Kapitel 2

Darth Vader ragte wie ein schwarzer Monolith aus den verbliebenen kampffähigen Sturmtruppen, die sich um ihn versammelt hatten, und ihre Zahl schrumpfte beständig und beängstigend schnell. Beide Seiten hatten herbe Verluste erlitten, doch die Aufständischen konnten ihre geringere Zahl mit einer Ionenkanone, die in einem als Tempel getarnten Gebäude in der Dorfmitte verborgen gewesen war, wettmachen und rissen große Lücken in die Imperialen, bevor diese sich neu gruppieren konnten.

Hinzu kam das stärker werdende und verdammt beunruhigende Gefühl dieser… Löcher, die größer wurden und sich vermehrten, bis er schließlich in einem Machtvakuum wie in einer großen Luftblase gefangen war. Vader hatte keine Erklärung dafür, es war, als ob ihm jemand einen Sinn amputiert hätte. Nein. Schlimmer. Die Rüstung, die er sonst kaum noch spürte, hatte plötzlich ihr tatsächliches Gewicht. Jeder Atemzug war eine Qual, und langsam wurden seine Arme schwer… er wurde müde! Allein seine gewaltigen, nahezu unmenschlichen Kräfte und die vom jahrelangen, täglichen Training gestählten Muskeln hatten ihm erlaubt, so lange durchzuhalten. Ihm unterliefen Fehler. Schüsse durchdrangen seine Verteidigung, da seine Reaktionen, nur mehr menschlich und nicht mehr von der Macht beherrscht, langsamer waren als üblich. Einer oder zwei davon hatten seine Lebenserhaltungssysteme beschädigt; Statik knisterte beunruhigend auf der zentralen Brustplatte und Kontrollampen flackerten nervös.

Das Heranschwirren der Tie-Fighter wie ein Schwarm wütender Wespen war in diesem Moment das Schönste, was er je gesehen hatte – gekrönt von Veers' AT-AT, der ihnen dichtauf folgte.

Er ignorierte die Schmerzen, sammelte letzte Kraftreserven, fuhr fort, Köpfe zu nehmen, während seine Truppen unaufhörlich auf die sich verschanzenden Aufständischen feuerten und dabei immer weiter aufgerieben wurden.

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Veers setzte sich persönlich an den Feuerleitstand der von ihm entwickelten Kampfmaschine und justierte die Kontrollen mit akribischer Genauigkeit und kalter Befriedigung, bevor er die gegnerischen Stellungen unter Feuer nahm – zunächst die in der unmittelbaren Nähe Vaders. Unter dem Geher stürmten währenddessen andere Truppen los, während Teile von ihnen mobile Kanonen aufstellten und ebenfalls das Feuer eröffneten. Mit der Unterstützung der Ties hatten sie die Situation binnen Sekunden und ohne weitere Verluste unter Kontrolle, und das Aufräumen und Ausräuchern letzter Widerstandsnester begann – mit noch größerer Gnadenlosigkeit als zuvor.

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Veers verließ den Geher und näherte sich Vader – gerade rechtzeitig, um seinen Befehlshaber schwanken und plötzlich langsam zu Boden gehen zu sehen. Funken sprühten aus einem Kontrollpanel auf seiner Brust, und er hatte gerade noch die Geistesgegenwart, seine Klinge zu löschen, bevor er bewußtlos auf dem Boden aufschlug.

„Mylord!"

Veers war mit einem Satz bei ihm und über ihm, studierte die Brustplatte, begann mit einer Justierung und Rekalibrierung des versagenden Systems, fluchte, als er sich trotz der Handschuhe die Finger verbrannte und schlug die kleinen Flämmchen aus, die unter dem Metall hervordrangen.

Wie Piett schätzte er Vader zutiefst. Bei ihm jedoch ging das Gefühl tiefer als bloßer Respekt oder schiere Heldenverehrung – er empfand etwas für den schwarzen Lord, das er tief in sich verbarg und verheimlichte: er liebte ihn. Die Erkenntnis hatte ihn eines Tages vollkommen unerwartet überrollt und hilflos und schockiert zurückgelassen. Er hatte darüber nachgedacht und sich dann damit abgefunden – mit der Tatsache an sich ebenso wie damit, daß dieses Gefühl auf ewig einseitig und unerwidert bleiben würde. Wie Vader war Veers Witwer, sein Sohn war erwachsen und diente ebenfalls in der Flotte, und so war er allein – und auch damit hatte er sich abgefunden. Das einzige, was er wagte, war, soviel Informationen wie möglich zu sammeln. Aus Interesse, aus Faszination, aus dem Bedürfnis heraus, alles zu wissen, und auch, es parat zu haben, wenn es einmal notwendig war. Und als General standen ihm viele Wege offen, nicht alle legal, einiges hatte er auch über Mittelsmänner heimlich beschafft und teuer bezahlt, aber wozu brauchte er schon Geld? Und nun, endlich, hatte er Gelegenheit, Teile seines Wissens sinnvoll anzuwenden.

Vaders lebenserhaltende Rüstung hätte ihn als Ingenieur auch ohne seine Gefühle für den Träger fasziniert. Die Informationen über die Bedienelemente allerdings waren in seiner Sammlung die mit teuersten Stücke. Er betete, daß die Investition sich heute auszahlte… und daß die Informationen der Wahrheit entsprachen.

Veers arbeitete fieberhaft und schnell, er wußte, daß bei einem Versagen der Systeme die Zeit ein Faktor war, der gegen ihn arbeitete. Er betätigte Schalter auf der Brustplatte in einer bestimmten Reihenfolge, fluchte, als keine Reaktion erfolgte, und zog den schweren Mann in eine sitzende Position, um einen verborgenen Schalter auf seinem Rücken zu suchen. Endlich sprangen die Automatiken wieder an – das Geräusch des wiedereinsetzenden Beatmers war wie Musik in Veers' Ohren, und erschöpft hielt er einen Moment inne, Vader noch an seine Brust gezogen und in einer Art Umarmung haltend, als der Mann sich plötzlich regte. Sanft ließ er ihn auf den Boden zurückgleiten, prüfte nochmals die Systeme und fluchte erneut, als ein System immer noch nicht wieder arbeitete, eines, das keinesfalls warten konnte, bis sie an Bord waren. Aber wie reparieren? Die Innereien saßen in Vaders Gürtel, und kurzerhand schraubte er das entsprechende Panel ab. Ah… eine Sicherung war durchgebrannt. Beinahe hätte er gelacht vor Erleichterung.

„Was ist so komisch, General?"

Vaders Kopf hatte sich leicht gedreht und ihm zugewandt. Bei ihm war es schwierig, zu sehen, ob er bei Bewußtsein war oder nicht, denn der Visor war nur in eine Richtung durchlässig. Veers wußte mittlerweile, daß Vader blaue Augen hatte… manchmal träumte er davon. Er würde viel darum geben, sie tatsächlich einmal sehen zu können.

„Euch ist eine Sicherung durchgebrannt, Mylo-" Er hielt erschrocken inne, als ihm aufging, wie idiotisch und beleidigend das klang, würgte ein hysterisches Lachen hinunter und wurde statt dessen bleich.

„Darüber sprechen wir noch.", grollte Vader, doch es klang müde.

„Verzeihung, Mylord, aber es ist wahr. Ich muß eine Sicherung aus Eurem Vocodersystem ausbauen, dort sind dieselben eingesetzt." Er gab dem Sith keine Gelegenheit zum Protest, sondern öffnete ein Panel weiter links, aus dem er die Sicherung entnahm und mit ihr die defekte ersetzte. Und endlich sprang auch das letzte lebenswichtige System wieder an, und er seufzte erleichtert.

Das kostet dich deinen Kopf, Max.

Die Gedanken waren so sehr seine eigenen, daß er einen Moment brauchte, um festzustellen, daß es nicht seine eigene Gedankenstimme gewesen war, die dies ausgesprochen hatte, und so antwortete er aus schierem Reflex: Um mir den zu nehmen, mußt du erstmal überleben.

Ich komme darauf zurück., antwortete die Stimme mit deutlich mehr Amüsement als zuvor, und Veers erkannte endlich, daß es Vader war, der das gesagt hatte – in seinem Kopf. Seine mentale Stimme klang anders als die Vocodermodulierte, heller und wärmer.

Veers schloß die Augen. Himmel, ich habe den schwarzen Lord geduzt…!, schoß es ihm durch den Kopf. Am Besten erschieße ich mich gleich…

Hilf mir hoch., befahl Vader, aber mit der neuen Stimme klang es mehr wie eine Bitte – beidem kam er gerne nach, wenn auch besorgt.

„Ihr seid verletzt.", wandte er ein, während er ihn stützte.

Unwichtig. Solange die Systeme arbeiten, kann der Rest warten… und das tun sie, dank Dir.

Vader legte einen Arm um Veers' Schultern, wie selbstverständlich, und Veers überlief ein Schauer, den er zu unterdrücken versuchte. Dem dunklen Lord so nah zu sein, seinen Körper und sein Gewicht zu spüren, dazu der Duft des Leders seines Anzugs und der Hauch seines Eigengeruchs, der ihm in die Nase stieg und, vor allem, diese Hand auf seiner Schulter, die ihn so natürlich und so vertrauensvoll berührte… Der General atmete tief aus und rang um Beherrschung.

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Vader wandte den Kopf und musterte ihn nachdenklich. Die Ausputzer hatten, gemäß Veers' Befehlen, bereits gute Arbeit geleistet und auch die meisten der sonderbaren Tiere getötet, die sie entdeckt hatten. Einige wurden auf Vaders Anweisung jedoch gefangen – für spätere Tests. Sie sollten nach Vjun geschickt werden, auf Vaders Burg – er war extrem beunruhigt durch die Tatsache, daß es etwas gab, das die Macht unterdrückte, ausblendete, ihn hilflos machte. Aber jetzt wurde die Vakuumblase wieder löchrig, und langsam kehrten seine Sinne zurück, im selben Maße, wie es ihm gelang, die Schmerzen zu unterdrücken. Veers war… nervös. Aber nicht ängstlich… eher… besorgt, als würde er etwas verbergen wollen. Und doch war sein Geist ihm gänzlich zugewandt, waren all seine Sinne offen und freundlich auf ihn gerichtet.

Er hatte ihm das Leben gerettet, unzweifelhaft. Aber woher WUSSTE er, was er tun mußte? Und, wichtiger: WARUM wußte er es?

Ein Spion Palpatines? Unwahrscheinlich. Dazu stimmten die Wellen nicht, die er aussandte. Ein getarnter Rebell? Der hätte ihn sterben lassen. Ein Rätsel, also.

Vader lächelte leicht unter seiner Maske. Es würde ihm Vergnügen bereiten, dieses hier zu lösen.