Kapitel 42
~ Verborgener Wunsch ~
Bei Amanda angekommen, betraten sie gemeinsam das Haus. „Hast du schon etwas gegessen?", wollte Amanda wissen, während sie hinüber ins Wohnzimmer gingen. „Ja. Du noch nicht?", antwortete Severus, während er ihr folgte. „Nein, ich habe noch gearbeitet, als David mich gerufen hat, aber ich habe auch keinen wirklichen Hunger." „Was hast du denn um die Uhrzeit noch bei Felonwood gemacht?" Ein wenig wunderte es Severus, denn es kam nicht gerade jeden Tag vor, dass Amanda sich so lange dort aufhielt. „Ich musste noch einen Trank fertig brauen." „Ah... Was hast du denn gebraut?", wollte Severus wissen, während er sich aufs Sofa setzte. „Ach, nur einen Verhütungstrank für den Verkauf, damit ich was auf Vorrat habe. Jetzt habe ich ja noch viel Zeit für so etwas und der hält ja lange." „Ach so. Ja, sicher..." Nun, da Amanda diesen Trank erwähnt hatte, fanden Severus Gedanken wieder zu dem zurück, weswegen er eigentlich überhaupt von Hogwarts hergekommen war und sein Gesicht wurde wieder ein wenig nachdenklicher. Kurz sah Amanda ihn an. Was hatte er denn? „Möchtest du etwas trinken?" „Hm, ja... Gern", entgegnete Severus und stand dann hörbar einatmend wieder auf. „Bleib doch sitzen, ich hole eben was." „In Ordnung. Danke."
Amanda ging in die Küche und holte Saft und Wasser. „Möchtest du auch Saft?", fragte sie Severus, als sie sich etwas später im Wohnzimmer setzte. „Ja, ich denke ich werde mischen", antwortete Severus und kam wieder zum Sofa, da er, während Amanda weg gewesen war, in den Garten gesehen hatte. „Gut. Wir können auch rausgehen", meinte Amanda, die seinen Blick gesehen hatte, während sie ihnen beiden Saftschorle einschenkte. „Können wir." Severus wartete, bis Amanda die Gläser befüllt hatte, dann nahm er seins in die Hand. „Danke." „Dann lass uns gehen." Ihr Glas und auch die Getränke nehmend, machte sich Amanda auf den Weg auf die Terrasse. Irgendetwas schien noch zwischen ihnen zu stehen, auch wenn sie nicht so genau wusste was es war.
Severus folgte ihr. Draußen angekommen, stellte er sein Glas auf dem Tisch ab, nachdem er einen Schluck davon getrunken hatte. Kurz ließ er seinen Blick schweigend über Amandas Blumenbeete gleiten, dann drehte er sich zu ihr um. „Denkst du, dein Bruder kommt noch auf dumme Ideen?" „Dumme Ideen? Was meinst du?" Sie sah ihn an und setzte sich dann. „Er war erstaunlich ruhig, als ich erzählt habe, was mit Miss Adams geschehen ist. Ich hätte eigentlich erwartet, er springt noch mitten in meinem Bericht wutentbrannt auf und schwört Rache." „Ja, da hast du Recht. Ich denke die Wut wird bei ihm noch kommen, wenn er es vollständig realisiert hat." „Ich hoffe, er kommt dann nicht auf dumme Gedanken." „Was sollte er denn tun? Er weiß nicht wer es war und so dumm ist hoffentlich nicht mal er." „Ich hab keine Ahnung. Aber deinem Bruder trau ich alles Mögliche zu, wenn ich ehrlich bin." Nach diesen Worten setzte sich Severus zu ihr. „Vermutlich ist er gerade unter den gegebenen Umständen darum bemüht, dass er und Sandra sicher sind und da wird er sich kaum mit irgendwelchen Todessern anlegen wollen." „Das wäre wünschenswert." „So viel Vernunft wird auch er besitzen." „Ich hoffe es. Er wird ohnehin nichts ausrichten können." „Das sicher nicht." Severus nickte und trank dann noch einmal einen Schluck aus seinem Glas. Amanda trank ebenfalls etwas und sah ihn nachdenklich an.
Snape erwiderte ihren Blick. „Was ist?" „Nichts. Ich habe nur noch über etwas in der Arbeit nachgedacht." „Ach so", antwortete Severus, doch so ganz war er sich nicht sicher, ob er ihr das nun glauben sollte. Amanda nickte nur schweigend und stellte dann ihr Glas wieder ab. „Kommst du denn gut voran mit deiner Arbeit?" „Ja, ich bin zufrieden." „Schön, das freut mich. Immerhin etwas positives." Sie seufzte leise und ließ ihren Blick erneut gedankenverloren durch den Garten schweifen. „Ja." Wieder beobachtete Severus Amanda. Auch er wurde das Gefühl nicht los, dass irgendetwas zwischen ihnen stand und er hatte auch eine Vermutung was es war. „Ich hole mir doch noch eben etwas zu essen. Du möchtest wirklich nichts?", meinte Amanda kurze Zeit später und erhob sich. „Nein, danke", entgegnete Severus. Sie nickte und ging dann in die Küche, um sich nach etwas Essbarem umzusehen. Es war schon so, dass sich Amanda bedrückt fühlte, doch konnte sie nicht zuordnen was der Grund dafür war.
Severus blieb sitzen und wartete, während er seinen eigenen Gedanken nachhing. Doch nach einer Weile stand auch er auf und folgte Amanda. In der Tür blieb er stehen und sah ihr einen Moment lang bei ihrem Tun zu. Diese war gerade etwas unkoordiniert dabei ein Brot zu belegen, als sie Severus schließlich bemerkte. „Oh, möchtest du doch etwas?" Er kam zu ihr und nahm ihr das Messer aus der Hand und danach ihre in die seinen. Dann sah er sie an, küsste sie kurz und lächelte dann. „Nein. Nichts zu essen..." Fragend sah Amanda ihn an. „Was denn dann?" „Eigentlich... reden. Wissen, was noch zwischen uns steht", sagte er dann ruhig und ernst, auch wenn es ihm wie immer schwer fiel, so etwas anzusprechen, da er hin und her gerissen war zwischen Schweigen, was ihm selbst am liebsten war, und Reden, was für die Harmonie zuträglicher sein würde. „Worüber denn reden?" „Das weiß ich nicht genau", antwortete Severus und ließ dann ihre Hände wieder los. „Aber ich habe das Gefühl, als ob dich noch etwas beschäftigt." Nach kurzem Schweigen fügte er an: „Ist es deshalb, weil du erfahren hast, dass die Freundin deines Bruders schwanger ist?" Dabei sah er sie ernst und forschend an, denn genau das war sein Verdacht. „Wieso sollte es denn daran liegen?" Ein wenig betroffen wich sie seinem Blick aus, denn eigentlich war es wohl diese Tatsache, die sie schon die ganze Zeit beschäftigte. „Ich glaube, das weißt du selbst am Besten", sagte er, als er sah, wie sie ihm auswich. „Ich habe wohl recht, sonst würdest du mich jetzt noch ansehen."
Amanda wischte sich einige Haare aus dem Gesicht und zwang sich dann Severus wieder anzusehen. „Ja, das kann schon sein", bestätigte sie seinen Verdacht schließlich leise. „Und nun?", wollte der nach einem leisen Seufzen wissen. „Nichts und nun", meinte Amanda knapp und wollte sich wieder zu ihrem Teller umdrehen. Severus beobachtete sie dabei und nickte dann nur kurz. „Na schön", sagte er schließlich ruhig und leise. „Dann warte ich draußen." Wirklich zufrieden war er mit dem Verlauf dieses Gespräches nicht, aber er würde Amanda sicherlich nicht zum Reden zwingen. Er war sich selbst bewusst, dass es wohl auch diesmal zu keinem Ergebnis führen würde, aber dennoch hatte er sich erhofft, dass ein Gespräch wieder zu einer gewissen Entspannung führen würde. Amanda seufzte hörbar und drehte sich zu ihm um. „Severus, was soll ich denn sagen? Ja sicher, es beschäftigt mich, das ist kaum eine Überraschung, oder? Du weißt was ich zu diesem Thema denke und ich weiß was du darüber denkst." Sie sprach ruhig und durchaus mit etwas Traurigkeit in der Stimme. Snape drehte sich noch einmal zu ihr um. „Um ehrlich zu sein, ich weiß es nicht genau. Ich merke nur, dass es wieder zwischen uns steht. Oder geht es nur mir so und für dich ist alles beim Alten?" Nach kurzem Schweigen fügte er noch knapp an: „Ich wollte dir nur die Gelegenheit geben, noch einmal darüber zu reden." Betreten sah Amanda auf den Boden. „Danke, aber das ändert wohl nichts." Dieses Thema nahm sie einfach mit und noch so vieles Reden würde es kaum ändern. „Dann warte ich draußen. Oder vielleicht sollte ich auch gehen, damit jeder Zeit für sich selbst hat. Ich weiß es nicht..." „Was? Nein..." Etwas erschrocken sah sie ihn an. „Ich möchte nicht, dass du gehst, wenn dir das lieber ist, werde ich dich aber kaum abhalten." „Dann warte ich draußen", wiederholte Severus noch einmal und verließ daraufhin die Küche. Eigentlich wollte er auch nicht gehen, aber er konnte sich auch noch nicht richtig vorstellen, wie der Abend nun noch verlaufen sollte und würde, nach diesem heiklen Thema, das wieder auf den Tisch gekommen war.
Wort- und inzwischen auch endgültig appetitlos sah Amanda Severus hinterher. Sie wusste einfach nicht was sie noch sagen sollte oder wie sie die Situation einfacher machen konnte. Auch wenn ihr der Hunger vergangen war, belegte sie ihr Brot zu Ende und räumte die Lebensmittel anschließend zurück an ihren Platz. Kurz darauf folgte sie ohne etwas gegessen zu haben Snape auf die Terrasse und setzte sich wieder auf ihren Stuhl. Als sie wieder kam, sah Severus sie an und war verwundert. „Wo ist dein Brot?" „Ich hatte keinen Hunger mehr", sagte sie ruhig. „Daran bin dann wohl ich Schuld, nehme ich an." „Wohl eher ich selbst." „Wieso?" „Ich mache mir ja daraus ein Problem, nicht du." „Hm", brummte Severus daraufhin nur, ohne wirklich durchblicken zu lassen, ob es nun als Bestätigung, oder nachdenklich gemeint war. Amanda nickte nur stumm und hing dann weiter ihren Gedanken nach. Vielleicht machte sie sich wirklich ein zu großes Problem daraus. Zur Zeit war an Kinder ja ohnehin nicht zu denken - eigentlich zumindest. Ohne Einfluss darauf zu haben, fühlte sie, wie langsam Tränen in ihr aufstiegen. Mit einem tiefen Seufzer versuchte sie sich wieder zu beruhigen doch ohne Erfolg. Schließlich musste sie doch versuchen die ersten Tränen möglichst unauffällig aus ihrem Gesicht zu wischen. Was war denn los? Sonst war sie doch auch nicht so nah am Wasser gebaut! Severus, der sie weiterhin aufmerksam beobachtete, auch wenn es nicht unbedingt den Anschein machte, entging nicht, dass sie plötzlich anfing zu weinen und es versuchte zu vertuschen. Was war bloß los mit ihr? War es wirklich nur darauf zurückzuführen, dass sie sich Kinder wünschte, er aber nicht und sie nun wieder mit diesem Problem konfrontiert wurde, weil ihr Bruder Vater werden würde? Einen kurzen Moment zögerte Snape, denn er wusste nicht genau, was er tun und wie er mit dieser seltsamen Situation umgehen sollte.
Erst hatte Amanda das Gefühl, sie würde sich wieder beruhigen, doch dann schossen ihr wieder die ganzen Gedanken durch den Kopf und das ließ sie unterdrückt aufschluchzen. Nun konnte Severus nicht mehr anders und er stand auf. Auch wenn er nicht wusste, was gerade mit Amanda los war, so war eins sicher - er konnte sie nicht weinen sehen. Deshalb ging er zu ihr und nahm sie einfach nur schweigend in den Arm. Dankbar hielt Amanda sich an ihm fest und vergrub ihren Kopf in seinen Roben, während sie leise vor sich hinweinte. Sanft strich Severus ein wenig durch ihre Haare. Er wusste nicht, was er mit dieser Situation anfangen sollte. Nahm sie diese Sache mit dem Kinder kriegen so sehr mit, dass sie deshalb weinte? Aber es wäre falsch, ihr nur deshalb Zugeständnisse zu machen, Zugeständnisse, hinter denen er nicht voll und ganz stehen konnte - schon gar nicht in dieser Zeit, in der der dunkle Lord wieder zurückgekehrt war und er wirklich schon genug andere Sorgen und Nöte hatte und wohl noch haben würde.
