Kapitel 22: Hass ist Lust

Wiederwillig öffnete Jude die Augen und blickte sich um, sie war wieder in ihrem Krankenzimmer in Briarcliff. All die Wärme die sie verspürt hatte, war wie weggefegt und es blieb nichts übrig außer Kälte und Angst, denn sie war nicht allein. Er war wieder da….oder besser gesagt, es war wieder da. Mit kalten Augen und einen hämischen Grinsen blickte Timothy auf Jude herab.

„Hallo Jude, es freut mich zu sehen, dass du wach bist. Ich war erschüttert zu erfahren, dass du Krank bist. Wie geht es dir meine Liebe?"

Es gab keine Aufrichtigkeit in seinen Worten und Jude fühlte sich nicht im Stande ihm die Stirn zu bieten. Sie wusste nicht, ob sie jemals dazu im Stande sein würde. Wie sollte ausgerechnet sie die Macht haben, um gegen das Böse zu kämpfen? Statt ihm eine Antwort zugeben, drehte sie sich weg und schloss die Augen.

„Ach komm schon Jude, benimm dich doch nicht wie ein trotziges Kind. Ich möchte doch nur sehen, wie es dir geht. Wir beide hatten bisher so viel Spaß und ich langweile mich wahrscheinlich zu Tode ohne dich." Timothy trat näher an Judes Bett heran und setzte sich auf die Bettkante, seine Hand glitt unter die Bettdecke und noch bevor er überhaupt die Chance hatte, sie zu berühren, drehte sich Jude um und stieß seine Hand weg.

„Nimm die Finger von mir!" fauchte sie und blickte ihn wütend an.

Ein lautes Lachen entkam ihm und er sah sie amüsiert an „Was soll das Jude? Hm? Spielst du jetzt plötzlich die Unnahbare? Wir wissen doch beide, dass du das nicht bist. Letzte Nacht jedenfalls warst du mehr als zugänglich. Und wo wir gerade beim Thema sind…..ich muss sagen, ich habe dich etwas unterschätzt, nie hätte ich gedacht, dass du es schaffst diesen Schwächling genug Kraft zu geben um mir Widerstand zu leisten. Ich war ziemlich wütend darüber und am liebsten, hätte ich dir dafür den Schädel eingeschlagen aber…nun, heute bin ich froh, dass ich es nicht tat. Es wäre ja so, als würde man sein Lieblingsspielzeug in den Müll werfen, nur weil es einen kleinen Defekt hat. Das bist du für mich Jude, mein Lieblingsspielzeug."

Langsam richtete sich Jude in ihrem Bett auf, ohne den Blick von Timothy abzuwenden. Seine Worte und seine kalte Stimme, versetzten sie noch immer in Schrecken aber mehr noch weckte er die Wut in ihr.

„Ich bin kein verdammtes Spielzeug."

„Oh doch, dass bist du und so viel wie ich weiß, warst du es dein ganzes Leben lang. Du warst nichts weiter als ein Spielzeug für Duzende von Männern die du zwischen deine Beine gelassen hast und du warst auch für deinen so heiß geliebten Timothy Howard nichts weiter als ein Spielzeug, eine Marionette die so agierte wie er es wollte. Stimmt das nicht?" er beobachtete Jude und wusste genau, dass er gerade einen sehr wunden Punkt getroffen hatte und es freute ihn über alle Maßen. Ihre Trauer und ihr Schmerz bereiteten ihn die größte Freude und es weckte alle Gelüste in ihm. Wut, Trauer, Schmerz und Angst waren dass, was ihn nährte und seine sexuelle Lust ins unermessliche steigen ließ „Ich habe eine Frage…..warum willst du eigentlich diesen Bastard, der sich so verraten hat wieder haben? Macht Liebe wirklich so Blind oder bist du einfach nur dumm? Du solltest mir dankbar sein….sehr sehr dankbar." Mit einer schnellen Bewegung drückte er Jude zurück in die Kissen und presste seine Lippen fest auf ihre. Seine Zunge versuchte in ihren Mund einzudringen, doch Jude wollte ihn nicht wieder die Oberhand gewinnen lassen. Mit aller Kraft die sie hatte, drehte sie ihren Kopf zur Seite und entzog sich so seinen Kuss.

„Lass mich sofort los….hier sind überall Schwestern….ich schreie, wenn …"

Noch bevor Jude weiter sprechen konnte, spürte sie wie Timothy grob ihr Gesicht packte und sie zwang ihn anzusehen.

„Dann schrei doch….los komm schon Judy. Was werden die Schwestern sehen, wenn sie herkommen? Eine verrückte und verwirrte Frau, die in einer Irrenanstalt sitzt und einen ehrenwerten Mann der Kirche. Wem wird man glauben? Du denkst doch nicht, dass das Wort einer Verrückten über dem meinem stehen wird."

Timothys Griff war hart und schmerzhaft und Jude hatte das Gefühl, er würde ihr ihren Kiefer brechen. Dennoch versuchte sie nicht vor ihm zusammen zu brechen „Ich bin nicht verrückt!"

„Ja, dass weißt du und ich weiß es auch aber…..die anderen wissen es nicht. All diese dummen Schafe da draußen, denken das du vollkommen den Verstand verloren hast und verschwenden nicht einen Gedanken daran, dass du mit allem Recht hast. Ja, ich bin das Böse. Ja, ich habe diesen nervigen Wachmann beseitigt. Ja, ich habe diese Mexikanerin ermordet. Ja, ich hatte auch die Macht über Mary Eunice' Körper. Aber weißt du was? Niemanden interessiert das, also ist es egal was du sagst, keiner wird dir jemals glauben." Mit wahnhaften Augen sah er zu Jude herunter und sein Gesicht war nichts weiter, als eine verzerrte Maske des Schreckens „Du hast jetzt die Wahl meine Süße….also, willst du jetzt wirklich um Hilfe rufen und in eine Zwangsjacke kommen oder haben wir beide jetzt etwas Spaß zusammen? Deine Entscheidung."

Jude schluckte schwer und sie wusste nicht was sie tun sollte. Das eine oder das andere….beides wäre eine Qual. Doch wenn sie wirklich die Chance haben wollte, gegen ihn zu kämpfen, so würde sie das nicht in einer Zwangsjacke tun können.

Timothy spürte, wie Judes Widerstand nachließ und sich ihr Körper unter ihm entspannte. Triumphierend sah er auf Jude herab und ließ ihr Gesicht los.

„Oh und mach dir keine Hoffnung, dass dein Timothy es noch einmal schaffen könnte zu dir durchzudringen….dieses Mal nicht…jetzt gehörst du mir ganz alleine."