Kapitel 7: Der Deal
Mit jeden Schritt wurde Jude unwohler und etwas tief in ihr schrie, sie sollte weglaufen….weit weg. Aber wohin sollte sie laufen? Es gab keinen Ausweg aus dieser Hölle und Jude wusste es. Selbst wenn sie auf ihre innere Stimme gehört hätte, so wusste sie, sie würde nicht weit kommen. Wahrscheinlich würde man sie wie Mary Eunice in eine Zwangsjacke stecken oder noch schlimmer einer weiteren Elektroschocktherapie unterziehen. Der Gedanke ein weiteres Mal auf Ardens Folterliege geschnallt zu werden, erschreckte Jude mehr als alles andere.
Während sie zu Timothys Büro gingen, studierte Jude den Mann vor sich genau. Etwas hatte sich in der Tat verändert. Seine ganze Körperhaltung und seine Gesten, waren nicht die des Timothy den Jude einst kannte und so bewunderte. Es war, als wäre er ein anderer Mann. Immer wieder hörte Jude die Worte von Mary Eunice.
‚Er ist das Böse'
Es klang völlig verrückt, aber nach allem was Jude bereits hier erlebt und gesehen hatte, bestand tatsächlich die Möglichkeit, dass Timothy Howard der Teufel war. Sie dachte an den jungen Mann zurück, der von seinen Eltern hierher gebracht wurde. Für Jude bestand kein Zweifel daran, dass der Junge besessen war. Kurz nach seinem Tod, veränderte sich Mary Eunice vollkommen und nun war das Gleiche vielleicht wieder geschehen. Jude war so in ihren Gedanken vertieft, dass sie gar nicht bemerkte, dass sie bereits an Timothys Büro waren. Das Büro was einst ihr gehörte.
„Kommen Sie Jude, setzten Sie sich! Wir beide haben einiges zu besprechen." Timothy deutete auf den Stuhl vor seinem Schreibtisch und schloss dann die Tür hinter sich. Mit einem prüfenden Blick musterte er Jude von oben bis unten und grinste vor sich her.
‚Das wird mir so viel Spaß machen.'
Er ging an Jude vorbei und setzte sich hinter seinen Schreibtisch. Jude hatte sich bis jetzt keinen Zentimeter bewegt und stand immer noch an der Tür und beobachtete Timothy mit einen unsicheren Blick.
„Ach kommen Sie Jude, setzten Sie sich. Ich beiße schon nicht!"
‚Noch nicht!'
Langsam bewegte sich Jude und nahm auf den Stuhl vor Timothys Schreibtisch platz.
Timothy faltete die Hände vor sich, lächelte Jude an und atmete einmal tief ein und aus.
„Es ist schon eine Weile her, dass wir beide zusammen waren. Ich meine allein und ungestört. Wissen Sie, ich muss gestehen ich vermisse unsere gemeinsamen Abendessen. Vielleicht können Sie ja mal wieder für mich kochen, ich vermisse Ihr göttliches Coq au vin."
Jude blickte zu Timothy und brauchte einen Moment um zu verstehen was er gerade gesagt hatte. Sie sollte für ihn kochen? Sollte das jetzt ein schlechter Witz sein? Sie hatte mit vielen gerechnet aber nicht damit. Völlig verständnislos sah sie zu Timothy und brachte kein Wort heraus.
„Wir beiden waren doch wirklich ein gutes Team, finden Sie nicht? Und damit sind wir auch eigentlich schon bei dem Kernteil unseres kleinen Gesprächs. Wissen Sie Jude, mehr und mehr wird mir bewusst, dass ich nie eine loyalere Partnerin hatte als Sie. Ich möchte Ihnen einen Deal vorschlagen, der sich für uns beide lohnen wird."
Genau das war es, was Timothy haben wollte. Einen neuen Partner an seiner Seite, dessen kleine schwarze Seele ihn dienen würde. Arden hatte sich bisher als guter Partner erwiesen, aber nur solange er noch die Gestalt von Mary Eunice hatte. Durch die Besessenheit des alten Mannes für diese kleine Nonne, würde er sich bald von Timothy abwenden, dessen war er sich sicher. Zudem langweilte ihn Arden allmählich und es würde bald an der Zeit sein, ihn loszuwerden.
„Und damit Sie sehen, dass ich es ehrlich meine, habe ich ein kleines Geschenk für Sie!" Langsam holte Timothy ein weißes Paket aus seinen Schreibtisch und schob es zu Jude herüber „Ich kann mir vorstellen, wie schwer es sein muss wenn einem alle persönlichen Dinge genommen werden. Sie selbst wissen ja, dass Patienten keinerlei private Dinge behalten dürfen, aber bei Ihnen mache ich mal eine Ausnahme. Sagen wir um unserer alten Freundschaft willen."
Jude starrte auf das weiße Paket und wagte nicht danach zu greifen. Stattdessen blickte sie nur zu Timothy und ihre Stimme war leise, als sie endlich wieder sprechen konnte.
„Was wollen Sie von mir?"
Timothy hatte gewusst, dass Jude nicht so leicht zu ködern war aber das machte alles nur noch spannender.
„Ich will, dass Sie meine Rechte Hand sind, so wie früher. Ich will, dass Sie ein wachsames Auge auf die kleinen Schäfchen da draußen haben und mir berichten, wenn Patienten gegen die Regeln verstoßen. Insbesondere Miss Winters und Mr Walker! Ich traue den beiden nicht und will nicht, dass diese Leute wieder Unruhe hier herein bringen."
Jude atmete tief durch und schüttelte den Kopf „Mit anderen Worten, ich soll spionieren."
„Ach Jude, das klingt schrecklich wenn Sie das so sagen aber ja, genau das sollen Sie tun. Und es wird sich für Sie bezahlt machen. Sie werden viele Sonderstellungen von mir bekommen und wenn Sie sich bewiesen haben, dann kann ich mich sogar für Sie einsetzten, dass Sie rehabilitiert werden. Stellen Sie sich doch nur vor, wie Sie als freier Mensch hier ein und ausgehen können. Niemand sonst kommt jemals wieder aus Briarcliff heraus und wir beide wissen das. Ich biete Ihnen das goldene Ticket an und das für einen so geringen Preis."
Mit großen funkelnden Augen sah Timothy zu Jude und wartete ihre Reaktion ab. Er konnte ihren Zweispalt sehen und er wusste, dass er sie noch nicht genug geködert hatte.
„Die Freiheit! Ich biete Ihnen die Freiheit und darüber hinaus noch vieles mehr. Denken Sie darüber nach meine Liebe! Aber jetzt, öffnen Sie das Geschenk und Sie werden sehen, was ich damit meine, wenn ich sage Sie bekommen noch vieles mehr."
Er schob das Paket weiter zu Jude und grinste voller Vorfreude. Er konnte es kaum erwarten ihr Gesicht zu sehen, wenn Sie sein kleines Geschenk öffnete.
Jude griff langsam mit zitternden Händen nach dem weißen Paket und nahm es auf ihren Schoß. Ihr Verstand raste und sie wusste nicht, wie sie mit all dem umgehen sollte. Bestand wirklich die Möglichkeit diesen verdammten Ort zu verlassen? Und wenn ja um welchen Preis? Konnte sie tun, was Timothy von ihr verlangte? Lana und Kit waren ihre Freunde geworden, konnte sie sie jetzt ans Messer liefern um selbst besser davon zukommen?
„Öffnen Sie es!"
Es war Timothys Stimme, die sie aus ihren Gedanken riss. Langsam nahm sie den Deckel von dem Paket und etwas, was ihr sehr bekannt vorkam, blitze durch das weiße Seidenpapier hervor.
„Was zum….."
Jude musste heftig schlucken und sie fühlte wie ihr Herz immer heftiger schlug. Was hatte das zu bedeuten?
