Kapitel 48

~ Einige Gespräche ~

Amanda schlief zwar mehr, aber sehr unruhig. Daher war sie am Morgen, kurz nachdem Severus eingeschlafen war, schon früh wach. Lange Zeit lag sie nur auf dem Rücken, starrte an die Decke und versuchte erneut wenig erfolgreich sich bewusst zu machen, was am Vorabend geschehen war. Irgendwann, bedingt auch durch ihren inzwischen wirklich rundlichen Bauch und die Beule am Hinterkopf, konnte Amanda nicht mehr liegen und drehte sich zunächst auf die eine und dann doch auf die andere Seite, auf der Suche nach einer bequemen Position.

Als sich Amanda derart unruhig im Bett herumwälzte, wurde Severus wieder aus seinem leichten Schlaf gerissen. Er seufzte leise und blinzelte, bevor er richtig die Augen öffnete, um nachzusehen, ob mit ihr alles in Ordnung war. Amanda bemerkte, dass Severus wach war und sah ihn an. „Schlaf ruhig weiter, ich wollte dich nicht wecken." „Ich glaub nicht, dass ich das noch mal kann", murmelte der daraufhin noch verschlafen, dann streckte er seine Hand nach ihr aus. „Alles in Ordnung?" Sie ergriff seine Hand und kuschelte sich an ihn. „Ja, alles in Ordnung. Denke ich zumindest. Soweit es geht." „Schön." Severus lächelte, dann rückte er noch näher zu ihr, um sie richtig in den Arm nehmen zu können. „Und wie hast du geschlafen?" „Unter den Umständen ganz gut. Und du?" Amanda befürchtete, dass es bei Severus etwas anders aussah. „Wenig, aber das ist nicht so tragisch. Hauptsache ihr habt gut genug geschlafen." Er küsste sie kurz und strich ihr über den Bauch. Wenn er ehrlich war, konnte er sich mittlerweile gar nicht mehr vorstellen, ohne die Tatsache zu leben, dass er bald Vater wurde. Deshalb war es ihm äußerst wichtig, dass es Amanda und somit auch seinem Sohn möglichst gut ging. „Ich glaub der Kleine schläft eher jetzt als in dem Moment wo ich geschlafen hab", meinte Amanda dann und schmunzelte kurz. Severus musste ebenfalls schmunzeln. „Hauptsache er schläft", sagte er dann und küsste sie noch einmal. Anschließend sah er ihr kurze Zeit schweigend einfach nur in die Augen.

„Na du kannst das leicht behaupten, da du durch seine Gehversuche ja nicht vom Schlafen abgehalten wirst", erwiderte sie nur neckisch. „Ich verspreche dir, dass er mich dann abhalten darf, wenn er außerhalb vom Bauch seine Gehversuche startet." Amanda musste dann doch lachen. „Gut… Ich werde es mir merken." „Tu das." Severus grinste, denn er war froh, dass er Amanda etwas ablenken und aus ihren trüben Gedanken holen konnte. „Und? Schon Lust auf Frühstück?" „Eigentlich nicht so... Tut mir leid." Entschuldigend sah sie ihn an, auch wenn der fehlende Hunger sie selbst überraschte, nachdem sie seit dem vergangenen Mittag nichts mehr gegessen hatte. „Du solltest aber demnächst trotzdem etwas essen. Ich bringe es dir ausnahmsweise sogar ans Bett, wenn du willst", lächelte Severus. Er hatte zwar auch selbst keinen richtigen Appetit und verstand auch Amandas Appetitlosigkeit, aber dennoch war es nicht gut, wenn sie nichts aß. „Nein, das ist lieb, aber das brauchst du nicht. Eine Kleinigkeit wäre aber vielleicht wirklich ganz gut, du hast vermutlich Recht." Amanda seufzte leise und fühlte sich seltsam, so als wäre sie aus einem Traum noch nicht richtig erwacht. „Dann gehe ich jetzt das Frühstück machen und du kannst derweil ins Bad, wenn du willst." „Du brauchst gar nicht viel machen, Severus. Bitte, mach dir keine Mühe. Ich möchte nur einen Tee und ein Brot oder etwas Ähnliches." „Ich mach dir alles, was du willst." Er küsste sie kurz. „Du musst nur sagen, auf was du gerade am meisten Lust hast." „Gar nichts?" Ein wenig ratlos und schief lächelnd sah sie ihn an, bevor sie schließlich langsam aufstand. Der dicke Bauch machte das jetzt schon nicht mehr ganz so einfach. „Marmelade wäre vielleicht noch am Besten." „Also gut, dann Marmeladenbrot und Tee", entgegnete Severus und stand dann auch auf. „Dann bin ich mal in der Küche."

Amanda nickte und sah ihm kurz nach. Eine Weile stand sie noch im Zimmer herum, bevor sie ins Bad ging um sich zu waschen und anzuziehen. Danach ging sie zurück ins Schlafzimmer und setzte sich noch einen Moment auf das Bett. Noch immer war ihr so, als müsste sie alles erst realisieren. Severus machte indes in der Küche Frühstück und deckte den Tisch. Da er selbst auch keinen allzu großen Hunger hatte, fielen die Vorbereitungen geringer als gewöhnlich aus und so war er auch schon recht bald fertig. Da Amanda noch nicht erschienen war, wollte er sie holen gehen oder ihr zumindest Bescheid geben, dass alles fertig war, sollte sie vielleicht gerade noch im Bad sein. Also ging Snape zurück ins Schlafzimmer.

Amanda sah auf, als sie von seinem Eintreten aus ihren Gedanken gerissen wurde. „Oh, du bist schon fertig?", wollte sie leise wissen und stand dann auf. „Ja. Der Tisch ist gedeckt", antwortete Snape und sah sie dabei forschend an. Die ganze Sache schien sie noch immer sehr zu beschäftigen und das machte ihm Sorgen, denn er wusste nicht, was genau sie so nachdenklich stimmte und wie er damit umzugehen hatte. „Danke, dann lass uns doch runter gehen." Zumindest jetzt war sie versucht sich möglichst normal zu verhalten, auch wenn sie wusste, dass das kaum möglich sein würde. „Ja", antwortete Severus noch, dann machte er kehrt und ging etwas in Gedanken versunken schon einmal voraus. Ob er sie direkt darauf ansprechen sollte? Aber eigentlich wäre es ihm lieber, wenn sie von alleine mit reden anfinge...

Schweigend folgte ihm Amanda und setzte sich schließlich mit ihm an den Küchentisch. Ein Weile aßen sie still, bevor sie das Wort ergriff: „Mein Vater hat vorgestern die Wiege vorbeigebracht. Ich fand es ja etwas früh, aber er hat gesagt besser jetzt als zu spät." Sie wollte sich nicht die ganze Zeit mit Severus anschweigen, aber auch nicht über den vorherigen Abend sprechen, also war dieses, eigentlich doch schöne Thema, die beste Wahl. „Gut. Damit hat er auch Recht, finde ich", entgegnete Snape. „Wie geht es ihm?" „Gut denke ich. Er hat nichts anderes gesagt und ich hoffe nicht nur, damit ich mir keine Sorgen mache." „Bestimmt nicht", antwortete Severus, auch wenn er sich in diesem Punkt nicht allzu sicher war. Die Tatsache, dass Amanda gerade Carl erwähnte, ließ ihn wieder an etwas denken, worüber er schon heute Nacht, als er nicht schlafen konnte, nachgedacht hatte. Er sollte einmal mit Carl reden...

„Hoffentlich. Ich bin mir irgendwie auch noch immer nicht sicher, welches der beiden Zimmer besser ist, aber das hat zum Glück doch noch ein wenig Zeit." „Ich denke, am Anfang, solange er noch klein ist, wird das auch noch ziemlich gleichgültig sein." „Vermutlich ja, aber mir nicht." Amanda lächelte Severus an. Der lächelte ein wenig zurück. „Dann hast du ja noch Zeit zu überlegen", entgegnete er dann und schenkte sich noch Tee nach. „Ich denke auch ja. Wie lange kannst du denn bleiben?" Sie sah ihn etwas traurig an, da sie nicht wollte, dass er schon ging. Severus lächelte, als er ihren Blick bemerkte. Die Abscheu gegen ihn, die er schon befürchtet hatte, konnte also nicht so groß sein, wenn sie wollte, dass er blieb. „Solange ich kann und bis spätestens Montagmorgen", antwortete er dann, schränkte jedoch gleich noch etwas ein. „Allerdings sollte ich noch einmal Dumbledore kontaktieren, wenn ich so lange außer Haus bleibe." „Du kannst so viel mit ihm reden wie du möchtest, solange du hier bleibst. Das wäre wirklich schön." Amanda aß etwas widerwillig das letzte Stück von ihrem Brot und trank anschließend einen Schluck Tee. Auch wenn sie zunächst keinen Hunger gehabt hatte, fühlte sie sich nun doch besser. „Glaub mir, ich werde mein möglichstes versuchen", entgegnete Severus. Amanda konnte sich sicher sein, dass er gerade nichts lieber tun würde, als das ganze Wochenende bei ihr zu bleiben, sie zu umsorgen und auf sie aufzupassen. Und auch Amanda wünschte sich gerade sehr, dass Severus bleiben konnte und sie nicht allein sein musste.

Schweigend aßen beide zu Ende und räumten anschließend die Küche wieder auf, bevor sie gemeinsam ins Wohnzimmer gingen. Kaum hatten sie es sich auf dem Sofa gemütlich gemacht, klingelte es jedoch an der Tür. Severus atmete hörbar aus und es klang ein wenig genervt. „Erwartest du jemanden?" „Nein, eigentlich nicht. Ich hoffe es kommt niemand vom Ministerium." Amanda stand auf, um zu öffnen. „Das hoffe ich auch", entgegnete Severus und erhob sich ebenfalls. Allerdings nicht um Amanda zu folgen, sondern um möglicherweise sofort verschwinden zu können, falls es Besucher waren, die ihn besser nicht hier sehen sollten. Was er allerdings in diesem Moment noch nicht wusste, war, dass Albus Dumbledore vor der Tür stand und im Grunde gerade ihn suchte. Amanda gab ihm einen kurzen Kuss auf die Wange. „Hoffe, wir sehen uns gleich noch." Mit diesen Worten ging sie in den Flur und öffnete die Tür und war mehr als überrascht, dort Dumbledore zu finden. „Das hoffe ich auch", entgegnete Snape nur noch, dann wartete er in sicherer Entfernung und lauschte, wer an der Tür war.
Dumbledore lächelte wie immer recht gut gelaunt als sich die Tür öffnete, auch wenn ihn eher die Sorge hergetrieben hatte. „Ah! Guten Morgen Miss Brown! Wie schön sie unversehrt zu sehen! Schön, schön", wiederholte er noch einmal in seiner leicht zerstreuten Art. „Darf ich?", wollte er gleich darauf unverblümt wissen und machte eine Gestik, die auf das Eintreten ins Haus hindeutete. Er wollte die Dinge, die ihn eigentlich herführten, nicht vor der Haustür klären. „Natürlich..." Amanda trat einen Schritt zur Seite und war noch immer verwundert ihn zu sehen. „Vielen Dank!" Dumbledore trat ein und wartete, bis Amanda die Tür geschlossen hatte. Derweil erkundigte er sich noch nach dem Baby: „Ich hoffe, auch ihrem Kind geht es gut?"

Es dauerte nicht sehr lange, bis Severus, der noch immer im Wohnzimmer war, erkannte, dass der ungebetene Besucher an der Tür Dumbledore war. Was wollte er hier? Hoffentlich war er nicht gekommen, um ihm zu sagen, dass er dringend nach Hogwarts zurückzukommen hatte, weil es irgendwelchen Ärger hab. Aber würde er Amanda dann so ausfragen? Mit einem etwas beklemmenden Gefühl öffnete Snape schließlich die Wohnzimmertür, um in den Flur zu gehen. „Ja, vielen Dank. Sicher sind sie aber nicht deswegen gekommen, oder?", antwortete Amanda derweil Dumbledores Fragen, dann sah sie auch schon Severus den Flur betreten. „Schön", entgegnete der Schulleiter noch, bevor auch er den Tränkelehrer sah. „Ah, da ist ja auch schon der, den ich suche", er schmunzelte noch einmal kurz in Amandas Richtung, dann trat er auf Severus zu.

„Wie ich sehe, warst du noch rechtzeitig", sagte er dann an ihn gewandt. „Hm", brummte Severus lediglich, denn er wusste nicht, ob man es wirklich so nennen konnte. Der Junge war immerhin tot und Amanda war auch nicht ohne Blessuren davongekommen. Dumbledore sah ihn forschend an. „Den Jungen hättest du nicht retten können, das weißt du, Severus", sagte er dann in ruhigem Ton und fügte dann noch an: „Das was dir am Wichtigsten ist, scheint mir unversehrt." Severus erwiderte den Blick des alten Mannes, auch wenn er wusste, dass dieser ihn gerade auszuleuchten versuchte und er das im Grunde verabscheute. „Ich will das Wochenende über hier bleiben", wechselte er dann das Thema, ohne weiter auf die Worte des Schulleiters einzugehen. Der nickte daraufhin bedächtig, dann ergriff er erneut das Wort. „Ich würde gerne kurz mit dir reden, Severus. Unter vier Augen, wenn möglich." „Dann lass uns in die Küche gehen", erwiderte dieser und deutete auf eine Tür, ohne allerdings Anstalten zu machen, diese auch zu öffnen. Stattdessen sah Severus zu Amanda, wie um sich zu vergewissern, ob es in Ordnung war, dass er kurz mit Dumbledore alleine reden würde und sie alleine ließ. „Geht doch ruhig ins Wohnzimmer, es ist schließlich auch noch Tee da. Ich gehe solange nach oben", sagte Amanda freundlich und ging in Richtung Treppe. „Gut. Ich komme gleich nach", antwortete Severus, dann sah er kurz erneut Dumbledore an und ging schließlich voraus nah nebenan. Dort führten er und der Schulleiter eine kurze Unterredung, die allerdings nach etwa zehn Minuten auch schon wieder beendet war.

Danach begleitete Snape Dumbledore noch zur Tür, bevor er sich schließlich auf den Weg nach oben und zu Amanda machte. Er war froh, dass der Schulleiter Verständnis dafür hatte, dass er den Wunsch verspürte, das Wochenende hier bei seiner Familie zu verbringen und dass er ihm diesen Wunsch auch gewähren würde, solange nichts Ungewöhnliches dazwischen kommen würde.

Amanda war in ihrem Arbeitszimmer und sah ihre Zutaten durch oder versuchte es zumindest. Es war schwierig sich zu konzentrieren, vor allem weil sie sich Gedanken darüber machte, was Dumbledore mit Severus zu besprechen hatte. Der klopfte indes jedoch schon am Schlafzimmer und als er Amanda dort nicht vorfand, ging er weiter zum Arbeitszimmer.

„Oh, ihr seid schon fertig? Alles in Ordnung?" Amanda sah Severus an, als er eintrat. Der lächelte und kam zu ihr. „Ja, alles in Ordnung." „Etwas Wichtiges?" „Ich bleibe das Wochenende über hier. Wichtig genug?" Severus schmunzelte und legte Amanda seine Hände auf die Schultern. „Es ist schön, dass du bleibst." Lächelnd sah sie ihn an und lehnte ihren Kopf an seinen Bauch. „Wollen wir vielleicht nachher noch nach draußen gehen?" „Gerne. Es soll schön werden heute", antwortete Severus und massierte Amanda kurz sanft. „Gut... Wollen wir dann gleich los?" Sie wand sich etwas aus seinen Händen und sah ihn an. „Wenn du willst", antwortete er und ließ von ihr ab. Zusammen gingen sie schließlich wieder nach unten, zogen sich für einen Spaziergang an und verließen das Haus.
Nachdem sie eine Weile schweigend nebeneinander hergelaufen waren und jeder seinen eigenen Gedanken nachgehangen hatte, versuchte Severus ein neues Gespräch zu beginnen. „Hast du seit deinem letzten Treffen noch einmal was von Riley gehört?" „Nur kurz. Er war bei Felonwood um etwas zu kaufen. Leon scheint nun wirklich bald nach Spanien zu gehen." „Hm", brummte Severus. Dann fuhr er nach einem kurzen Moment des Schweigens fort: „Vielleicht solltest du wirklich mit ihm zusammenziehen, Amanda. Oder vielmehr er zu dir." Der Gedanke, dass Amanda mit einem anderen Mann zusammenwohnen würde gefiel Snape zwar nicht sonderlich, aber unter den gegebenen Umständen wäre es sicherlich von Vorteil, wenn sie nicht alleine wohnen würde. Abgesehen davon ließ sich Alan von allen Männern noch am besten tolerieren, da er ohne Zweifel schwul war. Bei dieser Idee schwieg Amanda eine Weile. Diese Sache hätte Vor- und Nachteile und noch war sie nicht sicher was überwiegen würde. „Ja, vielleicht", sagte sie nachdenklich. „Aber für wie lange? Das kann kaum eine Dauerlösung sein..." Sie hatte durchaus Angst zu sehr eingeschränkt zu werden und wollte durch das Zusammenleben auch nicht ihre Freundschaft mit Alan aufs Spiel setzen. „Was lässt dich noch zögern?", wollte Severus wissen und sah sie kurz fragend an, bevor er wieder vor sich auf den Weg blickte. „Ich weiß nicht für wie lange. Solange es nötig ist, oder solange ihr es miteinander aushaltet." „Eigentlich ist das schon der Punkt. Ich möchte es nicht mit ihm aushalten und ich will mich nicht mit ihm zerstreiten. Ich weiß nicht... Wenn das Baby da ist, ist auch gar nicht mehr so viel Platz im Haus und ich weiß nicht ob ich mich so einschränken möchte, oder wirklich auf einen Mitbewohner Rücksicht nehmen will, denn es ist ja schon etwas anderes, als wenn du zum Beispiel da wärst. Oh, und das ist schon der nächste Punkt eigentlich..." Amanda holte Luft und sah Severus von der Seite an. Grundsätzlich wusste sie, dass es vernünftig wäre, aber eine andere Regelung wäre ihr sehr viel lieber. „Was ist der nächste Punkt?" Severus blieb stehen und sah sie an, denn so ganz konnte er ihr gerade nicht folgen. „Was wäre, wenn ich zu Besuch käme?" Er seufzte leise, dann sprach er weiter. „Ich habe leider nicht die Hoffnung, dass es in nächster Zeit häufiger sein wird, als es momentan der Fall ist, Amanda. Und Angesichts der gestrigen Vorkommnisse, auch wenn mir der Gedanke selber nicht wirklich gefällt, halte ich es für durchaus sinnvoll, wenn du nicht alleine wohnen würdest. Riley würde daraus auch Vorteile ziehen und es ist dein Haus, also wird vor allem er sich anpassen müssen." „Aber gerade weil du so wenig Zeit hast herzukommen, ist es mir wichtig, dass wir die auch gemeinsam nutzen können und ich will weder Alan rausschmeißen noch ihn dann immer dabei haben und das hat nichts mit meiner Zuneigung zu ihm zu tun. Außerdem kann ich wohl kaum erwarten, dass er sich mir komplett anpasst. Wenn, dann wohnen wir gemeinsam und jeder muss auf den anderen Rücksicht nehmen, egal wessen Haus es ist, sonst würde es ja nie funktionieren. Ich weiß doch, dass es sinnvoll wäre. Zumindest eigentlich." Amanda seufzte, vermutlich war sie noch zu aufgewühlt, um die Sache rational betrachten zu können. Zurzeit fühlte sie sich davon vor allem eingeschränkt. „Glaub mir, ich könnte mir auch besseres vorstellen, als Riley im Nebenzimmer, wenn wir gemeinsam schlafen, aber nichts desto trotz finde ich, dass es mehr Vorteile als Nachteile birgt, wenn er zu dir zieht - gerade weil ich nicht oft bei dir sein kann. Überleg es dir, Amanda und frag auch ihn. Wenn er es sich nicht vorstellen kann, dann hat sich die Sache ohnehin erledigt." Nach diesen Worten setzte Snape seinen Weg langsam wieder fort. Kurz blieb Amanda noch stehen, bevor sie Severus folgte. „Ja, vielleicht hast du Recht", sagte sie dann leise und nicht so als wäre sie wirklich davon überzeugt. Severus schwieg auf ihre Worte hin, denn mehr als sagen, dass sie darüber nachdenken sollte und dass er es gutheißen würde, konnte er nicht. Er konnte sie schließlich nicht dazu zwingen, ihr Haus mit jemandem anderen zu teilen.

Es dauerte noch eine Weile, bis sie wieder zu Hause angekommen waren. Amanda hatte nicht mehr viel gesagt in dieser Zeit und auch Severus hatte weitestgehend geschwiegen. Da es draußen doch noch recht kalt gewesen war, tranken sie gerade im Wohnzimmer Tee, als Amanda aus der Küche eine Stimme hörte. Verwundert was das sein könnte und vermutend, dass es jemand im Kamin war, ging sie nach nebenan um nachzusehen. Tatsächlich war es ihr Bruder, welcher auf der Arbeit von dem Zwischenfall bei Felonwood gehört hatte und sich nun erkundigen wollte, ob alles in Ordnung war. Amanda bestätigte das nur knapp und als ihr Bruder ungewöhnlich fürsorglich fragte, ob er nicht eventuell besser vorbeikommen sollte, lehnte sie dankbar und möglichst höflich ab. Bevor sie sich jedoch verabschiedete erkundigte sie sich noch nach Sarahs Wohlergehen, denn ihr Kind musste bald zur Welt kommen und nachdem sie hörte, dass alles in Ordnung war, ging Amanda zurück ins Wohnzimmer.

„Das war David", sagte sie seufzend, als sie sich wieder neben Severus gesetzt hatte. „Ah", merkte dieser an und stellte dann fest: „Erfreulich zu hören, dass er auf die Idee gekommen ist, sich zu erkundigen, wie es dir geht." „Ja, ist es", sagte Amanda ruhig. „Sandra geht es gut. Es ist wohl bald soweit." „Schön. Ich bin ja wirklich schon gespannt, wie sich dein Bruder als Vater macht." Bei diesen Worten nahm er sich einen der Kekse, die sie sich zum Tee bereitgestellt hatten. „Ja ich auch, aber ich denke er wird sich schon gut schlagen. So wie du auch." Sie lächelte ihn an. „Vielen Dank für das Vertrauen, das du in mich hast", entgegnete Severus und deutete ein Lächeln an. „Ich werde mein Bestes tun und hoffe, dass ich weder dich noch meinen Sohn enttäuschen werde." „Nein, das wirst du ganz sicher nicht. Ich werde auch zum ersten Mal Mutter musst du bedenken und wir werden das beide schon gut machen." „Im Gegensatz zu mir kommst du aber aus einer intakten - halbwegs intakten – Familie", schränkte Snape ein, denn für ihn war das ein bedeutender Unterschied, den er nicht einfach unter den Teppich kehren konnte. Amanda hatte als Kind sicherlich keine häusliche Gewalt erlebt, auch wenn ihre Eltern sich heute nicht mehr gut verstanden, ganz im Gegensatz zu ihm. Er wünschte sich nichts sehnlicher, als seinem Sohn ein besserer Vater sein zu können, als es sein eigener für ihn selbst gewesen war. Aber ob er das auch wirklich schaffen würde, dessen war sich Severus noch immer nicht sicher.

Im Gegensatz dazu hatte Amanda keine Zweifel an Severus Vaterfähigkeiten, zumindest nicht mehr als an ihren eigenen als Mutter. „Das wird für uns beide mehr als genug sein, mach dir keine Sorgen. Kinder fangen doch auch klein an und sind nicht gleich in der Pubertät." Aufmunternd lächelte sie ihn an. Es war schon erstaunlich wie sehr sie Christopher von all den schlimmen Ereignissen ablenken konnte und das obwohl er noch lange nicht auf der Welt war. Severus lächelte flüchtig auf ihre Worte hin. „Ich vermute, jedes Alter hat seine Tücken. Ich kann jedenfalls nur hoffen, dass du Recht hast." „Ich hoffe das auch und gehe auch davon aus, dass jedes Alter nicht so ganz einfach ist." „Dann sind wir uns wenigstens in diesem Punkt einig", scherzte Snape, dann trank er einen Schluck Tee. „In welchen denn nicht?" „Na, zum Beispiel darin, dass ich ein guter Vater sein werde. Ich bin der Zweifler und du der Optimist. Ich denke, in diesem Punkt könnte mehr Einigkeit herrschen. Aber vielleicht irgendwann..." „Bestimmt irgendwann", sagte Amanda und streichelte langsam über ihren Bauch. Es war keineswegs so, dass sie sich sicher war, das alles wirklich zu schaffen, denn es gab schließlich kaum eine größere Verantwortung als ein eigenes Kind zu haben, dennoch war sie, wie Severus richtig gesagt hatte, optimistisch und hoffte, dass alles funktionieren und sie glücklich werden würden. Severus sah kurz auf ihren Bauch, als sie darüber strich. „Alles in Ordnung?" „Ja natürlich. Alles in Ordnung. Mach dir keine Sorgen." „Gut." Er lächelte kurz, dann griff er wieder nach seinem Tee und trank etwas, da er nicht wusste, was er weiter sagen sollte. Eigentlich wollte Amanda noch etwas sagen, allerdings wurde sie von einem Klingeln unterbrochen. „Herrje, was ist denn heute los?", fragte sie leicht genervt und stand dann auf, um zur Tür zu gehen. Auch Severus gab einen Laut des Missfallens von sich, als er zum zweiten Mal an diesem Tag die Türklingel hörte. Hoffentlich war es diesmal wieder jemand vor dem er nicht flüchten musste, dachte er sich und erhob sich ebenfalls von der Couch.

Langsam ging Amanda zur Tür und öffnete. Erleichtert stellte sie fest, dass es nur ihr Vater war, welcher sie besorgt ansah. „Amanda! Schön, dass es dir gut geht! Bin ich erleichtert!" Carl seufzte und betrat dann das Haus. „Bist du alleine?" Seine Tochter schüttelte den Kopf. „Nein, Severus ist hier und es ist alles in Ordnung, wirklich." „Das ist gut." Ihr Vater lächelte sie froh an. „Komm doch herein, wenn du möchtest." Amanda führte ihren Vater ins Wohnzimmer und bat ihn sich zu setzen. Auch Severus war froh als er hörte, dass es Carl war, der ihnen einen Besuch abstattete, denn so konnte auch er bleiben. Da er erwartete, dass Amanda ihren Vater hereinbeten würde, blieb er zunächst im Wohnzimmer. Seine Vermutung gab ihm kurze Zeit später auch Recht, denn einen Wortwechsel später trat Mr. Brown auch schon durch die Tür, dicht gefolgt von seiner Tochter.

Severus nickte kurz begrüßend, als Carl ihn ansah, dann ergriff er schließlich noch das Wort. „Hallo Carl." „Hallo Severus, schön dass du hier bist." Carl setzte sich nach diesen Worten in den Sessel, während Amanda noch eine Tasse holte und ihm Tee einschenkte. „Ja", entgegnete Snape und setzte sich ebenfalls wieder, bevor er sich nach Carls Befinden erkundigte, um ein unangenehmes Schweigen zwischen ihnen zu vermeiden während Amanda weg war. „Jetzt wieder gut, muss ich sagen. Ich bin erleichtert, nachdem was ich vor einigen Minuten gehört habe. Wie sieht es in Hogwarts aus? Terrorisiert Umbridge noch immer alle?" Amanda setzte sich nun schweigend neben Severus und sah ihren Vater an.

„Ja, schlimmer denn je. Mittlerweile ist es so weit gekommen, dass Trelawney ihren Posten verloren hat und nun jemand anderes Wahrsagen unterrichtet." „Dann hoffe ich, dass das bald ein Ende hat und die Leute im Ministerium endlich vernünftig werden." Amanda lachte bitter auf, denn nachdem was sie am Vorabend dort erlebt hatte, sah es nicht wirklich danach aus. „Das wäre äußerst wünschenswert, aber ich glaube, vorher muss erst noch der große Knall kommen, bevor manche Leute aufhören, ihren Augen vor dem Offensichtlichen zu verschließen", entgegnete Severus ernüchtert. Carl nickte. „Scheinbar ist das so. Amanda, geht es eurem Baby auch gut?" „Ja, es ist alles wie es sein sollte." „Wie konnte das denn nur passieren?", wechselte Carl plötzlich doch wieder das Thema zurück zu dem Überfall. Amanda sah nach dieser Frage zunächst erschrocken Severus an, bevor sie schließlich leise antwortete: „Ich weiß es nicht, sie waren einfach plötzlich da."

Snape war ein wenig irritiert als Amanda ihn derart ansah, denn er wusste nicht genau, aus welchem Grund. Wollte sie nicht darüber reden, oder wollte sie, dass er die Frage beantworten sollte? Doch ihm war es eigentlich gerade lieber, zu diesem Thema zu schweigen, vor allem auch weil er sich durch Carl erhoffte, dass Amanda endlich darüber reden würde. Wenn schon nicht mit ihm, dann wenigstens doch mit ihrem Vater. „Dafür muss es doch einen Grund gegeben haben." Carl sah Amanda forschend an. Es war nicht so, dass er sie triezen wollte, doch wusste er nicht was genau passiert war und wie groß der Schock für sie gewesen war. Diese zuckte nur leicht mit den Schultern. „Ich weiß es nicht." Dann sah sie zu Boden, denn sie wollte nicht noch weiter daran erinnert werden.

Severus seufzte leise, als Amanda weiterhin dicht machte. Er konnte ja verstehen, dass ihr der Schrecken noch tief in den Gliedern saß, aber andererseits war er auch überzeugt davon, dass es ihr besser gehen würde, wenn sie den Tatsachen einmal in die Augen geblickt und sie ausgesprochen hatte. Ihm selbst war der Gedanke an das Geschehene auch alles andere als angenehm, aber er wusste damit umzugehen - zumindest was den Tod des jungen Mannes anging. Mit der Tatsache, dass Amanda ihn als Todesser erlebt hatte, hatte auch er noch seine liebe Not und die würde ihn wohl auch so schnell nicht wieder loslassen.

Als Severus seufzte sah Amanda ihn erneut kurz an. Wieso tat er das? Wollte er dass sie mehr erzählte und war genervt, dass sie es nicht tat? Ihr Blick wurde einen Moment vorwurfsvoll bevor sie wieder ihren Vater ansah. „Geor... Scheinbar hat er etwas getan, was zu dieser Tat geführt hat und ich kam nur zufällig hinzu." „Und du weißt nicht was es sein könnte? Ich hätte gedacht, dass du dir deine Mitarbeiter gut ausgesucht hast, damit so etwas nicht passieren kann." Überrascht über diesen Vorwurf sah sie ihren Vater an. „Ich habe mir meine Mitarbeiter gut ausgesucht und nein ich habe keine Idee, was er getan haben könnte", entgegnete sie merklich gereizt.

Severus schwieg weiter und hob bei ihrem Blick lediglich fragend die Augenbraue. Wieso sah sie ihn jetzt so vorwurfsvoll an? Weil er nichts gesagt hatte? Oder hatte sie sein Seufzen falsch aufgefasst? Doch als Carl Amanda den Vorwurf machte, sie hätte ihren Mitarbeiter nicht sorgfältig genug ausgesucht, mischte er sich doch noch in das Gespräch ein. „Du kannst Amanda keinen Vorwurf machen, Carl. Oder wenn du es tust, dann mir gleich mit! Immerhin hatte ich auch ein Auge auf die Bewerber geworfen und hielt diesen George Neil für geeignet." Carls Augen wandten sich nun an Severus. „Ja, aber irgendetwas muss er doch getan haben", sagte er inzwischen ein klein wenig aufgebracht. Daraufhin stand Amanda auf und sah ihren Vater an. „Hat er mit Sicherheit, aber ich weiß es nicht und es ändert auch nichts an dem was geschehen ist und egal was es war, es rechtfertigt in keinem Fall, diesen –" Sie zögerte einen Moment. Noch immer konnte sie es nicht aussprechen, denn eigentlich wollte Amanda nicht wahrhaben, dass George tatsächlich tot war und dass es am Ende Severus gewesen war, der ihn getötet hatte. „Diese Tat", fügte sie schließlich noch hinzu.

„So wie wir alle irgendwas getan haben", entgegnete Snape auf Carls Worte hin etwas schärfer als gewöhnlich. „Er oder seine Familie wird sich im Widerstand befunden haben. Todesser war er jedenfalls mit Sicherheit nicht, sonst hätte ich ihn wohl kaum abgesegnet!" Severus wollte noch weiter sprechen, doch als er Amandas Worte hörte, blieben ihm seine irgendwie im Halse stecken, da ihn die ihren unangenehm berührten. So vermied er es auch, Amanda in diesem Moment anzusehen und griff stattdessen nach seiner Tasse Tee, um einen Schluck zu trinken.

„Das habe ich auch gar nicht gemeint", verteidigte sich Carl. Es lag eigentlich überhaupt nicht in seiner Absicht einen Streit zu beginnen oder jemandem Vorwürfe zu machen. Er hatte sich lediglich große Sorgen gemacht und war daher noch aufgewühlt. Stirnrunzelnd sah Amanda ihn an. „Was hast du denn dann gemeint? Was willst du denn wissen? Reicht es dir nicht, dass es mir gut geht?! Du weißt doch was passiert ist. Was möchtest du dann noch von mir wissen?" Fragend sah sie ihn an. „Es tut mir Leid, Amanda. Ich habe mir Sorgen gemacht. Ich hätte dir keine Vorwürfe machen dürfen und sie waren wirklich nicht so gemeint." Versöhnlich sah Carl seine Tochter an, welche gerade aber ganz andere Dinge im Sinn hatte. „Dann hättest du sie dir auch gleich sparen können!" „Es tut mir doch Leid", wiederholte Carl seine Entschuldigung, dann fiel ihm doch noch etwas ein, was er bisher nicht verstanden hatte. „Und sie haben dich dann einfach in Frieden gelassen? Einfach so? Oder was ist passiert, dass du so unversehrt entkommen konntest?" Er sprach so einfühlsam, wie es seine aufgewühlte Gemütslage zuließ. Daraufhin setzte sich Amanda langsam wieder. „Nein, nicht ganz", sagte sie dann leise. „Sondern?" Fragend sah ihr Vater sie an.

„Ich bin gekommen und habe Schlimmeres verhindert", mischte sich Severus nun wieder in die Unterhaltung ein. Seine Stimme klang ruhig, aber seltsam tonlos, denn auch er dachte nicht gern an den gestrigen Tag zurück und an die furchtbaren Minuten der Ungewissheit, bis er bei Felonwood angekommen war und Amanda noch lebend vorgefunden hatte.

Nicht weniger verwundert sah Amandas Vater nun Severus an. „Woher wusstest du das? Es war doch schließlich kaum Zufall oder?" „Dad, bitte. Kannst du es nicht einfach auf sich beruhen lassen? Severus war da und diese Tatsache hat mir sicherlich das Leben gerettet und das sollte dir vollkommen reichen!" „Reg dich doch bitte nicht so auf, Amanda. Ich meine es doch nicht böse." „Sag du mir nicht ich soll mich nicht aufregen!" Erneut erhob sich Amanda. „Während du dir bloß Sorgen machst, habe ich George gestern beim Sterben zugesehen, ohne dass ich das Geringste daran hätte ändern können!" Deutlich aufgebracht verließ sie die Sitzgruppe und ging in die Küche. Sie brauchte gerade etwas Abstand, wenn sie nicht vollkommen die Fassung verlieren wollte.

Als Amanda aus dem Raum flüchtete, seufzte Severus erneut leise und rieb sich kurz mit der rechten Hand die Stirn. Es fiel ihm gerade alles andere als leicht, mit der Situation umzugehen. Am liebsten wäre nun auch er aufgestanden und Amanda hinterher gelaufen, doch irgendwie hatte er das Gefühl, dass sie das gerade nicht wollte und auch Carl konnte er kaum eine Antwort schuldig bleiben. Er war immerhin Amandas Vater und hatte ein Recht darauf zu erfahren, was genau geschehen war. Vielleicht war es ihm dann auch möglich besser mit seiner Tochter zu reden und ihr beizustehen. Immerhin war das Wochenende bald vorüber und wer wusste schon, wann er, Severus, dann wieder einmal von Hogwarts weg konnte, um nach Amanda zu sehen. „Nein, es war kein Zufall", entgegnete er schließlich ruhig und sah Carl erneut an. „Ich habe es von Lucius erfahren. Er war bei mir und hat mir seinen Auftrag abgetreten."

Verwundert richtete Carl seinen Blick erneut auf Severus, nachdem er besorgt Amanda nachgesehen hatte. „Wie kommt Lucius Malfoy denn zu so einer Tat? Ich bezweifle mal, dass so etwas üblich ist." Amanda hingegen hatte kurz aus einem der Küchenfenster gestarrt bevor sie sich auf einen Stuhl sinken ließ. Dank ihres Vaters fühlte sie sich nun wieder fast so schlecht wie am vorherigen Abend, auch wenn er es sicherlich eigentlich gut gemeint hatte. Ein kurzes, zufriedenes Lächeln umspielte derweil Snapes Gesicht und seine Augen funkelten ein wenig, bevor er antwortete. „Sagen wir, ich habe ihn so manipuliert, dass es meinen Zwecken dienlich ist. Mit den richtigen Mitteln lässt sich auch ein Malfoy zu Freundschaftsdiensten herab." Kurz nickte Mr. Brown. „In diesem Fall wohl nur von Vorteil. Vielen Dank, Severus." „Allerdings", entgegnete dieser. „Nichts zu danken. Ich habe versprochen mein Möglichstes zu tun, um Amanda und jetzt auch das Baby zu schützen - und zum Glück hatte ich bisher auch Erfolg damit." Seine letzten Worte fügte Severus in einem nachdenklichen, fast schon bedrückten Tonfall hinzu, denn wenn jemand wusste, wie scharf sie gestern an einer Katastrophe vorbeigeschrammt waren, dann er. Zustimmend nickte Carl, denn er wollte sich nicht einmal vorstellen, was wäre, wenn einem seiner Kinder etwas zustoßen sollte oder inzwischen auch einem ihrer Partner. „Ich frage mich dauernd was ich mehr tun könnte, um sie zu schützen. Amanda, David und natürlich nun auch ihre Familien. Aber vielleicht muss ich auch akzeptieren, dass sie keine fünf mehr sind." Carl seufzte leise und nachdenklich.

„Es gibt schon etwas, das du noch tun könntest...", entgegnete Severus verheißungsvoll, denn es war schließlich auch schon sein Gedanke gewesen, mit Carl über weitere Schutzmaßnahmen zu reden. Dass er das nun von sich aus ansprach, kam Snape durchaus gelegen. „Ja? Was denn? Ich kann schließlich nicht dauernd hinter beiden herlaufen und auf sie aufpassen." Fragend sah er Severus an. „Nein. Aber ich habe die letzte Nacht schon darüber nachgedacht, ob es nicht sinnvoll wäre, das Haus hier und vor allem alle die sich darin befinden noch zusätzlich mit dem Fidelius-Zauber zu schützen. Dazu bräuchten wir allerdings einen Geheimniswahrer." Severus schwieg einen Moment und sah Carl in die Augen. „Ich würde es selbst tun, aber mir wäre es lieber, wenn du diese Aufgabe übernehmen könntest. Was Amanda allerdings von der ganzen Sache hält, weiß ich noch nicht. Ich habe noch nicht mit ihr darüber gesprochen." „Mich würde das in jedem Fall sehr beruhigen, vor allem wenn das Baby schließlich da ist und auch David und Sandra hätten zur Not eine sichere Zufluchtsstätte. Ich könnte mir aber vorstellen, dass Amanda nicht sonderlich begeistert sein wird." Snape nickte. „Das war auch mein Gedanke. Zur Not könnten auch andere hier Zuflucht finden." Dann seufzte er leise. „Ja, das ist leider auch meine Befürchtung. Sie wird denken, man will sie nur noch weiter in ihren Freiheiten einschränken, dabei ist das überhaupt nicht meine Absicht. Ich will nur sicher gehen, dass ihr nichts passiert und die Möglichkeiten sind einfach noch nicht ausgereizt." „Ja vermutlich, aber ich denke das wäre eine gute Lösung und Amanda sollte da vernünftig sein und es zulassen." Carl sprach etwas bestimmter als gewollt, denn es kam eben hin und wieder doch der Vater durch.

„Du würdest dich also bereit erklären, das Geheimnis zu bewahren?" „Ja, das würde ich. Natürlich." Für Carl gab es, was das betraf, keinen Grund lange darüber nachzudenken, denn schließlich gab es für ihn nichts Wichtigeres als seine Kinder. „Gut. Dann sind wir uns hoffentlich auch einig darüber, dass so wenige Personen wie möglich das Geheimnis anschließend auch erfahren..." Severus sah Carl forschend an, denn das war ein Punkt, der ihm äußerst wichtig war. Jede Person mehr war ein erhöhtes Risiko. „Natürlich, sonst würde es schließlich kaum Sinn machen", sagte Carl ruhig. Amanda indes hatte sich inzwischen einigermaßen gefasst, erhob sich wieder vom Küchentisch und schenkte sich noch ein Glas Milch ein. „Schön. Meine Rede", entgegnete Snape derweil Carl. „Dann werde ich bei Gelegenheit einmal mit Amanda darüber sprechen und dir Bescheid geben, wenn es soweit ist." „Gut. Ich hoffe, sie wird es einsehen."

„Was soll ich einsehen?", fragte Amanda, als sie wieder ins Zimmer kam. Severus drehte sich um anstatt zu antworten, als er plötzlich wieder Amandas Stimme im Raum vernahm. „Wir haben gerade darüber gesprochen, das Haus zusätzlich mit einem Fidelius-Zauber zu schützen. Es würde optimale Sicherheit garantieren und das nicht nur für dich, sondern zur Not auch für deinen Bruder, seine kleine Familie und deine Eltern", beantwortete er dann ihre Frage mehr oder weniger. „Ich bin doch kein Asyl", reagierte Amanda gereizt. Wollten inzwischen alle über ihr Leben und ihren Freiraum bestimmen? Sie setzte sich trotzdem neben Severus. „Es wäre auch nur im Ernstfall, der hoffentlich nie eintreten wird, Amanda", konterte Snape nicht minder bissig, denn das Thema war ihm zu wichtig, als dass er in diesem Punkt um des Friedens Willens klein bei gab. „Du kannst deiner Familie dann natürlich auch den Zugang verweigern - es ist schließlich dein Haus. Für mich ist es völlig zweitrangig, wer sich im Notfall sonst noch hier befindet, solange du mit unserem Sohn keinen Fuß vor die Tür setzt!" „Es ist schon gut. Vermutlich habt ihr Recht", sagte sie etwas resigniert. „Hm", brummte Snape kurz bestätigend, denn er war froh, dass sie nicht noch weiter mit ihm über den Nutzen dieses Schutzes diskutieren wollte - einen Schutz, den nur wenige für sich beanspruchen konnten, weil der Zauber äußerst kompliziert und nicht von jedem durchführbar war. „Dein Vater hat sich bereit erklärt, das Geheimnis zu wahren und selbstverständlich würde auch der Garten in den Zauber mit einbezogen werden. Keiner hat schließlich die Absicht, aus diesem Haus ein Gefängnis zu machen", fuhr Severus schließlich noch fort, während er bei seinen letzten Worten Amanda direkt ins Gesicht sah. Immerhin konnte er sich schon denken, dass sie sich durch diese ganzen Reglements in ihrer Freiheit beschränkt fühlte. „Gut." Scheinbar hatten sie ohnehin schon alles besprochen und beschlossen, was sollte sie da noch groß gegen sagen? Es würde ohnehin niemand verstehen, dass sie sich bevormundet fühlte.

Forschend sah Snape Amanda einige Sekunden an, dann wandte er den Blick ab, stand auf und ging unruhig ein paar Schritte im Raum herum, bevor er sich wieder umdrehte. Er wusste nicht wieso, aber gerade hatte er wieder einmal mit innerlichen Aggressionen zu kämpfen. Immer war alles gut! Dabei war überhaupt nichts gut! Er sah es ihr an! Jede Faser ihres Körpers signalisierte ihm, dass sie sich in ihrer Haut nicht wohl fühlte und dass gerade alles alles andere als gut war! Aber wieso sprach sie es dann nicht aus? Wieso redete sie nicht endlich mit ihm?! Oder wenigstens mit ihrem Vater? „Nein, überhaupt nichts ist gut!", fing er dann wieder mit Nachdruck an zu reden und starrte Amanda an. Wer ihn kannte, konnte nun deutlich erkennen, welche Anspannung auf ihm lag, und dass er nun gerade versuchte, seinem Frust möglichst kontrolliert Luft zu machen. „Glaubst du ich merke es nicht, dass du es eigentlich überhaupt nicht willst, es aber nicht aussprichst?! Und denkst du mir fällt es leicht, diese Dinge mehr oder weniger über deinen Kopf hinweg zu entscheiden, auch wenn ich weiß, dass du eigentlich dagegen bist?! Ich hasse es immer der zu sein, der die Drecksarbeit erledigt! Potter diesem Idioten Okklumentik beizubringen, obwohl er nicht im Mindesten einsieht, dass es notwendig ist - George Neil vor deinen Augen zu töten, weil diese Vollidioten gestern es nicht fertig gebracht haben, einen einfachen Auftrag präzise und gründlich zu erledigen - mich darum zu sorgen und zu kümmern, dass dir nichts passiert, obwohl ich dafür meistens nur ein muss das sein ernte! Du solltest dir einmal vor Augen führen, in welch einer privilegierten Situation du dich eigentlich befindest, Amanda! Nicht jeder hat einer Familie die sich derart um einen kümmert und einen Vater, der sich dazu bereit erklärt Geheimniswahrer zu sein - geschweige denn überhaupt die Möglichkeit, das eigene Heim per Fidelius zu schützen! Es gibt genug Leute, die auf sich alleine gestellt sind und die noch viel mehr Einschränkungen hinnehmen müssen als du!" Severus atmete tief durch, denn er merkte, dass er sich nun gehörig in Rage geredet hatte und dass er es soweit eigentlich nicht hatte kommen lassen wollen. Wieder etwas ruhiger und gefasster redete er dann weiter. „Vermutlich habe ich jetzt wieder einmal zu viel gesagt und vermutlich verlange ich auch etwas zu viel, wenn ich mir wünsche, dass du nach Ereignissen wie gestern mit mir redest, aber du könntest es wenigstens mit deinem Vater tun. Es wäre sicherlich nicht zu deinem Schaden."

Fassungslos sah Amanda ihn an. Was war denn das nun? Glaubte er wirklich, sie würde sich keine Gedanken machen und einfach alles auf ihn abladen wie ein kleines Kind, welches genervt ist von seinen Eltern, durch die es eingeschränkt wird? „Für so gedankenlos hältst du mich ja?! Vielen Dank!" Sie atmete tief durch. „Sonst redest du ja eher selten zu viel", fügte Amanda noch leise und trocken hinzu, bevor sie sich umdrehte und das Wohnzimmer in Richtung Flur verließ. Carl hingegen hatte Severus ebenfalls sehr überrascht angesehen, während er geredet hatte. Noch nie zuvor hatte er ihn so aufgebracht und ungehalten erlebt und wusste nach diesen Worten auch nicht was er sagen sollte. Natürlich hatte Severus in einigen Dingen Recht, dennoch war dies vielleicht nicht die Beste Art und Weise gewesen, es Amanda mitzuteilen. Als diese daraufhin den Raum verließ, sah er ihr nur seufzend hinterher.

Auch Severus sah Amanda hinterher, allerdings funkelten seine Augen nach ihren Worten und er schnaubte zornig aus. Er hatte sich wohl gerade verhört?! Und wieso haute sie jetzt einfach so ab, wieder ohne mit ihm oder irgendwem anderen zu reden?! Für einen kurzen Moment wanderten Snapes Augen noch einmal im Raum herum und er zögerte damit Amanda zu folgen, doch dann machte er sich auf zur Tür. So würde er sich nicht abspeisen lassen! In dieser Sache war der letzte Satz noch nicht gesprochen! Als er im Gang war sah Severus gerade noch, wie sich die Haustür wieder schloss. Wo wollte sie denn jetzt hin? Mit eiligen Schritten folgte er Amanda und fand sie auch kurze Zeit später im Vorgarten wieder. Ein kurzes Gefühl der Erleichterung überkam ihn, denn er hatte schon befürchtet, sie würde apparieren oder sonst irgendwie kopflos davonlaufen.

Zunächst blieb er ohne ein Wort zu sagen auf der Stufe vor der Haustür stehen, doch dann ergriff er erneut das Wort. „Wieso läufst du vor mir weg?" Seine Stimme klang nun wieder ruhig und gefasst und seine Worte waren nichts weiter als eine einfache Frage, ohne jeglichen Vorwurf. Amanda hörte wie Severus das Haus verließ, drehte sich aber nicht zu ihm um. „Ich laufe nicht weg", sagte sie so wenig trotzig wie möglich und wischte sich einige Tränen aus dem Gesicht. „Doch, du läufst weg", stellte Snape fest, dann fuhr er weiterhin ruhig fort. „Wieso redest du nicht mit mir Amanda? Ich bin dieses Wochenende hier geblieben, damit du das Geschehene nicht alleine mit dir ausmachen musst, aber ich habe nicht das Gefühl, als sei ich dir eine große Hilfe." Er sah sie an und seine Stimme klang ein wenig resigniert. Dann trat er die Stufe vor sich hinunter auf den Weg zum Gartentor. Weinte sie? „Wieso muss ich darüber reden? Du redest auch nie über solche Dinge und vielleicht kann ich und will ich einfach nicht darüber reden!" Amanda war wütend und traurig zur gleichen Zeit. Severus Worte hatten das Chaos in ihr nur noch größer gemacht. Scheinbar verstand nicht einmal er ihre Probleme. „Du solltest dir kein Beispiel an mir nehmen", entgegnete Severus ruhig, auch wenn er innerlich langsam immer mehr verzweifelte. Er selbst war ja wohl das beste Beispiel für ein Leben, wie man es nicht führen sollte und das hielt sie für erstrebenswert?! „Aber du hast Recht. Du musst nicht darüber reden. Nur halte ich es für besser, wenn du es tun würdest. Es nimmt dem Gesehenen ein wenig den Schrecken. Aber ich kann dich nicht dazu zwingen..." Nach diesen Worten drehte sich Severus wieder um und ging zur Tür. Er hatte irgendwie das Gefühl, an dieser Stelle nichts mehr bewirken zu können und er fühlte sich auch gerade seltsam müde und kraftlos. Vielleicht war es wirklich besser, sie einfach alleine zu lassen, dachte er sich und öffnete erneut die Haustür.

„Wer läuft denn hier nun weg?", wollte Amanda jetzt wissen und sah ihn nun an. Was wollte er denn nur? War es nur weil sie nicht darüber redete, dass er so wütend war? „Was ist mit den anderen Sachen, die du gesagt hast?" Severus blieb stehen und drehte sich noch einmal um. „Ich laufe nicht weg. Ich weiß nur wann ich am Ende meines Lateins bin und es besser für mich ist, zu gehen." Dann schwieg er kurz, um darüber nachzudenken, was er ihr auf ihre Frage antworten sollte. Auf was genau wollte sie damit hinaus? „Was soll damit sein? Wenn du nicht darüber reden willst, werde ich es akzeptieren." „Meinst du wirklich, ich machen mir so wenig Gedanken über dich?" Vorwurfsvoll sah sie ihn an. „Nein, das meine ich nicht und das habe ich vorhin auch nicht gesagt", entgegnete Severus und sah Amanda direkt ins Gesicht. „Du hast nur gesagt, ich wäre undankbar, aber das ist natürlich nicht das Gleiche..." Amanda war wütend und verletzt. „Ich habe niemals gesagt, du seiest undankbar", sagte Snape nun mit Bestimmtheit. „So hast du vielleicht meine Worte aufgefasst, aber ich habe dieses Wort nie benutzt!" Er ließ sich ja in dem, was er vorhin gesagt hatte, viel vorwerfen, aber das nicht! „Ich habe dir nur noch einmal in Erinnerung gerufen, dass auch ich keinen Spaß daran habe, deinen Freiraum immer mehr beschränken zu müssen und dass du froh sein kannst, über so viel Schutz und Fürsorge zu verfügen, weil es keinesfalls die Regel ist. Ich habe mit keinem Wort gesagt, du seiest undankbar!"

„Es macht wohl kaum einen Unterschied ob du sagst ich soll es mir vor Augen führen, oder gleich sagst, ich würde es nicht zu schätzen wissen! Hast du darüber nachgedacht, dass es mich verletzt, wenn du so etwas sagst? Glaubst du etwa ich würde mir keine Sorgen um dich machen? Jeden Abend bevor ich ins Bett gehe, weil ich nicht weiß, was du in dieser Nacht tun wirst und ob du lebend wiederkommst? Natürlich ist mir klar, dass ich Glück habe zu wissen was los ist und dass sich so viele um mich sorgen und kümmern! Du beschwerst dich aber einerseits, wenn ich sage, dass es mir nicht gefällt und zum anderen auch wenn ich es nicht tue, weil ich eigentlich weiß, dass du Recht hast, auch wenn es mir nicht gefällt!" Es war lange her, dass sie sich so gestritten hatten und Amanda konnte sich kaum an das vergangene Mal erinnern.

„Das macht meines Erachtens sehr wohl einen Unterschied, weil ich weiß, dass du es in der Regel zu schätzen weißt! Nur hatte ich heute schon mehrmals das Gefühl, als wäre ich der böse schwarze Mann, der dir vorschreibt, wie du dein Leben zu führen hast und deshalb habe ich dir gewisse Dinge noch einmal in Erinnerung rufen wollen. Und was das Reden betrifft: Mir ist es tausendmal lieber, wenn du mir offen und ehrlich sagst, wenn dir etwas nicht gefällt, auch wenn es an den Tatsachen vielleicht nicht mehr viel ändert, als wenn du mich den ganzen Tag nur anschweigst, ich aber genau merke, dass irgendetwas unausgesprochenes im Busch ist! Es tut mir leid, wenn ich dich mit meinen Worten verletze, das ist mit Sicherheit nicht meine Absicht, aber es ist ja wohl weder dir noch mir damit geholfen, wenn ich um den heißen Brei herumrede. Mir ist nämlich die wenige Zeit mit dir zu kostbar, als dass ich sie mit unausgesprochenen Dingen belasten will, aber genau das passiert schon seit gestern Abend und mir ist es langsam so zuwider!" „Ich habe einfach nichts gesagt, weil ich wusste, dass du Recht hast, auch wenn es mir nicht gefällt." Einen Moment sah sie ihn schweigend an. Sie fühlte sich noch schlechter als zuvor. „Das was gestern Abend geschehen ist, ist hoffentlich nichts Alltägliches und demnach kannst du kaum erwarten, dass ich damit normal umgehe und gleich alles erzähle, vor allem da du das Wichtigste ohnehin weißt."

Auch Severus schwieg einen Moment. Dann redete er wieder ruhiger als zuvor weiter. „Das erwarte ich auch nicht, dass du damit normal umgehst, weil ich weiß, dass es nichts Alltägliches ist. Selbst für mich ist es das noch nicht und darüber bin ich mehr als froh. Nichts desto trotz setze ich wohl meine Prioritäten anders, denn das was mir bezüglich des gestrigen Tages wichtig erscheint, weiß ich nicht und ich werde es auch nie erfahren, wenn du es mir nicht sagst." „Was weißt du nicht?" „Wie du dich wirklich fühlst und was du denkst." Severus sah Amanda an und seine Stimme klang wieder völlig ruhig und nun fast schon sanft. Er wollte wirklich wissen, was seit gestern in ihr vorging.

„Du bist seit gestern distanzierter als sonst." „Leer vor allem", sagte Amanda leise und sah ihn dann an. „Ich bin einfach beschäftigt." Severus trat erneut von der Tür weg und die Stufe hinab auf Amanda zu. „Und mit was?", sagte er leise und sah sie fragend an. „Mit dem was passiert ist." „Und du willst nicht mit mir darüber reden?" Ein letztes Mal wollte Snape den Versuch starten, Amanda dazu zu bringen, sich zu öffnen. „Nimm dir nicht mich zum Beispiel, wie man mit solchen Dingen umgeht, Amanda. Ich bin das denkbar schlechteste, das du für diese Dinge finden kannst." Severus sah sie an, dann fügte er noch erklärend hinzu: „Weil ich nie jemanden zum Reden hatte..." „Ich weiß nicht was ich sagen soll." Ratlos sah Amanda ihn an. „Nichts was ich sagen könnte würde es besser machen." „Du sagst das, ohne dass du es auf einen Versuch hast ankommen lassen." „Ich habe mir mehr als genug Gedanken darüber gemacht und ich weiß einfach nicht was ich dir sagen könnte." Ungewollt klang sie nun wieder leicht vorwurfsvoll.

Severus seufzte leise, denn wieder war er an einem Punkt angelangt, an dem er offenbar die Segel streichen musste. „Dann lass uns jetzt wieder ins Haus gehen, wenn es nichts gibt, was du mir sagen kannst oder willst", sagte er dann ruhig und konstatierend, ohne jedoch ganz verbergen zu können, dass er im Grunde vor allem resigniert war. „Jetzt bist du auch wieder nicht zufrieden." Hilflos sah Amanda ihn an. Sie wusste einfach nicht was sie tun sollte. Auch Severus wusste sich mittlerweile kaum noch zu helfen. Natürlich war er nicht zufrieden, aber sie drehten sich immer wieder im Kreis mit ihren Argumentationen. „Nein. Weil du nicht mit mir reden kannst. Aber ich möchte das Thema jetzt hiermit beenden, weil es ohnehin zu nichts führt. Wir drehen uns andauernd im Kreis. Also werde ich es akzeptieren, wie es ist." „Und dann sind wir beide unzufrieden und es ist genauso wie vorher."

„Wieso beide?" Nun verstand Snape die Welt wirklich nicht mehr. „Ich werde aufhören zu fragen und zu bohren, dir deinen Frieden lassen - wieso sollst du also unzufrieden sein? Das ist es doch, was du die ganze Zeit wolltest! Oder habe ich die letzten Stunden etwas falsch verstanden?!" Severus atmete tief durch, um sich nicht noch einmal in Rage zu reden. „Um ganz ehrlich zu sein, Amanda, ich weiß mir mittlerweile nicht mehr zu helfen", fuhr er dann so sachlich und ruhig wie möglich fort. „Was ich tue und sage, es ist falsch. Will ich die Unterhaltung beenden und einfach nichts mehr tun, ist es auch falsch. Sag mir jetzt einfach wie ich dich zufrieden stellen kann, oder akzeptiere wie ich, dass wir es möglicherweise beide nicht sind, auch wenn das die denkbar schlechteste Lösung ist. Aber wenn es so sein soll, kann ich es nicht ändern! Ich habe mittlerweile mein möglichstes versucht und weiß nicht mehr weiter." „Ja gut... Belassen wir es dabei." Natürlich war Amanda nicht damit zufrieden, aber auch sie wusste nicht was sie noch tun sollte, damit es besser würde. Severus nickte dazu nur notierend und presste kurz die Lippen zusammen, als sich aus Reflex ein gut oder schön von seinen Lippen lösen wollte, denn diese beiden Worte wollte er in diesem Zusammenhang gerade auf gar keinen Fall benutzen. Dieser Entschluss war nämlich alles andere als schön oder gut, aber er würde wenigstens diesen endlosen Diskussionen fürs Erste ein Ende setzen. „Dann lass uns jetzt reingehen", sagte er schließlich nur knapp und drehte sich zur Tür um, um voraus zu gehen.

Amanda nickte schweigend und sah Severus zu, wie er das Haus betrat, um ihm dann langsam zu folgen. Doch kurz vor der Haustür ließ sie ein stechender Schmerz im Unterleib zusammenzucken und leise aufstöhnen. Severus drehte sich um als er sie stöhnen hörte und kaum hatte er die Situation einigermaßen realisiert, stieg sofort Panik in ihm hoch. Mit zwei raumgreifenden Schritten war er sogleich wieder bei Amanda, umfasste sie stützend und wollte mit beunruhigter Stimme wissen, was los war. „Ich weiß nicht, es ist schon wieder gut glaube ich. Wohl nur ein Tritt." Dennoch war sie erschrocken und hoffte dass sie Recht hatte. „Sicher?" So ganz überzeugt war Snape noch nicht, denn es war sofort die Befürchtung in ihm aufgekeimt, dass der Streit, den er angefangen hatte, zu viel für Amanda gewesen war. „Am Besten du legst dich jetzt ein wenig hin und ruhst dich aus", fügte er dann noch an und es war unüberhörbar, dass er nun eindeutig von Sorge getrieben war, es wirklich zu weit getrieben zu haben. „Ja, vielleicht..." Langsam machte sie sich auf den Weg ins Haus.

Severus begleitete und stützte sie dabei weiter und brachte sie schließlich ins Wohnzimmer. Kaum hatte sich Amanda dort auf die Couch gelegt, brachte er ihr auch schon eine Decke und deckte sie damit zu. „Soll ich dir einen Tee machen und willst du noch zusätzliche Kissen?" „Nein, es ist schon gut. Danke." Amanda zog die Decke noch etwas mehr an sich und drehte sich auf die Seite. Carl hingegen beobachtete die Szene und sah beide nur fragend an. „Was ist denn passiert?"

„Okay. Wenn ich sonst irgendetwas für dich tun kann, dann sag es bitte." Severus sah noch immer ein wenig besorgt und angespannt aus, als er sich unweit von Amanda setzte, dann antwortete er Carl. „Ich weiß es nicht genau. Ein Ziehen im Bauch oder so ähnlich." „Es war bestimmt nur eine Bewegung an einer blöden Stelle", versuchte sie die beiden Männer und auch sich zu beruhigen. Doch ganz überzeugte Carl das nicht. Ihm kam das so plötzlich doch sehr seltsam vor. „Was ist draußen passiert?" Severus seufzte leise. „Wir haben uns gestritten", antwortete er dann knapp, denn das schlechte Gewissen nagte stetig an ihm und er machte sich gerade auch schon ohne Carls Zutun die größten Vorwürfe. Der nickte jedoch nur, stand dann auf, verließ schweigend das Zimmer und ging in Richtung Obergeschoss. Fragend sah Amanda ihrem Vater hinterher und dann Severus an. „Es war nur kurz und sicher nichts Ernsthaftes." Auch der sah Carl etwas irritiert hinterher und zog dann eine Augenbraue hoch, als Amanda ihn ansah, denn auch er hatte keine Ahnung, wohin ihr Vater nun so plötzlich ging. „Ich hoffe, du hast Recht", antwortete er dann aber auf ihre Worte. „Ich würde es mir nicht verzeihen, wenn durch unseren Streit, den ich angefangen habe, etwas mit dem Kind ist."

Severus seufzte kurz und man sah ihm an, dass ihn die Sorge nicht so einfach los ließ. „Es tut mir leid, Amanda. Ich habe Dinge gesagt, die ich nicht hätte sagen dürfen." „Doch, wenn du sie so gemeint hast, dann schon." „Nein, auch dann nicht. Ich habe dich verletzt und ich hätte auch Rücksicht auf deinen Zustand nehmen müssen." „Doch natürlich dann und du sollst mich nicht schonen, nur weil ich schwanger bin, ich bin schließlich nicht krank." „Warum wusste ich nur, dass das jetzt kommt?" Severus musste ungewollt ein wenig schmunzeln, dann stand er wieder auf und ging zu ihr. Als er angekommen war, kniete er sich vor die Couch, um Amanda richtig in die Augen sehen und um ihr näher sein zu können. „Weil es eben einen Tatsache ist." Ruhig sah sie Severus an. „Mach dir keine Sorgen."

Einen Augenblick später kam Carl wieder ins Zimmer und brachte Amanda einen Becher. „Das ist entspannend und sehr gut für Schwangere."

Severus erwiderte Amandas Blick, doch bevor er noch etwas sagen konnte, trat ihr Vater wieder ins Zimmer. Deshalb stand er wieder auf, um Platz zu machen, damit Amanda auch trinken konnte, was Carl gebracht hatte. Wenn es ihr gut tun würde, war er selbst schließlich der letzte, der sich dagegen aussprechen würde. Amanda bedankte sich und trank dann ohne großen Widerspruch, schließlich wusste ihr Vater schon was er da tat. „Vielleicht sollte ich nun besser gehen", sagte Carl mehr in den Raum, als an eine bestimmte Person. Severus nickte daraufhin nur kurz, als Zeichen, dass er vom Gesagten Notiz genommen hatte. Dann sagte er: „Ich werde mich bei dir melden, Carl." Zufrieden nickte Carl. „Danke." Daraufhin verließ er ruhigen Schrittes das Wohnzimmer und schließlich das Haus. Amanda sah ihrem Vater nach und dann Severus an. „Es ist schon wieder gut, ganz bestimmt." Der wandte sich wieder an sie und kniete sich erneut zu ihr. „Das hoffe ich." „Sicherlich." Kurz schwieg sie und dachte über ihre nächsten Worte nach. „Severus?", begann Amanda schließlich leise. „Ich mache dir keine Vorwürfe, weil du... weil du das gestern getan hast."

Snape seufzte kaum hörbar und man konnte erkennen, dass ihn das erleichterte. „Danke", sagte er dann leise. „Ich hätte es auch nicht getan, hätte ich gewusst, dass man ihm vielleicht noch hätte helfen können." Ohne ihn anzusehen schüttelte Amanda den Kopf. „Hätte man nicht, es war einfach zu viel und zu spät schon. Vermutlich..." Sie sprach besser nicht weiter, denn sonst musste sie nachher doch noch weinen. Severus griff nach ihrer Hand und drückte sie kurz. „Es tut mir leid, dass du das miterleben musstest." „Du kannst nichts dafür, es war eben ein dummer Zufall." „Ja. Leider", entgegnete Snape und streichelte ihr dann kurz eine Haarsträhne aus dem Gesicht. „Soll ich dir wirklich nichts bringen? Was zu trinken, oder was zu essen?" „Nein, das brauchst du nicht. Setz dich lieber." „Dann muss ich aber weg von dir." Severus lächelte ein wenig. „Nein gar nicht." Amanda zog ihre Beine an, so dass für Severus noch Platz auf dem Sofa war. So setzte sich dieser auch auf die Couch und nun endlich konnten sie in Ruhe über das Geschehene reden und auch wenn Amanda am Ende doch weinen musste, fühlten sich beide besser, so dass sie am Abend nach einem kleinen Essen beruhigt ins Bett gehen konnten. Amanda war vor allem erleichtert, dass sie auch die anderen Themen klären konnten, die Severus zuvor angesprochen hatte. Sobald es ging würde sie Alan fragen, ob er bei ihr wohnen wollte und auch dem Fidelius-Zauber hatte sie zugestimmt, obwohl sie sich noch immer Besseres vorstellen konnte.