Mittwoch, 13. Dezember
Mittwoch – das bedeutete eine Stunde später Unterrichtsbeginn. Gleichzusetzen mit eine halbe Stunde länger schlafen und in Ruhe eine Tasse nachtschwarzen Tee trinken, solange es keiner bemerkte. Minerva bekam immer einen halben Herzinfarkt, wenn er am Lehrertisch nicht mindestens das halbe Milchkännchen in seine Tasse kippte.
Genießerisch zog Severus seinen Aufbruch in die Große Halle hinaus, bis sein Bauch langsam das Grummeln anfing. Nur noch kurz am aktuellen Kalendertürchen Halt machen – oh, Williams Christ in Schokolade, himmlisch! – und ab zum Frühstück.
…
Zuerst wurde es bei seinem Eintreten ungewöhnlich still. Dann ertönte das erste Schnauben, gefolgt von einem unterdrückten Kichern. Die pubertierenden Schüler geflissentlich ignorierend ließ sich Severus auf seinem Stuhl nieder.
„Severus…", sprach ihn Pomona leise an, wobei ein leicht hysterischer Unterton in ihrer Stimme lag.
„Was?", knurrte er und klatschte die Butter grob auf seine Scheibe Toast.
„Hast du etwas vor? Typveränderung?", kam es schwach von Minerva.
„Sucht euch ein anderes Spielzeug!", fauchte Severus sie an, wobei er Albus' grinsendes Gesicht übersah, und verschlang sein Frühstück hastig. Was, bei Merlin, war denn nun schon wieder los mit seinen Kollegen? Konnten die nicht einmal auf jemand anderem herumhacken? Filius zum Beispiel, der war noch gar nicht anwesend!
„Guten Morgen!", ertönte da das hohe Stimmchen des Zauberkunstlehrers, gefolgt von einem erschrocken-überraschten „Wuaaah!" und einem Rums, mit dem der kleine Professor mitsamt seiner Porridge-Schüssel vom Stuhl fiel, den er soeben erst erklettert hatte. Entgeistert starrte er Severus an. „Ist heute etwas… Besonderes?"
Da wurde es Severus endgültig zu bunt. Mit finsterem Gesicht und ohne ein weiteres Wort verließ er die Große Halle und begab sich in sein Klassenzimmer, wo er grimmig auf die ersten Bälger wartete.
…
An diesem Tag verlor Slytherin allein mehr Punkte, als Gryffindor normalerweise in einer Woche schaffte – jeder war nur noch am Giggeln und Kichern. Tränke flogen in die Luft, Produkte zitteriger Hände und unaufmerksamer Hirne, und Severus' Laune hatte den Nullpunkt schon weit unterschritten. Am Abend wollte er sich nur noch in seine Gemächer wegschließen und in Ruhe Teile der Einrichtung demolieren. Es musste etwas mit der verfluchten Weihnachtsstimmung zu tun haben, dass alle Welt so ungehalten ihren verkorksten Emotionen freien Lauf ließ.
Vor dem Spiegel im Badezimmer raufte er sich die wilde, schwarze Lockenmähne, die sich einfach nicht bändigen lassen wollte. Dann erstarrte er plötzlich. Ungläubig fuhr er mit den Fingern durch sein Haar, während ihm fast das Herz stehen blieb. Es war keine Täuschung, das Abbild war absolut echt. Fettig und strähnig war er gewohnt, aber das, was nun auf seinem Haupt wuchs, stand einer 80er Jahre Dauerwelle in nichts nach.
