Kapitel 13: Freund oder Feind

Jude spürte das glatte Plastik des Hebels in ihrer Hand und fasste fest zu. Eine einzige Bewegung würde reichen um Arden für immer vom Angesicht dieser Welt zu befördern. Dieser Mann war kein Mensch und Jude wusste es. Er war ein Monster, ein Schlächter und ein wahnhafter Fanatiker, der im Dienste er Wissenschaft Menschen wie Laborraten behandelte. Hatte er es nicht verdient? Unzählige Menschen waren ihm bisher zum Opfer gefallen, war das hier vielleicht die ausgleichende Gerechtigkeit? Jude hörte ein wimmern und seine gedämpften Schreie durch seinen Knebel. Er schrie nach Hilfe? Wie viele haben womöglich um Hilfe geschrien, als er sie unter seinen Fittichen nahm? Hatte er auch nur mit einen von ihnen Mitleid? Nein, Mitleid war für diesen Mann ein Fremdwort…..er war kalt wie Eis und gefühllos wie ein Stein. Er würde auch keine Gnade walten lassen, dessen war sich Jude sicher. Vielleicht sollte sie einfach den Hebel herunterdrücken und ihm seine Strafe zukommen lassen. Aber war sie dazu überhaupt berechtigt? Wer war sie, um über Leben und Tot eines Menschen zu entscheiden? Selbst wenn dieser Mensch Arden war, konnte und wollte Jude nicht sein Henker sein. Nein, sie würde nicht wieder einen folgenschweren Fehler begehen, denn wenn sie das jetzt tat, dann war sie wirklich das, weswegen sie hier war…eine Mörderin. Langsam nahm Jude ihre Hand von dem Hebel und schüttelte den Kopf.

„Nein, das werde ich nicht machen." Sagte sie und sah dann zu Timothy.

Voller Vorfreude hatte Timothy Jude beobachtet und wartete gespannt darauf, ob sie den Hebel tatsächlich umlegen würde. Für einen Moment dachte er, dass Jude es wirklich tun würde aber dann sah er ihr zögern und er seufzte dramatisch auf.

„Judy, Judy, Judy…was soll das jetzt? Ich weiß das du es willst, warum kämpfst du gegen das an, was du willst? Denkst du, es würde deine vergangenen Süden wieder gut machen?" Langsam bewegte sich Timothy auf Jude zu und blieb dicht hinter ihr stehen „Ich habe es gesehen, jetzt deutlicher als jemals zuvor! Es ist da und du weißt es…..lass es doch einfach raus und hör auf dich zu verstellen. Was denkst du würde er machen? Hm? Glaubst du er hätte Mitleid mit dir? Nein, er würde dich töten und danach würde er ruhig wie ein Baby schlafen."

Jude konnte Timothys Atem in ihrem Nacken spüren und seine Nähe. Sie atmete tief durch und drehte sich um, langsam hob sie den Kopf und sah Timothy in seine kalten durchdringenden Augen.

„Aber ich bin nicht wie er!" sagte sie und versuchte mit Timothy Blickkontakt zu halten, was für Jude nicht leicht war. Sie sah nichts mehr von den alten Timothy in seinen Augen und doch, war es als wäre er noch da.

Ein selbstgefälliges Grinsen erschien auf Timothys Gesicht und er schüttelte amüsiert den Kopf „Das stimmt, du bist nicht wie er! Du versuchst trotz allem immer noch das Richtige zu tun, obwohl das Richtige gar nicht das ist, was du wirklich willst. Du hast nie in diese Welt gepasst Judy, du bist immer anders gewesen und das hat dich dein ganzes Leben verfolgt. Du warst nie eine Frau, die sich etwas sagen ließ…..selbst als Nonne hast du es gehasst hinter den Männern im Schatten zu stehen. Als kleine schwache Frau gesehen zu werden hat sich verrückt gemacht, denn du bist vieles aber keinesfalls schwach. Du musst nicht länger im Schatten stehen, an meiner Seite, wirst du alles bekommen was du willst…aber du musst mir beweisen, dass du loyal bist." Timothy griff nach Judes Hand und brachte sie zu seinen Mund. Mit einen genüsslichen Stöhnen, leckte er über Judes kleine Finger und saugte sie abwechselt in den Mund. Jude war so perplex, dass sie nicht einmal auf die Idee kam ihre Hand zurück zu ziehen, stattdessen beobachtete sie wie Timothy voller Genuss an ihren Fingern saugte „Weißt du Jude, ich liebe deine Hände. Sie sind so zart und klein und doch…..voller Kraft. Ich kann es noch vor mir sehen, wie du den Rohrstock mit festen Griff in den Händen gehalten hast…..ich glaube, du hast mit ihnen schon viele feste und harte Stöcke gehalten oder?" ein lüsternes Grinsen erschien auf Timothys Gesicht, als er sah wie schockiert Jude auf seine letzte Bemerkung reagierte. Blitzschnell entzog sie ihm ihre Hand und wollte sich gerade umdrehen, als er hart am Handgelenkt packte und zu sich zurückzog „Oh nein, meine Liebe…..deine Arbeit ist noch nicht beendet. Hör zu, dir ist doch klar, dass wir Arden nicht mehr laufen lassen können oder? So oder so, wird er heute hier sterben, die Frage ist ob durch mich oder dich!"

Jude funkelte Timothy wütend und voller Hass an „Ich werde das nicht tun…..niemals!" schrie Jude und versuchte sich loszureißen.

„Hmmm sag niemals nie. Ich dachte mir schon, dass du sowas sagen könntest, also habe ich ein kleines Ass im Ärmel." Timothy drehte mit einer einzigen Bewegung Judes Arm nach hinten und hielt ihn fest gegen ihren Rücken gepresst. Ihr Körper drückte gegen seinen und sein Gesicht war so nah an ihrem, dass sie seinen Atem auf ihrer Haut spürte. Judes Atem wurde ungleichmäßig und sie fühlte wieder diese unglaubliche Anziehung zu Timothy. Ihr Herz schlug schneller, als ihre Brüste gegen seinen durchtrainierten Oberkörper drücken. Innerlich verfluchte sie sich so sehr dafür. Sicher hatte sie immer eine Schwäche für ihn gehabt, aber das hier war nicht Timothy! Sie wusste es, warum ihr Körper nicht?

„Ich werde es nicht tun!" sagte Jude so fest wie sie konnte und versuchte alle Emotionen zu unterdrücken, trotzdem sie wusste, dass er in ihr Inneres blicken konnte. Sie sah es in seinen gierigen und lusterfüllten Augen.

„Oh doch Judy, dass wirst du. Denn wenn du jetzt nicht Arden für mich beseitigst, dann werde ich es selbst tun und im Anschluss an ihn, werde ich Miss Winters auf diese Liege schnallen und dann wirst du zusehen, wie ich der kleinen Lesbe die du deine Freundin nennst, dass Hirn herausbrate. Es ist deine frei Entscheidung…Freund oder Feind?"

Mit großen Augen starrte Jude zu Timothy und wusste, er würde es tun. Sie schluckte heftig und brachte kaum ein lautes Wort heraus „Warum tust du das?"

Mit einem lauten und dröhnenden Lachen warf Timothy den Kopf zurück „Warum? Nun, zum einen weil ich es kann und zum anderen weil ich es will. Du musst doch langsam wissen, ich bekomme immer was ich will….IMMER!" er lockerte den Griff um Judes Handgelenk und führte sie langsam zurück zu den großen Hebel. Jude sah zu, wie er ihre Hand auf den Hebel platzierte und sie dabei fest drückte. Ihr Atem war unkontrolliert und ihr Körper begann zu zittern, sie wollte das nicht tun aber was war die Alternative? Timothys Lippen streiften über Judes Wange und gaben ihr immer wieder kleine und fast zarte Küsse „Komm schon Judy…du weißt du musst es tun. Denk an deine Freundin, willst du für ihr Ableben verantwortlich sein? Er ist nur ein Stück Dreck…komm schon, ich helfe dir!" Timothy verstärkte den Griff und Judes Hand und begann langsam ihren Hals zu küssen.

Noch im Hintergrund konnte Jude die erstickenden Hilferufe von Arden hören, doch sie blendete sie aus. Langsam schloss Jude die Augen und spürte nur wenige Sekunden später, wie Timothys Hand ihre nach unten drängte.