Kapitel 3
~ Davids neue Wohnung ~
Amanda nahm seine Hand, apparierte mit ihm zu Davids Wohnungstür und klingelte. „Also ich bin sehr gespannt." „Ja, ich auch. Schon alleine auf sein Gesicht", grinste Snape.
David öffnete schließlich die Tür und sein Lächeln wurde etwas kleiner, als er sah, dass Amanda tatsächlich Snape mitgebracht hatte. Hätte sie nicht einen Abend mal auf ihn verzichten können? „Hallo, kommt doch rein", sagte er deshalb ein wenig gesetzter als geplant und trat einen Schritt zur Seite. „Hallo Brüderchen", sagte Amanda und betrat seine Wohnung. Snapes Lippen umspielte ein leicht amüsiertes Grinsen, als David die Gesichtszüge entglitten. Als er sie hereinbat trat er ein und begrüßte ihn. Allerdings deutlich sachlicher als Amanda.
David brachte beide durch seinen kleinen Flur in sein Wohnzimmer, wo seine Freundin auf dem Sofa saß und sich erhob, als die Gäste das Zimmer betraten. „Das ist meine Freundin Sandra und das ist Amanda, meine Schwester. Na ja und Professor Snape kennst du ja", stellte David sie gegenseitig vor. Amanda lächelte Sandra freundlich an und begrüßte sie. Sandra hingegen hatte etwas Mühe, ihre Fassung zu behalten, als Snape das Zimmer betrat. Was machte der denn hier?!? Dann erwiderte sie aber Amandas Gruß lächelnd. Während Severus David folgte, ließ er den Blick ein wenig durch die Räumlichkeiten schweifen. Im Wohnzimmer angekommen, begrüßte er das Mädchen, nachdem David gesprochen hatte, mit den Worten: „Sieh einer an... Miss Adams..." Das war also Davids geheimnisvolle Freundin... „Hallo, Professor Snape", sagte Sandra recht kühl. Sie konnte sich noch immer keinen Grund vorstellen, warum er hier sein sollte.
„Wir haben dir auch etwas mitgebracht, David", sagte Amanda und reichte ihm die drei Päckchen. „In der Hoffnung, dass es in diesem Chaos nicht untergeht", fügte sie noch an. „Oh danke und tut mir Leid, so viel Zeit hatte ich noch nicht und Dad wollte gleich noch kommen und mir helfen das eine Regal aufzubauen." Dann machte er sich daran, das kleinste und schwerste Geschenk zu öffnen. Severus schwieg derweil erst einmal, während sich auf seinen Lippen schon ein leichtes Grinsen abzeichnete, in freudiger Erwartung, was passieren würde, sobald David das Päckchen geöffnet hatte. Langsam und über eine Umzugskiste steigend ging er zum Fenster und sah kurz hinaus, dann drehte er sich wieder um, sodass er alle Beteiligten gut im Blick hatte. Miss Adams schien sich offenbar auch zu wundern, was er hier zu suchen hatte, stellte er amüsiert fest. Doch es war Davids Aufgabe, seine Freundin aufzuklären. Schließlich hielt David die kleine Phiole in der Hand, las das Etikett und sah seine Schwester strafend an. „Das ist nicht lustig." Amanda grinste daraufhin. „Doch, durchaus. Du musst auch erst die anderen Sachen auspacken." David reichte Sandra die kleine Flasche, damit er das zweite Paket öffnen konnte und sah Amanda kurz skeptisch an. Was hatte sich seine Schwester nur wieder gedacht? Als er dann das Kochbuch in der Hand hielt wurde sein Blick nicht fröhlicher. „Das erklärt das andere aber noch nicht wirklich. Aber danke, das kann ich bestimmt gut gebrauchen." „Na das denke ich doch" grinste seine Schwester. „Du musst eben auch das dritte aufmachen." „Ja ja", sagte David und packte langsam das letzte Geschenk aus. Snapes amüsiertes Grinsen wurde indes immer größer, als er die Reaktionen beobachtete. Wie David wohl reagieren würde, wenn er das letzte Geschenk vor Augen hatte?!? Er selbst fand es durchaus lustig, was sie Amandas Bruder als Geschenk mitgebracht hatten.
Einen Moment lang starrte David auf das knallgrüne Buch in seinen Händen. „Was soll denn das?" Amanda musste lachen. „Na ja... Wir dachten, das könnte vielleicht ganz hilfreich sein." David sah sie böse an und zeigte Sandra das Buch, welche daraufhin rot wurde, vor allem im Zusammenhang mit dem Trank, den sie schon in den Händen hielt. Das waren schon etwas seltsame Geschenke fand sie, aber wieso redete Davids Schwester immer von wir? Sie hatte doch nicht wirklich etwas mit Snape, oder? Wobei das die einzig sinnvolle Erklärung für seine Anwesenheit wäre. „Stellen sie sich nicht so an Brown", meldete sich dieser nun auch einmal zu Wort und kam langsam wieder zur Gruppe zurück, während er zwischendurch noch einen amüsierten Blick auf die rot gewordene Sandra warf. „Oder bevorzugen sie etwa immer noch die Aufklärungsarbeit der Teenwiz", grinste er spöttisch. Amanda schmunzelte vor sich hin und sah David an. Dieser wandte sich an Snape. „Nein, auch wenn sie das wirklich gar nichts angeht." „Dann hätten sie ihre Zeitschrift damals nicht so offen herumliegen lassen dürfen, Brown." Dann sah Severus Amanda an und grinste ein wenig. „Vielleicht wäre doch das andere Buch besser gewesen." Dabei hatte er das im Sinn, in welchem es um die gleiche Thematik ging, allerdings noch etwas kindgerechter umschrieben. „Das ist ja schon ewig her", sagte David leicht genervt. „Und", sah Snape fragend und mit angehobener Augenbraue David an. Amanda nickte indes. „Ja, vielleicht hast du Recht. Vielleicht beinhaltet dies doch noch zu viele neue Informationen."
Severus wandte sich wieder Amanda zu, bei der er nun auch wieder stand. „Gut möglich. Wäre ja nicht das erste Mal, dass sich Mr. Brown überfordert fühlt, nicht wahr?" Er blickte wieder zu David. „Da fällt mir ein... Ein Knigge oder ähnliches wäre auch ein passendes Geschenk gewesen... Aber das bekommen sie dann zum Geburtstag, Brown." Der Zynismus in seiner Stimme war nicht zu überhören. „Ich bin überhaupt nicht überfordert und wo sie in meiner Wohnung sind, könnten sie auch ruhig ein wenig freundlicher sein, Professor Snape!" „Jetzt reg dich mal wieder ab, David. Du konntest ja wohl damit rechnen, dass Severus mitkommt, wenn du mich einlädst und außerdem wäre es freundlich von dir, wenn du uns zum Beispiel fragen würdest, ob wir etwas trinken möchten, oder uns die Wohnung zeigen oder so." David sah seine Schwester leicht wütend an. „Ich sollte doch erst mal die Geschenke auspacken! Kann doch nicht alles gleichzeitig machen." Amanda sah ihn beschwichtigend an. „Ja, schon gut. Ich wollte dich nur darauf hinweisen."
„Ich glaube, sie haben mich noch nie richtig
unfreundlich erlebt, Mr. Brown", sagte Severus daraufhin nur
noch, schwieg dann aber. Das tat er aber nicht, weil David es so
wünschte, sondern weil Amanda genau erkannt hatte, was er mit seiner
Anspielung sagen wollte. „Ich schon.
Nicht empfehlenswert, David", bemerkte Amanda und wartete
darauf, dass David auf ihren Hinweise, oder besser ihre
Aufforderung, reagierte. Ihr kleiner Bruder sah aber zunächst sie
und dann Snape an. „Es reicht ja wenn es mir zu unfreundlich ist.
Aber ich werde ihnen natürlich trotzdem gerne die Wohnung zeigen.
Wenn sie mir bitte folgen wollen", sagte er dann, wobei die letzten
Worte übertrieben freundlich waren.
Sandra stand neben David und
verstand die Situation nicht viel besser als zuvor. Scheinbar war
Davids Schwester wirklich mit Snape zusammen und das schon länger.
Das war eine wirklich unheimliche Vorstellung. David war inzwischen
zu der zweiten Tür im Raum gegangen, die neben der zum Flur war und
öffnete sie. „Das ist mein Schlafzimmer", sagte er schließlich
erklärend, auch wenn er sich besseres vorstellen konnte, als
ausgerechnet Snape sein Schlafzimmer zu zeigen. Interessiert ging
Amanda an ihm vorbei und betrat das recht kleine Zimmer, um es sich
anzusehen. Snape zog es vor, an der Tür
stehen zu bleiben. Auch er war nicht scharf darauf, Davids
Schlafzimmer genauer unter die Lupe zu nehmen. Womöglich würde er
noch Dinge finden, die er überhaupt nicht wissen wollte.
Amanda ging einmal durch den Raum und sah sich um. Durch die geringe Größe bot er gerade genügend Platz für ein Bett und einen Schrank, aber ihre erste Wohnung hatte auch nicht viel besser ausgesehen. Dann kam sie wieder zu David. „Hast du auch eine Küche? Wenn wir da sind, könnten wir ja auch mal über Getränke reden." Sie grinste ihn an. David nickte und verkniff sich einen Kommentar auf Amandas Worte. Dann führte er sie durch den Flur in seine Küche, die wiederum so klein war, dass gerade einmal zwei Leute hineinpassten. „Na bei der Größe ist es ja gut, dass wir den Schwerpunkt nicht auf das Kochbuch gelegt haben", kommentierte Amanda das Zimmer. „Hm ja... Möchte denn jemand etwas trinken?" Seine große Schwester nickte. „Saft, soweit du den da hast. Sonst nehme ich Wasser." „Okay, und sie, Professor Snape?" Severus musste bei Amandas Kommentar bezüglich des Kochbuchs kurz ein wenig lachen. „Wasser", antwortete er dann auf Davids Frage.
Der machte sich also daran, vier Gläser aus
einem Schrank zu holen und die Getränke entsprechend einzuschenken.
Sandra stand derweil etwas abseits in der Tür zum Wohnzimmer und als
sie Snape lachen sah und hörte, sah sie ihn unweigerlich verwundert
an. Der konnte wirklich lachen? Scheinbar wurde der Abend
überraschender als erwartet.
Amanda hingegen sah, wie David einen
Moment vor den vier Gläsern stand und überlegte, wie er sie am
besten transportieren sollte, daher nahm sie ihm einfach spontan ihrs
und Severus ab. „Gehen wir doch wieder ins Wohnzimmer, oder?"
David nickte und so machte sich die Gruppe wieder auf den Weg nach
nebenan. Kaum hatten sie sich auf Davids Aufforderung hingesetzt,
klingelte es an der Tür, so dass er wieder aufstand, um zu öffnen.
Mr. Brown stand vor der Tür.
David begrüßte seinen Vater und einen kurzen Moment später betraten sie auch schon wieder zusammen das Wohnzimmer. David stellte ihm Sandra vor und nachdem er gefragt hatte, was er denn trinken wollte, ging er in die Küche, um es zu holen. Mr. Brown hingegen, begrüßte Amanda, die inzwischen aufgestanden war, mit einer Umarmung und Snape mit einem freundlichen Händedruck. Denn auch wenn er noch immer nicht ganz von dieser Beziehung überzeugt war, konnte Snape so schlimm nicht sein, wenn seine Tochter schon so lange an ihm festhielt. „Schön, dass ihr auch hier seid", sagte er dann zu ihr, nachdem er sich auf den einzig freien Platz gesetzt hatte. Amanda nickte. „Ja, eigentlich ist es ein etwas blöder Termin, aber der kleine Bruder zieht ja nicht jeden Tag aus." „Nein und das ist auch gut so", meinte ihr Vater. „Sonst müsste ich nachher öfter bei eurer Mutter im Haus Kartons packen." Amanda lachte. „Oh, das wollen wir dir doch lieber ersparen." In dem Moment kam David mit dem Getränk wieder und reichte es seinem Vater, bevor er sich wieder zu seiner Freundin setzte. Die nutzte nun endlich die Gelegenheit und fragte ihn so leise wie möglich nach Amanda und Snape, wobei David ihre Befürchtung daraufhin nur bestätigen konnte.
Während David sich wieder setzte, wollte Amanda von ihrem Vater wissen, ob er denn länger in England bleiben würde, oder ob er bald wieder für einige Wochen weg musste. „Nein, so wie es aussieht bleibe ich erstmal einige Wochen hier. Aber so sicher kann man sich ja nie sein, wie du weißt. Wieso? Willst du auch umziehen?" Amanda schüttelte den Kopf. „Nein, zumindest nicht in nächster Zeit." Mr. Brown nickte und sah dann David an. „Und? Wie hast du dir das nun gedacht mit dem Regal aufbauen? Irgendjemand muss mir schon noch helfen."
Snape folgte indes schweigend der Unterhaltung, nachdem er Mr. Brown senior bei seiner Ankunft kurz die Hand geschüttelt hatte. Als er aus dem Augenwinkel sah, dass Sandra David etwas zuflüsterte, sah er kurz zu ihnen, doch dann lenkte er seine Aufmerksamkeit wieder auf Amanda und ihren Vater. Nach kurzem Nachdenken brachte er sich schließlich ins Gespräch ein. „Da ihr Sohn als Gastgeber gebunden ist, würde ich ihnen helfen, sofern sie nichts dagegen haben." Dabei hatte seine Stimme keine besondere Färbung. Es war lediglich ein gut gemeintes Angebot an Davids Vater und auch an David selbst. Amanda lächelte Severus auf diese Worte hin an. Sie fand es sehr lieb von ihm, dass er sich diese Arbeit aufbürden wollte. Sandra und David hingegen sahen beide sehr überrascht zu Snape. Jetzt war er auch noch hilfsbereit und drückte David nicht einfach die Arbeit aufs Auge, sondern nahm Rücksicht auf ihn. Carl Brown hingegen war sehr positiv überrascht, denn es bestätigte nur seine bisherige Vermutung. „Nein, habe ich nicht. Das wäre sehr freundlich von ihnen." „Gut", entgegnete Snape daraufhin lediglich noch, lächelte kurz zu Amanda zurück und trank dann einen Schluck Wasser. Er ging nun davon aus, dass Mr. Brown auf ihn zukommen würde, sobald er mit dem Aufbau beginnen wollte.
„Was macht deine Arbeit, David", wollte Amanda wissen. „Ja, es ist ganz okay gerade. Immer was neues irgendwie." „Schön." Amanda lächelte. Sie hatte noch etwas Schwierigkeiten sich vorzustellen, dass David schon arbeitete. Gerade als sie fragen wollte, was Sandra denn nun machen würde oder bereits machte, klingelte es erneut an der Tür. „Och David, hast du Mama nicht gesagt, dass wir hier sind?" Amanda konnte sich nicht vorstellen, dass jemand anderes an der Tür war. Ihr Bruder zuckte daraufhin mit den Schultern. „Doch eigentlich schon. Vielleicht ist es ja auch jemand anders." Dann stand er wieder auf, um die Tür zu öffnen. Tatsächlich war es seine Mutter, die ihm noch etwas bringen wollte, was er angeblich so wichtiges vergessen hatte.
„Wann haben sie vor, das Regal aufzubauen,
Mr. Brown", fragte Snape sogleich nach, als er die Stimme von
Amandas Mutter im Gang hörte. Er hatte keine Lust sich mit ihr zu
unterhalten und das war seines Erachtens das beste Mittel ihr
zumindest für eine Weile zu entgehen. „Vielleicht
ist es jetzt gar kein so schlechter Moment", sagte Mr. Brown und
erhob sich. „Es ist im Schlafzimmer", fügte er dann noch an.
Amanda sah ihren Vater und Severus schmunzelnd an. Sie hätte auch
gerne mit ihnen getauscht. Stattdessen wurde sie einen Moment später
schon stürmisch von ihrer Mutter begrüßt, welche sich daraufhin
gleich begeistert an Snape wandte und ihn, genau wie Sandra,
ebenfalls begrüßte. „Noch besser",
sagte Severus leise, als er sich erhob. Dann begrüßte er Amandas
Mutter noch höflich, bevor er sich an Brown senior wandte. „Wollen
wir?"
Dieser nickte und begrüßte dann
noch kurz kühl seine Exfrau, die darauf nur ein Du
auch hier?! übrig hatte und sich
dann neben Amanda nieder ließ und sie mit Fragen überhäufte, deren
Beantwortung Amanda viel Geduld abverlangte.
Mr. Brown
begleitete Snape derweil ins Schlafzimmer, schloss dort die Tür aber
nicht ganz, um wenigstens etwas am Geschehen im Wohnzimmer beteiligt
zu sein. „Einen Moment sicher", sagte er und seufzte. „Wie
bitte", fragte Snape nach, als sie alleine waren, denn er verstand
nicht, auf was sein Gegenüber seine Bemerkung gerade genau bezog.
„Noch einen Moment Schonfrist",
meinte dieser auf Snapes Frage. Dann ging er in eine Ecke des Raums
wo ein Haufen Bretter lag. „Ich hoffe, dass das etwas wird hier."
Amanda und Sandra mussten währenddessen weiter die Fragen von Mrs. Brown standhalten. „Ach so. Ja, allerdings", entgegnete Severus und besah sich anschließend die Bretter. „Man kann nur alle bemitleiden, die nun noch drüben sitzen." „Ja das stimmt. Aber Amanda wird das schon meistern, sie hat ja Übung", meinte Mr. Brown und machte sich daran, ein wenig Ordnung in das Bretterchaos zu bringen. Snape half ihm dabei. „Trotzdem kann sie sicherlich auch darauf verzichten." „Das ganz bestimmt. Gut, dass Kinder sich doch hin und wieder von ihren Eltern unterscheiden. Ich hoffe, sie haben solche Probleme nicht mit ihren Eltern." Als ihm klar war wo was hingehörte, stellte er die beiden tragenden Teile schon einmal gegen die Wand und legte die Regalböden auf das Bett.
Severus hielt kurz in seiner Arbeit inne, als
Mr. Brown auf seine Eltern zu sprechen kam, doch dann fuhr er fort
und antwortete ruhig und wahrheitsgemäß: „Nein. Denn meine
Eltern sind beide tot." Mr. Brown sah
Snape an. Damit hatte er nicht gerechnet. „Oh, das tut mir leid.
Ich hätte nicht gefragt, hätte ich das gewusst."
„Ich weiß",
entgegnete dieser bloß und griff nach den Schrauben, als er sie
entdeckt hatte. Er hatte kein Bedürfnis, weiter über dieses Thema
zu reden, da es für ihn persönlich auch nichts darüber zu reden
gab. Beide Todesfälle lagen schon zu lange zurück, als dass er
darüber noch richtig trauerte.
Amandas Vater nickte und
zusammen arbeiteten sie weiter am Aufbau des Regals.
Mrs. Brown
hingegen bekam gerade von Amanda ein Glas gereicht und entdeckte
dabei etwas an ihrer Tochter, was sie doch sehr überraschte. „Bist
du verlobt", wollte sie sehr verwundert und laut von ihrer
Tochter wissen. David und Sandra sahen Amanda daraufhin ziemlich
erschrocken an. Vor allem David hoffte, dass dies nicht der Fall
war.
Amanda sah erst den Ring an ihrem Finger und dann ihre Mutter
an, bevor sie den Kopf schüttelte. „Nein, bin ich nicht. Das hätte
ich wohl erzählt." „Da kann man sich bei dir ja nicht so sicher
sein und du willst mir doch nicht erzählen, dass du den Ring selbst
gekauft hast, oder?" „Nein, natürlich nicht." Den Ring hatte
sie vor einigen Tagen von Severus bekommen. Er war aus Weißgold und
die beiden schmal zulaufenden Enden wurden von einem Diamanten
zusammengehalten. Doch vor allem war das Datum in den Ring
eingraviert, an dem sie sich zum ersten Mal wirklich geküsste
hatten. Amanda hatte sich sehr über dieses tolle Geschenk gefreut,
denn noch nie hatte sie etwas so wertvolles geschenkt bekommen und
das war nicht nur auf das Materielle bezogen. „Dann kannst du mir
doch nicht erzählen, dass du den Ring einfach so bekommen hast,
oder? So einen Ring zu bekommen ist doch so gut wie ein
Heiratsantrag."
Mr. Brown hörte die lauten und etwas
aufgebrachten Worte seiner Exfrau und sah Snape überrascht und
fragend an. Dieser rollte ein wenig mit
den Augen, denn auch ihm entging der laute Ausruf von Amandas Mutter
nicht. Das musste ja irgendwann kommen, dachte er sich. „Ihre
Ex-Frau kann es scheinbar kaum erwarten, ihre Tochter unter die Haube
zu bringen", sagte er, als er dann auch noch den Blick seines
Gegenübers bemerkte.
„Wenn es nach ihr ginge, müsste
Amanda wohl schon zwei Kinder haben und zu Hause sitzen und diese
hüten", sagte Mr. Brown daraufhin und trotzdem war er neugierig,
was Amanda da für einen Ring bekommen hatte. So etwas hatte er Snape
wirklich nicht zugetraut. Scheinbar gab es bei ihm noch mehr zu
lernen, als er erwartet hatte.
„Mama, bitte! Ich bin nicht verlobt, das ist
nicht geplant und sollte ich es irgendwann sein, wirst du sicherlich
darüber informiert! Der Ring war ein Geschenk und mehr auch nicht",
sagte Amanda auf die Worte ihrer Mutter, welche sich damit aber nicht
zufrieden geben wollte. „Ist wohl nur die Frage, ob ich das noch
erleben werde, so viel Zeit wie du dir lässt!"
David hingegen
war sehr erleichtert zu hören, dass Amanda nicht
verlobt war, das war ja noch sein Horror. Mit der Beziehung hatte er
sich ja irgendwie abgefunden, ohne es besser verstehen zu können,
aber auf Snape als Schwager konnte er wirklich verzichten.
„Wie gut, dass es nicht nach ihr geht",
entgegnete Severus auf Mr. Browns Worte und schraubte einen
Regalboden ein. „Denn der Ring ist lediglich eine Aufmerksamkeit,
ohne tiefere Bedeutung. Oder vielmehr keiner Bedeutung dieser Art",
fügte er dann noch an, denn offenbar war die Neugier seines
Gegenübers noch nicht gänzlich gestillt worden. Mr.
Brown sah ihn freundlich an und lächelte kurz etwas. „Es ist in
der Tat gut, dass es nicht nach ihr geht und ich hatte eine solche
Bedeutung auch nicht angenommen."
Amanda seufzte über die Worte
ihrer Mutter. „Tja, dann muss David eben herhalten, wenn ich schon
nicht dazu tauge." Dann stand sie auf um nachzusehen, wie weit ihr
Vater und Severus mit dem Aufbau des Möbelstücks waren.
„Schön, wenn wir uns in diesem Punkt verstehen", entgegnete Snape, während er weiter das Regal zusammenbaute und nebenher mit einem Ohr zuhörte, was im Wohnzimmer gesprochen wurde. „Himmel... Wenn sie es jetzt noch bei ihrem Sohn und seiner kleinen Freundin versucht, dann ist ihre Ex-Frau wirklich von allen guten Geistern verlassen", rutschte es ihm dann raus, als er hörte, was Amanda zu ihrer Mutter sagte. „Damit muss man rechnen", meinte Mr. Brown trocken. Kurz darauf betrat Amanda das Zimmer. „Na ihr Drückeberger, wie weit seit ihr", wollte sie wissen und schloss die Tür hinter sich. „Wir werden das Regal noch einmal einreißen, sobald es fertig ist, nur um nicht zurück ins Wohnzimmer kommen zu müssen", antwortete Severus Amanda grinsend, als sie das Zimmer betrat. „Vielleicht solltet ihr lieber den Schrank nehmen, das dauert länger", meinte Amanda nur und kam dann grinsend zu ihnen. Ihr Vater hatte gerade den letzten Regalboden festgeschraubt und sah sie an. „Das wäre vielleicht auch eine gute Idee." „Andererseits könnte ich mich ausnahmsweise einmal als Retter der Unterdrückten hervortun und mich wieder nach nebenan begeben, um deinen Bruder und seine Freundin vor deiner Mutter zu retten. Nachdem du ihr Schwiegersohn und Enkelkinder gerade abgeschlagen hast…", grinste Severus und legte den Schraubenzieher beiseite. Er wusste, dass er wieder zum Zentrum von Mrs. Browns Aufmerksamkeit werden würde, sobald er zurück ins Wohnzimmer kommen würde.
„Damit wird sie leben müssen, zumindest
vorerst. Aber vielleicht ist das nicht die schlechteste Idee. Mir
glaubt sie vermutlich zu wenig." Mr. Brown sah die beiden an.
„Vielleicht sollten wir alle drei gehen und uns dem Grauen
stellen."
Snape lachte auf Mr. Browns Worte
hin kurz auf. „Ja. Stellen wir das Regal noch an seinen Platz und
dann gehen wir. Es hilft ja nichts." Carl
Brown nickte und zusammen mit Snape stellte er das Regal an seinen
Bestimmungsort und zu dritt gingen sie dann zurück ins
Wohnzimmer.
Tatsächlich diskutierte gerade David mit seiner
Mutter darüber, dass sie Sandra nicht so ausfragen sollte, doch die
Aufmerksamkeit von Mrs. Brown wurde sogleich auf Snape gelenkt, als
dieser den Raum betrat. „Professor Snape! Also diesen Ring an der
Hand meiner Tochter müssen sie mir schon noch genauer erklären!"
Amanda seufzte und setzte sich zu ihrer Mutter. „Mama, bitte. Da
gibt es gar nicht mehr zu wissen." „Doch, natürlich gibt es
das!" Fragend sah sie Snape an. Mr. Brown hingegen setzte sich
schweigend auf seinen Platz und sah dem Ganzen zu.
„Ich wüsste nicht, was ich den Worten ihrer Tochter noch hinzuzufügen hätte, Mrs. Brown", entgegnete Snape ruhig und setzte sich neben Amanda. Dann sah er kurz zu den beiden Jüngsten im Raum und vor allem zu Sandra, die Mrs. Brown gerade noch in der Mangel gehabt hatte. „Professor Snape, ich bitte sie! Man schenkt doch einer Frau keinen Diamantring, ohne sie heiraten zu wollen", ließ Amandas Mutter nicht von dem Thema ab. Sandra hingegen atmete etwas auf, da sich Mrs. Brown nun jemanden anderen gesucht hatte, den sie ausfragen konnte. Snapes Blick wich sie aus. Von seiner Seite war sicherlich auch nichts Gutes zu erwarten. Dieser wandte sich nun wieder seiner unfreiwillig gewählten Gesprächspartnerin zu. „Ich weiß nicht, was man so tut, aber ich habe es getan", betonte er. Natürlich stellte diese Antwort Olivia Brown überhaupt nicht zufrieden. „Vielleicht sollten sie dann noch einmal darüber nachdenken. Immerhin sind sie schon fast vier Jahre mit meiner Tochter zusammen, da ist das ja unverheiratet langsam kein Zustand mehr!" Amanda seufzte genervt, sparte sich aber ihren Kommentar, denn es würde ohnehin nichts helfen. Stattdessen sah sie ebenfalls zu David und Sandra und lächelte beide etwas mitleidig an.
„Ich denke, es ist doch wohl gänzlich und allein meine Entscheidung und die ihrer Tochter, wann wir gedenken uns zu verloben, geschweige denn zu heiraten, oder Kinder in die Welt zu setzen. Und wenn ich Lust habe, mein restliches Leben eine Art wilder Ehe zu führen, dann werde ich das tun, ob sie es nun wollen oder nicht." Snape sprach mit völlig ruhiger Stimme und einem samtigen Unterton. Er hatte nicht vor, sich noch einmal durch diese Frau derart provozieren zu lassen, wie es einmal bei Amanda zuhause geschehen war. Allerdings war daran auch ihr Vater nicht unbeteiligt gewesen, doch der verhielt sich heute ja ausgesprochen ruhig und entgegenkommend. Manchmal fragte sich Snape wirklich, was diesen Mann jemals dazu getrieben hatte, diese Frau zu heiraten. Doch nach genauerem Überlegen musste er ihm für diese Dummheit wiederum dankbar sein, denn ohne sie wäre er nie Amanda begegnet...
Kinder?!?! Das
wollte sich David nur wirklich am allerwenigsten vorstellen. Das
Snape überhaupt so etwas tat was dazu führen konnte, war schon eine
schlimme Vorstellung, aber noch mehr von der Sorte? Und dann noch mit
seiner Schwester?
Amanda lächelte Severus kurz von der Seite an
und nahm seine Hand in ihre, bevor sie von ihrer Mutter angesprochen
wurde, die nun, wo sie bei Snape nicht weiter kam, ein anderes Opfer
suchte. „Amanda, sag doch auch einmal etwas dazu!" „Was soll
ich denn dazu sagen? Abgesehen davon, dass Severus und ich uns da
einig sind und du da sicherlich keinen Einfluss drauf haben wirst."
Severus drückte kurz
sanft Amandas Hand und lächelte sie kurz an. „Es ist mir wirklich
äußerst schleierhaft, wieso sie sich so darauf fixieren, dass ihre
Tochter Mann und Kinder haben muss. Wir leben im 20. Jahrhundert,
Mrs. Brown", merkte er noch an. Dann kam ihm ein Gedanke und die
Antwort auf die daraus resultierende Frage interessierte ihn
schließlich so sehr, dass er ihn laut aussprach, während er
sich neben Amanda etwas zurücklehnte. „Es ist ja nun
nicht der Fall... Aber was würden sie tun, wenn ihre Tochter oder
ihr Sohn homosexuell orientiert wären..." Er sah Amandas Mutter
fragend an, um ihre Reaktion genau studieren zu können. Allem
Anschein nach war sie ja sehr konservativ eingestellt und es
interessierte ihn nun wirklich, wie sie auf das Thema Homosexualität
reagieren würde.
Sandra wunderte sich durchaus über Snapes Frage, denn für sie war sie ganz schön aus dem Zusammenhang gegriffen. Interessiert sah auch Amanda ihre Mutter an. Über dieses Thema hatten sie noch gar nicht gesprochen, was aber vermutlich auch besser so war. Carl Brown ahnte allerdings schon die Reaktion seiner Exfrau und trank lieber noch etwas aus seinem Glas. Mrs. Brown verzog etwas das Gesicht bei Snapes Frage. „Nun, diese Frage stellt sich ja nicht, weil es nun mal nicht so ist." „Ich sagte ja bereits, des es eine rein hypothetische Frage ist. Aber ihrer Reaktion entnehme ich, dass sie es nicht akzeptieren könnten", bemerkte Severus schlicht und ohne überrascht zu sein. Dann griff er nach seinem Glas und trank einen Schluck Wasser. „Was gäbe es denn da zu akzeptieren, abgesehen von einer weiteren komischen Phase", wollte sie von Snape wissen, woraufhin Amanda nur leicht den Kopf schüttelte. Lange würde sie sich das nicht mehr anhören. „Lassen wir das Thema. Sie haben meine Frage schon hinreichend beantwortet, Mrs. Brown und ihre gerade getätigte Aussage bestätigt nur, dass sich eine Diskussion über dieses Thema als wenig aussichtsreich darstellt." Dann sah er kurz die anderen Anwesenden der Runde an, bevor sein Blick bei David hängen blieb und etwas länger auf ihm ruhte. Er konnte gut verstehen, warum er so schnell als möglich von daheim ausgezogen war.
Da
Snape an diesem Abend ein wenig ergiebiger Gesprächspartner war,
wandte sich Mrs. Brown wieder an Sandra. „Haben sie denn
Geschwister, Miss Adams", wollte sie wissen. Die Angesprochene
antwortete daraufhin und befürchtete, nun wieder das Hauptziel der
Aufmerksamkeit geworden zu sein. David fragte sich währenddessen,
wieso Snape ihn so lange ansah. Was sollte dass nur schon
wieder?
"Wollen wir gleich gehen", wollte Amanda schließlich
leise von Severus wissen. Dieser neigte
ein wenig den Kopf zu Amanda, dann sah er sie an. „Ich denke, allzu
lange müssen wir uns das hier nicht mehr antun, ja...", antwortete
er leise.
Amanda nickte und einige Minuten
später, als ihre Mutter gerade die arme Sandra in Frieden ließ, um
einen Schluck zu trinken, kündigte Amanda an, dass sie nun gehen
würden. Also erhoben sich alle, um sich voneinander zu verabschieden
und Amanda war mehr als froh, als sich schließlich die Wohnungstür
hinter ihnen schloss.
„Die arme Miss Adams... Sie tut
mir fast ein wenig leid", merkte Snape an, als sie draußen
waren. „Aber vielleicht ist ja dein Bruder so schlau und schmeißt
deine Mutter bald raus. So könnte er sicher bei seiner Flamme
punkten." Er grinste und küsste Amanda kurz. „Und wo wir schon
beim Punkten sind", fuhr er dann leiser fort und zog sie etwas an
sich, „könntest du jetzt bei mir punkten und mir endlich die neue
Unterwäsche vorführen, sobald wir daheim sind..."
„Mir tut sie in jedem Fall leid
und zu der anderen Sache... Ob ich es dir da so einfach mache?" Sie
grinste und nahm ihren Zauberstab in die Hand, um gleich apparieren
zu können.
Auch er zog daraufhin
seinen Zauberstab. „Was heißt hier zu einfach? Ich musste jetzt
stundenlang warten, das ist Strafe genug gewesen", grinste er,
bevor er schließlich zu Amanda nach Hause apparierte.
