Kapitel 24

~ Langersehntes Wiedersehen ~

Der Frühling hatte mittlerweile Einzug in Hogwarts gehalten und mit dem schönen Wetter hatte sich die Lage im Schloss auch wieder ein wenig entspannt, denn es verging Woche um Woche ohne einen erneuten Angriff. Doch leider war der Frieden trügerisch gewesen, denn nach den Osterferien wurde die Schule wieder in höchste Alarmbereitschaft versetzt, als kurz vor dem Quidditchspiel Gryffindor gegen Hufflepuff erneut zwei Schülerinnen versteinert aufgefunden wurden – Hermine Granger und Penelope Clearwater.

Als Folge dessen erschien Cornelius Fudge und hatte sich gezwungen gesehen, Hagrid als vermeintlich Verantwortlichen in Gewahrsam zu nehmen und ihn nach Askaban zu schicken und auch Lucius Malfoy blieb nicht untätig, spann wieder einmal Ränke und hatte Dumbledore noch am selben Abend im Namen der Schulräte seine Suspendierung überbracht. Vor allem Letzteres verärgerte Snape und machte ihm zunehmend Sorgen, denn seit Dumbledores Weggang hatte er nicht nur damit zu tun, ständig Schulklassen durch das Schloss zu eskortieren und nachts auf den Gängen Patrouille zu laufen, sondern auch damit, die immer unruhiger und nervöser werdenden Schüler im Zaum zu halten. An ein Treffen mit Amanda war seither nicht mehr zu denken und es machte ihm zusätzlich Kummer, dass er nicht wusste, wann sich das überhaupt wieder ändern würde. Er vermisste sie und das mit jedem Tag mehr, doch es blieb ihm nichts anderes übrig, als ihr Briefe zu schreiben. Er konnte unmöglich das Schloss verlassen und angesichts der jüngsten Ereignisse wollte er auch keinesfalls, dass sie ihn in Hogwarts besuchen kam.

Amanda war erschrocken, besorgt und traurig gewesen, als sie in Severus Brief über die neusten Ereignisse in Hogwarts gelesen hatte. Neben der Tatsache, dass es sich um grundsätzlich sehr beunruhigende Geschehnisse handelte, machte sich Amanda noch zusätzlich Sorgen, denn immerhin war Severus dieser Gefahr permanent ausgesetzt und wer konnte schon wissen, wo diese Sache einmal enden würde? Auch wenn sie verstehen konnte, dass Severus, vor allem weil Dumbledore nicht mehr da war, Hogwarts nicht mehr verlassen konnte, vermisste sie ihn trotzdem schrecklich. Schon vor Dumbledores Suspendierung hatten sie sich beinahe zwei Wochen nicht gesehen und nun war nicht einmal absehbar, wann dies wieder möglich sein würde, denn bis zu den Ferien waren es noch fast zwei Monate. Es blieb ihnen lediglich das Briefe schreiben, auch wenn es bei Amanda die Sehnsucht meist nur verstärkte und dafür sorgte, dass sie an einigen Tagen recht nervös durch Felonwood lief, in der Hoffnung, dass ihre Eule eine neue Nachricht bringen würde.

Auch Severus konnte es nicht vermeiden, immer wieder an Amanda zu denken und so war es auch gerade jetzt wieder, als er von den Gewächshäusern zurück ins Schloss ging, nachdem er dort bei Professor Sprout eine Klasse Schüler abgeliefert hatte. Schnellen Schrittes ging er wieder Richtung Schlossportal, als er aus dem Augenwinkel etwas entdeckte und noch einmal kehrt machte. Wenig später war er jedoch wieder in seinem Büro und schrieb einen kurzen Brief an Amanda. Danach versuchte er sich wieder auf seine Arbeit zu konzentrieren. Kurz nachdem Amanda die ersten Bilder von Matthews kleiner Tochter bewundert hatte, landete eine Posteule auf ihrem Schreibtisch. Recht schnell erkannte sie, dass der Vogel aus Hogwarts stammen musste und nahm ihm schnell den Brief ab. Darin waren ein kleines Vergissmeinnicht und ein Zettel mit den Worten „Ich vermisse dich." Lächelnd betrachtete Amanda die Blume, während sie sie zwischen den Fingern drehte. Auch sie vermisste Severus - sehr sogar. Daher freute sie sich über diese kleine, süße Aufmerksamkeit und dennoch hatte es auch einen bitteren Beigeschmack. Hoffentlich klärte sich bald alles in Hogwarts und sie konnten sich wieder sehen. Solange blieb ihnen aber nur die Kommunikation per Brief, also griff Amanda nach einem Stück Pergament und ihrer Feder.

Einige Wochen später wurde es sommerlich in Hogwarts, doch das änderte nichts an der Stimmung im Schloss. Immer noch wusste keiner, welches Übel die Schule bedrohte und als schließlich Ginny Weasley in die Kammer verschleppt wurde, sah sich Professor McGonagall gezwungen, die Schüler endgültig nach Hause zu schicken und die Schule zu schließen. Doch schlussendlich kam doch wieder alles anders. Potter und sein Freund Weasley fanden den Eingang zur Kammer und besiegten das Monster und Snape wusste nicht, ob er darüber nun froh und erleichtert, oder verärgert sein sollte, dass sich Potter wieder einmal so in Gefahr gebracht und in den Vordergrund gedrängt hatte. Er entschloss sich dann aber für das Erste, denn nun konnte er endlich wieder Amanda sehen, denn Dumbledore war wieder ins Schloss zurückgekehrt, die Gefahr beseitigt und auch der Alraunentrank war gebraut und an Madam Pomfrey weitergeleitet worden. Noch am selben Abend, als ihn die Nachrichten über die glücklichen Ereignisse ereichten, schrieb er einen Brief an Amanda, in dem er den Wunsch äußerte, sie sobald als möglich wieder zu sehen. Die Eule mit dem Brief erreichte Amanda erst mit der Morgenpost am nächsten Tag und als sie las, was Severus ihr dort mitteilte, konnte sie sich gerade noch einen Freudensprung verkneifen. Sie würde Severus sehen! Noch heute! Nachdem sie den Brief noch zweimal hektisch überflogen hatte, um sicher zu sein, sich nicht verlesen zu haben, setzte Amanda sich an ihren Schreibtisch und schrieb einige Zeilen an Severus, wobei aber der Hauptinhalt war, dass sie am Abend so schnell wie möglich zu ihm kommen würde. Als die Eule weggeschickt war, fand Amanda keine Konzentration mehr, um sich der übrigen Post zu widmen und so blieb es auch den ganzen Tag. Matthew war gegen Mittag schon reichlich genervt von ihrer aufgekratzten und unkonzentrierten Art, doch Amanda konnte es einfach nicht ändern. Zu sehr freute sie sich Severus zu sehen und konnte so kaum abwarten, dass der Tag endlich vorbei ging. Vor allem die letzten zwei Stunden schienen sich endlos hinzuziehen und mit einem sehr breiten Lächeln verschloss Amanda schließlich die Tür von Felonwood und apparierte gleich darauf nach Hogsmeade. Auf dem Weg nach Hogwarts hatte sie es sehr viel eiliger als gewöhnlich und trotzdem schien der Weg viel länger als sonst zu sein. Ein wenig außer Atem und mit schneller schlagendem Herzen klopfte sie schließlich an Severus Tür.

Auch Snape hatte, nachdem er Amandas Brief gelesen hatte, den Rest des Tages Mühe, sich noch auf irgendetwas zu konzentrieren und so war er froh, als es abends endlich an der Tür klopfte und er hoffen konnte, es wäre Amanda. Mit einem für ihn ungewöhnlich freudigen Herein bat er seinen Besucher einzutreten, legte die Feder weg und erhob sich schon einmal von seinem Schreibtischstuhl. Amanda betrat Severus Büro, schloss die Tür hinter sich und sah zu ihm herüber. Er sah müde aus fand sie, vermutlich von den vielen Nachtwachen, aber auch das war nun vorbei. Lächelnd, aber ohne etwas zu sagen ging sie zu ihm. Als sie dicht vor ihm stand, sah sie kurz in seine Augen, bevor sie die Arme um ihn schlang und sich eng an ihn drückte. „Du hast mir so gefehlt", murmelte sie leise. „Du mir auch… Und wie", flüsterte er und strich ihr durch die Haare. Es tat so gut, Amanda wieder in den Armen zu halten, dachte er. „Ich kann dich gar nicht so doll festhalten wie ich gerne würde", meinte sie einen Moment später und hob dann ihren Kopf um ihn anzulächeln. Severus lächelte zurück. „Mir geht es genauso. Komm, gehen wir nach nebenan." Amanda stimmte ihm zu und gemeinsam gingen sie in Severus Wohnzimmer und ließen sich auf das Sofa sinken, noch immer dicht beieinander. „Es ist also wieder friedlich hier, ja", hackte sie lächelnd und an ihn gekuschelt nach. „Ja, zum Glück. Minerva war kurz davor, alle heimzuschicken", antwortete Severus, Amanda fest im Arm haltend. „Kann ich mir vorstellen. Es hätte für das Weasley-Mädchen ja auch ganz anders ausgehen können. Du musst mir das Ganze aber jetzt schon noch mal genauer erzählen bitte." „Ja", bestätigte Severus und erzählte dann Amanda was er wusste. Auch die Sache mit dem Tagebuch und wem es einmal gehört hatte verschwieg er ihr nicht. „Ich hoffe, dass nicht noch mehr solche Hinterlassenschaften hier auftauchen", schloss er schließlich seinen Monolog mit einem gewissen Ernst in der Stimme.

Während sie ihm zugehört hatte, hatte Amanda seine Hand gestreichelt und sah ihn dann als er geendet hatte von der Seite an. „Das hoffe ich auch. Die Frage ist wohl auch, wie es überhaupt hierher kommen konnte, oder?" „Ja. Aber das lässt sich wohl nicht mit Sicherheit sagen, oder noch herausfinden... Wie dem auch sei... Ein Positives hatte das Ganze auch. Wir sind endlich diesen Idioten Lockhart wieder los." Severus grinste ein wenig. „Ja, das stimmt. Dass er so ein Schwindler war, hätte ich dann doch nicht gedacht, wobei es wohl auch nicht zu überraschend kommt. Trotzdem finde ich es ganz schön hart, dass er sein komplettes Gedächtnis verloren hat." Severus lachte kurz auf. „Ach, ich weiß nicht... Ich persönlich bringe nicht so viel Mitleid für ihn auf, wie du. Immerhin hat er im Vorfeld große Reden geschwungen und als wir ihm bezüglich der Kammer freie Hand lassen wollten, nach der Verschleppung von Miss Weasley, wollte sich dieser Armleuchter aus dem Staub machen. Oh, ich kann dir gar nicht sagen, wie ich es genossen habe, ihn mit seinen eigenen Lügen konfrontiert zu sehen..." Snape grinste ein wenig diabolisch beim Gedanken an die Szenen im Lehrerzimmer, als McGonagall sie von der Entführung in Kenntnis gesetzt hatte. „Und ich war nicht einmal der Einzige... Den Kollegen ging es genauso." Kurz sah Amanda ihn schmunzelnd an. „Es ist ja eine Sache, dass seine Lügen aufgeflogen sind, aber den Verstand zu verlieren noch eine ganz andere." „Wer Anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein, sag ich da nur. Das was er anderen angetan hat, ist diesmal nach hinten losgegangen. So etwas nennt sich ausgleichende Gerechtigkeit." „Hm, ich weiß nicht, aber lass uns besser nicht darüber diskutieren." „Ja", entgegnete Severus, zog Amanda noch näher an sich und grinste ein wenig. „Ich weiß auch durchaus besseres, als über Lockhart zu reden... Zum Beispiel das..." Dann küsste er sie.