Freitag, 22. Dezember

So langsam aber sicher war Severus das Katz-und-Maus-Spiel leid. Er hatte sich so schön an Dumbledore gerächt und was jetzt? Jetzt hatte er eine ganz Schnapspralinen-Packung in seinem Adventskalender vorgefunden, der dazu auch noch ganz widerwärtig ätzend gekichert hatte. Mieser Verräter! Irgendwann letzte Nacht hatte es ihm gedämmert – diese „Unfälle" waren immer dann geschehen, wenn er eine dieser kleinen Schokoladigkeiten verspeist hatte. Aber… Wie sollte er nun sicher gehen, dass nicht wieder etwas Beschämendes passierte, bei einer ganzen Tüte voll? Und dann auch noch mit der absolut reizenden Geschmacksrichtung Topinambur?

Seufzend ließ er sich in seinen knautschigen Sessel sinken und starrte auf das Päckchen in seinen Händen. Topinamburschnaps hatte er noch nie probiert, die Versuchung war extrem, aber gleichzeitig hatte er noch nie so wenig Lust verspürt, sich vor irgendjemandem die Blöße zu geben wie jetzt, nach seinem gelungenen Sieg. Dieser verflixte alte Mann wusste schon, wie er ihn kriegen konnte – eine Praline war leicht weggeworfen, aber so viele? Nein, da überlegte der Liebhaber mindestens zweimal.

Sollte er dem gefräßigen Schokoladenmonster-Sevi in sich nachgeben oder den vernunftgesteuerten Severus, der ihm mit Todesverachtung den imaginären Zauberstab an die Schläfe drückte, das Paket verbrennen lassen?

Am Ende siegte – wieder einmal – der kindische Teil in ihm. Gleich zwei Pralinen wanderten in seinen gierig aufgesperrten Mund. Oooh, wie köstlich! Eine Delikatesse! Wie von selbst hopste eine dritte hinterher, und dann noch eine vierte.

‚Jetzt ist aber mal gut!', schalt Severus sich selbst und verschloss die Packung energisch. Er musste zum Frühstück und danach zum Unterricht, keine Zeit sich an Schnapspralinen zu betrinken.

Als er aufstand, fühlte er sich sofort komisch, irgendwie schwindelig und sein Gesicht kribbelte seltsam. Der Alkohol konnte doch gar nicht so schnell wirken, selbst wenn er ihn sich injiziert hätte (Autsch…)!

Mit einem unangenehmen Bauchgefühl stieg er die Stufen hinauf in die Eingangshalle, wo er es schließlich nicht mehr aushielt und mit wildem Kratzen gegen den Juckreiz auf seinen Wangen vorgehen wollte. Doch was war das?

Abrupt blieb Severus stehen. Um seine Finger wickelten sich lange, seidige schwarze Strähnen – Bartwuchs?! Er hatte sich doch erst vorhin rasiert…!

Er tat einen Schritt nach vorne und wäre beinahe auf der Nase gelandet. Ungläubig sah er an sich herab, um herauszufinden, was ihn zum Stolpern gebracht hatte… Das musste ein Scherz sein. Dieser verfluchte, verdamm…bledore!

Nicht wenige Schüler und auch Lehrer erkannten zuerst überhaupt nicht, wer da wutentbrannt zur Tür hereinstürmte. Erst als eine allzu markante Stimme „Das verzeihe ich dir nie, Albus!" schrie, realisierten die Schlossbewohner, dass der Mann mit dem schwarzen Vollbart wohl Severus Snape war.