Kapitel 60
~ Gespräche ~
Amanda sah Severus nach und seufzte. Bevor sie Zeit dafür haben würde über seine Tat nachzudenken, musste sie sich erst einmal um Christopher kümmern. So ging sie nach oben, um ihn wieder zu wecken. Zum Glück schien er von dem ganzen Zauber nicht viel mitbekommen zu haben und war schon bald wieder so wach wie zuvor. Während der Kleine im Wohnzimmer spielte und neue Wörter ausprobierte, fiel Amanda wieder der Brief ein, der inzwischen vor einer ganzen Weile angekommen war. Schnell holte sie diesen aus der Sandkiste und begann ihn im Wohnzimmer zu lesen. Glücklicherweise war es keine weitere Hiobsbotschaft, sondern von Alan nur die Information, dass er nicht genau wisse wie lange er arbeiten musste nach den jüngsten Ereignissen.
Der Rest des Nachmittags verlief fast wie ein ganz normaler Tag. Sie spielte mit Christopher, bis dieser schließlich sein Abendbrot bekommen und danach die allabendliche Gutenacht-Geschichte gehört hatte. Als ihr Sohn schlief, ging Amanda wieder ins Wohnzimmer und ließ sich auf das Sofa sinken. Was sollte sie nun tun? Severus einfach so glauben oder konnte sie ihm nicht mehr vertrauen? Natürlich war ihr klar was er getan hatte, auch wenn sie es noch immer nicht richtig glauben konnte. Es war einfach zu unwahrscheinlich und doch... Schließlich hatte er es auch selbst zugegeben. Was war noch seine Erklärung gewesen? Dumbledore war ohnehin zum Sterben verdammt gewesen und er hatte dem jungen Malfoy diese Tat ersparen wollen? Grundsätzlich klang dies recht plausibel und nach etwas das Dumbledore tun würde, wenn es nicht gerade Severus gewesen wäre, der diese Aufgabe am Ende übernommen hätte. Amanda seufzte. Es lief darauf hinaus, dass sie Severus glauben musste oder eben auch nicht, eine andere Möglichkeit gab es nicht. Natürlich wollte sie ihm glauben, doch erst einmal musste sie etwas Ruhe finden und versuchen herauszufinden, was sich richtig anfühlte. Schließlich musste sie diese Entscheidung auch für ihren Sohn treffen. Eine ganze Weile grübelte Amanda vor sich hin und immer wieder sah sie Severus vor sich, wie er hilflos und geschlagen auf der Terrasse gestanden hatte. Sah so jemand aus, der gerade aus Überzeugung jemanden getötet hatte? Vermutlich nicht, wobei andererseits eine Tat aus Überzeugung heißen würde, er hätte allen sechzehn Jahre lang etwas vorgespielt und dann wäre es wohl auch kein Problem für ihn gewesen, ihr auch in dieser Situation etwas vorzumachen. Frustriert stand Amanda auf und begann durch das Zimmer zu laufen, es musste doch eine Lösung geben! Eine bei der sie sich sicher sein konnte, das Richtige zu tun. Doch so einfach war es nicht.
Noch mitten in der Nacht, als Alan schließlich nach Hause kam, saß Amanda im Wohnzimmer ohne viel weiter gekommen zu sein, abgesehen von der Tatsache, dass sie Severus glauben und ihn nicht verlieren wollte. Alan nahm sie zunächst schweigend ihn den Arm, bevor er fragte wie es ihr ging. „Ich weiß es nicht. Es ist vollkommen verwirrend, es gibt einfach diese zwei Möglichkeiten und ich weiß nicht für welche ich mich entscheiden soll." Alan runzelte die Stirn. „Wie, zwei Möglichkeiten? Für mich gibt es nur eine." „Severus war heute Nachmittag hier und hat mir erzählt, dass Dumbledore durch einen Fluch ohnehin bald gestorben wäre und er sichergehen wollte, dass Draco Malfoy seinen Auftrag von Du-weißt-schon-wem nicht ausführt."
Alan sah sie sehr skeptisch an. „Hat er das gesagt? Und du glaubst das?" Amanda zuckte mit den Schultern. „Ich würde es gerne glauben, aber es gibt für beide Möglichkeiten gute und schlechte Argumente. Keine Ahnung woher ich wissen soll, was die Wahrheit ist."
„Das ist eine gute Frage", bestätigte Alan. „Ich werde dir da kaum helfen können, befürchte ich. Ich kann dir nur sagen, dass ich sehr überrascht war und es mir nicht vorstellen konnte." „Wem sagst du das", entgegnete Amanda leise. Alan nickte und streichelte ihr tröstend über den Rücken. Eine Weile saßen sie schweigend nebeneinander, bis Alan erneut das Wort ergriff: „Hast du etwas gegessen heute? Ich nämlich nicht und würde daher noch etwas machen jetzt." Amanda schüttelte den Kopf. „Nur heute Morgen, aber ich möchte auch nichts, danke." Daher ging der junge Mann alleine in die Küche und ließ Amanda mit ihren Gedanken wieder alleine.
Als Alan mit seinem Essen fertig war und ins Bett gehen wollte, hatte Amanda vorerst eine Entscheidung getroffen. „Kann ich dich mit Christopher alleine lassen?" Alan runzelte die Stirn. „Warum? Wo möchtest du denn hin?"
„Ich muss noch einmal mit Severus sprechen. So kann ich das alles nicht wirklich entscheiden und etwas muss geschehen, sonst werde ich hier noch wahnsinnig." Verständnisvoll nickte ihr Gegenüber. „Sei aber bitte vorsichtig, es ist nun sehr viel gefährlicher als gestern noch."
„Ja, natürlich. Ich werde schon aufpassen."
„Gut, dann kann ich ja trotzdem ins Bett gehen." „Das musst du auch", sagte Amanda und ging in den Flur. Dort zog sie ihren Umhang über, um nicht so leicht erkannt zu werden.
„Bis morgen dann", rief sie ins Wohnzimmer und ging nach draußen. Als sie aus dem Schutzkreis um ihr Haus getreten war, apparierte sie in die Nähe von Severus Haus. Dort sah sie sich vorsichtig um, um sicher zu sein, dass niemand ungebetenes in der Nähe war. Doch es war mitten in der Nacht und so war keine Menschenseele zu sehen. Mit zügigen Schritten ging sie das letzte Stück nach Spinners End. Zögernd und mit klopfendem Herzen blieb sie vor der Tür stehen und nachdem sie tief Luft geholt hatte, klopfte sie schließlich an der Tür. Es musste einfach eine gute Lösung geben.
Severus hatte den Rest des Tages, nachdem er von Amanda weggegangen war, wie in Trance verlebt. Wenn er nicht gerade teilnahmslos ins Dunkel gestarrt hatte, war er entweder vor Erschöpfung kurz weggenickt, oder er hatte versucht etwas zu essen. Beides war jedoch nicht von großem Erfolg gekrönt gewesen. Er fühlte sich noch immer wie gerädert und auch das Essen hatte nach wenigen Bissen wieder weggeschoben, weil er einfach nicht hungrig war und sofort das Gefühl hatte, es würde nicht lange bei ihm bleiben. Wie sollte er bloß die nächsten Tage überstehen?
Als es an der Tür klopfte, hatte er sich gerade wieder in das nur spärlich erleuchtete Wohnzimmer gesetzt, nachdem er zuvor eine gefühlte Ewigkeit ruhelos durchs Haus gelaufen war, ohne etwas Produktives zu tun. Schwer seufzend stand er daher wieder auf und ging zur Tür. Dabei hoffte er inständig, dass es keiner der Todesser war, denn er fühlte sich gerade nicht in der Lage, sich mit irgendjemandem von ihnen auseinanderzusetzen. Aber wahrscheinlich würde ihm nichts anderes übrig bleiben, denn wer sonst sollte ihn besuchen kommen, dachte er sich bitter.
„Wer ist da?", fragte er schließlich, als er an der Haustür angekommen war. Er hatte keine Lust auf Überraschungen. „Ich", antwortete Amanda knapp.
Es dauerte einen Augenblick bis Severus erkannte, dass es Amanda war, die da sprach, denn er rechnete überhaupt nicht damit, dass sie so schnell oder vielmehr dass sie überhaupt auftauchen würde. Umso aufgeregter war er plötzlich. Sein Herz schlug ihm sofort bis zum Hals, in welchem sich gleichzeitig ein riesiger Kloß bildete. Was wollte sie hier? Gab es vielleicht doch noch Hoffnung? Er wollte gar nicht wagen daran glauben, um nicht enttäuscht zu werden. Dennoch öffnete er sofort die Tür, als er Amandas Stimme erkannte.
„Hallo", sagte sie leise. Jetzt, da sie etwas Ruhe gehabt hatte zum Nachdenken, fiel Amanda erst auf, wie müde, traurig und geschafft Severus wirklich aussah und es tat ihr weh ihn so zu sehen.
„Hallo", entgegnete auch er und ließ sie ein. Bevor er die Haustür schloss, sah er noch einmal hinaus, um auch sicherzustellen, dass niemand Amanda gefolgt war oder sah, wie sie sein Haus betrat. „Komm rein", sagte er schließlich bemüht ruhig, denn seine Gefühle fuhren gerade willkürlich Achterbahn. Severus deutete Richtung Wohnzimmer und ließ Amanda vorausgehen. Während sie den Raum betrat, zog er seinen Zauberstab und sorgte für etwas mehr Licht. Er selbst hatte sich die ganze Zeit mit zwei Kerzen begnügt.
Amanda war die Dunkelheit im Raum durchaus aufgefallen, doch mehr Kerzen machten es nicht viel heller wie sie fand. Kurz sah sie sich um und fand es für Severus Verhältnisse erstaunlich unordentlich. Schließlich sah Amanda ihn an und auch wenn sie eigentlich zum Reden gekommen war, so konnte sie nicht einfach über Severus Zustand hinweg sehen. „Wann hast du das letzte Mal geschlafen?", wollte sie im fürsorglichen Tonfall wissen.
Severus zuckte kurz mit den Schultern. „Schon länger her", antwortete er schließlich leise. Natürlich war er die letzten Stunden immer mal wieder weggenickt, aber das war nicht gerade erholsam gewesen. Richtig geschlafen hatte er schon seit mindestens achtundvierzig Stunden nicht mehr. Vielleicht auch länger. Er wusste es gerade nicht mehr so genau und es war ihm eigentlich auch egal.
Amanda seufzte leise. „Du solltest besser schlafen und etwas essen." Snape schüttelte den Kopf. „Nein. Ich kann nicht." Er sah müde aus, aber er konnte nicht schlafen, denn er fand keine Ruhe. Und essen wollte er nicht, denn er hatte keinen Appetit. „Severus, ich glaube nicht, dass wir uns so vernünftig unterhalten können." Amandas Worte machten nicht den Eindruck als würde sie groß mit sich diskutieren lassen und bevor Severus etwas antworten konnte, machte sie sich auf den Weg in die Küche. „Ich will nichts", wiederholte der Slytherin erneut, diesmal mit deutlicher Bestimmtheit und folgte ihr. „Ich habe weder Hunger noch Appetit."
Amanda ignorierte Severus Worte einfach und begann in seinen Schränken nach Zaubertrankzutaten zu suchen, bis sie schließlich die richtige Tür öffnete und sich in den Vorräten umsah. Normalerweise wäre sie niemals einfach an Severus Schränke gegangen, doch heute war so einiges nicht normal. Mit geübtem Blick suchte sie vier kleine Gläser hervor und stellte sie auf die Arbeitsfläche. Nachdem sie sich einen sauberen Becher genommen hatte begann sie die Zutaten zusammen zu mischen. „Du brauchst dir gar keine Mühe geben", schnarrte Severus als er ihrem Treiben eine Weile schweigend, aber mit anschwellendem Unmut zugesehen hatte. „Ich werde ihn nicht trinken. Würde ich einen Trank wollen, hätte ich ihn mir schon längst selbst zubereitet. Ich fühle mich durchaus auch so noch in der Lage, mich mit dir zu unterhalten."
Zunächst unbeeindruckt beendete Amanda ihre Bemühungen und schob den Becher in Severus Richtung. „Severus, jede wandelnde Leiche sieht besser aus als du jetzt und es ist mir egal, ob du meinst, dass du dich mit mir unterhalten kannst. Ich will, dass es dir erst besser geht und du einen klaren Kopf hast. Zumindest mehr als jetzt."
„Und ich will nicht bevormundet werden! Außerdem ist es mir gerade völlig gleichgültig wie ich aussehe."
„Als hätte das etwas mit dem Aussehen zu tun! Das spiegelt lediglich dein Inneres wieder!"
„Und?! Wo ist das Problem?! Ich habe ja wohl allen Grund dazu schlecht auszusehen!" Severus wurde langsam ungehalten. „Die letzten dreißig Stunden waren für mich ein einziger Alptraum! Ich habe alles verloren was mein Leben in den letzten Jahren ausgemacht hat! Ich stehe vor dem Nichts und war, bis du aufgetaucht bist, so alleine wie schon lange nicht mehr! Ich habe also jedes Recht der Welt so auszusehen wie ich gerade aussehe und mich so zu fühlen wie ich mich gerade fühle!"
Amanda sah ihn mit großen Augen an. Sie war definitiv nicht gekommen, um sich von ihm anschreien zu lassen. „Wenn du alles verloren hast, dann habe ich wohl nicht dein Leben ausgemacht in den letzten Jahren? Ich bin gekommen, damit es dir besser geht, aber wenn du dich weiter so fühlen möchtest, bitte, dann gehe ich wieder."
Wie blöd war sie eigentlich? Sie hatte allen Grund wütend zu sein, aber nein, sie wollte sich erst darum kümmern, dass es ihm besser ging, anstatt gleich auf ein Gespräch zu bestehen, damit alles für sie klarer wurde. Nun wirklich wütend drehte sich Amanda um und ging zurück ins Wohnzimmer.
Sofort fühlte sich Snape, als ob ein Kübel Eiswasser über ihm ausgekippt worden war und es schrillten bei ihm alle Alarmglocken. „Warte!", verlangte er nun wieder beherrschter, ging ihr nach und hielt sie am Arm zurück. „Ich will mich nicht weiter so fühlen und ich bin froh, dass du gekommen bist! Ich hatte nicht zu hoffen gewagt, dass du dich wirklich noch einmal meldest. Bleib... bitte!" Flehend sah er sie an und hoffte inständig, dass er nicht gerade alles verspielt hatte. Er wollte nicht, dass sie wieder ging.
Amanda holte tief Luft und sah ihn an. „Du hast das ganze letzte Jahr, wenn nicht die letzten zwei Jahre, immer etwas für irgendjemand anderen getan, nun tu bitte einmal etwas für mich und vor allem für dich und ruh dich aus!" Es war ja nicht nur so, dass Amanda lieber mit einem ausgeruhten Severus sprechen wollte, sie hatte auch durchaus seine zweifelhaften Pflichten bei Voldemort im Kopf und war sich nicht sicher, in wieweit er momentan in der Lage wäre dort allen etwas vorzuspielen.
Einen Moment sah Severus sie schweigend an und ließ ihren Arm wieder los, denn er war gerade wie vor den Kopf gestoßen. Hatte er gerade richtig gehört? Er hatte alles für andere getan? Für wen? Für Dumbledore? Für Potter? Sicherlich nicht, auch wenn er es vor Ewigkeiten einmal versprochen hatte. Er hatte alles immer nur für sie getan - für sie und Christopher. „Ich habe es für dich und Christopher getan und für niemanden anderen", entgegnete er schließlich ruhig, aber man könnte heraushören, dass er verletzt war. „Alles was ich mache, mache ich nur für euch; damit unser Sohn es einmal besser hat als ich." Amanda nickte etwas betroffen, soweit wollte sie eigentlich gar nicht ausholen, aber darüber konnten sie auch später noch reden. „Dann sei bitte einmal wenigstens zwei Stunden egoistisch."
„Ich will nicht." Severus schüttelte erneut den Kopf. „Ich will nicht schlafen, wenn du da bist. Außerdem–", er brach kurz ab. „Ich kann einfach nicht. Ich habe es schon versucht."
Sie fasste sich an den Kopf und dachte nur, dass Severus gerade anstrengender war als jedes Kleinkind. „Ich befürchte der Vorschlag, dass ich dann besser gehe, bis du dich erholt hast, wird auf wenig Gegenliebe stoßen und weil du es nicht kannst steht der Becher in der Küche." Irgendwie kam der Gedanke, dass sie es nur gut meinte nicht bei Severus an.
„Stimmt. Ich will nicht, dass du gehst. Eigentlich will ich das tun, weswegen du wahrscheinlich gekommen bist - reden. Ich glaube kaum, dass du mir beim Schlafen zusehen willst. Außerdem, wer kümmert sich eigentlich gerade um Christopher?" Erst jetzt kam ihm in den Sinn, dass das Ministerium und damit wahrscheinlich auch Carl, Alan und David noch in heller Aufruhr waren und dass sie sich somit vermutlich gar nicht um Christopher kümmern konnten.
„Ich würde schon Beschäftigung finden", sagte Amanda trocken, bevor sie hinzufügte: „Alan ist vor etwa einer Stunde nach Hause gekommen." Hoffentlich hatte Severus nicht befürchtet, sie hätte ihren Sohn alleine gelassen.
Das hatte er natürlich nicht gedacht, jedoch wollte er einfach wissen, wer sich gerade um seinen Sohn kümmerte. „Gut", murmelte er daher nur, dann seufzte er ein wenig. „Soll das nun heißen ich habe keine Wahl und du redest nicht mit mir, bevor ich nicht diesen verfluchten Trank trinke und mich hinlege?"
„Mir wäre es lieber, wenn du dich erst einmal etwas erholen würdest, dann fühlt sich auch alles nicht mehr so schlimm an." „Da bin ich mir zwar nicht so sicher, aber was mache ich nicht alles für dich", entgegnete Snape resigniert, dann machte er sich auf den Weg Richtung Küche. Es hatte wohl keinen Zweck weiter darüber zu diskutieren. Amanda ließ sich offenbar nicht umstimmen einfach so mit ihm zu reden.
Kopfschüttelnd sah ihm diese hinterher. Er wollte es wohl einfach nicht verstehen. Es war ja nicht so als würde sie ihn damit ärgern wollen. Trotzdem machte sie sich auf den Weg nach oben, um zu sehen ob im Schlafzimmer alles in Ordnung war. Severus folgte ihr kurze Zeit später, nachdem er den Trank getrunken hatte. Er fühlte sich bisher nicht wesentlich müder, als er ohnehin schon war, dennoch legte er sich ins Bett, als er im Schlafzimmer angekommen war. Er wollte nicht mehr weiter mit Amanda diskutieren, um nicht erneut einen Streit vom Zaun zu brechen und um der Gefahr zu entgehen, dass sie womöglich doch noch gehen könnte.
Amanda deckte ihn noch etwas weiter zu und musste dabei selbst über sich schmunzeln. Sie war schon sehr viel fürsorglicher geworden, seitdem sie Mutter war. Anschließend setzte sie sich auf die Bettkante und sah Severus an. „Schlaf gut." „Hm", brummte dieser, denn sein Körper schrie mittlerweile schon deutlich nach Ruhe. Der Trank schien doch noch seine Wirkung zu entfalten. „Ich hoffe, danach reden wir dann", murmelte er noch, bevor er schließlich die Augen schloss und kurze Zeit später einschlief. Amanda nickte nur kurz und war zufrieden, dass Severus schon dabei war in den Schlaf zu finden. Eine ganze Weile blieb sie noch bei ihm sitzen, bevor sie leise aufstand und in den unteren Teil des Hauses zurück ging.
Severus schlief gut und tief solange der Trank wirkte. Doch als dieser nachließ, wurde sein Schlaf immer unruhiger. Vor seinem inneren Auge tauchten wieder die Bilder des letzten Tages auf. Er hörte beständig wie sich eine Stimme weigerte und er wusste, dass es seine eigene war. Eine andere Stimme, die wiederum der Dumbledores sehr ähnelte, wiederholte immer wieder dessen letzte Worte. Severus rannte, während jemand Zauber auf ihn abfeuerte. Dann wechselte die Szene und er sah einen grünen Lichtblitz - aufgerissene Augen und plötzlich fiel er einen hohen Turm hinab.
In diesem Moment schreckte er schweißnass und schnell atmend aus dem Schlaf auf. Für einen kurzen Moment saß er starr im Bett, dann sammelte er sich zumindest wieder soweit, dass er aufstehen konnte. Er riss die Tür auf und stürzte nahezu in Richtung Bad. Dort angekommen drehte er sofort das kalte Wasser auf und warf sich ein paar Ladungen des kühlen und erfrischenden Nasses ins Gesicht, in der Hoffnung, dass die Eindrücke seines Traums so schneller wieder aus seinem Kopf verschwinden würden. Mit tropfnassem Gesicht über das Waschbecken gebeugt blieb er schließlich stehen und schloss noch einmal verzweifelt die Augen. Hoffentlich würden ihn diese Träume nicht allzu lange verfolgen.
Langsam aber sicher beruhigte sich sein Atem wieder.
Amanda hatte sich, während Severus schlief, auf einen der Sessel im Wohnzimmer sinken lassen. Lange Zeit grübelte sie nur vor sich hin, bis sie schließlich selbst mit dem Schlaf kämpfte. Erst als sie von schnellen Schritten im Obergeschoss geweckt wurde merkte sie, dass sie tatsächlich eingeschlafen war. Draußen war inzwischen die Sonne aufgegangen, welche den Raum in warmes Licht tauchte. Stirnrunzelnd stand Amanda auf und ging langsam hinauf. „Severus?", rief sie durch den kleinen Flur.
Der seufzte, als er Amanda hörte. Er hatte im ersten Moment gar nicht mehr daran gedacht, dass sie da war. „Im Bad", brummte er schließlich, dann angelte er nach einem Handtuch, um sich das Gesicht abzutrocknen. Sie ging einige Schritte näher zum Badezimmer. „Alles in Ordnung?" „Geht schon wieder." Severus legte das Handtuch wieder zurück, dann trat er aus der Tür.
„Was ist denn passiert?" „Nichts. Nur ein Alptraum." Kurz fuhr sich Snape durch die Haare. Das unangenehme Gefühl war noch immer nicht ganz verschwunden. Sanft berührte Amanda ihn am Arm. „Ich hoffe es kommt nicht öfter vor." Er seufzte. „Ich glaube, das wird mich noch eine Weile begleiten." „Das tut mir Leid", sagte sie leise.
Severus schwieg daraufhin, denn er wusste nicht, was er noch entgegnen sollte. Es war nun einmal wie es war. Er hatte Dumbledore getötet und auch wenn dieser es so von ihm verlangt hatte, so hatte er dennoch ein Menschenleben ausgelöscht. Daher geschah es ihm wohl nur recht, dass er nun Alpträume hatte. „Fühlst du dich trotzdem besser?" „Ein wenig. Solange der Trank gewirkt hat, habe ich auch gut geschlafen. Was hast du solange gemacht?" Er bemerkte erst jetzt, dass es schon Morgen war, da durch die noch offene Tür seines Schlafzimmers ein wenig Helligkeit auf den Gang fiel.
„Nicht viel, am Ende bin ich doch kurz eingeschlafen."
„Wollen wir in die Küche gehen? Ich mache uns einen Tee", schlug Severus vor, nachdem er eine notierende Kopfbewegung gemacht hatte. „Das können wir gerne machen." Amanda ging vor, auf dem Weg nach unten.
Snape folgte ihr. In der Küche angekommen, machte er sich schweigend daran Teewasser aufzusetzen. Er füllte einen alten Dampfkessel mit Wasser und stellte ihn auf den Herd. „Ist dir Schwarztee recht?", fragte er schließlich, als er fertig war. „Oder soll ich dir einen anderen machen?" „Nein, das ist schon gut", sagte sie und setzte sich an den kleinen Tisch. „Willst du noch immer nichts essen?" Severus schüttelte den Kopf, während er zwei Tassen auf den Tisch stellte. „Nein, gerade nicht. Vielleicht später. Ich würde jetzt lieber gern hören, weshalb du genau gekommen bist." Er setzte sich zu ihr an den Tisch, während er noch darauf wartete, bis das Wasser kochte.
„Nun kommen wir wohl zum komplizierten Teil." Amanda nahm sich die Tasse und sah Severus an. „Vermutlich", entgegnete dieser nur, dann begann der Kessel zu pfeifen und er stand noch einmal auf, um ihnen beiden das heiße Wasser in die Tassen zu gießen. Amanda wartete bis Severus wieder saß, bevor sie weiter sprach. „Es läuft wohl darauf hinaus, dass ich dir glauben muss oder eben nicht." Der nickte nur als Zeichen, dass er verstanden hatte, zog seine Tasse zu sich, umfasste sie mit den Händen und harrte der Dinge. Hoffentlich war es das erste, dachte er sich.
„Und da liegt eigentlich schon das ganze Problem. Es gibt für beide Möglichkeiten so viele Argumente und ich weiß einfach nicht was ich machen soll. Natürlich will ich dir glauben, ich will dich nicht verlieren, aber andererseits könnte es auch sein, dass du genau darauf spekulierst." Amanda zuckte mit den Schultern, um ihre Hilflosigkeit zu demonstrieren. Severus seufzte. „Ich kann nicht mehr tun als dir versichern, dass ich dich nicht angelogen habe." Kurz schwieg er, dann fuhr er fort. „Ich kann dir auch meine Erinnerungen zeigen, wenn du das willst." Amanda schüttelte den Kopf, auch wenn der Vorschlag verlockend war. „Es muss auch so funktionieren, ich kann nicht jedes Mal, wenn ich an dir zweifle deine Erinnerungen ansehen und wir wissen wohl beide, dass man auch die verändern könnte."
„Ja, ich weiß. Auch wenn ich, wie gesagt, keinen Anlass dazu habe."
„Irgendwie komme ich nicht weiter. Es fühlt sich jetzt schon besser an dir zu vertrauen als noch gestern Nachmittag, aber es gibt so viel zu bedenken." Amanda seufzte und sah in ihren Tee. Dann dachte sie an ihre erste Reaktion zurück, die diese Tat als vollkommen abwegig eingestuft hatte, vielleicht sollte sie dieser instinktiven Reaktion vertrauen? Severus schwieg kurze Zeit um nachzudenken. Was konnte er bloß tun, um sie davon zu überzeugen, dass er die Wahrheit sagte und sie ihm vertrauen konnte? „Was kann ich tun, um dir bei deiner Entscheidung zu helfen?", fragte er schließlich, denn er hatte keine sinnvolle Idee. Einen Moment sah Amanda ihn an, bevor sie doch wagte zu fragen. „Wie genau ist das alles passiert? Wie konnten die Todesser in Hogwarts eindringen?"
Severus seufzte, fasste sich mit zwei Fingern an die Nasenwurzel und schloss kurz die Augen. Er hatte schon geahnt, dass es auf ihn zukommen würde, alles noch einmal genauer zu erzählen, aber er hatte trotzdem gehofft, dass es ihm erspart bleiben würde. „Soweit ich weiß, hat Draco ein kaputtes Verschwindekabinett im Raum der Wünsche entdeckt und die ganze Zeit versucht es wieder zu reparieren. Gleichzeitig muss er wohl ein Gegenstück dazu gefunden haben. Irgendwann ist es ihm gelungen die Verbindung zwischen ihnen herzustellen und so konnten alle unbemerkt ins Schloss gelangen. Ich habe davon erst im Nachhinein erfahren. Ich habe zwar das ganze Schuljahr über versucht herauszufinden was er genau vor hat, aber er ist mir gegenüber viel misstrauischer geworden als früher. Bellatrix hat ihm das bestimmt eingeredet." Bei der Erwähnung von Dracos Tante wurde Severus Ton automatisch deutlich kälter und verächtlicher.
„Ach so", sagte Amanda knapp und dachte einen Moment darüber nach. „Und wieso war Dumbledore ganz alleine und ohne Zauberstab?" Eigentlich wollte sie nichts zu detailliertes hören, aber diese Sache hatte sie schon die ganze Zeit gewundert.
„Er war nicht alleine. Potter war bei ihm. Allerdings hatte Albus ihn ruhig gestellt, sodass er nur zusehen und nicht eingreifen konnte. Er wollte es nicht, weil er es nicht so geplant hatte. Ich–", kurz pausierte Severus, denn es kostete ihn Überwindung alles was nun kam noch einmal zu erzählen und das auch noch Amanda. „Ich kam erst dazu, als schon alle auf dem Astronomieturm waren. Draco hatte es nur geschafft Dumbledore zu entwaffnen, aber er konnte sich trotz Drängens seiner Tante nicht durchringen es zu Ende zu bringen. Also bat Dumbledore mich noch einmal darum – und ich hab es getan." Die letzten Worte sprach Snape immer leiser, bis es nur noch ein Flüstern war. Dann presste er seine Faust kurz an den Mund, wie um zu verbergen, dass seine Lippen bebten.
Amanda streckte ihren Arm über den Tisch und berührte Severus Hand. Es schien ihn sehr mitzunehmen, alles noch mal zu erzählen und auch wenn es nicht sehr taktvoll war, beruhigte sie diese Tatsache noch etwas mehr. Die Frage wieso jemand wie Draco es schaffte Dumbledore zu entwaffnen sparte sie sich. „Und wie geht es nun weiter? Du bist für alle anderen nun der Todesser und der Einzige, der weiß dass es anders ist, bist du?"
Severus ließ diese Berührung zu, denn es tat ihm sehr gut. Allerdings traute er sich noch nicht sie zu erwidern, denn er hatte Angst, dass Amanda sich wieder zurückziehen würde. Außerdem befürchtete er, dass er sein letztes bisschen Selbstbeherrschung noch verlieren würde, wenn er gerade noch mehr Nähe zuließ. „Ja", antwortete er schließlich leise auf ihre Frage. „Ich sagte ja bereits, wenn du mir nicht glaubst, dann gibt es nur noch mich."
Es dauerte einige Minuten bis Amanda einige halbwegs klare Gedanken gefasst und für diese die richtigen Worte gefunden hatte. Zwar war sie sich nicht vollkommen sicher, dass Severus die Wahrheit sagte, aber das konnte man wohl bei niemandem sein und nach allem was sie zusammen erlebt hatten, klang seine Geschichte für sie sehr viel plausibler, als alle anderen. „Wir sollten uns überlegen, was ich meiner Familie sage", meinte sie schließlich.
„Heißt das, du glaubst mir?" Severus wagte es noch kaum zu glauben, doch scheinbar hatte er es wirklich geschafft und Amanda vertraute ihm wieder. Er fühlte schon jetzt, wie sich eine unendliche Erleichterung in ihm ausbreitete. „Ich denke schon", entgegnete sie, auch wenn sich eine gewisse Unsicherheit nicht ganz verbergen ließ. Ihr Gegenüber wagte ein leichtes Lächeln und man sah ihm an, dass er sehr erleichtert war. Sofort fühlte er sich deutlich besser. „Dann sollten wir uns wirklich Gedanken darüber machen, was du deiner Familie sagen kannst."
Auch Amanda war froh eine Entscheidung getroffen zu haben. „Ich denke es sollten so wenige Personen wie möglich die Wahrheit wissen."
„Das denke ich auch", bestätigte Severus. „Aber da ich hoffe, dass ich euch in den nächsten Wochen und Monaten wieder öfter besuchen kommen kann – sofern du nichts dagegen hast – wird es sich wohl nicht vermeiden lassen, dass ich dem ein oder anderen begegnen werde."
„Das ist wahr. Alan also sicherlich und... ich weiß es nicht. Es kommt wohl auch darauf an wie es sich alles weiterentwickelt. Da alle im Ministerium arbeiten, könnte es passieren, dass nicht nur Alan bei mir Zuflucht suchen muss, auch wenn ich hoffe, dass das nicht nötig sein wird."
„Das nächste Ziel des Dunklen Lords wird sein, das Ministerium unter seinen Einfluss zu stellen, jetzt da Dumbledore weg ist. Ich glaube nicht, dass unser jetziger Zaubereiminister noch lange im Amt sein wird." Snape rieb sich die Stirn mit den Fingern, wie um besser nachdenken zu können. „Denkst du es wird reichen, wenn du allen einfach nur sagst, dass du mir vertraust und das auch seine Gründe hat?", fragte er schließlich, doch er gab sich die Antwort kurz danach quasi schon selbst. „Wahrscheinlich nicht... Deinem Vater wird das sicherlich nicht genug sein und deinem Bruder auch nicht. Er war mir ja ohnehin noch nie sonderlich wohlgesonnen." Amanda nickte, mit solchen Plänen Voldemorts hatte sie schon gerechnet. „Es wird kaum eine andere Möglichkeit geben."
„Nein, wohl nicht. Ich will nicht allen erzählen müssen was wirklich passiert ist."
„Nein, das müssen sie auch nicht wissen. Ich wüsste nicht was wir sonst tun könnten."
„Nichts. Mir fällt jedenfalls nichts ein. Sie müssen im Grunde darauf vertrauen, dass du weißt was du tust. Vielleicht lassen wir es auch einfach auf uns zukommen." Snape war mit dieser Lösung zwar nicht wirklich zufrieden, aber es würde ihnen und vor allem ihm vorerst nichts anderes übrig bleiben. „Das befürchte ich auch, aber das sollte nach allem nicht das große Problem werden."
„Meinst du? Ich weiß nicht... Aber ich hoffe natürlich du hast Recht." Severus hatte eigentlich keine Lust auf einen permanenten Spießrutenlauf und er wollte auch nicht ständig dem Misstrauen oder gar den Anfeindungen von ihrer Familie und Alan Riley ausgesetzt sein, wenn er Amanda besuchte. „Ich habe nicht gesagt, dass es einfach wird, aber es muss irgendwie gehen und ich hoffe, dass sie mir genügend glauben werden." Amanda seufzte. Es war wirklich nicht so, als wären nun ihre Probleme geklärt.
„Das hoffe ich auch. Ansonsten muss ich mir wohl etwas einfallen lassen." Severus trank einen Schluck Tee, dann sah er kurz auf die Uhr. „Solltest du nicht langsam wieder zurück, oder muss Riley heute nicht arbeiten?" Es war nicht so, dass er Amanda gerne los haben wollte, aber natürlich sollte Christopher gut versorgt sein. „Es ist doch noch so früh, er wird sicher noch eine halbe Stunde warten können", sagte Amanda ruhig und sah Severus an. Er fühlte sich fremder an als jemals zuvor. „Gut", entgegnete dieser, schwieg anschließend kurze Zeit und blickte in seine Tasse. Dann sah er auf und erwiderte ihren Blick. „Ich bin froh, dass du da bist."
„Es fühlt sich noch seltsam an", gab Amanda zu. Severus seufzte. „Das tut mir leid." Er sah sie weiter stumm an, dann legte er seine offene Hand mitten auf den Tisch, in der Hoffnung, dass sein Gegenüber zugreifen würde. Er hatte gerade den starken Wunsch ihre Nähe zu spüren, aber er war sich unsicher ob sie das genauso sah. Gedankenverloren legte Amanda ihre Hand in seine. „Ich muss mich wohl nur etwas daran gewöhnen und alles verarbeiten." Er schloss seine Hand um ihre und drückte sie sanft. „Ja. Und nicht nur du. Für mich ist das auch keine leichte Situation." „Daran möchte ich gar nicht denken. Als hättest du nicht schon genügend zu verkraften."
„Es ist mir schon viel geholfen, dass du mir weiterhin vertraust und glaubst. Das bedeutet mir sehr viel, Amanda." Severus sprach ruhig und ernst, gleichzeitig griff er auch mit seiner zweiten Hand nach ihrer. „Ich hatte solche Angst, dass du mir nicht glauben würdest."
„Das war ja auch nicht so einfach alles. Was meinst du wie erschrocken ich war." „Ich kann es mir vorstellen. Und es tut mir wirklich sehr leid, dass ich dir das angetan habe. Ich habe bis zum Schluss gehofft, dass mir das alles erspart bleibt und damit auch dir." „Für jemanden wie Dumbledore war wohl so etwas wie ein Tod im Schlaf leider nicht zu erwarten, auch wenn er es wohl verdient hätte." „Ja. Aber ich glaube, es war ihm auch nicht unrecht so zu sterben. Er hat dadurch noch das Beste aus der Tatsache gemacht, dass es ohnehin bald zu Ende gewesen wäre mit ihm. Das Beste für die Sache wohlgemerkt", fügte Severus nach kurzem Schweigen noch an, denn für ihn selbst hätte er sich durchaus besseres vorstellen können.
„Sehr praktisch orientiert", sagte Amanda knapp. „Es wird vielen Leuten Angst machen. Mir macht es Angst." Severus lächelte schief bei ihren Worten. „Mir auch. Aber es ist nun wie es ist und mir bleibt nur zu versuchen das umzusetzen was er mir aufgetragen hat. Vielleicht hilft dir also das Wissen, dass er nicht gegangen ist, ohne Anweisungen hinterlassen zu haben."
„Was hat er dir denn noch aufgetragen?", wollte sie wissen.
„Potter weiter zu helfen und zu versuchen den Einfluss des Dunklen Lords auf Hogwarts und damit die Schüler möglichst gering zu halten. Wie ich das alles genau bewerkstelligen soll weiß ich zwar noch nicht, aber ich werde es versuchen."
„Was wird nun aus Hogwarts? Meinst du die Eltern werden ihre Kinder nun noch zur Schule schicken?" „Ich weiß es nicht. Bestimmt nicht mehr alle. Aber es gibt durchaus auch Eltern denen es gerade recht sein würde, wenn die Schule von Muggelstämmigen befreit wäre. Das neue Schuljahr wird also beginnen wie immer. Es ist nur noch nicht sicher unter welcher Leitung." „McGonagall wäre doch da zum Beispiel." Severus machte eine verneinende Geste. „Ich glaube nicht, dass der Dunkle Lord zulassen wird, dass sie Schulleiterin wird, jetzt da Dumbledore weg ist. Er wird die Schule unter seinen Einfluss bringen wollen." „Ich dachte das entscheidet der Schulrat."
„Ich schätze da gibt es Mittel und Wege die Mitglieder dazu zu bringen 'richtig' zu entscheiden." Amanda nickte. „Ich hoffe es hört irgendwann auf schlimmer zu werden."
„Das hoffe ich auch. Es liegt alles an Potter. Wenn der endlich mal in die Gänge kommen würde, statt sich ständig nur auf andere zu verlassen... Ich darf gar nicht darüber nachdenken, dass alles nur von diesem elenden Bengel abhängt!"
„Das verstehe ich immer noch nicht. Wieso hängt es so an ihm? Nachdem was du so erzählt hast, ist er ja nicht gerade sehr talentiert." „Ist er auch nicht. Das ist ja das Schlimme. Warum es so an ihm hängt weiß ich auch nicht. Albus hatte da so seine Theorie und ich vertraue darauf, dass sie auch wirklich den Tatsachen entsprechen wird. Er hat sich viel und lange mit diesem Thema beschäftigt und ich hoffe, er hat Potter hinreichend gut auf seine Aufgabe vorbereitet, auch wenn ich nicht den Eindruck habe, dass dieser Schwachkopf etwas Wissenswertes dazugelernt hat."
„Das ist ja nicht gerade beruhigend", fand Amanda. „Aber mir bleibt ohnehin nur abwarten übrig."
„Nein, ist es nicht. Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Ich will nicht daran denken, dass vielleicht alles völlig umsonst war." „Das darf es nicht sein! Sonst müssen wir alle auswandern….." „Selbst darin sehe ich ein Problem für mich. Leider."
„Lieber nicht daran denken, es muss auch ein gutes Ende geben." Severus nickte. „Ich wünsche mir nichts mehr als das. Ich will endlich meine Zeit mit euch verbringen und nicht mit dem Babysitting von Potter." „Das wäre in jedem Fall ein Fortschritt."
Severus nickte nur noch, denn er wusste nicht, was er dazu noch sagen sollte. „Wann musst du denn gehen?", fragte er schließlich und trank noch einen Schluck vom nur noch lauwarmen Tee. „Lange kann ich wohl nicht mehr bleiben, ich denke Alan wird noch viel zu tun haben."
Der Slytherin nickte. „Schade. Aber natürlich musst du zurück zu Christopher." Eigentlich wollte er nicht, dass Amanda wieder ging und am liebsten wollte er mit, doch das wagte er nicht zu fragen.
„Noch kann er nicht alleine auf sich aufpassen." Momentan ging auch Amanda nicht gerne, doch sie ahnte, dass etwas Zeit zum Nachdenken besser sein würde und noch wollte sie einer Konfrontation mit anderen aus dem Weg gehen. Erst musste sie sich selbst wieder finden.
„Nein. Das wird wohl noch eine Weile dauern." Severus hatte gehofft, dass Amanda ihn vielleicht fragen würde, ob er mitkommen wollte, aber offenbar wollte sie momentan erst einmal auf seine weitere Gesellschaft verzichten. Einerseits konnte er das nachvollziehen, doch andererseits war er auch ein wenig enttäuscht. Er hätte gerade viel darum gegeben, nicht schon wieder alleine sein zu müssen mit seinen Gedanken.
„Vielleicht kann ich heute Abend wiederkommen, oder wie geht es nun bei dir weiter?" „Ich werde vorerst hier bleiben. Es gibt nun nichts mehr für mich zu tun fürs Erste." Amanda nickte. „Meinst du es ist gefährlich, wenn ich hierher komme?" Sie wollte ihm momentan nicht noch mehr Sorgen bereiten als unbedingt notwendig.
Severus machte eine unschlüssige Geste mit dem Kopf. „Auch wenn ich mich sehr darüber freuen würde, wenn du heute Abend kommst – ich habe nicht unbedingt das beste Gefühl dabei. Das Haus ist nicht optimal geschützt und einigen Todessern ist definitiv bekannt wo ich wohne. Darunter sind so illustre Gestalten wie Bellatrix Lestrange. Ich glaube zwar kaum, dass einer von ihnen in den nächsten Tagen hier auftauchen wird, aber die Möglichkeit besteht natürlich. Es wäre nicht gut, wenn dich irgendwer hier sieht – ganz egal wer es am Ende ist. Wer weiß... Vielleicht bekomme ich in den nächsten Tagen auch noch Aurorenbesuch." Severus lächelte schief bei dem Gedanken, denn er konnte auf eine derartige Begegnung durchaus verzichten.
Etwas erschrocken sah sie ihn an, doch was hatte sie erwartet? So verwunderlich war das schließlich wirklich nicht. „Ich hoffe, dass sie genauso weiterschlafen wie bisher in diesem Fall." Snape zuckte lediglich kurz mit den Schultern. „Ich muss leider damit rechnen. Sie dürften Mittel und Wege besitzen, meine Adresse ausfindig zu machen. Ich wohne hier schließlich nicht seit gestern. Es ist mein Elternhaus, wie du weißt." „Ich nehme an du hast dir überlegt, was du dann tun willst."
„Wie man's nimmt. Ich werde zusehen, dass ich verschwinde. Ich habe keine Lust auf eine Auseinandersetzung. Nur wohin ich dann gehe weiß ich noch nicht genau. Ich könnte natürlich zu Lucius, aber darauf würde ich lieber verzichten."
„Das kann ich mir vorstellen."
„Vielleicht könnten wir uns heute Abend woanders als hier treffen? Und spazieren gehen? Falls du willst... Ich weiß es nicht. Aber es wäre mir lieber, wenn du nicht hierher kommen würdest. Sicher ist sicher." „Ich werde sehen was ich tun kann. Wir haben ja das Buch."
„Ja. Dann warte ich darauf, dass du dich meldest."
Amanda trank den letzten Schluck von ihrem Tee. „Das mache ich." Dann sah sie auf die Uhr. „Ich denke, ich sollte nun los." „Ich will dich nicht aufhalten. Gib Christopher einen Kuss von mir." Dass Severus noch immer am liebsten mitgehen würde, verschwieg er.
„Das mache ich." Dann lächelte Amanda ihn das erste Mal bei diesem Treffen richtig an. „Es wird schon irgendwie gehen, Severus. Es muss." Severus lächelte froh und irgendwie erleichtert zurück, dann stand er auf. „Danke, dass du da warst", sagte er schließlich leise und sah sie weiter an. Ob er es wagen konnte, sie zu umarmen?
„Ich hatte kaum eine andere Wahl." Sanft lächelnd streichelte sie über seinen Arm. „Versuch dich auszuruhen, wenn es geht." „Ich werde es versuchen", entgegnete Severus, dann trat er etwas näher an Amanda heran und griff vorsichtig nach ihrer Hand. „Jetzt fällt es mir bestimmt leichter, nachdem du da warst." „Gut. Ich appariere besser gleich von hier, wer weiß, ob es draußen nicht doch jemand sieht." Sie drückte seine Hand, beugte sie vor und gab ihm einen kurzen Kuss auf den Mund. „Ist gut", bestätigte der Slytherin noch, bevor er geküsst wurde. Kurz sah er Amanda danach noch nachdenklich an, doch dann fasste er sich ein Herz, zog sie vorsichtig vollends an sich und nahm sie in den Arm.
Amanda seufzte und ließ die Umarmung zu, es fühlte sich allerdings noch etwas fremd an. „Ich muss los", sagte sie dann leise. Severus spürte, dass es ihr unangenehm war, dass er ihr so nahe gekommen war und das versetzte ihm einen Stich. Sofort ließ er sie wieder los. „Ist gut", bestätigte er leise und atmete tief durch. Es fiel ihm schwer sie los und gehen zu lassen. „Ich melde mich dann", sagte sie und trat einen Schritt zurück um zu apparieren. „Bis heute Abend." Amanda atmete tief ein und disapparierte.
„Bis dann", sagte Snape nur noch, dann war sie verschwunden und er wieder allein.
