Kapitel 11
~ Fröhliche Weihnachten ~
Einige Minuten später war auch David überredet und nachdem alle ihre Umhänge, Schals und Mützen angezogen hatten, gingen sie in den nahen Park, um sich etwas die Beine zu vertreten. „Das war eine gute Idee, Dad", meinte Amanda, als sie ein Stück gegangen waren und nahm dann Severus Hand. Dieser drückte Amandas sanft ein wenig, als er ihren Griff spürte und ging neben ihr her. Die frische Luft tat gut, denn sie regte wieder ein wenig seinen Geist an, der durch die warme Luft der Wohnung und das Wissensspiel etwas müde geworden war.
Sie waren noch nicht sehr weit gegangen, als Amanda von etwas Kaltem und Schwerem im Nacken getroffen wurde, woraufhin sie zusammen zuckte und sich ruckartig umdrehte, nur um Davids grinsendes Gesicht ein paar Meter entfernt zu sehen. „Du kannst es auch nicht lassen kleiner Bruder, oder?" Dieser schüttelte nur den Kopf und schon flog ein weiterer Schneeball in Amandas Richtung, dem sie grade noch ausweichen konnte, indem sie sich bückte. „Gut, du hast es nicht anders gewollt..." Amanda nahm ihren Zauberstab aus der Tasche und gab ihn Severus, damit sie ihn im Getümmel nicht verlor. „Passt du bitte einen kleinen Moment darauf auf?"
Snape drehte sich auch um, als er bemerkte, dass Amanda etwas am Hinterkopf getroffen hatte. Etwas unwillig sah er David an, doch im Halbdunkel des Parks konnte dieser das wohl kaum erkennen. Aufgrund des zweiten Schneeballs trat er gelassen ein wenig zur Seite und nahm dann Amandas Zauberstab entgegen. „Sicher... Ich an deiner Stelle würde aber einfach ein paar Schneebälle verhexen", grinste er etwas. „Ich mach den auch so platt, keine Sorge", grinste sie zurück und bückte sich dann, um den ersten Schneeball zu formen. Carl trat etwas aus der Schussbahn und somit näher zu Snape. „Ich hätte es wissen müssen", kommentierte er das Verhalten seiner Kinder nur.
Amanda hatte ihren ersten Schneeball fertig und gerade als sie nach David Ausschau halten wollte, wurde sie auch schon an der Schulter getroffen. Immerhin verriet ihr dieser Treffer aber, wo sich ihr Bruder aufhielt und mit einigen schnellen Schritten lief sie auf ihn zu und warf schließlich den Ball. Doch weil David sich hinter Sandra versteckt hatte, wurde nicht er, sondern seine Freundin getroffen. „Oh, entschuldige", meinte Amanda nur kurz und machte sich daran, erneut Schnee mit ihren Händen zu einer Kugel zu formen.
„Das kommt wohl öfter vor", entgegnete Snape fragend Carl Brown und sah den beiden zu. Dann schüttelte er den Kopf, als Sandra aus Versehen den Schneeball abbekam. Einen Kommentar dazu verkniff er sich gerade noch. Sandra Adams war alt genug, sich selbst zu helfen in diesem Fall. „Eigentlich sollte David sich wohl eher vor Miss Adams stellen und nicht anders rum", kommentierte allerdings Carl die Situation. Währenddessen hatte Amanda ihren ersten Treffer bei ihrem Bruder gelandet und auch Sandra hatte sich nun in das Geschehen eingemischt, so dass David gerade von zwei Seiten beschossen wurde. „Genau das war auch gerade mein Gedanke. Erst eine Schlacht anzetteln, sich dann aber hinter Unbeteiligten verstecken...", sprach Severus seine Gedanken aus. „Die Rache folgt aber auf dem Fuße", grinste er dann zufrieden, als er sah, dass sich David nun gegen beide Frauen behaupten musste. Carl Brown lachte. „Ja, so ist das. Hat David selber Schuld." „Absolut", pflichtete Snape bei und beobachtete weiter das Geschehen.
David versteckte sich gerade so gut es ging hinter einem Baum, um ein paar Schneebälle auf Vorrat zu machen, doch viel zu plötzlich stand Amanda vor ihm und rieb ihm eine Handvoll Schnee ins Gesicht. Doch David reagierte sofort und drückte seiner Schwester den Schnee aus seiner Hand ebenfalls ins Gesicht und lief dann ein paar Meter weg, um Zeit zu haben, sich den Schnee aus den Augen zu wischen. Doch seine große Schwester war härter im Nehmen, als er gedacht hatte und mit einem seiner Schneebälle war sie schon wieder auf dem Weg zu ihm, woraufhin er sich lieber laufend noch ein paar Meter entfernte. Die Auseinandersetzung zwischen den beiden Geschwistern ließ allerdings Sandra genügend Zeit, selbst einen kleinen Vorrat anzuhäufen. Gerade wollte Amanda David abwerfen, als sie aus einer anderen Richtung von einem Schneeball getroffen wurde. Scheinbar hatte Sandra doch beschlossen, dass nun jeder gegen jeden spielte. Also warf Amanda ihren Ball lieber in ihre Richtung und landete auch gleich einen Volltreffer. Doch während sie sich noch darüber freute, packte David sie von hinten und stopfte ihr etwas Schnee unter die Robe, was Amanda leicht aufschreien ließ, während sie versuchte sich aus dem Griff ihres Bruders zu befreien, der natürlich weiter machte, solange er noch Schnee in der Hand hatte.
„Sie müssten solche Sachen doch gewöhnt sein, Professor Snape. Mit den ganzen Schülern und dem vielen Schnee in Hogwarts", meinte Carl Brown schließlich. „Na ja... Wie sie sagten, sind es dann meine Schüler, die sich im Schnee wälzen und nicht meine Partnerin." Er grinste ein wenig, aber vor allem auch wegen einem Gedanken, den er besser nicht aussprach. In Hogwarts wäre er nämlich schon längst dazwischen gegangen und hätte jedem Schüler fünf Hauspunkte abgezogen, für irgendein Verbot, gegen das sie angeblich gerade verstoßen hatten. „Die tun das vermutlich auch sehr viel öfter als Amanda", meinte Mr. Brown daraufhin nur und sah dem Geschehen weiter schmunzelnd zu.
Inzwischen hatte Amanda David mit sich zu Boden gezogen und wieder etwas die Oberhand gewonnen, wodurch es nun sie war, die ihm Schnee unter die Robe steckte. „Ja, zum Glück. Sonst würde ich mir dann doch ein paar Gedanken machen", entgegnete Snape, denn er fand, dass man ab einem gewissen Alter solche Kindereien nur noch eingeschränkt betreiben sollte. „Ich glaube nicht, dass sie das brauchen. Ich bin natürlich nicht sehr objektiv, aber jemanden Besseres als Amanda werden sie kaum finden", sagte Carl Brown nicht ohne Stolz in der Stimme, denn stolz war er auf jeden Fall auf seine Kinder.
Sandra stand etwas abseits von dem Haufen der David und Amanda darstellte und wartete auf ihre Gelegenheit. Momentan musste Amanda gehörig einstecken und nur mit einiger Kraft schaffte sie es, sich von David zu befreien, aufzustehen und einige Meter wegzulaufen, doch nur, um kurz darauf von ihrem Bruder wieder zu Boden geworfen zu werden. „Nun, das habe ich auch nicht behauptet", grinste Snape ein wenig, während er Amanda beobachtete, denn er wusste schon, dass er in seinem Leben keine andere Frau mehr wollte, außer sie. Dann sah er ihren Vater kurz an. Dieser lächelte Snape daraufhin freundlich an. „Dann ist es ja gut." Amanda hingegen lag im Moment auf dem Rücken und versuchte sich gegen ihren Bruder zu wehren, was allerdings nicht so recht klappen wollte, weil sie die ganze Zeit lachen musste und daher nicht genügend Kraft aufbringen konnte. Severus lächelte kurz ein wenig zurück, dann sah er wieder zu Amanda und David. „Danke nochmals für ihre Einladung", griff er das Gespräch nach kurzem Schweigen wieder auf. „Und vor allem für das Geschenk. Das wäre nicht nötig gewesen." Irgendwie war es ihm gerade noch einmal ein Bedürfnis, diese Tatsache herauszustreichen, denn er war wirklich nicht mit der Erwartung hergekommen, auch noch beschenkt zu werden. „Das ist doch nicht der Rede wert. Ich freue mich, dass sie gekommen sind und der Mann, der meine Tochter offensichtlich so glücklich macht, hat selbstverständlich auch ein Geschenk verdient", antwortete Mr. Brown und sah Snape freundlich an, bevor er einen Moment überlegte und dann erst weitersprach. „Wenn sie möchten, können wir auch zum Du übergehen. Es ist ja schon einige Zeit... Aber nur wenn sie auch wollen, ich möchte ihnen nichts aufzwingen."
Amanda hatte sich inzwischen für einen kurzen Moment zusammengerissen und David eine Ladung Schnee ins Gesicht verpasst, was ihr genügend Zeit gab, unter ihm wegzurollen und aufzustehen. Keuchend und lachend sah sie ihren Bruder an. „So David, ich sag unentschieden! Du kannst ja mit Sandra noch weiter machen, aber ich kann nicht mehr!" Snape sah seinen Gesprächspartner wieder an und lächelte ein wenig, auf seine ersten Worte hin. Amanda machte vor allem ihn selbst glücklich, dachte er sich, dann antwortete er: „Dieses Angebot schlage ich nicht aus." Es freute ihn, dass Carl Brown ihn nun nach vier Jahren soweit akzeptiert hatte, dass er ihm das Du anbot. „Severus", sagte er dann und reichte ihm die Hand. „Carl", antwortete dieser und schüttelte Snapes Hand mit einem freundlichen Lächeln. Einen Moment später kam Amanda noch immer keuchend zu ihnen und hielt sich etwas an Severus Arm fest. „Ich glaub, ich werde alt", meinte sie lachend und sah dann die beiden Männer an, die irgendwie anders wirkten als sonst. „Alles in Ordnung bei euch?" Sandra und David setzten ihre Schneeballschlacht derweil noch fort. „Alles bestens", antwortete Severus und lächelte, als Amanda schließlich zu ihnen stieß. „Das ist schön." Sie hakte sich bei Severus unter und während sie sich bewegte, rutschte noch etwas restliches Eis ihren Rücken hinunter, was sie leicht zusammenzucken ließ. „Verdammt, ich hab noch überall Schnee..." „Wir sollten zurück, bevor du dich erkältest", sagte Severus daraufhin, als er sah, dass sie überall nass war. Dann zog er ihr ein vereistes Stück Schnee aus den Haaren. „Oder ich lege dich mit dem Zauberstab trocken", grinste er. Amanda lachte. „Nein das geht schon. Lass uns die Runde noch zu Ende gehen. Soweit ist es nicht mehr und wo wir bei Zauberstab sind, ich hätte meinen gerne wieder." „Soso", grinste Severus, gab ihr dann aber ihren Stab wieder zurück.
Jetzt kamen auch David und Sandra nass und lachend zurück zur Gruppe. „Gut, dann lasst uns weitergehen, damit ihr drei wieder ins Warme kommt. Aber Amanda hat Recht, umdrehen oder weitergehen ist gleich weit", sagte Mr. Brown, als sein Sohn und Miss Adams wieder da waren. Wieder zurück im Warmen zogen die drei Jüngsten ihre nassen Umhänge aus und hingen sie an den Kamin, wo auch Amanda Platz nahm, um ihre Haare zu trocknen. Sandra und David ließen sich erschöpft auf das freie Sofa fallen und tranken beide einen Schluck Saft. Carl Brown ließ sich entspannt in den Sessel sinken und aß einen Keks. Severus setzte sich mit einem Glas Wein neben Amanda. „Keinen Durst", fragte er sie leise. „Doch ein wenig, aber ich wollte mich erst etwas aufwärmen", sagte sie und lächelte. „Wein, Saft oder Wasser?" „Wein, aber du brauchst nicht aufstehen deswegen." „Wieso nicht?" Amanda rutschte etwas näher zu ihm und nahm seine Hand. „Weil du dir deswegen keine Mühe machen sollst. Ich nehme mir gleich selbst etwas", lächelte sie. Er lächelte zurück. „Es steht doch alles griffbereit. Also... Ein Glas Wein, ja?" „Ja, bitte."
Carl Brown beobachtete Amanda und Severus kurz unauffällig und zufrieden. Seine Tochter schien mit Snape wirklich glücklich zu sein und das beruhigte ihn als Vater natürlich sehr. Severus reichte Amanda auf ihre Worte hin kurz sein Glas, welches er in den Händen hatte, dann stand er auf und schenkte ihr etwas ein. Als er wieder zurückkam, hielt er ihr den Wein hin. „Bitte sehr." „Danke", meinte sie und gab ihm einen kurzen Kuss auf den Mund und tauschte dann mit ihm die Gläser. Sandra, die inzwischen schon etwas müde war, hatte ihren Kopf derweil auf Davids Schulter gelegt und sah sich etwas müde im Raum um. Severus setzte sich währenddessen wieder zu Amanda, nachdem er sein Getränk wieder in den Händen hielt. Auch bei ihm machte sich langsam die Müdigkeit ein wenig bemerkbar, denn er war heute trotz des Feiertages früh aufgestanden, um noch etwas zu arbeiten. Aufgrund dessen, hätte er jetzt am Liebsten Amanda in den Arm genommen und mit ihr ein wenig gekuschelt, doch da sie nicht für sich waren, hielt er sich lieber zurück und trank stattdessen einen Schluck Wein.
Amanda seufzte leise, lehnte sich an Severus und trank dann auch etwas Wein. „Wie feierst du denn Silvester, Dad", wollte sie von ihrem Vater kurz darauf wissen. Dieser sah sie an und lächelte. „Ich bin noch nicht sicher, ob ich arbeiten muss, oder nicht. Sonst werde ich mit der üblichen Mannschaft feiern", antwortete er. Nachdem er noch einmal einen Schluck getrunken hatte, lehnte sich Severus an und legte den Arm etwas auf die Sofalehne hinter Amanda. Nun saß er bequemer und wenn Amanda wollte, konnte sie sich besser an ihn schmiegen, wogegen er nichts einzuwenden hatte. „Arbeiten? Was sollst du denn arbeiten um die Zeit", fragte sie, lehnte sich etwas enger an Severus und legte ihren Kopf auf seinen Arm. „Ach ich weiß es auch nicht genau, mein Chef hat nur angedeutet, dass ich vielleicht zu einer offiziellen Feier muss." „Das soll dein Chef doch selber machen", warf David ein.
Snape hörte der Unterhaltung erst einmal schweigend zu, auch wenn er sich wunderte, wieso das Ministerium gerade am Jahreswechsel eine offizielle Feier abhielt. „Der dachte sicherlich, dass es wichtigeres gibt und schickt Dad hin, weil er selbst keine Lust hat", meinte Amanda grinsend, woraufhin ihr Vater ihr zustimmte. Eine Weile unterhielten sie sich noch, doch nach und nach wurde es immer stiller, da alle müde wurden und irgendwann, als Carl sich gerade mit David unterhielt, sah Amanda Severus an. „Wollen wir gleich gehen? Ich bin müde." „Mhm", brummte dieser zustimmend. „Ich auch", sagte er dann leise. „Gut..." Amanda wartete, bis ihr Vater zu Ende geredet hatte, dann kündigte sie ihr Vorhaben an. „Wir würden jetzt gerne gehen, bevor die arme Sandra hier noch ganz einschläft", sagte sie und lächelte Sandra, die sie mit müden Augen ansah, an. Carl Brown nickte zustimmend und erhob sich dann langsam. „Ja natürlich." Daraufhin verabschiedeten sich alle voneinander und nachdem Amanda und Severus ihre Geschenke und Umhänge genommen hatten, standen sie schließlich vor der Haustür. „Wir gehen zu mir oder", fragte Amanda und sah Severus an. Dieser nickte und pflichtete ihrem Vorschlag bei.
Zusammen apparierten sie zu Amandas Wohnung und als sie beide eingetreten waren, machte Amanda sich daran, ihren Umhang auszuziehen. „Ihr duzt euch jetzt", wollte sie von Severus wissen und spielte damit auf das Verhältnis zu ihrem Vater an. „Ja", entgegnete Severus, während er seine Wintersachen an die Garderobe hängte. „Er hat es mir heute angeboten, während ihr euch im Schnee gewälzt habt." „Das ist schön", meinte sie und lächelte ihn an. „Ich hätte mich auch gerne mit dir im Schnee gewälzt." Snape zog sie zu sich und lächelte. „Ein anderes Mal vielleicht... Jetzt können wir uns höchstens noch etwas im Bett wälzen, bevor wir schlafen", grinste er. „Na wenn du meinst..." Sie küsste ihn zärtlich. „Ja", küsste er zurück und lächelte ein wenig. „Ich bin müde..." Dann ging er voraus ins Schlafzimmer, wo er seine Roben gegen den Pyjama eintauschte. Nachdem er Amanda im bad abgelöst hatte, gesellte er sich schließlich zu ihr unter die Decke. Diese kuschelte sich an ihn und küsste ihn innig. „Ich fand es war ein schöner Abend." Severus nahm sie in die Arme und kuschelte mit. Endlich waren sie alleine und er konnte tun, nach was ihm schon so lange war. „Ja... Fand ich auch", sagte er leise. „David war doch auch ganz vernünftig und seine Freundin hat bestimmt noch ein paar hilfreiche Tipps für ihn." „Hm... Er hat sich gut geschlagen. Aber Tipps kann er sich trotzdem noch einige bei ihr holen." „Wir können ja abwarten, wie es nächstes Jahr ist", meinte Amanda und schlang einen Arm um Snape und seufzte leise. „Oder bei unserem nächsten Aufeinandertreffen", sagte Severus leise und streichelte sie ein wenig. „Mhm, aber das ist vermutlich auch nächstes Jahr." Sie grinste etwas und hauchte einen Kuss auf seinen Hals. „Stimmt", grinste er. „Das Jahr ist ja nicht mehr lange." „Nein, nicht wirklich", murmelte sie. „Träum schön." „Du auch", flüsterte er und küsste sie noch einmal. „Mit dir doch immer", erwiderte sie leise und es dauerte nicht mehr lange, bis beide nach diesem Weihnachtsabend friedlich eingeschlafen waren.
