Kapitel 23

~ Valentinstag ~

Amanda kam gegen zehn zu Felonwood und wunderte sich schon auf ihrem Weg durch die Winkelgasse über die ungewöhnlich aufgekratzten Menschen, die unterwegs waren. Kurz vor dem Laden stieß sie dann noch mit einer Hexe zusammen, die gerade ganz verträumt einen Brief las. Kopfschüttelnd betrat sie ihr Geschäft und begrüßte Matthew, der momentan alleine war. „Bei Merlin, was ist nur heute in die Leute gefahren", wollte sie wissen. „Guten Morgen! Tja ich würde sagen, es ist Valentinstag", meinte Matthew und grinste seine Chefin an. „Ach herrje… Das habe ich vollkommen vergessen. Nun ja, hoffentlich kommt keiner und fragt nach einem Liebestrank oder so etwas dummem." „Schon zu spät", teilte ihr ihr Mitarbeiter mit. „Es waren schon zwei da." „Oh je… Ich geh besser erst mal ins Lager und beschäftige mich da. Ach ja, wie geht es Mia? Alles in Ordnung? Ihr seid doch gestern beim Heiler gewesen oder?" Matthew nickte und lächelte. „Ja, es ist alles in Ordnung. Anfang Mai hat er gesagt." „Oh, das ist schön. Ein Frühlingskind." Amanda lächelte ebenfalls und ging danach ins Lager, um mit der Arbeit anzufangen.

Als sie am Abend nach Hause kam, hängte sie seufzend ihren Umhang an die Garderobe. Sie konnte sich bei bestem Willen nicht daran erinnern, dass ein Valentinstag in den vergangenen Jahren jemals so anstrengend gewesen war. Sämtliche Kunden waren vollkommen verwirrt und nervig gewesen. Wenigstens dreißig junge Hexen waren da gewesen und hatten kichernd nach einem Liebestrank gefragt, obwohl sie wissen sollten, dass diese verboten waren. Erschöpft ließ sich Amanda auf einen Stuhl in der Küche fallen. Normalerweise nahm sie ein Arbeitstag nicht so mit, aber die letzte Nacht hatte sie schlecht geschlafen und die seltsamen Kunden den ganzen Tag über taten ihr übrigens. Nachdem sie eine Kleinigkeit gegessen hatte und danach feststellen musste, dass sie auch zum Lesen zu müde war, ging sie recht schnell und sehr früh ins Bett. Kaum hatte sie sich dort an Severus alten Teddy gekuschelt, fiel sie in einen traumlosen, tiefen Schlaf.

Auch Severus hatte einen äußerst anstrengenden Tag hinter sich, der schon beim Frühstück mit Lockharts grässlicher Valentinstagsdekoration angefangen und sich mit seinem Liebestrank-Vorschlag fortgesetzt hatte. Am frühen Abend war er von der seltsamen Stimmung im Schloss und von Lockharts singenden Zwergen so genervt, dass er dringend einen Tapetenwechsel brauchte. Er schickte eine Eule an Dumbledore, damit dieser wusste, dass er das Schloss verließ und machte sich dann auf den Weg zu Amanda. Wenn er an diesem Valentinstag noch etwas ertragen konnte, dann sie. Eine halbe Stunde später klingelte er an ihre Tür und als niemand öffnete, zauberte er sich selbst den Weg frei, um zu sehen, wieso sie nicht öffnete. Kurze Zeit später hatte er den Grund auch gefunden, denn er fand Amanda schlafend im Bett liegend, im Arm seinen alten Teddybären, den sie vor einiger Zeit aus Spinners End mitgenommen hatte, als sie gemeinsam dort gewesen waren. Leise seufzend blieb er kurze Zeit in der Tür stehen, steckte den Zauberstab weg und sah ihr beim Schlafen zu. Ob sie immer mit dem Stofftier schlief, wenn er nicht da war?

Langsam ging Severus schließlich auf das Bett zu, setzte sich vorsichtig auf die Kante und strich Amanda sanft eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Es war schön sie wieder zu sehen, wenn auch nur schlafend und vor allem nach diesem furchtbar ätzenden Tag. Dann stand er wieder auf und begann sich leise auszuziehen, denn wenn Amanda schon schlief, wollte er sie nicht wecken, sondern sich einfach nur neben sie ins Bett legen. Durch Severus Berührung, kam Amanda langsam zu sich und das anschließende Rascheln von Stoff ließ sie ganz wach werden und erschrocken die Augen öffnen. „Achso", brachte sie zunächst nur sehr verschlafen hervor, als sie Severus im Dunkeln erkannte. Der drehte sich etwas überrascht und aufgeschreckt um, als er Amandas Stimme hörte. „Du bist ja wach", sagte er dann leise, während er seinen Pyjama anzog und seine Robe noch kurz ordentlich zur Seite legte. „Tut mir leid, ich wollte dich nicht wecken…" Nach diesen Worten hob er die Bettdecke an und kam zu ihr ins Bett. „Wie, du wolltest mich nicht wecken", fragte sie nach, während sie sich an ihn kuschelte. „Dann hätte ich dich ja ganz verpasst, nach diesem furchtbaren Tag." „Wieso", fragte er leise und zog sie in seine Arme. „Du wärst doch morgen früh neben mir aufgewacht…" Doch dann hakte er noch nach, bevor er sie kurz küsste. „Was war denn so furchtbar heute?" „Ja…und dann hätte ich gleich wieder zur Arbeit gemusst. Ach, die waren alle wahnsinnig wegen dem blöden Valentinstag", sagte sie und kuschelte sich noch enger an ihn. „Wie schön, dass es nicht nur mir so ging", entgegnete Severus leise und fuhr dann etwas grimmig fort. „Du willst gar nicht wissen, was bei uns heute in der Schule los war. Ich dachte mehr als einmal, ich müsste Lockhart dafür ermorden…" Dann erzählte er ihr kurz von der grässlich geschmückten Großen Halle, dem Vorschlag mit dem Liebestrank und den Zwergen, die mit ihrem furchtbaren Gesinge nicht nur den Unterricht störten, sondern auch überall auf den Gängen jedem auflauerten. „Oh mein Gott, da ging es mir ja wirklich noch gut. Lockhart ist ja wirklich der absolute Horror. Hoffentlich unterrichtet er nicht länger als dieses eine Jahr." Mitleidig streichelte sie seinen Körper entlang. „Oh, aber das mit dem Ermorden solltest du lassen, dann muss ich auf dich verzichten." „Das ist wirklich zu hoffen, ja." Er seufzte leise und küsste sie. Dann ließ er kurz von ihr ab und zog den Teddy unter der Decke hervor, der noch zwischen ihnen klemmte und ihn nun irgendwie dabei störte, Amanda richtig nahe zu sein. Amanda grinste und nahm ihm den Teddy ab. „Ich leg den besser mal zur Seite, wenn du nun da bist." „Ich hoffe doch, dass du den jetzt nicht mehr brauchst", entgegnete Snape. Nach einer kurzen Pause fuhr er jedoch etwas ernster fort: „Schläfst du immer mit ihm, wenn ich nicht da bin?" Amanda fühlte sich doch etwas ertappt und legte ein wenig peinlich berührt das Kuscheltier auf ihren Nachtisch. „Nicht immer", meinte sie vage. Severus musste auf ihre Reaktion hin, die ihm trotz der Dunkelheit nicht entging, etwas lächeln. Er war sich allerdings nicht sicher, was er nun erwidern sollte. „Es muss dir nicht peinlich sein", sagte er dann bloß leise und zog sie wieder etwas in seine Arme. „Ein wenig wohl schon", meinte Amanda und wich seinem Blick aus. „So ohne dich zu fragen…" „Wieso hättest du mich fragen sollen", wollte er leise von ihr wissen und sah sie weiter an, auch wenn er sie im Dunkeln nur schemenhaft erkennen konnte. „Er gehört ja nun eigentlich dir und nicht mir." „Ich habe nichts gesagt, als du ihn damals mitgenommen hast. Ich wusste nicht einmal, dass er überhaupt noch existiert…", entgegnete Severus ruhig, schwieg kurze Zeit und seufzte dann leise ein wenig. „Ich schenke ihn dir, wenn du willst." „Es soll schon deiner bleiben. Ich pass einfach nur auf ihn auf", sagte sie leise und sah ihn an. „Du klingst noch immer nicht sehr begeistert bei diesem Thema." „Es weckt Erinnerungen, an die ich nicht gern zurückdenke", beantwortete er knapp ihre versteckte Frage. „Ich kann ihn auch ganz weglegen, wenn dir das lieber ist." Amanda wollte ihm auf keinen Fall dadurch Erinnerungen aufdrängen, die er lieber vergessen würde. „Nein, schon gut. Er verdient es, statt im Staub bei dir im Bett zu liegen." Bei diesen Worten musste Snape ein wenig grinsen, doch es war in gewisser Weise auch etwas freudlos. „Severus", sagte sie zärtlich und nahm seine Hand. „Ich würde es schön finden, wenn du dich über den Bären freuen könntest. Dass es ihn noch gibt, ist doch eigentlich ein Zeichen, dass er dir mal wichtig war." Snape seufzte leise und schwieg kurze Zeit, doch dann sagte er doch noch einmal etwas zum Thema, auch wenn es ihm hörbar schwer fiel, denn es war ihm irgendwie unangenehm, es auszusprechen. „Er war als Kind mein einziger Freund", sagte er leise und ein wenig bitter, beim Gedanken an seine recht einsame Kindheit. „Pass einfach gut auf ihn auf", fügte er dann noch hinzu, um das Thema zu beenden. „Mach ich", sagte Amanda leise und konnte nicht vermeiden, dass sie nun etwas nachdenklich war. Noch immer tat ihr Severus leid, wenn es um seine Kindheit ging und irgendwie hatte sie gehofft, dass es sich bessern würde mit der Zeit, doch scheinbar saßen die Wunden beim ihm doch zu tief. Severus nahm sie wieder etwas mehr in den Arm und drückte sie sanft. „An was denkst du jetzt", fragte er schließlich leise, denn er hatte das Gefühl, dass sie das Gespräch nachdenklich gemacht hatte. „An dich", meinte sie noch immer etwas in Gedanken. „Daran, dass es traurig ist, dass dein Teddy dein einziger Freund war und es dich noch immer so berührt." Daraufhin schwieg er kurze Zeit, denn er wusste nicht so genau, was er darauf erwidern sollte. „Wie würde es dir an meiner Stelle gehen", fragte er dann leise und ruhig, denn er konnte sich nicht vorstellen, dass es ihr oder irgendwem anderem an seiner Stelle anders gehen würde. „Vermutlich ähnlich, aber das macht es nicht weniger traurig, oder?" „Nein", sagte Snape leise und knapp, denn er suhlte sich nicht gerne in Selbstmitleid und genauso wenig war er erpicht darauf, von anderen bemitleidet zu werden. Leise seufzte Amanda und streichelte durch seine Haare. „Ich pass einfach auf euch beide auf", flüsterte sie. Sanft drückte Severus sie an sich und küsste sie kurz. „Und ich auf dich", antwortete er leise.