Freitag, 1. Dezember
Severus stakste ins Wohnzimmer, während er noch seinen Umhang zurecht zupfte. Irgendwie war er heute später aufgewacht als gewöhnlich...
Sein Blick glitt über den erloschenen Kamin und die Uhr auf dem Sims hin zu dieser glitzer-glänzenden Unmöglichkeit, die Albus ihm da gegen seinen Willen hatte zukommen lassen. Heute durfte er das erste Türchen öffnen, hoffentlich ohne dabei beleidigt zu werden... Moment - durfte? Sollte, doch wohl eher. Musste, um Albus nicht zu enttäuschen. Aufgeregt war er deswegen ganz bestimmt nicht, und auch nicht nur das allerwinzigste bisschen gespannt!
Stirnrunzelnd trat Severus an das als Kalender bezeichnete Ding heran. Da war es, rechts oben, das Türchen mit der Nummer 1. Hm, er würde es später aufmachen, nach dem Unterricht.
Einem plötzlichen Impuls folgend wanderten seine Finger zu der kleinen Papp-Tür. Tief in ihm verborgen war wohl doch noch ein Stück des kleinen, neugierigen Jungen...
Hinter der Tür verbarg sich eine kleine, dunkle Kammer, in der eine Art Praline lag. Praline? Eigentlich hatte er immer gedacht niemand wüsste von seiner geheimen Vorliebe für qualitativ hochwertigen Süßkram... Anscheinend hatte er sich gründlich getäuscht, Mr Allwissend hatte es wohl bemerkt. Wie typisch! Na, jetzt war es auch schon egal!
Flink schnappte er sich die Nascherei, schob sie sich in den Mund und - mmmmh! Himbeergeist! Und wie viel! Die Schokolade war mehr eine Ummantelung einer mit Hochprozentigem gefüllten Kapsel!
Noch nie zuvor war Severus auch nur das klitzekleinste wenig angetrunken vor eine Klasse getreten, aber dieses eine schnuckelige Pralinchen konnte ihm im Prinzip eh nichts anhaben, da hätte er auch ein Kilo von essen können! So im übertragenen Sinne...
Aufgrund der mittlerweile recht fortgeschrittenen Zeit ließ er das Frühstück ausfallen und begab sich sofort in sein Klassenzimmer. Obwohl er seltsam guter Laune war, war es nicht dieser Umstand, der den Tag außergewöhnlich machte. Der Tränkemeister schien als Einziger nicht den fruchtig-frisch penetranten Duft einer gewissen Waldbeere zu bemerken, der ihn verführerisch umwehte...
