Noch ein kurzes Kapitel… aber die Trennung an der Stelle bot sich an. Ab jetzt werden sie länger ;o)

Kapitel 3

Die Rückkehr zur EXECUTOR war kein Problem mehr. Veers blieb bei Vader, als dieser von Medidroiden und der Bordärztin in Empfang genommen wurde, und erklärte ihnen, was er getan hatte und warum das Vocodersystem ausgefallen war. Er trödelte länger als notwendig herum, um zu erfahren, was seinem Kommandeur fehlte, und ließ sich erst verscheuchen, als feststand, daß keiner der Treffer lebensbedrohlich war und die meisten ohnehin nur lästig und oberflächlich. Einigermaßen beruhigt kehrte er in den ihm unterstellten Bereich des gigantischen Schiffes zurück und realisierte dort das erste Mal richtig, was eigentlich passiert war: er hatte über sechzig Männer verloren. Trauer überrollte ihn wie eine große Welle, und er schmeckte Bitternis und Säure in seinem Mund. Verdammter Krieg…! Aber beide Seiten vergaben sich nichts, hüben wie drüben starben und litten Leute. Und wozu? Er schloß die Augen, schob die ketzerischen Gedanken in seinem Denken weit nach hinten und machte sich an die traurige Pflicht, die Familien der Gefallenen zu informieren.

- - - - - - - - - - - - - - - -

Die Bordärztin, eine schlanke, hochgewachsene Frau mit kupferfarbener Haut, hohen Wangenknochen und lackschwarzem, langen Haar, wurde von allen nur Corva, Rabe, genannt. Kaum einer kannte ihren richtigen Namen – und selbst Vader nannte sie so, unter vier Augen. Und das war ihr mehr wert als alle Orden und Auszeichnungen der Galaxis.

Sie untersuchte ihn gründlich, behandelte die Schrammen, die er abbekommen hatte, und widmete sich dann mit ihm zusammen den Reparaturen seines Anzugs. In seinen Diensten war sie gewissermaßen auch noch zur Feinmechanikerin geworden, eine neue Herausforderung, die ihr großen Spaß machte – selbst in dem Bewußtsein, etwas Verbotenes zu tun, etwas äußerst Gefahrvolles. Denn zusammen mit Vader hatte sie sich darangemacht, den Anzug und die Prothesen zu verbessern.

Das Ursprungsmodell, von Palpatines Medidroiden zusammengeschustert, war grob gewesen, hatte schlecht gepaßt und machte Vader ungelenk – abgesehen von dem steten Schmerz, den die ungenauen Schnittstellen verursachten. Er hatte zwar gelernt, dies mit der Macht auszublenden und zu umgehen, aber er war gezwungen gewesen, sich zu verbiegen, sich den Ansprüchen des Anzugs anzupassen statt umgekehrt.

Es hatte eine Weile gebraucht, bis er ihr gestattet hatte, ihm so nahe zu kommen – schließlich war der Anzug seine Haut, sein Herz, seine Lunge – das, was ihn vom Tod trennte. Aber sie hatte sich von seinem Brummen und Drohen nicht abschrecken lassen, ihm die Stirn geboten, was ihm imponierte – und er spürte ihre ehrliche Besorgnis und ihre Wut als Ärztin, mit ansehen zu müssen, wie er litt. Und so hatten sie sich darangemacht, Verbesserungen anzubringen – behutsam, heimlich, nach und nach. Denn aus irgendeinem Grund hatte Vader das Gefühl, daß es besser wäre, wenn der Imperator nichts davon erführe…

Es ging langsam, denn die meisten Teile waren nicht unauffällig zu beschaffen, und sie benutzten viele Mittelsmänner, um ihre Spuren zu verwischen. Mittlerweile hatten sie beide Unterschenkel verändert – sie hatten ihn am meisten beeinträchtigt – den Helm modifiziert und Kleinigkeiten am Anzug verbessert. Und nun fühlte er sich endlich zuhause darin. Und das Beste war: durch das geduldige Studium seines Gesundheitszustands, der genauen Analyse seiner tatsächlichen Verletzungen und der Erfassung seiner Bewegungsabläufe hatten sie festgestellt, daß es so schlimm gar nicht war, wie es zunächst den Anschein hatte – oder die Macht hatte schon einiges geheilt. Seine Lungen waren eingeschränkt in der Lage, selbst zu arbeiten, die Muskeln im noch vorhandenen Fleisch waren stark und in hervorragendem Zustand, und sein Herz war immer noch das des jungen Jedi, es schlug stark und stetig.

Weitere leichte Modifikationen betrafen den Helm. Sie verringerten die Wölbung der Linsen seines Visors und nahmen die Farbfilter heraus, so daß sein Sehen einerseits verbessert und andererseits wieder natürlicher wurde. Allerdings konnte er nun diverse andere Filter zuschalten, die ihm einiges an Nützlichem gestatteten – Infrarot- und Wärmesicht, zum Beispiel. Ähnliche Neuerungen betrafen sein Gehör und den Vocoder – und selbst seine Kammer und sein Quartier erfuhren Verbesserungen in Druckausgleich und Luftgemisch, einschließlich eines geheimen Notfalloverrides, der verhindern sollte, daß jemand sich an den Reglern zu schaffen machte, um etwa Betäubungsgase einzuleiten.

Und nun, nach den Modifikationen, konnte er sich endlich wieder frei bewegen, uneingeschränkt durch die Nachteile der ersten Prothesen und des alten Anzugs. Seine Lichtschwerttechnik war wieder auf dem alten Stand – nein, sogar noch besser durch beständiges Training mit speziell entworfenen Sicherheitsdroiden, die er selbst programmiert hatte, und auch seine waffenlosen Techniken unterlagen keinen Einschränkungen mehr, im Gegenteil – er hatte nun gelernt, die Eigenheiten der neuen Prothesen zu seinem Vorteil zu verwenden: den Durastahl und die starken Federn seiner Schenkel, die ihm zusammen mit der Macht Sprünge erlaubten, die sogar die Möglichkeiten der stärksten Jedi in den Schatten stellten, und die Kräfte seiner neuen Hände, stark genug, um Stahl zerknüllen zu können wie Papier und doch fein genug, um heikelste Reparaturen selbst vornehmen zu können.

Im Laufe der Jahre waren sie Freunde geworden, so vertraut wie Geschwister. Dennoch wahrten sie die Form vor anderen – und auch vor den Droiden. Letztere waren das gefährlichste Einfallstor für Spionage, beinahe unmöglich zu kontrollieren. Und so wurde ihre Unterhaltung erst privater, als Corva die Droiden wegschickte mit der Bemerkung, den Rest selbst erledigen zu können.

Und selbst dann verwendete sie noch Verschlüsselungen.

„Meiner Tante ist es endlich gelungen, dieses Buch aufzutreiben, von dem ich Euch erzählt habe.", berichtete sie beiläufig, während sie einen Draht in seinem linken Unterarm zusammenlötete.

„Hat ja lange gedauert.", antwortete er und unterdrückte mühsam seine Freude, doch seine Hand auf ihrer Schulter, die sie kurz drückte, gab ihr genau das zu verstehen.

„Ja, es ist wohl seit Jahren vergriffen. War scheinbar auch nicht billig, aber ich jage jetzt schon so lang danach, daß es mir den Preis wert war." Sie sah ihn etwas besorgt an, aber er schüttelte beruhigend den Kopf. Geld spielte keine Rolle, wenn man der zweite in der Rangliste des Imperiums war. „Ich bekomme es in den nächsten Tagen. Soll ich es Euch vorbeibringen, wenn ich damit durch bin?"

„Würde mich freuen." Er grinste kurz. Endlich! Dieses „Buch" war nichts anderes als die neue Handprothese, die von einem befreundeten, vertrauenswürdigen Biotechniker hergestellt worden war – das letzte noch fehlende Stück im Puzzle seines neuen Körpers. „Bis jetzt waren Eure Empfehlungen immer hervorragend."

„Gut, dann nächste Woche… sagen wir am Vierttag abends?" Auch sie grinste.

„Ich werde mir den Termin freihalten."

- - - - - - - - - - - - - - - -

Am Abend saß Veers mit Piett in seinem Quartier zusammen, trank mit ihm auf die Gefallenen und erzählte ihm, was passiert war. Einiges davon war ihm ziemlich peinlich, und wie erwartet verschluckte Firmus sich prompt.

„Du meinst, du hast ihm das tatsächlich gesagt?" hakte er dann ungläubig nach und kicherte haltlos, was beinahe den Wein in seinem Glas zum überschwappen brachte. „'Bei Euch ist eine Sicherung durchgebrannt' wie in ‚Ihr habt ne Schraube locker'? Bei den Mächten, Max!"

Max zog eine Grimasse. „Ich wußte, daß du so reagieren würdest."

„Und was hat er gesagt?"

„Bevor oder nachdem ich ihm eine andere aus seinem Vocodersystem ausgebaut habe?"

„Wie bitte? Du hast ihm sozusagen auch noch den Mund zugeklebt?"

„Nicht ganz. Er war noch recht beredt."

„Durch den Helm?!"

„In meinem Kopf."

Piett fielen fast die Augen aus demselben. „In deinem –?"

„Kopf, ja. Ich hörte seine Stimme."

„Und was hat er gesagt?"

Veers setzte zu einer Antwort an, als der Türsummer sich meldete. Sie warfen sich einen fragenden Blick zu, dann erhob der General sich und ging zur Tür.

Das vertraute Geräusch des Beatmers erschreckte beide, noch bevor die Tür richtig offen war.

„Mylord…!" Es kam beinahe als Ächzen heraus, so überrascht war Veers.

- - - - - - - - - - - - - - - -

Vader stand in der Tür, reglos, ließ nur einen Blick über beide gleiten. Mit Piett hatte er nicht gerechnet, obwohl er es hätte vorhersehen müssen, an einem Tag wie diesem. Was tun? Sich nun wieder zurückzuziehen, wäre extrem un-Vaderisch gewesen. Es war schon ungewöhnlich genug, daß er seine Offiziere in ihren Privatkabinen aufsuchte. Er seufzte lautlos.

„General. Auf ein Wort… bitte."