Kapitel 21: Wärme und Kälte

Nachdem Mutter Claudia gegangen war, versuchte Jude verzweifelt zu überlegen, was sie jetzt tun sollte. Doch sie konnte keinen klaren Gedanken fassen, sie war so schrecklich müde und erschöpft. Ihr ganzes Leben war ein einziger Kampf und langsam aber sicher spürte Jude, wie ihre Kräfte schwanden. Sie wollte nicht länger kämpfen, sie konnte nicht länger kämpfen. Sie war mit ihrer Kraft am Ende und sie hatte niemanden mehr, der ihr zur Seite stehen würde. Alle hatten sie verlassen. Timothy verfiel dem Teufel, Mutter Claudia hatte sich von ihr abgewandt und Frank war nicht mehr da um ihr Trost zu spenden.

Frank' Jude vermisste sein freundliches Gesicht und seine warme Stimme, die immer ein freundliches Wort für sie übrig hatte. Frank war ihr Freund…vielleicht ihr Einziger und ausgerechnet ihn sollte sie ermordet haben. Wenn es ihr Herz nicht so zerreißen würde, würde sie es als blanken Hohn abtun.

Langsam fielen Jude die Augen zu und sie spürte wie der Schmerz in ihrem Körper nachließ und sie in einen tiefen Schlaf fiel.

„Jude? Jude, können Sie mich hören? ….Jude? Kommen Sie, sehen Sie mich an."

Jude wollte ihre Augen nicht öffnen, sie wollte einfach nur schlafen und wenigstens hier alles Schreckliche vergessen können.

„Jude, bitte!"

Wieder hörte Jude, wie eine Stimme sie rief und dieses Mal war sie klarer und deutlicher. Sie kannte den Klang dieser Stimme und ein Gefühl von Wärme umgab sie. Diese warme und freundliche Stimme, oh wie sehr hatte Jude sie vermisst. Langsam öffnete sie die Augen und blickte in das lächelnde Gesicht von Frank McCann.

„Frank?" verwirrt und erschrocken zu gleich, setzte sich Jude auf. Der Schmerz in ihrem Körper war verschwunden und sie fühlte sich weder krank noch schwach. Sie sah sich um, noch immer lag sie in ihrem Krankenbett, doch sie war nicht mehr auf der Krankenstation in Briarcliff, sondern in einen in warmem Licht getauchten Raum.

„Hallo Jude, es ist schön, dass ich noch einmal die Gelegenheit habe Sie wieder zu sehen." lächelnd setzte sich Frank auf die Bettkante und nahm Judes Hand in seine.

„Ich…ich verstehe das nicht. Ich dachte Sie wären…man sagte mir, dass Sie tot wären." Jude dachte sie würde einfach nur träumen, aber alles fühlte sich so real an.

„Das bin ich auch. Ich wurde heimtückisch ermordet von dem Wesen, welches jetzt im Körper von Timothy Howard sein Zuhause gefunden hat. Jude, ich möchte das Sie mir jetzt genau zuhören, denn ich habe nicht viel Zeit….dass ich hier bei Ihnen sein darf, habe ich nur der Gnade einer …nunja….Freundin zu verdanken."

Mit jedem Wort von Frank, wurde Jude nur verwirrter. Wie konnte er hier mit ihr sprechen wenn er tot war? Und welche Freundin? Und wo war sie überhaupt.

„Ich verstehe das alles nicht, wo sind wir? Und wie ist es möglich, dass Sie hier sind wenn Sie wirklich tot sind? Oder bin ich vielleicht selbst schon gestorben?" Jude war von sich selbst überrascht, dass dieser Gedanke sie nicht wirklich erschreckte.

„Nein Jude, Sie sind nicht tot. Wir befinden uns in einer Welt zwischen Leben und Tod, nur hier war es mir möglich Sie zu erreichen. Der Engel des Todes gab mir diese Chance. Sie ist oft bei Ihnen, sie wacht über Sie. Sie sagte mir, dass Ihre Zeit noch nicht gekommen ist….doch das es etwas gibt, was das Gleichgewicht in der Welt der Lebenden ins Wanken bringt. Es ist das gleiche Wesen, welches mich getötet hat und es wird weiter töten… Jude, Sie stehen ganz oben auf seiner Liste und es hat Angst vor Ihnen. Diese Angst könnte es zum äußersten treiben. Sie haben ihm mehrmals schon die Stirn geboten. Damals als es in ihren Körper wollte, doch dann auf Mary Eunice zurück greifen musste und dann als sie Timothys wahres Ich wieder zurück holen konnten. Es sieht eine Gefahr in Ihnen aber gleichzeitig auch einen Gegner mit dem sich ein Kampf lohnen würde. So oder so, es wird Sie nicht in Ruhe lassen und Sie müssen ihn wiederstehen. Shachath spürte, dass Ihre Kräfte nachlassen und deswegen bin ich hier. Jude, Sie müssen weiter kämpfen….nur Sie haben eine Chance gegen das Böse."

Jude hörte Frank aufmerksam zu und Tränen begangen in ihren Augen zu brennen „Aber was ist, wenn ich nicht mehr kämpfen will? Ich kann das alles nicht mehr….ich bin am Ende und allein…."

„Nein, Sie sind nicht allein….ich werde immer bei Ihnen sein, auch wenn Sie mich nicht sehen können."

Jude begann bitterlich zu weinen und sie versteckte es nicht „Ich vermisse Sie Frank." Schluchzte sie und hielt Franks Hand ganz fest.

„Und ich vermisse Sie und ich bereue, dass ich zu Lebzeiten nie den Mut fand, Ihnen zu sagen was Sie mir bedeutet haben….immer noch bedeuten. Doch für mich ist es zu spät….Sie aber haben die Wahl. Sie müssen sich wieder aufrappeln und ich weiß, dass Sie es schaffen werden."

„Frank, was meinen…" noch bevor Jude weiter sprechen konnte, spürte sie einen kalten Windzug und es ließ sie erschaudern.

„Er ist wieder da! Ich muss jetzt gehen…..meine Zeit hier ist abgelaufen…aber keine Angst, ich bin immer bei Ihnen….wenn Sie Trost brauchen, dann denken Sie an mich und Sie können sich sicher sein, dass ich da sein werde. Seien Sie stark Jude."

„Was? Nein, ich will nicht das Sie gehen…bitte Frank, ich will nicht wieder zurück." Die Kälte kam immer näher und Jude wusste, was es bedeutet und sie hatte Angst.

„Ich weiß, aber das ist weder meine Entscheidung noch Ihre." mit einem letzten aufmunternden Lächeln beugte sich Frank zu Jude herunter und gab ihr einen sanften Kuss auf die Stirn, bevor er verschwand. Von weiten hörte Jude noch ein letztes Mal seine Stimme.

„Ich bin bei Ihnen….immer."

Und mit diesen letzten Worten verschwand die Wärme und die Kälte übernahm wieder die Oberhand.

„Jude? Jude, öffne die Augen."

Abermals bat eine Stimme Jude, die Augen zu öffnen. Doch dieses Mal gab es nichts Warmes und Freundliches in ihr. Ganz im Gegenteil, die Stimme war kälter als Eis und Jude wusste, wer jetzt bei ihr war.