Kapitel 47

~ Überfall ~

Ende Februar traf sich Amanda seit langer Zeit wieder einmal mit Alan. Da auch er immer wieder kleinere Aufgaben für den Orden übernahm und sonst viel los war im Ministerium, hatte Alan kaum Zeit für etwas anderes, auch wenn er das vor allem aufgrund von Amandas Schwangerschaft sehr bedauerte.

Während des Abendessens in Alans Wohnung, fiel Amanda öfter auf, dass dieser mit den Gedanken nicht wirklich bei der Sache war. Als sie schließlich mit dem Essen fertig waren und auf dem Sofa saßen, sprach Amanda ihn darauf an: „Was ist denn los mit dir? Du scheinst so abwesend."

„Oh, das tut mir Leid. Es geht um Leon. Sein Vater ist krank und seine Mutter kann sich nicht ausreichend um ihn kümmern. Dazu leben sie noch in einem kleinen Dorf, daher gibt es keine alternative Versorgungsmöglichkeit." Amanda tat es Leid dies alles zu hören. „Und du hast nun Angst, dass Leon zu ihnen geht für eine Weile?" Alan nickte. „Ja, vor allem aufgrund der Situation hier. Im Moment ist es nicht offensichtlich, aber es gibt immer mehr, vor allem im Ministerium, die ihre Abneigung gegen Homosexuelle immer deutlicher zeigen. Das wird noch gefährlich werden irgendwann. Eigentlich ist das aber auch schon mit ein Grund, warum ich es eigentlich gut finden würde, wenn Leon nach Spanien ginge. Doch…" „Du willst nicht alleine sein", beendete Amanda den Satz für ihn, worauf ihr Freund nur erneut nicken konnte. „Nein, will ich nicht, aber ich will ihn weder in Gefahr sehen, noch dass er deswegen seine Eltern vernachlässigt." „Das kann ich gut verstehen. Ist es wirklich schon so schlimm? Wie soll es erst werden, wenn die Todesser offen auftreten? Was ist mit dir? Bist du denn dann sicher? Kannst du dann noch arbeiten?" Alan holte tief Luft. „Ja, es ist schon deutlich spürbar, ganz anders als früher und auch von den Menschen ausgehend, die man auf der dunklen Seite vermuten würde. Ich weiß nicht was passiert, wenn es wirklich soweit ist, aber ich will mich nicht verstecken und deswegen weggehen. Es gibt zu viel was ich tun möchte gegen Du-weißt-schon-wen." Leise seufzte Amanda. „Ich würde auch gerne mehr tun, aber unter den gegebenen Umständen ist es leider nicht möglich. Severus ist jetzt schon halb panisch vor Sorge." „Zu Recht, Amanda. Wenn heraus kommt wer der Vater dieses Kindes ist, wird es für dich noch gefährlicher als es ohnehin schon für jemanden ist, der in der Winkelgasse arbeitet." Als Antwort grummelte Amanda nur leise vor sich hin. Den restlichen Abend kamen sie kaum auf ein anderes Thema, wenn sie auch hin und wieder durch erfreulichere Minuten unterbrochen wurden, wenn es um Amandas und Severus Sohn ging.

Dieses Treffen beschäftigte Amanda noch einige Tage und es machte ihr Sorgen, sich vorzustellen, dass Alan, wenn Leon weg war, ganz alleine sein würde. Als sie ihre Sorgen Severus berichtete, schlug dieser vor, dass Alan doch mit jemandem zusammenziehen sollte und da Amanda eigentlich genug Platz hatte, vielleicht sogar zu ihr, denn dann wären sie beide nicht alleine. Amanda wusste zunächst nicht, was sie von diesem Einfall halten sollte, doch vielleicht würde sie schon bald dafür dankbar sein, dass Severus diese Idee begrüßte.

Der hatte indes immer mehr Stress in Hogwarts zu bewältigen. Die Okklumentikstunden mit Harry Potter gingen ihm immer mehr auf die Nerven, weil dieser absolut nichts dafür tat, diese Kunst auch ernsthaft zu erlernen und auch Umbridge war zwischenzeitlich nicht untätig gewesen und machte fast jedem im Schloss das Leben schwer.

Der März neigte sich mittlerweile langsam dem Ende zu und Severus saß abends wieder einmal an seinem Schreibtisch um zu arbeiten, als es an seiner Tür klopfte. Äußerst missgelaunt, da erst gestern wieder einiges unschönes passiert war, bat er seinen unbekannten Besucher herein. Er rechnete schon mit dem Schlimmsten und das war für ihn momentan Umbridge, doch jemand ganz anderes trat ein – Lucius Malfoy. Verwundert sah Snape den Blonden an, denn er war durchaus überrascht ihn hier zu sehen, da er gerade überhaupt nicht mit ihm gerechnet hatte. „Lucius, was willst du hier?", schnarrte er ihn deshalb auch sofort und nicht gerade freundlich an, gebot ihm jedoch mit einer kurzen Handbewegung, sich zu setzen.

Malfoy, der abgehetzt aussah, strich sich eine Haarsträhne aus seinem Gesicht und näherte sich daraufhin Snapes Schreibtisch, blieb jedoch stehen und antwortete stattdessen auf dessen Frage. „Ich komme gerade direkt vom Dunklen Lord, Severus." Snape wurde hellhörig, ließ sich jedoch noch nichts anmerken. Stattdessen sah er Lucius lediglich mit hochgezogener und fragender Augenbraue an, ohne aber großartiges Interesse deutlich zu machen. Was würde jetzt kommen? „Ich habe dir versprochen, dir bei deiner persönlichen Rache zu helfen, das Feld freizuhalten", fuhr Lucius fort und sein Mundwinkel zuckte bei seinen Worten fast unmerklich sadistisch. „Und jetzt werde ich mein Versprechen einlösen."

Severus Körperspannung nahm bei diesen Worten sofort deutlich zu und seine Gesichtszüge wurden hart. „Komm zum Punkt Malfoy", raunzte er dann etwas ungeduldig, denn er wollte endlich wissen, was los war. „Ich habe meine Zeit nicht gestohlen!"

„Der Lord hat eine kleine Gruppe Neuer mit einem Mord beauftragt, um sie auf die Probe zu stellen. Das übliche Prozedere für den Einstand: kurz und gründlich", fuhr Lucius unbeirrt von Severus' Art fort. „Das Ziel heißt George Neil und arbeitet seit neuestem bei Felonwood. Die Neuen haben den heutigen Abend ins Auge gefasst, um ihren Auftrag zu erledigen und ich wurde gerufen, um sie zu kontrollieren."

Severus hatte sich bei Lucius letzten Worten langsam aus seinem Schreibtischsessel erhoben und starrte ihn nun mit kalten und alles durchdringenden Blicken an. „Wann?", wollte er schließlich sofort wissen, als Lucius eine kurze Pause machte, den nun war er wirklich alarmiert. „Ich dachte, du willst meine Aufgabe übernehmen und die Neuen kontrollieren – und vielleicht auch noch das eine oder andere mehr, wenn sich schon die Gelegenheit bietet", fuhr Lucius fort, zog kurz süffisant einen Mundwinkel hoch und sah dann auf seine Taschenuhr. „Sie werden jetzt schon in der Winkelgasse sein. Du solltest dich also beeilen. Man verliert irrsinnig viel Zeit, auf dem Weg hierher."

Malfoy hatte noch nicht ganz fertig gesprochen, da warf sich Snape auch schon seinen Reiseumhang über und ging Richtung Tür. Ihm war gerade fast schlecht vor Sorge um Amanda, auch wenn er nach außen hin eher so aussah, als ob er ihr gegenüber Mordgedanken hegte, doch die galten gerade, wenn überhaupt, ganz anderen Personen. „Du wirst deine Entscheidung nicht bereuen, Malfoy", sagte er dann nur noch mit einem kurzen Blick zu seinem Freund, bevor er die Tür aufriss und Sekunden später auch schon davon gerauscht war. Severus wusste, dass die Entscheidung, ihm diesen Auftrag abzutreten, nicht ohne Konsequenzen für Lucius bleiben würde, aber wie sie beide diese Tatsache dem Dunklen Lord erklären würden, darüber würde er später nachdenken müssen. Jetzt war zunächst einmal nur eins wichtig – Amanda und das Baby. Zwei Stufen auf einmal nehmend, hastete er die Kerkertreppen zum Hauptportal hoch, schickte von dort aus noch einen Patronus mit einer Nachricht zu Dumbledore und setzte schließlich in höchster Eile seinen Weg zur Apparationsgrenze fort. Er mochte gar nicht daran denken, was er in Kürze bei Felonwood vorfinden würde und ertappte sich dabei, wie er sich wünschte, dass die neuen Todesser ihren Auftrag gründlich und pflichtgemäß durchführen würden. Denn dann würde es Amanda vielleicht nicht einmal merken, bevor es für ihren Mitarbeiter zu spät und die Todesser schon wieder weg wären.

Während Severus sich gerade hektisch auf den Weg nach Hogsmeade machte, betrat Amanda Felonwood und war verwundert, niemandem im Verkaufsraum vorzufinden. „George?", rief sie nach ihrem neuen Mitarbeiter, erhielt aber keine Antwort. Langsam ging sie hinüber ins Lager und fand auch dort zunächst nicht den Grund für die fehlende Antwort. Doch noch bevor sie dazu kam sich richtig umzusehen, wurde sie schon durch etwas an eine Wand geworfen und konnte sich nicht mehr bewegen. Panisch versuchte Amanda sich umzusehen und entdeckte dann auch schon den Grund für ihre Paralysierung: zwei Todesser traten hinter einem Regal hervor, zerrten George mit sich und warfen ihn dann vor ihr auf den Boden.

„Da haben wir wohl noch Besuch bekommen", bemerkte einer der offensichtlich jungen Maskierten. „Aber dazu dann später", fügte er noch hinzu und sah George an. „Erst einmal sehen, was wir für den ihr tun können." Nach diesen Worten trat er Amandas Mitarbeiter in den Magen, welcher daraufhin aufstöhnte. Amanda wollte die beiden Anhänger Voldemorts anzuschreien, doch sie konnte ihrem Drang nicht nachkommen, denn noch immer war sie komplett bewegungsunfähig.

„Ich denke wir sollten uns hier etwas umsehen. So viele nette kleine Fläschchen sollten nicht ungenutzt bleiben, was meinst du?", wollte der zweite Todesser nun wissen. Der Erste lachte dreckig und nickte. „Oh jaaa…. Mal sehen was wir hier so haben."

Trotz ihrer Angst versuchte Amanda sich gegen den Lähmungszauber zu wehren, obwohl sie wusste, dass es eigentlich sinnlos war. Hilflos musste sie daher dabei zusehen, wie die Todesser eine Reihe von Substanzen zusammensuchten und schließlich in einer großen Flasche mischten. Es gab nichts was sie hätte tun können, um sie davon abzuhalten George zu zwingen, den Inhalt zu trinken. Die ganze Zeit hatte Amanda kaum einen Gedanken an die Gefahr verschwendet, in welcher sie sich gerade befand. Erst als George röchelnd auf dem Boden lag und sich unter Krämpfen wand wurde ihr bewusst, dass es nun sie war, auf die sich die Aufmerksamkeit richten würde. So war es dann schließlich auch…

Beide Todesser richteten nun ihren Blick auf Amanda und kamen auf sie zu. „Scheinbar sind wir nicht zu viert, sondern zu fünft", bemerkte einer der beiden, bevor der andere hinzufügte, während er den Fluch zumindest von Amandas Kopf nahm: „Aber auch das kann ja seinen Reiz haben." Er legte die Hände auf Amandas Bauch und fuhr dann langsam mit ihnen nach oben. Ohne wirklich zu wissen was sie da eigentlich tat, spuckte Amanda dem Todesser ins Gesicht und schrie ihn an: „Fass mich nicht an, verfluchter Mistkerl!"

Dieser sah sie einen kurzen Moment angewidert an, bevor er ausholte und ihr so heftig ins Gesicht schlug, dass sie trotz des Fluches in das nebenstehende Regal stürzte. Amanda schmeckte das Blut und spürte neben dem dumpfen Schmerz am Kopf auch die warme Flüssigkeit, die in ihren Nacken lief. „Mach sie doch nicht kaputt, bevor wir mit ihr fertig sind!", beschwerte sich der andere Todesser und während er George verächtlich mit dem Fuß zur Seite schob, kam er wieder auf Amanda zu, die ihn nun hilflos und panisch ansah.

Die Minuten, die Severus brauchte um zur Apparationsgrenze und von da aus zu Felonwood zu kommen, fühlten sich für ihn wie endlos lange Stunden an. Mittlerweile war er in einer Stimmung, in der er für nichts und niemanden mehr garantieren konnte, sofern die jungen Todesser seiner kleinen Familie etwas angetan hatten. Er würde sie ohne mit der Wimper zu zucken töten, wenn es sein musste.

Nahezu lautlos lief er eilig durch die nächtliche Winkelgasse. Kaum an der Tür Felonwoods angelangt, sah er sich noch einmal um, ob ihn auch keiner beobachtete, zog sich seine Todessermaske über und betrat schließlich mit gezogenem Zauberstab das Geschäft. Sein Herz schlug ihm vor Erregung wie wild in der Brust, doch nach außen hin schien er vollkommen ruhig zu sein. Severus lauschte kurz und atmete dann noch einmal tief durch, um sich noch mehr zu beruhigen, dann ging er entschlossenen Schrittes und mit steinerner Miene Richtung Lager, aus dessen Richtung er Geräusche vernahm.

Amanda merkte nicht dass jemand das Geschäft betrat, denn sie wurde gerade an ihrer Robe auf die Füße gezogen und gegen eins der Regale gedrückt. Während der eine Todesser sie erneut betatschte, stand der zweite nur grinsend daneben. Verzweifelt versuchte sie sich zu wehren, doch der Fluch hinderte sie noch immer daran. Schließlich sah sie wie ein dritter Todesser den Raum betrat und hätte sie nicht schon zuvor Angst gehabt, hätte sie es spätestens jetzt getan, denn dieser Mann wirkte eindeutig bedrohlicher als die anderen beiden.

Severus ganze Erscheinung wurde noch bedrohlicher und einschüchternder als sonst, als er sah, was im Lager von Felonwood vor sich ging und was die beiden Grünschnäbel mit Amanda machten. Sein Zauberstab richtete sich augenblicklich auf das kleine Grüppchen, während aus seinen Augen eine nie gesehene Boshaftigkeit blitzte. Vermutlich durch Amandas noch ängstlicheren Blick wurde nun auch die Aufmerksamkeit der jungen Todesser auf den gerade Eingetretenen gelenkt. „Oh...", brachten beide nur beinahe gleichzeitig hervor, ohne zu wissen wen sie da vor sich hatten.

Severus' Augen waren für einen Moment durch den Raum gehuscht, um nach dem eigentlichen Opfer dieses Besuchs zu suchen, doch sie kehrten augenblicklich zu den beiden jungen Männern zurück, als diese einen Laut von sich gaben. „Was geht hier vor?", zischte er sie beide äußerst bedrohlich an, während seine mörderische Präsenz nun immer deutlicher wurde. Einer der Todesser warf einen Blick auf den inzwischen in Schweiß gebadeten, röchelnden George und sah dann Snape an, von dem er inzwischen wusste wer er war. Ihm war klar, dass sie nun in Schwierigkeiten waren. „Das Weib da kam dazwischen", versuchte er sich herauszureden. Amanda war so schockiert von allem, dass sie Severus noch nicht erkannt hatte. „Schweig!", fuhr ihm Snape sofort herrisch über den Mund, als einer der beiden eine Rechtfertigung abzugeben versuchte. „Präzise und schnell lautete der Auftrag. Das", Snape deutete mit einer ruckartigen Handbewegung auf den nach Atem ringenden George am Boden, bevor er weiterfauchte, „ist weder präzise, noch schnell!" Sein Inneres bebte gerade vor Hass gegen die beiden jungen Männer ihm gegenüber und er hatte Mühe, es nicht offensichtlich werden zu lassen. Offenbar hatten diese beiden Idioten alle Tränke, die ihnen gerade in die Hände gefallen waren, dem armen Kerl verabreicht, der sich nun in Todesqualen auf dem Fußboden wand und dem auch nicht mehr zu helfen war. Und was sie alles mit Amanda gemacht hatten, daran wollte er gerade gar nicht denken, sonst bestünde wirklich noch die Gefahr, dass er sich vor ihren Augen vergessen und ihre Peiniger auf der Stelle töten würde.
Severus blitzte die zwei jungen Todesser wütend an, dann richtete er seinen Zauberstab auf George und einen grünen Lichtblitz später hörte sein Körper auf zu zucken. Völlig ungerührt von dieser kurzen Unterbrechung sprach Snape kurz darauf bedrohlich weiter. „Der Dunkle Lord wird von eurer Inkompetenz erfahren und jetzt raus!"

Eigentlich noch mehr erschrocken, erkannte Amanda Severus nun schließlich doch an der Stimme und starrte eine ganze Weile wortlos auf den nun toten George, bevor sie Severus etwas genauer ansah. War er das wirklich? Wieso war er hier? Es machte ihr Angst ihn so zu erleben, fast mehr, als das Verhalten der anderen beiden. Derjenige von ihnen, welcher zuvor geschwiegen hatte, war es nun, der Snape widersprach: „Und was ist nun mit der Frau und dem dunklen Mal? Wir können doch nicht einfach so gehen." „Darum werde ich mich kümmern und jetzt raus! Unnützes Pack!" Unmissverständlich deutete Snape nun mit der freien Hand zum Durchgang Richtung Verkaufsraum und blitzte die beiden Jüngeren mit seinen schwarzen, kalten Augen auffordernd an. Dies war nun auch endlich eine ausreichende und allzu deutliche Aufforderung, so dass die beiden jungen Männer zügig das Geschäft verließen und Amanda und Severus alleine zurückließen. Amanda stand indes noch immer gelähmt an dem Regal, sah Severus sehr erschrocken an und wusste nicht was sie sagen sollte oder könnte.

Dieser sah nun das erste Mal wirklich Amanda an und eine erneute und noch viel stärkere Welle des Hasses überkam ihn wie ein Schwall Wasser als er sah, was die beiden Todesser, die gerade gegangen waren, Amanda angetan hatten. Er ließ den Zauberstab sinken und zog sich die Maske vom Kopf und noch während er sie in seinem Umhang verschwinden ließ, fiel der ganze Hass wieder von ihm ab und machte einem neuen Gefühl Platz, das noch viel quälender war - Angst und Sorge um Amanda und ihr Kind.
Schweigend glitt Severus Blick für kurze Zeit noch einmal über Amanda, dann löste er mit einem Wink des Zauberstabs ihre Lähmung auf, die er jetzt erst bemerkte. „Ich kann nicht lange bleiben, Amanda", begann er dann sofort zu reden und kaum hatte er begonnen, sprudelte es geradezu aus ihm heraus. Er ging einen Schritt auf sie zu, war aber nicht fähig sie in den Arm zu nehmen, da er sich gerade zu schmutzig und zu sehr als Todesser fühlte, als dass er sie berühren wollte und konnte. Stattdessen sah er sie nur eindringlich und voller Sorge an und redete weiter. „Ruf die Auroren sobald ich weg bin und versprich mir, dass du dann sofort zum Arzt gehst und danach nach Hause!"

Noch zu erschrocken um zu widersprechen sah Amanda ihn nur schweigend an und nickte. Die Situation war in diesem Moment einfach zu viel und noch immer zu beängstigend, als das sie hätte etwas sagen können. „Ich werde nachkommen und nach dir sehen, sobald ich kann", sprach Severus erneut und es fiel ihm sichtlich schwer, Amanda nun verlassen zu müssen. „Ruf... Ruf deinen Vater oder Riley wenn du daheim bist und es dir hilft", fügte er dann noch an, in der Hoffnung, dass ihr das eine Hilfe sein würde, solange sie auf ihn warten musste. „Und erwähne den Auroren gegenüber nicht meinen Namen."

Snape seufzte, während sein besorgter Blick noch einmal über Amandas Gesicht und ihren Bauch glitt. Er wollte nicht gehen, aber es war höchste Zeit. Wenn er Pech hatte, waren die Auroren schon von anderer Seite alarmiert worden und standen im nächsten Augenblick im Raum. „Ich muss jetzt gehen", sagte er dann, wie um sich selbst damit motivieren zu können, es auch zu tun. Erneute nickte Amanda nur und glaubte dabei kaum, dass sie großen Wert auf Gesellschaft legen würde, geschweige denn die Kraft aufbringen könnte, um zum Arzt zu gehen. Kurz fiel ihr Blick auf George, doch lange konnte sie ihn nicht so reglos am Boden liegen sehen. Was hatte er nur getan? „Vergiss nicht, nach dir und dem Baby schauen zu lassen", wiederholte Snape noch einmal, da ihm Amandas Gesundheit und natürlich auch die des Babys nach diesem Vorfall sehr am Herzen lagen. Dann richtete er den Zauberstab Richtung Decke und murmelte Morsmordre. „Tut mir leid, dass du das mit ansehen musstest", sagte er dann noch in ihre Richtung, als er den Zauberstab wieder sinken ließ, dann eilte er schleunigst Richtung Ausgang, bevor er wirklich noch von ungebetenen Gästen überrascht werden würde. Kaum im Freien angekommen, apparierte er auch schon und war verschwunden.

Nun hieß es, sich eine glaubhafte Geschichte für den Dunklen Lord auszudenken, in der Lucius möglichst gut weg kam und die beiden jungen Todesser möglichst schlecht. Wenigstens diese Form der Rache würde ihm nicht verwehrt bleiben, dachte sich Snape, als er sich viele Kilometer weiter wieder rematerialisierte.

Einige Minuten starrte Amanda Severus nur hinterher, bevor sie sich einen Ruck gab und zum Kamin hinüberging, um das Ministerium zu informieren. Die Minuten, welche sie schließlich warten musste, kamen ihr wie Stunden vor, während ihr Kopf immer stärker brummte und ihr Blick immer wieder auf den toten George fiel. Sie wagte nicht irgendetwas zu berühren, denn wer wusste schon genau, ob die Auroren und anderen Ministeriumsmitarbeiter ihr glauben würden. Schließlich hatte sie genügend schlechte Erfahrungen gemacht, was das betraf, auch wenn in diesem Fall das dunkle Mal hoffentlich Zeichen genug war.

Die Auroren und die Mitglieder der Abteilung für Strafverfolgung machten zunächst einen riesigen Aufstand, als bestünde die Gefahr, dass die Täter noch anwesend waren, obwohl sie schon über zehn Minuten benötigt hatten, um zu Felonwood zu gelangen. Amanda erklärte in einigen kurzen Sätzen was geschehen war und auch wenn sie sah wie einige sorgenvolle Blicke auf das dunkle Mal warfen, so wurde doch immer wieder von den Tätern und nicht von Todessern geredet, auch wenn Amanda das stets betont hatte.

Lange blieben die Auroren nicht, denn für sie schien es nicht viel zu tun zu geben, da das dunkle Mal ein ums andere Mal übergangen wurde. Die Mitarbeiter der magischen Strafverfolgung fotografierten alles und nahmen George mit ins Ministerium, wohin Amanda trotz Protest folgen musste. Dort angekommen kümmerte sich erst kurz ein Heiler um sie und nachdem ihre Wunden versorgt waren und er auch sichergestellt hatte, dass es dem Kind gut ging, wurde Amanda in ein ihr allzu bekanntes Verhörzimmer gebracht und sehr viel länger als ihr lieb war zu dem Geschehenen befragt. Eigentlich wollte sie zurzeit niemanden sehen, mit keinem reden und schon gar nicht hier im Ministerium von ignoranten Stümpern befragt werden, aber was blieb ihr anderes übrig? Als sie sich schließlich auf den Weg nach Hause machen konnte, waren über zwei Stunden vergangen, seitdem Severus Felonwood verlassen hatte. Nun, da sie im Dunkeln vor ihrer Haustür stand und langsam die Flüche von dieser aufhob und aufschloss, fühlte sie sich erneut wie gelähmt. Wie in Zeitlupe betrat sie das Haus und schloss die Tür hinter sich.

Nachdem Severus mit Lucius eine Taktik abgesprochen hatte, erstatteten sie gemeinsam dem Dunklen Lord über den Vorfall Bericht. Dieser war zwar nicht sonderlich erfreut darüber, dass Snape einfach Malfoys Auftrag übernommen hatte, doch Severus gelang es mit Bravour den Ärger des Dunklen Lords von sich und Lucius auf die jüngeren Männer abzulenken, indem er ihm in aller Deutlichkeit vor Augen führte, dass die Neuen alles andere als konsequent ihre Aufgabe erfüllt hatten.

Nach etwa zwei Stunden war Severus endlich mit allem fertig und einigermaßen mit dem Ausgang der Sache zufrieden. Der Zorn des Dunklen Lords hatte sich ihm und Lucius gegenüber in Grenzen gehalten, dafür konnte er sich darauf verlassen, dass die Sache für die beiden Neuen noch nicht ausgestanden war. Dennoch war Snape noch alles andere als beruhigt, denn er wusste noch nicht wie es Amanda ging und so wollte er nun so schnell als möglich zu ihr, um sich wenigstens ein paar Stunden um sie und das Kind kümmern zu können. Doch als er bei ihrem Haus ankam, war alles noch dunkel und es schien niemand zuhause zu sein.

Sofort wieder in höchster Alarmbereitschaft und äußerst besorgt machte sich Severus daran, die Banne von der Haustür zu nehmen und betrat schließlich die Wohnung. Er rief Amandas Namen und sah im ganzen Haus nach ob sie irgendwo war, doch weder fand er sie, noch antwortete irgendjemand. War sie etwa noch immer in der Winkelgasse? Wurde sie noch von den Auroren oder der magischen Strafverfolgung befragt? So lange? Oder war ihr vielleicht auf dem Heimweg etwas passiert? Unruhig lief Snape im Haus umher, dann fasste er den Entschluss, das Risiko einzugehen und noch einmal in die Winkelgasse zu apparieren, um aus sicherer Entfernung nachzusehen, ob bei Felonwood noch Betrieb war. Er konnte nicht untätig hier bleiben und warten. Er löschte wieder das Licht im Wohnzimmer und ging im Dunkeln Richtung Tür, doch noch bevor er sie erreicht hatte, schwang diese plötzlich auf und jemand trat herein. Reflexartig zog Snape seinen Zauberstab und richtete ihn auf sein Gegenüber, doch nahezu gleichzeitig keimte in ihm die Hoffnung auf, dass es vielleicht Amanda war und er fragte, innerlich weiter angespannt, nach. „Amanda?"

Vor Schreck über die plötzliche Ansprache im dunklen Flur zog Amanda scharf die Luft ein und erhob ihren Zauberstab, doch beinahe im gleichen Moment realisierte sie, dass es nur Severus war, der dort vor ihr stand. „Ja…", bestätigte sie so nur ruhig und erleichtert. Severus atmete hörbar und ebenfalls erleichtert aus, als er die Bestätigung hatte, dass es Amanda war und machte Licht, bevor er seinen Zauberstab wieder wegsteckte. „Merlin sei Dank!", sagte er dann noch, während er spürte, wie die Anspannung und Sorge wieder langsam von ihm abfiel. „Geht es dir gut?", wollte Amanda mit monotoner Stimme von ihm wissen, während sie sich noch immer im Dunkeln den Umhang auszog. „Die Frage ist doch, wie es dir geht - und deinem Bauch", antwortete Severus, sah sie fragend an und kam etwas auf sie zu. „Mir geht es gut, alles in Ordnung." Noch immer schaffte Amanda es nicht sich zu einem normalen Tonfall durchzuringen, so dass es sich kaum verbergen ließ, dass nicht alles in Ordnung war. „Das ist es nicht Amanda und das weißt du genauso wie ich", entgegnete Severus ruhig. Dabei klang er nicht vorwurfsvoll, sondern vielmehr fürsorglich und besorgt. „Ja, aber ich kann auch nichts daran ändern." Sie seufzte leise und ging dann an ihm vorbei ins Wohnzimmer.

Severus seufzte leise als sie ihn passierte, sah ihr nach und blieb noch einen Moment stehen, dann folgte er ihr. Er spürte, dass es ihr nicht gut ging, aber gleichzeitig wusste er nicht was er dagegen tun konnte. Er wollte sie in den Arm nehmen, doch andererseits fühlte er sich zu schmutzig dafür. Sie hatte ihn als Todesser erlebt und das hinterließ ein sehr ungutes Gefühl in ihm. „Kann ich irgendetwas für dich tun?", wollte er schließlich von ihr wissen, als er die Wohnzimmertür hinter sich geschlossen hatte. „Ein Bad einlassen vielleicht? Oder... Soll ich dich alleine lassen?" Die letzte Frage fand nur widerwillig den Weg über Snapes Lippen, doch wenn er Amanda damit helfen konnte, würde er auch das tun, obwohl er gerade lieber ein wachsames Auge auf sie haben wollte.

Inzwischen hatte sie sich auf das Sofa gesetzt und sah auf, als Severus sie ansprach. „Nein, schon gut, bleib hier." Amanda wusste einfach nicht was sie oder jemand anderes tun könnte, damit es ihr besser ging. Sie fühlte sich so leer und vieles erschien nun so sinnlos. „Soll ich uns einen Tee machen?" Snape trat ans Sofa und sah sie fragend an. Irgendwie konnte er gerade nicht tatenlos herumsitzen, da sonst nur seine völlige Rat- und Hilflosigkeit offensichtlich werden würde. Amanda nickte nur schweigend, nicht zwingend weil sie wirklich Tee wollte, sondern vielmehr, weil sie keine Kraft hatte zu widersprechen. Eigentlich war ihr klar, dass Severus ihr nur helfen wollte, doch sie wusste nicht wie und konnte sich nicht zusammenreißen, um es ihm einfacher zu machen.

Severus fasste ihr Nicken als Ja auf und ging daraufhin schweigend in die Küche, um Tee aufzusetzen. Während das Wasser kochte stützte er sich wartend mit beiden Händen auf die Anrichte und schloss für einen Moment die Augen, wie um das Grauen und die Gefühle wieder loszuwerden, die ihn die letzten Stunden erfasst hatten. Als der Tee fertig war, stellte er alles auf ein Tablett und trug es schließlich zurück ins Wohnzimmer. Dort angekommen stellte er alles auf den Tisch, schenkte zwei Tassen ein und setzte sich dann neben Amanda auf die Couch. Schweigend lehnte sich diese an ihn. Sie brauchte seine Wärme und Nähe um zumindest für einige Momente die sich immer wiederholenden Bilder des Geschehenen zu verdrängen. Snape zögerte noch einen Moment, doch dann legte er doch seinen Arm um sie und nahm sie in den Arm. Wenn sie schon von sich aus seine Nähe suchte, dann sollte sie sie natürlich auch bekommen.

„Sie haben mir nichts geglaubt", sagte Amanda schließlich nach einer ganzen Weile. „Wer? Die vom Ministerium?", fragte Snape mit gedämpfter Stimme nach, als sie wieder zu sprechen begann. „Ja... Die Auroren waren nur sehr kurz da und auch sonst alle anderen schienen lieber einen Raubmord oder so etwas sehen zu wollen, als das was es war." Sie sprach für sich selbst überraschend ruhig und gefasst, auch wenn sie sich nicht gerade besser fühlte. Severus verzog ein wenig die Lippen, wie zu einem kurzen, bitteren Lächeln, dann antwortete er. „Das war zu erwarten, dass es so läuft. Ich hab dir erzählt, dass an den wichtigen Stellen im Ministerium völlige Ignoranz herrscht." Nach kurzem Schweigen fuhr er fort. „Warst du trotzdem die ganze Zeit im Ministerium? Ich habe mir Sorgen gemacht, weil du nicht hier warst, als ich gekommen bin."

„Bei Felonwood hat es ziemlich lange gedauert. Es musste ja alles... und ja, dann war ich im Ministerium die ganze Zeit. Tut mir leid, dass du warten musstest", fügte sie schließlich noch leise an. „Du musst dich nicht entschuldigen", sagte Severus ruhig und schwieg dann wieder einen Moment. Dann sah er sie fragend und eindringlich an, bevor er fortfuhr: „Warst du auch beim Arzt? Ich will sicher gehen, dass es euch gut geht." „Es war ein Heiler da und er hat gesagt, es wäre soweit alles in Ordnung. Ich soll in ein paar Tagen noch einmal nachsehen lassen." „Gut. Sehr gut", antwortete Snape leise und es war zu hören, dass er über diese Nachricht sehr erleichtert war. Dann fiel sein Blick erneut auf den blutigen Kragen ihrer Robe, den er schon bei Felonwood bemerkt hatte und er presste ein wenig die Lippen aufeinander. Wieso hatte er ihr das nicht alles ersparen können? „Dein Kragen ist blutig", sagte er dann, fuhr ihr mit der Hand vorsichtig in den Nacken und sah sie an. „Ja, ich weiß." Sie griff sich selbst in den Nacken und fühlte die Kruste an ihrem Kragen und das verklebte Blut in ihren Haaren. „Ich hab mir an dem Regal den Kopf angestoßen", sagte sie schließlich noch zur Erklärung. „Der Heiler hat es hoffentlich versorgt", entgegnete Snape, strich ihr über den Nacken und machte dann Anstalten, alles noch etwas genauer anzusehen. „Ja hat er, es ist alles in Ordnung. Es war nur ein kleiner Riss." Sie wusste es würde Severus beruhigen, wenn er selbst nachsehen konnte und so ließ sie ihn gewähren. Das tat dieser auch, dann wandte er sich wieder an Amanda. „Es tut mir leid, dass ich das alles nicht verhindern konnte." Diese schüttelte nur den Kopf. „Du kannst nun wirklich nichts dafür und hast dein Bestes getan und ich bin sehr froh, dass du da warst." Sie wagte nicht ihre Ängste zu äußern was wohl sonst passiert wäre. „Es gibt nur eine Person, die Schuld daran hat und das weißt du." „Ja, du hast Recht", entgegnete Snape leise und streichelte ihr dann kurz über den Bauch, wie um selbst zu spüren, dass alles in Ordnung war. „Ich war auch froh, dass ich da war und das Schlimmste verhindern konnte. Ich... hatte schon sehr lange keine solche Angst mehr", fügte er dann noch an und seine Gedanken wanderten für einen kurzen Moment Jahre in die Vergangenheit und zu Lily. Amanda seufzte leise. „Es tut mir leid. Ich wollte dich nicht so erschrecken." So gut es ging umarmte sie Severus nun und vergrub ihr Gesicht an seiner Schulter. Der drückte sie sanft an sich und strich ihr durch die Haare. „Du kannst ja nichts dafür. Dafür ist wieder nur einer verantwortlich", flüsterte er. „Ich bin so froh, dass dir und dem Kind nichts passiert ist - nichts Schlimmes." „Ich auch", sagte sie leise. Im Moment konnte Amanda noch nicht mehr sagen, denn sonst hätte sie sich vermutlich überhaupt nicht mehr beruhigen können, würde sie nun die ganze Angst zulassen, die sie verspürt hatte.

Severus küsste sie kurz auf die Stirn. „Ich würde mich jetzt gern duschen oder baden. Willst du mit?", fragte er dann leise, allerdings völlig ohne sexuelle Hintergedanken. Er wollte sich und Amanda nur die Möglichkeit geben, den jeweils anderen jetzt nicht alleine lassen zu müssen. „Vielleicht ist das ganz gut. Duschen würde mir aber reichen." Irgendwie konnte sie gerade nicht mit Severus baden, das würde zu viel Nähe bedeuten, doch nicht alleine duschen zu müssen würde sie davon abhalten, zu viel nachzudenken. „Dann komm." Auf seine Worte hin löste sich Severus von ihr und auch ihm war es gerade lieber zu duschen, denn noch immer fühlte er sich nicht ganz wohl in seiner Haut. „Gehen wir duschen."

Amanda saß nach dem Duschen schon angezogen auf dem Bett, während Severus noch im Bad war. Langsam wurde ihr immer bewusster was passiert war, wie knapp es auch für sie gewesen war und wie zufällig, dass Severus hatte kommen können, um ihr zu helfen. Es dauerte nicht lange, dann kam auch dieser ins Schlafzimmer. Schweigend setzte er sich zu ihr und sah sie an. An was dachte sie gerade? „Warum warst du da?", wollte Amanda schließlich leise wissen. Severus lächelte ein wenig, dann antwortete er mit ruhiger Stimme. „Lucius hat mich über die Sache in Kenntnis gesetzt und mir seinen Auftrag überlassen. Eigentlich hätte er die Neuen kontrollieren müssen." „Kontrollieren... hm... Aber was erwarte ich auch als Bewährungsaufgabe für einen Todesser?" Es klang ungewollt vorwurfsvoll, auch wenn dieser Vorwurf nicht gegen Severus gerichtet war. Dieser schwieg auf ihre Worte hin, obwohl ihm ihr Ton nicht entging, aber was sollte er schon groß darauf antworten? Er hatte sich das System nicht ausgedacht und er konnte es auch nicht ändern. Er konnte nur versuchen das Beste daraus zu machen und das hatte er bisher getan. Severus war froh, dass Lucius wirklich zu seinem Wort gestanden hatte und dass es ihm tatsächlich gelungen war, ihn ohne sein Wissen für die gute Sache - seine gute Sache - arbeiten zu lassen, doch das behielt er im Moment lieber für sich. Eine Weile saßen sie schweigend nebeneinander, bevor Amanda schließlich das Wort ergriff. „Ist in Hogwarts und bei dir soweit alles in Ordnung?" „Wie man's nimmt", entgegnete Severus und sah sie wieder an. „Umbridge hat dafür gesorgt, dass Sybill - Professor Trelawney", verbesserte er sich zum besseren Verständnis, „jetzt nicht mehr unterrichtet. Sie wollte sie schon von der Schule werfen und einen ministeriumskonformen Nachfolger einstellen, aber da das nur dem Schulleiter obliegt, hat Dumbledore interveniert. Jetzt ist sie bis auf weiteres freigestellt und ein Zentaur aus dem Verbotenen Wald hat ihren Posten übernommen. Das wäre nur eins der Dinge, die in Hogwarts vorgefallen sind, in letzter Zeit."

„Das dürfte dieser Umbridge doch auch nicht wirklich gefallen, oder? Also der Zentaur. Aber schön, dass Dumbledore zumindest dort etwas tun konnte." „Nein. Ihr gefällt das ganz und gar nicht, dass Dumbledore den Rausschmiss noch verhindern und einen Nachfolger bestimmen konnte", antwortete Snape ein wenig nachdenklich. „Ich fürchte, dass das auch noch nicht das Ende ihrer Intrigen war. Sie macht fast allen im Schloss das Leben immer mehr zur Hölle." „Darfst nicht neidisch sein, dass sie dir deinen Posten abgelaufen hat", meinte Amanda spitz und musste dann doch ein wenig schmunzeln. Kurz sah Severus sie irritiert an und zog fragend eine Augenbraue in die Höhe, dann verstand er ihre Anspielung und einer seiner Mundwinkel folgte der Augenbraue. „Mit Sicherheit nicht", entgegnete er schließlich. „Das ist wohl auch besser." Leise seufzte Amanda. „Ich hoffe, sie bringen es seinen Eltern schonend bei", wechselte sie dann plötzlich das Thema.

Severus atmete hörbar aus, denn durch ihre Worte wurden auch seine Gedanken wieder auf den toten jungen Mann und die Tatsache gelenkt, dass er ihn schlussendlich von seinen Qualen vor Amandas Augen erlöst hatte. „Das kann ich dir nicht sagen", antwortete er schließlich ruhig. „Nein natürlich nicht und egal wie, es wird kaum einfacher werden dadurch." „Nein, bestimmt nicht. Ich will nicht in der Haut der Eltern stecken." „Ich auch nicht", sagte sie dann leise, wieder daran erinnert, in welch großer Gefahr auch ihr Kind noch vor kurzer Zeit geschwebt hatte. „Ich bin froh, dass euch nichts passiert ist", wiederholte sich Severus noch einmal und sah Amanda an. Heute Abend war wirklich sein schlimmster Alptraum nahezu wahr geworden und er war wohl noch nie so froh gewesen, das Wörtchen nahezu benutzen zu dürfen. Amanda konnte nur nicken. Langsam fühlte sie, wie sie müde wurde, auch wenn es ihr sonst nicht wirklich besser ging und sie sich noch wie gelähmt fühlte. „Du siehst müde aus." „Ich glaube aber nicht dass ich schlafen kann." „Du könntest es wenigstens versuchen." Severus legte sich während seinen Worten bequem hin und hielt dann einen Arm von sich, um Amanda einzuladen, sich an ihn zu kuscheln, wenn sie wollte. Dankbar nahm diese seine Aufforderung an und schmiegte sich in seinen Arm. „Kannst du bleiben?" „Ich werde einfach", antwortete Severus leise. „Ich will euch heute Nacht nicht alleine lassen." „Danke", sagte Amanda leise, hielt seinen Arm mit beiden Händen fest und schloss seufzend die Augen. „Nichts zu danken", flüsterte Snape, drückte sie sanft und küsste sie kurz auf die Haare. „Schlaf gut." Amanda nickte und auch wenn sie zunächst geglaubt hatte, nicht schlafen zu können, schlief sie wenig später ein. Severus hingegen blieb noch lange wach und dachte nach. Erst gegen Morgen fiel auch er in einen leichten Schlaf.