Kapitel 6: Ein neuer Plan

Jude schluckte schwer, als sie sah dass Timothy direkt auf sie zukam und sie mit einen seltsamen fast unmenschlichen Blick ansah. Ihr Herz schlug wie wild und sie dachte an das, was Mary Eunice gerade gesagt hatte.

Nein, nein, nein! Das darf nicht sein…..nicht er.'

Jude wollte es einfach nicht glauben, sie weigerte sich es zu glauben. Sie würde lügen, wenn sie behaupten würde, dass Timothy sie in den letzten Monaten nicht enttäuscht hätte. Enttäuscht? Nein, dass traf es nicht einmal ansatzweise. Er hatte sie verraten und im Stich gelassen. Als sie vor 2 Wochen von Arden mit der Elektroschocktherapie „behandelt" wurde, da hatte sie bis zuletzt die Hoffnung die Tür würde aufgehen und Timothy würde dem Einhalt gebieten, aber es war nicht mehr als eine Hoffnung. Eine dumme und naive Hoffnung. Er war nicht gekommen um sie vor den Qualen zu retten…..er hatte sie fallen lassen und Jude müsste ihn eigentlich dafür hassen, aber das tat sie nicht. Sie war wütend, enttäuscht, verletzt und vielleicht sogar gebrochen aber aus irgendeinen Grund konnte sie Timothy nicht hassen. Zu viele alte Gefühle hingen an diesen Mann und ihrer gemeinsamen Vergangenheit. Sollte es wirklich so sein und der Teufel hatte nun die Macht über ihn, so würde Jude alles daran setzten um den wahren Timothy Howard zurück zu holen. Mary Eunice hatte geschafft das Böse zu verdrängen, warum nicht auch Timothy?

Und während Timothy immer näher kam, begann Mary Eunice am ganzen Körper zu zittern und begann wieder zu weinen.

„Warum geht es nicht weg? Es soll endlich verschwinden." Wimmerte die junge Frau und rutschte näher an Jude heran.

Lana saß noch immer still da und beobachtete alles, Mary Eunice schien eine Todesangst vor den Monsignore zu haben. Glaubte das Mädchen wirklich er wäre der Leibhaftige?

„Guten Tag die Damen! Nun wie ich sehe, hat unser neuster Patient schon Anschluss gefunden. Sehr schön. Jude, ich muss sagen ich bewundere Sie dafür. Gerade bei Ihnen hätte ich gedacht, dass sie unsere kleine Mary Eunice nicht mit offenen Armen empfangen." Timothy blickte auf die drei Frauen und lächelte sie freundlich an, so jedenfalls mag es für jemanden der ihn nicht kannte ausgesehen haben. Jude aber kannte Timothy Howard besser als jeder andere hier und sie wusste jetzt, dass etwas nicht stimmte. Ob der Teufel in ihn war, konnte sie nicht sagen aber etwas hatte Timothy verändert. Sein Lächeln war falsch, aufgesetzt und kalt. Es war wie eine Maske.

„Geh weg….lass uns in Ruhe." Flüsterte Mary Eunice und wagte nicht, den Mann vor sich in die Augen zu blicken.

Mit hochgezogenen Augenbrauen sah Timothy die junge Frau an „Mary Eunice, ich kann verstehen das Sie noch verwirrt sind aber bald geht es Ihnen besser und wenn Sie sich vorbildlich verhalten, werden Sie auch bald die Zwangsjacke nicht mehr tragen müssen. Aber deswegen bin ich nicht hier!" er wandte seinen Blick ab von Mary Eunice und widmete sich wieder ganz Jude „Jude, darf ich Sie bitten mich zu begleiten? Ich habe etwas mit Ihnen zu besprechen."

Und vielleicht noch etwas mehr.'

Jude wusste nicht wie sie reagieren sollte. Sollte sie sagen Fahr doch zur Hölle? Sollte sie sich wehren? Was würde das bringen? Höchstens eine Strafe in Einzelhaft. Jude kannte diese grässlichen Zellen, sie selbst hatte nur einmal einen Patienten in dieses Loch gesteckt und das war Emerson.

„Warum?" fragte Jude stattdessen und versuchte so neutral wie möglich zu klingen.

Timothy lächelte wieder sein falsches Lächeln und sprach weiter „Das würde ich gern privat besprechen. Kommen Sie bitte, oder muss ich einen Pfleger dazu holen?"

Jude atmete tief durch und wollte gerade aufstehen, als Mary Eunice anfing zu schreien und vergeblich zu versuchen sich aus ihrer Zwangsjacke zu befreien.

„Nein….Jude, Sie dürfen nicht mit ihm gehen…..er ist böse….er ist böse. Bitte er ist das Böse. Bitte Jude…."

Noch bevor Mary Eunice weiter schreien konnte, kamen 2 Pfleger und Schwester Hildegard angelaufen und hielten Mary Eunice fest. Die anderen Patienten im Gemeinschaftsraum begannen durch das Geschrei unruhig zu werden und liefen ziellos und panisch durch den großen Saal.

„NEIN…NEIN…LOSLASSEN!" Mary Eunice schrie und schrie und Timothy musste sich das Lachen verkneifen.

Dummes Mädchen.'

„Schwester Hildegard, bringen Sie Mary Eunice in Einzelhaft! Wie mir scheint, ist sie noch nicht bereit um bei den anderen zu sein." Wieder blickte Timothy zu Jude „Kommen Sie bitte."

Jude hörte nur noch das Wort Einzelhaft. Es war ein so schrecklicher Ort und Mary Eunice würde es dort nicht aushalten, dessen war sich Jude sicher. Mit kalten und selbstsicheren Blick sah sie zu Timothy.

„Einen Teufel werde ich tun! Freiwillig komme ich nicht mit, wenn Sie Mary Eunice jetzt in dieses Loch stecken. Dann können Sie mich auch gleich in eine dieser Zellen stecken."

Ein seltsames Lächeln erschien auf Timothys Gesicht und dieses Mal war es anders. Es war ein echtes Lächeln, wenn auch teuflisch. Er hob die Hand und rief nach Schwester Hildegard, ohne den Blick von Jude abzuwenden „Schwester, ich habe meine Meinung geändert! Bringen Sie Mary Eunice in ihre Zelle im Frauentrakt."

„Was? Aber verehrter Monsignore, ich dachte….."

„Ich sagte, bringen Sie Mary Eunice in den Frauentrakt!" Timothys Stimme war laut und bestimmt, als er zu Schwester Hildegard sprach und sie dabei nicht einmal ansah.

„Natürlich!" sagte die alte Nonne kleinlaut und brachte die schreiende Mary Eunice aus den Gemeinschaftsraum.

Jude schluckte schwer und ihr Herze hämmerte wie wild in der Brust. Sie wusste, es war riskant so mit dem Monsignore zu sprechen, aber was hatte sie schon zu verlieren?

„Nun, ich nehme an, dass das geklärt wäre. Kommen Sie jetzt bitte mit in mein Büro."

Jude nickte nur und folgte Timothy mit einem unguten Gefühl. Sie wusste nicht was er wollte, aber etwas tief in ihr sagte, dass er keinen Kaffee trinken wollte. Und während beide zu seinem Büro gingen, beschloss Timothy einen neuen Weg einzuschlagen. Ein neuer Plan, der noch spaßiger werden würde als sein Erster.