Kapitel 19
~ Erneuter Angriff ~
So sehr Amanda sich auch bemühte, sie konnte auch nach einigen Wochen keine frische Alraune auftreiben. Das einzige was ihr aus Griechenland angeboten wurde, waren vertrocknete Wurzelstücke, die sie kaum verwenden konnte. Überall anders war gar nichts zu finden, also würde Mr. Filch noch wenigstens bis Ende Mai warten müssen, bis die frischen Alraunen ausgewachsen waren.
Inzwischen war es Anfang Dezember und Severus und wohl auch Mr. Filch hatten akzeptiert, dass sie sich würden gedulden müssen. Bei Matthew und seiner Verlobten sah das allerdings ganz anders aus. Überraschenderweise war Mia schneller schwanger geworden als erwartet, so dass die beiden sich überlegt hatten, doch noch vor Weihnachten zu heiraten, wodurch Amanda am heutigen Tag eine Einladung auf ihrem Schreibtisch gefunden hatte. Sie freute sich natürlich für Matthew und selbstverständlich würde er auch seinen Urlaub bekommen, auch wenn das für sie selbst in der Vorweihnachtszeit viel zusätzliche Arbeit bedeuten würde. Doch die Hochzeit würde sicherlich schön werden und Amanda hoffte, dass Severus sie begleiten würde. Da in Hogwarts an diesem Samstag ein Quidditchspiel war, waren sie erst am Sonntag verabredet, so dass sich Amanda am Abend mit einigen Freunden in einer Bar traf. Trotz dass es am Abend zuvor spät geworden war, stand sie am Sonntagmorgen früh auf, um noch ein wenig zu arbeiten, bevor Severus kommen würde. Während ein Trank im Kessel vor sich hinbrodelte, schrieb Amanda an ihrer Buchhaltung und vergaß etwas die Zeit.
Nach dem Frühstück machte sich Severus auf den Weg zu Amanda. Auch seine Nacht war kürzer geraten als erwartet, denn am späten Samstagabend gab es einen erneuten Angriff. Diesmal traf es einen der Schüler – den Erstklässler Colin Creevey aus Gryffindor – und wieder konnte sich weder Dumbledore noch sonst irgendjemand einen Reim darauf machen, durch wen das hatte geschehen können.
Kurz zuckte Amanda zusammen, als es klingelte. So früh hatte sie Severus nicht erwartet. Einen Moment später öffnete sie lächelnd die Tür und begrüßte ihn. „Hallo. Komm doch rein." Sie trat einen Schritt zur Seite. „Hallo", entgegnete dieser, allerdings wieder einmal ungewöhnlich ernst und trat ein. Dann küsste er sie kurz zur Begrüßung. Schnell schloss Amanda die Tür wieder, denn es war recht ungemütlich draußen. „Wieso siehst du so finster aus? Hat dir das Wetter die Laune verdorben?" Amanda selbst hatte gute Laune, denn sie freute sich sehr auf einige Stunden mit Severus, die in den letzten Wochen so selten geworden waren. „Schön wäre es, wenn es nur das Wetter wäre", antwortete Snape, während er seinen Reiseumhang und seinen Schal ablegte. „Gestern am späten Abend gab es einen erneuten Angriff. Ein Schüler, Erstklässler aus Gryffindor... Zum Glück wie die Katze nur versteinert. Dennoch... Wenn es in diesem Tempo weitergeht, ist es nur eine Frage der Zeit, bis jemand zu Tode kommt." Bei seinen letzten Worten wandte sich Snape wieder Amanda zu und sah sie an. Ihre gute Laune verflog nach diesen Worten sehr schnell und erschrocken sah sie ihn an. „Oh nein und noch immer keine Spur wer es sein kann?" Zusammen gingen sie ins Wohnzimmer. „Nein, leider nicht." „Was hat er denn so spät noch gemacht im Schloss", wollte Amanda wissen, als sie sich gesetzt hatte. „Er ist Potters Groupie und rennt ihm ständig mit seiner Kamera hinterher. Vermutlich wollte er ihm etwas in den Krankenflügel bringen und auf dem Weg dorthin wurde er angegriffen", erzählte Severus und setzte sich neben sie. „Harry Potter hat Groupies? Was macht der überhaupt schon wieder im Krankenflügel?" Die Geschehnisse in Hogwarts fand Amanda langsam wirklich sehr beunruhigend. „Natürlich", antwortete Severus ein wenig angewidert, denn eigentlich war er froh, wenn er Potter weder sah, noch von ihm hörte. „Potter ist eine Berühmtheit und Berühmtheiten haben immer Groupies. Ach... Er hat sich beim Spiel gestern den Arm zertrümmert. Ein Klatscher... Und weil Lockhart der Idiot sich wieder bühnenreif in den Vordergrund drängen musste und sein Heilzauber wie zu erwarten schief ging, hatte Potter am Ende keine gebrochenen Knochen mehr, sondern gar keine." Bei diesen Worten kräuselten sich seine Lippen ein wenig amüsiert, denn wirkliches Mitleid empfand Snape mit dem Gryffindor nicht. „Und Madam Pomfrey braucht zum Knochen neu wachsen lassen nun einmal länger, als zum Brüche heilen..."
Amanda schüttelte es etwas beim Gedanken an neu wachsende Knochen beziehungsweise keine Knochen im Arm. „Das ist eine gruselige Vorstellung. Und wie kommt Lockhart nur dazu, es zu versuchen, wenn er es nicht kann?" Severus musste kurz lachen. „Das fragst du noch?" Er sah sie an. „Er hat einfach einen unheimlichen Geltungsdrang. Als Filchs Katze versteinert wurde, war er auch so dreist, in meiner Gegenwart groß herumzuposaunen, dass er den Alraunen-Trank brauen könnte, sobald welche zur Verfügung stehen, denn er hätte es schon hunderte Mal gemacht und könne es im Schlaf. Er hatte Glück, dass Potter, seine Freunde und Dumbledore anwesend waren... Würde er den Trank brauen, müsste man nicht mehr wochenlang warten, man könnte gleich in den Krankenflügel gehen und die Versteinerten umbringen. Mittlerweile habe ich keinen Zweifel mehr, dass die Taten in seinen Büchern entweder erfunden sind, oder die anderer..." Genervt beim Gedanken an seinen Lehrerkollegen rollte Severus mit den Augen.
Trotz des ernsten Themas musste Amanda lachen. „Da hat jemand gewagt, den Hoheitsbereich des Meisters zu betreten, sehr mutig." Sie grinste. „Das wäre allerdings das Allerletzte, wenn er ein Schwindler wäre." „Ich traue es ihm zu. Sein Unterricht erinnert auch eher an eine Vorlesestunde, als an praktische Verteidigung gegen die dunklen Künste. Er ist vollkommen unfähig. Aber Themawechsel... Ich bin nicht hergekommen, um über meinen unerträglichen Kollegen zu reden. Wie ist es dir ergangen, seit wir uns das letzte Mal gesehen haben?" „Hm, na wenn du meinst." Dann nahm sie seine Hand und lächelte kurz. „Tja, ich würde sagen, wir sind auf einer Hochzeit eingeladen. In zwei Wochen..." „Eine Hochzeit?" Severus war etwas verwundert. „Und wer bitte heiratet?" „Na Matthew natürlich... Mia ist wohl schneller als geplant schwanger geworden und da dachten sie sich, bevor sie nun zu dick wird, beeilen sie sich lieber mal. Wäre schön, wenn du mitkommen würdest." Amanda freute sich darauf, mit Severus für einen Abend so richtig schick feiern zu gehen. „Oh... Na, das ging jetzt aber wirklich schnell." Dann seufzte er kurz. „Ich weiß nicht, ob ich mitkommen kann Amanda, nach dem was gestern Abend passiert ist. Geh besser davon aus, dass du alleine gehen musst." „Och nein, bitte Severus! Einen Abend werden die wohl alle auf dich verzichten können. Wir sehen uns doch auch mal einen Abend lang - hoffe ich zumindest." „Ich kann es dir nicht versprechen. Wenn das der letzte Angriff bleibt, dann kann ich sicher mitkommen. Es wird sich wohl kurzfristig entscheiden, also versteif dich nicht darauf, dass ich mitkommen kann." Natürlich würde er sie gerne zur Hochzeit begleiten, schon alleine weil sie es gerne wollte, doch das ging nur, wenn es seine Verpflichtungen in Hogwarts zuließen. „Doch, ich versteife mich sehr darauf! Komm, im Ernst! Einen Samstagabend können deine lieben Lehrerkollegen doch auch ohne dich überleben. Sonst rede ich mal mit Dumbledore und lege ihm nahe, dass das Ganze gut für deinen Gemütszustand ist." Sie lächelte ihn an. „Bitte..." Severus seufzte, blieb aber trotz ihres Hundeblicks bei seiner Meinung. „Ich kann es dir nicht versprechen." Amanda beugte sich zu ihm und hauchte einige Küsse auf seinen Hals. „Bitte...", flüsterte sie in sein Ohr. Nun musste Severus ein wenig grinsend den Kopf schütteln, weil sie offenbar wirklich gewillt war, ihn mit allen Mitteln umzustimmen. „Keine Chance Amanda..." Er drehte den Kopf und sah sie an. „Ich komme mit, wenn es bis dahin ruhig bleibt. Sollte es aber erneute Angriffe geben und meine Anwesenheit nötig sein, muss ich in Hogwarts bleiben. Das weißt du genauso gut wie ich, hoffe ich." Sie seufzte leise. „Das ist sehr schade", meinte sie und ließ wieder von ihm ab. „Ich hoffe, es passiert nicht mehr, natürlich nicht nur deswegen." „Ja", sagte Severus leise, strich ihr kurz die Haare aus dem Nacken und küsste sie dann kurz. „Glaub mir, ich gehe auch lieber mit dir zu dieser Hochzeit, als dass ich in Hogwarts nach unsichtbaren Monstern suche..." Kurz sah sie ihn etwas kritisch, aber doch eher scherzhaft, an. „Na wer weiß..." Severus hob ein wenig die Augenbraue, dann zog er Amanda, ohne noch etwas auf ihre Worte zu entgegnen, in seine Arme. Den restlichen Abend wollte er nicht mehr mit Diskutieren verbringen, sondern wenn möglich in größtmöglicher Harmonie und Eintracht. Ärger und Sorgen hatte er in Hogwarts genug und diese sollten auch dort warten, bis er morgen früh zu ihnen zurückkehrte.
