Kapitel 12

~ Eine Befürchtung bewahrheitet sich ~

Der verbleibende Winter und das kommende Frühjahr waren so voller Arbeit, dass Amanda beinahe nicht merkte, wie die Wochen verflogen. Zunächst war es der Kassenabschluss für das vergangene Jahr, der sie lange beschäftigte und dann Snapes Rheumagel, welches seinen Effekt auf Felonwoods Verkaufszahlen wahrlich nicht verfehlt hatte. Doch damit verbunden war natürlich auch mehr Arbeit, sowohl im Verkauf, da immer öfter zwei Personen anwesend sein mussten, als auch in der Herstellung der verschiedenen angebotenen Tränke. Das alles hatte aber auch zwei Vorteile: Zum einen warf Felonwood so viel Überschuss ab, dass Amanda ihre Kreditschulden etwas schneller abbezahlen konnte und zum anderen hatte sie so auch nicht viel mehr Zeit als Severus, was die Sehnsucht nach mehr gemeinsamer Zeit etwas unterdrückte. Doch in wenigen Tagen würde sich das wieder ändern, denn die Sommerferien standen in Hogwarts kurz bevor und auch Amanda erwartete, dass während der Sommerwochen etwas weniger Kunden kommen würden und sie so die nächsten Wochen mit Severus genießen konnte.

Es war gerade viertel nach acht und Amanda schloss die Tür von Felonwood ab, um nach Hause zu apparieren. Severus wollte sie gegen halb neun besuchen kommen und da es schon recht spät war, beeilte sie sich, um noch Zeit zum Duschen zu haben. Um kurz vor halb neun stand Amanda dann auch angezogen im Badezimmer und kämmte sich die noch nassen Haare. Da war sie ja gerade noch rechtzeitig fertig geworden, dachte sie zufrieden und ging dann hinüber in die Küche, um sich schnell etwas zu Essen zu machen. Als sie ihr Brot fertig gegessen hatte, fiel ihr Blick auf die Küchenuhr. Es war schon zehn Minuten nach halb und Severus war noch nicht da. Das war komisch fand sie, dachte aber, dass Dumbledore ihn vielleicht aufgehalten hatte. Also nahm Amanda trotzdem eine Flasche Wein und zwei Gläser aus dem Schrank und brachte beides auf den Balkon. Severus würde sicherlich gleich kommen. Doch die Minuten vergingen und niemand klingelte an der Tür.

Amanda saß auf dem Balkon und las in ihrem Buch, doch eigentlich wartete sie darauf, dass Severus kam und je später es wurde, desto öfter sah sie auf die Uhr. Sie verstand das einfach nicht. Er war doch immer pünktlich und wenn nicht, sagte er zuvor Bescheid. Hatte er sie etwa vergessen, oder war ihm etwas passiert?

Es war halb zwölf, als Amanda schließlich beschloss, doch ins Bett zu gehen, aber es dauerte lange, bis sie mit einer Mischung aus Sorge und Traurigkeit in sich in den Schlaf fand.

Severus hatte sich schon sehr auf den heutigen Abend bei Amanda gefreut, denn auch er hatte die letzten Wochen durch die Prüfungen einiges um die Ohren gehabt. Mindestens genauso sehr freute er sich auch auf die bevorstehenden Sommerferien, in denen er wieder etwas mehr Zeit für seine Beziehung haben würde.

Doch seine Freude auf den bevorstehenden Abend zu Zweit wurde von seiner Kollegin Minerva McGonagall kurz vor dem Abendessen jäh zunichte gemacht. Sie suchte ihn auf und erzählte ihm von Potter und seinen Freunden, denen sie zuvor auf dem Gang begegnet war und die Dumbledore sprechen wollten, da sie glaubten, der Stein der Weisen würde heute Nacht entwendet werden. Auch wenn Snape wusste, dass der Stein durch viele mächtige Zauber geschützt war, so schloss er nicht aus, dass es möglich war, ihn dennoch zu stehlen. Quirell, den er im Verdacht hatte, hinter alldem zu stecken, hatte es schließlich auch irgendwie fertig gebracht, in Gringotts einzubrechen…

So entschloss sich Severus schweren Herzens in Hogwarts zu bleiben und schrieb Amanda einen kurzen Brief, indem er ihr mitteilte, dass er das Schloss momentan nicht verlassen könne und er sich später noch einmal bei ihr melden würde, sobald er mehr Zeit hätte.

Da er, genauso wie Potter, vermutete, dass der Dieb nachts versuchen würde, den Stein zu stehlen, ging Snape zu gegebener Uhrzeit im Schloss Patrouille, konnte jedoch nichts Ungewöhnliches entdecken. Doch mitten in der Nacht überschlugen sich schließlich die Ereignisse… Der Schulleiter kehrte überraschend ins Schloss zurück und das auch gerade noch rechtzeitig, denn Potter und Co hatten natürlich einen Alleingang wagen müssen und sich in größte Gefahr gebracht. Der vom Dunklen Lord besessene Quirell hatte tatsächlich versucht, den Stein der Weisen zu stehlen und scheiterte wieder einmal nur knapp an Harry Potter, der nun bewusstlos im Krankenflügel lag.

Früh morgens ließ sich Severus todmüde ins Bett fallen. Er kam gerade von Dumbledore, mit dem er die Ereignisse der letzten Stunden besprochen hatte und nun machten sich die fast vierundzwanzig Stunden ohne Schlaf doch langsam bemerkbar. Er schlief schnell ein, trotz der Tatsache, dass ihn Voldemorts nur knapp gescheiterter Versuch, ins Leben zurückzukehren, stark beschäftigte.

Als Amanda am nächsten Morgen einen Brief von Severus in ihrer Post fand, war sie zunächst sehr erleichtert, doch aufgrund des sehr knappen Inhalts war diese Erleichterung schnell verflogen. Was war nur so Wichtiges passiert, dass er Hogwarts so plötzlich nicht verlassen konnte? Verwundert und besorgt machte sie sich schließlich auf den Weg zur Arbeit und hoffte, dass es sich um nichts allzu Ernstes handelte und Severus sich bald melden würde.

Nach den Ereignissen der vergangenen Nacht war es diesem leider nicht möglich, sich allzu bald wieder bei Amanda zu melden, auch wenn er zwischendurch daran dachte, dass sie sicherlich darauf wartete, von ihm zu hören. Erst einen Tag nachdem Amanda seinen Brief erhalten hatte, schaffte es Severus, sich abends für ein paar Stunden von Hogwarts loszueisen, um Amanda persönlich aufzusuchen. Er wusste, dass er ihr nun einiges zu erklären hatte und es waren keine angenehmen Neuigkeiten…

Amanda zuckte zusammen, als es an der Tür klingelte. Eilig stand sie vom Küchentisch auf und ging in den Flur, um die Tür zu öffnen. Hoffentlich war es Severus, dachte sie, denn inzwischen machte sie sich wirklich Sorgen. Daher konnte sie sich ein kurzes, erleichtertes Lächeln nicht verkneifen, als sie ihn vor sich stehen sah, dann trat sie einen Schritt zur Seite, um ihn einzulassen. Er trat ein, während er sie begrüßte, doch sein Gesicht war ungewöhnlich ernst und es war ihm anzusehen, dass er die letzten Nächte nicht sehr viel geschlafen hatte, denn er war noch blasser als sonst. Amanda sah sofort, dass etwas nicht stimmte und das bestätigte ihre Sorgen nur noch mehr. Leise erwiderte sie seinen Gruß mit einem Hallo. Schweigend gingen sie zusammen ins Wohnzimmer. „Was ist passiert", wollte sie dann gleich von ihm wissen, denn immerhin wartete sie schon seit zwei Tagen auf eine Antwort. „Tut mir leid, dass ich erst jetzt ein wenig Zeit für dich gefunden habe", begann Snape zunächst, dann sah er sie für einen Moment nur schweigend und ernst an. „Meine und Dumbledores Befürchtungen haben sich leider bestätigt. Das war der Grund meines Briefes", sagte er dann knapp. „Potter liegt noch immer bewusstlos im Krankenflügel."

Amanda wurde ziemlich blass, als Severus das sagte und ließ sich auf das Sofa sinken, während sie ihn noch etwas ungläubig ansah. „Was genau?" War das einzige was sie noch sinnvolles sagen konnte. Severus konnte gerade nicht sitzen, deshalb ging er ein paar Schritte im Wohnzimmer entlang. „Glücklicherweise...", fuhr er ruhig und beherrscht mit seinem Bericht fort, „…hat der Dunkle Lord sein Ziel nicht erreicht. Dumbledore kam gerade noch rechtzeitig aus London zurück, um das Schlimmste zu verhindern. Dennoch... Es wird garantiert nicht sein letzter Versuch bleiben, seinen Körper wiederzuerlangen. Es ist nur eine Frage der Zeit." Es war so unwirklich, dachte sich Snape, nachdem er geendet hatte. Wo würde es noch enden? Irgendwie wollte er gar nicht daran denken, welche Folgen eine Wiederkehr seines alten Meisters haben würden. Severus Antwort erleichterte Amanda zumindest etwas, aber da sie, wie wohl viele andere auch, bisher davon ausgegangen war, dass Voldemort tot sei, war es doch noch ein Schreck, das Gegenteil bewiesen zu sehen. Unwissenheit war manchmal doch ein Segen, dachte sie etwas bitter. Schweigend stand Amanda dann auf und ging an Severus vorbei auf den Balkon. Sie brauchte dringend etwas frische Luft. Diese Vorstellung, dass Voldemort in Hogwarts gewesen war und scheinbar Harry Potter verletzt hatte, wollte noch nicht in ihren Kopf passen.

Severus sah ihr nach und war sich nicht sicher, was er nun tun sollte. Er konnte sich in etwa vorstellen, was nun in Amanda vorging... Wollte sie jetzt lieber allein sein? Er atmete tief und schwer durch und verharrte noch einen Moment unschlüssig im Wohnzimmer, dann folgte er ihr jedoch auf den Balkon, stellte sich schweigend neben sie und blickte ein wenig in die Ferne. Amandas Gefühle waren ziemlich durcheinander. Natürlich war sie erschrocken und hatte Angst, aber gleichzeitig schien ihr das Ganze auch vollkommen surreal. Langsam kam sie näher zu Severus, umarmte ihn dann und legte ihren Kopf auf seine Schulter. Er legte daraufhin einen Arm etwas um sie und streichelte ihr kurz über die Haare, sagte jedoch nichts. Er wollte es Amanda überlassen zu reden, sofern sie es überhaupt wollte. „Ist dir etwas passiert", wollte sie dann leise wissen. „Nein. Wie du siehst, geht es mir den Umständen entsprechend gut", entgegnete er ruhig. „Gut. Und Harry Potter?" „Poppy hat Entwarnung gegeben. Er wird wieder genauso nervtötend werden, wie zuvor", antwortete Snape knapp. Einen kurzen Moment sah Amanda Severus von der Seite an. „Weißt du, wie viel Zeit bleibt?" Auf diese Frage hin war Severus kurz davor zu antworten, dass er wünschte, er wüsste es, doch dann war er sich nicht mehr sicher, ob es nicht doch besser war, es nicht zu wissen. „Nein", entgegnete er schließlich nur. „Es hängt ganz alleine davon ab, wie schnell er einen weiteren Willigen findet, der bereit ist, seinen Körper mit ihm zu teilen und ihm zu neuer Macht zu verhelfen. Es kann sich um Jahre handeln... oder um Monate." Leise seufzte Amanda. „Dann sind es hoffentlich Jahrzehnte."

„Ich weiß nicht, was mir lieber wäre", sagte Snape leise und irgendwie müde. Einerseits hoffte er, dass es noch möglichst lange dauern würde, bis Voldemort wieder zu alter Macht gelangte, doch andererseits war eine jahrzehntelange drohende Gefahr und Ungewissheit auch nicht das, was er für erstrebenswert hielt. „Wie meinst du das?" Für Amanda war diese Bedrohung noch zu neu, als dass sie sich vorstellen konnte, nun dauerhaft mit dieser Sorge leben zu müssen. Severus seufzte leise, dann erklärte er ihr, was er meinte. „Einerseits hoffe ich, dass es möglichst lange dauert, bevor der Dunkle Lord seine alte Macht wiedererlangt... Aber andererseits halte ich es auch nicht für erstrebenswert, wenn die Gefahr und die Ungewissheit, ob und wann der Dunkle Lord zurückkehrt, so lange andauern würde." „Ja, da hast du wahrscheinlich Recht." Sie drückte sich etwas fester an ihn. „Du wirkst ganz müde, du solltest schlafen." „Ich bin auch müde", entgegnete Snape leise, nahm Amanda nun richtig in den Arm und hielt sie fest. „Dann solltest du ins Bett gehen. Ich hab mir genügend Sorgen um dich gemacht seit vorgestern..." Trotz der neuen, sehr real gewordenen Bedrohung, war es Amanda momentan am wichtigsten, dass es Severus gut ging. Er seufzte kaum hörbar und drückte sie sanft an sich. „Gehen wir ins Wohnzimmer und setzen uns hin." „Wir gehen besser ins Schlafzimmer und du legst dich hin", antwortete Amanda und sah ihn daraufhin an. „Und was ist mit dir", fragte Severus und fing ihren Blick auf. „Ich pass dann auf, dass dir beim Schlafen nichts passiert." „Ich möchte jetzt aber nicht schlafen, jetzt wo ich dich endlich ein paar Stunden sehen kann", sagte er und küsste sie kurz. Dann zog er sie an der Hand ins Wohnzimmer zurück.

Schweigend folgte sie ihm und zusammen setzten sie sich auf das Sofa. Noch immer war Amanda nachdenklich und besorgt und ihre Probleme heute bei Felonwood erschienen plötzlich vollkommen unwichtig. „Heißt das, dass all die etwas seltsamen Sachen im letzten Jahr mit Du-weißt-schon-wem zu tun hatten", wollte sie nach einiger Zeit wissen. „Das bei Gringotts und die Einhörner?" „Ja", antwortete Snape ruhig und hielt sie im Arm, während er in den leeren Kamin starrte. „Da die Gefahr nun gebannt ist, kann ich es dir erzählen... In Gringotts wurde ein Verlies ausgeraubt, das Hagrid erst wenige Stunden vorher in Dumbledores Auftrag geleert hatte. Es beinhaltete den einzigen existierenden Stein der Weisen. Der dreiköpfige Hund, von dem ich dir damals erzählt hatte, war eins der Dinge, die dazu da waren, den Stein zu bewachen, der seither in Hogwarts aufbewahrt wurde. Der Dunkle Lord... hat sich, auf Wegen, die mir unbekannt sind, des Körpers von Quirell bemächtigt. Durch ihn in gewisser Weise wieder zu einem Körper gekommen, versuchte er an den Stein und somit an das Elixier des Lebens zu gelangen, was ihm glücklicherweise nicht geglückt ist. Das Einhornblut diente wahrscheinlich nur zur vorübergehenden Stärkung... Quirell war es auch, der den Troll an Halloween ins Schloss einließ. Eine Ablenkung, um in aller Ruhe an den Stein zu gelangen, doch ich hatte ihn schon damals im Verdacht und kam ihm in die Quere. Daher rührte auch meine Verletzung." „Das macht die ganze Sache nicht wirklich beruhigender, finde ich. Alles so lange geplant, ohne das jemand etwas gemerkt hat. Und es gibt wirklich einen Stein der Weisen? Ich dachte immer, das wäre nur ein Gerücht." „Es gab ihn. Er wurde nach diesem Vorfall zerstört." „Hm...", gab Amanda nur von sich. Zwar hatte sie geahnt, dass es etwas Wesentliches hatte sein müssen, was Severus vor ein paar Tagen so plötzlich aufgehalten hatte, aber mit etwas so Ernstem hatte sie nicht gerechnet. „Und man kann nichts weiter machen als warten", wollte sie schließlich wissen. „Schlussendlich bleibt uns nichts anderes übrig, ja...", antwortete er ruhig. „Wir können uns lediglich etwas vorbereiten auf das, was vielleicht kommen wird." „Wie die Tiere im Stall, die warten, dass der Schlachter kommt", sagte sie etwas bitter. „So schwarz würde ich es jetzt nicht sehen. Immerhin sind wir imstande uns zu wehren und frei zu entscheiden, was wir tun. Schlachtvieh eher weniger", merkte Snape an, auch wenn er sich durchaus bewusst war, dass Voldemort, sollte er zurückkehren, wieder viel Leid und Tod mitbringen würde. „Mit wie viel Vorbereitungszeit denn? Von heute auf morgen? Das wird kaum funktionieren…"

Vermutlich hätte Amanda die Sache ähnlich differenziert gesehen wie Severus, doch im Moment war der Schrecken noch zu nah. „Wieso von heute auf morgen", wollte Snape nun wissen. „Du weißt es früher als jeder andere, abgesehen vom Kreis um Dumbledore... Also hast du genug Zeit, dich auf das Schlimmste vorzubereiten, sollte es denn kommen. Jedenfalls mehr Zeit, als alle anderen", fügte er dann noch knapp hinzu. „Dann weiß ich es eben mit als Erstes, aber eben dann, wenn es schon zu spät ist. Wie viel Zeit ist dann noch? Ein paar Tage?" Sie sah Severus an. „Wieso bist du eigentlich so gelassen dabei? Dich betrifft es doch noch schlimmer als mich."

Nun löste Severus sich ein wenig von Amanda und sah sie an. Ihre Art machte ihn gerade innerlich ein wenig aggressiv und deshalb konnte er sie nicht weiter im Arm halten, so als wäre nichts. „Ich habe dir vorhin schon gesagt, dass ich es nicht weiß. Glaub mir, wenn ich es wüsste, dann hätten wir alle schon ein Problem weniger", antwortete er ein wenig schroff. „Und du hast gar keinen Grund dich zu beklagen, dass du es erfährst, wenn es schon zu spät ist. Ich frage mich, wie du überhaupt darauf kommst?!?" Snape sah sie kurze Zeit schweigend an. Er verstand nicht, was Amanda mit ihren ersten Worten genau sagen wollte. Sie erfuhr es doch schon so zeitnah wie möglich und beschwerte sich darüber?!? „Ja, mich betrifft es in der Tat noch schlimmer...", begann er dann erneut, diesmal aber mit bemüht ruhiger Stimme. „Doch was nützt es mir, darüber den Kopf zu verlieren? Gar nichts. Im Gegenteil... Ich weiß, was auf mich zukommen wird und darauf werde ich mich vorbereiten."

„Ich meinte nur, dass es keine wirkliche Vorwarnzeit gibt vermutlich. Tut mir Leid, ich wollte dich nicht verärgern", sagte Amanda daraufhin leise. Sie würde vermutlich noch etwas brauchen, bis sie sich an diese neuen Tatsachen gewöhnt haben würde, wobei natürlich ihre allgemeinen Sorgen vor allem durch die Sorgen, was mit Severus passieren würde, verstärkt wurden. Snape seufzte etwas. Auch ihm war bewusst, dass er gerade etwas überreagiert hatte, doch das war wohl nicht verwunderlich, so wenig wie er in letzter Zeit geschlafen hatte. Außerdem war ihm das Thema natürlich auch keineswegs egal. „Und ich hätte nicht so überspannt reagieren müssen...", entschuldigte er sich auch. Nach kurzem Schweigen fügte er dann noch hinzu: „Noch besteht vermutlich keine allzu große Gefahr. Erst wenn ich das hier wieder richtig spüre", er entblößte seinen linken Unterarm, auf dem blass das Dunkle Mal zu erkennen war und sah Amanda dabei in die Augen, „müssen wir uns ernsthaft sorgen."

Kurz sah Amanda auf seinen Arm. Natürlich kannte sie das Mal, denn auch wenn es blass war, war es noch immer zu sehen. „Dann werden wir hoffentlich noch etwas darauf warten müssen", sagte Amanda ruhig. „Und dann wird es auch immer noch einen Weg geben", fügte sie dann noch hinzu und das eigentlich mehr, um sich selbst zu beruhigen, denn die Folgen von Voldemorts Rückkehr wollte sie sich gar nicht erst ausmalen.

Nachdem Severus seinen Ärmel wieder heruntergezogen hatte, zog er Amanda etwas in seine Umarmung. „Mach dir keine allzu großen Sorgen", sagte er leise, denn er merkte, dass sie das Thema gerade sehr beschäftigte. „Jetzt noch nicht." „Ich werde mich bemühen, soweit ich mich ein wenig damit angefreundet habe", antwortete sie und seufzte leise. „Ja", sagte er leise und hielt sie weiter im Arm.

Eine zeitlang saßen sie nur schweigend zusammen auf dem Sofa und Amanda war froh, dass Severus da war und sie festhielt. „Mein Vater ist damals erst gegangen, nachdem das mit Du-weißt-schon-wem vorbei war", erzählte sie schließlich leise, denn die ganzen Gedanken von damals kamen gerade wieder hoch. Severus seufzte leise, als Amanda wieder anfing zu sprechen, denn er wäre gerade mit ihr im Arm fast eingenickt. „Wieso", murmelte er dann leise fragend, denn schließlich hätte Carl Brown seine Frau auch schon früher verlassen können.„Ich denke, er wollte gewährleisten, dass wir in Sicherheit sind. Na ja zumindest so gut es damals eben ging. Ich meine, David war noch so klein und ich auch noch nicht mit der Schule fertig und wer weiß, was meine Mutter angestellt hätte, wäre sie mit uns alleine gewesen."„Hm", brummte Snape daraufhin nur. Das war natürlich ein nachvollziehbarer Grund, das musste er zugeben. „Dein Vater hat euch sehr gern", sagte er dann, denn wer blieb schon freiwillig länger als nötig bei einer Frau wie Amandas Mutter, wenn es nicht einen triftigen Grund dazu musste auf seine Worte hin lächeln. „Ja, wahrscheinlich gibt es keinen besseren Beweis. Ich war auch nicht länger als nötig zu Hause, als ich die Wahl hatte." „Das kann ich verstehen." „Kann ich mir vorstellen", meinte sie ruhig und schwieg dann wieder.

„Du kannst dir überlegen, ob du deinem Vater erzählen willst, was ich dir erzählt habe. Aber es ist besser, wenn es außer ihm niemand mehr erfährt. Vorerst jedenfalls", ergriff Severus nach kurzer Stille wieder das Wort. Vielleicht half es Amanda, wenn sie noch mit jemandem anderen darüber reden konnte, außer mit ihm. „Nein, ich denke, besser nicht. Er soll lieber weiter seinen Frieden haben. Der Schreck wird im Zweifelsfall schlimm genug werden. Sollte die Gefahr irgendwann größer werden... dann vielleicht." Sie machte eine kurze Pause, bevor sie weiter sprach. „Danke für so viel Vertrauen." „Wie du willst", sagte Severus leise. Dann sah er sie an und küsste sie kurz. „Ich denke das ist besser." Amanda lehnte sich etwas mehr an ihn. „Du bist sicher, dass du nicht schlafen möchtest", wollte sie schließlich noch einmal wissen, denn natürlich wollte sie, dass es ihm gut ging. „Nur wenn du mitkommst", grinste er etwas, aber im Grunde war er gerade wirklich müde genug, dass er im Stehen einschlafen konnte. „Natürlich. Ich kann dich ja nicht alleine in mein Bett lassen." Eigentlich war Amanda noch nicht wirklich müde, aber schlafen musste sie ja noch nicht zwingend. „Ok, dann komm." Snape küsste sie kurz, dann stand er auf und zog sie mit sich Richtung Schlafzimmer. Dort angekommen zogen sich beide ihre Schlafanzüge an und nachdem Amanda nach Severus auch im Bad gewesen war, legte sie sich zu ihm ins Bett und kuschelte sich dann an ihn. „Dann schlaf mal gut", sagte sie leise. „Heute Nacht sicherlich", brummte er daraufhin und nahm sie in den Arm. „Gut..." Sie gab ihm einen kurzen Kuss und kuschelte sich enger an. Severus lächelte ein wenig, dann schloss er leise seufzend die Augen und kurze Zeit später war er auch schon eingeschlafen.