Krankenhäuser waren kein guter Ort zum Schlafen. Zum einen war es nie wirklich dunkel, von irgendwoher drang immer Licht, egal ob von draußen oder drinnen. Zudem war es laut, entweder auf Grund der medizinischen Geräte die sich mit im Zimmer befanden oder durch die Geräuschkulissen, die vom Flur – von außerhalb des Zimmers – zu einem drang. Im schlimmsten Fall hatte man dann auch noch einen schnarchenden Zimmergenossen. Eine gewisse Unruhe umgab einen, die man tagsüber vielleicht gar nicht so wahrnahm. Sakura machte all dies jedoch nichts. Sie kannte es bereits, ein Nickerchen im Pausenraum zu machen und wenn man den Stress der letzten Wochen bedachte, so konnte sie gar nicht anders, als ruhig und friedlich zu Schlafen. Jedoch wurde ihr Schlaf am folgenden Morgen unschön unterbrochen, als Jemand mit viel Kraft die Tür aufstieß und in ihr Zimmer stampfte.

„Was ist los?", nuschelte Sakura vor sich hin. Sie hatte noch mit der Bettdecke zu kämpfen, bevor sie sich aufrichten konnte, doch dieser Kampf wurde ihr genommen, als Jemand die Bettdecke von ihr riss.

„Na guten Morgen", schrie Jemand sie an, „hat die Prinzessin gut geschlafen?"

Sakura raffte sich auf und sah in das wutverzerrte Gesicht von Tsunade. Diese warf ihre Bettdecke zu Boden marschierte zum Bettenende, nur um dort Umschläge aus ihrem Kittel zu wühlen, die sie dann nach Sakura warf.

„Was ist das?", fragte Sakura sie. ‚Shannaro, sie ist immer noch verdammt schlecht gelaunt!'

„Deine Aktion hat uns eine Menge Schwierigkeiten gebracht", raunte Tsunade und verschränkte die Arme, „verdammt viele Schwierigkeiten. Doch dass das Konsequenzen haben wird, war dir ja sicherlich bewusst."

„Was für Konsequenzen?", fragte sie und griff nach den Umschlägen. Sakuras Magen drehte sich auf links.

„Du bist gefeuert", antwortete Tsunade nüchtern, fast so, als wäre es ihr egal, „fristlos. Du kannst aufstehen und deine Sachen packen. Ich will dich hier nie mehr sehen..."

„Aber... aber", stammelte Sakura und sah ihre Mentorin flehend an. ‚Das kann sie doch nicht machen. Ich habe doch nichts falsch gemacht...'

„Kein aber. Ich habe das mit der Krankenhausleitung abgesprochen und nach deiner Abmahnung am Anfang der Woche... Das hätte dir ja wohl klar sein müssen. Hast du wirklich geglaubt, diese Aktion bringt dich irgendwie weiter?"

Ungläubig sah Sakura von den Umschlägen zu Tsunade und wieder zurück. ‚Das ist doch alles nur ein Albtraum. Das passiert doch nicht wirklich. Oder?' „Ich habe nichts falsch gemacht. Du kannst mich nicht dafür feuern, dass ich einen Schwächeanfall hatte."

„Du bist Ärztin. Du musst auch in der Lage sein, für dich selber zu sorgen..."

„Wie denn?", schrie Sakura auf, „wie denn? Ich habe in den letzten vier Wochen jeden Tag gearbeitet. Immer den ganzen Tag, von früh morgens bis spät abends. Wie soll ich mich denn bei maximal sechs Stunden Schlaf pro Nacht erholen? Sag es mir?"

„Dann würde ich sagen, dass du nicht geeignet bist, Ärztin zu werden", antwortete Tsunade ruhig und gelassen, „von meiner Seite aus war es das. Das andere sind deine Entlassungspapiere. Steh auf, zieh dich an, pack deine Sachen und komm nicht mehr wieder." Mit diesen Worten verließ Tsunade das Zimmer und Sakura konnte nicht aufhören auf die Umschläge in ihrer Hand zu starren. Sie brauchte eine ganze Weile um zu realisieren, was hier gerade geschehen war. Man hatte sie gefeuert, fristlos. Das wovor sie die letzten Wochen so Angst gehabt hatte, war nunmehr eingetreten. ‚Er hat es geschafft', kam ihr in den Sinn, ‚nein vielmehr sie haben es geschafft. Die ganze verdammte Familie Uchiha hat es geschafft, mein Leben zu ruinieren...' Was im Weiteren folgte, war eine Reihe von zahlreichen Flüchen die Sakura innerlich ausstieß. Die nächste halbe Stunde saß sie nur auf ihrem Bett und verarbeitete die Nachricht, die sie gerade bekommen hatte. Sie fühlte sich allein gelassen und hilflos – fast wie ein kleines Kind. Sie suchte nach ihrem Smartphone um ihre Eltern, Hinata oder Tenten anzurufen, doch sie konnte es nicht finden. ‚Ein Problem mehr...' Tränen rannten ihre Wangen hinunter. Wo hatte sie nur so falsch gelegen, dass alles gerade wie ein Kartenhaus vor ihr zusammenbrach? Sakura fächelte sich mit den Umschlägen etwas Luft ins Gesicht, um ihre Tränen zu trocknen. Das letzte was sie aktuell noch brauchte, war das Jemand hier sah, wie sie weinte. Wer weiß welchen Ruf sie dann hätte: Kleine, weinerliche, nutzlose und inkompetente Assistenzärztin. Was über sie hineinstürzte waren eine ganze Reihe von Selbstzweifeln und Vorwürfen, die einfach kein Ende finden wollte. Sicherlich das letzte was Sakura in diesem Moment brauchte, aber das Einzige was da war.

Die Tür ging auf und Sakura zuckte zusammen. Innerlich flehte sie, dass es bitte nicht Tsunade sei, die gerade herein kam. Mit einer gewissen Erleichterung musste Sakura feststellen, dass es sich dabei um Shizune handelte. „Du bist also noch da", stellte diese fest.

„Schon gut, schon gut", Sakura stand auf und griff nach ihrer Kleidung, „ich gehe schon. Kein Grund das Sicherheitspersonal zu rufen."

Shizune vermied es sie anzusehen und sagte, „es tut mir Leid, Sakura. Ich habe versucht mit Tsunade darüber zu sprechen, aber sie lässt sich nicht umstimmen."

„Das habe ich mir schon gedacht", schnaufte Sakura, „das wirklich Schlimme an der ganzen Sache ist nur, das ich nicht weiß, was ich falsch gemacht habe, wenn man einmal davon absieht, dass ich mich ein wenig mit einem Uchiha gestritten habe." Shizune schwieg und Sakura konnte es verstehen. Was sollte man denn darauf sagen?

„Du hast das Folgende nicht von mir erfahren", sagte Shizune dann nach einer Weile, „aber im Konoha West wird aktuell Jemand gesucht. Vielleicht solltest du dort einmal anfragen. Ich wünsche dir alles Gute für die Zukunft, Sakura." Shizune schenkte ihr ein kleines Lächeln und als sie gerade das Zimmer verlassen wollte, sagte Sakura, „Shizune, ich danke dir. Für alles was du in der ganzen Zeit für mich getan hast."

„Keine Ursache", antwortete diese und verschwand endgültig.

Sakura zog sich an und stopfte alle Habseligkeiten, inklusive der zwei Umschläge, in ihre Sporttasche. Das war es dann also. Sie würde noch zu ihrem Spinnt in der Umkleide gehen, dort die restlichen Sachen einpacken und dann für immer gehen. Es war so surreal für sie. Ein Teil in ihr sagte ihr stets, sie solle sich beruhigen und bald würde sie schon wieder durch die Gänge laufen, so wie sie es gewohnt war. Doch das war nur Wunschdenken. Sie würde nicht zurückkehren – wahrscheinlich nie wieder. ‚Würde dies nun ein Spießrutenlaufen?', fragte Sakura sich, als sie die Tür öffnete, ‚wissen die anderen bereits, dass ich gefeuert wurde?' Sie trat hinaus auf den Gang und stellte mit einer gewissen Erleichterung fest, dass niemand Bekanntes in Sichtweite war. Sakura dachte daran, auf die anderen zuzugehen, sich bei ihnen zu verabschieden, doch wenn sie ehrlich war, hatte sie dazu keine Lust. ‚Es würden nur eine Menge von Fragen gestellt und ich möchte keine davon beantworten.'

Sakura hatte gerade ihren Spinnt ausgeräumt und versuchte verzweifelt ihre überladene Sporttasche zu schließen, als Jemand die Umkleide betrat. Sie beachtete die Person nicht und hoffte einfach nur, dass es nicht Tsunade sei, die sich gleich noch über sie lustig machen würde. ‚Dämliche Kuh... als würden nicht alle im Krankenhaus wissen, dass sie gerne mal zu tief ins Glas blickt!' Sakura schnaufte.

„Benötigst du Hilfe?", fragte die Person und Sakura blickte erschrocken auf. ‚Er? Was macht er denn hier?'

Gaara stand in der Tür und beobachtete sie. „Möglicherweise ist die Tasche zu voll...", meinte er und schenkte ihr ein Lächeln.

„Möglicherweise, aber ich möchte halt kein zweites Mal wiederkommen müssen", antwortete Sakura und mit sehr viel Kraft schaffte sie es endlich, die Tasche zu schließen.

„Wohin geht die Reise denn?", fragte Gaara sie, was dazu führte das Sakura erstarrte. Wusste er es nicht? Oder tat er einfach nur so, als würde er es nicht wissen? Sie musterte ihn für einen Augenblick und kam dann zu dem Entschluss, dass er es wohl wirklich nicht wusste. ‚Mein Glück. Dann hat es sich wohl doch noch nicht durch das ganze Krankenhaus rumgesprochen.'

„Nach Hause", antwortete sie, „für immer. Tsunade hat mich gefeuert." Gaaras Augen weiteten sich für einen kurzen Moment. ‚Ja, so geht es mir auch', dachte Sakura sich, ‚ich bin auch ganz und gar überrascht.'

„Man hat dich entlassen? Wieso?", fragte er.

Sakura zuckte mit den Schultern, „es hat wohl etwas damit zu tun, das ich zusammengebrochen bin und wahrscheinlich hatte auch eine andere Partei noch ihre Finger mit im Spiel. Nun muss ich halt meine Sache packen..." Sie hob die Tasche über ihre Schulter und ging auf Gaara zu. „Es war schön dich kennengelernt zu haben. Wer weiß, vielleicht trifft man sich eines Tages noch einmal...", sagte sie zu ihm, als er nichts weiter sagte. ‚Wahrscheinlich denkt er gerade, dass du eine komplette Idiotin bist. Er selbst hat dir ja auch noch gesagt, dass du dich ausruhen sollst.'

„Sakura", sagte er plötzlich zu ihr und holte aus seinem Kittel einen Notizblock und einen Stift, „ich hoffe du hältst mich jetzt nicht für unverschämt, aber ich würde mich freuen, wenn wir in Kontakt bleiben könnten."

Überrascht nahm Sakura Block und Stift an sich. „Natürlich", antwortete sie und schrieb ihm ihre Telefonnummer auf. „Das würde mich auch freuen."

„Ich hoffe, dass du bald eine neue Anstellung findest", sagte Gaara und machte ihr den Weg frei, „denn ich hatte nie den Eindruck, dass du eine schlechte Ärztin bist." Sakura schenkte ihm ein schwaches Lächeln und verabschiedete sich. Sie fuhr mit dem Fahrstuhl herunter ins Erdgeschoss. Eine Schwester, mit der sie bereits einige Male zusammengearbeitet hatte, nickte ihr zu. Sie wusste nicht, wie sie diese Geste genau deuten sollte – letztlich gab sie sich damit zufrieden, dass es einfach nur eine nette Geste war. Draußen vor dem Krankenhaus angekommen, regnete es in Strömen. Die ersten Vorboten des Herbstes. Frustriert musste Sakura feststellen, dass sie keinen Regenschirm bei sich trug und da im Krankenhaus zu bleiben, aktuell keine Alternative darstellte, hatte sie keine andere Wahl als durch den Regen zu laufen. Mit der Sporttasche über ihrem Kopf, um sich zumindest ein bisschen vor dem Regen zu schützen, lief Sakura hinüber zur Bushaltestelle. Die Busfahrt nach Hause fühlte sich für sie wie eine Ewigkeit an. Die Tatsache, dass sie durchnässt war, tat ihr übriges dazu.

Als Sakura nach fast einer Stunde ihre Wohnungstür öffnete, war sie so erleichtert endlich Zuhause angekommen zu sein, wie noch nie zuvor in ihrem Leben. Sie ließ ihre Taschen fallen, streifte ihre Schuhe ab und warf ihre Jacke auf den Garderobenständer in der Ecke, die sogleich wieder herunterfiel. Doch Sakura kümmerte sich nicht darum und ließ sie auf dem Boden liegen. Das erste was sie tat war herüber zu ihrer Küche zu gehen und sich ein kaltes Glas Limonade auszuschütten. Gierig trank sie das ganze Glas in einem Zug aus. Ihre nasse Kleidung warf sie auf den Trockenständer in ihrem Badezimmer und schlüpfte dafür in ihrem Pyjama. Eigentlich hatte sie vorgehabt zu duschen, doch sie war einfach zu ausgelaugt und frustriert um noch irgendetwas zu machen. Alles was Sakura wollte, war sich in ihr Bett zu legen und zu schlafen, am besten bis zum St. Nimmerleinstag.

Sakura hatte gar nicht bemerkt, dass sie auf der Couch eingeschlafen war. Erst das Klingeln und Klopfen an ihrer Wohnungstür weckte sie wieder auf. ‚Uh, wer ist das?', gähnte die Stimme in ihrem Kopf, ‚hoffentlich keiner von den Uchihas. Oder Jemand von deren Angestellten. Oder Tsunade...' Sie sah durch den Spion und musste mit Erleichterung feststellen, dass es Tenten und Hinata waren, die da vor ihrer Tür standen. Sakura öffnete die Tür.

„Da bist du ja", raunte Tenten und drängte sich an Sakura vorbei in die Wohnung. „Wir haben dich schon gesucht. Im Krankenhaus warst du nicht und deine Eltern wussten auch von nichts. Da sind wir dann hierher gekommen."

„Ich weiß nicht wo mein Smartphone ist", gähnte Sakura und zuckte mit den Schultern.

„Wir haben es schon gehört", sagte Hinata und tätschelte ihr die Schulter, „eine Schwester im Krankenhaus hat es erzählt."

„Shannaro", entfuhr es Sakura. Also wussten es mittlerweile doch schon alle. ‚Was hast du denn geglaubt?', raunte ihre innere Stimme, ‚dass es niemanden auffällt? So naiv kannst du nun wirklich nicht sein.' Tenten warf sich auf die Couch, auf der Sakura nur Momente zuvor noch geschlafen hatte, warf die Decke beiseite und sah ihre Freundin erwartungsvoll an.

„Was?", fragte Sakura sie.

„Details, Missy, wir wollen Details. Wer ist dieser einflussreiche Patient, um den du dich kümmern musstest. Wo genau bist du ohnmächtig geworden. Was genau ist in den letzten Wochen passiert?" Sakura, die im ersten Moment gar nicht verstanden hatte, worauf Tenten eigentlich aus war, ging hinüber zur Küche und nahm drei Gläser aus dem Schrank. Eine Flasche Sekt befand sich nun seit Wochen im Kühlschrank und wartete darauf endlich getrunken zu werden. ‚Zwar kein Anlass zum Feiern, doch diese Geschichte kann man nicht mit einem Glas Milch erzählen...'

Nachdem Sakura ihnen allen Sekt eingeschenkt hatte, setzte sie sich auf den Hocken gegenüber von den beiden. „Ich habe eine Verschwiegenheitserklärung unterzeichnet...", sagte sie nüchtern und schüttelte den Kopf.

„Vergess die", schnaufte Tenten, „es ist ja nicht so, als würden Hinata und ich dann gleich losziehen und alles weiterplappern, was du uns erzählt hast. Zudem haben die dich gefeuert – die waren dir gegenüber nicht loyal, also brauchst du es auch nicht sein."

Sakura sah ihre Freundin an und wusste nicht, was sie dem entgegensetzten sollte. Möglicherweise hatte aber bereits auch nur ein Schluck Sekt gereicht, um ihr Urteilsvermögen zu blenden. „Schön. Uchiha...", war alles was sie im ersten Moment sagte und sie hatte das Gefühl, dass zumindest das zweite Wort schon sehr vieles erklärte.

„Uchiha? So wie in Uchiha Cooperation?", fragte Hinata mit geweiteten Augen.

„Genau."

„Moment mal. Da war doch vor ein paar Wochen etwas in der Zeitung... Dieser eine Uchiha wurde doch schwer verletzt bei einem Unfall. Ist er es, den du behandelt hast? Ging es darum?"

Sakura trank mit einem Male ihr Glas aus. „Ganz richtig und er war noch nicht einmal das größte Problem. Sein Bruder, sein Vater – die ganze verdammte Familie und nicht zu vergessen deren Angestellten. Die haben alle gemeint, sie wären etwas Besseres als ich."

„Jetzt noch einmal von vorne... was ist genau passiert?"

„Oh, ich glaube, ich habe euch von meiner ersten Begegnung mit seinem Bruder nie erzählt. Wobei damals wusste ich gar nicht wer er war...", Sakura die mittlerweile alle Hemmungen bezüglich der Verschwiegenheitserklärung verloren hatte, erzählten ihren beiden Freundinnen alles, was in den vergangenen Wochen vorgefallen war – besonders im Hause Uchiha. „...und naja, den Rest kennt ihr."

„Das ist wirklich furchtbar und diese Leute sind wirklich...", begann Hinata und verstummte dann, weil sie schlicht nicht wusste, was sie als nächstes sagen sollte. Tenten kam ihr zur Hilfe.

„Mies? Bösartig? Abscheulich? Arrogant? Mir fallen da wirklich so einige Worte ein – und zwar keine netten."

„Dann geht es dir ja genauso wie mir", meinte Sakura genehmigte sich zum wiederholten Male einen Schluck Sekt. Tenten hatte mittlerweile ihr Smartphone aus der Tasche geholt und nach etwas gesucht. Nach einem Moment hielt sie inne und zeigte Sakura etwas, dass sie gefunden hatte. „Das ist er, oder? Uchiha Sasuke. Sohn vom jetzigen Firmenchef Fugaku Uchiha und der kleine Bruder von Itachi Uchiha, der den du behandelt hast."

Das Foto zeigte Sasuke sowie seinen Vater und Bruder, wie sie einen Check an eine gemeinnützige Organisation übergaben. So wie Sakura ihn bereits kannte, trug er auf dem Foto einen dunkelblauen Anzug und von einem Lächeln war er weit entfernt. ‚Kann dieser Typ eigentlich auch lachen? Und nicht, weil er sich gerade über Jemanden lustig macht...' „Ja, das ist er. Entweder läuft er in irgendwelchen teuren Anzügen herum oder kleidet sich so unauffällig, dass man ihn glatt übersehen oder gar für einen Kriminellen halten könnte. Arsch", entfuhr es Sakura zu Schluss noch.

„Unter anderen Umständen hätte ich versucht euch zu verkuppeln", meinte Tenten und lachte auf, worauf Sakura ihr einen bösen Blick zuwarf.

„Dein ernst?"

„Was? Er sieht gut aus und er hat Geld... Viele Frauen stehen darauf."

„Aber gutes Aussehen und Geld macht nicht wett, dass er ein arroganter Arsch ist. Innere Schönheit kann man sich halt nicht kaufen."

„Sakura hat Recht. Man darf sich nicht von äußerem blenden lassen", meinte Hinata und nippte an ihrem Sekt, „er ist das beste Beispiel dafür, was mein Vater mir immer gesagt hat: Ich solle mir bloß keinen gutaussehenden Mann suchen. Die wüssten alle, wie gut sie aussehen und sind auf nichts Gutes aus."

Sakura sagte nichts darauf, allein schon, weil sie selbst schon ähnliches zuhören bekommen hatte. Tenten hingegen hatte die Augenbrauen hochgezogen. „Wieso überrascht mich das eigentlich nicht...?"

„Was war eigentlich mit dem Polizisten", fragte Sakura Hinata und versuchte das Thema von sich abzulenken, „du hast mir gar nicht gesagt, was passiert ist, nachdem ihr heraus gegangen wart."

Hinata lief rot an, was dazu führte das Tenten ein kichern von sich gab. „Wir haben uns nur ein wenig unterhalten..."

„Details, Hinata, Details!"

„Er hat mich gefragt, ob ich auch im Krankenhaus arbeiten würde und was ich mache. Aber geht es hier nicht eigentlich um Sakura... Sie ist diejenige mit den Problemen."

Hinata hatte diese Worte noch nicht ganz ausgesprochen, da hatte Sakura bereits das Gefühl, dass man ihr Felsbrocken auf die Brust legen würde. Sie hatte Recht. Sie war diejenige mit den Problemen. Es war ihr Leben, das gerade dabei war den Bach herunter zu gehen. ‚Oh Gott, wie konnte das nur passieren', schrie ihre innere Stimme auf. Tränen füllten Sakuras Augen und sie konnte nichts dagegen unternehmen. Hätte sie doch nur von Anfang an abgelehnt. Sie hätte es getan, wenn sie von Anfang an gewusst hätte, wer er war und was er in der Lage wäre, ihr anzutun. Eine Träne nach der anderen rollte ihre Wange hinunter. Hinata und Tenten tauschten einen bestürzten Blick aus, worauf die erstgenannte Sakura ein Taschentuch reichte.

„Und was nun?", fragte Sakura und putzte sich die Nase. „Was soll ich nun tun? Ich habe keinen Job und wenn ich keinen Job habe, verdiene ich kein Geld. Und ohne Geld, kann ich die Miete nicht mehr bezahlen..." Weiter konnte sie es nicht mehr aussprechen. Vor ihrem inneren Augen boten sich schreckliche Bilder, wie sie selbst irgendwo auf der Straße und die Menschen um Essen anbettelte. Leute gingen an ihr vorbei, beachteten sie gar nicht oder warfen ihr nur abschätzige Blicke zu. Ein kalter Schauer lief Sakura den Rücken herunter. Das konnte nicht sein. Das müsste sie verhindern. „Was soll ich nur tun?"

„Dir einen neuen Job suchen", meinte Tenten trocken und reichte ihr ein weiteres Taschentuch, „und wenn ich ehrlich bin, mache ich mir bei dir keine großen Sorgen. Egal was die alte Hexe sagt, du bist gut in deinem Job und du wirst auch sicherlich bald wieder etwas finden. Vielleicht nicht mehr diese Woche oder diesen Monat, aber ich wette meinen Monatslohn darauf, dass du bis Weihnachten einen neuen Job hast."

Sakura wischte sich die Tränen weg, während Hinata ihr beruhigend auf die Schulter klopfte. „Ich glaube, Tenten hat Recht. Mach dir keine allzu großen Sorgen..."

„Shi...zune", Sakura musste sich erst noch einmal räuspern, bevor sie zu ihrer Stimme zurückfand, „hat mir erzählt, dass sie im Konoha West Jemanden suchen. Vielleicht sollte ich mich einmal dort bewerben..."

„Siehst du, das ist doch schon einmal ein Anfang."

„Hast du deinen Eltern bereits davon erzählt?", fragte Tenten sie, „ruf sie an. Sie machen sich sicherlich sorgen um dich."

„Meine Mum wird ausrasten. Sie hatte immer damit geprahlt, dass ihre Tochter für eine berühmte Ärztin arbeitet – wie wird sie dastehen? Wie werde ich dastehen?"

„Es war ja keine Lüge", antwortete Hinata Schultern zuckend, „zudem übertreibst du. Deine Mutter ist doch eine ganz liebenswerte Person – sie wird es verstehen. Sie hat sich nach deinem Schwächeanfall doch auch riesige Sorgen um dich gemacht."

Sakura musste sich eingestehen, dass die beiden Recht hatten. Auch wenn es keinesfalls ein angenehmes Gespräch werden würde, so konnte sie die Wahrheit wahrscheinlich nicht lange vor ihren Eltern verheimlichen. Suchend blickte sie sich um. „Ich weiß gar nicht, wo mein Smartphone überhaupt ist."

„Warte, ich rufe dich eben an", meinte Tenten und wählte ihre Nummer. Ohne dass einer von ihnen einen Ton von sich gab, versuchten die drei zu erlauschen, wo es gerade klingelte. Doch sie konnten nichts hören. „Es scheint nicht ausgeschaltet zu sein. Ist es auf stumm eingestellt?"

Sakura schüttelte den Kopf, „ich habe es bereits im Krankenhaus vermisst. Hoffentlich hat es niemand gestohlen...!" Das wäre die nächste Katastrophe die ihr noch fehlen würde. Dass sie ohne Smartphone da stände. Dann hätte sie noch nicht einmal eine Telefonnummer, die sie auf den Bewerbungen angeben könnte.

„Ich habe euch doch einmal diese App installiert, mit der man sein Smartphone bzw. den Besitzer orten kann. Nachdem wir Hinata mal verloren haben", fügte Tenten letztlich noch raunend hinzu, worauf Hinata rot anlief.

„Das tut mir immer noch furchtbar Leid...", antwortete diese kleinlaut.

Tenten kicherte kurz, „schon gut. Mal sehen, wo sich Sakuras Smartphone befindet..." Das Ergebnis ihrer Smartphone-Ortung war mehr als ernüchternd. Sakuras Smartphone war immer noch da, wo sie es auch zuletzt noch hatte: auf dem Anwesen der Uchiha. Möglicherweise war es ihr bei dem Sturz aus der Tasche gefallen. Sakura entfuhr ein Seufzer. Sie wollte nicht zurück dorthin. Sie wollte keinen von diesen Menschen wiedersehen. Auf der anderen Seite konnte sie ihr Smartphone jedoch auch nicht dort lassen. Es war ja nicht so, als hätte sie das Geld, sich einfach ein neues zu kaufen.

„Was willst du nun tun, Sakura?"

„Ich werde wohl noch einmal dorthin müssen", antwortete diese und ließ sich zurückfallen.

„Wir kommen mit dir", sagte Tenten und klatschte in die Hände. „Alleine gehst du nicht. Wir kommen mit!"

„Tatsächlich?", fragte Hinata sie erstaunt und blickte Tenten überrascht an, woraufhin diese ihr zunickte, „genau, wir werden dich nicht alleine dorthin lassen."

„Sie werden euch aber nicht auf das Anwesen lassen – wenn sie mich überhaupt auf das Anwesen lassen", seufzte Sakura und vergrub ihr Gesicht in den Händen. ‚Eigentlich kann ich mich doch gleich von dem Smartphone verabschieden...'

„Ist doch egal, ob sie dich auf das Anwesen lassen oder nicht. Dann sollen sie dir halt dein Smartphone zum Eingang bringen und wenn sie sich weigern drohst du denen halt mit der Polizei. Oder noch besser, du drohst denen, dass du der Boulevard-Presse einiges stecken wirst", meinte Tenten mit einem hämischen Grinsen, „du weißt doch bestimmt irgendetwas, von dem die nicht wollen, dass die ganze Welt es erfährt."

„Ich habe eine Verschwiegenheitserklärung unterzeichnet... das kann ich nicht bringen. Die könnten – nein, die würden mich verklagen."

„Es wird schon alles gut gehen", meinte Hinata, „welches Interesse sollten sie schon daran haben, dein Smartphone bei ihnen zu behalten?!" Hinata hatte Recht. Es war ja nicht so, als das auf dem Smartphone irgendwelche interessante Daten waren. Das einzige was die Uchihas darauf finden konnten waren ein paar Nachrichten, in den Sakura sich über sie aufregte und das hatten sie doch selbst letztendlich verschuldet. Vielleicht war es wirklich ein Stück weit der Alkohol der aus ihr sprach, aber je länger sie darüber nachdachte, desto entschlossener war sie, sich das zurück zu holen, was rechtmäßig ihr gehörte.

Sakura raffte sich auf, „ich ziehe mir eben meine Schuhe an, dann können wir los fahren..."

„Du willst da so hin?", fragte Tenten sie. Sakura sah an sich herunter. Sie trug eine alte Jogginghose und ein T-Shirt das viel zu weit war. Möglicherweise hatte Tenten Recht und sie sollte sich vorher zumindest umziehen.

„Ich ziehe mir auch noch was anderes an", raunte Sakura und war bereits auf dem Weg in ihr Schlafzimmer, als Tenten förmlich aufschrie.

„Du gehst jetzt unter die Dusche, Missy. Und wenn du fertig bist, werden wir dich so sehr stylen, dass die Uchihas es bis ans Ende ihrer Tage bereuen werden, Jemanden wie dich gefeuert zu haben." Tenten schien vollkommen überzeugt von ihrem Plan zu sein, während Hinatas Blick immer wieder zwischen den beiden hin und her wanderte.

„Ich ziehe aber nicht das rote Kleid an", sagte Sakura und denn die Erinnerung daran, wie das ganze Übel eigentlich seinen Lauf genommen hatte, war noch sehr frisch. ‚Ob alles anders verlaufen wäre, wenn ich damals nicht das Kleid getragen hätte?', fragte sie sich selbst, ‚wenn ich einfach ganz normale Sachen getragen hätte? Vielleicht wäre es dann nie zu unserem ersten Streit gekommen...'