Kapitel 4: Das Böse in ihm
Etwas skeptisch betrachtete Timothy Howard sich im Spiegel und begutachtete sich selbst von oben bis unten. Es war ein neues Gefühl, wieder den Körper eines Mannes zu bewohnen. Viele Wochen, hatte das Böse den Körper von Mary Eunice für seine Zwecke benutzt und es glaubte, endlich ein ‚Zuhause' gefunden zu haben. Leider war diese dumme kleine Nonne doch stärker, als es es vermutet hatte. Es liebte diesen Ort. Briarcliff war der perfekte Ort, voller kranker Seelen mit denen man tun konnte, was man wollte. Wer würde diesen Verrückten hier schon glauben schenken? Und wenn welche von ihnen plötzlich verstraben, wem würde es interessieren? Niemanden! Briarcliff war der perfekte Spielplatz für das Böse. Und der Körper von Timothy Howard war möglicherweise sogar noch besser als der von Mary Eunice. Ein hochangesehener Mann der Kirche, mit viel Einfluss und dem man nie verdächtigen würde, etwas Böses im Schilde zuführen. Als Timothy Howard hatte es alle Möglichkeiten und auch wenn er nach außen hin immer wie ein starker selbstbewusster Mann wirkte, so war er das ganze Gegenteil. Er war ein Feigling, ein Wendehals, voller Furcht und zerrissen zwischen seinen Gefühlen. Besonders seine Gefühle für Judy Martin machten ihn schwach und angreifbar. Ein dunkles Lächeln erschien auf seinem Gesicht, als es an all die Möglichkeiten dachte die es nun hatte.
‚Nun, vielleicht hatte der Monsignore nicht den Mut ein richtiger Mann zu sein und seinen Gelüsten nahzugehen. Das wird sich jetzt ändern. Er wollte doch immer diese kleine Schlampe haben…..jetzt wird er sie bekommen.'
Ein klopfen an seiner Tür unterbrach die Gedankengänge von den „neuen" Timothy Howard und er setzte sich hinter seinen Schreibtisch.
„Herein!"
Dr. Arthur Arden betrat das Büro des Monsignore und er setzte sich ohne jedes weitere Wort auf den Stuhl vor dem Schreibtisch.
„Ich möchte mit Ihnen reden Monsignore. Es geht um Mary Eunice." Arden sah den jüngeren Mann streng an und durchbohrte ihn mit seinen kalten gefühllosen Augen. Immer wieder hatte Arden es geschafft, den Monsignore einzuschüchtern und ihn für seine Zwecke zu missbrauchen. Timothy Howard war nur eine Sache im Leben wirklich wichtig. Seine weiße Weste zu bewahren und solange Arden ihn damit drohen konnte, ihn bloß zustellen, solange war er derjenige der das sagen hatte. Das dachte Arden jedenfalls noch.
Gelassen lehnte sich Timothy zurück und lächelte den alten Mann abschätzend an.
‚Wie niedlich, Dr. Frankenstein denkt immer noch er hätte hier das Sagen.'
„Was ist denn mit unseren neuen Schützling?" fragte er und tat völlig unwissend.
Arden wusste nicht genau was es war aber etwas war anders als sonst. Für gewöhnlich hatte der Monsignore einen verschüchterten Blick in den Augen, doch heute schien er völlig gelassen…..ja, fast arrogant.
„Ich möchte Mary Eunice in meine Obhut nehmen. Wir beide wissen doch, dass das Mädchen nicht wie die anderen ist. Sie ist eine Unschuld und sollte nicht bei all diesen unwürdigen Gestalten leben. Ich möchte, dass Sie Mary Eunice entlassen und mir die Vormundschaft übergeben."
Ein lautes Lachen entkam Timothy und er schüttelte amüsiert den Kopf „Tatsächlich? Was Sie alles möchten Dr. Arden! Oder sollte ich Sie doch besser mit Hans ansprechen?"
Arden schluckte schwer bei den Klang seines richtigen Namens. Mit zornigen Augen sah er den jüngeren Mann an „Wagen Sie es nie wieder mich so zu nennen! Oder ich werde…"
„Was werden Sie?" unterbrach ihn Timothy und stand langsam auf „Damit wir gleich die Fronten klären…..Hans…ich habe das Sagen hier in Briarcliff, ich allein! Und wenn ich merken sollte, dass Sie mich hintergehen wollen, dann bleibt mir nichts anderen übrig als Sie zu melden. Ich nehme an, Sie legen keinen großen Wert darauf dass die Welt erfährt wer Sie wirklich sind. Und selbst wenn Ihre Vergangenheit nicht wäre, so haben Sie Blut an ihren Händen….viel Blut. Die ganzen armen Opfer ihrer Experimente. Die kleine Shelly, aus der Sie an Monster gemacht haben, neben all den anderen. Dann war da noch die überaus witzige Geschichte mit Emerson und der Mord an Frank. Ich weiß alles was Sie und Mary Eunice getan haben. Sie werden Mary Eunice nicht mit zu sich nehmen. Wahrscheinlicher wäre, dass Sie selbst den Rest ihres Lebens hier als Insasse verbringen werden."
Ardens Blut kochte und er verspürte eine unbändige Wut. Er sprang auf und sah den Monsignore mit wütenden Augen an, seine Hände zitterten und er kämpfte mit seiner Selbstbeherrschung „Was….was fällt Ihnen ein? Was soll jetzt dieses Theater? Sie selbst haben meine Experimente genehmigt und was die anderen Vorwürfe angeht, wer hat Ihnen das gesagt? Ich habe nichts mit Franks Ermordung zutun. Schwester Jude hat ihn ermordet und….."
Wieder begann der Monsignore zu lachen „Oh Hans, wir beide wissen das das nicht wahr ist."
„Hören Sie auf! Hören Sie auf mich Hans zu nennen!" schrie Arden und spuckte dabei Timothy ins Gesicht. Mit geballten Fäusten trat er näher an den anderen Mann heran „Ich verbiete Ihnen so mit mir zu sprechen! Ich darf Sie daran erinnern, dass Sie selbst kein unbeschriebenes Blatt sind. Sie haben Shelly ermordet! Wenn Sie mich verraten, dann gehen Sie mit mir unter!" Arden stand nun genau vor Timothy und packte ihm am Kragen. Er blickte in die Augen des Monsignore und hielt innen. Völlig schockiert ließ er den Kragen des anderen Mannes los und trat zurück.
„Das kann doch nicht sein!" flüsterte Arden. Er hatte dieses seltsame dunkle Leuchten in den Augen des Monsignore vorher erst einmal gesehen und das war bei Mary Eunice, bevor sie versucht hatte sich umzubringen. Es war als würde er in das gleiche Paar Augen sehen.
„Verstehen Sie es jetzt?" grinsend setzte sich Timothy wieder in seinen Stuhl und sah dann wieder zu Arden, der wie angewurzelt da stand „Ich weiß das alles, weil ich immer dabei war. Ich war dabei, als Sie und Mary Eunice dieses Tier Emerson war Jude gehetzt haben. Ich war dabei als ihre kleine Nonne den armen Frank die Kehle Durchschnitt. Ich war dabei als Mary Eunice diesen Nazijäger beseitigte, ebenso als sie die Mexikanerin aus den Weg schaffte. Ich war an Ihrer Seite, als Sie Judes Hirn gegrillt haben. Ich war Mary Eunice!"
Arden hörte jedes Wort und doch konnte er es nicht glauben. Wer war er? Was war er?
„Deswegen werden Sie auch verstehen, dass es mir ziemlich egal ist ob sie mich verraten. Im schlimmsten Fall, suche ich mir einfach einen neuen Körper. Sie jedoch können das nicht. Also egal was passiert, Sie werden für all ihre Verbrechen bezahlen und ich werde da stehen und lachen. Aber wissen Sie Hans, so muss es nicht kommen. Ich sah immer einen loyalen Partner in Ihnen. Tun Sie was ich Ihnen sage und niemand wird erfahren, dass Dr. Arthur Arden in Wirklichkeit Dr. Hans Gruper ist."
Nach all den Jahren, dachte Arden, dass es nichts gab was ihn noch schockieren könnte aber er hatte sich getäuscht. Im wahrsten Sinne des Wortes war er einen Pakt mit dem Teufel eingegangen.
„Was bist du?" fragte er leise und sah zu, wie Timothy langsam von seinem Stuhl aufstand und zu ihm ging.
Timothy stellte sich dicht neben Arden und flüsterte ihm ins Ohr „Ich bin der Teufel!"
Dann ließ er Arden stehen und machte sich auf den Weg zum großen Gemeinschaftsraum.
‚Dann wollen wir doch mal sehen, ob alle Schäfchen da sind.'
Er betrat den Raum und sah sich um, bis er die Person erblickte die er gesucht hatte. Und da war sie, zusammen mit Mary Eunice und Lana Winters saß Jude auf einer Couch und blickte zu ihm herüber.
‚Wir werden so viel Spaß haben Jude!'
