Kapitel 3

~Finnick~

Einen Starbucks Kaffe in der Hand und seine Umhängetasche über die Schulter geworfen, überquerte Finnick den Campus.

Es war Donnerstag und er hatte noch eine halbe Stunde Zeit, bis sein Journalismuskurs startete.

Er setzte sich auf eine der Parkbänke, am Rande der großen grünen Wiese, die sich vor dem Universitätstreffpunkt erstreckte.

Die Sonne schien ihm in den Nacken, als er sein abgegriffenes Journalismus Buch aus der Tasche holte, um den Stoff wieder ein wenig zu wiederholen.

Journalismus war ein Fach, dass Finnick eigentlich nur seiner Mutter zu liebe gewählt hatte.

Sie hatte sich ein Studium mit Zukunft für ihren Sohn gewünscht.

Als er damals, in seinem Senioryear an der Highschool, entscheiden hatte müssen, was und ob er denn nun Studieren wollte, war Finnick offengestanden überrumpelt gewesen.

Der Highschool Abschluss war ihm immer so weit entfernt vorgekommen, dass er völlig überrumpelt gewesen war, als er dann auf einmal in greifbare Nähe gerückt war.

Und da hatte er sich plötzlich entscheiden müssen.

Finnick hatte schon immer eine Leidenschaft für Literatur gehabt. Nur die wenigsten wussten davon, aber er hatte sich sogar schon ab und zu an Gedichten versucht.

Er mochte es, mit Worten zu jonglieren und fand es fantastisch, wie viel ein einziger Haufen an Buchstaben aussagen konnte.

Offiziell war seine Begründung für das Studienfach Literatur aber eine ganz andere.

„Mir ist nichts anderes eingefallen", hatte er damals seinen Football Kollegen erzählt.

Englisch sei immerhin das einzige Fach in dem er halbwegs gut war, hatte er gemeint.

Beachten Sie in erster Linie die Zielgruppe an die sie sich richten.

Finnick überflog ein paar Seiten, bevor er beschloss genug aufgefrischt zu haben und das Buch zuschlug. Er lehnte sich zurück und streckte die langen Bein von sich.

Sein Blick schweifte über den Campus und fiel auf das andere Ende der Grünfläche. Dort saß Annie Cresta, wie er, auf einer der Parkbänke. Sie schien in etwas vertieft zu sein. Was genau es war, vermochte er aus dieser Distanz nicht zu sagen.

Weil er nichts mehr zu tun hatte und insgeheim auch hoffte etwas über die Wettpflicht von ihr zu erfahren, beschloss er ihr Gesellschaft zu leisten.

Annie und Johanna hatten, seit die Wette vor zwei Tagen aufgelöst worden war, noch kein Wort über die Aufgabe der Jungs verloren. Ein Zustand der den beiden sehr zu schaffen machte.

„Hey Cresta!", Finnick ließ sich neben Annie auf die Bank fallen.

Das Mädchen fuhr erschrocken hoch und sah Finn mit weit aufgerissenen Augen an.

„Ach du bist es nur." erleichtert blickte Annie zu ihm auf.

„Was hast du denn gedacht? Ein Kidnapper?", er grinste sein Gegenüber an.

„Na ja. Keine Ahnung. Auf alle Fälle hast du mich erschreckt." vorwurfsvoll sah sie ihn an.

Finnick schmunzelte belustigt. „Dafür braucht es bei dir aber nicht viel oder?"

Annie verdrehte die Augen. „Was machst du eigentlich hier?"

„Ich wollte nur Hallo sagen."

Misstrauisch musterte Annie ihn. „Okay?"

Annie wandte sich, Finnick weiterhin aus dem Augenwinkel musternd, wieder ihrem Buch zu.

„Was liest du da?", neugierig beugte er sich zu ihr herüber.

Annie nahm es hoch und drehte es so herum, dass Finnick den Titel lesen konnte.

'Ursprünge der Fotografie' stand da in dicken, weißen Lettern.

„Ah. Ein Exemplar eines Schulbuches. Wie aufregend. Ich habe noch nie eines aus nächster Nähe gesehen! Heutzutage ist diese Spezies so gut wie nicht mehr in Freier Wildbahn zu finden.", gespielt begeistert hielt sich Finnick theatralisch die Hand vor den Mund.

Belustigt sah Annie ihn an. „Bitte was?"

„Sag mal, wo kommst du eigentlich her?", ohne weiter auf ihre Frage einzugehen wechselte er das Thema.

„Ähm. Ich... Aus Oregon." verwirrt antwortete sie ihm.

„Oregon! Ein wundervoller Staat! Mein Großonkel Will hat eine Zeit lang dort als Hausmeister gearbeitet. Seine Stelle hat ihm zwar nicht besonders gut gefallen, aber von den Menschen hat er immer geschwärmt. 'Finnick', hat er gesagt.'In Oregon wissen sie wie man Gäste behandelt'", begann Finn einen Monolog, während Annie ihn immer noch perplex anstarrte. Der Junge konnte reden!

„Weißt du, ich hab nie ganz verstanden, worauf er hinaus wollte. Dazu muss man sagen, dass Großonkel Will ein ziemlich verschrobener Kauz war. Ich glaube also kaum, dass ihn irgendwer in Oregon jemals zu sich nach Hause eingeladen hat. Verstehst du?"

„Was... ja." Annie war überrumpelt. „Sag mal redest du immer so viel?"

Verwundert, in seinem Redensschwall unterbrochen worden zu sein, sah er sie an. Lange dauerte sein Schweigen aber nicht.

„Na, wenn es sich um eine solche Augenweide wie dich handelt schon." er wackelte mit den Augenbrauen.

Annie konnte nicht anders und brach in schallendes Gelächter aus. Sie wurde nicht schlau aus diesem Jungen. Andauernd wechselte er seine Stimmung, in einer Geschwindigkeit, von der Annie nahezu schwindlig wurde.

Leicht perplex sah Finn zu ihr herüber. „Was?"

„Ach nichts. Ich würde deinen Onkel Will nur zu gerne kennen lernen."

Finnick grinste. „Das lässt sich sicher ein mal einrichten."

„Sag mal. Nur so als kleine, völlig unbedeutende Frage am Rande. Du und Jo. Habt ihr euch denn schon auf eine Aufgabe geeinigt." vorsichtig fragte er nach.

Das war also der Grund, seines Auftauchens.

„Ja."

„Und. Ich meine. Was ist es?", hackte Finnick nach.

„Das wirst du noch früh genug erfahren." dann blickte Annie auf ihre alte, goldenen Armbanduhr, packte ihre Sachen zusammen und erhob sich. „Ich muss jetzt los. Man sieht sich."

…...

„Seit ihr bereit?" grinsend, die Arme verschränkt stand Johanna vor Finnick und Thresh.

Es war Donnerstag Abend und die beiden waren per SMS in das Zimmer der Mädchen bestellt worden.

Noch immer hatten weder Annie, noch Jo, den beiden erzählt, was sie zu tun hatten. Dementsprechend nervös waren die Jungen auch.

„Ich denke wir haben keine Wahl. Oder?" Thresh vergrub seine Hände tief in seinen Hosentaschen.

„Da hast du allerdings Recht.", freundlich lächelte Annie sie an.

„Also was ist es denn nun jetzt?! Spannt uns doch nicht noch länger auf die Folter." brach es aus Finnick heraus.

„Sollen wirs ihnen sagen?" Johanna wandte sich an Annie.

„Hmm. Na ich weiß nicht." Die Mädchen sahen sich grinsend an.

Finnick und Thresh stöhnten zeitgleich auf.

„Na gut." Johann rieb sich die Hände. „Wir haben uns folgendes überlegt..."

…...

Nun war es also soweit. Wiese auf dem Campus barst gerade zu vor Menschen und Finnick und Thresh standen, in rote Houston Cougar Jacken und barfuß am Rande der großen Wiese.

„Seid ihr bereit?", breit grinsend ah Annie sie an.

Thresh war ein wenig blass um die Nase, jedoch Finnick konnte man keine Nervosität ansehen, sein typisches, schelmisches Glitzern war immer noch in seinen Augen zu sehen. Und er trotz allem schmunzelte er erwartungsvoll.

Johanna beäugte ihn kritisch. „Dir macht das ganze viel zu viel Spaß, Odair!", beklagte sie sich.

Johanna und Annie hatten eine ganze Nacht lang darüber gebrütet, wie, wo, und wann die Pflicht der Jungs eingelöst werden sollte.

~Flashback~

Ich bin immer noch für den Jenny-Goddwill-Armband-Klau." Johanna lungerte, die Füße auf ihrem Schreibtisch auf ihrem Bürostuhl.

Aber das ist kriminell! Das können wir nicht machen. Was hat dir Goodwill denn jemals getan?"

Annie saß, ihr rechtes Bein an sich gezogen, das linke ausgestreckt mit dem Rücken an ihr Bett gelehnt.

Na nichts! Aber sie nervt!"

Wie oft hast du mit ihr gesprochen? Ein Mal?"

Okay. Dann eben nicht Goodwills Armband. Aber schlag was besseres vor!" genervt verdrehte Jo die Augen.

Wir sollten etwas machen, dass wirklich Auswirkung hat."

Und an was hast du da gedacht? Willst du etwa die Stromzufuhr der ganzen Stadt lahm legen?"

Es muss ja nicht gleich so extrem sein. Wir könnten... Ich hab's!" Aufgeregt richtete sich Annie auf.

Zweifelnd blickte Jo zu ihr herunter.

Lass uns die Raumpläne des Colleges über den Haufen schmeißen! Für die Professoren gibt es, wie für uns, auch ein schwarzes Brett, auf dem steht wer wann in welchem Hörsaal Unterricht hat. Und, ich meine, so früh im Semester kennen die ihre Zuteilungen noch lange nicht auswendig..."

Du meinst also, wir tauschen Hörsäle und Uhrzeiten und das College steht Kopf."

So in etwa." Annie nickte ihr zu.

Die Idee ist gut. Aber für die Jungs ist das doch keine große Herausforderung. Sie müssen einfach nur in den Unitreffpunkt und ein paar Zettelchen verschieben." Johanna schüttelte den Kopf. „Ich will sie bis auf die Knochen blamieren!"

Annie kratze sich ratlos am Hinterkopf. „Na dann weiß ich auch nicht. Ich meine, wir könnten sie ja einfach nackt über den Campus laufen lassen, aber das ist ziemlich einfallslos."

Johanna richtete sich begeistert auf. „Was hast du gerade gesagt?"

Du meinst nackt über den Campus? Hältst du das wirklich für eine gute Idee?" Annie war skeptisch.

Ach komm schon, ich scheiß auf ausgelutscht! Wir lassen sie durch die überfüllte Wiese rennen.", Jo war hellauf begeistert.

Na ja, es hätte ja schon etwas." Annie schmunzelte.

Da aber schien Johanna etwas einzufallen. „Ach verdammt!"sie sprang auf und trat mit ihrem Fuß fest gegen ihr Bettgestell. „Ich wette Finnick haben sowieso schon so gut wie alle UH Mädchen nackt gesehen. Bei seinem Sexualtrieb!" Ein weiters mal stieß sie ihren Fuß gegen das Bett.

Annie konnte einfach nicht anders. Sie brach in schallendes Gelächter aus.

Kurz blickte Johanna perplex zu ihr herüber und stimmte dann in ihr Lachen ein.

~Flashback Ende~

„Okay auf drei geht's los!", Johanna stellte sich vor die Jungs.

„Und vergesst nicht, über die Wiese, dann eine Runde durch den Unitreff und anschließend zur Bibliothek."

„Okidoki!" Finnick tat als würde er sich dehnen.

„Eins...", Jo rieb sich erwartungsvoll die Hände.

Annie stellte sich neben Johanna, „...Zwei..."

Die Jungs griffen nach den Gürteln ihrer Bademäntel...

„...Drei!"

Auf Johannas Kommando liefen Finn und Thresh los.

Jo und Annie kugelten sich vor lachen, es sah einfach zu witzig aus.

Finnick und Thresh, beide in nichts als pinke Bikinioberteile und ebenfalls pinke Springtangas gehüllt, über die überfüllte Wiese laufend, während ihnen die Blicke der gesamten Uni folgten.

Finnick wedelte dabei mit seinen Händen und johlte laut, wodurch wirklich niemandem die Aktion entgehen konnte.

Mittlerweile hatte die beiden den Universitätstreff erreicht und Annie heulte vor Lachen.

„Sag mal flennst du, Cresta?", Johanna, sich ebenfalls den Bauch haltend, beäugte ihre Mitbewohnerin lachend.

„Ja.", Annie schniefte. „Ich fange ständig gleich zu heulen an, wenn ich lache." Weiterhin kichernd, wischte sie sich über die Augen.

Schon kurze Zeit später erschienen Finnick und Thresh wieder in der Tür des Unitreffs. Jetzt erst hatten Jo und Annie auch wirklich Blick auf ihre Vorderseite. Der pinke Stoff bedeckte gerade mal das nötigste. Thresh versuchte, sichtlich gestresst, das Gewackel halbwegs unter Kontrolle zu halten während Finnick sich nicht darum scherte und immer noch lachend und johlend auf die Bibliothek zusteuerte.

Um einen besseren Blick auf das ganze zu haben, beschlossen Annie und Johanna den beiden nach zu laufen, aber schon nach wenigen Metern bekamen sie vom vielen Lachen Seitenstechen und mussten auf schnelles Gehen umsteigen.

„Du hattest Recht. Scheiß auf ausgelutscht!" Immer noch heulend versuchte Annie mit ihren Händen irgendwie ihr Make Up zu retten

„Oh ja! Das war eine geniale Idee. Obwohl ich auch zu gerne Jenny Goodwills Gesicht gesehen hätte." meinte Jo japsend.

Plötzlich hörten sie ein lautes Kreischen. Perplex sahen sich die Mädchen an, als auf einmal die Tür zur Bibliothek wieder aufgestoßen wurde und Finn und Thresh heraus stürmten.

Das Lachen war nun auch von Finnicks Gesicht verschwunden und gerade als Johanna ihm zurufen wollte, was los war, schwang die Tür erneut auf und Miss Roslyn, die zierliche und schon betagte Bibliotheks Angestellte hastete, einen ausgefransten Besen in der Hand, den Jungen nach.

Erneut brachen Jo und Annie in Gelächter aus.

Von diesem Tag an waren Jo und Annie offiziell Freundinnen.