Kapitel 46
~ Lügengeschichten ~
Inzwischen war es Mitte Februar geworden und der Valentinstag stand vor der Tür. Felonwoods neuer Mitarbeiter George Neil hatte sich mit der Zeit eingearbeitet und sorgte durchaus dafür, dass Amanda mehr Freizeit hatte, was sie im Moment noch verwirrte, da sie kaum wusste wie sie diese freie Zeit nutzen sollte. Doch Severus beruhigte es zumindest, dass sie nicht mehr ganz so viel arbeitete. Es war nun auch nicht mehr zu verbergen, dass ihr Bauch wuchs und so musste Amanda sich immer öfter ihren Kunden erklären und auch immer öfter verdeutlichen, dass es keinen wirklichen Vater gab. Doch diese Lüge tat jedes Mal weh und fiel ihr schwer, auch wenn ihr bewusst war, dass es keine Alternative gab, die sicher genug wäre.
George Neil räumte gerade neue Ware in eines der Regale, während Amanda eine Kundin beriet, welche wiederholt einen Blick auf ihren Bauch warf, ohne jedoch etwas zu sagen. Vielleicht sollte sie ein Schild an die Ladentür hängen, dachte Amanda dabei bitter, während sie die Ware der Kundin verpackte.
In diesem Moment öffnete sich erneut die Ladentür und ein gut gekleideter, blonder Zauberer trat ein – es war Lucius Malfoy. Kaum war er im Raum, schritt er zielstrebig und mit seinem Stock in der Hand Richtung Tresen. Der Frau in seinem Alter, welche gerade von Amanda bedient wurde, schenkte er einen seiner typischen, überheblichen und herablassenden Blicke, als sie ihn ansah. Dann sah sich Malfoy kurz im Laden um und entdeckte den neuen Mitarbeiter, bevor er schlussendlich wieder an Amanda hängen blieb und an ihrem Bauch. War sie etwa schwanger?
Amanda verabschiedete die Kundin und sah dann Lucius Malfoy an. Eigentlich hätte sie auf einen Besuch von ihm gut verzichten können. Schließlich war er irgendwie mit Severus befreundet und es war sehr unwahrscheinlich, dass ihm nicht auffallen würde, in welchem Zustand sie sich befand. Das machte die Situation nicht gerade einfacher oder weniger gefährlich, dennoch begrüßte sie ihn so freundlich wie alle ihre Kunden: „Guten Tag, Mr. Malfoy. Was kann ich für sie tun?"
„Tag, Miss Brown", entgegnete Lucius nicht unfreundlich. „Jedes Mal wenn ich herkomme, erblicken meine Augen etwas Neues", merkte er dann noch beiläufig an, bevor er auf einen Zettel blickte, den er aus seinem edlen Winterumhang gezogen hatte und ihr sagte, weswegen er gekommen war. Amanda sah ihr Gegenüber einen Moment fragend an, bevor sie, während sie die gewünschten Tränke zusammen sammelte, auf dessen Bemerkung einging: „Nun, wenn dem nicht so wäre, wäre vielleicht der Anreiz wieder zu kommen geringer, Mr. Malfoy." „Tja, das ist wohl wahr", lächelte Lucius ein wenig, dann wartete er, bis Amanda fertig war. Einen Moment später schob Amanda die kleine Tüte mit den gewünschten Waren über den Tresen und nannte ihrem Gegenüber freundlich den fälligen Betrag. Der zog seinen Geldbeutel um zu bezahlen, allerdings nicht ohne beiläufig noch einmal ein Gespräch anzufangen, in dem er diesmal gezielt auf ihren Bauch anspielte. „Was sagt denn Severus dazu?"
Amanda sah Malfoy Stirn runzelnd an und einen Moment lang wusste sie nicht recht was sie antworten sollte. „Severus? Was sollte der dazu zu sagen haben", wollte sie schließlich mit kalter, gleichgültiger Stimme von ihm wissen. „Oh, ich wusste nicht, dass er als Vater keinerlei Mitspracherecht einfordert." Lucius lächelte ein wenig sarkastisch, da er wusste, dass so etwas ganz und gar nicht Severus Art wäre und bezahlte nebenher seinen Einkauf. „Ich befürchte das würde er, wenn er der Vater wäre", meinte Amanda noch immer kühl und legte das Geld in die Kasse. „Ach so ist das", entgegnete Lucius kühl und ungerührt, doch sein Blick verriet, dass er sich in der Tat ein wenig wunderte und noch einige Fragen hatte, doch der Anstand gebot ihm, diese nicht zu stellen. „Dann also noch einen angenehmen Tag, Miss Brown." Amanda nickte kurz und verabschiedete ihren seltenen Kunden dann. Hoffentlich war sie auch bei ihm überzeugend genug gewesen, aber so ganz sicher war sie sich dessen nicht. Und damit hatte sie nicht Unrecht. Lucius Malfoy fragte sich in der Tat, ob sie wirklich die Wahrheit gesagt hatte und vor allem, ob sein Freund Severus davon wusste. Ohne lange zu überlegen, machte er sich deshalb auch noch nach Hogwarts auf, nachdem er seine restlichen Besorgungen erledigt hatte. Dort angekommen, klopfte er schließlich an Snapes Bürotür und trat ein, als er unfreundlich wie immer hereingebeten wurde.
Snape saß hinter seinem Schreibtisch und korrigierte Aufsätze, als es an der Tür klopfte und wenig später Lucius herein trat. Genervt rollte er mit den Augen. Was wollte dieser heute hier? Sicherlich verhieß dieser Besuch nichts Gutes. „Lucius… Lange nicht gesehen", begrüßte er den Blonden schließlich, legte seine Feder zur Seite und starrte ihn nicht gerade einladend an. „Tag Severus… Ja, in der Tat. Zu lange, wie mir scheint", antwortete Malfoy und setzte sich in einen Sessel vor Snapes Schreibtisch. Severus hob auf diese Bemerkung hin fragend und abwartend die Augenbraue, denn er wusste, dass sein Gegenüber solche Bemerkungen nicht überflüssigerweise anstellte. Auf was wollte er hinaus? War er etwa bei Amanda im Laden gewesen und wollte ihn nun aushorchen?
Lucius bemerkte Severus Blick und lächelte ein wenig. „Ich komme gerade aus der Winkelgasse", fuhr er dann fort, und beobachtete dabei seinen Freund genau. Severus Gesicht versteinerte sich schlagartig, als das Wort Winkelgasse fiel, denn nun wusste er wirklich, woher der Wind wehte und er musste seine Rolle spielen. „Ach ja?", hakte er barsch, knapp und kühl nach, so als ob er eigentlich gar nicht wollte, dass er weiter sprach, geschweige denn, dass es ihn groß interessierte. „Ja, allerdings. Ich war bei Felonwood… Und Miss Brown war auffällig rund…" Malfoys Augen ruhten weiter auf Severus, während er ergänzte: „Schwanger, um genau zu sein." Severus Gesichtszüge wurden schlagartig zornig und hasserfüllt, als Amandas Name fiel. „Und?", schnappte er dann bissig in Lucius Richtung, machte aber jedoch nicht den Eindruck, als ob er sonderlich an weiteren Neuigkeiten diesbezüglich interessiert war. Viel eher musste man gerade befürchten, er würde dafür morden, um den Namen Brown nicht noch einmal hören zu müssen.
„Nun", entgegnete der Blonde vorsichtig, wenn auch weiterhin relativ ungerührt, „Ich wollte nur hören, ob du davon schon weißt und was du dazu zu sagen hast. Immerhin waren du und Miss Brown –" „Das reicht!", fuhr Snape Lucius wütend und hasserfüllt über den Mund, nachdem er ruckartig aufgestanden war. Seine schwarzen Augen funkelten den Älteren bedrohlich an. „Kein Wort mehr Lucius! Kein Wort mehr über diese… Frau und dieses Balg!" Malfoy zog die Augenbrauen hoch. „Dann ist es also wahr", sagte er, diesmal nicht ohne die nötige Vorsicht, da er merkte, dass es Snape gerade wirklich ernst war. „Der Braten ist von jemandem anderen… Sie hat dich betrogen." Severus starrte ihn hasserfüllt an, doch Lucius reichte das als Antwort. Wäre es nicht so wie er nun ausgesprochen hatte, dann würde sein Freund gar nicht so reagieren. Sie musste ihn betrogen haben. Langsam stand er auf und ging etwas auf Severus zu. „Es könnte ihr und dem Kind zufällig etwas zustoßen, Severus", sagte er dann mit gesengter und ein wenig verschwörerischer Stimme, doch kaum hatte er geendet, spürte er Snapes Nähe deutlicher, als ihm lieb war, denn dieser hatte blitzschnell seinen Zauberstab gezogen, hielt ihn ihm an den Hals und starrte ihn nun äußerst drohend aus seinen dunklen Augen an. „Wehe dir, Malfoy!", zischte Snape bedrohlich und funkelte sein Gegenüber kalt und mörderisch an. „Die Frau und das Kind gehören mir, verstanden? Mir ganz allein! Es wird die Zeit kommen, wo es mir ein Vergnügen sein wird, mich zu rächen und jeder, der mir dieses Vergnügen in irgendeiner Weise schmälert, wird dafür bezahlen! Jeder, Lucius!"
Lucius Malfoy sah seinem Gegenüber in die kalten und hasserfüllten Augen und er wusste, dass er diesen Wunsch zu akzeptieren hatte, denn er hatte Snape selten so entschlossen gesehen. Als dieser seinen Zauberstab wieder gesenkt hatte, trat Lucius einen Schritt zurück und reckte das Kinn einen Hauch weiter in die Höhe, wie um nicht unterlegen zu wirken. „Du kannst auf mich zählen, Severus", entgegnete er dann ruhig. „Du sollst deine Rache haben." Bei diesen Worten lächelte er verschwörerisch und ein wenig boshaft, dann raffte er seinen Umhang wieder zusammen. „Ich muss jetzt wieder gehen. Narzissa wartet. Wiedersehen, Severus." Kurz grüßte Malfoy noch einmal mit seinem Stock, dann machte er sich wieder auf den Weg zur Tür. Severus antwortete lediglich noch mit einem geknurrten Wiedersehen, dann wartete er, bis der andere sein Büro verlassen hatte. Kaum war Lucius draußen, schloss Severus die Augen, seufzte leise, ging zurück zum Schreibtisch, ließ sich in seinen Sessel fallen und vergrub sein Gesicht in seinen Händen. Er fühlte sich schlecht. Hatte er das gerade wirklich alles zu Lucius gesagt? War er wirklich so hasserfüllt gewesen? Wann war er bloß so abgestumpft, um einen Hass zu spielen, den er so weder für Amanda, noch für sein Kind in keinster Weise empfand?
Als Lucius von seinen Besorgungen zurückkam, hatte er seiner Frau eine sehr überraschende Geschichte zu berichten. Offensichtlich war Amanda Brown schwanger und das nicht von Severus, welcher nun entsprechend wütend war und nach Rache sann. Lucius schilderte das Gespräch zwischen ihm und Severus ziemlich genau und Narcissa konnte nicht verhindern, dass sie davon beunruhigt wurde. Natürlich konnte sie Severus Ärger verstehen, aber dennoch war das ihrer Meinung nach noch kein Grund, die Mutter und das Kind zu töten, denn das würde sicherlich geschehen, wenn Severus seine Rache ernst meinte.
Während sich Lucius wegen einiger geschäftlicher Dinge ins Arbeitszimmer zurückzog, hatte Narcissa Mühe, nicht ständig über das soeben erfahrene nachzudenken. Vielleicht sollte sie Miss Brown warnen, vielleicht wäre sie dann immerhin etwas vorbereitet. Dennoch durfte – sollte sie es wirklich tun – niemand bemerken, dass sie es getan hatte. Es dauerte einige Zeit bis sie sich entschieden hatte. Doch schließlich sagte sie Lucius am frühen Abend sie hätte noch etwas vergessen und müsse noch einmal in die Winkelgasse.
So apparierte Mrs. Malfoy ein paar Minuten später dick in einen Umhang gehüllt in die Einkaufsstraße. Es war kurz vor Geschäftsschluss und daher waren nur noch wenige Menschen in der kleinen Straße unterwegs. Möglichst unauffällig ging Narcissa an Felonwood vorbei, um zu sehen, ob gerade Kunden im Geschäft waren. Als dies nicht der Fall war, trat sie ein, ohne zunächst jedoch ihre Kapuze abzunehmen.
Amanda war gerade im Lager von Felonwood und kam nach vorne in den Verkaufsraum, als sie hörte, wie jemand den Laden betrat. Verwundert entdeckte sie die Person, welche einen Umhang mit so großer Kapuze trug, dass man nicht erkennen konnte, um wen es sich handelte.
Als Narcissa sah, dass scheinbar nur Miss Brown anwesend war, nahm sie ihre Kapuze ab und kam ein paar Schritte auf sie zu. „Guten Abend, Miss Brown." Amanda war überrascht Mrs. Malfoy vor sich zu sehen, immerhin war ihr Mann gerade vor einigen Stunden da gewesen. „Guten Abend", begrüßte sie ihre Kundin dennoch freundlich. „Was kann ich für sie tun?" „Nun", begann Narcissa. „Mein Mann hat vorhin noch zwei Kleinigkeiten vergessen, die ich nun noch besorgen wollte." Dann nannte sie Amanda die beiden Substanzen, die diese daraufhin auch sofort heraussuchte.
Während sie die zwei Fläschchen in Papier verpackte, sprach Mrs. Malfoy das Thema, was sie eigentlich hergeführt hatte, an: „Wann ist es denn soweit?", wollte sie mit einem deutlichen Blick auf Amandas Bauch wissen. Diese war inzwischen etwas genervt von den ständigen Fragen, ließ sich aber nichts anmerken. „Ende Mai", antwortete sie freundlich aber knapp. „Dann ist es ja langsam Zeit, gut auf sich aufzupassen", sagte Narcissa freundlich, während sie das Geld abzählte. „Ja, bald ist es wohl Zeit dafür", stimmt ihr die werdende Mutter zu. „Vielleicht sollten sie noch etwas mehr aufpassen als normalerweise, es könnte sich jemand betrogen fühlen, der nicht sonderlich nachsichtig mit so etwas ist." Amanda kam nicht umhin die Stirn zurunzeln. Was meinte sie? Spielte sie auf Severus an? War Lucius Malfoy etwa gleich zu ihm gerannt, um ihn nach ihrer Schwangerschaft zu fragen? Was hatte Severus ihm nur erzählt, dass Narcissa Malfoy nun vor ihr stand und sie offensichtlich vor einem Racheakt warnen wollte? Es dauerte einen kurzen Augenblick, bis sich Amanda wieder gefasst hatte. „Wenn sie Severus meinen, das ist nun wirklich sein Problem und nicht meins", entgegnete sie kalt und legte die Münzen in die Kasse. Daraufhin nickte Narcissa nur kurz und nahm ihre Einkäufe. „Gut, ganz wie sie meinen. Ich wünsche ihnen einen schönen Abend." „Vielen Dank, ihnen auch", antwortete Amanda höflich und sah Mrs. Malfoy nach, als sie das Geschäft verließ. Da hatte sie heute ja zwei wirklich merkwürdige Besuche gehabt, dachte sie und machte sich anschließend daran aufzuräumen, damit sie bald schließen konnte.
Severus versuchte den restlichen Nachmittag und den frühen Abend noch zu arbeiten, doch so richtig wollte es ihm nicht mehr gelingen. Der Besuch von Lucius und alles was damit zusammen hing, beschäftigten ihn noch zu sehr, als dass er sich richtig auf seine Arbeit hätte konzentrieren können. Er vermisste Amanda gerade noch mehr als sonst und wünschte sich, sie einfach in die Arme nehmen zu können, so als ob er damit ungeschehen machen könnte, was er Lucius gegenüber sagen musste. Es quälte ihn, gerade den Menschen so verleugnen zu müssen, der ihm auf der Welt am meisten bedeutete.
Aus diesem Grund beschloss Severus schlussendlich, die Korrekturen für diesen Tag sein zu lassen und spontan zu Amanda zu gehen. Das wäre sicherlich sinnvoller, dachte er sich, als weiter unproduktiv zu arbeiten, oder unschönen Gedanken nachzuhängen. Also warf sich Snape nach dem Abendessen seinen Winterumhang über und verließ kurz darauf das Schloss. Eine halbe Stunde später klingelte er an Amandas Tür und wartete darauf, eingelassen zu werden.
Amanda hatte gerade eine Kleinigkeit gegessen, wenn auch mit wenig Begeisterung. Die Worte von Narcissa Malfoy nahmen sie mehr mit als sie sich selbst eingestehen wollte. Es war eine Sache, dass sie Severus öffentlich verleugnen musste, aber zu hören, dass er dies auch tat und anderen gegenüber scheinbar sogar ihr Leben bedrohte, tat doch weh und kratzte an ihrem ohnehin nicht allzu gut gestimmten Gemüt. Als es klingelte hoffte sie, es wäre Severus, auch wenn diese Hoffnung eigentlich sehr unberechtigt war, denn seit Umbridge in Hogwarts war, kam er so gut wie nie spontan vorbei. Doch als Amanda die Tür öffnete, wurde sie eines besseren belehrt. Es war Severus. Lächelnd begrüßte sie ihn und bat ihn, herein zu kommen. Amanda freute sich, aber ihr Gesicht sagte deutlich, dass sie sich Sorgen darüber machte, ob etwas passiert war, was Severus dazu bewegt haben könnte, überraschend herzukommen. Severus begrüßte sie und trat ein. Nachdem er seinen Umhang abgelegt hatte, zog er Amanda sogleich sanft in seine Arme, was für ihn als Begrüßungsakt nicht gerade die Regel war. „Wie geht's euch?", wollte er darauf leise von ihr wissen, ohne die Umarmung wieder zu lösen. Es tat ihm einfach gerade gut, seine kleine Familie in seiner Nähe zu spüren.
Amanda war durch Severus plötzliche Umarmung durchaus überrascht, entspannte sich dann aber in seinen Armen und seufzte leise. „Gut, soweit ich das beurteilen kann." Ihre vorherigen Gedanken spielten nun erst einmal keine Rolle mehr. „Wie geht es dir? Ist etwas passiert?", wollte sie dann besorgt wissen, denn seit Voldemorts Rückkehr konnte man schließlich nie sicher sein, dass nichts passiert war. Severus lächelte ein wenig, aber er konnte in Amandas Gegenwart eine gewisse Bitterkeit in seinem Ausdruck nicht ganz überspielen und vielleicht wollte er das auch gar nicht. „Jetzt, wo ich dich sehe, geht es mir besser. Und nein, es ist nichts passiert – jedenfalls nichts, was ich nicht unter Kontrolle hätte." Severus küsste Amanda und sah ihr dann einen Moment schweigend in die Augen. „Wollen wir ins Wohnzimmer gehen?", fragte er dann. Kurz runzelte Amanda die Stirn, bevor sie ihm zustimmte. „Was ist es denn was du unter Kontrolle hast?", wollte sie wissen sobald sie saßen.
Severus zog sie auch schon wieder in seine Arme. „Lucius war heute bei mir", antwortete er dann leise und sparte sich weitere Ausführungen, da er sich denken konnte, dass Amanda den Zusammenhang mit seinem Besuch bei ihr auch ohne sein Zutun herstellen konnte. „Ich musste ein wenig Überzeugungsarbeit leisten, weil deine offenbar nicht gereicht hat." Er lächelte ein wenig schief. Verwundert sah Amanda Severus an. Wie meinte er das nun? War sie ihm nicht überzeugend genug? „Nun, ich habe es nicht für angebracht gehalten, ihm die ganze falsche Geschichte unter die Nase zu reiben", entgegnete sie leicht angefressen. „So habe ich das auch nicht gemeint", erwiderte Severus und löste sich wieder von ihr. „Lucius ist einfach nicht irgendein Kunde. Er kennt mich schon seit meiner Schulzeit und es war abzusehen, dass er misstrauisch wird und sich nicht mit dem zufrieden gibt, was du ihm sagst oder nicht sagst. Außerdem", Severus verzog kurz undeutbar das Gesicht, „ist Malfoy nicht auf den Kopf gefallen. Er würde es bei Gelegenheit sofort und ohne zu Zögern zu seinem Vorteil nutzen, wenn er Zweifel an unserer Geschichte hätte. Mit Sicherheit ist er auch deshalb bei mir gewesen - um zu hören, ob unsere Geschichten zusammen passen - und nicht nur aus reinem Mitleid für einen gehörnten Freund." „Na wenn du meinst", antwortete Amanda nur knapp. Severus sah sie an. Was sollte das nun wieder heißen? Wieso reagierte sie gerade so schnippisch? Hatte er etwas Falsches gesagt? Snape löste die Umarmung zu Amanda nun vollends auf, denn er fühlte sich nicht mehr wohl dabei. Er sah weg. Irgendwie hatte er sich diesen spontanen Besuch auch anders vorgestellt. Er wollte weg von Hogwarts und dem Allein sein mit seinen trüben Gedanken und mit sich selbst, aber im Moment fühlte er sich nicht gerade besser. „Ich gehe mir etwas zu trinken holen", sagte er schließlich und stand auf, um dieser Situation wenigstens für einen Augenblick entfliehen zu können. „Willst du auch was?"
Amanda wusste auch nicht recht, warum sie Severus Worte so negativ auffasste, vielleicht weil noch immer die Unsicherheit an ihr nagte, was er Malfoy erzählt hatte. Dennoch hatte sie sich doch noch vorhin nach ihm gesehnt. Auf seine Frage hin schüttelte sie zunächst nur den Kopf, bevor sie sich doch noch zu einer höflichen Antwort durchrang: „Nein, danke." „In Ordnung", sagte Severus und nickte kurz, bevor er schließlich Richtung Küche verschwand und dort für kurze Zeit alleine verweilte. Er fragte sich noch einmal, weshalb er eigentlich hergekommen war, als er sich etwas Wasser in ein Glas schenkte. Er wollte Amanda sehen und sich vergewissern... Sich vergewissern, dass es ihr und dem Baby gut ging und vielleicht auch noch aus einem anderen Grund. Snapes Lippen verzogen sich voll Bitterkeit, als er diesen Gedanken streifte, ohne ihn vollends auszuformulieren und er stellte die Flasche mit Wasser wieder zur Seite. Er durfte gar nicht anfangen, solche Gedanken zuzulassen, dachte er sich. Es stand außer Frage, dass er Amanda liebte und auch für sein Kind würde er bis zum Äußersten gehen, wenn es sein musste. Also konnte er kein allzu schlechter Mensch sein. Das andere war nur eine Rolle... Eine ungeliebte Rolle, die er leider nicht ablegen konnte, so gern er es manchmal auch wollte. Er war nicht dieser hasserfüllte Mensch, den er noch vor einigen Stunden Lucius gegenüber verkörpert hatte - jedenfalls nicht mehr.
Einen Augenblick später folgte Amanda Severus doch in die Küche, blieb aber im Türrahmen stehen. Er schien nachdenklich zu sein und irgendetwas anderes bewegte ihn offensichtlich, aber dies bestärkte ihre Bedenken nur noch mehr. „Narcissa Malfoy ist bei mir gewesen vorhin", begann sie ruhig. Severus schreckte ein wenig auf und drehte sich ruckartig zu ihr um, als Amanda ihn ansprach. Er war derart in Gedanken versunken gewesen, dass er ihr Kommen nicht bemerkt hatte. Wie lange stand sie schon in der Tür? Es dauerte einen kurzen Moment, bis er sich wieder gefasst und realisiert hatte, was gerade ihre Worte gewesen waren. „Hier?", fragte er irritiert und nicht ohne Verwunderung und man merkte, dass er ihr noch nicht ganz folgen konnte. Andernfalls wäre er in der Tat davon ausgegangen, dass Narcissa sie bei Felonwood aufgesucht hatte. „Tut mir Leid, ich wollte dich nicht erschrecken. Nein, bei Felonwood." Severus war noch immer verwundert. Was hatte Malfoy seiner Frau erzählt, dass sie kurz darauf zu Amanda gegangen war? Oder hatte das eine mit dem anderen womöglich gar nichts zu tun? Nein, das war unwahrscheinlich. „Was wollte sie von dir?", fragte er gleich darauf nach und wieder ganz der Alte. „Ich glaube mich vor dir warnen, so wie sich das anhörte. Ihr schien aber daran gelegen zu sein, das nicht so deutlich zu sagen", schilderte sie ruhig und kurz was passiert war.
„Hm." Severus griff nach seinem Glas Wasser und drehte es kurz und nachdenklich mit den Fingern. Sein Gesicht verriet nicht, was in ihm vorging, aber er war gerade dabei diese Tatsache in den Gesamtzusammenhang einzuordnen. „Lucius wird ihr alles erzählt haben", sagte er dann. „Narcissa ist, wenn es hart auf hart kommt, in erster Linie Mutter. Deshalb war sie wohl bei dir, ohne sein Wissen." „Da magst du Recht haben, nur frage ich mich schon die ganze Zeit, was Lucius ihr nur erzählt hat, dass sie so ein Risiko eingeht für jemanden, den sich eigentlich nicht kennt." Fragend sah sie Severus an. Der sah sie kurz an, dann wandte er jedoch den Blick wieder ab und stellte sein noch immer volles Glas auf die Arbeitsplatte. „Lucius ist manchmal ein misstrauischer Mensch und kann sehr gefährlich werden, weil er auch in Todesserkreisen viel Einfluss hat. Ich musste zu drastischen Mitteln greifen, um mir seine Loyalität zu sichern." Es war gerade deutlich zu sehen, dass Snape dieses Thema alles andere als angenehm war, als er Amanda wieder ansah. „Bitte mich nicht darum, es noch einmal zu wiederholen, Amanda", fügte er dann noch etwas leiser an. Es war offensichtlich, dass ihn schon alleine der Gedanke an seine eigenen Worte quälte, von seiner Überzeugungskraft, die er in diesem Zusammenhang an den Tag gelegt hatte, einmal ganz abgesehen.
Einen Moment lang hob Amanda fragend die Augenbraue, unterdrückte aber auf Severus Wunsch hin eine weitere Frage. Dennoch bestätigten seine Worte ihre Befürchtungen und sie kam nicht umhin, dass dies ein seltsames Gefühl in ihr hinterließ. „Offensichtlich warst immerhin du dann überzeugend genug." „Ja, das war ich. Auch wenn ich darauf nicht gerade stolz bin", sagte Snape ernst und wahrheitsgemäß. „Aber es war nötig. Jetzt habe ich Lucius da, wo ich ihn haben will und er wird mir helfen euch zu schützen, ohne es zu wissen." Kurz schwieg Severus, dann fuhr er fort: „Ich wünschte, mir wäre eine andere Möglichkeit geblieben, mit der ich mich wohler fühlen könnte, aber am Ende zählt nur das Resultat. Ich kann euch so am besten schützen und alles andere ist zweitrangig." „Ich glaube kaum, dass du einen Grund hast, dich nicht wohl zu fühlen mit diesen Gründen, solange du damit das erreichst, was du möchtest", entgegnete Amanda sachlich. Severus sah sie an und Schmerz und Traurigkeit lagen in seinen Augen. „Denkst du mir fällt es leicht, voller Überzeugung Todesdrohungen gegen dich und unser Kind auszusprechen?", wollte er ruhig von ihr wissen. „Wie soll ich mich dabei wohl fühlen, Amanda? Auch wenn ich weiß, dass es nur dem Zweck dient, euch zu schützen..." „Meinst du ich finde das toll das sowohl zu hören, als auch dich vor allen zu verleugnen? Trotzdem hab noch immer ich dich betrogen und nicht andersherum, also bist du derjenige, der das Mitleid verdient hat." Sie sprach etwas schneller als gewöhnlich und wusste irgendwo in ihrem Hinterkopf wohl auch, dass diese Worte vollkommen unangebracht und irrational waren, aber dennoch konnte sie sie nicht stoppen.
Severus presste die Lippen aufeinander und sah Amanda schweigend an, als sie ihm diese Worte an den Kopf warf. Im ersten Moment wusste er nicht, was er darauf sagen sollte. Einerseits konnte er es nachvollziehen, dass es auch für sie nicht einfach sein konnte, andererseits machte es ihn wütend. Sie musste schließlich nicht alles verleugnen, was ihr im Leben etwas bedeutete. Sie hatte noch das Kind und ihre Familie als Rückhalt, aber wen hatte er? Er hatte am Ende nur sich selbst. Sie musste lediglich sagen, dass sie ihn betrogen hatte, er musste sie und das Kind mit aller Überzeugungskraft mit dem Tode bedrohen - die Menschen, die ihm im Leben alles bedeuteten. Aber vermutlich war er einfach selbst schuld an allem. Er hatte in seinem Leben falsche Entscheidungen getroffen und dafür musste er bis heute büßen und das gehörte wohl auch dazu. Nur war es seine Buße und nicht Amandas, dachte sich Severus bitter. Und er trug sie viel zu sehr auf ihrem Rücken aus. Er hätte heute nicht herkommen dürfen, er hätte schweigen sollen und er durfte nicht mit ihr streiten. Es war falsch, denn sie konnte nichts dafür. Es war allein seine Schuld. „Ich will kein Mitleid", sagte er schließlich ruhig und gefasst. „Und ich will auch nicht mit dir streiten, Amanda. Vielleicht ist es besser, ich gehe wieder." „Was hat das denn mit Mitleid zu tun? Es geht uns beiden nicht gut damit und jeden beunruhigt wohl etwas anderes an dieser ganzen Sache, aber so ist es nun einmal." Dann sah sie ihn einen Moment an. Es schien noch mehr zu sein, was Severus zum Nachdenken brachte, aber mal wieder schien er das nicht mit ihr teilen zu wollen. „Wieso willst du denn gehen? Du hast doch noch etwas..."
Kurz war Severus irritiert. Sie war es doch selbst gewesen, die von Mitleid gesprochen hatte, wieso fragte sie jetzt ihn, was es damit zu tun hatte? Aber darüber wollte er nicht mehr diskutieren. Es würde ohnehin zu nichts führen, dachte er sich, also überging er ihre Frage einfach. „Weil ich nicht streiten und diskutieren will, wir aber nichts anderes tun, seit ich hier bin", beantwortete er ihr dann ihre andere Frage wahrheitsgemäß. Über den Rest schwieg er sich aus denselben Gründen erneut aus. „Da kann ich doch auch nichts für", antwortete Amanda nun endgültig zickig. „Das habe ich auch nicht gesagt", gab Snape etwas forscher zurück, als ursprünglich geplant. Was war heute nur los? Wieso konnte nicht wenigstens an diesem letzten Rückzugsort Frieden herrschen? Vor allem jetzt, da sie sich ohnehin kaum sahen? „Ja, aber was denn dann", wollte Amanda nun leicht verzweifelnd klingend wissen.
„Nicht mehr und nicht weniger, als ich gesagt habe. Dass wir, seit ich hier bin, nur streiten und diskutieren, aus welchen Gründen auch immer", wiederholte Snape noch einmal und war selbst langsam nicht minder verzweifelt. Dann griff er nach seinem Glas und trank es in einem Zug leer. Er wusste nicht mehr, wie er mit dieser Situation umgehen sollte.
Amanda wusste nicht so genau warum, aber das alles ging ihr ganz plötzlich sehr nahe, nachdem es sie kurz zuvor noch so geärgert hatte. „Ich kann aber auch nichts dafür, irgendwie", sagte sie nun leise und mit Tränen in den Augen. Severus entging dieser Stimmungswechsel natürlich nicht und nun war er endgültig mit der Situation überfordert. Was hatte er nun schon wieder getan? Wieso fing sie jetzt urplötzlich an zu weinen? Er hatte ihr doch keinerlei Vorwürfe gemacht. Unsicher und auch sichtlich verwirrt sah er Amanda an. „Wieso weinst du jetzt?", wollte er ratlos von ihr wissen, auch wenn es ihm eigentlich im gleichen Moment schon wieder völlig egal war, denn schon alleine die Tatsache, dass sie es tat, reichte ihm. Er konnte es nicht ertragen, sie so zu sehen. „Ich... das alles..." Hilflos hob sie die Arme, nur um dabei nun wirklich anzufangen zu weinen. „Ich weiß es nicht."
Noch bevor sie ganz zu Ende geredet hatte, war Snape auch schon bei ihr und nahm sie in den Arm. „Es tut mir leid, Amanda", sagte er leise. „Es tut mir leid, dass ich dir das alles antun muss." Mit einem Mal war wieder alles vergessen was vorher war und mit einem Mal fühlte er sich auch wieder so schlecht, wie noch vor ein paar Minuten, denn es war für ihn unerträglich, wenn Amanda seinetwegen Tränen vergoss und schließlich war diese ganze Situation niemandes andere Schuld als nur seine. „Du kannst gar nichts dafür", schluchzte Amanda leise in seinem Arm. „Ich weiß nicht", flüsterte Snape und strich ihr sanft über die Haare. Er war sich dabei nicht ganz so sicher, ob er nicht doch einiges dafür konnte. Momentan dachte er noch nicht daran, dass Amandas extreme Stimmungsschwankungen auch von ihrer Schwangerschaft her rühren konnten und nicht nur alleine von der vertrackten Situation um die Rückkehr des Dunklen Lords. „Bestimmt nicht." Es dauerte eine ganze Weile bis Amanda sich wieder einigermaßen beruhigt hatte und sie selbst wusste nicht wirklich, wo dieser plötzliche Anfall hergekommen war.
Eine Stunde später hatte sich die Situation schließlich wieder gänzlich normalisiert und Amanda und Severus konnten schlussendlich doch noch ein wenig die Zweisamkeit genießen. Gemeinsam hatten sie es sich auf dem Sofa im Wohnzimmer gemütlich gemacht. Nach einiger Zeit des Schweigens ergriff Severus, der Amanda im Arm hielt und schon seit einer Weile gedankenverloren über ihren Bauch gestrichen hatte, erneut das Wort. „Wir sollten uns langsam einmal überlegen und uns einigen, wie unser Sohn heißen wird, Amanda…"
Leise seufzte die und setzte sich richtig hin, um Severus ansehen zu können. „Ja, vermutlich hast du Recht damit. Wenn das nur nicht so schwierig wäre." Immer wieder hatte sie über mögliche Namen nachgedacht, aber noch hatte sie nichts gefunden, was sie wirklich überzeugt hätte. „Hm, ja", brummte Severus, denn auch er war in diesem Punkt schrecklich unkreativ und es fiel ihm schon schwer, irgendwelche Namen zu finden, die er wenigstens ein bisschen in Betracht ziehen konnte. Bedauerlicherweise erinnerte ihn nämlich der Großteil der Namen an irgendwelche Personen, vornehmlich Schüler, an die er lieber nicht mehr erinnert werden wollte. „Aber dennoch muss es irgendwann sein." Amanda nickte zunächst schweigend, bevor sie schließlich antwortete: „Ja, ich weiß. Hast du denn schon irgendwelche Ideen?" „Ein paar. Aber leider nicht viele. Du?" „So ähnlich ja. Finde es schwierig etwas Gutes zu finden, was auch noch zum Nachnamen passt einigermaßen. Zu beiden." „Dann geht es dir wie mir. Aber es hilft ja nichts. Er kann ja nicht namenlos bleiben." Severus lächelte und streichelte Amanda noch einmal sanft über ihren runden Bauch und küsste sie dann kurz. Amanda lachte und nahm dann Severus Hand. „Nein, so schlimm soll es nicht werden. Wie wäre es denn mit Lucas?" „Hm ja. Schon mal nicht schlecht, aber irgendwie... Ich weiß nicht recht." Severus verschränkte seine Finger mit den ihren. „Ich fände ja etwas weniger geläufiges gut, aber da ist es noch schwieriger, etwas Ordentliches zu finden." „Ja, das wäre schon gut. Zumindest wenn es nicht zu außergewöhnlich ist. An was dachtest du denn da?" „Ich fände Keiran zum Beispiel ganz gut. Und wenn ich nicht schon jemanden kennen würde, nach dem ich mein Kind nicht unbedingt benennen will, würde ich durchaus auch Lucius in Betracht ziehen." Severus lächelte ein wenig schief. „Lucius? Nein, wirklich nicht. Keiran wäre vielleicht etwas ja, aber so ganz überzeugt es mich nicht." Kurz dachte Amanda nach, bevor sie von etwas unterbrochen wurde, was sie dazu veranlasste über ihren Bauch zu fahren. „Tja, also müssen wir weiter suchen", merkte Severus an, bevor ihm auffiel, dass Amanda plötzlich über ihren Bauch streichelte. „Alles in Ordnung?", wollte er sogleich wissen. Sie lächelte. „Ja, dein Sohn verprügelt mich nur mal wieder." „Soso." Severus griff nun auch nach ihrem Bauch. „Vielleicht sollte ich da mal ein Machtwort reden", sagte er dann im Scherz und streichelte über Amandas Rundung. „Nein, das heb dir lieber für später auf, ich will ja nicht, dass er länger als nötig darin verweilt." Schmunzelnd legte sie seine Hand auf die Stelle wo gerade die Bewegungen des Babys zu fühlen waren.
Severus lächelte und fühlte die Tritte seines Sohnes. Es war für ihn noch immer ein seltsames Gefühl, das kleine Leben zu spüren, welches man noch gar nicht sehen konnte. Doch wenigstens hatte er sich mittlerweile einigermaßen mit dem Gedanken angefreundet, nun bald Vater zu werden. „Meinst du etwa, er könnte dann aus Angst nicht rauskommen wollen?" „Nein, er würde vermutlich länger drin bleiben, weil deine Stimme so gedämpft noch besser klingt." Auf diese Worte hin musste Amanda lachen und gab ihm einen Kuss.
Auch Severus musste lachen. „Ist sie das?" Er grinste ein wenig süffisant und senkte dann die Stimme zu einem samtigen Raunen an ihrem Ohr. „Wir schweifen schon wieder vom Thema ab, mein Liebling." „Das ist auch viel besser", entgegnete Amanda leise und küsste ihn sanft am Hals. „Hm", brummte Severus und zog sie an sich. „Wo du Recht hast, hast du Recht", raunte er weiter und küsste sie. „Aber wir brauchen einen Namen..." „Ja, schon. Bevor der kleine Herr da noch richtig strampelt. Puh ich weiß nicht so richtig. Ich hatte schon mal an Tobias gedacht, aber vermutlich ist dir das zu gewöhnlich oder?"
Severus atmete hörbar aus, ließ von Amanda ab und seine Gesichtszüge verhärteten sich, als er diesen Namen hörte. „Auf keinen Fall Tobias", sagte er dann, ohne seine Antwort jedoch zu begründen. Irritiert sah sie ihn an. „So schrecklich ist der Name doch nun auch nicht." „Nein. Jedenfalls wäre er es nicht, wenn es nicht der Name meines Vaters wäre. Und noch eher würde ich mein Kind nach Lucius Malfoy benennen, als nach meinem Vater. Er hat es nicht verdient, dass mein Sohn seinen Namen trägt." „Oh, tut mir Leid. Das wusste ich nicht. Dann magst du Recht haben." Amanda schwieg daraufhin etwas betreten. „Schon gut. Das konntest du schließlich nicht wissen", entgegnete Severus und zog sie wieder in seine Arme. „Meine eigene Schuld, dass ich dir noch nie davon erzählt habe." „Musstest du ja nicht. Aber gut, dann eben etwas anderes. Hast du noch einen Vorschlag?" „Ja, bitte. Hm... Ich hätte noch Christopher vorzuschlagen." „Christopher? Hm... Hört sich ganz gut an eigentlich. So häufig ist er wohl auch nicht", überlegte Amanda laut. „Nein, ich denke nicht. Jedenfalls kam er mir in Hogwarts die letzten Jahre noch nicht allzu oft unter. Hast du noch irgendwelche Ideen?" „Nein, habe ich nicht. Finde Christopher erst einmal schön, aber muss noch einen Moment darüber nachdenken." „Dann tu das." Severus lächelte und griff nach ihrer Hand. „Was denkst du über einen Zweitnamen?" „Wir haben doch schon so Probleme mit einem", sagte sie lachend. „Aber wenn du keinen Doppelnamen willst und er passt, warum nicht?" Severus schmunzelte. „Ja, da hast du wohl Recht. Also einen Doppelnamen wie Gracie Lou will ich auf keinen Fall. Aber einen Zweitnamen könnte ich mir durchaus vorstellen..." „Gut, so etwas meinte ich. Ein Zweitnamen wäre in Ordnung, wenn es ein guter ist." „Schön." „Hast du da auch schon eine Idee? Oder war es nur eine grundsätzliche Idee?" „Eine vage Idee, ja. Ich hatte als Zweitnamen möglicherweise Percival oder Wulfric angedacht, auch wenn es Namen gibt, die ich persönlich schöner finde..." „Heißt Dumbledore nicht so?" Fragend sah Amanda ihn an. „Mhm", bejahte Snape und drückte währenddessen sanft ihre Hand. „Das ist eigentlich eine schöne Idee. Aber Wulfric, finde ich, geht gar nicht. Percival ist schon besser. Würde auch ganz gut zu Christopher passen eigentlich." „Ja, ich tendiere auch eher zu Percival, muss ich gestehen", lächelte Severus und küsste Amanda dann kurz. „Freut mich, wenn meine Idee nicht auf Ablehnung stößt." „Nein, natürlich nicht. Finde es schön, nachdem was Dumbledore alles für uns getan hat." „Ja", entgegnete Severus. „Dann lassen wir das jetzt einfach mal sacken und überlegen uns, ob es bei Christopher Percival bleibt?" „Ich denke das wäre gut. Ich möchte das jetzt nicht entscheiden." „In Ordnung. Ich auch nicht zwingend. Immerhin ist es eine schwerwiegende Entscheidung, mit der unser Sohn sein Leben lang leben muss." „Genau und da ist es besser, wenn wir da einen Moment drüber nachdenken." Lächelnd gab Amanda Severus einen Kuss. „Allerdings", lächelte der zurück und küsste sie ebenfalls. „So. Und nachdem wir jetzt die Arbeit für diesen Abend erledigt haben, können wir guten Gewissens zum Vergnügen übergehen." Severus schmunzelte und küsste sie noch einmal intensiver und länger. „Was für ein Vergnügen meinst du denn nur?", wollte Amanda schmunzelnd wissen und erwiderte seinen Kuss innig. „Dreimal darfst du raten", raunte Snape zurück und küsste sie dann zärtlich am Hals.
Leise seufzte Amanda und streichelte Severus Körper entlang. Auch er seufzte leise und hielt einen Moment inne. Dann streichelte er ihr über die Wange und küsste sie sanft. „Ich liebe dich", flüsterte er schließlich leise, denn es war ihm gerade ein Bedürfnis, ihr das zu sagen. „Ich liebe dich auch", erwiderte sie leise und sah ihm in die Augen. „Es ist sehr schön, dass du da bist." „Ja. Ich bin auch froh, dass ich hier bin - hier bei euch." Amanda lächelte und gab ihm einen sanften Kuss auf den Mund und anschließend verteilte sie zärtlich einige auf seinem Hals. Severus genoss diese Zärtlichkeiten sehr, denn wer wusste schon, wann er wieder einmal in diesen Genuss kommen würde.
Wenig später zogen sich die beiden ins Schlafzimmer zurück und verbrachten noch einige innige gemeinsame Stunden, bevor Snape Amanda am nächsten Morgen auch schon wieder verlassen und seinen doch teilweise recht unliebsamen Pflichten nachgehen musste.
