Kapitel 33

~ Eindeutige Vorzeichen ~

Am Morgen nach dem Quidditch-Weltmeisterschaftsfinale brauchte Amanda länger als gewöhnlich um aufzustehen. Sie hatte schlecht geschlafen und musste nun auch noch früh arbeiten. Durch ihr langes Trödeln im Bett, war Severus schon unter der Dusche, als sie in der Küche das Frühstück machte. Während Amanda schließlich an ihrem Tee nippte, schlug sie den Tagespropheten auf und erstarrte: Auf der Titelseite prangerte groß das Dunkle Mal und die Überschrift verriet, dass eine Gruppe Todesser am vorherigen Abend den Zeltplatz bei der Weltmeisterschaft verwüstet hatten. Diese Tatsache allein hätte Amanda schon sehr beunruhigt, doch auch das dunkle Mal an Severus Arm war in den vergangenen Wochen stärker geworden und das hatte sie beide bereits besorgt, weil es doch hieß, dass Voldemort an Kraft gewann. Diese beiden Tatsachen waren gemeinsam genug, um Amanda wirklich Angst zu machen. So stand sie auf und machte sich auf den Weg nach oben. Da Severus nicht im Schlafzimmer war, klopfte sie an der Badezimmertür und trat einen Moment später ein. „Severus?" „Ja", kam es sofort fragend aus der Dusche und das Wasser wurde abgedreht. Kurze Zeit später erschien Snapes Kopf und sah Amanda an. Was war passiert, dass sie so besorgt und verwirrt klang? Er angelte nach einem Handtuch, denn er war sowieso gerade fertig geworden und stieg dann aus der Dusche.

„Oh, zieh dich eben erst an, ich warte im Schlafzimmer", meinte sie und sah ihn kurz an. Er hob ein wenig die Augenbraue, bohrte jedoch erst einmal nicht weiter nach. „Gut, wie du meinst", sagte er dann und ging zu einem kleinen Stapel sorgsam zusammengelegter sauberer Kleider. „Ich komme dann gleich." Amanda nickte und ging dann nach nebenan und setzte sich aufs Bett, um auf Severus zu warten, den Tagespropheten noch immer in der Hand. Kurze Zeit später folgte auch Snape. Erst jetzt bemerkte er, dass sie die Zaubererzeitung mit sich trug. „Was ist", wollte er noch einmal wissen, während er noch die letzten Knöpfe seiner Robe schloss. Sie sah ihn an und hielt ihm die Zeitung entgegen. „Es ist etwas passiert..." Severus griff nach ihr und ließ dann den Blick auf das Papier sinken, auf dem ihm auch sofort das Dunkle Mal ins Auge fiel. Seine Miene verfinsterte und verschloss sich schlagartig, während seine Augen die Schlagzeilen überflogen. „Eine Ahnung wer das war", wollte Amanda von ihm wissen. „Nein. Aber das spielt auch keine Rolle", antwortete er nach kurzem Schweigen. „Die Tatsache, dass es passiert ist, wiegt viel schlimmer." „Ja natürlich." Beunruhigt sah sie ihn an. Auch er richtete seinen Blick wieder auf sie. „Das ist kein gutes Zeichen", sagte er dann, verbarg jedoch seine Besorgnis nach außen hin. „Auch die anderen spüren das Mal deutlicher werden und so zeigen sie dem Lord gegenüber ihre Loyalität." Amanda seufzte leise. „Wie besorgt bist du?" Es dauerte einen Moment, bis Severus antwortete und schon das verdeutlichte, dass er alles andere als unbesorgt über diese Entwicklung war. „Sehr besorgt", sagte er dann ehrlich, denn was nutzte es, Amanda zu verschweigen, dass er diesen Vorfall für äußerst bedenklich hielt? „Wir sollten uns darauf einstellen, dass es so weitergeht – und noch schlimmer wird." Schweigend nickte Amanda, bevor sie ihn erneut ansah. „Okay", sagte sie dann so ruhig wie möglich. Severus seufzte leise, dann warf er die Zeitung aufs Bett, setzte sich neben Amanda und zog sie ein wenig in seine Arme. Er sah sie an und spürte, wie beunruhigt sie war und dass ihr dieser Zwischenfall Angst machte. „Ich wünschte, es wäre anders", sagte er leise. „Ich weiß, du kannst ja nichts dafür." Sie lehnte sich an ihn. Er hielt sie im Arm und küsste sie kurz auf die Stirn, schwieg allerdings auf ihre Worte hin nachdenklich. „Ich hoffe David geht es gut. Sie haben nicht geschrieben, ob jemand verletzt wurde." „Du könntest ihn über den Kamin erreichen..." „Ja, das werde ich gleich tun." Dann fiel ihr Blick auf die Uhr. „Ich muss zur Arbeit", sagte sie dann seufzend. Severus nickte. „Ja. Und ich zu Dumbledore", erwiderte er. Amanda drehte sich zu ihm und umarmte ihn einen Moment lang. „Gut. Ich hoffe, es kommt nicht noch mehr zu Tage." „Wie meinst du das?" „Wenn so etwas schon im Tagespropheten steht, wer weiß, was da sonst noch alles passiert ist." „Ach so. Wir werden sehen... Ändern lässt es sich jetzt ohnehin nicht mehr. Wir können nur die richtigen Lehren daraus ziehen." „Ja, du hast Recht." Sie gab ihm einen kurzen Kuss und stand dann auf. „Sehen wir uns trotzdem heute Abend? Oder sagst du Bescheid?" Auch er erhob sich. „Ich werde hier sein, wenn du zurückkommst", antwortete er, dann küsste er sie noch einmal kurz. „Sollte etwas dazwischen kommen, dann sage ich Bescheid." „Gut. Frühstück steht unten. Bis nachher!" Amanda wandte sich von ihm ab und ging nach unten, um ihre Tasche zu holen und dann zu Felonwood zu apparieren. „Gut. Bis später." Severus sah ihr noch einen Moment nach und als sie aus der Tür war, seufzte er noch einmal und sein Gesicht zeigte nun die ganze Besorgnis, die ihn gerade beschäftigte. Er angelte die Zeitung vom Bett und folgte Amanda schließlich nach unten. Dort angekommen frühstückte er schnell etwas und besah sich nebenher den Leitartikel des Tagespropheten noch einmal genauer. Nachdem er eine halbe Stunde später schließlich den Tisch abgeräumt und die Küche aufgeräumt hatte, machte er sich auf den Weg zu Dumbledore.

Am späten Nachmittag kam Amanda wieder nach Hause. Der Arbeitstag war anstrengend gewesen, denn sie hatte mit fast jedem Kunden über die Ereignisse bei der WM diskutieren müssen, sodass ihr kein Moment blieb, sich keine Sorgen zu machen. „Hallo", sagte sie leise und seufzend, als sie sich schließlich neben Severus auf das Sofa im Wohnzimmer sinken ließ. „Hallo", entgegnete dieser ruhig und schlug ein Buch zu, das vor ihm lag, als sie sich setzte. Es war schwarz eingebunden und die silbernen Lettern auf dem Einband waren schon ein wenig abgeblättert, sodass man den Titel nicht mehr genau lesen konnte. Severus gab Amanda einen kurzen Kuss und sah sie dann an. „Du siehst müde aus." „Ja, es war anstrengend. Was hast du da alles mitgebracht?" Sie warf einen genaueren Blick in die Kiste die neben Severus stand. „Dinge, die das nächste Schuljahr besser nicht in meinem Büro verweilen sollten", antwortete er und nahm dann das schwarze Buch vom Tisch, in welchem er gerade noch geblättert hatte. Wortlos reichte er es ihr, dann ergänzte er: „Es würde dem Betriebsklima nur schaden, wenn Mad Eye bei der Durchsuchung meines Labors das hier finden würde." „Mad Eye Moody, der Auror? Wird er etwa der Lehrer für Verteidigung gegen die dunklen Künste? Na immerhin mal jemand der etwas davon versteht, wobei es für dich sicher nicht sehr angenehm ist." Dann warf sie einen Blick auf das Buch, welches Severus ihr gereicht hatte. „Hm, kann ich mir schon vorstellen, dass das dem Verhältnis nicht förderlich ist." „Ja, bedauerlicherweise wird er das", antwortete Snape und verzog dabei etwas das Gesicht. „Vielleicht hätte ich Lupin doch nicht anschwärzen sollen... Der hat mich wenigstens nicht auf Schritt und Tritt verfolgt." Dann ließ er den Blick kurz auf das Buch sinken. „Wie ich schon sagte..." „Tja, manche Dinge rächen sich eben früher oder später", meinte Amanda und sah Severus an. „Du kannst dir einen netten Ort dafür suchen. Platz ist ja genug im Haus. Was hat Dumbledore sonst gesagt?" „Vermutlich", antwortete Severus und nahm Amanda das Buch wieder ab und legte es in die Kiste zu einigen anderen. „Nichts überraschendes, abgesehen von der Sache mit Moody. Auch er ist von den jüngsten Ereignissen nicht gerade angetan." Ernst sah Snape Amanda wieder an, dann fuhr er fort, indem er das Thema wechselte. „Du solltest ein Bad nehmen und dich ein wenig ausruhen. Ich werde uns solange was zu essen kochen..." „Stinke ich etwa", wollte Amanda schmunzelnd wissen, auch wenn sie natürlich wusste, was Severus eigentlich meinte. „Ich sagte, zum Ausruhen", wiederholte Snape. „Aber wenn du mich so fragst...", grinste er dann ein wenig frech und stichelnd. „Vorsichtig. Für zu viel Späße bin ich heute nicht zu haben." Dennoch lächelte sie und gab ihm einen kurzen Kuss. „Ich geh duschen. Mach dir nicht so Mühe beim Kochen, ich kann dir gleich auch helfen." „Wie du willst. Dann geh duschen." Auch er küsste sie kurz und stand dann auf. „Ich bin derweil in der Küche." Amanda nickte und stand dann auf, um eine halbe Stunde später geduscht wieder in der Küche zu stehen. „So, fertig. Kann ich dir etwas helfen?" „Den Tisch decken. Ansonsten bin ich auch fast fertig", entgegnete Snape. „Na du bist ja schnell." So machte sie sich daran, den Tisch zu denken. „Was möchtest du denn trinken?" „Du hast gesagt, ich soll nichts Großartiges kochen. Wasser, wie immer." „Gut." Nachdem sie die Getränke auf den Tisch gestellt hatte, setzte sich Amanda und musste nur kurz warten, bis Severus mit dem Essen kam. „So, bitte sehr", sagte dieser, als er ihr den Teller gefüllt hatte. „Guten Appetit." Danach tat er auch sich noch auf und setzte sich schließlich. „Danke, dir auch." Gemeinsam aßen sie und Amanda war ungewöhnlich schweigsam, denn erst jetzt wo sie saß, merkte sie, wie müde sie eigentlich war. „Danke", antwortete Severus nur noch, dann aß auch er schweigend. Er wollte es vermeiden, beim Essen noch einmal über die Ereignisse des gestrigen Tages zu reden und so zog er es vor, besser gar nichts zu sagen.

„Was hast du heute noch vor", wollte er dann doch noch von Amanda wissen, allerdings erst, als er schon fast mit Essen fertig war. „Nichts Besonderes eigentlich. Ich müsste eigentlich noch etwas für meine Buchhaltung tun, aber das kann auch noch etwas warten. Warum?" Fragend sah sie ihn an. „Weil ich noch etwas mit dir besprechen wollte..." Severus sah sie kurz an, dann stand er auf, um seinen Teller auf die Spüle zu stellen. „Hast du übrigens deinen Bruder erreicht?" „Ja, es geht ihm gut. Wir sehen uns wie geplant dann in zwei Tagen. Bin mal sehr gespannt, wie die Wohnung aussieht." Sie sah ihm nach. „Was denn besprechen?" Nach den ganzen Ereignissen hatte sie eine schlechte Vorahnung. „Gut", entgegnete Snape, denn natürlich hatte er sich nicht erhofft, dass David bei dem Todesserübergriff etwas geschehen war. „Iss zu Ende, dann gehen wir ins Wohnzimmer und ich werde es dir sagen", beantwortete er dann ihre Frage und setzte sich wieder zu ihr an den Tisch. Skeptisch sah Amanda ihn an und mit etwas weniger Genuss als zuvor, aß sie den letzten Rest auf ihrem Teller auf und nachdem sie ihn in die Spüle und dann zum Abspülen gebracht hatte, sah sie Severus erneut an. „So und nun?" „Und nun gehen wir ins Wohnzimmer", lächelte er ein wenig und küsste sie dann, um ihr die Anspannung etwas zu nehmen, die offenbar auf ihr lag. Dann ging er voraus und setzte sich aufs Sofa.

Noch immer etwas skeptisch setzte sich Amanda zu ihm und sah ihn dann erwartungsvoll an. Severus atmete kurz tief durch, dann blickte er zurück und begann zu erklären: „Ich denke es ist in deinem Sinne, dass wir uns beide bestmöglich auf das möglicherweise Kommende vorbereiten..." Er sah sie fragend an, bevor er fortfuhr. „Ja, durchaus", sagte sie zögernd. So ganz wusste sie nicht, worauf er hinaus wollte. „Gut...", antwortete Severus und griff dann wieder seinen Faden auf. „Ich kann dein Haus bestmöglich schützen Amanda, sodass es ein sicherer Aufenthaltsort wird... Aber ich kann dich, wenn der Dunkle Lord zurückkehrt, nicht rund um die Uhr schützen, so wie ich es am Liebsten tun würde. Ich möchte, dass du im Ernstfall weißt, was zu tun ist. Lerne von mir!" Ernst sah Snape Amanda bei diesen Worten an und nach kurzem Schweigen fuhr er fort: „Das ist ein Angebot. Ich kann dich nicht dazu zwingen, es anzunehmen, aber mir wäre wohler, wenn ich wüsste, dass du bei einem möglichen Zwischenfall gut gerüstet bist."

Eine zeitlang sah Amanda ihr Gegenüber schweigend an. „Meinst du, dass das jetzt schon notwendig ist?" „Ja", antwortete er knapp. „Je früher wir damit anfangen, desto besser." „Und was stellst du dir da so vor?" „Für das Haus werde ich alles aufbieten, was im Rahmen meiner Fähigkeiten liegt. Ein Geheimniswahrer wird vorerst nicht von Nöten sein, aber vielleicht später. Es wäre also gut, wenn du dir jetzt schon überlegen würdest, wem du solch eine wichtige Aufgabe anvertrauen könntest. Für dich selbst...", Severus schwieg kurz, um einen Moment nachzudenken. „Ich dachte an Okklumentik und daran, dich im Duellieren zu schulen." Amanda nickte und schwieg eine Weile während sie über das Gesagte nachdachte. Natürlich verstand sie Severus Sorge, doch in der momentanen Situation empfand sie es noch als etwas übertrieben, was sicherlich auch daran lag, dass sie den Grund für dieses Training lieber nicht wahr haben wollte. „Gut", sagte Severus, als sie nickte, dann nahm er sie ein wenig in den Arm. „Du sollst wissen, dass ich nur das Beste für dich im Sinn habe", fügte er dann leise an. „Indem du dich selbst schützen kannst, schützt du auch mich. Ich liebe dich... Und ich würde mir nie verzeihen, wenn dir etwas zustieße." „Ich meinte eigentlich noch nicht ja, aber wenn es dir so viel bedeutet", sagte sie ruhig. „Es ist nicht so, als würde ich deine Sorge nicht verstehen oder teilen, nur erscheint es mir alles so früh." „Dir sollte deine Sicherheit genauso viel bedeuten, Amanda", entgegnete Severus und löste sich wieder von ihr. „Und wenn der Lord zurück ist, dann ist es für Lehrstunden zu spät. Dann werde ich mit den an mich gestellten Aufgaben zu sehr beschäftigt sein, um noch irgendetwas in diese Richtung bewegen zu können." „Mir bedeutet deine Sicherheit eigentlich sehr viel mehr", erwiderte sie. „Aber vermutlich hast du Recht." „Dann nimm mein Angebot an. Damit schützt du nicht nur dich, sondern auch mich. Wer mir schaden will, kann es am Besten über dich tun, Amanda. Du bist mein wunder Punkt..." „Sehr beruhigend", meinte sie ironisch. „Und ich habe gar nicht gesagt, dass ich dein Angebot nicht annehme, denn natürlich hast du Recht. Es kommt mir nur so komisch vor, ich komme mir so dumm vor dabei." „Ich spreche nur die Tatsachen an und will, dass du dir dessen bewusst bist. Blauäugigkeit ist gefährlich.", entgegnete Severus, dann sah er sie ein wenig forschend und fragend an. „Wieso kommst du dir dumm vor?" „Also einmal, weil du mir gerade Blauäugigkeit vorgeworfen hast, zumindest indirekt und zum zweiten, weil du in vielem sehr viel mehr bewandert bist als ich, sonst wären diese Übungsstunden wohl kaum nötig."

Severus hob eine Augenbraue, doch dann rief er sich selbst zur Ordnung, um nicht bissig zu antworten. Stattdessen versuchte er sich in einem Lächeln, welches jedoch ein wenig bitter ausfiel. „Du solltest dich lieber glücklich schätzen, dass du dir in deinem bisherigen Leben diese Unwissenheit leisten konntest. Für das Wissen das ich heute habe, habe ich einen hohen Preis gezahlt... und zahle ihn noch heute." „Ob es wirklich so glücklich ist, sich im Zweifelsfall nicht ausreichend verteidigen zu können?" Skeptisch sah sie ihn an. „Aber wenn du es als Glück betrachten willst, ist es wohl eher das Glück das richtige Alter gehabt zu haben. Meinst du wirklich das es hilft?" „Wäre der Dunkle Lord nicht, würdest du wohl hoffentlich nie in die Verlegenheit kommen, dich gegen schwarze Magier verteidigen zu müssen", entgegnete Severus. „Und ich müsste mich selbst nicht überwinden und dir dieses Handwerk beibringen." Dann hakte er noch nach, was sie mit ihrer letzten Frage meinte. „Ich meinte, sollte es wirklich hart auf hart kommen, worauf ich sehr gut verzichten kann, dann habe ich arme Frau doch ohnehin keine Chance, egal wie viel ich zuvor gelernt habe, mal ganz realistisch betrachtet." Auch wenn man es ihr nicht anhörte, fiel es Amanda schwer, diese Tatsache so deutlich auszusprechen, denn es war ihr durchaus klar, dass sie und Severus sich durch ihre Beziehung gegenseitig nur noch mehr in Gefahr brachten und dass sie in dieser Sache der definitive Schwachpunkt war.

Für einen Moment sah Severus sie nur schweigend an, dann nahm er sie in den Arm. „Mal ganz realistisch betrachtet habe nicht einmal ich eine Chance, wenn es hart auf hart kommt", sagte er dann leise und ruhig. „Aber ich finde, es beruhigt ungemein, wenn man sich auf sich selbst und sein Können verlassen kann. Du solltest nicht daran zweifeln, dass es etwas bringt. Du weißt, ich bin ein strenger Lehrmeister." Bei seinen letzten Worten schmunzelte Snape ein wenig, dann küsste er sie kurz auf die Schläfe. „Ja, das weiß ich, aber ich befürchte, dass wir uns mächtig in die Haare kriegen werden dabei." Sie machte eine kurze Pause. „Es wäre beruhigender, wenn es gar nicht nötig wäre." „Das stimmt, das wäre es", seufzte er leise. „Ich wünschte, mir bliebe das alles erspart. Du kannst mir glauben, dass ich dir gegenüber nicht gern in die Rolle des Todessers schlüpfe. Es wird Überwindung kosten, dir die nötigen Lektionen zu erteilen." Dann sah Severus Amanda in die Augen. „Wieso denkst du, dass wir uns in die Haare kriegen werden?" „Lektionen erteilen?" Erneut sah sie Severus zweifelnd an, bevor sie auf seine Frage einging: „Es ist einfach eine Befürchtung, dass wir bei einigen Dingen nicht gerade einer Meinung sein werden, vermute ich." „Befürchtest du, dass das ganze eine Zerreißprobe unserer Beziehung werden könnte?" Severus sah sie ernst an, denn diese wollte er mit diesem Training auf keinen Fall aufs Spiel setzen. Sollte Amanda nicht zwischen ihm als Lehrer und als Privatperson trennen können, dann wäre es vielleicht doch besser, neue Möglichkeiten des Schutzes zu suchen. „Nein." Sie schüttelte den Kopf und sah ihn ebenfalls an. „Das auf keinen Fall, da müssten ganz andere Dinge geschehen. Ich befürchte nur, dass es zum Teil nicht ganz so friedlich ablaufen könnte. Vielleicht weil du es besser trennen kannst, oder es Differenzen in der Dauer oder Intensität des Unterrichts gibt. Eher so etwas." „Gut", entgegnete Severus und es war ihm anzumerken, dass er erleichtert war. „Dass es möglicherweise Reibereien gibt, darauf bin ich eingestellt, ehrlich gesagt. Du kannst mir glauben, dass ich mir Mühe geben werde, nicht zu übertreiben. Aber du wirst wohl trotzdem Grenzen überschreiten müssen." Er sah sie an. Am liebsten würde er ihr das alles ersparen, dachte er sich. Und sich selbst... „Was für Grenzen meinst du?" Amanda fand die Idee noch immer nicht sonderlich berauschend, auch wenn sie eigentlich wusste, dass Severus Recht hatte und sie sich auch besser fühlen würde, wenn sie etwas mehr gerüstet war, aber jemand anderes als Lehrer wäre ihr lieber gewesen. „Das weiß ich jetzt noch nicht genau... Das werde ich sehen, wenn es soweit ist. Wir fangen am Besten schon am kommenden Wochenende an. Je früher, desto besser und wenn ich wieder unterrichten muss, wird die Zeit ohnehin knapper für diese Dinge. Vor allem, wenn dann das Trimagische Turnier ansteht..." „Hm, wenn du meinst. Ja, das Turnier wird sicher viel Zeit in Anspruch nehmen, vor allem mit den weiteren Schülern." „Ja, eben. Und? Was machen wir beide jetzt noch?" Er lächelte ein wenig und sah Amanda fragend an. „Ich weiß nicht." Kurz dachte sie nach, bis ihr wieder etwas einfiel. „Meinst du, wir sollten es meinem Vater sagen? Dass wir verlobt sind?" „Ich denke schon, dass wir das sollten, oder meinst du nicht?" „Doch, ich denke schon. Und David?" „Wenn er es für sich behalten kann..." Amanda musste kurz grinsen. „Seinen Freunden wird er es sicher nicht freiwillig erzählen." „Wahrscheinlich." Auch Snape grinste ein wenig. „Dann denke ich, dass er es auch erfahren kann. Ich glaube auch, dass es mir eine besondere Freude bereiten wird, ihn zu beobachten, wenn er erfährt, dass ich sein Schwager in spe bin." Severus musste lachen, beim Gedanken an Davids Gesicht.

Lachend sah Amanda ihn an. „Das kann ich mir vorstellen und eigentlich bist du ja schon sein Schwager, der Rest ist ja nur noch formal eigentlich." Langsam ging es ihr etwas besser. „Ich denke, die Formalitäten werden ihm in dem Punkt deutlich wichtiger sein als dir." „Vermutlich ja, aber mir ist das egal." Kurz, aber sanft küsste sie Severus. „Mir auch", raunte dieser mit gesengter Stimme und erwiderte den Kuss. „Für mich bist du mit und ohne Trauschein die Richtige", lächelte er dann. Amanda lächelte ihn an. „Ich muss mit dem Ring am Finger wohl nicht mehr viel dazu sagen, oder?" „Hm... Nein. Aber du könntest...", grinste Severus zurück. Er war froh, dass nun wieder etwas mehr Leichtigkeit eingekehrt war, nach diesen doch sehr ernsten Gesprächsthemen zuvor. „Ich könnte eine ganze Menge sagen", erwiderte sie schmunzelnd. Auch Amanda war froh, dass die Stimmung ein wenig besser war. Dann kuschelte sie sich etwas enger an ihn und seufzte leise. „Und das wäre", wollte Severus leise wissen und drückte sie fester an sich. „Wie viel du mir bedeutest, dass ich auf jeden Fall deine Frau werden möchte, gerne mit dir alt werde… Soll ich weiter machen?" Er grinste. „Gern." Sie piekste ihm in die Seite. „Nein, ich glaube nicht. Ich mach hier doch keinen Seelenstrip einfach so", wehrte sie schmunzelnd ab. „Schade. Ich hätte nichts gegen einen Strip", scherzte Severus und lachte. Grinsend sah sie ihn an. „Ja, das kann ich mir vorstellen." „Ja? Und?" Sie lachte. „Wie und?" „Na, was sagst du dazu?" Severus lachte. „Zu anstrengend, ein anderes Mal, wenn du ganz viel Glück hast." „Hm. Also gut", grinste er, dann küsste er sie kurz. „Was meinst du... Wollen wir vielleicht noch eine kleine Runde spazieren gehen? Oder lieber gemütlich hier auf der Couch sitzen bleiben?" „Beides?" „Gut. Beides ist auch möglich." „Hab ich ein Glück, dass du so flexibel bist." Lächelnd gab sie ihm einen innigen Kuss. „Lass uns dann gehen." „Ja." Daraufhin stand Snape auf und zusammen gingen sie ein wenig spazieren. Den restlichen Abend verbrachten sie dann schließlich noch gemütlich im Wohnzimmer.