Kapitel 9
„Ihr werdet trainieren müssen."
Zarketh, erholt, aber noch schwach, hatte die Hände um eine dampfende Tasse Tee gelegt und sah Vader an. Max schenkte sich und seinem Geliebten nach und setzte sich dann wieder. Es war beinahe schon dunkel, sie hatten Wild gegessen, dazu Gemüse aus dem Garten der Heilerin, und alle drei waren entspannt und genossen den lauen Abend.
„Trainieren? Heilerin, ich bin auf dem Höhepunkt meiner Kraft!"
Sie grinste. „Noch lange nicht. Holt doch mal die Statuette dort vom Regal und laßt sie vor Euch schweben."
Vader drehte sich ein wenig und musterte die Figurine. Metall, ca. einen halben Meter hoch, scheinbar massiv. Kein Problem. Er streckte die Hand aus und setzte seine Kraft ein – in der üblichen Dosierung.
„Woops." staunte der kleine Junge von Tatooine, als die Statue mit einer sagenhaften Beschleunigung auf ihn zugeflogen kam – Max rückte hektisch seinen Stuhl vom Tisch zurück – und „Au! Verdammt!" fluchte der Erwachsene, als das Metall schmerzhaft gegen seine Hand prallte, anstatt davor schwebenzubleiben.
„Dieses kleine Experiment lehrt Euch zweierlei." dozierte Zarketh mit schadenfrohem Lächeln. „Erstens: Eure Kraft ist immens gewachsen und wächst weiter. Es wird Wochen dauern, bis Ihr auf dem endgültigen Stand angelangt seid, bis die Midichloriane in Eurem Blut sich vollständig entwickelt haben. Ihr müßt lernen, mit ihr umzugehen! Zweitens: Ihr könnt wieder Schmerz empfinden, Haut und Fleisch können verletzt werden. Kalkuliert das mit ein."
Vader rieb sich die Pranke und grollte. „Wunderbar. Warum habt Ihr das nicht vorher gesagt?"
Sie grinste erneut. „Woops."
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Der dunkle Lord kehrte erst wieder zur EXECUTOR zurück, als Zarketh wieder beinahe auf ihrem alten Stand war – und zumindest sicher in der Lage, sich selbst zu versorgen.
Während der Wartezeit hatten sie sich nach einigen Streitereien darauf geeinigt, wenigstens den Innendruck des Anzugs auf Normalmaß zu senken, die Anschlüsse der Maschinerien, deren Gegenstücke in seinem Körper verankert gewesen waren, durch Sensoren zu ersetzen und den Grad der Sauerstoffanreicherung anzupassen – was nun, bei normal funktionierenden Lungen, sogar notwendig war. Aber Max bestand darauf, daß der Anzug komplett funktionierte wie normal.
„Wie willst du sonst deine Tarnung aufrechterhalten? Du brauchst den Vocoder, du brauchst den Beatmer. Die Person Darth Vader ist undenkbar ohne das Geräusch des Beatmers und ohne deine Stimme! Und die Tarnung wiederum gibt dir die Freiheit, als Privatmann unerkannt zu agieren… niemand außer mir und Zarketh weiß, wie du aussiehst."
Vader brummte, doch schließlich stimmte er zu – und als er am letzten Tag seines „Urlaubs" wieder die vollständige Rüstung anlegte und sich in den dunklen Lord verwandelte, überliefen Max erregte Schauer.
Er hatte sich in den letzten Tagen daran gewöhnt, Vader in ganz normalen Kleidern zu sehen – in mitgebrachten Hemden und Hosen, die er aus Vaders Quartier schmuggelte – er hatte ihn als Menschen kennengelernt, jemanden, der war wie jeder andere. Nun jedoch…
Die schwere lederne Hose schmiegte sich um den straffen Po, um muskulöse Schenkel und das echte Fleisch, das die erst vor kurzem erneuerten, leistungsfähigeren Prothesen bedeckte. Die Stiefel samt den stählernen, überkniehohen Schienbeinschützern betonten noch die Kraft, die darin steckte. Das Bedienungspaneel auf dem Brustkorb diente nun nur noch der Funktionalität der Tarnung, Oberteil und Innenmantel der Rüstung waren jetzt eben nur noch das. Die langen Stulpenhandschuhe umschlossen empfindsame, lange Finger mit der erbarmungslosen Kraft der innenliegenden Stahlkrallen. Die Halsbeuge war nur noch Schutz und Bollwerk, keine Notwendigkeit mehr, und die Maske und der Helm ein Markenzeichen, ebenso wie das fließende, dramatisch schwingende Cape.
Sie hatten den Anzug in den letzten Tagen komplett überprüft und angepaßt. All die direkten Kontakte, die ihre Gegenstücke in Form von im Fleisch verankerten Adaptern hatten, waren gegen Sensoren ausgetauscht worden, so daß alle grundlegenden Funktionen des Anzuges noch vorhanden waren, ihn aber nicht behinderten. Er war nach wie vor geschützt und gepanzert, aber keine Maschine mehr – es war ‚nur' noch eine Rüstung. Ein beiderseitiger Kompromiß.
Max lächelte und ließ die Hand über die Muskeln des Oberarmes seines Freundes gleiten, bewunderte die beeindruckende Gestalt des dunklen Ritters, der nun wieder vollständig vor ihm stand. „Überwältigend. Und jetzt, nachdem ich deine beiden Seiten kenne, kann ich diese hier neu genießen."
„Niemand kennt mich so gut wie Du, Max." Die vocodermodulierte tiefe Stimme verursachte einen neuen Schauerregen, der Veers über den Rücken rieselte. „Und bei genauerer Betrachtung… niemand hat mich je so gut gekannt. Niemand hat je einfach akzeptiert, wer und was ich bin. Nicht einmal Padmé."
An jenem ersten Tag seiner Heilung hatte Vader ihn gebeten, ihm den Rest seines Körpers zeigen zu dürfen, bevor er verändert wurde. Und Max hatte zärtlich und ohne Ekel zu zeigen die nackten Stahlprothesen berührt und hingenommen wie den Rest – die Narben und das alte Wundgewebe. All dies war nun, nach der Heilung, zwar nicht mehr sichtbar – aber immer noch da. Vader würde für sich selbst immer gezeichnet sein, Max wußte das. Aber ihm war egal, wie er aussah – für ihn zählte die Gesamtheit seines selbst. Und für Vader bedeutete Max' Faszination, die von der Rüstung für ihn ausging, einen gewissen Friedensschluß mit ihr – es half ihm, ihre Bürde weiterhin zu tragen, sich damit zu arrangieren, weiterhin in sie eingeschlossen zu sein.
Niemand hatte ihn je gefragt, warum er den Anzug tragen mußte. Niemand hatte je seinen Schmerz geteilt, niemand hatte je Mitgefühl oder Verständnis gezeigt. Niemand außer Max war ihm je so nahe gewesen… nach seiner Verwandlung.
„Sie hatte Angst. Vor einer Veränderung, die sie nicht verstand, vor einer Gefahr, die sie nicht sehen konnte."
„Und du hast keine?"
„Doch. Natürlich. Aber ich vertraue Dir." Max' Hand kam höher, berührte sanft Vaders Maske, als sei es sein wirkliches Gesicht – und vielleicht war es das sogar, auf gewisse Weise. „Ich liebe Dich, Dava."
Vader legte den Kopf leicht schräg, sah dann an sich herunter und versuchte, nach hinten auf sein Cape zu schauen.
„Was suchst du?" fragte Veers verdutzt.
„Das Schild „Knuddel das Monster für einen Credit." brummte der schwarze Lord.
Max lachte schallend und ging voraus zu seinem Düsenrad, um zum Schiff zurückzukehren.
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Der Rückflug verlief ereignislos. Falls die Truppen sich fragten, was denn nun der Grund des Aufenthalts auf dem Planeten gewesen war und ob die Mission erfolgreich beendet wurde oder nicht, drang es nicht zu Veers durch – und zu Vader gleich gar nicht. Die Disziplin in der Truppe war hoch, ebenso wie das Vertrauen.
Auch auf dem Rückflug saß der schwarze Lord wieder auf dem Pilotensitz – was niemanden verwunderte. Er galt als einer der besten Piloten der Galaxis, wenn nicht sogar als DER Beste – und die PRIDE war zu nicht unbeträchtlichen Teilen seine eigene Schöpfung. Veers, neben ihm, hatte außer den Routine-Handlangerdiensten nichts zu tun.
Er unterdrückte ein Gähnen und starrte seufzend in die milchigweißen Wirbel des Hyperraums vor den Stahlglasfenstern der Fregatte. Wieviel darf ich Firmus erzählen? Er hatte keine Ahnung, ob Vader ihn hören würde, da er kein Jedi war – aber wenn sie so eng beieinander saßen…?
Tatsächlich drehte sich der mächtige Stahlschädel zu ihm. Du willst ihm sicher nicht alles erzählen, oder? Die mentale Stimme ließ das breite Grinsen erahnen, das sich momentan unter der Maske verbarg.
Veers wurde rot, grinste dann aber herausfordernd. Sollte ich?
Tu, was du nicht lassen kannst. kam es gelassen.
Im Ernst, Dava. Kann ich ihm sagen, daß du geheilt bist – oder sollen wir es wirklich für uns behalten?
Vader schwieg einen Moment nachdenklich. Du vertraust ihm. Es war eine Feststellung, keine Frage.
Hundertprozentig.
Ein Nicken. Ich ebenfalls. In Ordnung. Sag es ihm – aber nicht, durch wen es geschehen ist.
Veers lächelte. Danke, Dava.
Keine Ursache. Ich mag ihn auch.
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Nach dem Eindocken in der EXECUTOR verschwand der Oberkommandierende der Flotte erst einmal innerlich seufzend mit den Stabsoffizieren in einer Besprechung, um zu hören, was während seiner Abwesenheit passiert war.
Veers holte Piett zum Essen ab und suchte ihnen einen ruhigen Tisch, an dem sie ungestört reden konnten. Die Messe war laut genug, um ein Lauschen zu verhindern, dennoch stellte der General einen kleinen Störsender vor sich auf sein Tablett.
„Und, wie war es?" fragte Piett gespannt.
„Erfolg auf ganzer Linie!"
„Die ‚Jagd' war also erfolgreich?" Piett lächelte und begann zu essen.
„Wir waren nicht jagen. Im Gegenteil." sagte Veers ruhig und begann, seinem Freund, dessen Augen immer größer und das Essen immer kälter wurde, alles zu erzählen… nun, fast alles.
„Er ist geheilt?" hakte Piett atemlos nach. „Vollständig? Max, das… das ist fantastisch!" Dann, abrupt, wurde er blaß. „Weiß er, daß du mir das erzählt hast?"
Veers grinste. „Natürlich. Ich habe ihn vorher gefragt."
Der Captain sah seinen Freund nachdenklich an. „So locker und entspannt habe ich dich über Monate nicht gesehen. Du grinst wie ein Idiot. Was ist sonst noch passiert, hm?"
Eine leichte Röte huschte über Veers' Gesicht, und er war beinahe froh, als eine Ordonnanz kam und salutierte. „Lord Vader wünscht Sie sofort zu sehen, General Veers."
„Ich komme." Max nickte und erhob sich, und nun grinste Piett breit, während der junge Offizier wieder abdrehte.
„Glaub ja nicht, daß du mir die Antwort schuldig bleiben kannst."
Veers widerstand dem infantilen Impuls, ihm die Zunge herauszustrecken und wandte sich zum Ausgang, blieb aber noch einmal stehen, als -
Wo steckst du? Ich erreiche dich weder auf der Brücke noch in deinem Quartier.
„Essen, mit Firmus. Ich bin schon unterwegs zu Dir." Bevor er es verhindern konnte, hatte er es laut gesagt. Piett fielen beinahe die Augen aus dem Kopf.
Bring bitte Rasierzeug mit. Und dein Werkzeug. Wir müssen auch die Kammer umrüsten.
„In Ordnung, ich besorge beides. Gib mir zehn Minuten."
Bis gleich.
„Du duzt ihn?" flüsterte Piett. „Max, ich glaube, du hast viel zu erzählen…"
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Als Veers das Sanktuarium erreichte, stand Vader barfuß in einer bequemen Hose und einem ärmellosen Shirt da, die Hände in die Hüften gestemmt, und musterte eine Schalttafel an einem Wandpaneel. Max runzelte die Stirn, sagte aber nichts und legte, was er mitgebracht hatte, auf das Bett – neben den Anzug, der dort lag.
„Du wirst nachlässig. Soll ich ihn aufhängen?"
„Hm?" Vader drehte sich nicht einmal um. „Nein, laß nur. Ich brauche ihn nachher ja noch mal. Komm, hilf mir mal, das Ding hier abzuschrauben."
„Hast du sämtliche verlinkten Alarme abgeklemmt?" erinnerte Veers ihn, schnallte seinen Werkzeuggürtel um und trat neben seinen Freund.
„Ja, ja…" Vader brummte abwesend und fummelte an einer widerspenstigen Schraube herum. „Ah, jetzt! Hm, laß mal sehen…" Funken sprühten, als er die Tafel abnahm und beiseite legte. „Verflixt, ahnte ich es doch. Das geht an die Innereien."
Veers stand ein wenig hilflos daneben, als der schwarze Lord geschmeidig in die Knie ging, eine Luke in der Wand auf Bodenhöhe öffnete und sich hineinschob. „Ja… dachte ich mir. Das wird ein Weilchen dauern…"
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Im Arbeitszimmer der Ärztin, Corva, begannen Alarmleuchten jäh ein regelrechtes Feuerwerk.
„Vader! Verdammt!"
Sie schnappte die für diesen Fall stets bereitgehaltene Notfalltasche und rannte.
Verblüffenderweise widerstand die Tür der Meditationskammer ihrem normalen Zugangscode, als sie keuchend davorstand. Fluchend gab sie den geheimen Notfalloverride ein und zwängte sich durch die sich scheinbar nur widerwillig öffnende Tür.
Die innere Schleuse war blockiert und stand offen. Und im Raum stand General Veers an einer offenen Schalttafel, hantierte nachdenklich daran herum, während unter ihm zwei nackte Füße aus einer leger aussehenden Hose herausragten, die wiederum in der Wand verschwand. Soeben schob sich eine Hand aus der Öffnung, und eine dumpfe Stimme rief: „Gib mir mal den Hydrospanner!"
Corva fiel der Mund offen. Wer wagte es…!? Sie ließ die Tasche fallen, zog ihren Blaster und zielte auf Veers.
„Sind Sie von allen guten Geistern verlassen, General? Was genau denken Sie, was Sie da tun?"
Veers drehte sich um und seufzte. „Genau das frage ich mich eben auch, Doktor." Der Blaster schien ihn nicht zu stören.
„Und warum lassen Sie es dann nicht bleiben, treten brav zurück und nehmen die Hände hoch?" ätzte sie.
„Weil ich dann Ärger bekomme." erwiderte er gemütlich und deutete nach unten.
„Was soll der Mist?" Sie wurde langsam wirklich sauer. „Ich schieße, General, kein Scherz! Und Sie da – kommen Sie da raus!"
Vader schob sich aus der Wand und seufzte. „Kommen Sie in einer halben Stunde nochmal, Corva. Wir sind beinahe fertig."
„Wer sind Sie? Auf wessen Anweisung tun Sie das? Wo ist Lord Vader?"
„Auf Seine." wiederholte Veers sanft. „Erkennen Sie ihn denn nicht?"
„Lächerlich! Wo ist Lord Vader?"
„Hier." sagte Vader ruhig.
„Sie sind ein Betrüger! Lord Vader kann nicht ohne seinen Anzug überleben, und die Schleuse ist offen!" Ihre Hand zitterte – doch bevor sich ein Schuß lösen konnte, wurde ihr die Waffe entzogen und landete sanft in der Hand des Unbekannten, auf dessen vernarbtem Kopf sich weicher, dunkler Flaum gebildet hatte und dessen Wangen einige Tage alte Bartstoppeln zierten. Alles in allem sah er recht wild aus. „Ah! Geht doch!" sagte er befriedigt.
„Sagtest du nicht, du hättest alle Alarme blockiert?" Veers grinste und widmete sich wieder der Schalttafel.
„Offensichtlich nicht." brummte er. „Ich hätte gleich kommen sollen, ja… Aber ich wollte erst die Umbauten beenden, mich duschen und rasieren, Corva. Tut mir leid."
Sie schwankte, und Veers machte unwillkürlich einen Satz, um sie aufzufangen.
„Lord Vader…?" flüsterte sie fassungslos.
„Ja. Eine lange Geschichte… setzen Sie sich, ich werde Ihnen alles erzählen. Max, hol ihr bitte einen Cognac, ja?"
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Während des Berichts flackerte der Blick der Ärztin immer wieder auf die schockierend nackten, so normal aussehenden Füße des dunklen Lords, und jedesmal schüttelte sie fassungslos den Kopf. Vader berichtete medizinisch ausführlich, ließ aber einiges an Wesentlichem aus – den Namen und den Status der Heilerin, den Planeten, die Dauer und den Zustand Zarkeths hinterher.
Corva fing sich langsam, nutzte die Zeit, um wieder Herrin über sich selbst zu werden – was ihr überraschend gut gelang. Aber sie war Profi und nicht umsonst Offizier – unter Vader, was quasi ein Adelstitel war – und hatte schon andere Schocks überwunden.
„Na schön." sagte sie schließlich beherrscht und stand von ihrem Stuhl auf. „Daß ich enttäuscht bin, nicht mitgenommen worden zu sein – es hätte ja auch schiefgehen können! – kehren wir jetzt einfach mal unter den Teppich. Aber ich werde mich jetzt nicht hinauswerfen lassen, es sei denn, Ihr legt Hand an mich und tut es wahrhaftig. Ich will Euch untersuchen, Mylord. Jetzt."
Vader seufzte. „War irgendwie klar…"
Die Ärztin knurrte Unverständliches, holte ihren medizinischen Scanner aus der Tasche und begann mit den Untersuchungen. Langsam wanderten ihre Augenbrauen in die Höhe, als sie die Werte sah.
„Unglaublich. Das Fleisch ist vollkommen normal, als wäre es über einem lebenden Knochen gewachsen, die Nerven sind vollständig, die Blutgefäße und Adern absolut normal ausgebildet. Die Mechanik wird wie Muskelgewebe integriert, die Blutwerte sind tief im grünen Bereich. Die Lunge ist normal groß und unbeschädigt. Sogar die Haarfollikel und die Nägel sind da, wie natürlich entstanden und gewachsen…"
Vader sagte nichts, als er examiniert wurde wie ein biologisches Präparat; ob er sich verletzt fühlte, war nicht zu erkennen.
„Ihr seid gesund, Mylord. Vollkommen gesund."
„Schön zu hören." sagte er trocken. „Noch etwas?"
Sie zögerte.
„Na los, raus damit!"
„Mylord… warum seid Ihr barfuß?"
Max platzte halb heraus und legte sich schnell eine Hand auf den Mund. „Entschuldigung…!"
Vader warf ihm einen vernichtenden Blick zu, blieb aber ruhig. „Ich habe jetzt über lange Jahre nichts gefühlt, Doktor. Es ist schlicht die schiere Lust an der Empfindung."
Sie schluckte und senkte den Blick.
„Verzeiht."
„Entschuldigung angenommen. Ihr dürft gehen."
„Mylord."
Sie erkannte einen absoluten Rausschmiß, auch wenn er nicht körperlich war, packte ihre Sachen zusammen und verschwand wortlos.
Veers sah ihr lächelnd nach. „Daran wird sie eine Weile zu kauen haben… Wollen wir weitermachen?"
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Sie beendeten die Modifikationen in Ruhe, dann duschte Vader und kam in frischen Kleidern wieder aus dem Bad.
„So. Und jetzt werde ich auf dein Angebot zurückkommen, Max… Es ist wirklich verdammt lange her, seit ich mich das letzte Mal rasiert habe, und ich habe keine Lust, meinen Narben weitere hinzuzufügen."
Veers lächelte und leerte den Inhalt der mitgebrachten Tasche aufs Bett.
„Hui." Vader pfiff staunend. „Ein komplettes Sortiment. Hast du Mengenrabatt dafür bekommen?"
„Woher soll ich wissen, was du bevorzugst?" Der General grinste. „Schließlich gibt es kaum etwas, bei dem persönliche Vorlieben eine so große Rolle spielen wie bei der Rasur."
„Wahr." Vader musterte das Angebot und schob eine Schachtel beiseite. „Diese Paste hier vergessen wir ganz schnell wieder. Es mag zwar bequem sein, sich zwei Wochen lang nicht rasieren zu müssen, aber ich mag keine Hormone in meiner Haut. Und das hier", er hielt einen Laserrasierer hoch, „ebenfalls. Ich würde auch nicht auf den Gedanken kommen, mich mit meinem Lichtschwert zu rasieren." Stirnrunzelnd ging sein Blick zwischen dem Trockenrasierer, dem Naßrasierer und dem klassischen Rasiermesser hin und her.
„Welchen bevorzugst du?"
Max zuckte die Schultern. „Ich wechsle. Zum nachrasieren – falls ich mal abends noch etwas vorhabe – nehme ich meist den Trockenrasierer, ansonsten den Naßrasierer. Das Rasiermesser ist eher was für längere Stoppeln oder Puristen."
„Hm." Der dunkle Lord brummte unentschlossen. „Na schön. Naß – das habe ich früher auch gemacht. Bleiben wir erst einmal dabei. Trocken probiere ich später – dabei wird ja wohl am wenigsten schiefgehen…"
„Also, komm."
„Wohin?"
„In den Erfrischer natürlich – wohin sonst? Soll ich dich hier rasieren? Dann brauche ich eine Schüssel mit Wasser…"
„Ich hole dir eine. Ist mir zu eng da drin."
Vader stöberte eine Weile, schüttete schließlich kurzentschlossen eine große Schale mit Schrauben aus und verschwand im Erfrischer, um sie sauberzumachen und sie mit Wasser zu füllen. Einmal mehr mußte Max sich das Lächeln verbeißen – irgendwie war es herrlich, ihm dabei zuzusehen, wie er langsam wieder zum „normalen" Leben fand… wenigstens im privaten Kämmerlein. „Draußen" würde er weiterhin Sklave seines Anzugs bleiben.
„Hier…"
„Das wird genügen. Ah, danke für das Handtuch, gute Idee – setz dich, bitte."
Vader ließ sich auf dem Stuhl nieder, auf dem die Ärztin gesessen hatte, und sah Max neugierig an, der ihm das Handtuch umlegte und sanft seinen Kopf zurückzog, gegen sich. „Entspann dich."
Er sprühte Rasiergel in seine Hände, verrieb es zu Schaum und rieb sanft Vaders Wangen und Kinn damit ein. Dann wusch er sich die Hände in der Schüssel, trocknete sie ab und begann mit der Rasur.
Keiner von beiden gab es zu, aber beide waren nervös – und erregt. Die Rasur hatte beinahe etwas von einem sexuellen Akt – für beide. Vader lieferte sich Max hier mehr aus als je zuvor, und dieser genoß es, seinem Geliebten zu mehr Normalität zu verhelfen, Teil seines allerprivatesten Lebens zu sein – etwas, das er sich noch vor einigen Wochen niemals hätte träumen lassen. Es erfüllte ihn mit größter Freude, einfach hier zu sein, nahe bei dem Mann, den er zutiefst verehrte und liebte.
„Fertig." sagte er schließlich, tauchte einen Zipfel des Handtuchs in die Wasserschale und wischte sorgsam letzte Schaumreste von Vaders Gesicht, bevor er es wieder trocknete. Seine Stimme gehorchte ihm nicht ganz, klang ein wenig heiser.
Vader hob die Hand, befühlte die glatten Wangen – glatt, wie sie die ganzen letzten Jahre gewesen waren, doch hatte er keine Hand gehabt, mit der er es hätte fühlen können… und es war keine natürliche Glätte gewesen. Er hob den Blick, sah Max an und griff dann im Aufstehen nach dessen Hand.
„Danke…"
Veers schluckte trocken angesichts der tief von innen kommenden Majestät des Mannes vor ihm. Da war Stolz, ja, aber keine Arroganz. Er schien von innen heraus zu leuchten. Der Sohn der Sonnen…
Nur zu gern ließ er sich heranziehen und ergab sich Vaders Kuß.
