Kapitel 49
~ Kommen und Gehen ~
In den folgenden Tagen redete Amanda immer wieder sowohl mit Alan, als auch mit ihrem Vater. Nach einigem Zögern, gefiel Alan die Idee mit Amanda zusammenzuziehen doch gut, denn es würde bedeuten, dass sie beide sicherer und nicht alleine wohnen würden. Schließlich war es auch in seinem Interesse, wenn Amanda und bald auch dem Baby nichts passierte. Mit ihrem Vater und Severus vereinbarte Amanda, dass der Fidelius-Zauber ausgesprochen werden sollte, nachdem Alan eingezogen war. Carl erleichterte ihr Einsehen ungemein, denn so wusste er, dass seine ganze Familie im Zweifelsfall einen sicheren Zufluchtsort haben würde. Vor allem da David auch im Ministerium arbeitete, und nun seit wenigen Tagen seine eigene kleine Familie zu beschützen hatte. Denn seine und Sandras Tochter war inzwischen auf die Welt gekommen und sehr gesund und das sollte schließlich so bleiben.
Durch Alans baldigen Einzug war Amanda gezwungen, sich endgültig für ein Kinderzimmer zu entscheiden und auch ihr Arbeitszimmer musste sie verlegen. Schließlich konnte Alan nicht die ganze Zeit im Wohnzimmer leben. So wurde das Arbeitszimmer neben ihrem Schlafzimmer zum Kinderzimmer und das Gästezimmer, welches gegenüber lag, behielt seinen ursprünglichen Zweck. Glücklicherweise war die Küche groß genug, so dass sie ihre Lebensmittel alle dort lagern und das Arbeitszimmer in den kleinen Vorratsraum nebenan verlegen konnte.
Während dieser ganzen Umzugsbemühungen war Matthew vorwiegend allein bei Felonwood gewesen und nachdem George nun zwangsläufig wegfiel, war Amanda klar geworden, dass sie die Öffnungszeiten verkürzen musste, denn kurz vor und nach der Geburt würde Matthew alles alleine machen müssen und schließlich wusste sie, wie viel Arbeit das bedeutete.
So gerne Amanda auch das bei Felonwood Geschehene vergessen hätte, so wurde sie doch immer wieder von Einladungen des Ministeriums und letztlich auch von George Beerdigung davon abgehalten. Die Befragungen waren vor allem nervig, wie Amanda fand, denn eigentlich konnte sie nur immer wieder das bei verschiedenen Mitarbeitern wiederholen, was sie bereits zu Beginn gesagt hatte. Die Beerdigung hingegen war sehr anstrengend und warf sie wieder in das tiefe Loch zurück, aus welchem sie vermeintlich gerade herausgekrochen war. Georges Familie schien ihr mit die Schuld an seinem Tod zu geben und glaubte dem Ministerium mit seiner Raubmordgeschichte und nicht ihrer Beteuerung, dass es ein Angriff Voldemorts gewesen war.
Kaum war sie nach der Beerdigung zuhause angekommen, klingelte es an der Tür. Überraschend standen dort David und Sandra mit ihrem Kind auf dem Arm. Im ersten Moment dachte Amanda es wäre etwas passiert, aber ihre fröhlichen Gesichter beruhigten sie schnell wieder. „Was wollt ihr denn hier?" „Na wir dachten uns, wenn du keine Zeit hast zu uns zu kommen, um deine Nichte kennenzulernen, müssen wir eben zu dir kommen", meinte David grinsend und Amanda vermutete, dass es viel mehr Sandras Idee gewesen war, sagte aber nichts weiter dazu, sondern bat die drei freundlich herein. Die folgende Stunde bewunderte sie, wie es erwartet wurde, ihre Nichte und unterhielt sich zwangsläufig auch mit Sandra über die Geburt, die ihrer Ansicht nach überraschend schnell ging.
Nachdem alle schließlich wieder gegangen waren, ging Amanda nachdenklich in das baldige Kinderzimmer und sah sich um. Noch immer konnte sie sich, trotz des inzwischen sehr deutlichen Bauches und den ständigen Bewegungen, welche ihr immer öfter den Schlaf raubten, nicht vorstellen, tatsächlich selbst bald ein Kind zu bekommen. Eine ganze Weile stand sie an die Fensterbank gelehnt und sah sich im Raum um, während sie überlegte, wie er fertig aussehen sollte. Schließlich verließ sie langsam das Zimmer, schloss die Tür hinter sich und ging ins Wohnzimmer, um Severus zu schreiben.
Der hatte sich in den letzten Tagen insgeheim schon auf die Osterferien gefreut, die bald beginnen würden, weil er hoffte, dann Amanda wieder etwas öfter sehen zu können, aber kurz vor den Ferien wurde ihm diese Freude wieder zunichte gemacht. Dumbledore hatte unerwartet und gezwungenermaßen die Schule verlassen müssen, um einer von Umbridge angezettelten Verhaftung zu entgehen und als ob das nicht schon genug gewesen wäre, wurde sie einen Tag später auch gleich zur neuen Schulleiterin befördert und begann ihren Terror noch auszuweiten. Seinen ganz persönlichen Terror bekam Severus schließlich noch von seinem Lieblingsschüler Potter verabreicht, dem er noch immer vergeblich versuchte Okklumentik zu lehren. Doch was sich der Gryffindor in seiner letzten Stunde geleistet hatte, war selbst für Snape zuviel gewesen und so hatte er kurzerhand den Unterricht für alle Zeiten abgebrochen. Potter war unerlaubt in sein Denkarium geklettert und hatte Snape ihn bisher vielleicht noch nicht inbrünstig gehasst, dann doch spätestens seit diesem Vorfall.
Schlechter gelaunt denn je erreichte Severus also an besagtem Abend Amandas Nachricht.
Als er gelesen hatte, was sie ihm in ihr verzaubertes Buch geschrieben hatte, musste er unwillkürlich schnauben. Wie banal waren doch diese Dinge im Vergleich zu dem, was sich bei ihm in den letzten Tagen ereignet hatte und was ihn gerade beschäftigte! Doch im gleichen Moment kam ihm auch sofort wieder der Gedanke, dass es ungerecht war so zu denken und dass er Amanda keinen Vorwurf machen durfte. Ihre Nachricht erinnerte ihn nur gerade wieder an die Osterferien und das hinterließ ein bitteren Nachgeschmack und Enttäuschung darüber, dass er sie nicht bei ihr verbringen konnte. Was musste diese alte Kröte im Namen des Ministeriums hier auch alles auf den Kopf stellen und sein Leben noch zusätzlich erschweren?! War es nicht schon mies und kompliziert genug?! Obwohl er keine sonderliche Lust hatte, Amanda nun zurück zu schreiben, griff Severus dennoch zur Feder. Irgendwann musste er es schließlich tun und er wollte Amanda wenigstens nicht warten lassen, wenn er ihr schon keine guten Nachrichten zu berichten hatte.
Amanda war froh so schnell von Severus Antwort zu erhalten. Während sie seinen relativ kurzen Text las, merkte sich aber dennoch, dass er nicht sonderlich gut gelaunt war. Dennoch las sie erst einmal in Ruhe seine restliche Nachricht, in der er zu bedenken gab, dass es besser wäre, wenn der Fidelius-Zauber erst nach der Geburt ausgesprochen werden sollte, da es sonst Schwierigkeiten mit der Hebamme geben würde. Eigentlich war Amanda das nur allzu recht, denn ihr gefiel die Idee so eingeschränkt zu sein noch immer nicht, auch wenn sie wusste, dass es nur sinnvoll war. Sie war aber froh, dass er nichts gegen die Umzugs- und Umräumpläne einzuwenden hatte. Bevor Amanda schließlich antwortete, überlegte sie einen Moment, ob sie nachfragen sollte, was ihm auf die Laune geschlagen hatte und auch wenn sie wusste, dass es zur Zeit nur allzu viel sein konnte, entschloss sie sich letztlich doch dafür. Doch zuvor stimmte sie seiner Idee den Zauber zu verschieben zu.
Obwohl es zunächst nicht Snapes Absicht gewesen war, Amanda von den Problemen in Hogwarts zu schreiben, um sie nicht unnötig zu belasten, so schrieb er ihr dennoch in Kürze was geschehen war, als sie danach fragte. Er berichtete ihr, dass Dumbledore einer Verhaftung hatte entgehen müssen und dass nun Dolores Umbridge neue Schulleiterin geworden wäre. Außerdem schrieb er ihr, dass ihn auch Potter erneut auf die Palme gebracht hatte, indem er während des Okklumentik-Unterrichts unerlaubt in sein Denkarium abgetaucht war.
Dass Dumbledore nun nicht mehr in Hogwarts war und sich tatsächlich vor dem Ministerium verstecken musste, las Amanda mit großer Sorge. Dass es nun für die Schüler noch schwieriger werden würde war eine Sache, aber dass das Ministerium so blind war und Hogwarts so ungeschützt und allein ließ, fand sie sehr bedenklich. Um Dumbledore selbst machte sie sich keine Sorgen, sie war sicher, dass er genügend Menschen kannte, die ihm wohlgesonnen waren und auch wenn dies nicht der Fall gewesen wäre, hätte er ausreichend Möglichkeiten gehabt, sich vor ungewollten Blicken zu schützen. Natürlich konnte Amanda nun auch Severus Zorn nachvollziehen, vor allem weil der ihm verhasste Harry Potter in seinem Denkarium gewesen war, was auch Amanda mehr als dreist und respektlos empfand.
Die weitere Kommunikation mit Severus war daher eher kurz und sie verschwieg ihm ihre eigenen kleinen Problemchen, welche gerade wieder an die Oberfläche kamen. Zwar tat sie nach außen immer so, als wäre die Schwangerschaft kein Problem für sie und dass sie das ständige allein sein nicht stören würde, doch so ganz stimmte das natürlich nicht. Je kürzer die Zeit bis zur Geburt wurde, desto größer wurden auch ihre Sorgen ob alles gut gehen würde. Ob der kleine Christopher da in ihrem Bauch auch tatsächlich gesund war und heil auf die Welt kommen würde. Immerhin war es ihr erstes Kind und trotz aller Mittel konnte während einer Geburt ja doch manches schief gehen. Leise seufzte Amanda und schlug das kleine Buch zu, bevor sie sich langsam erhob und in die Küche ging, um sich einen Tee zu machen. Die Rücken- und Beinschmerzen wurden inzwischen immer häufiger und schlimmer, außerdem hatte sie seit kurzem nachts auch immer wieder Übelkeitsanfälle, was den ohnehin schlechten Schlaf nicht gerade verbesserte.
Während der Tee zog, setzte sich Amanda an den Küchentisch. Natürlich waren Alan und ihr Vater immer wieder eine Hilfe und gerade wenn Alan bald einziehen würde, würde es sicher noch mehr werden, aber sie konnten ihr am Ende Severus nicht ersetzen. Andererseits war sie aber auch ganz froh, dass der nicht mit ansehen musste, wie sie immer runder und behäbiger wurde und nachts immer weniger schlief und Schmerzen hatte. Doch vor allem durch Dumbledores Flucht, würde ihm dieser Anblick wohl weitestgehend erspart bleiben, denn viel würden sie sich trotz der Ferien dadurch nun nicht sehen können. Severus würde sich darum kümmern müssen, dass die Schule nicht ganz unter Umbridges Fuchtel fiel beziehungsweise sie die Schüler nicht allzu sehr terrorisierte und Amanda konnte nur wieder einmal hoffen, dass er es schaffen würde, zur Geburt zu kommen. Aber noch waren es etwa sechs Wochen bis zum Termin und vielleicht würden sich die Wogen bis dahin wieder glätten, auch wenn sie momentan eher das Gegenteil vermutete. Es hätte wirklich bessere Zeitpunkte gegeben, um ein Kind zu bekommen dachte Amanda wieder einmal und konnte trotzdem nur hoffen, dass am Ende alles gut gehen würde.
Severus hatte zu seinem Bedauern in der Tat kaum die Möglichkeit gehabt, Amanda über die Osterferien mehr als zweimal zu besuchen, was ihn sehr verärgert hatte. Je näher nun die Geburt ihres gemeinsamen Sohnes rückte, umso größer und zahlreicher wurden auch seine Sorgen um Amandas und des Kindes Wohlergehen. Der Gedanke, ihr bei der Geburt möglicherweise nicht beistehen zu können, machte ihn schier wahnsinnig und die Unsicherheit, ob alles glatt laufen würde, kam auch immer wieder in ihm hoch, wenn er daran dachte. Wann würde es soweit sein? Würde sein Sohn gesund sein? Natürlich hatte bisher nichts auf ein Leiden hingedeutet, aber noch war das Kind nicht auf der Welt…
Auch Amanda machte ihm Sorgen, denn er war sich nicht sicher, ob sie auch wirklich gut mit allem alleine klar kam und er wünschte sich jedes Mal, wenn er an sie dachte, er könnte bei ihr sein und sie auf ihrem Weg begleiten. Doch leider war das nicht möglich. Es war ihm in den letzten Wochen durch den ganzen Trubel nicht einmal mehr möglich gewesen, sich genauer über den Vorgang einer Geburt im Allgemeinen zu informieren und das bereitete ihm zusätzlich Kopfzerbrechen. Er hasste es, unvorbereitet in eine für ihn völlig neue Situation zu geraten, aber genau darauf würde es hinauslaufen. Schließlich konnte er schlecht einfach noch zu Madam Pomfrey gehen und sich bei ihr erkundigen, wie so ein Vorgang ablief und was man als Mann in solch einer Situation am Besten tun sollte. Es würde ihn wohl reichlich verdächtig machen, wenn er ihr solche Fragen stellen würde, einmal ganz abgesehen davon, dass es wenig später mit Sicherheit der ganze Lehrkörper wüsste. Leise seufzend griff Snape in seine Robe und holte sein und Amandas gemeinsames Buch hervor, um ihr ein paar Zeilen zu schreiben. Er vermisste sie und wünschte sich einmal mehr, bei ihr sein zu können, doch das war ihm leider nicht möglich. Also musste Schreiben wieder einmal genügen.
