Kapitel 5
~ Schulbeginn ~
Es war Dienstagabend und Amanda saß zu Hause an ihrem Schreibtisch und brütete über der Buchhaltung für Felonwood. Es gab definitiv Dinge, die sie lieber tat, aber gemacht werden musste es natürlich trotzdem. Gerade hatte sie sich in eines der Zahlenprobleme vor sich hineingedacht, als es an der Tür klingelte. Verwundert, wer sie so überraschend besuchen könnte, stand sie auf, um zu öffnen. Schließlich fand sie ihren Bruder vor der Wohnungstür stehend. „Hallo, ich wollte eigentlich nur fragen, ob du mir vielleicht deine Pfanne leihen könntest." Amanda sah David groß an, musste dann aber grinsen und trat einen Schritt zur Seite um ihn einzulassen. „Du brauchst was?" David betrat die Wohnung. „Eine Pfanne eben. Ich hab gerade festgestellt, dass ich irgendwie keine habe." Leicht mit dem Kopf schüttelnd ging Amanda in die Küche, wohin ihr Bruder ihr folgte. „Meinst du denn, ich bekomme die im Ganzen wieder", wollte sie von ihm wissen. „Na klar", versicherte David. „Was sollte ich denn damit tun?" Seine große Schwester zuckte mit den Schultern, während sie ihre Pfanne aus dem Schrank nahm. „Ich habe keine Ahnung, aber man kann es ja nicht so genau wissen." Inzwischen hatte David etwas Komisches an seiner Schwester entdeckt. „Ich werde schon nichts kaputt machen. Du hast da etwas am Hals", merkte er dann noch an. Amanda stellte die Pfanne auf die Arbeitsfläche in Davids Richtung und fasste sich auf seine Worte hin an den Hals. „Hm? Was denn?" „Na da…." David zeigte auf den dunklen Fleck etwas unterhalb ihres Ohres. „Oh...das..." Amanda musste grinsen, als sie daran dachte, wie es entstanden war. Während David die Pfanne nahm und sich wieder auf den Weg zurück zur Tür machte, wollte er aber schon noch genaueres wissen: „Was hast du denn da gemacht? Sieht seltsam aus." Inzwischen waren sie an der Wohnungstür angekommen und Amanda sah ihr Gegenüber an. „Ich glaube kaum, dass du das so genau wissen möchtest." Ein Grinsen konnte sie sich bei diesen Worten aber dennoch nicht verkneifen. Einen Moment sah ihr Bruder sie nur an, bis er scheinbar die richtige Vermutung hatte und das Gesicht verzog. „Oh man… Ich glaube du hast Recht! Ich gehe besser, bevor du es doch noch erzählst." Er öffnete die Tür und trat in den Hausflur. Amanda musste lachen. „Keine Angst, werde ich nicht. Bring mir die Pfanne heile wieder, ja?!" David nickte. „Mach ich schon. Danke noch mal!" Nachdem sie sich noch kurz verabschiedet hatten, disapparierte David und Amanda konnte sich wieder ihrer Buchhaltung widmen.
Ähnlich wie dieser Abend vergingen auch die nächsten beiden und als sie am Donnerstagabend das dicke Kassenbuch von Felonwood zuschlug, dachte sich Amanda, dass sie noch Severus schreiben würde, denn sie wollte natürlich wissen, wie seine erste Schulwoche verlaufen war und außerdem hoffte sie, dass sie am Wochenende Zeit füreinander finden würden. So schickte sie eine halbe Stunde später einen Brief nach Hogwarts. Vermutlich würde ihre Eule es nicht mehr bis zur morgendlichen Post schaffen, aber Amanda vermutete, dass sie gegen Mittag des nächsten Tages das Schloss erreichen würde.
Freitagnachmittags, als Snape nach seinem Unterricht wieder sein Büro betrat, wartete eine Eule auf ihn. Schlecht gelaunt nahm er ihr den Brief ab, doch als er merkte, dass er von Amanda war, hob sich seine Stimmung ein wenig. Er hatte sie schon vermisst und freute sich schon auf das Wochenende mit ihr. Als er sich hinter den Schreibtisch gesetzt und zu lesen begonnen hatte, verschlechterte sich seine Laune jedoch bald wieder, denn Amanda teilte ihm mit, dass sie erst samstagabends ab acht Uhr Zeit haben würde, da sie freitags mit Alan verabredet war und samstags arbeiten musste.
Mit einem Ton des Missfallens warf Severus den Brief auf den Schreibtisch und starrte ihn einen Moment lang nur an, bevor er schließlich nach einer Feder griff und ihn zu beantworten begann. Schon der heutige Morgen verlief denkbar schlecht, denn er musste zum ersten Mal die ersten Klassen aus Slytherin und Gryffindor unterrichten und nun sagte ihm auch noch Amanda, dass sie im Grunde das ganze Wochenende keine Zeit hatte. Seine schlechte Laune konnte Snape auch in seinem Brief an Amanda nicht ganz verbergen.
Am Abend, als Amanda vom Konzert kam, fand sie einen Brief von Severus auf dem Wohnzimmertisch, den ihre Eule offensichtlich in der Zwischenzeit gebracht hatte. Freudig öffnete sie ihn, doch nachdem sie den Inhalt gelesen hatte, fühlte sie sich recht vor den Kopf gestoßen. Es tat ihr ja Leid, wenn Severus Woche nicht gut gewesen war und er dieses Jahr offensichtlich besonders schwierige Erstklässler hatte, aber sie konnte schließlich überhaupt nichts dafür. Während sie ins Schlafzimmer ging, um den Brief zu beantworten, dachte Amanda darüber nach, dass es eine ganze Zeit her war, dass sie einen solchen Brief von Severus bekommen hatte und daher fand sie das Ganze noch seltsamer. So dauerte das Verfassen ihrer Antwort auch etwas länger als normalerweise. Nachdem sie den Brief weggeschickt hatte, machte sie sich bettfertig und einige Minuten später lag sie auch schon im Bett und war eingeschlafen.
Als Severus den Brief am nächsten Nachmittag erhielt, tat es ihm leid, was er zuvor an Amanda verfasst hatte. Schon ein paar Stunden, nachdem er den Brief verschickt hatte, hatte er sich gedacht, dass er sich beim Schreiben zu sehr von seinem Frust hatte leiten lassen. Er wollte Amanda sehen und wusste auch, dass er sich bei ihr entschuldigen sollte, deshalb beschloss er am Abend noch bei ihr vorbeizugehen, ohne auf ihren Brief zu antworten, denn dieser würde sie ohnehin nicht mehr rechtzeitig erreichen. So machte er sich dann auch nach dem Abendessen in Hogwarts auf den Weg zur Apparationsgrenze. Eine Viertelstunde nach Acht klingelte er schließlich an Amandas Wohnungstür und hoffte, dass sie schon Zuhause war. Tatsächlich war Amanda überraschend früh fünf Minuten zuvor nach Haus gekommen und hatte gerade ihre Arbeitsrobe ausgezogen, als es klingelte. In der Hoffnung, dass es sich doch um Severus handelte, ging sie zur Tür, um zu öffnen. Als er es dann wirklich war, lächelte sie ihn an und trat einen Schritt zur Seite, um ihn einzulassen. „Hallo", begrüßte sie ihn ruhig. „Hallo", lächelte er kurz und trat ein.
Zwar war Amanda wirklich froh ihn zu sehen, aber dennoch nahm sie ihm den Brief vom vergangenen Tag noch etwas übel. So wurde sie wieder ernster, als sie die Wohnungstür hinter ihm schloss. „Schön, dass du doch gekommen bist", sagte sie trotzdem. „Ja... Ich wollte dich sehen... und mich für meinen Brief entschuldigen. Meine Laune hätte sich darin nicht widerspiegeln sollen." Er sah sie an. „Hättest sie ruhig tun können, solange du für mich auch ein paar nette Worte übrig gehabt hättest", antwortete Amanda, während sie ihn ansah. „Es tut mir leid." Amanda nickte und nahm seine Hand. „Schon okay." Severus lächelte etwas und zog sie sanft ein wenig zu sich. Er war froh, dass das nun geklärt war. „Wie war dein Tag", fragte er dann. Sie seufzte leise. „Lang und recht anstrengend. Matthew war nur den halben Tag da und samstags ist ja immer viel los." Er nahm sie in den Arm. „Hast du schon was gegessen?" „Nein, ich bin gerade erst gekommen." Amanda legte ebenfalls ihre Arme um ihn. „Wenn du duschen möchtest, dann koche ich dir derweil etwas, wenn du willst", schlug Snape mit leicht gedämpfter Stimme vor. „Wow, das wäre wirklich toll, aber ich will dir keine Arbeit aufdrücken." Er lächelte. „Ich würde es wohl kaum vorschlagen, wenn ich es nicht auch machen will, oder?" „Mhm, stimmt. Vielen dank." Sie lächelte ihn an und küsste ihn sanft auf den Mund. „Bitte", antwortete er leise und erwiderte den Kuss. „Dann geh ich jetzt mal in die Küche."
Amanda ging daraufhin ins Bad und duschte schnell. Severus kochte derweil ein leckeres, aber schnelles Gericht für sie und als sie wieder zurückkam, war er auch fast schon fertig. „Das riecht schon sehr toll", kommentierte Amanda das Essen. „Du kannst dir schon einen Teller und Besteck nehmen", sagte er, während er noch einmal nachwürzte. „Du möchtest nichts mitessen", wollte sie wissen, während sie Geschirr aus dem Schrank nahm. „Ich habe schon gegessen." „Okay. Möchtest du denn etwas trinken?" „Ja, das wäre gut", antwortete Severus.
„Saft? Wasser? Tee? Wein? Ich habe alles da." Sie sah ihn von der Seite an und dann kurz in den Topf auf dem Herd. „Das sieht auch noch sehr lecker aus. Was würde ich nur ohne dich machen?" „Es ist noch dazu fertig", grinste Severus und gab es ihr dann auf den Teller. „Und ich werde Wasser trinken heute", beantwortete er ihr noch ihre Frage. Amanda nickte und schenkte ihm ein Glas Wasser ein, bevor sie sich mit ihm an den Küchentisch setzte. Nachdem sie ein wenig gegessen hatte, sah sie Severus an. „Hast du das mit Gringotts gehört? Ich finde das ganz schön beunruhigend muss ich sagen." Er setzte sich mit ihr an den Tisch und trank von seinem Wasser. „Ja, habe ich. Stand ja groß und breit im Propheten..." „Ja... Die Frage ist wohl vor allem, was so wichtig war, einen Einbruch zu riskieren beziehungsweise wer da rein und heile wieder raus kommt." „Diese Person oder diese Personen müssen jedenfalls über beträchtliches magisches, oder eher schwarzmagisches Wissen verfügen", merkte Severus dazu lediglich an, denn mehr konnte er dazu leider nicht sagen, obwohl er sehr wohl einiges mehr darüber wusste. „Bedenklich ist es in jedem Fall, das ist wahr", ging er dann noch einmal auf ihr vorher Gesagtes ein. „Ja. Ob das wohl stimmt mit den Drachen?" Amanda grinste etwas, denn trotz des ernsten Themas konnte sie sich das wirklich nicht vorstellen. „Ich könnte es mir durchaus vorstellen." „Ich mir eigentlich nicht so. Also vielleicht früher mal, aber inzwischen? Ich weiß nicht." „Und wieso nicht?" „Weil ich denke, dass es genügend Schutzzauber gibt und diese Geschichte so weit verbreitet ist, dass es reicht. Wobei wie man sehen kann, hält denjenigen der es wirklich will eh nichts ab, zumindest nicht vom Versuch." Tatsächlich fand Amanda diesen Einbruch sehr beunruhigend. Nicht, dass sie sich wirklich Sorgen um ihr eigenes Verlies machte, aber irgendwie hinterließ es einfach ein schlechtes Gefühl so wie vieles, was von der Norm abwich. „Das ist wohl richtig. Ein Drache würde einen entschlossenen Einbrecher auch nicht abhalten...", entgegnete Snape ruhig, doch insgeheim fand auch er die Sache ein wenig beunruhigend, vor allem deshalb, weil er wusste, welches Verlies bestohlen werden sollte und was noch vor Kurzem darin gelegen hatte. Er fragte sich, genauso wie Dumbledore auch, wer solch ein hohes Risiko einging und in Gringotts einbrach, um an den Stein der Weisen zu gelangen.
Nach seinen Worten lächelte er Amanda ein wenig an, denn irgendwie spürte er, dass dieser Einbruch einen fahlen Nachgeschmack bei ihr hinterließ. „Ich gehe einmal davon aus, dass das eine Einzeltat war. Der Dieb hat nicht gefunden was er suchte und Nachahmer wird es wohl kaum geben." „Ja, vermutlich hast du Recht", sagte Amanda noch etwas nachdenklich und aß weiter von ihrem Essen. „Mach dir darüber keine allzu großen Gedanken. Gringotts wird vermutlich nach diesem Vorfall die Sicherheitsvorkehrungen noch verschärfen...", versuchte Severus Amanda zu beruhigen. „Ich denke auch. Wahrscheinlich nur eine spektakuläre Ausnahme." Amanda trank einen Schluck und wechselte dann das Thema. „Und welcher deiner Schüler hat gleich in der ersten Stunde den Kessel geschmolzen? Das ist ja rekordverdächtig." Sie grinste etwas bei diesen Worten. „Höchstwahrscheinlich, ja", entgegnete Severus noch und trank dann etwas. „Longbottom, ein neuer Gryffindor." „Longbottom?" Irgendwie kam ihr dieser Name doch sehr bekannt vor, aber es brauchte einen Moment bis sie sich erinnerte. „Aber doch nicht mit den beiden Auroren Longbottom verwandt, oder?" „Doch, deren Sohn", entgegnete Snape, denn auch ihm war der tragische Vorfall mit Nevilles Eltern noch gut im Gedächtnis. „Oh, ich wusste gar nicht, dass sie ein Kind hatten. Der arme Kerl." Genau an diesen Vorfall hatte Amanda auch denken müssen und dass sie auch noch ein Kind hatten, machte die Sache irgendwie noch ein Stück schlimmer. „Doch", entgegnete Snape knapp und trank dann noch einen Schluck Wasser. „Sicherlich kein leichtes Schicksal, dass der Junge zu tragen hat, aber deshalb kann ich ihn nicht mit Samthandschuhen anfassen." „Das Risiko besteht wohl kaum, wenn er in der ersten Stunde gleich so positiv aufgefallen ist, würde ich mal behaupten." „Es besteht so und anders nicht. Du kennst mich ja", ein kurzes Grinsen huschte über Snapes Gesicht bei diesen Worten.
Auch Amanda musste daraufhin kurz lächeln. „Ja, durchaus." Dann aß sie den letzten Rest von ihrem Teller. „Es war sehr lecker, vielen Dank." „Schön. Gern geschehen", lächelte er sie daraufhin an. „Und wie verbringen wir nun noch den restlichen Abend?" „Ich weiß nicht. Was möchtest du denn? Du bist ja der mit der blöden Woche." Amanda grinste, stand auf, kam zu ihm, und gab ihm einen Kuss. „Ich möchte einfach nur möglichst gemütlich mit dir zusammen sein", antwortete Snape, denn Stress und Anstrengung hatte er unter der Woche schon genug gehabt und würde es auch die kommenden Wochen noch haben. „Schön, dass wir uns da einig sind. Lass uns dann doch ins Wohnzimmer gehen. Du hast auch dein Buch hier vergessen, solltest du es vermisst haben." Amanda zog Severus auf die Füße. „Gute Idee", sagte dieser und ging mit ihr mit. „Nein... Ich hatte die letzten Tage ohnehin keine Zeit zu lesen."
Im Wohnzimmer angekommen, setzte sich Severus aufs Sofa und zog Amanda mit sich. „Und hier ist es ja in guten Händen", lächelte er und küsste sie dann kurz. Sie lächelte ebenfalls und reichte ihm dann das Buch vom Tisch. „Es könnte an schlimmeren Orten aufbewahrt werden, da hast du Recht." Dann kuschelte sie sich etwas an ihn. Ihr war nicht nach lesen, sondern erst einmal wollte Amanda ein wenig das Nichtstun in Severus Arm genießen. Snape betrachtete das Buch kurz, dann legte er es zurück auf den Tisch und nahm stattdessen Amanda in den Arm. Auch er wollte sich erst einmal ganz ihr widmen, denn das Buch lief ihm nicht weg. Amanda hatte er aber nur ein paar Stunden und dann musste er sie schon wieder für Tage entbehren. Leise und zufrieden seufzte Amanda. So wie jetzt konnte ihretwegen auch das restliche Wochenende verlaufen. Auch Severus war einem ruhigen und entspannten Restwochenende nicht abgeneigt und so verbrachten beide viel Zeit lesend und aneinandergekuschelt auf dem Sofa, bis Snape schließlich am späten Sonntagnachmittag wieder zurück nach Hogwarts musste, um wieder pünktlich zum Abendessen dort zu sein.
