Kapitel 23
„Da hinten" saß Veers in seinem Repulsorstuhl an einem Tisch, der ein wenig abgelegen am Rand stand, abseits von Lauschern und ein wenig abgeschirmt von den Augen der anderen Gäste – obwohl hier niemand wirklich auf andere Gäste zu achten schien, es sei denn, es handelte sich um Freunde und Bekannte. Die Stimmung war gelöst, Gelächter und Wortfetzen drangen durch den Saal und mischten sich mit anregenden Essensdüften.
Der General hatte noch kein Tablett vor sich stehen, aber sein Magen knurrte verlangend bei der olfaktorischen Attacke, und so sah er Vater und Sohn aus mehr als einem Grund freudig entgegen.
Der Junge schien durch irgendwas geschockt und ließ sich mehr mitzerren als er ging, doch als sie an seinem Tisch anlangten, blinzelte er und lächelte höflich. „Guten Tag." grüßte er – ein wenig unsicher, denn er erkannte zwar einen Offizier vor sich, wußte aber nicht, welchen Rang dieser innehatte.
Veers erwiderte das Lächeln und streckte ihm die Hand entgegen, während Vader gleichzeitig die Honneurs machte.
„Luke, dies ist General Maximilian Veers, Kommandeur der Infanterie an Bord der EXECUTOR. Und als solcher wäre er Euer theoretischer Vorgesetzter. Ich denke, es ist in Lord Vaders Sinn, daß Ihr Euch in den nächsten Tagen ein wenig an den General haltet."
„Commander Skywalker."
Luke ergriff Veers' Hand mit festem Griff und schüttelte sie. „General… ich muß sagen, ich bin überrascht."
Überrascht? Geschockt traf es eher, als Tyee sich nun kurz herabbeugte und Veers küßte, bevor er neben ihm Platz nahm und Luke angrinste. Und auch Veers war überrascht, wie es schien, doch dann lächelte er ebenfalls.
„Ja… das glaube ich sofort." erwiderte Max dann auch trocken, als Lukes Augen sich noch mehr weiteten. „Setzt Euch, Commander. – Wir sind zusammen, wie Ihr vermutlich bereits erraten habt. Und Eure Überstellung in meinen Bereich ist einfach zu erklären. Euer Vater hätte Euch auch Admiral Piett anvertrauen können, aber ich bin derzeit ein wenig… indisponiert und habe daher mehr Zeit, die ich nun sinnvoll gebrauchen kann." Max deutete nach unten, auf den Stuhl, den Luke jetzt erst bemerkte.
„Was ist Euch passiert?" fragte er betroffen.
Veers lächelte. „Ich fürchte, wir kämpften auf Hoth gegeneinander, Commander. Ich führte den AT-AT-Angriff an, und einer Eurer Piloten stürzte in mein Cockpit." Er ließ keine Regung wie Haß oder Aggression erkennen, und so blieb Luke dahingehend relativ entspannt, obwohl er den General besorgt musterte. „Keine Sorge, Commander. Wir befinden uns im Krieg, und solche Dinge passieren. Seid versichert, ich hege keinen Groll gegen Euch. – Meine Beine wurden bei diesem Angriff komplett zerschmettert, und die Medidroiden wollten amputieren – doch Euer Vater verhinderte dies und heilte mich."
„Er… HEILTE Euch?" echote Luke verblüfft, vollkommen baff ob dieser Tatsache.
„Ja. Er verbrachte Stunden damit, die Splitter meiner Knochen wieder zusammenzufügen, und rettete so meine Beine."
„Was ist daran so erstaunlich?" warf Tyee ein.
„Heilen… das ist die lichte Seite. Er ist Sith-Lord. Seine Seite ist die Zerstörung, das Chaos!"
„Unsinn." Tyee brummte verärgert. „Glaubt Ihr wirklich, er wäre so hoch gestiegen, so weit gekommen, wenn er wirklich das Monster wäre, als das er dargestellt wird?"
Luke sah Veers an. Ignorierte den Heiler für den Moment. „Glaubt Ihr nicht, er tat das nur, um Euch an ihn zu binden? Damit Ihr ihm etwas schuldig seid?"
Veers griff blind und blitzschnell nach Tyees Hand und hielt ihn fest, ohne den Blick von Luke abzuwenden. „Nein, Commander. Er tat es einzig und allein, weil er mich schätzt und der Meinung war, gesunde Beine seien besser als Prothesen – oder ein Leben im Repulsorstuhl. Und bevor Ihr jetzt auf Eure Hand zu sprechen kommt: ich weiß davon. Und ich weiß, daß er sich sehr große Vorwürfe macht und seine Reflexe verflucht. Wenn er könnte, würde er es rückgängig machen, das weiß ich. Niemand weiß besser als er, was es heißt, Prothesen zu besitzen…"
Der Rebell sah den General eine ganze Weile an und versuchte, das Gehörte einzuordnen und zu verdauen. „Ihr mögt ihn wirklich, nicht wahr?"
„Mehr als das, Luke. Ich verehre ihn zutiefst. Ich würde für ihn sterben – so wie übrigens nahezu jeder auf diesem Schiff." Veers spürte, wie Vaders Hand sich leicht in der seinen bewegte, und fühlte einen mentalen Kuß. Nur mit Mühe konnte er ein Lächeln unterdrücken. „Und wenn Ihr ihm die Chance gebt, ihn besser kennenzulernen, werdet Ihr begreifen, warum."
Der Junge sah immer noch zweifelnd aus, und Vader nutzte den Moment für eine kleine Ablenkung.
„Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich habe Hunger. Ich rieche Xachibik – kennt Ihr das? Es ist ein Gericht von Kashyyyk – dreimal?" Ohne Antwort abzuwarten, erhob er sich und ging zum Tresen.
Veers lächelte Luke aufmunternd an. „Er ist kein Monster, mein Junge. Gebt ihm eine Chance. Er hat es verdient."
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Der Heiler kehrte mit einem Tablett zurück, auf dem drei große Schalen des Fleisch- und Gemüseeintopfs standen, auch an Getränke hatte er gedacht. Er setzte sich und verteilte Schüsseln, Gläser und Besteck, dann begann er, mit Appetit zu essen.
Luke und Veers folgten seinem Beispiel, und der Junge staunte. „Nicht schlecht – Chewbacca hat das einmal für uns gekocht, und es schmeckte nur ein wenig besser als das hier."
„Die Köche sind angehalten, sich überall in der Galaxis nach Gerichten umzutun. Gemüse und Fleisch werden nur frisch verarbeitet, was bedeutet, daß wir regelrechte Farmen an Bord haben. Zugekauft werden muß natürlich trotzdem noch, dazu sind wir einfach zu viele. Aber es wird soweit als möglich aus Eigenproduktion verkocht." erklärte Veers.
Luke staunte noch mehr, und sein Respekt wuchs – eigentlich gegen seinen Willen.
„Wie geht es jetzt weiter?" wollte er dann wissen.
„Sollten Sie das nicht Ihren Vater fragen?" schlug Max ruhig vor.
Der Junge zog eine Grimasse, nickte dann aber. „Na schön. Könnten Sie bitte ein Treffen für mich arrangieren, General?"
„Aber natürlich, gern. Heute nachmittag, vielleicht. Ich werde ihn nachher fragen."
Ein junger Offizier in Lukes Alter trat an ihren Tisch und verneigte sich leicht vor Veers. „Guten Tag, Sir." Dann nickte er Vader höflich zu und grinste schließlich Luke an. „Hallo. Corva hat mir gesagt, daß ich dich hier finden könnte. Ich bin Arik Cass – ich habe dir was mitgebracht, ich dachte, du könntest es brauchen – aber wie ich sehe, bist du schon versorgt." Er hob eine Tasche hoch und ließ Luke hineinsehen, sie enthielt Freizeitkleidung in neutralen Farben.
Veers und Vader sahen sich an und lächelten ein wenig gerührt, Luke starrte ein wenig verständnislos. „Du bist wer, bitte?"
Cass lachte. „Entschuldige. Commander Arik Cass, zu Diensten."
„Captain." korrigierte Vader mit einem amüsierten Lächeln.
„Oh, richtig…" Cass grinste und wurde ein wenig rot, während er Vader unauffällig musterte, sich dann aber wieder Luke zuwandte. „Ich hatte die Ehre, Lord Vader helfen zu dürfen, Dich zu bergen unter der Wolkenstadt."
„Du warst der Pilot?" schlußfolgerte Luke interessiert. „Guter Flug!"
„Danke." Cass lächelte. „Er hat mir immerhin eine Beförderung eingebracht."
Vader grinste nun offen, was Veers veranlaßte, ihm unter dem Tisch, unbemerkt von den anderen, einen mahnenden Knuff zu verpassen. „Setzen Sie sich doch, Captain." bot Max an, um abzulenken.
„Danke, General." Cass glitt auf den vierten Stuhl. „Nette Uniform." Er grinste.
„Ein Vorschlag der Ärztin – oder meines Va-", er biß sich auf die Lippe, unsicher, ob Cass es wußte. Dieser lächelte jedoch nur und nickte. „Oder meines Vaters, ich weiß nicht. Es soll mich an Bord sozusagen unsichtbar machen."
„Für ein paar Tage, jedenfalls." Cass nickte. „Die Lady Ex ist riesig, aber die Leute kennen einander trotzdem relativ gut, zumindest vom Sehen. Wie eine gigantische Großfamilie. Naja… magst du es trotzdem haben? Als wir dich reinholten, bemerkte ich, daß wir fast dieselbe Größe haben… müßte dir also passen."
„Commander Skywalker wird in seinem Quartier alles vorfinden, was er braucht, oder es wird besorgt werden." warf Vader amüsiert ein. „Aber die Geste ist überaus freundlich, Captain."
Cass starrte ihn beinahe unverhohlen an. Etwas in der Stimme… der Haltung… der Art, sich zu bewegen bzw. das eben NICHT zu tun… die Größe und Statur… und das offensichtliche Interesse an dem Jungen…
„Captain Cass, dies ist Songan Tyee, ein Heiler." beeilte Veers sich zu sagen. „Er hat Corva geholfen, die Prothese anzubringen."
Schlagartig wurde Cass klar, wen er vor sich hatte – und auch, daß Vader dies genau wußte. Er schoß von seinem Stuhl hoch und ergriff die Hand, die ihm gereicht wurde, drückte sie begeistert und ehrfürchtig. „Sir! Es ist mir eine Ehre, Sie kennenzulernen!"
Vaders blaue Augen blitzten vor Lachen. „Setzen Sie sich wieder, Captain. Ich bin nur ein Heiler."
Cass verstand und erwiderte das Lächeln. „Aber was für einer, Sir." Er nahm wieder Platz.
Max… ich will mit Cass reden – ich denke, ich habe meinen Babysitter gefunden. Kannst du Luke bitte sein Quartier zeigen?
Natürlich. Veers unterdrückte ein Lächeln. Ich bringe ihn in zwei Stunden zu dir, einverstanden?
In Ordnung.
„Luke, wollen wir unsere Runde starten?" sagte er dann laut. „Ich werde Ihnen zeigen, wo Sie untergebracht sind, die Messen und Läden darum herum und einiges mehr…"
„Natürlich, General." sagte Luke höflich und erhob sich. Die beiden verließen den Saal, bereits in eine angeregte Plauderei vertieft. Vader wandte sich Cass zu.
„Mylord." sagte dieser ehrfürchtig, aber sehr leise.
„Wärt Ihr bereit, Euch um ihn zu kümmern, Arik?" fragte dieser ruhig. „Ich möchte, daß er die nächsten Tage stets begleitet wird, aus mehreren Gründen."
„Ich verstehe." nickte der junge Offizier. „Die Lady Ex ist kein normaler Sternzerstörer – und Ihr seid nicht der, für den er Euch hält. Und er ist instabil, schätze ich. Obwohl er langsam aufzutauen scheint."
Vader nickte. „Und das könntet Ihr verstärken. Ihr seid im selben Alter, Ihr habt geholfen, ihn von der Antenne zu pflücken, Ihr habt einen recht hohen Rang für Euer Alter…"
„Ich bin das Paradebeispiel des imperialen Offiziers, der ihm so gar nicht in sein Weltbild paßt." Cass grinste. „Es ist mir eine Ehre, Mylord. Sagt mir nur, was er nicht sehen darf…"
„Eigentlich will ich nichts vor ihm verbergen – das ist ja der Trick. Absolute Offenheit erwartet er am Wenigsten."
Cass zog überrascht eine Augenbraue hoch. „Alles klar. Damit habt Ihr sicher Recht. – Ich nehme an, es werden trotzdem zwei meiner Kameraden vor seiner Tür postiert, so lang er schläft oder sich allein in seinem Quartier aufhält?"
„Ja – aber das wird nicht lange nötig sein. Wir werden die EXECUTOR bald verlassen und einen anderen Ort aufsuchen, an dem ich ihn hoffentlich dazu bringen kann, mit mir zu reden…"
„Ich werde tun, was ich kann, um das zu unterstützen, Mylord."
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Luke begleitete Veers durch die Gänge der EXECUTOR. Zweimal hatten sie auch einen Turbolift genommen, um die schier unglaublichen Entfernungen schneller zu überbrücken.
Er staunte immer mehr. Soldaten und Offiziere, sogar Mannschaften, die ihnen entgegenkamen, grüßten freundlich, und Veers erntete fast immer ein Lächeln – er schien beliebt zu sein auf dem Schiff. Luke wurde ein wenig an General Rieekan erinnert, der unter den Rebellen einen ähnlichen Status einnahm. Außerdem gab es wenig Hektik an Bord, nur effiziente Zielstrebigkeit, und niemand sah verängstigt oder übermäßig psychisch belastet aus.
Sie verließen einen dritten Lift, der sie in einen Quartierbereich führte, und machten nach einigen Metern vor einer Tür Halt.
„Dies wird Ihr Quartier werden, Commander." sagte Veers und öffnete die Tür mit einer Codekarte, die er dann Luke in die Hand drückte. „Die Räume Ihres Vaters sind ein Stück weiter hinten." Max hatte auf Vaders Bitte das Quartier selbst vorbereiten lassen und mit allem ausgestattet, was ihm nötig erschien.
Die Tür glitt auf und gab den Blick auf eine relativ großzügige Wohnung frei, bestehend aus einem Wohnbereich mit Medienterminal, einem Schlafzimmer und einem Erfrischer. Als besonderen Luxus wies sie sogar ein Außenfenster auf, hinter dem das milchige Leuchten des Hyperraums zu erkennen war.
Luke sah sich um und zog eine Augenbraue hoch. „Sind das die Räume des Imperators, wenn er an Bord ist?"
Veers sah ihn überrascht an. „Aber nein. Das ist ein ganz normales Offiziersquartier, wie es Ihrem Rang entspricht."
„SO GROSS?"
„Groß?" Max sah sich um und zuckte verständnislos die Schultern. „Wir erwarten von unseren Offizieren, daß sie sich mit Hintergrundmaterial beschäftigen, auch in ihrer Freizeit Projekte vorbereiten, Berichte schreiben oder Beurteilungen machen. Dazu brauchen sie Raum und Ruhe. Gut, auf Schiffen wie der DEVASTATOR zum Beispiel sind sie ein wenig kleiner, ja, aber nicht viel. Dies hier ist immerhin das Flaggschiff."
Luke betrat das Schlafzimmer. Ein Bett in menschlicher Standardgröße, ein Schrank über die gesamte Schmalseite einer Wand. In Ordnung… nicht übertrieben. Der Erfrischer jedoch…
„Ist diese Dusche etwa mit… Wasser?" Was für ein unerhörter Luxus!
„Äh… ja? Natürlich. Wasser und sonisch, nach Wunsch." Max wurde immer verwirrter. In welchen Zuständen mußten die Rebellen hausen? „Jedem Besatzungsmitglied steht einmal pro Tag eine Dusche zu. Wer übertreibt, wird selbstverständlich verwarnt."
Luke kehrte vollkommen baff ins Schlafzimmer zurück und öffnete die Schränke. Er fand einige Satz Uniformen sowie Freizeitkleidung, alles in seiner Größe. Dazu Stiefel, Socken und Wäsche.
„Die Reinigungsschwadron kommt einmal täglich. Die Wäsche hier hinein", er deutete auf eine Klappe in der Wand, „Handtücher werden zweimal die Woche getauscht." Veers musterte den verwirrten Jungen zunehmend besorgt. „Stimmt etwas nicht, Commander?"
„Ich habe noch nie solchen Luxus erlebt, General. Wasserduschen. Quartiere dieser Größe. Regelmäßig gereinigte Kleidung." Luke flüsterte beinahe und ließ sich auf das Bett sinken. „Bequeme Matratzen." Er lächelte schräg.
Veers wußte nicht, was er sagen sollte und schwieg ein wenig peinlich berührt. „Ich hoffe, Sie glauben nicht, daß dies eine arrangierte Protzerei im Auftrag Ihres Vaters ist, um Sie zu beeindrucken." sagte er schließlich. „Sie können gerne andere Quartiere einsehen… es ist schlicht imperialer Standard. Oder besser: Standard an Bord der EXECUTOR."
„Schon gut, General. Ich glaube Ihnen ja. Aber ich muß zugeben, ich bin beeindruckt." Luke lächelte, und Veers erwiderte es warm.
„Nachts und wenn Sie sich hier aufhalten, werden leider Wachen vor der Tür stehen." sagte er dann entschuldigend. „Zumindest anfangs. Was die Medienbox angeht… Sie haben uneingeschränkten Zugriff auf das Holonet und die Bordbibliothek, aber ich muß Sie warnen: sollten Sie versuchen, eine Nachricht an ihre Freunde oder jemanden in der Rebellion abzusetzen, wird das bemerkt werden."
„Natürlich." Luke war nicht überrascht, er hatte nichts anderes erwartet.
„Gut. Dann werde ich jetzt einmal nachfragen, wann er Zeit für Sie hat." Veers zog einen Kommunikator aus der Tasche, wählte eine Nummer und aktivierte ihn.
„Veers. Lord Vader, Euer Sohn würde gerne mit Euch sprechen. – Zwei Stunden? Gut. Wo? – Gut. – Ja, ich habe verstanden. Ich werde ihn dorthin bringen."
Er beendete das Gespräch, deaktivierte das Gerät und steckte es wieder weg. „Ich soll Euch auf die Brücke bringen, die er Euch zeigen möchte. Anschließend wird er mit Euch in die Gärten gehen."
Wieder einmal verblüfft, starrte Luke auf den Kommunikator. „Er ist jederzeit erreichbar für Euch?"
Veers schwankte zwischen Lachen und Verzweiflung. „Luke, er ist der Kommandant dieses Schiffes! Natürlich ist er für mich erreichbar – und für jeden anderen, der ihn braucht! Was dachtet Ihr denn?"
„Er ist der zweitmächtigste Mann des Imperiums. Ich hätte erwartet, daß er sich abschottet… über allem schwebt, unerreichbar."
„Gottgleich?" Veers grinste. „Nein. Er wäre ein schlechter Kommandant, wenn er das täte, oder?"
Luke dachte an Mon Mothma, die ähnlich Hof hielt wie Palpatine. Ihr Ohr war verschlossen und nur über verschlungene Umwege erreichbar. Nur bei großen Anlässen ließ sie sich blicken und spielte Volksnähe. Madine und Ackbar waren nicht viel besser, Dodonna hatte sich seit Yavin auch mehr und mehr zurückgezogen… lediglich Rieekan war nach wie vor für seine Leute da. Eine Ausnahme.
Luke seufzte. Offensichtlich gab es so einiges, was er im Bild seines Vaters korrigieren mußte…
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Der weitere Rundgang beinhaltete weitere wichtige Stationen im Bordleben der EXECUTOR: Hangars, Einkaufszentren, Sportstätten, Wissenschaftliche Einrichtungen, von denen es erstaunlich viele gab. Und wohl oder übel mußte Luke seine Ansicht über diese pfeilspitzenförmige Waffe revidieren: sie konnte viel, viel mehr als nur töten. Und offensichtlich war dies nicht einmal ihr Primärzweck.
Schließlich erreichten sie die Brücke – und wieder war er schlicht sprachlos. Schon allein aufgrund der schieren Größe, der Schlichtheit und Effektivität der Ausstattung und der Ruhe und Gelassenheit, mit der hier gearbeitet wurde. Oh, sicher… er bemerkte auch eine nervöse Grundstimmung im Raum, die eindeutig mit der Anwesenheit Vaders zusammenhing. Niemand war erpicht darauf, in seiner Anwesenheit einen Fehler zu begehen. Aber die Angst war gepaart mit Respekt. Und… Bewunderung? Einige der Offiziere warfen ihm immer wieder Blicke zu, die aber nichts mit Furcht zu tun hatten.
Sein Vater stand am anderen Ende der Brücke vor einem gigantischen Aussichtsfenster, um ihn herum einige Offiziere, denen offensichtlich Anweisungen erteilt wurden. Sie hörten aufmerksam und konzentriert zu, und erstaunt bemerkte er, daß ein oder zwei von ihnen Rückfragen stellten, die geduldig beantwortet wurden. Schließlich verneigten sie sich und wurden mit einem Nicken entlassen.
Veers hatte ihn mit einer Geste zum Warten aufgefordert, nun, auf ein beinahe unsichtbares Signal Vaders, bewegte er sich wieder vorwärts und zog Luke mit sich, der nur widerstrebend folgte. Er zögerte immer noch, wußte nicht, wie er Vader gegenübertreten sollte.
Als er näherkam, merkte er, daß er dennoch die Augen nicht von ihm lassen konnte. Es war ihm zuvor – auch auf Bespin – nicht aufgefallen, wie majestätisch Vader tatsächlich war. Seine Größe und Gestalt waren mehr als beeindruckend, das schwere Cape floß elegant über seine breiten Schultern und verwandelte ihn in eine Statue. Gottgleich, hatte Veers gesagt. Der Vergleich war gar nicht so weit hergeholt. Selbst Maske und Helm trugen zu diesem Bild bei – die imposante Statue eines Herrschers oder Gottes, nur, daß diese Statue lebte und handelte. Aber bedachte man das Verhalten der Leute um ihn herum, war er wohl nicht der Einzige, der so empfand.
Bis er vor ihm stand, hatten sich Widerwillen, Angst und letzte Reste Haß beinahe in ehrfürchtige Scheu verwandelt. Ein Gefühl, das nicht eben zu seinem Wohlbefinden beitrug.
„Luke." grüßte Vader ruhig. Der volle, dunkle Baß hatte nichts Bedrohliches an sich, das Zischen des Beatmers fügte sich nahtlos ins Bild der Statue ein – so hatte er ihn über das Holonet wahrgenommen. Machtvoll, erhaben. Verdammt! Das war Vader! Zweiter nach dem Imperator, erklärter Feind der Rebellion! Und doch…
„Lord Vader." erwiderte Luke trotzig.
Vader sagte nichts zu der Anrede, musterte ihn nur. „Bist du mit deinem Quartier zufrieden?"
Das war eine Frage, die Luke nicht erwartet hatte. „Es ist überaus großzügig und mehr als ausreichend."
Vader nickte nur. „Solltest du etwas vermissen, zögere nicht, es mir zu sagen."
„Einen Jäger?" schlug Luke spöttisch vor. Vader überraschte ihn wiederum.
„Wenn du mir dein Wort gibst, nicht zu fliehen? Sofort."
Luke zog eine Grimasse. „Das kann ich nicht. Du weißt das."
Vaders Puls beschleunigte sich, als Luke sich endlich der vertraulichen Anrede bediente, auch wenn es ein Versehen gewesen sein mochte.
„Noch nicht." erwiderte er ruhig und kryptisch. Luke sah ihn zweifelnd an, und Vader seufzte. „Begleite mich."
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Veers sah Vater und Sohn ein wenig unruhig nach, als sie die Brücke verließen. Luke sperrte sich immer noch, er schien nicht bereit, seinen Vater in einem anderen Licht zu sehen als nach Rebellenpropaganda…
Cass trat neben ihn und folgte seinem Blick. Er glühte regelrecht seit der Begegnung in der Messe, erfüllt von Stolz und Abenteuerlust.
„Wird er je nachgeben?" seufzte Max.
„Er ist längst auf seiner Seite." beruhigte Cass. Veers sah ihn erstaunt an, doch der junge Captain lächelte nur. „Sie wissen es nur beide noch nicht."
