Kapitel 4
Der Tonfall, wie auch die Worte, war überraschend sanft und weckte Hoffnung in Veers, daß es nicht zu schlimm werden würde. Piett schien das ebenso zu sehen – aber was blieb ihm auch anderes übrig, als sofort sein Glas abzustellen und sich zu verabschieden? Er lächelte Veers aufmunternd zu, als er ging, dann schloß sich die Tür hinter ihm. Sie waren allein.
Einen langen Moment herrschte Schweigen, keiner wußte so recht, was zu sagen war. Schließlich räusperte Veers sich. „Wollt Ihr Euch nicht setzen, Mylord?"
„Da dies ein inoffizieller und mehr privater Besuch ist… danke." Vader ließ sich in dem Sessel nieder, in dem bis eben noch Piett gesessen hatte, und musterte seine Umgebung. Sehr militärisch – sauber, aufgeräumt, kaum private Dinge. Neben ihm, auf einem Tischchen, stand das Bild einer Frau. Vader nahm es auf und betrachtete es mit gemischten Gefühlen. Er hatte nicht einmal Bilder von Padmé, die er hätte aufstellen können…
„Sassa. Meine Frau." erklärte Veers ruhig. Vader nickte nur und stellte das Bild wieder zurück, aber überraschend behutsam.
Wieder herrschte Schweigen, bis über Veers' Lippen plötzlich ein Schmunzeln glitt. Vader musterte den ihm gegenübersitzenden Mann mit einem Stirnrunzeln.
„Was ist so komisch, General?"
‚Muß ich schon mal gehört haben…' dachte Veers bei sich, behielt das Lächeln aber bei. „Nichts. Alles. Ihr müßt zugeben, daß es nicht eben normal für Euch ist, Mylord, den Abend mit einem gemütlichen Plauderstündchen bei einem Freund zu verbringen. Nicht wahr?"
Vader zögerte mit der Antwort, senkte erstaunlicherweise den Kopf und betrachtete seine Handschuhe. Seiner Stimme war jedoch nichts anzuhören, als er Veers wieder ansah. „Nun denn, plaudern wir ein wenig." Er lehnte sich entspannt zurück – doch Veers, der ihn mittlerweile vermutlich besser kannte und seine Körpersprache besser lesen konnte als jeder andere auf diesem Schiff, bemerkte kleine Anzeichen von Nervosität. „Woher habt Ihr diese Kenntnisse über meinen Anzug… und vor allem: warum habt Ihr sie?"
Der General erwiderte den Blick ruhig, seinerseits zurückgelehnt, aber im Gegensatz zu Vader wirklich entspannt. Er hatte nichts zu verlieren – falls Vader wollte, konnte er ihn binnen eines Sekundenbruchteils töten. Aber er schien derzeit nicht darauf aus, in seiner Stimme war mehr Neugier als unleugbar vorhandene Krallen. Veers beschloß, alles auf eine Karte zu setzen.
„Ihr BRAUCHT einen Freund, Mylord."
„Was?" knurrte Vader, mehr überrascht als aufgebracht.
„Ich glaube, Ihr seid furchtbar allein. Trotz Eurer Macht, trotz Eures Reichtums… oder vielleicht auch gerade deshalb. Ihr könnt niemandem vertrauen, Feinde lauern überall, und wo sie nicht offen gegen Euch sind, versuchen sie, Gewinn aus Eurer Gunst und Nähe zu schlagen."
Mit viel Selbstbeherrschung hinderte Vader seine Hände daran, sich zu Fäusten zu ballen.
„Ich brauche kein Mitleid, General!"
„Das ist kein Mitleid, Mylord. Nur eine simple Feststellung." erwiderte Veers ruhig.
Vader atmete schwer – erstaunlich, daß der Beatmer dies zuließ. Ein gutes oder schlechtes Zeichen? Er war aufgerüttelt. Blieb abzuwarten, was daraus wurde.
„Es gab andere, die für weniger starben, General." knurrte er leise, sein Blick fräste sich regelrecht in den Veers', der ihn erstaunlich ruhig erwiderte. „Ihr wagt viel… mein Freund. Warum sollte ich Euch vertrauen? Ihr sagtet selbst, niemand nähert sich mir selbstlos. Was erhofft IHR Euch?" Unwillkürlich und unbewußt verfiel Vader ebenfalls in diese Form der Anrede – ein Zeichen dafür, wie sehr er Veers schätzte. Und der registrierte dies sehr wohl, freudig und stolz. Die gut behütete Flamme tief in ihm loderte regelrecht auf.
„Nichts, Mylord. Ich habe bereits alles erreicht, was ich mir jemals wünschte. Ich bin genau dort, wo ich sein will."
„Es gibt einen Grund. Nennt ihn mir! Warum eignet Ihr Euch so viel Wissen über mich an? Wollt Ihr mich zerstören? Seid Ihr ein Spion?" Vader starrte Veers wütend an, mittlerweile auf seinem Sessel vorgebeugt, sprungbereit wie ein Raubtier und ebenso tödlich. Veers schien immer noch vollkommen gelassen – er war jenseits der Angst. Und so öffnete er, als er die mentale Annäherung des dunklen Lords spürte, bereitwillig seinen Geist für ihn.
- - - - - - - - - - - - - -
Vader glitt wie ein Schemen durch seine Gedanken, schnell, gezielt und effektiv – und prallte nach einiger Zeit so überrascht zurück, daß es ihn auch in seinem Sessel in die Lehne schleuderte.
Liebe.
Konnte es so einfach sein? Konnte es wirklich jemanden geben, der ihn um seiner selbst willen liebte… so wie er war? In seiner ganzen abstoßenden Schrecklichkeit? Daß jemand das gefangene Wesen in der dämonischen Hülle sah, den Menschen, der seine verletzliche Menschlichkeit vor allen zu verbergen suchte – nicht, um ihn zu zerstören, sondern, um ihn zu stützen, zu wärmen, zu… lieben?
Er starrte zu Veers hinüber, ungläubig, sprachlos, sah, wie in dessen Augen ein warmes Lächeln stand, wenn auch ein unsicheres – und ein wenig schamhaftes. Es war ihm peinlich, das konnte er spüren. Aber das war ja auch natürlich – kein gestandener Offizier verliebte sich wie ein Schuljunge in seinen Kommandeur. Und wenn, gab er es nicht zu. Veers hatte wirklich Mut, das mußte er ihm lassen.
Beinahe unbewußt streifte er nochmals Veers' Geist und fing einen Gedanken auf, ein mentales Streicheln. Dava.
Dava? echote er ein wenig amüsiert. So nennst du mich bei dir?
Ein wenig albern, ich weiß. Leichte Röte überzog Veers' Gesicht. Aber wie sollte ich dich sonst ansprechen? Darth ist ein Titel. Vader ist zu förmlich. Und ich glaube nicht, daß du deinen alten Namen …
Nein. Allerdings nicht., unterbrach Vader ihn knapp.
Also… Dava. Ein Lächeln. Oder hast du Gegenvorschläge?
Vader grinste unwillkürlich, fühlte sich plötzlich verjüngt. Ich werde darüber nachdenken. Daß er geduzt wurde, schien ihn nicht weiter zu stören.
Veers. Nein, korrigierte er sich. Maximilian – oder besser, Max. Er mochte ihn. Wie Piett war er ein guter Mann, einer, dem er vertraute. Wie Piett einer, den er seinen Freund genannt hätte – würde er jemals darüber nachgedacht haben, ob er Freunde hatte. Für einen Sithlord ein sonderbarer Gedanke – Siths hatten sich gegenseitig, der Meister den Schüler und umgekehrt. Das reichte… Wie Jedi waren sie allein, auch wenn es ihnen nicht verboten war, sich einen Partner zu nehmen. Nur – wer näherte sich ihnen schon freiwillig? Sex, ja. Das schärfte den Geist und erhielt die Gesundheit. Aber Liebe? Absurd. Und doch saß Veers hier. Nein, verflixt. Max.
Es ist… ungewohnt für mich. Neu – ich habe schon einmal geliebt, ja. Sogar sehr. Aber das war… früher. Bevor ich – zu dem wurde, was ich bin. Und… noch nie hat mich ein Mann begehrt.
Du würdest dich wundern. kam die trockene Erwiderung. Das halbe Schiff hat feuchte Träume von dir.
WAS???
Was dachtest du denn? Allein diese Rüstung. Deine Ausstrahlung. Du bist purer Sex.
Vader schwankte zwischen hilflosem Lachen und Entsetzen. Und ich dachte immer, man hat Angst vor mir… Purer Sex? Hölle…
Das eine schließt das andere nicht aus. Sie HABEN Angst vor dir, aber sie lieben dich auch. Und DAS weißt du hoffentlich – daß nahezu alle Männer auf diesem Schiff dir absolut ergeben und treu sind. DIR. Nicht dem Imperator.
Vader nickte langsam, dann breitete sich langsam ein übermütiges Grinsen auf seinem Gesicht aus, das sogar seiner mentalen Stimme anzuhören war. Soll das heißen, deine Konkurrenz ist groß?
Du würdest viele in dein Bett holen können, wenn du das wolltest., meinte Veers ernst. Aber ansonsten bin ich, glaube ich, ziemlich allein. Er lächelte leise und etwas herausfordernd, ging auf das Necken ein.
Vader musterte ihn aufmerksam. Veers war ein gutaussehender Mann mit recht kantigen, aber edlen Gesichtszügen. Er hatte nie darauf geachtet…
Ich kann dir nichts versprechen, Max. Aber…
Veers wartete geduldig, aber gespannt und aufgeregt wie ein Teenager, als Vader bedächtig nach Worten suchte.
Aber ich würde mich über einen… Freund freuen.
Auf Veers' Gesicht ging die Sonne auf. „Das ist vollkommen ausreichend… Mylord." sagte er laut und ließ Vader durch die Anrede wissen, daß dies etwas war, das er bereit war, im verborgenen zu halten. Etwas allein zwischen ihnen.
- - - - - - - - - - - - - -
In den nächsten Tagen und Wochen pendelte sich langsam eine seltsame neue Situation ein… unbemerkt von den meisten Besatzungsmitgliedern.
Was jedoch bemerkt wurde, war, daß der schwarze Lord ungewöhnlich entspannt schien. Und nicht nur das… Gleich am nächsten Tag, als eine Ordonnanz eine Nachricht für ihn auf die Brücke brachte, wurde das arme Bürschchen so ausgiebig gemustert, als handelte es sich um Futter – und so fühlte er sich wohl auch. Allein schon dieser Blick ließ einen dicken Schweißtropfen an seiner Schläfe herunterrinnen.
Was meinst du, Max… der da? meldete er sich dann mit beinahe übermütigem Tonfall in Veers' Kopf.
Was? Der General mußte sich beherrschen, um nicht abrupt herumzufahren und sich bemüht unbeteiligt umzudrehen.
Sieht doch aus wie ein nettes Opfer für einen Versuch, oder?
Ich weiß nicht, was du – ah.
Vader hatte begonnen, mit dem Jungen zu spielen – auf seine Weise. Seine gewaltige Brust wurde NOCH breiter, seine Haltung noch aufrechter, er ragte wie ein Turm über dem armen Burschen auf, aber nicht so einschüchternd wie sonst, sondern… eben nur beeindruckend. Oder auch: purer Sex. Der Kleine begann beinahe zu sabbern und zitterte gleichzeitig vor Angst, und als er schließlich entlassen wurde, stolperte er auf seiner eiligen Flucht beinahe über seine eigenen Füße.
Veers erstickte beinahe an unterdrücktem Lachen – das haltlose Kichern in seinem Kopf half ihm auch nicht eben dabei, sich zu beherrschen - was wiederum die Offiziere in seiner unmittelbaren Nähe höchst besorgt dreinschauen ließ. Lachen war auf der Brücke der EXECUTOR kein normales Geräusch und bereits ein Lächeln die Ausnahme. ‚Wenn Ihr hören könntet, was ich grade höre, würdet Ihr Euch samt und sonders auf die Medizinische einweisen lassen…' dachte er und kämpfte mühsam das Grinsen nieder, das unbedingt auf sein Gesicht wollte.
Beherrsch dich…! mahnte die samtige Stimme in seinem Kopf, doch auch sie hatte Mühe, das Lachen zu unterdrücken.
Du bist gut…! Warn mich das nächste Mal wenigstens vor, damit ich auf eine Zitrone beißen kann!
Ich hätte nicht gedacht, daß es DERMASSEN wirkt. In das Amüsement mischte sich Erstaunen.
Oh ja… tut es. Aber du solltest das nicht zu oft tun, wenn du willst, daß dein Schiff funktioniert. Veers grinste. Im Ernst: die höheren Offiziere haben sich besser unter Kontrolle als die Jungspunde, aber wenn du es drauf anlegen würdest…
Witzig. Ich hab also eine Geheimwaffe, ohne es zu wissen… meinst du, es wirkt auch bei Rebellen?
Diesmal konnte Veers sein Herausprusten nur als Hustenanfall tarnen.
