidigt hat. Sie brauchen sich wirklich keine Sorgen darüber zu machen."

„Wer weiß", Karin zuckte mit den Schultern, „vielleicht stehen Sie ja auf so etwas. Die Leute stehen auf die merkwürdigsten Dinge. Aber auch egal. Nehmen Sie dies als eine Warnung. Denn wir wissen doch alle, das Unfälle manchmal geschehen."

„Unfälle geschehen manchmal?", wiederholte Sakura ungläubig, „wollen Sie mir drohen?"

„Nein, das ist nur eine allgemeine Weisheit", meinte sie und wandte sich von Sakura ab. Ohne dass einer von ihnen beiden ein weiteres Wort sagte, ging Karin die Treppe herunter und verschwand. Sakura hingegen brauchte noch einen Moment, um dies zu verarbeiten. Hatte diese dämliche Kuh ihr gerade tatsächlich gedroht? Wegen diesem arroganten Arsch, der versuchte ihr das Leben schwer zu machen? ‚Oh bitte, die beiden sind doch wirklich für einander geschaffen. Schrecklich und Schrecklicher. Wie kann man nur auf so einen Typen stehen? Das geht doch gegen alle Vernunft!' Sakura musste sich kurz schütteln. Dieser Gedanke, dass sie sich auf Sasuke einlassen würde, erschien ihr so abwegig – allein deshalb schon, weil er sie auch nicht ausstehen konnte. Seine Worte vom Morgen kamen Sakura wieder in Erinnerung. Er hatte sie als hässlich bezeichnet. Das er ihr nicht empfohlen hatte, nie wieder in die Öffentlichkeit zu gehen lag sicherlich daran, dass er in jenem Moment einfach nicht daran gedacht hatte. Zumindest würde Sakura ihm so ein Statement zutrauen. Alles was sie in diesem Moment hoffte, war das Itachi bald aufwachen würde. Wie hatte sie sich doch getäuscht: Es war nicht der zusätzliche Zeitaufwand, der diese Aufgabe so erschöpfend machte.