Kapitel 19: Besuch einer Freundin
Das helle Licht brannte in Judes Augen, als sie langsam wieder das Bewusstsein erlangte. Sie wusste nicht wo sie war und brauchte einen Moment um sich an das Licht zu gewöhnen. Ihr Körper schmerzte und sie fühlte sich krank und schwach. Sie fror obwohl ihr heiß war und ihre Glieder fühlten sich schwer an. Das letzte an was sie sich erinnern konnte war, dass sie in ihrer Zelle das Bewusstsein verlor. Mit einem schmerzhaften Stöhnen versuchte sich Jude aufzurichten, doch spürte sofort wie zwei Hände sie zurück in die Kissen pressten.
„Bleib liegen Jude, du bist krank."
Jude kannte die warme und weiche Stimme. Es gab ihr ein Gefühl von Sicherheit und Vertrautheit. Langsam erkannte Jude wo sie war und blickte in das Gesicht von Mutter Claudia, die an ihrem Krankenbett stand und sie aufmunternd anlächelte. Sie reichte ihr ein Glas Wasser und half Jude einen Schluck zunehmen.
„Du bist mit hohen Fieber hier her gekommen Jude. Wie fühlst du dich?"
Mutter Claudia war die einzige Nonne, die noch freundlich zu ihr war, nachdem sie in Ungnade gefallen war. Jude hatte in der alten Nonne steht's eine Freundin gesehen und auch wenn Jude wütend und enttäuscht war, dass auch sie in ihr eine Irre sah, war sie froh Mutter Claudia zu sehen.
Als Jude nicht antwortete seufzte die alte Nonne und nahm auf dem Stuhl neben dem Bett Platz.
„Ach Jude, was ist nur mit dir passiert? Ich erkenne dich kaum noch wieder. Du hast dich so verändert."
Traurig blickte sie zu Jude und sah, dass die jüngere Frau sie mit einer Mischung aus Argwohn und Hoffnung ansah. Sie sah das Jude etwas sagen wollte, doch ihr schwacher Zustand ließ es nicht zu. Noch einmal reichte sie ihr das Wasser und wartete geduldig ob Jude wieder in der Lage war zu sprechen. Ein leises flüstern entkam Jude und Mutter Claudia hatte Mühe sie zu verstehen.
„Was?" fragte die alte Frau und rückte näher zu Jude heran.
Jude räusperte sich und versuchte er erneut.
„Sie glauben doch wirklich an Gott, oder?"
Die Frage verwunderte Mutter Claudia, doch sie nickte in Ehrfurcht. Sie hatte ihr Leben Gott gewidmet und das schon seit über 50 Jahren.
„Wenn Sie an Gott glauben, warum dann nicht auch an den Teufel?" fragte Jude leise.
Ein lautes Stöhnen entkam Claudia und sie schüttelte den Kopf „Jude, bitte fang nicht wieder damit an. Dieses Gerede hat dich doch erst hierher gebracht. Dein Wahn trieb dich zum äußersten und ich kann dir nicht helfen, wenn du nicht mit diesen wirren Gerede aufhörst."
Mit aller Kraft richtete sich Jude auf ohne den Blick von der anderen Frau abzuwenden „Das war keine Antwort auf meine Frage! Glauben Sie an den Teufel?"
Es brach der alten Nonne das Herz zu sehen, wie wahnhaft Jude in ihrem Glauben war, dass der Teufel sein Zuhause auf Erden hatte…..genau hier, in Briarcliff.
„Ich glaube an den Teufel, aber er ist nicht hier Jude! Alles passiert nur in deiner Fantasie, der Teufel hat nicht von Mary Eunice Besitz ergriffen."
„Oh doch, dass hatte er und sie hatte es geschafft ihn die Stirn zu bieten und ich muss wissen wie. Bitte Mutter Claudia, ich muss mit Mary Eunice reden, nur sie weiß wie man ihn besiegen kann."
„Jude!" verzweifelt sprach Claudia ihren Namen aus und schüttelte den Kopf abermals „Mary Eunice ist auch Patientin hier. Sie hat den Druck nicht standgehalten, aber das bedeutet nicht, dass sie besessen war. Vielleicht war die Aufgabe Briarcliff zu leiten einfach zu viel für sie….und für dich."
Ein hämisches Grinsen bildete sich auf Judes Gesicht „Seltsam oder? Zwei Nonnen, die das absolute Vertrauen von Ihnen genossen, sind in binnen weniger Wochen verrückt geworden. Keine gute Quote oder?"
„Werde nicht zynisch Jude, ich will dir doch nur helfen und dich wieder auf den rechten Weg führen."
„NEIN, wenn Sie mir helfen wollten, dann würden Sie dafür sorgen, dass ich mit Mary Eunice reden kann. Ich weiß, ich kann diesem Wahnsinn hier ein Ende machen aber dafür brauche ich Hilfe. Ich bin nicht verrückt Mutter! Ich bin keine Mörderin! Sie müssen Mary Eunice herbringen, aber er darf es nicht wissen! Verstehen Sie? Er ahnt, dass ich nach einem Weg suche um ihn zu verbannen und er wird versuchen es zu verhindern. Nehmen Sie sich in Acht vor ihm."
Jude spürte wie ihr schwindelig wurde und sie ließ sich langsam zurück fallen. Gerade jetzt wo sie all ihre Kraft brauchen würde, da versagte ihr Körper…aber nicht ihr Geist.
„Vor wem soll ich mich in Acht nehmen?" Mutter Claudia war sich nicht sicher, ob sie die Antwort überhaupt hören wollte.
„Der Teufel ist noch hier! Er hat nur sein Gefäß gewechselt…Timothy…er ist in Timothy Howard und…"
„Es reicht jetzt Jude! Ich habe mir das jetzt lange genug angehört und war immer bereit dir zu helfen aber jetzt ist Schluss. Wie kannst du es wagen unseren ehrenwerten Monsignore zu besichtigen der Teufel zu sein? Ich hoffe wirklich, dass das Fieber aus dir spricht. Du solltest jetzt schlafen, sonst hört noch jemand anderes dein frevelhaftes Gerede."
Wütend stand Mutter Claudia auf und wandte sich von Jude ab. Was war nur mit ihr geschehen? Immer hatte sie in Jude eine Art Tochter gesehen und nun musste sie zusehen, wie eben diese Tochter mehr und mehr den Wahn erlag.
„Nein…bitte….Mutter….gehen Sie nicht. Bitte Sie müssen mir helfen." Jude rief so laut es ihr möglich war, doch Mutter Claudia ging weiter in Richtung Tür „Bitte glauben Sie mir doch…..nehmen Sie sich in Acht vor ihm. Trauen Sie ihm nicht…reden Sie mit Mary Eunice wenn Sie mir nicht glauben aber halten Sie sich von Timothy fern….Bitte!"
Die Tür schloss sich hinter Mutter Claudia und sie ließ Jude allein in dem kleinen Krankenzimmer zurück. Tränen der Verzweiflung brannten in Judes Augen. Wer sollte ihr jetzt noch helfen?
