Noch ein schön langes Kapitel zu Weihnachten, verbunden mit dem Dank an meine Betas und Musen im Hintergrund:
meine Sonne, mein Fels, meine Liebe – danke, mein Schatz, für deine Geduld und deine Kraft
Cynon – für viele aufbauende Worte und jederzeit ein offenes Ohr
Ansala – meine unermüdliche und wundervoll kritische Beta, ohne die diese Geschichte nicht dieselbe wäre
Nangijala – für ihre wundervollen Geschichten und ihre kollegiale Hilfe… du weißt schon, wofür g
Und auch euch allen, die diese Geschichte lesen: frohe und hoffentlich glückliche Weihnachten! (Ihr dürft mir gern ein Review unter den Baum legen… ;o)
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Kapitel 6
In den nächsten Tagen und Wochen kehrte wieder die alte Routine ein. Der Vorfall wurde nicht mehr erwähnt, obwohl Veers ihn nicht vergaß und sich sicher war, daß es in Vader arbeitete. Aber der schwarze Lord blieb sich treu – es war ihm nicht das Geringste anzumerken, weder im Dienst noch in den Stunden, die sie abends zusammen verbrachten.
Die täglichen Abläufe hatten etwas Beruhigendes, bis eines Tages –
„Hey, Onkel D!"
- Wrenga Jixton auf der Brücke der EXECUTOR auftauchte. Ein halbes Dutzend Offiziere fuhr wie ein Mann herum, die Blaster im Anschlag, weitere folgten nur Sekunden später.
„Jix. Ich wußte nicht, daß du unter akuter Todessehnsucht leidest.", kam Vaders Stimme ebenso trocken wie spöttisch von seinem bevorzugten Platz – dem Stahlglasfenster vor den Crew Pits, am Ende der eigentlichen Kommandobrücke.
„Lies nach – steht in meiner Stellenbeschreibung. War Einstellungsvoraussetzung – deshalb wollte auch kein anderer den Job haben.", kam die ebenso trockene wie unbekümmerte Erwiderung, und Jix grinste breit, als er sich umsah – in ein Heer von Blastermündungen. „Gratuliere, meine Herren. Reaktionstest bestanden. Eins mit Sternchen. Weitermachen."
Die Offiziere reagierten natürlich nicht, und Vader nickte knapp, worauf alle sich wieder umdrehten und ihren Pflichten nachgingen.
„Ich hätte meinen Bericht abzuliefern.", meinte Jixton betont nebenbei. „Hast du grade Zeit?"
„Jetzt schon.", knurrte der schwarze Lord. „Komm mit."
Er ging ihm voraus in seine Räume – den öffentlichen Teil davon. „Jetzt rede. Was gibt es so dringendes?"
„Zweierlei. Eins wird dir gefallen, das andere nicht. Ist der Raum hier sicher?"
Vader runzelte die Stirn. „Das will ich doch schwer hoffen."
Jix nickte, holte aber dennoch einen Störsender aus der Tasche und aktivierte ihn. „Sicher ist sicher. Und du solltest dich vielleicht setzen, Onkelchen. Das wird dir ganz und gar nicht gefallen."
„Werd nicht albern. Raus damit."
„Ich hab den Namen des Piloten, der den Todesstern in den Orkus geschickt hat."
„Und?" Der Ton wurde langsam ungeduldig.
„Du bist wirklich sicher, daß du dich nicht setzen - "
„Jixton!"
Jix zögerte noch einen Moment – sehr untypisch für ihn. „Luke Skywalker."
Vader erstarrte. „Unmöglich."
Der Spion schüttelte den Kopf. „Nein. Ich habe es sehr genau recherchiert. Er heißt Luke Skywalker, lebte auf Tatooine und war mit Obi-Wan Kenobi unterwegs."
„Der Junge…!" zischte der schwarze Lord. „Ich habe nicht nur Kenobi gespürt, sondern auch ihn!"
„Du kennst ihn schon?" fragte Jix verblüfft.
„Er ist mir auf dem Todesstern über den Weg gelaufen. In Kenobis Begleitung – und diesem Schmuggler."
„Han Solo."
„Wie auch immer."
„Und Chewbacca."
„Wer?"
„Ein Wookiee."
„Was interessiert mich ein Wookiee?"
„UND Leia Organa von Alderaan."
„Ah. Stecken die immer noch zusammen? Das Schmuggelgeschäft scheint nicht gut zu laufen grade." Vaders Tonfall war ätzend.
„Klar. Die kleben zusammen wie Uhix Plus."
„Na schön." Vader atmete tief durch und versuchte, sich seine Erregung nicht anmerken zu lassen. Er hatte einen Sohn – noch eine Lüge! Padmé hatte ihr Kind auf die Welt gebracht – also hatte er sie nicht getötet auf Mustafar. Lebte sie vielleicht immer noch? „Mit wem lebte er auf Tatooine? Seiner Mutter? Und wo ist er jetzt?"
„Sein Onkel und seine Tante, soweit ich gehört habe. Offiziell ist er Waise." Jix musterte Vader aufmerksam. „Du willst dich wirklich nicht - "
„Wrenga Jixton, wenn du mich das noch einmal fragst, wirst du deine nächste Reise ohne ein Schiff unter dem Hintern antreten. Hast du mich verstanden?"
Vaders Gedanken rasten. Ein Sohn. Er hatte einen Sohn! Und die ganze Zeit hatte er nichts davon geahnt, hatte das Kind, wie die Mutter, tot gewähnt…
Luke. Luke Skywalker.
Also hatte Padmé wenigstens so lange gelebt, um ihm seinen Namen zu geben – den Namen, den sie gemeinsam gewählt hatten, für den Fall, daß es ein Junge würde. Aber warum sein Nachname? Warum Skywalker? Eine kalte Hand der Trauer krampfte sich um sein Herz, und entschlossen bekämpfte er diesen Moment der Schwäche und drängte die Erinnerungen zurück, die ihn unwillkommen überfluteten. Erinnerungen an Padmé, ihre Schönheit und Zärtlichkeit, und an eine andere Frau, die ihn geliebt hatte und die er ebenfalls nicht schützen konnte. Und an einen kleinen Jungen, der glaubte, er könne alles erreichen, alles zum Guten wenden, wenn er nur wirklich wollte...
Er mußte seinen Sohn finden. Und er mußte seine Existenz vor dem Kaiser geheim halten – auch wenn das nicht lange möglich sein würde, Sidious hatte seine eigenen Spione und Ohren überall. Aber wenigstens so lange, bis er – Vader – sich darüber klar war, was er mit Luke machen würde. Zumindest mußte er versuchen, ihn auf seine Seite zu ziehen – für oder gegen den Kaiser, das würde sich zeigen. Aber Palpatine durfte ihn nicht in die Hände bekommen. Luke hatte bereits bewiesen, daß er Machtbegabt war – er war blind gewesen! Nur ein Jedi konnte einen solchen Treffer landen, wie er nötig gewesen war, um die einzige, winzige Schwachstelle des Todessterns zu nutzen. Er mußte ihn finden und seine Midichloriane messen. So oder so, Palpatine würde niemals zulassen, daß ein weiterer Skywalker drohte, in der Macht über ihn zu steigen. Entweder würde er ihn töten oder – wenn Max doch recht hatte – so verstümmeln wie ihn selbst. Und das sollte nie wieder jemand erleiden müssen.
Er mußte ihn finden, mit ihm reden, in Ruhe. In Bast Castle, auf Vjun am Besten. Der ganze Planet gehörte ihm und war sicherer als selbst die EXECUTOR. Und wenn der Kaiser herausfinden würde, daß er von dem Jungen wußte und ihm nichts berichtet hatte… Energisch schob er diesen Gedanken beiseite. Darum würde er sich kümmern, wenn es soweit war. Vader war durchaus ein Mann, der am Leben hing – er war bereits einmal gestorben, und das genügte ihm vollauf – doch er war auch Pragmatiker und Realist… und er hatte sich in den zwanzig Jahren Dienst als Zweiter des Imperiums das Eine oder Andere erarbeitet, Schlupflöcher geschaffen, Fangseile gespannt und überall in der Galaxis Leute, die ihm Gefallen schuldeten. Und er hatte Zeit genug gehabt, den Kaiser zu studieren, seine Verhaltensweisen kennenzulernen und vorauszuahnen, wann er wie reagieren würde. Und umgekehrt hatte er sich einen beinahe unendlichen Handlungsspielraum erarbeitet – der Kaiser stellte kaum eine seiner Aktionen in Frage, solange er seine Aufträge erledigte und Bericht erstattete über alles, was er tat.
Nur langsam kehrte er ins hier und jetzt zurück, als ihm bewußt wurde, daß Jix weitersprach.
„Vollkommen verstanden. Also – über seine Mutter ist nichts bekannt. Und leider weiß ich auch nicht, wo er steckt. Die Rebellen machen sich verdammt rar im Moment, das ist alles nur Hörensagen aus zweiter und dritter Hand." Der Spion musterte seinen Herrn halb neugierig, halb besorgt. Er mochte ihn wirklich und gehörte zu der verschwindend geringen Elite von Leuten, die keine Angst vor Vader hatten. Obwohl seine Sprache derb und frech war, schwang doch immer ehrlicher Respekt mit, und Vader wußte das. Jix vollführte absichtlich einen beständigen Tanz auf Messers Schneide, doch keine der beiden Seiten ließ zu, daß er sich schnitt.
Im Laufe der Jahre ihrer Zusammenarbeit war er zu Vaders Hauptspion aufgestiegen, was bedeutete, daß er mehr über ihn wußte als die meisten anderen – und dieses Wissen tunlichst für sich behielt. Auch dies war etwas, was Vader wußte – und honorierte, indem er ihn am Leben ließ und ihm weitere Aufgaben übertrug. Die Zusammenarbeit war durchaus fruchtbar und einträglich – für beide Seiten, den schwarzen Lord und den ehemaligen Schmuggler, der diese Tätigkeit jedoch als Tarnung weiterbetrieb und dadurch ein nettes Zusatzeinkommen hatte – und ihn an einer hervorragenden Quelle für allerlei Informationen beließ. Auch diese hatte er von Schmugglern bekommen – viele davon arbeiteten für oder mit den Rebellen zusammen. Der Name Skywalker hatte ihn sofort angesprungen und alle seine Alarmglocken schrillen lassen.
„Dann finde es heraus! – Und das zweite?"
Jix grinste jetzt wieder. „Hm. Dazu eine Frage vorab, die ich an dich weiterleiten soll: gilt Order 66 auch für die verlorenen Zwanzig?"
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Vader blieb für einen Moment wiederum die Luft weg, was sich nach außen hin ein weiteres Mal in einer starren Haltung äußerte. „Du hast einen von ihnen gefunden?"
Er klang erregt und war es auch. Die verlorenen Zwanzig! Mehr Mythos als Wissen, denn diese abtrünnigen Jedi wurden aus den Archiven gelöscht, als hätten sie nie existiert. Dem Vernehmen nach konnten sich die Meisten von ihnen nicht mit den starren, verknöcherten Regeln des Ordens abfinden, ein paar fielen jedoch halb und halb… sie wurden nicht zum Sith, aber sie nutzten die Kräfte beider Seiten und wanderten mehr oder weniger auf die dunkle Seite. Und keiner von ihnen war Order 66 zum Opfer gefallen – sie alle waren verborgen und zurückgezogen… bis auf Dooku natürlich. Aber der hatte da schon nicht mehr gelebt.
„Sie hat mich gefunden, besser gesagt. Verrückte Sache, das. Ich weiß immer noch nicht, wie sie auf mich gekommen ist – aber eines Tages war diese Nachricht in meiner Post, getarnt als Schmuggelauftrag." Jixton verstummte nachdenklich.
„Weiter!" drängte Vader ungeduldig.
„Naja. Ich flog hin und traf mich mit ihr. Statt jedoch eine Ladung anzusprechen, kam sie gleich zur Sache. ‚Du dienst dem Sohn der Sonnen.' – so formulierte sie es. Klingt reichlich kitschig, oder?"
„Jix…!" Der Tonfall war drohend und vollkommen ausreichend.
„Schon gut! – Was sagte sie noch? Ach ja. ‚Der Sohn der Sonnen, der Auserwählte. Sag ihm, er ist jetzt wieder bereit, seine Bestimmung zu erfüllen. Wenn er geheilt werden will, soll er mich in einer Woche im alten Jeditempel auf Herka 7 treffen.' Das war alles, glaube ich."
„Heilen?" Vader klang genauso verwirrt wie Jixton sich nach dem Treffen gefühlt hatte.
„Das sagte sie, ja."
„Das macht keinen Sinn… ich kann nicht geheilt werden. Das sagen jedenfalls alle Ärzte, die ich seither konsultiert habe. Und es bestätigt meine eigenen Analysen. Im Lauf der Jahre habe ich genug medizinische Erfahrung gesammelt, um die Berichte zu verstehen – und zu wissen, wann man versucht, mich zu belügen. Das bleibt nicht aus, wenn man zum Überleben darauf angewiesen ist…" Vader untertrieb. Sein Wissen auf diesem Gebiet stand dem eines guten Arztes in nichts nach, war nur etwas spezieller – aber er hatte es sich angelegen sein lassen, alles zu wissen, um alles zu verstehen. Sein Körper war ein Trümmerfeld gewesen, und da er es haßte, von irgendjemandem abhängig zu sein und nicht nachprüfen zu können, ob Wahrheit Wahrheit war, ließ er sich von mehreren Koryphäen unterweisen und las noch mehr Bücher – bis er schlußendlich in der Lage war, die Operationen und Behandlungen selbst durchführen zu können.
Jix zuckte die Schultern.
„Und was meinte sie mit ‚jetzt wieder bereit'?"
„Was fragst du mich? Worum geht es dabei eigentlich? Wer sind die verlorenen Zwanzig?"
Vader zögerte, knurrte dann. „Um eine alte Jedi-Prophezeihung. Daß eines Tages ein Kind kommen würde, der sogenannte Auserwählte – auch Sohn der Sonnen genannt - der die Mächte wieder ins Gleichgewicht bringen würde. Da meine Midichloriane - "
„Deine was, bitte?"
„Midichloriane. Kleinstlebewesen im Blut eines Machtbegabten, die die Basis seiner Kräfte darstellen. Mein Wert sprengt jede Skala, niemand konnte bislang feststellen, wie hoch er tatsächlich ist. Aufgrund dieser Tatsache – und dem Fakt, daß ich von Tatooine komme, ein Doppelsonnensystem – nahm man an, daß ich dieser Auserwählte sei." Und außerdem die kleine, unbedeutende Nebensächlichkeit, daß ich angeblich keinen Vater habe… sondern aus der Macht selbst entstanden bin – fügte er für sich selbst hinzu.
„Wow. Klingt, als seist du damit der mächtigste Jedi der Galaxis."
„Sith." korrigierte Vader automatisch. „Ja – und nein, denn Midichloriane existieren wie gesagt im Blut, also in lebendem Fleisch. Und da ich auf Mustafar beide Beine und einen Arm verlor – und die andere Hand schon vorher – bin ich im Wortsinn in meiner Macht beschnitten."
„Oh." Jix machte große Augen und speicherte diese Information sorgfältig ab. „Aber wenn du Sith bist, wie kannst du dann beide Seiten vereinen?"
„Ich war einst ein Jedi – ich kenne beide Seiten. Ihre Stärken – und ihre Schwächen. Vielleicht deshalb."
„Und warum hast du den Orden verlassen?"
„Weil er mich belogen und verraten hatte. Weil seine Regeln dumm und überholt waren und viel zu starr – zum Beispiel ist es den Jedi verboten, sich zu binden, sich zu verlieben. Sie sollen ihr ganzes Leben dem Orden weihen – kaum daß sie laufen können. Die Jünglinge kamen in den Tempel mit kaum zwei Jahren. Ich war nicht der erste – vor mir gab es die ‚verlorenen Zwanzig', von denen die Frau, die du getroffen hast, eine ist. Ich bin der einundzwanzigste. Wir alle teilen diese Meinung. Ich heiratete Padmé gegen den Willen und ohne das Wissen des Ordens."
„Nicht lieben, hu? Warte mal, da war noch was Komisches… sie sagte noch, du könntest ‚deine Liebe' mitbringen. Das ergab so nun mal gar keinen Sinn – oder lebt deine Frau noch?"
Diesmal dauerte Vaders Starre so lange an, daß Jix sich fragte, ob er ohnmächtig geworden sei und nur aus Gewohnheit noch aufrecht stünde.
„Sie hat was gesagt?" flüsterte er schließlich heiser. Noch ein Tonfall, den Jix nie aus dem Munde dieses Mannes erwartet hätte.
„Du könntest deine Liebe mitbringen. Lächerlich, oder?" Jix klang nun ein wenig unsicher. Hatte er eine klingende Saite berührt? Lebte seine Frau – die er soeben zum ersten Mal erwähnt hatte – noch, und liebte er sie immer noch? Warum war er dann nicht bei ihr?
Vader drehte sich abrupt um und trat an ein Schiffskom. Er wählte eine Nummer, und eine Ordonnanz erschien auf dem Bildschirm.
„Lord Vader?"
„Schicken Sie General Veers zu mir. Sofort."
„Jawohl, Mylord."
Der Bildschirm wurde wieder dunkel, und Vader drehte sich um und lehnte sich an die Konsole. Seine Liebe mitbringen…! Woher wußte jemand davon, den er noch nie getroffen hatte? Nur Veers und Piett wußten Bescheid, und für beide würde er die Hand ins Feuer legen. Das Schiff war sauber – er ließ es täglich von seinen eigenen Droiden auf Wanzen und andere Objekte dieser Art filzen und setzte zusätzliche Störfilter ein.
„Wie ist der Name dieser Jedi? Und von welcher Rasse ist sie?"
Jix legte bei dem abrupten Themenwechsel den Kopf schräg. „Neugier? Oder spielt es eine Rolle?"
Vader blieb wider Erwarten ruhig. „Es könnte eine Rolle spielen. Also?"
„Iktotchianerin. Als Namen nannte sie Zarketh."
Der schwarze Lord atmete tief aus. Gut. Sehr gut. „Ah. Das erklärt einiges."
„Krieg ich 'nen Preis, wenn ich dein Rätsel errate, oder erklärst du's mir vorher?"
Ein Seufzen. „Iktotchianer sind Telepathen und Visionäre. Ihre Jedi zählen zu den mächtigsten überhaupt, weil sie ihre beiden Begabungen hervorragend verbinden können. Und ein Teil dessen, was sie dir sagte, kann niemand gewußt haben… definitiv nicht."
„Also lebt deine Frau noch?"
„Padmé Amidala ist tot." versetzte Vader so kalt, daß es Jix schauerte. „Ich habe sie selbst getötet."
Heiliger Ewok! Jix schürzte die Lippen. Mit Volldampf in den Fettnapf. Klasse. Aber das schien es nicht zu sein, was Vader beschäftigte… was dann?
Der Türsummer zeigte an, daß Veers eingetroffen war, und eine knappe Geste Vaders öffnete ihm. Max trat ein, salutierte vor seinem kommandierenden Offizier und musterte Jix dann kurz, aber intensiv auf eine Weise, die diesem zeigte, daß er in Vaders Ranking eine verdammt hohe Position haben mußte – kaum jemand sonst wagte es, sich nicht gänzlich auf den schwarzen Lord zu konzentrieren. Dieser Blick durchbohrte Jix, zog ihn quasi nackt aus und ließ ihn dann als „potentiell gefährlich, jedoch keine umgehenden Aktionen erforderlich" zurück.
„Ihr habt mich herbefohlen, Mylord." wandte er sich dann ruhig an den Sith – nicht, ohne Jix wachsam im Auge zu behalten.
Vader nickte knapp und musterte Jix für einen Augenblick, dann sagte er schlicht: „Wenn ich die Herren bekanntmachen darf? Dies ist Wrenga Jixton, kurz Jix, mein selbsternannter „Neffe" – und dies ist General Maximilian Veers, Kommandeur der Infanterie der EXECUTOR und ein sehr enger… Freund."
Jix reichte Max freundlich und beinahe kumpelhaft die Hand, hielt dann aber mitten im Händeschütteln inne und stutzte bei der Betonung des letzten Wortes.
„Moment. Du meinst das so, oder? Freund… wie in „Geliebter"?"
Vader erwiderte nichts, doch sein Schweigen und Max' verblüffter Gesichtsausdruck waren umso beredter.
„Onkelchen, du bist SO schräg!" Jix lachte schallend. „Genial! Zu schade, daß ich das niemandem erzählen darf…!"
Veers sah verwirrt vom einen zum anderen. Wer, zur Hölle, war das? Warum weihte Dava ihn in ihre noch instabile Beziehung ein und ließ sogar diesen intimen Schluß zu, der gerade mal auf einem einzigen kurzen Kuß beruhte? „Verzeihung, Mylord… aber worum geht es hier?"
„Laß den Schmus, Max – das ist doch die korrekte Abkürzung, oder?" grinste Jix. „Wir sind doch unter uns… ganz familiär! Also: ich bin Onkel Ds Superspion – so geheim, daß er vermutlich schlicht vergessen hat, dir von mir zu erzählen. Und der Grund, warum er mich einweihte, hängt mit dem Bericht zusammen, den er heute von mir bekommen hat. Er soll eine Reise tun – und dich mitnehmen."
„Wie bitte?" Veers wurde immer verwirrter, und seine Hand tastete unwillkürlich nach seinem Blaster.
Vader seufzte erneut – ein Laut, der ihm in letzter Zeit beunruhigend oft entwich – und vollführte eine beruhigende Geste. „Das ist leider korrekt. Eine abtrünnige Jedi, eine der verlorenen Zwanzig, hat Jix aufgesucht und ihm aufgetragen, mir auszurichten, daß sie mich zu sehen wünsche – um mich zu heilen, wenn ich das richtig verstanden habe."
Veers verstand die Welt nicht mehr. „Sekunde – lauten deine Befehle nicht, alle noch lebenden Jedi zu töten?"
Vader nickte.
„Und warum diese nicht? Oder hab ich was mißverstanden?"
„Töten kann ich sie immer noch." versetzte Vader kalt. „Aber dummerweise ist diese Jedi Iktotchianerin – und sie wußte von uns."
„Unmöglich!"
„Das macht es eben so interessant. Findest du nicht?"
„ZU interessant. Für mich stinkt das." knurrte Veers.
„Die Wahrscheinlichkeit, daß es stimmt, ist hoch.", widersprach Vader ruhig. „Ich kenne die Büsten der verlorenen Zwanzig und ihre Namen in- und auswendig – sie standen in der Bibliothek des Tempels als einzige Erinnerung an sie. Es gab tatsächlich eine Iktotchianerin namens Zarketh unter ihnen… ich werde hinfliegen." entschied er knapp. „Max, mach ein kleines Außenteam bereit – hundert Mann. Zu deiner Beruhigung. Und du, Jix, suchst den jungen Skywalker."
„Was?" keuchte Veers überrascht, während Jix nur nickte.
„Ja, Max. Wie es aussieht, ist der Pilot, der den Todesstern sprengte, mein Sohn. Luke."
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Der General schüttelte nur den Kopf. Wie viele Überraschungen hatte dieser Tag noch zu bieten?
Vader drehte sich wieder um und aktivierte das Interkom erneut.
„Captain Piett, geben Sie Anweisung, zehntausend imperiale Suchdroiden zu produzieren und überall in die Galaxis auszusenden. Ich will die Rebellen haben."
Der Offizier auf dem Bildschirm blinzelte kurz überrascht, nickte aber sofort. „Zu Befehl, Lord Vader. Die ersten werden heute abend Bordzeit starten können."
„Sehr gut." Vader nickte grimmig und schaltete ab.
„Ich mach mich dann mal auf den Weg…" meinte Jix. „Du hörst von mir. Ich stell dir ein Portfolio über ihn zusammen."
Vader nickte. Daß dies Daten sein würden, an die er auf imperialem Weg nicht herankommen würde, stand außer Frage.
Jix grinste, winkte und verschwand.
Und Veers drehte sich zu Vader und wartete.
„Versuch ja nicht, mich bemuttern zu wollen." warnte der.
Veers zog amüsiert eine Augenbraue hoch. „Was werd ich denn. Du bist nicht Sithlord geworden, weil du besonders viele Blümchen an alte Damen verschenkt hast. Ich will nur wissen, wie ich planen soll – seither konnte ich dich das nicht fragen. Nicht, daß ich das nicht allein hinbekommen würde, aber warum nicht den Vorteil nutzen?"
„Herka 7 ist mehr oder weniger eine Wüstenwelt mit wenigen Stellen, an denen etwas gedeiht. Er hat deshalb nur wenig eigenes Leben hervorgebracht – aber aus irgendeinem Grund gibt es dort sehr starke Strömungen der Macht, die vor allem die Heilkräfte potentieren. Deshalb war er für den Sithorden auch nie interessant. Es gibt allerdings dennoch nur einen großen Jeditempel dort, längst verlassen, denn mit zunehmender Technologie starben auch die Jediheiler aus. Noch eine solche Idiotie. Technik kann niemals die Macht ersetzen – höchstens ergänzen."
„Und das bedeutet was?"
„Es ist ein weiterer Hinweis darauf, daß sie eine Möglichkeit gefunden zu haben scheint. Wenn es überhaupt irgendwo möglich ist, dann dort. Außerdem werden wir schon aus dem Orbit erkennen können, ob es eine Falle ist oder nicht. Es gibt keine menschlichen Ansiedlungen dort – sie sollte das einzige humanoide Wesen auf dem Planeten sein. Ein paar Raubtiere, ja, aber nicht weiter beunruhigend. Jedenfalls nicht für mich."
„Und sie selbst? Immerhin ist sie eine Jedi."
„Sie WAR eine."
„Ja. Aber sie wird nicht eben ihre Fähigkeiten beim Verlassen des Tempels an der Garderobe abgegeben haben.", versetzte Veers trocken.
„Wohl kaum. Aber ich erwarte nicht, daß sie besser ist als die anderen, die ich bekämpft und besiegt habe." Vader klang kühl, beinahe distanziert. Über dieses Thema hatten sie bislang geschwiegen – all die Morde, die Vader im Namen des Kaisers vollzogen hatte. Oder, im imperialen Jargon: Hinrichtungen. Veers wußte nicht, wie Vader dazu stand, wie er es verarbeitete oder ob es ihm schlicht gleichgültig war. Aber für so gefühlskalt hielt er ihn nicht.
„Wer ist Wrenga Jixton?" wollte er dann stattdessen wissen, und es war ihm deutlich anzuhören, daß er dem Mann noch nicht traute und ihm das Ganze überhaupt zu schnell gegangen war.
Vader überraschte ihn wieder einmal, indem er leise lachte. „Ein Schmuggler – Correllianer, wie dieser Solo. Er riskiert jedes Mal seinen Kopf, wenn er hier ist, aber keine Sorge – er ist mir absolut treu. Ich erzähle dir ein andermal, wie er zu mir kam."
„Du vertraust ihm?"
„Hundertprozentig. Sein Geist ist ein offenes Buch für mich – wie die meisten Machtblinden hat er keine mentalen Schilde. Das erklärt auch, wie Zarketh ihn fand – und aus diesem Grund sollte er besser auch niemals dem Kaiser in die Hände fallen. Aber ich habe viele Spione, und Palpatine hat sie bislang ignoriert – er hat genug eigene."
Veers brummte unwillig, aber er vertraute Vader – und wenn dieser Jix vertraute, würde er es ebenfalls tun. Mit Einschränkungen. „Na schön. – Wann willst du starten?"
„Morgen. Wir werden die PRIDE nehmen."
Veers nickte. Die PRIDE war eine Fregatte – relativ klein, aber absolut ausreichend für diese Truppenstärke, gut bewaffnet und schnell. Durch ihre Größe konnte sie auf den meisten Planeten landen und stellte so eine hervorragende mobile Truppenbasis dar. Und die EXECUTOR wiederum war so groß, daß sie in ihren Hangars Platz für sie hatte. Die PRIDE war so etwas wie Vaders Privatjacht – abgesehen von der modifizierten Lambdashuttle oder dem ebenso speziell ausgestatteten TIE Advanced, die er normalerweise bevorzugte. „Sie wird um Nullachthundert Bordzeit Startklar sein."
Veers salutierte nochmals und verschwand, ohne entlassen worden zu sein – etwas, das er sich aufgrund seines neuen Status' erlauben konnte.
Vader lächelte unter seinem Helm, als er ihm nachsah und begab sich dann zur Brücke, um mit Captain Piett und Admiral Ozzel – er seufzte unhörbar – zu besprechen, was während seiner Abwesenheit getan werden sollte.
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Zarketh ist meine Schöpfung – ich habe leider weder auf Jedi- noch auf Wookieepedia ausreichend Hinweise auf die verlorenen Zwanzig gefunden, so daß ich mir die Freiheit genommen habe, einen von ihnen zu erfinden s Die Rasse allerdings, Iktotchianer, existiert in der Lore und wurde mit Sorgfalt ausgesucht ;o)
Ach, noch was… vielleicht ist euch aufgefallen, daß ich mich der alten Rechtschreibung bediene. Für mich ist sie die einzig richtige, deshalb behalte ich sie bei.
