Kapitel 30
~ Noch ein Irrwicht ~
Inzwischen war es einige Tage nach Amandas Geburtstag und sie und Severus waren bei Carl, ihrem Vater, zum Essen eingeladen. Severus und Amanda sahen sich durch die Ereignisse in Hogwarts noch immer recht selten, sodass sie sich freute, nun mit ihm zusammen vor der Tür ihres Vaters zu stehen. Severus hatte gerade geklingelt und wartete nun darauf, dass Brown senior ihnen öffnen würde. Auch er freute sich, Amanda wieder einmal zu sehen und hoffte, so auch wieder einmal ein wenig Erholung und Ablenkung von den aktuellen Ereignissen zu finden. Es war auf Dauer wirklich mühsam und nervend, immer den unsichtbaren Babysitter für Potter zu spielen. Kurz nach dem Klingeln, öffnete Carl auch schon die Tür und begrüßte erst herzlich seine Tochter und dann Severus, bevor er sie beide hinein bat. „Schön, dass ihr beide kommen konntet." Amanda lächelte ihn an, während sie ihren Umhang auszog und an die Garderobe hängte. „Ich freue mich auch, vielen Dank für die Einladung!" Nachdem Severus Carl begrüßt hatte, hängte auch er seinen Umhang an die Garderobe.
„Was möchtet ihr denn trinken", wollte Carl wissen, als beide im Wohnzimmer angekommen waren. „Ich hätte gerne Saft, wenn du hast", meinte Amanda. Ihr Vater nickte und sah dann Severus an. „Und du?" „Wasser reicht", entgegnete Snape. „Gut, wenn du meinst. Setzt euch doch schon an den Tisch", forderte Carl seine Gäste auf, bevor er in die Küche ging, um die Getränke zu holen. Als ihr Vater den Raum verlassen hatte, griff Amanda nach Severus Hand und zog ihn zu sich, um ihm einen Kuss zu geben. Da sie länger als geplant arbeiten musste, hatten sie zuvor nicht richtig Zeit gehabt, sich zu begrüßen. Severus Augenbraue schoss sofort fragend in die Höhe, als sie ihn zu sich zog, doch nachdem sie ihn geküsst hatte, lächelte er ein wenig. „Wir sollten uns doch setzen...", meinte er schließlich leise und ein wenig scherzhaft. „Können wir ja gleich", meinte sie und gab ihm noch einen Kuss auf den Hals. Severus seufzte leise. „Was tust du da", fragte er leise, zog Amanda jedoch trotzdem zu sich, in seine Arme. „Ich sage dir richtig hallo, weil eben keine Zeit dafür war", sagte sie ganz unschuldig. „Soso", murmelte Snape, dann küsste er sie noch einmal kurz, aber sehr innig und streichelte ihr etwas über den Hals. „Dann hab ich dich jetzt auch begrüßt", raunte er dann an Amandas Ohr, bevor er wieder von ihr abließ. Er wollte nicht, dass Carl sie beide knutschend vorfand. Schon alleine der Gedanke war ihm, trotz all der Jahre, noch irgendwie unangenehm.
Amanda seufzte leise. „Ich liebe dich", flüsterte sie ihm noch leise zu, bevor sie sich etwas weiter von ihm löste, um sich bald setzten zu können. Severus lächelte etwas, als sie das sagte, zog sie noch einmal enger an sich und küsste sie kurz unter dem Ohr. Dann flüsterte er ihr zu, dass er sie auch liebte und ließ sie wieder los. Daraufhin setzten sie sich an den Tisch und einen kurzen Moment später kam auch schon Carl mit den Getränken und dem Essen zurück ins Zimmer. „Amanda, du bekommst natürlich auch noch ein Geschenk, aber das dann nach dem Essen." Gespielt vorwurfsvoll sah sie ihren Vater an. „Och, Dad! Wer hat denn gesagt, dass ich so lange warten kann?" „Das wirst du wohl müssen, befürchte ich", meinte Carl, während er die Gläser verteilte und einschenkte. Severus bedankte sich, als ihm Carl einschenkte. Schließlich setzte sich auch Amandas Vater und wünschte seinen Gästen einen guten Appetit. So aßen sie gemeinsam und nachdem Amanda dann auch ihr Geburtstagsgeschenk ausgepackt hatte, hatte Carl noch ein anderes Anliegen: „Ich habe letzte Woche aus Spanien einen kleinen Schrank mitgebracht und ich befürchte, es hat sich ein Irrwicht dort eingenistet, würdet ihr mir vielleicht damit helfen?" „Ein Irrwicht", fragte Severus etwas verwundert und griff nach seinem Glas. Normalerweise hausten schließlich in Schränken, die man neuwertig kaufte, keine dieser Kreaturen. „Ja, es spricht alles dafür. Es ist ein kleines altes Schränkchen, etwa so groß wie ein Nachttisch und in jedem Fall lebt etwas darin." „Hm. Wenn es alt ist, dann spricht wirklich einiges dafür", entgegnete Severus. Nach kurzer Pause fuhr er fort: „Vor mir aus kann ich einmal einen Blick darauf werfen..." „Ja, das wäre sehr nett. Ich wollte es alleine nicht ausprobieren." Amanda sah ihren Vater kurz an. „Ich komme auch mit." „Gut, dann gehen wir doch gleich." Kaum hatte er dies gesagt, erhob sich Severus von seinem Platz. Carl nickte und erhob sich ebenfalls. „Er steht im Arbeitszimmer", erklärte er und ging voraus, um Amanda und Severus den Weg zu zeigen. Schließlich im Arbeitszimmer angekommen, deutete er auf einen kleinen dunkeln Holzschrank, der leicht wackelte. „Das ist er." „Den hätte ich aber auch mitgenommen", meinte Amanda. „Er ist sehr schön." Severus sah sich den Schrank an, bevor er sich ein wenig näherte, den Zauberstab zog und ihn genauer begutachtete. „Schönes Stück, in der Tat", sagte er dann nach eingehender Betrachtung des Möbelstücks. „Ja, wenn er nicht dauernd wackeln und wandern würde, wäre er noch schöner", meinte Carl, der inzwischen auch seinen Zauberstab in der Hand hatte. Amanda stand etwas weiter abseits. Eigentlich konnte sie sich an diesem Abend etwas Besseres vorstellen, als einem Irrwicht zu begegnen. „Nachvollziehbar", antwortete Severus. „Also, wollen wir? Oder möchte vorher noch jemand den Raum verlassen, bevor ich dieser Kreatur den Garaus mache?" Dabei sah er vor allem Amanda fragend an, die noch etwas unschlüssig in der Gegend herumstand. Auch er selbst hatte keine große Lust, nun einen Irrwicht zu entfernen, allerdings konnte er Carls Bitte auch verstehen, es nicht tun zu wollen, wenn er alleine war. „Ja, meinetwegen können wir", meinte Carl und sah ebenfalls kurz zu seiner Tochter. Amanda schüttelte den Kopf und kam ein paar Schritte näher, immerhin war es zu dritt durchaus einfacher den Irrwicht zu verwirren, als nur zu zweit.
Snape wartete noch, bis auch Amanda ihren Zauberstab gezogen hatte, dann fragte er: „Bereit?" Nachdem alle bestätigt hatten, ließ er mit einem ungesagten Alohomora das Türchen des kleinen Schränkchens aufschwingen... Der Irrwicht wendete sich zunächst einen kurzen Moment Carl zu, so dass zuerst ein offensichtlich toter David vor ihnen lag, doch dieser Anblick blieb nicht lange und der Irrwicht wandte sich zu Amanda und verwandelte sich in Lord Voldemort. Auch wenn der Irrwicht durch die unterschiedlichen Menschen offensichtlich schon verwirrt war, war Amanda durch den plötzlichen Anblick ihres toten Bruders und nun auch noch konfrontiert mit ihrer eigenen Angst so erschrocken, dass sie gar nicht mehr reagieren konnte, als der vermeintliche Voldemort immer weiter auf sie zu kam. Trotz seines eigenen Schreckens, schob sich Carl deshalb vor seine Tochter so dass er nun neben Severus direkt vor dem Irrwicht stand, der sich zunächst wieder in den toten David verwandelte. Severus Gesichtsausdruck versteinerte sich augenblicklich, kaum hatte er den Zauberspruch gesprochen. So war ihm auch keinerlei äußerliche Regung anzumerken, als plötzlich die Illusion eines toten Davids auf dem Fußboden lag. Als sich der Irrwicht kurz darauf auch schon in den Dunklen Lord verwandelte, verschmälerten sich Snapes Lippen ein wenig. Er war schon im Begriff, sich seinem angeblichen Meister in den Weg zu stellen, doch Carl kam ihm zuvor. Innerlich ahnte Severus schon, was nun passieren würde, denn Brown senior hatte schließlich nicht nur ein Kind und so wechselte der Irrwicht auch nur Sekunden später in eine andere Person über. Es war Amanda, die auf dem Boden lag und die Anwesenden mit entsetzten, aber toten Augen anstarrte. Auch wenn Severus mit diesem Bild schon gerechnet hatte, erfasste ihn innerlich für einen Moment das blanke Entsetzen, welches für einen Moment auch in seinen Augen aufflackerte, die starr auf den verwandelten Irrwicht gerichtet waren. Doch Sekundenbruchteile später hatte er sich wieder gefasst und schleuderte der Illusion ein kaltes Riddikulus entgegen. Der Irrwicht verwandelte sich augenblicklich und zeigte nun einen ansehnlichen jungen Mann mit Brille, sowie kurzen, strubbeligen, schwarzen Haaren - wären da nicht die hässlichen Pusteln gewesen, die plötzlich anfingen, überall auf seiner Haut zu wachsen und aufzuplatzen. Severus Lippen schürzten sich sogleich amüsiert, als er dieses Abbild seines verhassten Feindes James Potter sah... Dieser Bastard! Das geschah im Recht! Durch Snapes Belustigung irritiert wendete sich der Irrwicht wieder Carl zu und verwandelte sich so gleich wieder in die tote Amanda. Diesmal reagierte Carl allerdings etwas gefasster und erhob seinen Zauberstab: „Riddikulus!" Daraufhin wechselte der Irrwicht seine Form in eine alte, sehr schrullig aussehende Frau, die sich auf einen Stock gestützt, irritiert im Raum umsah.
Amanda war von jedem der drei Irrwichte so erschrocken, dass sie sich noch immer nicht in die Geschehnisse einmischen konnte. Sie hatte nicht damit gerechnet, dass es so schlimm werden würde. Noch bevor sich der Irrwicht von sich aus ein neues Opfer suchen konnte, ging Severus ein paar Schritte und stellte sich zwischen ihn und Carl. Sofort wechselte der Gestaltwandler wieder in die tote Amanda und keine Sekunde später wurde er auch schon wieder von Snape in eine andere Form gezwungen. Innerlich äußerst befriedigt, nun auch noch den jugendlichen Black mit Blattern übersäht vor sich stehen zu sehen, winkte Severus noch einmal wortlos mit dem Zauberstab und der nun stark verwirrte Irrwicht verpuffte zu kleinen dunkelgrauen Rauchwölkchen, die kurze Zeit später vollständig verschwunden waren.
Carl seufzte erleichtert und sah Severus an. „Vielen Dank! Das hat die Angelegenheit doch sehr vereinfacht." Auch Amanda war erleichtert, aber sie konnte sich noch nicht so freuen wie ihr Vater. Sie hatte sich an die Kommode hinter sich gelehnt und starrte gedankenverloren auf das antike Schränkchen. „Bitte", entgegnete Severus nur knapp und steckte seinen Zauberstab wieder ein. Obwohl er nach außen hin völlig ruhig wirkte, musste auch er das gerade Gesehene erst einmal noch einen Moment verdauen, bevor er wieder etwas gelassener werden konnte. Er hatte gerade seinem absoluten Alptraum gegenüber gestanden.
Noch bevor Carl sie dazu auffordern konnte, verließ Amanda schweigend das Zimmer und ging zurück ins Wohnzimmer. „Kommst du auch mit zurück", wollte Carl von Severus wissen. Der folgte gerade schon Amanda mit den Augen, bevor er mit Ja antwortete. Zusammen mit Carl verließ er schließlich das Zimmer, doch als sie am Bad vorbei kamen, entschuldigte sich Snape kurz und verschwand hinter der Tür. Er brauchte jetzt einfach noch einen Moment für sich, bevor er wieder in Gesellschaft weilte und vor allem bevor er für Amanda da sein konnte, die das Ganze offenbar ziemlich mitgenommen hatte. Die saß kurze Zeit später mit angewinkelten Beinen auf dem Sofa, als ihr Vater das Wohnzimmer betrat. „Alles in Ordnung", wollte er von ihr wissen. Sie nickte und sah ihn an. „Ja, ich habe nur die Wirkung etwas unterschätzt. Es geht gleich wieder." Zwar hatte sie schon mit Voldemort gerechnet, aber kurz zuvor David tot zu sehen, hatte die anschließende Begegnung mit ihrer eigenen schlimmsten Angst nicht gerade vereinfacht. Langsam, da der Schreck nachließ, ärgerte Amanda sich auch darüber, dass sie nicht in der Lage gewesen war, mit etwas so simplem wie einem Irrwicht fertig zu werden, während Severus und ihr Vater das scheinbar durchaus konnten. „Ich mache mir einen Tee", sagte Amanda schließlich ruhig und stand wieder auf, um in die Küche zu gehen. Momentan konnte sie ein warmes beruhigendes Getränk ganz gut brauchen und außerdem würde ihr das einen Moment des Alleinseins verschaffen. „Machst du mir einen mit", fragte Carl Amanda, die daraufhin nur nickte und kurz darauf das Zimmer verließ. Nachdenklich sah er ihr nach. Natürlich hatte auch ihn der Anblick seiner toten Kinder sehr erschrocken, aber vielleicht war er mehr darauf vorbereitet gewesen was ihn erwarten würde, als Amanda. Zumindest machte sich Carl mehr Gedanken über die Form die Snapes Irrwicht nach dem Riddikulus-Zauber angenommen hatte, als um seine eigenen Ängste.
Severus war indes im Bad, hatte sich gerade das Gesicht mit kaltem Wasser gewaschen und starrte nun, auf das Waschbecken gestützt, regungslos in den Spiegel. Es war schon eine seltsame Ironie des Lebens, dachte er sich, dass er erst vor einer Weile selbst ein Irrwicht gewesen war und Longbottom in Angst und Schrecken versetzt hatte und heute sah er sich mit seinen eigenen Ängsten konfrontiert. Nachdem er eine knappe Minute seinen Gedanken nachgehangen war, löste sich Snape schließlich leise seufzend wieder vom Anblick seines ernsten Spiegelbildes und ging zur Tür. Es war ein Irrwicht gewesen, nichts weiter. Amanda würde nicht sterben… Nicht solange er es verhindern konnte und diesmal würde er es zu verhindern wissen! Mit diesem Entschluss machte er sich schließlich auf den Rückweg ins Wohnzimmer.
Er war schon fast an der Küchentür vorbeigelaufen, als er im Augenwinkel bemerkte, dass es Amanda war, die dort gerade hantierte. So blieb er stehen und ging wieder einen Schritt zurück. Die Tür war nur halb geöffnet, deshalb schob er sie mit einer Hand vorsichtig vollends auf, um Amanda nicht aufzuschrecken. „Alles in Ordnung", fragte er dann, als die Tür fast offen war. Amanda befüllte gerade das Teesieb mit Teeblättern, als Severus sie ansprach. „Ja, sicher", meinte sie ruhig und sah ihn an. Sicherlich war ihr anzusehen, dass noch nicht alles wieder vollkommen in Ordnung war. Er erwiderte ihren Blick und kam ein paar Schritte näher, bis er neben ihr stand. „Das Gefühl habe ich aber nicht", sagte er dann mit ruhiger und etwas gedämpfter Stimme. Sie legte den Löffel zur Seite und schloss die Teedose. „Tut mir Leid, dass ich keine wirkliche Hilfe war." „Du musst dich nicht entschuldigen." „Doch, ich finde schon. Ich habe mich viel zu sehr einschüchtern lassen, dabei wusste ich ja, was auf mich zukommt. Zumindest fast", schränkte Amanda schließlich noch leise ein, bevor sie die Dose zurück an ihren Platz stellte. „Es ist noch einmal etwas anderes, wenn man es sieht. Man kann sich nicht gänzlich vorbereiten..." Severus sah sie an. „So anders war es bei dir und meinem Vater scheinbar nicht", meinte Amanda und wich seinem Blick aus. 23 kB/s „Denkst du wirklich, mir hat das, was ich gesehen habe, nichts ausgemacht", wollte Snape daraufhin wissen, allerdings ohne einen Vorwurf in der Stimme. „Nein, natürlich nicht, sonst hättest du es ja nicht gesehen, aber offensichtlich konntest du besser damit umgehen." „Das ist alles eine Sache des Trainings, im richtigen Moment einen kühlen Kopf zu bewahren." „Das mag sein", antwortete Amanda nur ruhig und goss das inzwischen kochende Wasser über die Teeblätter.
Severus seufzte ein wenig. Irgendwie hatte er nicht das Gefühl, an Amanda heranzukommen und er wusste auch langsam nicht mehr, was er tun oder sagen sollte, um sie aus der Reserve zu locken. „Ich gehe jetzt zurück ins Wohnzimmer... Offenbar ist es dir ja gerade lieber, nicht über die ganze Sache zu reden", sagte er dann ruhig und ohne Vorwurf, denn er fühlte sich schließlich auch oft genug in solch einer Situation. Dann drehte er sich wieder um und ging Richtung Tür. Kurz sah Amanda ihm nach. Sie wusste ja selber nicht, was sie groß dazu sagen sollte. Zwar tat es ihr leid, Severus einfach so gehen zu lassen, aber sie konnte auch nicht genügend Kraft aufbringen, um ihn davon abzuhalten. Ihr Schreck saß scheinbar doch tiefer, als sie zunächst gedacht hatte. So ließ Amanda sich Zeit damit, das Geschirr aus dem Schrank zu nehmen und auf das Tablett zu stellen. Severus fragte sich indes auf dem Rückweg, ob es nun wirklich richtig gewesen war, Amanda alleine zu lassen, doch andererseits wusste er es nur zu gut von sich selbst, dass Alleinsein manchmal ganz hilfreich war, um einer Situation wieder ein wenig den Schrecken zu nehmen. Noch ein wenig über alles nachdenkend betrat er schließlich das Wohnzimmer.
Auch Carl hatte gerade seinen Gedanken nachgehangen, als Snape den Raum betrat, so dass er ihn im ersten Moment nur schweigend ansah. „Vielen Dank noch mal", sagte er dann erneut ruhig. „Kein Problem", erwiderte Severus daraufhin nur. Es entging ihm nicht, dass auch Carl recht nachdenklich war und sich auch hier die Situation nicht gerade viel einfacher gestaltete. „Ein paar Kollegen haben sich neulich wieder darüber unterhalten", sagte Carl nun das Thema wechselnd. „Ist dieser Hippogreif, der in Hogwarts einen Schüler angegriffen hat, wirklich so gefährlich? Ich denke mir immer, dass er dann ja nicht im Unterricht eingesetzt worden wäre, oder?" Snape war von diesem plötzlichen Themawechsel kurz ein wenig irritiert, doch nach kurzem Nachdenken antwortete er schließlich: „Hippogreife im Allgemeinen sind nicht ungefährlich. Allerdings lag es wohl weniger am Tier, als an Malfoy, dass es ihn angegriffen hat. Er wird es nicht mit dem nötigen Respekt behandelt haben, dieser Schwachkopf. Das allerdings interessiert Lucius wiederum herzlich wenig..." „Dass Hippogreife allgemein nicht sonderlich freundlich sind war mir auch klar", meinte Carl. „Hm, kann ich mir vorstellen, dass Lucius Malfoy das nicht so interessiert." Severus lächelte kurz. „Ja", sagte er dann knapp. „Darf ich dich noch etwas fragen?" „Solange ich nicht antworten muss..." „Nun, an sich würde die Frage ja sonst keinen Sinn machen", meinte Carl bevor er fort fuhr: „Wer waren die beiden Jungen bei deinem Irrwicht?"
Severus langsam wieder gelöste Miene versteinerte sich bei dieser Frage erneut und verfinsterte sich zudem ein wenig. „Keine meiner Schüler", antwortete er schließlich nur knapp, fügte allerdings in Gedanken noch hinzu, dass es ihm jedoch ein großes Vergnügen bereiten würde, wenn dem so wäre. Gerade wollte Carl etwas erwidern, als Amanda wieder den Raum betrat und so brachte er nur ein kurzes „A ha" hervor. Amanda hingegen stellte das Tablett auf dem Couchtisch ab und setzte sich. „Möchtest du auch", wollte sie von Severus wissen, während sie das Geschirr auf den Tisch stellte. „Ja, gern", sagte dieser noch ein wenig frostig, auch wenn er mehr als froh war, dass Amanda dieses Gespräch zwischen ihm und Carl unterbrochen hatte. Dann ging er zu ihr und setzte sich neben sie, versucht, sich wieder etwas zu entspannen. Amanda schenkte allen Tee ein und nachdem sie sich selbst noch etwas Milch genommen hatte, lehnte sie sich mit ihrer Tasse im Sofa etwas zurück.
„Ich habe noch gar nicht gefragt wie es momentan bei Felonwood läuft", sprach ihr Vater sie an. „Ganz gut, wie immer eigentlich. Es wird langsam Frühling und den Leuten fällt irgendwie beim Putzen ein, was sie noch alles an Zaubertrankzutaten brauchen, aber ich will mich nicht beschweren. Das macht sich schließlich durchaus gut in der Kasse", berichtete Amanda ruhig und sah dabei ihren Vater an. Severus hörte derweil der Unterhaltung zu und trank ein wenig von seinem Tee. Er war froh, gerade nicht mehr Mittelpunkt eines Gesprächs zu sein, bis er sich endgültig wieder beruhigt hatte. Amanda und Carl unterhielten sich noch eine Weile über Felonwood und einige Familienmitglieder, so dass sie Severus unbewusst noch etwas mehr Zeit gaben, sich wieder zu finden. Der hatte mittlerweile wieder einigermaßen seine Mitte gefunden und lehnte sich, nachdem er seine Tasse wieder auf dem Tisch abgestellt hatte, im Sofa zurück. Da Amanda recht dicht neben ihm saß, legte er der Bequemlichkeit halber und auch weil er ihr irgendwie gerade etwas näher sein wollte, seinen Arm auf die Rückenlehne hinter ihr. „Hat sich David bei dir gemeldet", wollte Carl von seiner Tochter einen Moment später wissen. Diese schüttelte darauf den Kopf. „Nein, vermutlich kriegt er das mal wieder nicht auf die Reihe, oder er hat vergessen, dass es uns auch noch gibt", meinte sie grinsend. „Aber an deinen Geburtstag hat er gedacht?" „Das schon, aber nur gerade so und ein Geschenk bekomme ich später, irgendwann, mit etwas Glück." Carl musste daraufhin kurz lachen. „Oh je, na von mir hat er das nicht." „Das würde ich jetzt auch behaupten", sagte Amanda schmunzelnd. „Das hoffe ich." Dann erhob er sich. „Ich bin gleich wieder da", meinte er und verließ das Zimmer in Richtung Bad.
Amanda seufzte leise und lehnte sich etwas an Severus. Vielleicht war sie auch einfach nur müde und erschöpft von der anstrengenden Arbeitswoche und deswegen hatte sie der Irrwicht so mitgenommen. Snape streichelte ihr daraufhin sanft etwas durch die Haare. „Müde", wollte er dann leise von ihr wissen? „Ja, ein wenig. Es war doch eine ziemlich arbeitsreiche Woche." „Willst du nach Hause?" „Ja, das ist vielleicht besser, bevor ich nachher noch einschlafe hier." „Gut. Dann lass uns gleich gehen." Amanda nickte und als ihr Vater einen Augenblick später wieder das Wohnzimmer betrat, richtete sie sich wieder auf und sah ihn an. „Ich befürchte wir wollen los, ich bin furchtbar müde und bevor ich noch während wir uns unterhalten einschlafe, sollte ich doch besser vorher ins Bett gehen." Carl musste kurz lachen. „Das ist natürlich schade, aber du hast Recht. Inzwischen bist du auch ein wenig zu groß, um auf dem Sofa einzuschlafen und dich von mir ins Bett bringen zu lassen." Amanda stimmte ihm zu und ging dann in den Flur, um sich anzuziehen. Severus folgte ihr. Nachdem sie beide ihre Umhänge angezogen und sich von Carl Brown verabschiedet hatten, apparierten sie zu Amandas Haus, welches sie einen Moment später betraten. Amanda zog ihren Umhang aus und hängte ihn an die Garderobe. Nun, mit Severus alleine und in der Ruhe ihres Hauses, beschlich sie langsam wieder das unangenehme Gefühl, welches sie seit der Begegnung mit dem Irrwicht verfolgte und wovon ihr Vater sie zuvor einigermaßen abgelenkt hatte. „Möchtest du etwas trinken? Ich muss die Küche ohnehin noch zum Aufräumen bewegen und wo ich schon mal dort bin..." Sie sah Severus fragend an. „Nein danke, gerade nicht", entgegnete dieser. „Kann ich dir irgendwas helfen?" „Nein, danke. Wenn man es einmal angestoßen hat, räumt es ja von alleine, nur heute Morgen war ich zu hektisch und dann hätte auch die Küche danach so ausgesehen. Setz dich doch ins Wohnzimmer oder geh schon nach oben, wie es dir lieber ist." „Na ja, eher wie es dir lieber ist. Willst du gleich ins Bett, oder noch etwas ins Wohnzimmer?" „Ich glaube schlafen kann ich noch nicht gleich", meinte sie ruhig. „Also gut. Dann warte ich im Wohnzimmer", sagte Severus, küsste sie dann kurz auf die Schläfe und ging dann voraus. Amanda nickte und ging schließlich in die Küche, um schnell selbst einige Dinge an ihren Platz zu räumen und dann das Geschirr mit Hilfe ihres Zauberstabs zum Abwaschen zu bewegen. So war sie nur wenige Minuten nach Severus im Wohnzimmer und setzte sich zu ihm. Der legte sogleich wieder den Arm um sie, als sie wieder bei ihm war, denn er hatte schon bei ihrer Ankunft gespürt, dass Amanda die Sache mit dem Irrwicht noch immer stark beschäftigte. Er hoffte, dass er ihr wenigstens so etwas Gutes tun konnte, wenn sie schon nicht mit ihm darüber reden wollte. Amanda kuschelte sich dichter an Severus und seufzte leise. Eine Weile saßen sie so schweigend auf dem Sofa, bevor sie das Wort ergriff: „Ich wollte dich vorhin eigentlich gar nicht weg schicken, tut mir leid. Ich wusste nur nicht was ich noch sagen sollte." „Du hast mich ja auch nicht weggeschickt", antwortete er leise. „Ich bin freiwillig gegangen..." „Ja, aber eigentlich wollte ich das gar nicht so." Sie seufzte erneut. „Vielleicht war ich einfach zu müde, um mit so einem blöden Irrwicht fertig zu werden", meinte Amanda etwas finster. „Zumindest wäre das eine einigermaßen gute Ausrede." Severus schmunzelte ein wenig, dann antwortete er. „Das wäre ein plausibler Grund." „Wieso lachst du jetzt", wollte sie etwas irritiert wissen. „Ich finde es ist eher eine Ausrede." „Das finde ich nicht. Und deshalb schmunzle ich auch. Weil du zwanghaft versuchst, dein Verhalten zu rechtfertigen... Dabei kannst du jetzt ohnehin nichts mehr daran ändern." Amanda löste sich von Severus, um ihn anzusehen. „Es geht doch gar nicht um rechtfertigen! Es ärgert mich einfach, dass ich das nicht konnte und da ist es doch vollkommen egal, ob ich daran etwas ändern kann oder nicht", entgegnete sie leicht gereizt. Snape zog eine Augenbraue hoch, als sie so reagierte. „Wenn es nur darum geht, dann solltest du dich schon zweimal nicht ärgern. Das lässt sich im Hinblick auf die Zukunft schließlich ändern", entgegnete er dann ruhig und sachlich. „Trotzdem kann es mich doch stören oder?" „Natürlich", entgegnete Severus daraufhin nur noch und stand dann auf. „Ich hole mir etwas zu trinken... Willst du auch was?" Irgendwie hatte er das Gefühl, was Amanda betraf schon wieder in einer Sackgasse gelandet zu sein, was ihn hilflos machte und er hasste es, hilflos zu sein. „Nein, danke." Ganz verstand Amanda auch nicht, wieso sie heute so aneinander vorbeiredeten. „Hm." Severus nickte kurz, dann ging er in die Küche. Er war in solchen Dingen auch mehr als ratlos und hoffte nur, dass sich diese Stimmung nicht noch auf den nächsten Tag ausdehnen würde.
Amanda hatte keine Idee wie sie Severus ihr Problem klar machen sollte, da sie selbst nicht genau wusste, warum sie die Geschichte so sehr störte. Nachdenklich wartete sie darauf, dass er wieder kam. Kurze Zeit später war Snape mit einem Glas Wasser in der Hand zurück und setzte sich wieder neben sie. Allerdings wusste er nicht, wie er erneut ein Gespräch anfangen sollte. Amanda seufzte leise. „Tut mir leid, ich wollte nicht die Stimmung verderben. Ich hatte einfach Angst bei dem Irrwicht - hm ja natürlich hatte ich das. Dann hab ich mich noch geärgert und zusätzlich bin ich noch etwas müde. Irgendwie war da nicht mehr viel mit Unbeschwertheit." „Schon gut. Ich mache dir schließlich keinen Vorwurf", entgegnete Severus. Nach kurzer Pause fuhr er fort. „Diese Irrwicht-Geschichte war der allgemeinen Stimmung leider ziemlich abträglich und ist es immer noch, habe ich das Gefühl." Er sah sie fragend an, als ob er wissen wollte, ob sie noch weiter und tiefergehender darüber reden wollte. „Ein wenig ja." Amanda sah ihn etwas unsicher an, aber trotzdem fühlte sie sich schon etwas besser, da nun immerhin alles klar ausgesprochen war. Severus nahm sie vorsichtig wieder in den Arm, dann fragte er: „Und was kann ich dagegen tun?" Sie rutsche enger zu ihm und drückte sich in seine Umarmung. „Es reicht doch, dass du da bist." „Wenn das reicht, dann ist ja gut", sagte er leise und drückte sie sanft an sich. „Aber natürlich. Wollen wir gleich ins Bett gehen?" „Ja, können wir, wenn du willst." „Ja, sonst würde ich nicht fragen." Sie lächelte ihn sanft an. „Komm, lass uns gehen", meinte sie, stand langsam auf und hielt Severus die Hand hin. Er nahm sie und stand ebenfalls auf. „Ja..." Gemeinsam gingen sie nach oben und nachdem beide im Badezimmer gewesen waren, gingen sie ins Bett und so fand der Abend doch noch einen friedlichen Abschluss.
