Samstag, 23. Dezember

Die Erleichterung, den schrecklichen Rauschebart wieder los zu sein, war unwahrscheinlich groß. Ausgerechnet am letzten Schultag hatte das passieren müssen – hatte sein Vorgesetzter ihm das antun müssen! Severus konnte darüber nur noch den Kopf schütteln. Er war weich geworden! Seit wann ließ er sich von ein paar Stückchen Schokolade derart hinreißen? Vielleicht sollte er kündigen…

Nun, es hatte keinen Sinn, über einen vergossenen Trank zu jammern, zumindest in diesem Fall nicht. Vor dem Weihnachtsessen am 25. würde er sich einfach nicht mehr oben blicken lassen, dann konnte er seiner neugewonnenen Leidenschaft frönen und außerdem – oh verdammt! Er hatte schon seit Tagen, wenn nicht Wochen, nicht mehr für Nachschub für den Krankenflügel gesorgt! Poppy würde bald wie eine Rachegöttin über ihn kommen, wenn er das nicht schnell änderte.

Den ganzen Tag über war Severus am Brauen und genoss die angenehme Routine, die sich wie erwartet sofort einstellte. Um noch ein paar Bonuspunkte zu ergattern, wagte er sich schließlich doch noch aus den Kerkern hinaus und brachte seine Werke haargenau abgefüllt und fein säuberlich beschriftet bei der Medihexe vorbei. Höchstpersönlich, verstand sich. Erst hinterher gestand er sich ein wenig Feierabend ein und heizte seinen Kamin an, um es sich gemütlich zu machen.

Doch wie ein kleines Kind kam er nicht umhin, einen Blick auf den Adventskalender zu werfen. Was wohl heute drin war?

Das Ding schien jedenfalls mit jedem Tag hibbeliger zu werden. Es zuckte an der Wand auf und ab, als wollte es ihn stillschweigend auffordern, es endlich von der unerträglichen Spannung einer neuen Überraschung zu erlösen. Dieses unnatürliche Gezappel wirkte äußerst beunruhigend.

„Hör auf rum zu hopsen, du nerviges Teil", grummelte Severus und drückte es mit beiden Händen flach gegen die Kerkermauern. „Hast du mich verstanden?"

Ein ersticktes „Mmmpf" drang aus dem Kalender hervor und es zitterte nur noch ein wenig.

„Gut, und kein Wort, kapiert?"

Schicksalsergeben öffnete Severus Tür Nummer 23 und fand dahinter eine durchscheinende Glaskugel, die in etwa in seine Handfläche passte. Ein Schneesturm fegte hindurch, kleine Bäumchen bogen sich im Wind – ungefähr so hatte es draußen heute auch ausgesehen. Aber je länger Severus die Kugel in seiner Hand hielt, desto ruhiger wurde das lautlose Getöse. Der Sturm legte sich und die weißen Flocken rieselten sanft herab, bedeckten eine winzige Hütte und die hohen Tannen ringsum mit einer dicken Decke aus weichem Schnee. Eine goldene Wintersonne tauchte am Horizont des Glases auf und tauchte die Szenerie anmutig in ihr schönes Licht. Faszinierend, und irgendwie… wunderschön.

Gebannt starrte Severus auf die friedliche Landschaft. Wer hätte gedacht, dass so ein Wort in seinem Vokabular existierte? Wunderschön…