Kapitel 44

~ Getrennte Zukunft ~

Die folgenden Tage nutzte Severus jede freie Minute, um sich Gedanken über seine veränderte private Situation zu machen. Dumbledore hatte er gleich am nächsten Morgen, nachdem er es selbst erfahren hatte, in die neue Problematik eingeweiht und auch der hatte ihm nahe gelegt, möglichst schnell alles wichtige diesbezüglich zu regeln, um wieder den Kopf für andere Dinge frei zu haben.

Täglich erkundigte sich Severus nun nach Amandas Befinden über ihr privates Kommunikationsmittel, das kleine Notizbuch, denn es war ihm nun noch wichtiger als zuvor, dass es ihr in jeglicher Hinsicht gut ging. Deshalb dauerte es auch keine zwei Wochen, bis er sich mit dem Anliegen bei ihr meldete, sich möglichst bald wieder einmal zu treffen, um wichtige Dinge bezüglich der neuen Situation zu klären.

Amanda hatte auch in den nächsten Tagen Schwierigkeiten damit, mit der Neuigkeit umzugehen. Vieles war einfach zu unsicher und noch schien alles so unwirklich. Abgesehen von Severus wusste noch niemand von ihrer Schwangerschaft. Amanda wusste, dass diese Tatsache die Gefahr für sie und Severus nur noch vergrößerte und es gut zu überlegen war, wer es erfahren durfte. Ein großes Problem war allerdings, dass sie durch Felonwood permanent der Öffentlichkeit ausgesetzt war und es sich kaum verstecken lassen würde, wenn ihr Bauch schließlich zu wachsen begann. Auch das war ein Thema, über welches sie dringend mit Severus würde reden müssen.

Amanda war klar, dass sie eine zeitlang nicht mehr so viel würde arbeiten können und das daher ein zweiter Mitarbeiter notwendig sein würde. Doch in der aktuellen, heiklen Situation würde es schwierig werden, jemanden vertrauenswürdigen und fähigen zu finden. Sicherlich wäre es am besten, sie würde möglichst bald mit der Suche beginnen, vor allem in Anbetracht des Weihnachtsgeschäfts, welches nun nicht mehr lange auf sich warten lassenwürde.

Durch die ganzen Gefühle und Gedanken, war die lange Trennung von Severus auch durch ihr kleines Buch nicht zu ersetzen, so dass Amanda sehr froh war, als er sie schließlich um ein Treffen bat. Zurzeit wusste noch immer nur Severus über die Schwangerschaft Bescheid. Zwar hatte Amanda sich inzwischen wieder einigermaßen gefangen, doch ihr wäre jemand weiteres zum Teilen der gebliebenen Sorgen lieber gewesen. Amanda hatte es einfach noch nicht fertig gebracht, es ihrem Vater zu sagen. Bei ihrer Mutter war sie noch gar nicht sicher, ob und wann sie es ihr sagen sollte, denn es bestand immerhin die recht große Wahrscheinlichkeit, dass diese es nicht für sich behalten würde. Es war ein Samstagabend kurz nach Halloween als Amanda nach Hause kam und noch schnell duschte, bevor Severus kommen würde. Mit noch nassen Haaren ging sie schließlich hinunter in die Küche um für beide etwas zu kochen. Hoffentlich würde Severus nicht noch durch etwas aufgehalten werden, dachte Amanda, aber in diesen Tagen konnte man das nie so genau wissen. Severus hatte indes Glück, denn er wurde tatsächlich nicht behelligt, als er das Schloss verließ und so stand er auch tatsächlich kurz vor der vereinbarten Uhrzeit vor Amandas Tür und klingelte. Während er wartete, bis ihm die Tür geöffnet wurde, atmete er noch einmal tief durch. Snape spürte, wie er innerlich, aufgrund des bevorstehenden Gesprächs, ein wenig angespannt war, da er nicht wusste wie es laufen würde und ob sie sich einig werden würden. Zudem schwang eine gewisse Unzufriedenheit mit, da er sich auf Kompromisse einlassen musste, mit denen er selbst nicht vollkommen zufrieden war, die ihm aber durch die momentane politische Situation regelrecht aufgezwungen wurden.

Amanda war froh, als sie die Klingel hörte und nahm den Topf vom Herd, bevor sie zur Tür ging um zu öffnen. Lächelnd begrüßte sie Severus schließlich und gab ihm einen kurzen Kuss, bevor sie zur Seite trat um in einzulassen.

Auch Snape gab ihr einen kleinen Kuss zur Begrüßung, bevor er ins Haus trat. „Hallo", sagte er dann. „Stör ich dich beim Kochen?" „Nein, nicht wirklich. Ich bin gleich fertig. Hast du denn schon etwas gegessen?" „Nicht viel. Ich war zwar beim Essen, aber ich hab mich zurückgehalten." „Du kannst ja sehen ob und wie viel du noch essen möchtest." Amanda wartete bis Severus seinen Umhang aufgehängt hatte und ging dann mit ihm in die Küche. „Schön dich zu sehen", sagte sie ruhig, während sie den Topf wieder auf die Herdplatte stellte. „Ich will dir aber nichts weg essen." Während er das sagte, umarmte er Amanda noch einmal von hinten und küsste sie zärtlich am Hals. „Noch schöner, dich zu sehen..." Lächelnd hielt Amanda kurz in ihren Bemühungen inne, als Severus sie küsste. „Nein, du isst mir doch nichts weg, ich wusste doch dass du kommst." „Na dann ist es gut." Nun ließ Snape, wenn auch etwas widerwillig, wieder von Amanda ab, um sie nicht an ihrer Arbeit zu hindern und setzte sich an den Tisch, um zu warten. „Kann ich dir eigentlich noch irgendwas helfen?" „Nein, kannst du nicht. Es ist bloß Suppe, die muss nur noch einen Moment kochen." „Na gut. Dann bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als hier zu sitzen und zu warten." Ein kurzes Schmunzeln huschte über Severus' Gesicht, während er Amanda beim Kochen zusah. „Auch du darfst einmal nichts tun", meinte Amanda, legte dann aber den Kochlöffel zur Seite und ging zu Severus um ihm einen kurzen Kuss zu geben. „Das fällt mir aber manchmal schwer, wie du weißt." Er sah sie an. „Ich weiß, musst du dich drin üben." Sanft strich sie durch sein Gesicht und umarmte ihn dann, soweit das mit dem Höhenunterschied möglich war. Severus stand auf als sie versuchte ihn zu umarmen, damit sie sich nicht unnötig bücken und verrenken musste. „Das muss ich wohl, das stimmt", antwortete er, während auch er seine Arme um sie legte und sie vorsichtig an sich zog. Leise seufzte Amanda, als sie sich an ihn drückte und strich über seinen Rücken. „Das schaffst du schon." „Hm", brummte Severus daraufhin nur und strich ihr mit einer Hand zärtlich durch ihre Haare. Wie sehr wünschte er sich, dass all das zu einer anderen Zeit passiert wäre - fernab vom dunklen Lord und allen anderen leidigen Verpflichtungen vergangener Tage.

Einen Moment standen sie nur so da, bis Amanda sich langsam und eigentlich ungern von ihm zu lösen begann. „Möchtest du Brot zu der Suppe essen?", wollte sie ruhig wissen, während sie ihn ansah. Severus öffnete die Augen, als sie sich wieder von ihm löste und erwiderte ihren Blick. „Nein, ich denke nicht. Danke." Sie nickte nur und ließ ihn schließlich ganz los. Noch einmal probierte Amanda die Suppe, bevor sie sie für gut befand und ihnen beiden einen Teller füllte und auf den Tisch stellte. Nachdem sie noch Gläser und Getränke dazu gestellt hatte, setzte sie sich schließlich. Auch Severus setzte sich wieder und nachdem er Amanda einen guten Appetit gewünscht und sich für den Teller bedankt hatte, begann er zunächst schweigend zu essen. Er wollte nicht jetzt schon mit den Anliegen beginnen, die ihn eigentlich hergeführt hatten, denn er wollte Amanda nicht den Appetit verderben. „Wie war dein Tag heute?", fing er deshalb bald ein unverfängliches und belangloses Gespräch an, um nicht ganz in Schweigen zu verfallen. „Ganz normal, nichts Besonderes", hatte Amanda lediglich zu berichten, bevor ihr noch ein kleiner Zwischenfall einfiel, den sie Severus doch noch erzählen konnte.

„Wollen wir ins Wohnzimmer gehen", wollte Amanda schließlich wissen, nachdem sie beide mit dem Essen fertig waren. „Ja, sicher", antwortete Snape, als er seinen Teller geleert und zum Abwasch gestellt hatte. Im Wohnzimmer setzte sich Amanda auf das Sofa. „Über was möchtest du denn genau alles sprechen?" „Gute Frage. Über alles Mögliche, wenn ich ehrlich bin." Severus seufzte kurz. „Vielleicht fangen wir erst einmal bei der Tatsache an, dass man es dir irgendwann ansehen wird, dass du schwanger bist. Und das ist leider nicht unproblematisch, weil man nur eins und eins zusammenzählen muss, um schließlich auf meinen Namen zu stoßen." Schweigend ließ Snape nun seinen Blick auf Amanda ruhen. Es bereitete ihm Unbehagen, dieses Thema anzusprechen und doch blieb ihm nichts anderes übrig. „Nun ja, das lässt sich vermutlich schwer vermeiden", sagte Amanda. „Ich kann den Bauch schließlich nicht wegzaubern." „Nein. Und deshalb wird es von Nöten sein, unsere Beziehung für die Öffentlichkeit zu beenden. Wenn dich jemand danach fragt, muss ich Geschichte sein und das Kind ist nicht von mir." Nach diesen Worten presste Severus kurz die Lippen zusammen, denn eine gewisse Bitterkeit ließ sich nicht vermeiden. Er wollte zu allem stehen, doch die Umstände und vor allem die Sicherheit von Amanda und dem ungeborenen Kind zwangen ihn dazu, es nicht zu tun. „Am Besten weihst du nur wenige Leute in alles ein und nur die, denen du wirklich vertraust. Dem Rest verkauf dieselbe Lüge als Wahrheit." Kurz lachte Amanda freudlos. „Das meinst du nicht Ernst oder?" Zwar war ihr klar, dass Severus irgendwie Recht hatte, aber sie konnte doch nicht allen erzählen, dass sie irgendwer geschwängert hatte, kurz nachdem sie sich von Severus getrennt hatte, mit dem sie so lange zusammen gewesen war. „Siehst du mich lachen?", wollte Severus von ihr wissen und bitterer Ernst schwang in seiner Stimme mit. Er selbst fand den Gedanken, dass Amanda aller Welt erzählen musste, wie sie ihn verlassen oder gar betrogen hatte und dann geschwängert wurde, mindestens genauso schlimm wie sie, wenn nicht noch schlimmer. „Nein, natürlich nicht", erwiderte sie ein wenig kleinlaut. „Na da muss ich mir wohl einen wilden Urlaubsflirt aus den Fingern saugen", meinte Amanda schließlich noch trocken. Das würde ihr alles andere als leicht fallen. „Vielleicht findest du ja auch einen Mitverschwörer. Riley würde vielleicht einen guten Vater abgeben. Wie auch immer..." Severus seufzte kurz leise. „Denk dir was glaubwürdiges aus und lass es mich wissen." Dann schwieg er für kurze Zeit, während er über einen Einfall nachdachte, der ihm auf Amandas Worte hin gerade gekommen war. „Vielleicht wäre ein Urlaubsflirt gar nicht dumm. Daraufhin haben wir uns natürlich getrennt. Du kannst ja sagen, dass ich dich habe sitzen lassen", seine Lippen verschmälerten sich ein wenig bei diesen Worten, „und ich kann dich anderen gegenüber in aller Ruhe hassen, weil du mich betrogen hast."

Einen Augenblick sah Amanda Severus nur schweigend an. Bei ihm klang das alles so sachlich, als wäre es ihm vollkommen egal und das einfachste auf der Welt. Doch natürlich war es eigentlich anders, zumindest ging sie davon aus, aber momentan war das schwierig zu glauben. „Wenn du meinst", sagte sie nur knapp. Es würde wohl dauern bis sie sich mit dieser Idee soweit angefreundet hatte, dass sie sie vertreten können würde. Severus sah Amanda nach ihren Worten kurze Zeit schweigend an. „Ich wünschte, wir müssten das nicht tun - ich müsste das nicht von dir verlangen", sagte er dann mit gesengter Stimme, in der deutlich aufrichtiges Bedauern mitschwang. Es fiel ihm schwer, das alles von Amanda zu verlangen und der Gedanke an das was kommen würde, quälte ihn innerlich sehr. „Ich weiß, nur es hört sich bei dir so einfach an. Aber du hast Recht, das ist die sicherste Lösung, auch wenn es uns beiden nicht gefällt." „Du kannst mir glauben, es fällt mir alles andere als leicht. Aber es nützt nichts sich damit aufzuhalten, weil es ohnehin nicht zu ändern ist. Es ist so die sicherste, wenn auch nicht die schönste Lösung." Severus sah Amanda an. „Wo wir auch schon beim nächsten Punkt wären...", fuhr er schließlich freudlos klingend fort, da auch dieses Thema seinen Widerwillen auslöste. „Die Geburt und alles was damit zusammenhängt. Es gibt sicherlich einige verwaltungstechnische Dinge, die hierbei von Nöten sind und auch da solltest du mich nicht erwähnen. Und die Geburt selbst... Ich denke, ich würde gerne dabei sein, sofern es mir möglich ist. Aber dann dürftest du das Kind nicht im Krankenhaus bekommen - zu viele Augen und zu viele Gedächtnisse, die ich manipulieren müsste."

Amanda hörte ruhig zu, während Severus sprach. Er schien sich wirklich viele Gedanken gemacht zu haben in den letzten Tagen, aber eigentlich wunderte sie sich darüber nicht weiter. Schließlich hatte sie selbst kaum über etwas anderes nachgedacht. Trotzdem fiel es ihr schwer zu akzeptieren, dass er mit seinen Worten Recht hatte und es wohl der beste Weg sein würde. „Ich habe mir über die Geburt ehrlich gesagt noch gar keine Gedanken gemacht, aber ich hätte auch gerne, dass du dabei bist." Einen Moment war Amanda etwas erschrocken als Severus davon sprach, dass er Gedächtnisse manipulieren müsse, doch das würde notwendig sein, wenn geheim bleiben sollte, wer wirklich der Vater dieses Babys war.

Severus lächelte Amanda auf ihre Worte hin an. „Schön", entgegnete er dann nur knapp, denn er wusste nicht genau, was er weiter drauf sagen sollte. Doch er war froh, dass auch Amanda ihn bei der Geburt bei sich haben wollte und es nicht nur sein Wunsch war, zugegen zu sein, wenn er schon Vater werden sollte. „Wann lässt sich eigentlich feststellen, ob es ein Junge oder Mädchen wird?", wechselte er schließlich nach kurzer Stille das Thema. „Ich denke dann bald. In zwei Wochen muss ich noch einmal zum Heiler, da kann ich fragen, wenn du das möchtest." „Ja bitte. Es wäre mir recht, es möglichst bald zu erfahren. Ich hoffe, du bist mir darüber nicht allzu böse. Immerhin nehme ich dir dadurch die Spannung..." „Nein, es ist schon in Ordnung." Eigentlich hätte sich Amanda schon lieber überraschen lassen, aber wenn Severus es gerne wissen wollte, würde sie ihm diese Information nicht vorenthalten.

„Gut. Dann... Gibt es noch irgendetwas, das du mit mir besprechen möchtest? Ich stelle hier ständig Bedingungen und Anforderungen und lasse dich kaum zu Wort kommen..." Fragend sah Severus sie an. Natürlich war er selbst noch nicht am Ende mit dem, was er ihr zu sagen hatte, doch wollte er nicht weiter derart auf sie einstürmen, sondern ihr auch die Zeit geben, mit der neuen Situation klar zu kommen und selbst vielleicht noch Forderungen zu stellen.

„Eigentlich nicht viel. Ich werde dann wohl demnächst noch jemanden einstellen müssen. Ewig werde ich nicht mehr so viel arbeiten können." „Da hast du allerdings Recht. Eine gute Idee." Amanda nickte. „Ich hoffe ich finde jemand passenden."

„Ja, das hoffe ich auch. Die Suche wird aber vermutlich nicht einfach werden. Schon alleine deshalb, weil es zu wenige Zauberer gibt, die gut sind." „Es reicht mir eigentlich wenn er einigermaßen vertrauenswürdig ist, soweit wie das zur Zeit eben geht und nicht ganz unfähig ist. Matthew schafft das schließlich sehr gut alleine im Notfall, beziehungsweise er weiß wie alles zu laufen hat." „Ja, Vertrauenswürdigkeit ist das A und O. Wenn du willst, bin ich dir bei der Auswahl behilflich, wenn es soweit ist", bot Severus schließlich nicht ohne Hintergedanken an. Denn er wusste schließlich besser als jeder andere, wer vor allem von den jüngeren Leuten, einen Hang zur dunklen Seite hatte und somit denkbar ungeeignet war, gerade in Amandas Laden zu arbeiten.

„Du kannst dir ja die engeren Kandidaten dann mal ansehen. Vermutlich wirst du den Großteil wohl kennen." „Das denke ich auch." „Du hast mir doch sicherlich noch mehr zu sagen oder?" Amanda wäre erstaunt gewesen, wenn Severus nicht noch mehr im Kopf gehabt hätte. „Ja... Allerdings", antwortete Severus gedehnt. „Was denn? Es kann ja nicht mehr viel schlimmer werden." Amanda versuchte ihn anzulächeln, was nicht ganz so klappen wollte. „Nein." Severus lächelte ein wenig zurück. „Ich hab mir ausnahmsweise nicht das Schlimmste für den Schluss aufgehoben." „Na immerhin, dann sag mal was los ist." „Ich war vor kurzem bei Gringotts", begann Severus, „und habe veranlasst, dass ein für mich nicht unerheblicher Betrag in dein Verlies überwiesen wird. Ich möchte mich damit an den Auslagen beteiligen, die nun bald auf dich zukommen werden. Leider kann ich dich ja nicht großartig anders unterstützen." „Was? Nein... Severus, wirklich nicht! Das sollst du nicht!" Amanda wollte kein Geld von Severus, zumindest solange nicht, wie sie nicht darauf angewiesen war. „Doch. Du wirst ein Kinderzimmer einrichten müssen, Windeln kaufen, Spielsachen, Kleidung... und was weiß ich nicht noch alles. Ich möchte nicht, dass du das alles alleine bezahlen musst. Außerdem...", nun ließ Severus eine Hand in seine Roben verschwinden und zog sie kurze Zeit später wieder hervor, „habe ich ein neues Verlies eröffnet, in welches monatlich etwas Geld überwiesen wird. Hier ist der Schlüssel." Er hielt ihn Amanda vor die Nase. „Ich möchte, dass du ihn verwahrst. Da unser Kind noch keinen Namen hat, läuft das Verlies auf den Namen Eileen Prince - das ist der Mädchenname meiner Mutter. Das Geld darin soll unserem Kind einmal einen guten Start in sein eigenes Leben ermöglichen. Jedenfalls ist es so von mir geplant."

Mit großen Augen sah Amanda Severus an. Er war so... An so etwas hatte sie noch gar nicht gedacht. „Oh Severus... das ist ja lieb. An was du alles gedacht hast...", sagte sie schließlich leise. „Ich will euch gut versorgt wissen, das ist alles", antwortete Severus. „Aber das sind wir doch und du kannst doch selber darauf aufpassen." „Nein, ich möchte, dass du den Schlüssel verwahrst. Außerdem... Sollte ich dir vielleicht auch noch sagen, dass ich gerade im Begriff bin, mein Testament aufzusetzen. Ich werde es in den nächsten Tagen von Dumbledore beglaubigen lassen. Alleinige Begünstigte seid natürlich ihr beide - du und unser Kind." Amanda konnte Severus nur erschrocken ansehen und den Kopf schütteln. „Nein... Severus... das..." Sie konnte gar nicht mehr sagen, sondern hatte Mühe die Tränen zu unterdrücken. Allein der Gedanke, Severus könnte etwas Ernsthaftes zustoßen, war einfach zu viel. „Amanda...", sagte dieser leise und einfühlsam, als er bemerkte, dass sie mit den Tränen kämpfte und zog sie ein wenig in seine Arme. Mit einer Hand wischte die sich einige Tränen aus dem Gesicht und löste sich wieder von ihm. „Daran darfst du gar nicht denken... das ist... nein..." Amanda schüttelte erneut den Kopf.

„Es wäre verantwortungslos, in meiner Situation nicht daran zu denken." Severus sah sie an, als sie sich wieder von ihm löste. „Trotzdem, das..." Amanda wollte gar nicht darüber nachdenken und vor allem nicht wahr haben, dass es vernünftig von ihm war, ein Testament zu machen. „Dass ich mein Testament gemacht habe, heißt ja nicht, dass ich mit meinem Leben abgeschlossen habe. Im Gegenteil... Es ist schön zu wissen, dass das was ich besitze nun nicht mehr verramscht wird nach meinem Tod, sondern jemandem zukommt, der es zu schätzen weiß. Jedenfalls hoffe ich das." Severus sah sie an, streichelte ihr dann kurz über die Haare und küsste ihre Stirn. „Du solltest nicht zu viele Gedanken daran verschwenden. Ich will nur dass du weißt, dass ich daran gedacht habe und dass so ein Dokument vorhanden ist. Das ist alles..." „Nicht zu viele Gedanken? Wie soll ich das denn machen, Severus? Wie sollte ich nicht daran denken?" Sie griff nach seiner Hand und drückte sie sanft. Severus lächelte und nahm Amanda erneut in den Arm. „Hätte ich es dir nicht erzählen sollen?" „Doch... vermutlich schon", meinte Amanda ruhig und drückte sich an ihn. „Siehst du." „Wie kommst du nur darauf, dass du dir das Schlimmste nicht für den Schluss aufgehoben hast?" „Na, weil du etwas von mir bekommst und ich nicht Dinge von dir verlange, die ich lieber nicht verlangen würde. Ich finde das letzte eindeutig positiver, weil ich es ohnehin gemacht hätte, ganz egal in welcher Situation ich mich gerade befinde." „Ich nicht... Ich könnte lieber darauf verzichten, so etwas von dir zu bekommen. Aber schon gut, du hast mal wieder Recht und bist vernünftig." „Das wäre dann aber doch recht einseitig, wenn ich dich alles bezahlen lassen würde, oder nicht?" „Das ist doch nicht so wichtig", antwortete Amanda ruhig, denn es war ihr egal ob sie nun alles bezahlte oder Severus etwa hinzu gab. Auch wenn es sie freute, dass er so viel Verantwortung für das Kind zeigte, hätte sie es niemals erwartet, oder gar ihre Liebe davon abhängig gemacht. „Doch, für mich schon. Es gehört einfach dazu, dass auch ich meinen Teil gebe." „Gut, wenn du das gerne möchtest. Vielen Dank." Lächelnd gab sie ihm einen kurzen Kuss. „Ja, das will ich", lächelte er zurück, dann hielt Severus Amanda einfach nur weiter schweigend im Arm.

Kurz seufzte diese und sah Severus an. „Vielleicht wäre es gut, wenn ich meiner Mutter auch nicht die Wahrheit sage." „Hm ja", entgegnete dieser nach kurzem Nachdenken. „Wahrscheinlich ist das sicherer. Sie kann es vermutlich nicht für sich behalten." „Ja, vermutlich nicht. Auch wenn es eigentlich ziemlich traurig ist, dass ich meiner eigenen Mutter nicht die Wahrheit sagen kann", meinte Amanda und dieses Thema schlug ihr sichtlich aufs Gemüt. „Ja, das stimmt natürlich. Aber du hast einen Vater, dem du alles sagen kannst", relativierte Severus ihre und seine Aussage wiederum, denn er war sich ziemlich sicher, dass man Carl in dieser Hinsicht vertrauen konnte. „Ja, zum Glück. Ich wüsste gar nicht was ich ohne ihn machen würde." Severus drückte Amanda kurz, auf ihre Worte hin. Auch er war froh, dass ihr Vater eine derart große Stütze für sie war, denn das würde sie vermutlich in nächster Zeit noch brauchen. „Hast du vor, ihm alles zu sagen?" „Ja, in jedem Fall. Ich kann ihm da nichts vorlügen. Das geht nicht." „Soll ich dabei sein?" Severus betrachtete zunächst ihrer beider Hände, dann sah er Amanda an. „Das kannst du natürlich, wenn du willst. Aber vielleicht rede ich erst einmal alleine mit ihm." „Wie du willst. Das war nur ein Angebot." Erneut sah Severus Amandas Hände an, dann griff er mit seiner freien nach der, die den Verlobungsring trug. „Wir sollten ihn genauso unsichtbar machen, wie meinen..." Leise seufzte Amanda. „Ja, du hast mal wieder Recht. Das sollten wir... Es ist schade." „Ja. Aber du kannst ihn ja weiterhin tragen - so wie ich meinen immer trage." Kurz küsste er sie. „Setz ihn ab, dann erledige ich das gleich. Nicht dass es noch vergessen geht und wir eine Logik-Lücke in unserer Geschichte haben." „Ja gut." Amanda nahm den Ring von ihrem Finger und reichte ihn Severus. Dieser nahm ihn und legte ihn vor sich auf den Tisch, während er seinen Zauberstab aus der Robe zog. Nach einem kurzen Moment des Innehaltens, richtete er ihn schließlich auf den Ring und belegte ihn mit diversen Zaubern, die ihn unsichtbar werden ließen, sobald ihn Amanda trug, genauso wie sein Ring an seiner Hand nicht zu sehen war. „Danke", sagte Amanda ruhig und nahm den Ring wieder, der verschwand, sobald er ihren Finger berührte. Ganz konnte sie nicht vermeiden, dass man ihr anmerkte, dass das Thema sie mitnahm. Severus streichelte ihr sanft durch die Haare, als er bemerkte, wie sehr ihr das alles nahe ging und er wünschte sich gleichzeitig, er könne ihr alles ersparen.

Langsam ließ sich Amanda in seinen Arm sinken. Eigentlich hatte sie sich das alles anders vorgestellt. Natürlich hatte sie ein Kind gewollt, doch nicht unter diesen Voraussetzungen. Severus hielt sie fest und streichelte sie weiter. „Ich wünschte, ich könnte dir das alles ersparen", sagte er leise und ein wenig bedrückt, denn auch ihn belastete das Ganze sehr, auch wenn er vermied es zu zeigen. „Ich weiß, ich auch." Sie strich sanft über seinen Arm. „Es wird schon irgendwie gehen." „Es muss. Ich will dich doch irgendwann auch mal richtig heiraten." Severus schmunzelte ein wenig und küsste Amanda kurz. Sie musste lächeln. „Haben wir schon mal falsch geheiratet?" „Nein. Aber wir haben noch gar nicht geheiratet, obwohl wir verlobt sind. Und ich mag eigentlich keine angefangenen Sachen." „Vielleicht sollten wir das tun, wenn alles hier vorbei ist", sagte Amanda ruhig und lächelnd. „Das hatte ich vor, ja", lächelte Severus zurück. „Dann sind wir uns ja mal wieder einig." Lächelnd gab sie ihm einen Kuss. „Mhm", bestätigte Snape und küsste zurück. „Zum Glück!" Zur Bestätigung nickte Amanda und sah ihn dann an. „Und? Was tun wir beide heute Abend noch? Oder musst du bald wieder gehen?" „Nein, ich bleibe heute Abend. Gute Frage, was wir nun noch tun wollen." Severus sah kurz auf die Uhr. „Allzu spät ist es ja noch nicht." Nein, ist es nicht. Wir könnten noch raus gehen." „Hm, gute Idee. Ein bisschen frische Luft würde uns jetzt vermutlich nicht schaden." „Ich denke auch und etwas Bewegung nach dem ganzen Stehen mir sicher auch nicht." „Das stimmt. Also komm!" Mit diesen Worten stand Severus auf und hielt ihr die Hand hin. Amanda ließ sich aufhelfen. „Danke. Wo wollen wir denn hin? Schon eine Idee?" „Ach, ich dachte, wir laufen einfach drauf los. Oder nicht?" „Ja, können wir machen." Amanda ging in Richtung Flur um sich anzuziehen. „Gut." Severus folgte ihr und als beide warm angezogen waren, öffnete er die Haustür und ließ sie hinaustreten, bevor er selbst folgte.

Nachdem die Tür verschlossen war, nahm Amanda Severus Hand und sie machten sich auf den Weg. Es war recht windig und kühl, aber im November war das schließlich keine Überraschung. „Wollen wir in den Wald? Dort ist es vielleicht nicht ganz so windig?" „Ja, nicht dass noch einer von uns beiden krank wird. Du am allerwenigsten..." „Werd ich schon nicht, mach dir keine Sorgen." Langsam gingen sie in Richtung Wald. Es war schon einige Zeit her, dass Amanda die Zeit gefunden hatte dort spazieren zugehen. „Das hoffe ich", antwortete Severus und legte den Arm um sie, um sie besser wärmen und vor dem Wind schützen zu können. „Bestimmt nicht", meinte Amanda leise. Eine ganze Weile gingen sie gemeinsam spazieren und als sie schließlich wieder in Amandas Flur standen und ihre Umhänge auszogen waren beide ziemlich durchgefroren. „Huh", gab Severus ein Geräusch von sich und rieb kurz seine Hände, die etwas steif waren. „Jetzt wäre etwas Heißes zum Durchwärmen kein Fehler..." Amanda hängte ihren Schal gerade an die Garderobe. „Möchtest du einen Tee?" „Hm, das wäre ein guter Anfang. Eine warme Dusche oder ein Bad wäre auch nicht schlecht." Schmunzelnd sah sie ihn an. „Gut, wenn du meinst." Grinsend ging sie in die Küche, um Wasser für den Tee aufzusetzen.

Mit leicht gerunzelter Stirn sah Severus Amanda nach, dann folgte er ihr. Der Vorschlag mit Baden oder Duschen schien offenbar nicht auf Gegenliebe gestoßen zu sein. „Hast du Wünsche", wollte Amanda wissen, während sie den Schrank mit dem Tee öffnete. „Nein, keine bestimmten." Amanda nickte, füllte den Tee in das Sieb und hängte es in die Kanne. Der Rest würde sich alleine tun und in der Zeit konnten sie schon einmal nach oben gehen. „Willst du lieber duschen oder baden?" Severus hob ein wenig die Augenbraue. Also wollte sie doch? „Ich dachte, du machst Tee? Aber wenn du so fragst... Ich denke, baden. Duschen kann ich in Hogwarts genug." „Na der Tee macht sich jetzt von alleine und den kann man schließlich nebenher trinken, oder nicht?" „Ja sicher. Er sollte nur nicht zu lange ziehen, oder?" „Da ist es ja praktisch, dass man zaubern kann, oder?" Amanda grinste, ging auf Severus zu und küsste ihn innig. Seit wann redeten sie denn so aneinander vorbei? „Ja ja, schon gut. Ich geb mich geschlagen", schmunzelte Snape. „Lass uns nach oben gehen!"

Zufrieden grinsend nickte Amanda und ging mit ihm nach oben ins Badezimmer. Dort angekommen, küsste sie ihn erneut und machte sich daran seine Robe zu öffnen. Severus sah sie an und lächelnd ließ er es zunächst mit sich geschehen. Er wusste es auch nicht wieso, aber plötzlich war ihm der Gedanke irgendwie etwas fremd, Amanda nun gleich nackt zu sehen. Ob es wohl daran lag, dass sie nun nicht mehr alleine waren? Eigentlich hatte er sich eingeredet, sich mittlerweile mit der Tatsache abgefunden zu haben, Vater zu werden, aber scheinbar war das noch nicht der Fall. Oder was sollte sonst der Grund sein, dass er gerade so dachte, wie er dachte und fühlte, wie er fühlte? Da sie merkte, dass irgendetwas nicht stimmte, hielt Amanda inne und sah Severus an. „Was ist?" Severus seufzte ein wenig und blickte sie kurz unsicher an, da er sich für einen Moment ertappt fühlte. War es gerade wirklich so deutlich gewesen, was in ihm vorgegangen war? „Nichts...", sagte er schließlich und schüttelte ein wenig den Kopf, wie um seine Gedanken zu vertreiben. „Nichts Wichtiges." Dann lächelte er kurz.

Ganz nahm Amanda ihm seine Worte nicht ab, aber sie ging zunächst nicht weiter darauf ein, sondern schob die Robe von seinen Schultern. Severus wartete, bis diese zu Boden geglitten war, dann gab er sich einen Ruck und strich Amanda durch die Haare und küsste sie auf die Stirn. „Ich... habe mich wohl doch noch nicht ganz mit dem Gedanken abgefunden... Das ist alles", gab er dann schließlich doch zu, denn er wollte Amanda nicht anlügen. Wenigstens in diesem Punkt wollte er ehrlich bleiben und ihr die ganze Wahrheit sagen. Das war er ihr wohl schuldig. „Das heißt?" Fragend sah sie ihn an. Fand er sie dadurch nun unattraktiv? „Nichts", antwortete er, auch wenn er sich dabei nicht ganz sicher war. Er hoffte jedenfalls, dass es nichts zu heißen hatte, aber wer konnte das schon sagen? Schließlich war er das erste Mal in solch einer Situation und genau das spürte er eben gerade wieder deutlich. Der Gedanke an das Kind und schon alleine an eine schwangere Amanda ließ ihn irgendwie hilflos werden, ratlos... Wie war mit so etwas umzugehen? Schließlich wollte er nichts falsch machen... Es war ein seltsames Gefühl - eine seltsame Situation. Aber real. Es blieb ihm also nichts anderes übrig, als zu lernen, damit umzugehen. „Severus", begann sie leise. „Wie kann es denn nichts heißen? Ich muss mich auch erst daran gewöhnen, du bist also nicht alleine. Aber wir können uns schließlich gemeinsam daran gewöhnen." Sanft streichelte sie seinen Arm entlang. Severus seufzte leise, zog Amanda in seine Arme und schloss die Augen. „Ich weiß es nicht", sagte er dann genauso leise. „Irgendwie... Ist mir der Gedanke noch so fremd, auch wenn ich mich jetzt schon tagelang damit beschäftigt habe. Es ist mir noch so fremd...", wiederholte er noch einmal, nicht ohne eine gewisse Resignation und Hilflosigkeit. „Schon gut", sagte Amanda leise und drückte sich an ihn. „Ich hab es auch noch nicht wirklich realisiert, wenn es dir ein wenig hilft." „Ein wenig vielleicht...", entgegnete er leise, öffnete wieder leicht die Augen und löste sich wieder ein Stück von ihr. „Trotzdem kannst du besser damit umgehen...", fügte er dann noch an. „Vielleicht weil es mich sehr viel direkter betrifft? Ich weiß es auch nicht." Es tat ihr Leid, dass sie Severus so wenig helfen konnte mit seinen Sorgen. „Ja vielleicht." Er atmete tief durch. „Komm, lass uns baden gehen...", sagte er schließlich und ging dann einen Schritt zur Seite, um aus seiner Robe zu steigen. Dann bückte er sich kurz, um sie vom Boden zu angeln und hängte sie an einen freien Haken.

In der Zwischenzeit war auch das Wasser fast eingelaufen und nachdem Amanda noch den Tee ins Bad gezaubert hatte, zog sie sich aus und stieg schließlich mit Severus in die Wanne. Wie immer saß dieser hinter ihr und sie zwischen seinen Beinen. „Na, wenn es uns jetzt nicht warm wird, dann weiß ich auch nicht", sagte er, als gerade der Tee erschienen war und während er es sich noch in der Wanne bequem machte. „Ich auch nicht." Amanda lächelte und streichelte über Severus Arm. Der umarmte sie vorsichtig und atmete hörbar aus. „Mhm", brummte er dann und lehnte sich entspannt zurück. Irgendwie war es ein seltsamer Gedanke, dass er schon bald Vater werden würde, schoss es ihm dann plötzlich wieder durch den Kopf als er Amanda derart im Arm hielt, dass seine Unterarme um ihren Bauch geschlungen waren. Amanda lehnte sich entspannt zurück und küsste ihn sanft am Hals, bevor sie sich ganz anlehnte. Vielleicht fand sie den Gedanken bald ein Kind zu bekommen, nicht ganz so seltsam wie Severus, weil sie durchaus eines gewollte hatte und sich daher schon früher mit dieser Idee beschäftigt hatte. Severus seufzte leise, als sie ihn küsste und blinzelte durch die fast geschlossenen Augen, dann griff er mit einer Hand nach der ihren und hielt sie fest.„Ich liebe dich", sagte Amanda sehr leise und zufrieden.„Ich liebe dich auch", antwortete Severus ebenso leise. „Mehr als alles andere", fügte er dann noch hinzu. Er wusste, er würde für Amanda durch die Hölle und wieder zurückgehen, wenn es sein musste.Leise seufzend drehte die den Kopf, um Severus erneut zu küssen. Gemeinsam würden sie das Ganze schon irgendwie schaffen.