Kapitel 20
~ Schlechte Neuigkeiten ~
Ein paar Tage nachdem Severus bei Amanda gewesen war, klopfte Gilderoy Lockhart an seiner Bürotür und belästigte ihn mit seiner Anwesenheit und seinen unerträglichen Vorträgen über seine angeblichen Ruhmestaten. Genervt wollte ihn Snape schon vor die Tür setzen, als er schließlich mit seinem eigentlichen Anliegen herausrückte und ihm verkündete, dass ihm Dumbledore angesichts der Ereignisse erlaubt hatte, einen Duellierclub zu gründen und dass er, Severus, der Auserwählte war, ihm bei seiner Arbeit zu assistieren. Gepresst sagte Snape zu, denn offenbar stand vor allem Dumbledores Wunsch dahinter, dass er bei dieser ganzen Sache das Schlimmste verhindern sollte.
„Ausgezeichnet, ausgezeichnet", entgegnete Lockhart in seiner gespielten Art und setzte wieder einmal sein charmantestes Grinsen auf. „Dann sehen meine Schüler einmal, welch ein ausgezeichneter Duellkämpfer ihr Lehrer der Verteidigung gegen die Dunklen Künste ist. Nachzulesen auch in meinen Werken… Im Unterricht kommt mein Können einfach nicht richtig zur Geltung und Entfaltung. Aber keine Angst… Ihnen wird nichts passieren…" Mit diesen Worten stolzierte Lockhart Richtung Tür und das war ihm nun auch anzuraten, denn in Severus Augen blitzte nach diesen Worten schon langsam die Mordlust auf. „Ach ja… Mein Buch können sie behalten… Ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk", grinste der Blonde Snape von der Tür aus noch einmal an und zwinkerte verschwörerisch. Das Buch hatte er zur Verdeutlichung seiner Großtaten mitgebracht und auf seinen Schreibtisch gelegt.
„Ich denke nicht, dass es sich in meiner Bibliothek gut machen wird", entgegnete Severus eisig, denn wenn er etwas nicht wollte, dann dieses Buch. „Oh, ich vergaß", missverstand Lockhart seine Worte und lachte kokett ein wenig auf. „Natürlich signiere ich es ihnen auch, dann wird es das Juwel ihres Bücherregals werden..." Mit diesen Worten stolzierte er zurück zum Schreibtisch, nahm sich eine Feder und schlug den Band auf. Dabei entging ihm, dass Severus schon langsam die Hände zu Fäusten ballte und mit dem Gedanken spielte, seinen Zauberstab zu zücken. „Es ist zwar nicht meine Pfauenfeder, die ich normalerweise für solche Dinge benutze", plapperte Lockhart weiter, „doch es wird gehen…" Nachdem er das Buch in großen, geschwungenen Buchstaben signiert und es auch nicht versäumt hatte, seine diversen Titel unter seinen Namen zu setzen, steckte er die Feder wieder zurück an ihren Platz und ging zurück Richtung Tür. „Also dann, wir sehen uns beim Abendessen", zwinkerte er noch einmal breit grinsend, bevor er schließlich verschwand.
Snape versuchte ein paar Mal ruhig durchzuatmen, als Lockhart verschwunden war, um nicht noch etwas gegen die Tür zu donnern. Er hatte nicht gedacht, dass seine Abscheu gegen seinen Kollegen noch steigerungsfähig war, bis zu diesen Minuten. Noch immer äußerst gereizt ging er schließlich zum Schreibtisch, klappte das Buch zu, nahm es mit so wenig Fingern wie möglich in die Hand und trug es Richtung Kaminfeuer, um es wenigstens noch dem Nutzen der Wärmeproduktion zuzuführen. Doch kurz bevor er es in die Flammen werfen wollte, hielt Severus inne und dachte kurz nach. Dann nahm er es richtig in die Hand, ging zurück zum Schreibtisch und warf es achtlos auf einen Stapel zu korrigierender Aufsätze. Er griff nach einem Pergament und schrieb einen kurzen Brief an Amanda.
Hallo Amanda,
ich glaube, ich habe gerade das ideale Weihnachtsgeschenk für deine Mutter gefunden. Ich schicke es dir mit, damit ich es nicht mehr ansehen muss. Ich hoffe, du hast noch nichts gekauft, denn dieses hier war gänzlich umsonst. Ich wollte es schon zur Wärmeproduktion im Kamin benutzen, doch dann fiel mir deine Mutter ein. Wahrscheinlich werde ich es bereuen, dass ich es nicht verbrannt habe, sobald sie das Geschenk erhält, aber wie die Muggel so treffend sagen ‚einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul'.
Ich hoffe, es geht dir gut. Ich selbst darf nächstens Lockharts Babysitter spielen, damit er in seinem neu gegründeten Duellierclub nicht noch versehentlich wen ermordet. Du kannst dir denken, wie begeistert ich über diese Entwicklung bin.
Grüße, Severus
Als Amanda Severus Brief gelesen hatte, musste sie sehr darüber lachen. Nur zu gut konnte sie sich die Szene zwischen den beiden Männern vorstellen, vor allem Severus Begeisterung, abends einen Duellierclub für Schüler mitzuleiten. Über die Geschenkidee für ihre Mutter war sie ganz froh, denn selbst hatte sie noch gar keine Ahnung gehabt, was sie hätte schenken sollen. So setzte sich Amanda schließlich noch immer sehr amüsiert hin und verfasste eine Antwort:
Lieber Severus,
ich kann mir nur zu gut deine Reaktionen vorstellen und ich muss sagen, dass ich es ziemlich lustig finde. Ich finde es aber mutig von Lockhart, gerade mit dir den Duellierclub zu machen, vor allem, wenn ihr zusammen etwas demonstrieren sollt. Doch vermutlich hat er diese Gefahr noch nicht erkannt… Danke, dass du bei dem Buch an meine Mutter gedacht hast. Sie wird sicherlich hellauf begeistert sein und es wird das allerbeste Geschenk sein, dass ich ihr jemals gemacht habe und vielleicht werde ich dann auch plötzlich wieder zu ihrer Lieblingstochter. Du siehst, vielleicht werden wir es beide bereuen und können uns dann gegenseitig bemitleiden...
Ich hoffe wir sehen uns bald- du fehlst mir!
Amanda
Auch Severus hoffte, dass er Amanda bald wieder sehen würde, als er ihren Brief wieder faltete und ihn anschließend in eine seiner Schreibtischschubladen legte. Doch dieser Wunsch wurde ihm einige Tage später versagt, denn es kam zu einem erneuten Angriff. Diesmal traf es den Hufflepuff Justin Finch-Fletchley und außerdem den Fast Kopflosen Nick. Die Tatsache, dass selbst Geister dem Monster aus der Kammer nicht gewachsen waren, sorgte für allgemeine Panik im Schloss und Severus sah sich leider dazu genötigt, Amanda brieflich mitzuteilen, dass er zur bald anstehenden Hochzeit nicht abkömmlich sein würde. Auch die Gründe verschwieg er nicht, auch wenn er nicht alles in der Ausführlichkeit schrieb, in der er es ihr vielleicht mündlich erzählt hätte. Es tat ihm leid und es ärgerte ihn selbst, dass er sie enttäuschen musste und nicht begleiten konnte, doch es blieb ihm keine andere Wahl. Als Hauslehrer hatte er die Pflicht, bis zu den Ferien in Hogwarts zu bleiben.
Severus Absage verursachte eine Mischung von Enttäuschung und Besorgnis in Amanda, was wohl beides in ihrem anschließenden Brief ziemlich deutlich zum Ausdruck kam. Es war ohnehin schon viel zu lange her, dass sie sich gesehen hatten und jetzt musste sie auch noch alleine zu der Hochzeit gehen, auf der vermutlich hauptsächlich Pärchen anwesend sein würden. Trotzdem zog sie sich am Termin der Trauung ihr schickstes Kleid an und brachte auch ihre Haare in einen entsprechenden Zustand. Allerdings hatte sie bei diesen Vorbereitungen nicht so viel Freude wie wohl normalerweise. In der Kirche angekommen, musste Amanda feststellen, dass tatsächlich beinahe nur Paare anwesend waren und diejenigen, die alleine waren, hatten enge Freunde dabei. Leise seufzte sie, als sie sich schließlich auf einen der leeren Plätze setzte. Die Trauung fand sie dann trotz allem sehr schön und natürlich sah die Braut umwerfend aus, wohingegen Amanda über Matthews unterdrückte Nervosität eher etwas schmunzeln musste. Nach der Trauung und der langen Reihe an Gratulanten, machte sich die Hochzeitsgemeinde auf zum Festsaal. Dort angekommen, musste Amanda schmerzlich feststellen, dass der Platz neben ihrem auf einer Seite leer war. Doch zum Glück waren ihre anderen Tischnachbarn, wenn auch jünger, sympathisch genug, um sie, zumindest während sie auf das Essen warteten und den ersten Reden lauschten, weitestgehend von Severus Fehlen abzulenken. Gerade hielt Mias Vater eine sehr emotionale Rede, die sowohl Tochter als auch Mutter bereits nach zwei Minuten zu Tränen gerührt hatte.
Amandas Brief besserte Severus Laune nicht im Geringsten, denn nun ärgerte er sich nur noch mehr, dass er sie enttäuschen musste, was die Hochzeit betraf. So war er auch die Tage bis dorthin äußerst reizbar und in deutlich schlechterer Laune als sonst. Am Tag der Hochzeit saß er schließlich über ein paar Aufsätzen gebeugt an seinem Schreibtisch und versuchte sich mit der Vergabe von schlechten Noten davon abzulenken, dass er heute eigentlich bei Amanda sein wollte, als es an der Tür klopfte. Mit einem unwirschen Herein bat er den Besucher einzutreten. Es war Dumbledore, der einen Moment später das Büro betrat und die Tür hinter sich schloss. Ein wenig alarmiert sah Severus ihn an, doch er stellte schnell fest, dass er nicht gekommen war, um ihm einen neuen Anschlag mitzuteilen. „Ich sehe, du bist nicht hier, um mir zu sagen, dass es wieder einen Vorfall gab", stellte er schlecht gelaunt fest. Dumbledore schmunzelte kurz und trat an den Schreibtisch. „Nein, das bin ich glücklicherweise nicht. Ich bin hier um dich zu fragen, was die letzten Tage mit dir los ist, Severus. Du warst schon länger nicht mehr in solch einer schlechten Stimmung." Der Schulleiter sah ihn fragend über seine Brillengläser hinweg an. „Es ist nichts", wiegelte Severus zunächst ein wenig unwirsch ab, doch als er weiterhin Dumbledores ruhenden Blick auf sich spürte, seufzte er ein wenig genervt und lenkte ein. „Also gut… Es ist doch was. Ich ärgere mich, dass ich Amanda – Miss Brown – aufgrund der jüngsten Vorfälle enttäuschen musste, in dem ich ihr meine Begleitung zu einer Hochzeit verwehrt habe. Ich hasse es, wenn sie unglücklich ist. Zufrieden", fragte er dann gereizt und sah Dumbledore an. Dieser lächelte ein wenig. „In der Tat. Eine Hochzeit also… Wer sind denn die Glücklichen?" „Das tut doch nichts zur Sache, oder? Noch etwas, Albus? Ansonsten hätte ich noch Arbeit…"
Severus hatte gerade alles andere als Lust, sich noch weiter mit dem Schulleiter zu unterhalten, sofern es nicht in irgendeiner Form wichtig war. „Nun", antwortete dieser schließlich und sah sein Gegenüber ruhig und ungerührt an. „Wenn ich damit dazu beitragen kann, dass sich deine Laune wieder ein wenig bessert und du sie nicht weiterhin an deiner Umgebung auslässt, Severus, dann wollte ich dir eigentlich noch den Vorschlag unterbreiten, zu dieser Hochzeit zu gehen…" Severus erwiderte Dumbledores Blick. „Aber ich werde hier gebraucht. Was ist, wenn es einen neuen Angriff gibt? Schließlich ist schon wieder eine Woche seit dem letzten verstrichen." „Dann", entgegnete der Schulleiter, „werde ich es dich umgehend wissen lassen und ich verlasse mich darauf, dass du in diesem Fall auch umgehend hier bist. Des Weiteren solltest du morgen früh zum Frühstück wieder anwesend sein. Die Unruhe und das Gerede sind momentan schon groß genug." Snape schwieg kurze Zeit, um sich das Gesagte noch einmal durch den Kopf gehen zu lassen, dann stand er langsam auf. „Gut… Wenn das so ist, dann werde ich jetzt gehen", sagte er schließlich und es war ihm anzumerken, dass ein Großteil seines Ärgers gerade schon verflogen war. Dumbledore nickte und lächelte ein wenig. „Viel Spaß und unbekannterweise einen herzlichen Gruß an das Brautpaar. Bis morgen, Severus." Dann wandte er sich um und verließ den Raum. Severus beeilte sich daraufhin und versuchte, einen neuen Rekord im Duschen, Anziehen und nach Hogsmeade laufen aufzustellen. Von dort aus apparierte er zum Hochzeitsfest, denn er vermutete, dass die Trauung mittlerweile sicherlich schon fertig war. Gerade klang der Applaus für die letzte Rede ab, als er leise den Raum betrat.
Nachdem sie aufgehört hatte zu klatschen, ließ Amanda ihren Blick durch den Raum schweifen, um zu sehen, ob nun noch jemand eine Rede halten wollte. Doch momentan sah es nicht danach aus. „Woher kennen sie Matthew denn", erkundigte sich ihre Sitznachbarin dann, woraufhin Amanda bereitwillig darüber Auskunft gab, dass sie Matthews Chefin war und sich dann erzählen ließ, dass ihr Gegenüber mit ihm zusammen zur Schule gegangen war. Scheinbar galt das für den Großteil ihrer Tischnachbarn und Amanda fragte sich, ob Matthew da nicht einen passenderen Tisch hätte finden können. Severus sah sich indes kurz im Raum um, um zu sehen, wo das Brautpaar saß. Dabei entdeckte er auch Amanda. Doch zuerst wollte er den Gastgebern seine Aufwartung machen, das gebot schließlich die Höflichkeit. Es war nicht allzu schwer, die beiden auszumachen und so lief er an ein paar runden Tischen vorbei, auf das Brautpaar zu. Dass ihn dabei einige Blicke irritiert ansahen und ein paar Stimmen leise zu tuscheln begannen, ignorierte er, denn er hatte erwartet, dass mindestens die Hälfte der Gäste ehemalige Schüler von ihm sein würden.
„Ich dachte du hast gesagt, Professor Snape wollte nicht kommen", meinte Mia zu Matthew, als sie Snape entdeckte. „Ja, ist doch auch so", meinte Matthew, entdeckte dann aber seinen ehemaligen Lehrer und war auch überrascht. „Oder scheinbar doch nicht." Dann erhoben sich beide, um ihn zu begrüßen. Mia hatte seit der Schule nicht wirklich etwas mit Snape zu tun gehabt, außer dass sie wusste, dass er mit der Chefin ihres Mannes liiert war, also war sie auf sein Verhalten doch sehr gespannt. Ein Lächeln umspielte Severus Mundwinkel, als er bei den beiden angekommen war und er reichte Matthew die Hand, um ihm zu gratulieren. „Meinen Glückwunsch zur Hochzeit, Mr. Sullivan. Mrs. Sullivan...", dann reichte er Mia die Hand. „Auch ihnen meinen Glückwunsch. Des Weiteren soll ich von Professor Dumbledore herzliche Grüße ausrichten", überbrachte er schließlich auch noch dessen Nachricht, wie ihm aufgetragen wurde. „Vielen Dank, Professor Snape", antwortete Matthew auf Snapes Glückwünsche. „Schön, dass sie doch noch kommen konnten." Mia lächelte Snape freundlich an. „Dankeschön und auch Dank und Grüße an Professor Dumbledore", erwiderte sie. Allzu schlimm schien Snape gar nicht zu sein, zumindest noch nicht. „Ich werde es ihm morgen früh ausrichten", antwortete er auf Mias Worte hin, dann wandte er sich an Matthew. „Ja, sie werden nicht die Einzigen sein, die das überrascht." Ein kurzes Grinsen huschte über sein Gesicht, während er einen kurzen Blick in Amandas Richtung warf, die sich noch immer angeregt unterhielt. Daraufhin lächelte Matthew ihn freundlich an. „Ach, ich dachte, wenigstens Amanda weiß Bescheid", sagte er, da er Snapes Blick bemerkt hatte. „Wie sie sehen, ist auch noch ein Platz frei." „Nein. Nicht einmal ich selbst wusste vor einer Stunde schon Bescheid", entgegnete er erneut ein wenig grinsend, dann ergänzte er: „Ich denke, diesen Platz werde ich jetzt auch einnehmen." „Dann wünsche ich ihnen noch viel Spaß", meinte Matthew höflich. Mia hatte sich inzwischen wieder gesetzt, da sie von ihrem Vater zu dem neuen Gast befragt wurde. „Danke. Das wünsche ich ihnen auch", verabschiedete sich Snape vorerst genauso höflich vom Bräutigam und machte sich dann auf den Weg zum Tisch, an dem Amanda saß.
