Kapitel 43

~ Unerwartete Diagnose ~

Inzwischen war es Mitte Oktober geworden und das Schuljahr in Hogwarts hatte wieder begonnen. Die Schatten Voldemorts hatten es auch bis in die Schule geschafft, denn aus Misstrauen, Dumbledore könnte versuchen mit Hilfe seiner Schüler eine Armee aufzubauen, hatte Fudge Dolores Umbridge als neue Lehrerin nach Hogwarts geschickt. Dort hielt sie nicht nur die Schüler, sondern auch ihre Kollegen auf Trab und Severus hatte dadurch kaum noch Zeit um Amanda zu besuchen und mal wieder war es auch besser, wenn Amanda ihn nicht in der Schule besuchte.

So hatten die beiden sich in den letzten Wochen kaum gesehen. Zum Teil war Amanda auch ganz froh darüber, denn seit einiger Zeit war sie immer unglaublich müde nach einem Tag bei Felonwood und auch am Wochenende konnte sie kaum Erholung finden. Zusätzlich hatte Amanda in den letzten Tagen auch immer wieder Kreislaufprobleme bekommen, was sie, auch auf Severus Drängen hin, dazu veranlasste, einen Heiler aufzusuchen.

Glücklicherweise hatte dieser auch am frühen Abend noch Zeit für sie, so dass es bei Felonwood kein Problem gab. Während Amanda darauf wartete, an die Reihe zu kommen, grübelte sie darüber nach, was ihr denn nun fehlen könnte. Eigentlich konnte sie sich beim besten Willen nichts vorstellen, abgesehen vielleicht von etwas wenig Schlaf und zu viel Arbeit. Wobei, eigentlich arbeitete sie gar nicht so viel oder mehr als sonst…. Doch weiter kam sie mit ihren Gedanken nicht, denn sie wurde aufgerufen.

Die Untersuchung dauerte etwa zwanzig Minuten, doch als Amanda schließlich wieder die Praxis des Heilers verließ, fühlte sie sich, als wären Jahre vergangen. Ohne zu wissen wo sie hinging, lief sie durch die Winkelgasse, bis sie schließlich vor Felonwood stand und verwundert die verschlossene Tür betrachtete. Das war einfach nicht möglich! Das konnte nicht sein! Doch sie sollte nach Hause gehen, das war vermutlich das Beste - wenn es so etwas jetzt noch gab. Langsam zog Amanda ihren Zauberstab aus der Tasche, versuchte sich einen Moment zusammenzureißen und apparierte einen Augenblick später vor ihrem Haus.

Noch immer vollkommen betäubt, betrat Amanda den Flur und legte ihre Tasche abwesend auf den kleinen Tisch neben der Tür. Langsam ging sie hinüber ins Wohnzimmer. Alles sah noch so aus wie am Morgen und hatte sich doch verändert.

Sie würde mit Severus reden müssen, noch heute, denn er wusste schließlich, dass sie beim Heiler gewesen war. Doch zuerst musste sie etwas klarer im Kopf werden. Sie musste den Grund finden. Zunächst ging Amanda nach oben in ihr Arbeitszimmer und holte zwei kleine Phiolen mit farbiger Flüssigkeit darin. In der Küche holte sie eine Flasche mit einem bräunlichen Trank aus einem der Schränke. Nun ließ sie aus den beiden Phiolen jeweils fünf Tropfen in den Trank fallen und nahm anschließend die Flaschen in die Hand um sie zu schwenken. Im ersten Moment schien seine Farbe konstant zu bleiben, doch zu Amandas Entsetzen veränderte sie sich schließlich zu einem blassen Gelb. Je länger sie den verfärbten Trank ansah, desto weicher schienen ihre Knie zu werden. Noch immer mit der Flasche in der Hand ging sie zum Küchentisch und ließ sich auf einen Stuhl sinken. Es war ihre Schuld… Sie hatte einen Moment nicht genügend aufgepasst… Amanda spürte wie ihr Hände zu zittern begannen und so vergrub sie sie in ihrem Schoß, doch die Tränen, die sich nun heftig ihren Weg bahnten, ließen sich nicht so einfach verstecken. Die ganze Angst, Verzweiflung und die Vorwürfe stürzten nun auf einmal auf sie ein. Das hätte einfach nicht passieren dürfen! Nicht jetzt! Severus würde ihr niemals glauben, dass es keine Absicht gewesen war!

Es dauerte lange, bis sie nicht mehr so heftig weinen musste und bis sie an etwas anderes denken konnte, als nur dazusitzen. Langsam und sich noch schwächer als zuvor fühlend, stand Amanda auf und holte sich Feder und Tinte, um sich kurz darauf wieder an den Tisch zu setzen. Mit noch immer zitternden Händen zog sie ein kleines Buch aus ihrer Robentasche und schlug es auf. Bemüht die Hand möglichst ruhig zu halten und nicht mit ihren Tränen die Tinte zu verwischen, begann Amanda einige wenige Zeilen hinein zu schreiben. Kaum hatte sie ihre zwei Sätze beendet, legte sie die Feder wieder auf den Tisch und zog nun ihren Beine auf den Stuhl und an ihren Körper. Er würde ihr das nie verzeihen, vor allem nicht jetzt. Nicht in dieser Situation…

Severus saß gerade an seinem Schreibtisch und bereitete Unterrichtsmaterial vor, als er spürte, wie es an seiner Brust warm wurde. Er legte die Feder weg, griff in seine Robe und zog schließlich ein kleines, dunkelrotes Notizbuch hervor. Offenbar hatte ihm Amanda geschrieben. Vor einigen Wochen hatte er Amanda das Gegenstück geschenkt, nachdem er beide Bücher unter anderem mit dem Proteus-Zauber versehen hatte. Nun hatten sie die Möglichkeit, unabhängig von Eulenpost und Kamin miteinander zu kommunizieren, was unter anderem den Vorteil hatte, dass es sicherer und auch überall anwendbar war. Das Buch änderte die Temperatur und auch die Farbe, sobald in seinem Gegenstück etwas notiert wurde.

Severus schlug das Büchlein auf und blätterte die erste Seite auf. Kaum waren Amandas Zeilen erschienen, runzelte er die Stirn. Ihre Schrift war zittrig und seltsam verwaschen. Kurz und automatisch strich er mit der Hand über die Zeilen, wie um zu testen, ob man die Schrift verwischen konnte. Hatte sie beim Schreiben geweint? Und was war passiert? Worüber wollte sie mit ihm so dringend reden, dass es am Besten noch heute sein sollte? Hastig griff er wieder nach seiner Feder und schrieb zurück.

Auch wenn sie eigentlich ängstlich auf eine Antwort von Severus gewartet hatte, dauerte es einen Augenblick, bis Amanda realisierte, dass in dem Buch eine neue Zeile erschienen war. Inzwischen mit etwas ruhigerer Hand, ergriff sie erneut nach der Feder und schrieb eine kurze Antwort zurück: Komm einfach her, wenn du kannst. Nicht gerade beruhigter über das, was Severus nun zu lesen bekam, schrieb er nur eine kurze Erwiderung, dann stand er auf, klappte das Buch wieder zu, steckte es ein und schickte an Dumbledore noch eine Nachricht. Als bei Amanda sein Satz Was bleibt mir jetzt anderes übrig? erschien, war er schon auf dem Weg zum Hauptportal und zu ihr.

Severus Satz beunruhigte Amanda, wenn möglich nur noch mehr und ließ sie erneut in Tränen ausbrechen. Wie sollte sie ihm das nur beibringen? Er würde sicherlich kein Wort mehr mit ihr reden danach und das war auch nur zu verständlich. Hatte er doch zu deutlich gesagt, was er von diesem Thema hielt und nun… Schluchzend wischte sie sich durch das Gesicht, doch bei der Flut an Tränen, half dies kaum. Wie sollte es nur weitergehen? Zum einen ungeduldig und zum anderen ängstlich wartete sie darauf, dass Severus klingeln würde.

Natürlich dauerte es eine Weile, bis Snape die Apparationsgrenze erreicht hatte und schließlich bei Amanda auftauchte, doch diesmal kam es wohl nicht nur ihm deutlich länger vor, als gewöhnlich. Er wurde das komische Gefühl nicht los, dass irgendetwas passiert sein musste, wenn Amanda nicht sagen wollte, warum sie so dringend mit ihm reden musste. Ungeduldig wartend klingelte er schließlich an ihrer Haustür und begehrte Einlass.

Amanda zuckte zusammen, als es klingelte. Auf dem Weg zur Tür versuchte sie sich die Spuren ihrer Tränen aus dem Gesicht zu wischen und dafür zu sorgen, dass sie nicht ganz so weiche Knie hatte. Noch immer hatte sie das nasse Taschentuch in der Hand, als sie Severus die Tür öffnete. „Hallo", begrüßte sie ihn mit etwas brüchiger Stimme. „Bei Merlin! Was ist denn passiert?", war das erste, was Severus herausbrachte, als er sie sah. Amanda sah völlig verheult aus und er wusste nicht einmal genau, ob er sie überhaupt schon jemals in einem vergleichbaren Zustand gesehen hatte. Er betrat den Flur und das Erste was er machen wollte, war, sie in den Arm zu nehmen. Amanda konnte gar nichts mehr antworten, denn kaum hatte Severus sie angesprochen, brach sie erneut in Tränen aus und stand vollkommen hilflos vor ihm.

„Amanda, was ist denn nun los?" Er zog sie in seine Arme und drückte sie sanft an sich, im Versuch, ihr Geborgenheit und Sicherheit zu vermitteln. „Was ist passiert?" Was war hier los? Severus konnte nicht umhin, langsam selbst unsicher zu werden, da Amanda nur weinte. „Komm, lass uns ins Wohnzimmer gehen und dann erzähl mir bitte, was los ist", hörte er sich schließlich noch sagen, küsste sie kurz auf die Stirn und dirigierte sie dann mit sanfter Gewalt in Richtung des anderen Raumes. Amanda ließ sich dort von Severus auf das Sofa setzen und konnte auf seine Aufforderung hin nur unwillkürlich den Kopf schütteln. Sie konnte es ihm einfach nicht sagen. Er setzte sich neben sie. „Sag es mir Amanda", bat er noch einmal, doch dann überkam ihn urplötzlich ein schrecklicher Verdacht, wie ein kalter Schwall Wasser. „Hat... etwa der Heiler etwas festgestellt? Etwas Schlimmes?", wollte er schließlich so ruhig wie möglich von ihr wissen, doch er konnte nicht verhindern, dass bei diesem Gedanken Panik in ihm hochstieg. War Amanda etwa ernsthaft krank? Vielleicht so krank, dass es möglicherweise keine Heilung gab? Inzwischen leicht zitternd nickte Amanda, denn in gewissem Maß hatte Severus ja Recht. Doch sie konnte es einfach noch nicht aussprechen. Während sie sich die Tränen erneut aus dem Gesicht wischte, sah sie ihn kurz an, bevor ihr Blick wieder auf den Boden fiel. „Es tut mir so leid", schluchzte Amanda dann schließlich doch los.

Wenn nur irgend möglich, wurde Severus' Gesicht nun noch bleicher, als es ohnehin immer war. „Was hat er festgestellt", wollte er dann möglichst ruhig und beherrscht wissen, doch insgeheim war ihm gerade, als ob sich sein Brustkorb plötzlich in einer Art riesigem Schraubstock befand, der abrupt immer enger gedreht wurde. „Was tut dir leid?" Bittend, ja schon fast flehend sah er sie an, während seine Stimme appellierte, ihm endlich Klarheit zu geben. Drohte er gerade schon wieder alles zu verlieren, was er besaß und was ihm auf dieser Welt überhaupt irgendetwas bedeutete? Musste er etwa jetzt, da der dunkle Lord wieder da war, wieder einen geliebten Menschen verlieren? Severus versuchte tief einzuatmen, denn er hatte das Gefühl, als ob ihm die Kehle zugeschnürt wurde, was ihm die Luft zum Atmen nahm. Amanda hörte, wie wichtig es Severus inzwischen war zu erfahren, was geschehen war. Dennoch musste sie erst noch etwas klarstellen. Noch mit zitternder Stimme und mit Tränen in den Augen, begann sie nun zu sprechen. „Ich wollte das nicht, das musst du mir bitte glauben. Das war keine Absicht!" Ihre Beteuerungen irritierten Severus ein wenig, doch er schrieb es Amandas verwirrtem Geist zu. Was sollte sie dafür können, wenn sie krank war? „Du musst dich nicht entschuldigen... Aber sag mir jetzt endlich, was er festgestellt hat! Sag mir, wie schlimm es ist!" Noch einmal sah sie Severus kurz an, doch dann wandte sie den Blick ab. „Doch ich muss mich entschuldigen... Ich bin schwanger", sagte sie schließlich leise und diese Worte ließen die Panik in ihr nur noch größer werden. Bei diesen Worten entglitten Severus Gesichtszüge für einen Moment völlig und er hatte das Gefühl, als ob ihm plötzlich jemand einen riesigen Kübel Wasser über den Kopf gießen würde. Schwanger? Verdattert, ungläubig und völlig perplex fragte er noch einmal nach: „Was?" Er musste sich verhört haben... Amanda war krank... Aber schwanger? Auf Severus Frage hin nickte Amanda nur. Sie hatte Angst vor seiner Reaktion und diese erste Frage schien ihre Angst nur zu bestätigen.

Schweigend wandte sich Severus für einen Moment von ihr ab und starrte in eine andere Richtung. Schwanger... Ganz war diese Nachricht noch nicht bei ihm angekommen. Wie konnte es sein, dass sie schwanger war? Es konnte nicht sein - es durfte nicht sein! Sein Blick wanderte wieder zu Amanda und seine Gedanken weiter. Hatte sie die Nachricht über Sandras Schwangerschaft vor einigen Wochen etwa so mitgenommen und beeinflusst, dass sie nun für sich beschlossen hatte, auch schwanger zu werden, koste es, was es wolle? Kurz schürzte Severus die Lippen. Nein, das konnte nicht sein. Oder würde sie ihn wirklich so hintergehen? „Es tut mir leid", wiederholte Amanda ihre Worte. „Ich wollte das nicht. Der Trank war nicht in Ordnung", fügte sie verzweifelt hinzu und vergrub die erneut zitternden Hände in ihrem Schoß. Noch immer war Severus sprachlos. Der Trank... Hatte sie ihn etwa absichtlich? Nein... So etwas würde sie nicht tun. Sie wusste, dass er selbst keine Kinder wollte, schon gar nicht jetzt. Und auch sie hatte es verstanden... Dachte er jedenfalls. Er atmete tief durch. Wenn er recht darüber nachdachte, fühlte er sich nun plötzlich wieder seltsam erleichtert. Er war froh, dass es keine lebensbedrohliche Krankheit war, die sie ihm hatte offenbaren wollen. Nichts, was man nicht hätte heilen können... Severus sah sie wieder an. „Weißt du eigentlich, was für eine Angst du mir gerade gemacht hast? Ich dachte, du bist krank... schwerkrank." Er wusste nicht, was er gerade anderes sagen sollte. Irgendwie fühlte er sich gerade überfordert und so hatte er sich schon sehr lange nicht mehr gefühlt. „Das wollte ich nicht", sagte Amanda durchaus eingeschüchtert und bemühte sich nicht schon wieder mit dem Weinen anzufangen, was aber nicht ganz gelingen wollte.

Severus seufzte, dann nahm er sie einfach in den Arm. Egal wie aufgewühlt er gerade selbst war wegen dieser Nachricht, so war der Drang Amanda zu trösten doch gerade stärker und er konnte es nicht mehr ertragen, sie noch länger so weinend und unsicher zu sehen. Außerdem war er im Moment wirklich seltsam erleichtert, dass es nur ein Kind war, welches sie so zum weinen brachte und nichts anderes, denn er hatte nach ihren Ausführungen zuvor schon mit dem Schlimmsten gerechnet. Amanda vergrub sich in seinem Arm. Scheinbar war Severus ihr nicht ganz so böse, wie sie befürchtet hatte. Durch seine Umarmung beruhigte sie sich recht schnell wieder. Vielleicht gab es ja doch eine Lösung für diese Sache. „Ich dachte wirklich, es ist was schlimmeres", sagte er nach einer kurzen Weile, seufzte und drückte sie sanft an sich. „Dass du krank bist... weil du so weinst." „Es ist doch auch etwas schlimmes", meinte Amanda leise und mit noch zittriger Stimme. „Ich dachte, du würdest dich über ein Kind freuen... Wieso sagst du dann, dass es etwas Schlimmes ist?" Eigentlich konnte sich Severus die Antwort schon alleine zusammenreimen, doch andererseits wollte er es von ihr hören. Hatte sie wirklich so große Angst vor seiner Reaktion gehabt? Er fühlte sich schlecht beim Gedanken daran, ihr solche Angst bereitet zu haben. Hatte er nicht früher schon genug deutlich gemacht, dass er jederzeit zu einer Vaterschaft stehen würde, sollte es denn passieren? „Ja, aber doch nicht so... Nicht jetzt und vor allem nicht ohne, dass du das auch möchtest." Amanda holte tief Luft, um durchzuatmen. „Es gibt für uns schließlich kaum einen schlechteren Augenblick, um ein Kind zu haben als jetzt! Dann hast du schließlich auch deutlich genug gesagt, was du davon hältst und vor kurzem erst haben wir darüber geredet und alles. Du musst ja sonst was denken..." Noch immer hatte Amanda Angst, dass Severus glauben könnte, es wäre Absicht gewesen und dass er sie deswegen verlassen würde.

Severus seufzte ein wenig und löste sich ein Stück von ihr. „Ich kann schlecht leugnen, dass der Zeitpunkt alles andere als günstig ist, dass ich mir noch immer keine Kinder wünsche und... dass sich mir der eine oder andere unschöne Gedanke aufgedrängt hat. Aber ich vertraue einfach darauf, schon alleine weil ich dich für vernünftig halte, dass du nicht mit Absicht... schwanger geworden bist." Er sah sie an, dann wischte er ihr mit dem Daumen ein paar Tränen weg. „Wir werden auch das schaffen, irgendwie. Ich bin nur froh, dass es nur das ist und nichts wirklich Schlimmes." Er atmete hörbar aus. „Ich habe dir schon einmal gesagt, dass ich dazu stehen werde, wenn es denn passiert. Und das werde ich auch tun, so gut es mir irgend möglich ist." Erneut verzweifelt sah sie ihn an. „Es war keine Absicht! Wirklich nicht!" Amanda löste sich von Severus und stand auf, um in die Küche zu gehen. „Ich kann es dir zeigen..."

Etwas unsicher, was sie nun vorhatte, sah Severus sie an, doch als sie sich erklärte, sagte er: „Du brauchst mir nichts zu zeigen, oder zu beweisen. Ich vertraue dir, Amanda." Ernst sah er sie an. Dachte sie wirklich, dass er so misstrauisch war und ihr so wenig Vertrauen entgegen brachte? Natürlich hatte sich ihm für einen Moment der Verdacht aufgedrängt, sie hätte es in irgendeiner Form darauf angelegt schwanger zu werden, doch schlussendlich konnte er es sich einfach nicht vorstellen, dass sie so dreist und verantwortungslos handeln und ihn so hintergehen würde. „Doch schon...", widersprach Amanda und ging in die Küche um den verfärbten Trank zu holen. Sie war einfach so durcheinander und verunsichert, dass es war, als müsste sie es nicht nur Severus, sondern auch sich selbst beweisen. Wieder im Wohnzimmer stellte sie die Flasche auf den Tisch und setzte sich. „Siehst du. Die Murtlap-Essenz muss kurz davor gewesen sein zu verderben, dabei war es eine ganz neue Flasche. Ich achte doch auf so etwas!"

Severus seufzte leise, als sie den Raum verließ. Er hatte früher immer gedacht, wenn er überhaupt einmal über dieses Thema nachgedacht hatte, dass er sich vor lauter Fassungslosigkeit nicht mehr fangen könnte, dass er wütend sein würde, weil er keine Kinder wollte, doch jetzt musste er feststellen, dass es ihm von Minute zu Minute viel mehr zu schaffen machte, dass Amanda so aufgelöst war und dass es ihm einfach nicht gelang, zu ihr vorzudringen. Hatte er ihr nicht gerade klar und deutlich gesagt, er vertraue ihr und er wolle keine Beweise? Wieso hörte sie ihn nicht und war nun doch in die Küche gegangen? Als sie wieder zurück war, betrachtete er die Flasche vor sich einen Moment lang schweigend, dann nahm er sie aber doch in die Hand und warf einen kurzen, begutachtenden Blick darauf, bevor er sie wieder zurück stellte. „Ich habe nichts anderes behauptet, Amanda", entgegnete er dann ruhig. Er wusste, auch wenn er es ungern zugab, dass auch ihm schon der eine oder andere Fehler durchgegangen war, daher konnte er Amanda in dieser Hinsicht auch schwer einen Vorwurf machen. Irren war nun einmal menschlich und daran ließ sich glücklicherweise, so dachte er jedenfalls für gewöhnlich, auch nichts rütteln. „Ja... das... ich weiß", antwortete sie. „Ich will nur nicht, dass du denkst, es war Absicht! Das wäre schrecklich!" „Ich habe dir jetzt schon zweimal versichert, dass ich dir vertraue und ich eben deshalb nicht denke, dass du so handeln würdest."

Langsam doch etwas beruhigt nickte Amanda. „Gut... das ist gut." Noch einmal wischte sie sich die restlichen Tränen aus dem Gesicht. Es fühlte sich alles noch immer sehr merkwürdig an, aber Severus Reaktion war viel weniger schlimm, als sie befürchtet hatte. „Schön", antwortete Severus, der nun langsam wirklich nicht mehr weiter wusste, wie er ihr noch ihre Verunsicherung nehmen konnte. Was musste sie eigentlich von ihm denken, dass sich so etwas in ihr angestaut hatte? Vor lauter Anspannung immer noch leicht zitternd, lehnte Amanda sich gegen ihn. „Vielleicht wird es gar nicht so schlimm alles", sagte sie dann schließlich mehr zu sich selbst als zu Severus. Der legte einen Arm um sie, während er fragte: „Was denkst du, das schlimm wird?" Natürlich wollte er es, jetzt da es nun einmal so war und er Vater wurde, Amanda nur recht machen und ihr möglichst viele Sorgen abnehmen, soweit es ihm irgend möglich war. „Das alles jetzt." „Und warum denkst du, dass das jetzt alles schlimm sein wird?" So ganz konnte Severus diese Gedanken nicht nachvollziehen, jedenfalls nicht, wenn er versuchte, sich in ihre Gedanken hineinzuversetzen, in denen in seiner Vorstellung die Freude über das Baby überwog. „Weil..." So einen genauen Grund konnte Amanda gar nicht mehr nennen, eigentlich hatte sie die meiste Angst vor Severus Reaktion gehabt und was er darüber denken würde. Doch nun, da er schon beinahe positiv reagiert hatte... „Es ist einfach ein so schlechter Zeitpunkt, so ungeplant und ungewollt." „Aber dennoch bekommst du das, was du dir schon so lange gewünscht hast", merkte Severus an. „Das... ja... aber doch nicht so." Amanda fühlte sich gerade etwas vor den Kopf geschlagen. Sicher hatte sie das gewollt, aber nicht auf diese Art und Weise. Sie hatte mit Severus zusammen Kinder gewollt, durch eine bewusste Entscheidung dafür. Sie hatte sich darauf freuen wollen und mit ihr auch Severus. Das was nun geschehen war, hatte sich Amanda sicherlich nicht gewünscht. „Du freust dich also nicht darüber." Severus sah sie an und in seiner Bemerkung lagen gleichzeitig Frage und Feststellung. „Nein natürlich nicht. Jetzt nicht." Amanda sah ihn verwundert an. Wie sollte sie sich nun darüber freuen können?

Nun sah auch er sie ein wenig verwundert an, wobei schnell Unverständnis überwog und deshalb eine seiner Augenbrauen langsam in die Höhe kletterte. „Tut mir leid, aber das kann ich jetzt nicht nachvollziehen", sagte er dann ruhig und irgendwie sachlich. „Du wünschst dir schon seit Jahren Kinder und nun passiert es und du bist schwanger, wenn auch ungeplant und dann erzählst du mir, du freust dich nicht? Nur weil es ungeplant ist und ein schlechter Zeitpunkt? Dann ist das Kind jetzt quasi weder von mir noch von dir gewollt, oder wie darf ich das verstehen?" Überrascht sah Amanda ihn an. „Ich denke schon, dass ich mich schließlich doch freuen werde, aber im Moment bin ich einfach viel zu erschlagen und erschrocken", versuchte sie unsicher zu erklären. „Das ist mir nicht entgangen", antwortete Severus, wieder etwas besänftigt, da zufrieden mit der Erklärung. Amanda nickte und plötzlich kam ihr durch Severus vorherige Worte ein schlimmer Gedanke. „Severus, wenn du jetzt die Wahl hättest, würdest du das Kind bekommen wollen?" Noch einmal hob er eine Augenbraue. „Was meinst du jetzt damit", fragte er knapp. „Abtreibung?" Sie nickte nur stumm. Severus löste sich von ihr, als er ihr Nicken registrierte und erhob sich langsam, während ihm einige Gedanken durch den Kopf schossen. Doch nur wenige Augenblicke später drehte er sich wieder zu ihr um und antwortete knapp, aber bestimmt mit Nein. Sollte es wirklich vom Schicksal oder von wem auch immer bestimmt worden sein, dass er nun Vater werden sollte, dann war es nicht seine Aufgabe sich anzumaßen, dieses heranwachsende Leben zu beenden. Er hatte schon genug Blut an den Händen und er wollte sich sicherlich nicht auch noch diese Schuld aufladen, auch wenn er sich im Grunde noch immer keine Kinder wünschte.

Zunächst beunruhigte es Amanda sehr, dass Severus aufstand, doch seine Antwort schien schon sehr deutlich zu sein, eigentlich zumindest. „Okay, gut...", sagte sie dann nach einer Weile leise. Vielleicht konnte er sich ja doch irgendwann darüber freuen. Severus ließ seine Hände in den Roben verschwinden und ging ein wenig im Zimmer umher, als sie das gesagt hatte. So langsam wurde ihm erst klar, in welcher Situation er sich nun befand und dass dadurch eine Unmenge an zusätzlichen, neuen Aufgaben auf ihn zukommen würden und das nicht erst, wenn das Kind schließlich da sein würde. Sie würden Möbel kaufen müssen, möglicherweise ein Zimmer für es einrichten, einen Namen suchen... Severus wusste nicht, was sonst noch alles. Wenn er ehrlich war, wusste er überhaupt nicht genau, was es genau bedeutete, Vater zu sein. Was war mit etwaigen Formalitäten? Es war sicherlich keine gute Idee, sich öffentlich zu diesem Kind zu bekennen, wenn er es und Amanda optimal schützen wollte... Tief durchatmend und gedankenverloren sah er ein wenig in den Garten hinaus. Soweit waren Amandas Gedanken noch gar nicht gekommen, doch da Severus sich nun ganz abwendete sah sie ihn besorgt an, bevor sie doch wieder auf die Hände in ihrem Schoß blickte. Auch wenn es ihr sehr schwer fiel, ließ sie ihm einige Minuten für sich, denn sie konnte nur zu gut verstehen, dass diese nötig waren. In dieser Zeit versuchte sie sich selbst weiter zu beruhigen und sich klar zu machen, dass es nicht so schlimm sein würde wie sie befürchtete. „Danke, dass du so schnell gekommen bist", brach Amanda nach einer ganzen Weile leise das Schweigen. Aus seinen vielfältigen Gedanken gerissen, drehte sich Severus wieder zu ihr um. „Natürlich komme ich sofort, wenn du mir so etwas schreibst", entgegnete er dann. Er hätte es wohl gar nicht ausgehalten, wenn er sich noch irgendwo hätte aufhalten müssen, nachdem er ihre Nachricht gelesen hatte. „Ich wollte dich eigentlich nicht so erschrecken. Tut mir leid." „Schon gut. Für so etwas waren die Bücher schließlich auch gedacht." „Hoffe es ist nicht noch einmal so etwas." „Das hoffe ich auch nicht. Aber man kann nie wissen..." „Nein… kann man nicht." Langsam stand Amanda auf und ging zu Severus, um sanft seine Hand zu nehmen. „Ich hoffe wir schaffen das zusammen." Er sah sie an und zog sie dann sanft an sich und in seine Arme. „Was lässt dich daran zweifeln", wollte er dann leise von ihr wissen. „Es ist so groß..." „Hm", brummte Severus kurz und ließ sich ihren Satz einen Moment durch den Kopf gehen. „Es birgt auf jeden Fall viel Neues...", sagte er dann. Diese Worte brachten Amanda das erste Mal an diesem Abend etwas zum Lachen. „Ja, da hast du natürlich Recht." Auch Severus musste lächeln. „Natürlich habe ich Recht", schmunzelte er ein wenig und sah sie an. Sie lächelte ihn an und seufzte dann hörbar. Sie würden es schaffen! Gemeinsam, und dann irgendwann zu dritt. „Was würde ich nur ohne dich machen?" „Vermutlich ruhig und friedlich vor dich hin leben und keine ungeplanten Kinder bekommen", antwortete Severus, dann küsste er sie einfach spontan und lange. Als er den Kuss schließlich wieder unterbrach, sah er sie an, denn ihm war noch eine Frage eingefallen, die ihm nun auf der Zunge brannte. „War das nun eigentlich der alleinige Grund für deine Unpässlichkeiten? Was hat der Heiler genau gesagt und was sollst du nun tun?" „Aber dann wäre ich nur halb so glücklich", reagierte Amanda nach dem Kuss erst auf seine ersten Worte. „Ja, er meinte das könnte durch die ganze Hormonumstellung schon vorkommen, dass man am Anfang müde ist und einem schwindelig wird hin und wieder. Er hat nur gesagt, dass ich abwarten soll und es sicherlich besser wird in den nächsten Wochen." „Und ich nur halb so beschäftigt", frotzelte Severus ein wenig, doch dann gab er ihr noch einmal einen kleinen Kuss und fügte hinzu: „Und nicht einmal halb so glücklich." Als er hörte, was Amanda sonst noch berichtete, quittierte er es mit einem registrierenden Nicken. „Und... Hat er auch irgendwas zum Kind gesagt? Ich meine, zum Beispiel seit wann du schwanger bist?" „Ja, er hat gesagt etwa seit acht Wochen, demnach wäre es dann Anfang, Mitte Mai..." „Der Geburtstermin..." Kurz dachte Severus nach. „Und sonst? Sonst noch irgendetwas gesagt?" „Nein, nur dass alles gut und ganz normal aussieht bisher. Nun ja und nun muss ich eben öfters mal hingehen." Sanft lächelte sie ihn an. „Lieb, dass du fragst." „Das ist doch selbstverständlich. Ich muss doch nun natürlich wissen, was mich erwartet..." „Noch gar nichts, abgesehen von einer launischen Frau die nächsten sieben Monate." „Launisch? Na, Merlin sei Dank, sehe ich dich nicht oft", scherzte Snape daraufhin nur. „Und was ist mit dem Kind? Ich meine... Junge oder Mädchen? Oder interessiert es dich nicht?" „Dafür ist es wohl noch etwas früh, aber an sich ist es mir gleich. Aber wenn du es gerne vorher wissen möchtest, kann ich ja fragen sobald es möglich ist. Oh und außerdem werde ich natürlich dick und rund und schrecklich unattraktiv werden." „Ich denke nicht, dass ich dir bei letzterem irgendwann zustimmen werde... Was das andere betrifft... Ich denke schon, dass ich es vorher wissen möchte. Immerhin ist das Geschlecht ausschlaggebend für den Namen." „Man kann ja zwei Namen aussuchen", meinte Amanda schmunzelnd. „Wenn man Zeit hat, kann man das, ja. Aber ich würde mich gerne auf das Wesentliche konzentrieren, wenn es dir Recht ist." „Wenn du das gerne möchtest." Amanda lag es fern, Severus bei solchen kleinen Dingen nun noch Wünsche abzuschlagen. „Es wäre mir ein Anliegen, ja", entgegnete er, während er sie weiterhin festhielt und seine Gedanken wieder etwas abschweiften und er ein wenig abwesend tief durchatmete.

Amanda nickte und löste sich ein Stück um ihn anzusehen. „Gut, dann werde ich mal fragen", sagte sie ruhig. Severus sah sie erneut an. „Ja, tu das bei Gelegenheit." „Musst du gleich wieder los? Habe dich ja so schnell weg geholt." „Hm", brummte Snape kurz, während er überlegte. „Nein, ich denke, ich kann auch hier bleiben über Nacht. Dumbledore weiß Bescheid, dass ich hier bin. Ich sollte nur morgen früh wieder sehr zeitig in Hogwarts sein." „Das ist schön." Amanda drückte sich langsam wieder an ihn, dankbar, dass er da war und doch besser reagiert hatte, als sie befürchtet hatte. „Mhm", antwortete Severus nur und hielt sie wieder einen Moment lang nur schweigend fest. Dann fuhr er fort: „Hast du schon was gegessen heute Abend?" „Nein, ich habe keinen Hunger, aber du kannst gerne etwas essen. Soll ich dir etwas machen?" „Sicher? Nein, du brauchst mir nichts machen, danke." „Ja ich bin sicher und du? Kann jetzt nichts essen." „Solltest du aber. Immerhin musst du jetzt für zwei sorgen. Und ja, ich bin sicher. Abgesehen davon, würde ich mir selbst etwas zubereiten, hätte ich Hunger." Severus lächelte ein wenig. „Na so viel ist doch von Nummer Zwei noch nicht da", sagte Amanda ruhig und lächelte kurz. „Immerhin genug, um uns alle in helle Aufregung zu versetzen." Ihr Blick fiel wieder auf den Boden. „Ja, das ließ sich wohl nicht vermeiden." „Siehst du... Und nun? Bleiben wir hier stehen, oder gehen wir ins Bett?", wollte Severus schließlich von ihr wissen, da offenbar keiner von beiden was essen wollte. „Vielleicht ist ins Bett gehen gar keine so schlechte Idee", meinte Amanda ruhig, auch wenn sie nicht glaubte schon schlafen zu können. „Also gut. Dann lass uns gehen." Noch einmal drückte Severus sie kurz an sich, dann ließ er Amanda los, um mit ihr nach oben zu gehen.

Gemeinsam gingen sie daraufhin ins Schlafzimmer und legten sich schließlich ins Bett. Leise seufzend und noch immer aufgewühlt kuschelte sich Amanda an Severus. Dieser nahm sie in den Arm, doch auch bei ihm war an Schlaf noch nicht zu denken. Zu viele Gedanken schossen ihm, aufgrund dieser neuen Situation noch im Kopf herum und er hatte auch nicht die Hoffnung, alles diesen Abend noch geordnet zu bekommen. Trotz allem war sich Severus bewusst, dass er sich möglichst gründlich und zügig damit beschäftigen und alles bald wieder in geordnete Bahnen lenken musste, da er sich in zunehmendem Maße nun auch mit deutlich existenzielleren Dingen beschäftigen musste.