Mist,
da prüft man das hochgeladene mal nicht nach…!
Die Fic Power
Lust ist auf Bast Castle /net zu finden (am besten googeln, da hier
die Links ja nicht angezeigt werden… Die Seite ist – wie der Name
schon vermuten läßt – auf Vader-Stories spezialisiert, komplett
englisch, und bietet einige der besten Fics, die ich bisher gelesen
habe. Sehr empfehlenswert!
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Kapitel 24
Luke ging neben seinem Vater her, der mit ruhigen Schritten sein Ziel ansteuerte. Er fühlte sich winzig neben dem hünenhaften Mann, schier erdrückt nicht nur von der körperlichen Größe, sondern auch von der Stärke, die er beinahe spürbar ausstrahlte. Nicht nur in der Macht, sondern auch als Befehlshaber dieses gigantischen Schiffes. Leute, die ihnen entgegenkamen, grüßten den dunklen Lord voll Respekt und Ehrfurcht, stellte er erstaunt fest – und musterten ihn neugierig. Er straffte die Schultern, bemühte sich um Ruhe und Gelassenheit, was wiederum Vader nicht entging. Der dunkle Lord wandte den Kopf und sah ihn an, und er fühlte so etwas wie Amüsement zu ihm herüberschwappen, was ihn wiederum verwunderte.
Schließlich traten sie durch eine Tür in einen Garten.
Garten? Park würde es eher treffen. Luke fiel das Kinn auf die Brust, als er sich umsah.
Er konnte kein Ende erkennen – das Ganze mußte weit über hundert Meter lang sein. Und die Höhe – zwei Etagen? Breite – etwa dreißig Meter, schätzungsweise. Oder mehr? Wahnsinn. Direkt vor ihnen begannen mehrere kleine Wege, sich in die sorgsam gepflegte Anordnung von Büschen, Blumenrabatten und sogar richtigen Bäumen hineinzuwinden, und Vader schlug einen dieser Wege ein, langsameren Schrittes nun. Schlendernd beinahe.
Luke folgte ihm und sah sich um. Saßen da etwa Vögel in den Zweigen? Und kleine Tiere, die über die Äste huschten? Bei den Mächten!
Wieder spürte er Vaders Erheiterung – gepaart mit Freude und Stolz über die Schönheit, die er hier zeigen konnte.
Der Junge atmete tief die klare, reine Luft ein, reich von Sauerstoff, und fühlte, wie er sich entspannte. „Schön." sagte er schließlich.
„Nicht wahr?" Die Stimme seines Vaters war ruhig und sanft. „Wir sind oft monatelang im All. Meiner Erfahrung nach vermißt man Bäume, Grün und Blumen am meisten nach einer Weile. Dieser Garten hilft ein wenig – er beruhigt Augen und Seele."
„Wie groß ist er?"
„Beinahe siebenhundert Meter lang. Das hört sich riesig an", sagte er schnell, als Lukes Kinn wieder herunterklappte, „aber wir sind auch sehr viele. Er liegt zentral in der Mitte des Schiffes, damit er für alle erreichbar ist."
Sie gingen wieder eine Weile, ohne etwas zu sagen, und erreichten einen kleinen Teich, in dem sich Fische tummelten. Ringsherum war ein dichter, weicher Rasen, der zum darauf sitzen und liegen einlud, und an einer Stelle stand eine Bank.
„Ich habe die Farbe Grün nur aus Büchern gekannt, bis ich achtzehn war." sagte Luke schließlich. „Yavin 4 war der erste Ort, an dem ich einen BAUM gesehen habe."
Vader nickte. „Ich war ein wenig jünger, aber nicht viel. Ich verließ Tatooine mit neun – aber auf Coruscant gibt es Bäume nur im Garten des Imperators, und so habe ich die ersten auf den Einsätzen mit Obi-Wan gesehen. – Nein… stimmt nicht. Ich hatte Naboo vergessen. Auf Naboo wachsen viele Bäume…" Vaders Stimme verlor sich kurz in der Erinnerung an den kleinen Jungen im großen Wald, an Gungans und eine jungfräuliche Königin, die vor Boss Nass kniete…
„Obi-Wan?" Luke sah ihn erstaunt an. „Einsätze? Du hattest Einsätze mit ihm?"
„Ich war sein Padawan. Er war mein Meister – besser gesagt, er wurde es, nachdem Qui-Gon getötet wurde." Vaders Stimme trug eine Spur Trauer in sich. „Er war wie ein Bruder für mich."
„Und warum hast du ihn dann getötet?" fragte Luke aufgebracht.
Vader zögerte. War Luke schon bereit dafür? Der Junge blitzte ihn aus blauen Augen an, die seinen so ähnlich waren, verlangte eine Antwort.
Er seufzte. „Setz dich. Ich werde es dir zeigen."
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Du warst mein Bruder, Anakin! Ich habe dich geliebt!
Schmerz durchzuckte ihn, als er noch einmal auf Mustafar lag, hilflos, mit abgetrennten Gliedmaßen, in Flammen stehend… und Obi-Wan davonging, ihn liegen ließ, dem Tod überlassend, aber am Leben. Vaders Hände krampften sich unwillkürlich um die Holmen der Bank, auf der sie beide saßen, und er atmete schwer – was sich, dank der neusten Modifikationen, wieder auf den Beatmer übertrug. Unsicher wandte er sich Luke zu, der sich soeben aus seinem Geist gelöst hatte. Er hatte ihm nichts vorenthalten, hatte nichts beschönigt, sich selbst nicht geschont und Lukes Schmerz gespürt, als er das erste Mal seine Mutter gesehen hatte. Schmerz, der sich nun wiederholte.
Lukes Augen waren vor Entsetzen geweitet, er hatte die Pein seines Vaters geteilt, die alles übertraf, was er sich jemals hätte vorstellen können.
„Er hat dich liegenlassen?" flüsterte der Junge fassungslos.
Vader nickte.
„Lebend? Hilflos? Brennend…?!"
Ein neuerliches Nicken.
„Deshalb trägst du diesen Anzug und die Maske."
Vader zögerte unmerklich und entschied sich doch für eine kleine Lüge, die zwanzig Jahre seines Lebens die Wahrheit gewesen war. „Ja."
Luke stand nach Luft schnappend auf, ging ein paar Schritte. Vader wartete ruhig. Schließlich drehte sein Sohn sich um, sah ihn an – ruhiger, gefaßter. „Warum?"
Vader gestattete sich ein kleines Lächeln. „Auf welches von den vielen „Warums" möchtest du zuerst eine Antwort?"
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Der Junge, der derzeit aussah wie ein imperialer Offizier, starrte ihn an. Die Uniform paßte nicht zu ihm, entschied Vader. Das war nicht Luke, war nicht sein Weg. Aber für den Moment genügte es.
„Warum bist du zur dunklen Seite gewechselt?"
Oh du meine Güte. Natürlich – das war zu erwarten gewesen. Eine so simple Frage, so naheliegend… und so einfach zu beantworten. Oder so schwer. Es gab zwei Möglichkeiten. Eine sehr kurze – und eine, die sein ganzes Leben umfaßte.
„Als ich neun Jahre alt war", begann er langsam, „kam ein Jedi nach Tatooine. Qui-Gon Jinn. Er war auf einer Mission mit seinem Padawanschüler, Obi-Wan Kenobi, und machte Station, weil er sein Raumschiff reparieren mußte. Er fand mich bei meinem damaligen Besitzer, einem toydarianischen Schrotthändler namens Watto."
„Besitzer?" echote Luke verblüfft.
„Ja. Meine Mutter und ich waren Sklaven, Luke."
Die Augen seines Sohnes weiteten sich, aber er schwieg und hörte weiter zu.
„Qui-Gon spürte die Macht in mir und entschied, mich mitzunehmen. Er arrangierte ein Podrennen und machte meine Freiheit zur Bedingung, falls ich gewann – was ich tat."
„Du hast Podrennen geflogen?!?"
Vader lachte leise. „Luke, wenn du mich alle zwei Sätze unterbrichst, sitzen wir morgen früh noch da."
„Aber PODRENNEN…!"
„Ja. Ich war – und bin – der einzige Mensch, der jemals einen Pod geflogen hat. Wobei ich glaube, daß du es auch könntest. Wie auch immer – ich war frei, und er nahm mich mit nach Coruscant, um mich zum Jedi ausbilden zu lassen – und in meiner kindlichen Naivität dachte ich, daß ich dann meinen Traum erfüllen könnte: später zurückzukommen und alle Sklaven befreien, allen voraus meine Mutter... Ich war aufgeregt und begeistert, auch wenn ich es haßte, meine Mutter zurücklassen zu müssen.
In seiner Begleitung war damals ein Mädchen, schön wie ein Engel – und genau das habe ich sie auch gefragt: ob sie einer sei. Es brachte sie zum Lachen." Vaders Stimme war plötzlich so voller Zärtlichkeit, daß Luke erschauerte. „Ihr Name war Padmé, und sie wurde mir als die Zofe der Königin von Naboo vorgestellt. Ich erfuhr erst später, daß sie die Königin WAR. Padmé Amidala. Ich verliebte mich vom Fleck weg in sie… neun Jahre alt, und sie vierzehn.
Qui-Gon brachte mich nach Coruscant, zum hohen Rat der Jedi. Er stellte mich vor – und damals hörte ich das erste Mal von der Legende des ‚Auserwählten'." Er sah Luke fragend an, der den Kopf schüttelte.
„Die Legende besagt, daß ein Kind kommen soll, genannt der Sohn der Sonnen, der die Macht wieder ins Gleichgewicht bringt. Qui-Gon war der Meinung, ich sei dieses Kind. Ich lebte auf Tatooine und hatte keinen Vater."
„Du kennst deinen Vater nicht?" Lukes Neugier überwog längst seine Scheu – und Angst. Er war immer näher zur Bank zurückgekehrt und ließ sich nun neben seinen Vater sinken. Diese Offenbarung weckte eine noch größere Verbundenheit in ihm – denn auch er hatte ja seinen Vater nie gekannt, und auch er war auf Tatooine – unter zwei Sonnen – großgeworden.
„Nein, mein Sohn. Ich HATTE keinen Vater. Meine Mutter wurde schwanger, ohne einen Mann gehabt zu haben – ich entstand aus der Macht selbst."
Lukes Augen liefen mittlerweile Gefahr, aus ihren Höhlen zu fallen, und Vader winkte ab. „Mittlerweile habe ich Informationen, daß ein Sith namens Darth Plagueis Experimente veranstaltet hat, deren Ergebnis ich bin. Ich wurde tatsächlich aus der Macht geboren – und so legte ein Sith den Grundstein für die Erfüllung einer Jedi-Legende. Eigentlich zum Lachen, wenn es nicht so traurig wäre. Wie auch immer. Qui-Gon hatte auf Tatooine eine Blutprobe genommen und festgestellt, daß mein Midichlorianwert jede Skala sprengte. Ich weiß bis heute nicht, wie hoch er tatsächlich ist."
„Dein was?"
Vader starrte ihn an. „Bei den Mächten, Luke, hat Yoda dir denn gar nichts beigebracht?"
Luke starrte zurück. „Woher weißt du - "
Sein Vater seufzte. „Später. – Midichloriane sind mikroskopisch kleine Lebensformen, Symbionten von machtbegabten Lebewesen. Je höher ihre Anzahl im Blut, desto machtvoller der Wirt. In meinem Blut ist der Wert höher als bei jedem anderen. Wir werden deine Werte noch testen müssen. – Der Rat sah mich an. Er prüfte mich. Verhörte mich. Nahm die Werte zur Kenntnis – und lehnte mich ab."
„Aber warum?"
„Sie behaupteten, ich sei zu alt." Vader grinste, als Luke eine Grimasse zog. Er hatte diesen Satz ebenfalls schon gehört.
„Yoda?"
„Wer sonst? Aber auch die anderen. Mace Windu, Ki-Adi Mundi und wie sie alle hießen. Sie hatten Angst – Angst, die Prophezeihung würde sich erfüllen, und anders, als es in ihre Pläne paßte. Aber Qui-Gon war ein Rebell. Er setzte sich durch. Leider wurde er bald darauf getötet – von einem Sith namens Darth Maul… der erste unserer Art seit Jahrhunderten, der ins Licht der Öffentlichkeit trat. Nach seinem Tod übernahm Obi-Wan meine Ausbildung – er hatte es Qui-Gon versprechen müssen.
Es folgten Lehrjahre. Einsätze mit Obi-Wan… Lehreinheiten im Tempel. Aber ich hatte immer den Eindruck, gegen Wände zu rennen, am Gängelband zu hängen, gebremst zu werden. Ich erreichte nie meine Grenzen, erfuhr nie, wozu ich wirklich fähig war. So viele Verbote, so viele Regeln, Einschränkungen, Mauern ringsum. Und dann wurde es noch schlimmer."
Vader faltete die Hände im Schoß, sein Blick verloren in der Ferne, jenseits der Zeit. Es fiel ihm nicht leicht, dies zu erzählen, aber er hatte sich vorgenommen, seinem Sohn gegenüber offen zu sein. Er wollte keine Geheimnisse vor ihm haben – wollte, daß er ihn verstand. Ihn akzeptierte. Seine Freundschaft.
Und Luke wiederum starrte ungläubig auf die schwarze Gestalt vor ihm – den eigentlich mächtigsten Mann der Galaxis, Herr über die imperiale Flotte, Richter und Henker, Mörder und Eroberer – der so verletzlich schien in diesem Augenblick. So… menschlich. Und ohne daß sie es bewußt wahrnahmen, festigte sich das Band zwischen ihnen.
„Als ich neunzehn war, sah ich Padmé wieder. Ihr Leben war in Gefahr, und Obi-Wan, der ihr bereits einmal gedient hatte, damals, mit Qui-Gon, wurde zu ihrem Schutz abkommandiert… und ich mit ihm. Ich liebte sie immer noch. Ich hatte all die Jahre an sie gedacht und von ihr geträumt. Und langsam, nach und nach, begann sie, meinem Werben nachzugeben. Und damit taten wir beide etwas zutiefst verbotenes – denn mir als Jedi war es untersagt, zu lieben, geschweige denn, zu heiraten oder eine Familie zu haben."
„Warum das denn?" fragte Luke erstaunt.
Vader lachte bitter. „Genau das ist die Frage, nicht wahr? Nun, vermutlich, um sich den Kopf freizuhalten für Dinge des Ordens. Risikobereiter zu sein – du wagst mehr, wenn da niemand ist, der um dich trauert oder sich um dich sorgt. Aber ich liebte Padmé viel zu sehr." In seinem Geist tauchten Bilder seiner Frau auf, die er mit Luke teilen wollte – und bereitwillig glitt der Junge wieder hinein, als das Angebot dazu kam, begierig, seine Mutter zu sehen, die er nie gekannt hatte.
„Sie war wirklich wunderschön." sagte er leise. Vader nickte nur.
„Dann begannen die Alpträume. Ich sah meine Mutter – sie litt. Sie starb. Aber der Jediorden verbot mir, nach ihr zu sehen – ich hätte andere Pflichten, wurde mir gesagt." Er schwieg einen Moment, rang um Fassung. „Entgegen der Anweisungen der Meister flog ich nach Tatooine – mit Padmé. Sie", er lächelte kurz, „fand einen Weg, es zu legalisieren, indem SIE entschied, hinzufliegen – und ich mußte sie begleiten, so lautete mein Auftrag." Er wurde wieder ernst. „Ich fand heraus, daß meine Mutter inzwischen von Watto an einen Feuchtfarmer namens Cliegg Lars verkauft worden war, der sie heiratete."
„Lars?"
„Ja – der Vater Owens. Der wiederum durch die Heirat Clieggs mit meiner Mutter mein Stiefbruder wurde."
„Dann ist er gar nicht mit mir verwandt?" Lukes Entsetzen wuchs.
Vader schüttelte den Kopf. „Nein. – Lars sagte mir, daß meine Mutter vor einigen Tagen schon von Sandleuten entführt worden sei. Er glaubte, sie sei tot – aber ich spürte, daß sie noch lebte. Ich suchte sie." Pause. „Ich fand sie. In einem Tuskenlager, in einem Zelt."
„Lebte sie noch?" fragte Luke leise und behutsam.
„Für einige wenige kostbare Minuten, ja." Wieder war Vaders Stimme trotz des Vocoders so von Trauer erfüllt, daß es Luke beinahe schmerzte. „Sie erkannte mich noch, nannte mich ihren schönen, wundervollen Sohn… dann starb sie, in meinen Armen."
Luke schwieg, wartete darauf, daß sein Vater weitererzählte. „Ich metzelte das Lager nieder. Alle. Männer, Frauen, Kinder, ohne Ausnahme. Ich überließ mich hier das erste Mal der dunklen Seite."
Sein Sohn schloß die Augen, als er in Vaders Geist die Erinnerung sah, entsetzt, angewidert – und doch irgendwie voller Verständnis. Was hätte er getan, in diesem Fall? Hätte er die Kraft gehabt, sich NICHT zu rächen? Er wußte es nicht.
„Ich nahm meine Mutter und brachte sie zu Cliegg. Sie wurde dort beerdigt."
In Luke regte sich eine Erinnerung. „Shmi? Shmi Lars? Ihr Grabstein ist immer noch dort… und Clieggs neben ihr."
Vaders Hände verkrampften sich kurz, er nickte nur. „Ich habe nur Padmé davon erzählt, was ich getan hatte. Und…", wieder zögerte er, „Senator Palpatine."
„Palpatine? Dem Kaiser?" Luke fuhr beinahe auf. „Wieso hattest du damals schon Kontakt zu ihm?"
Vader lachte trocken. „Mein Sohn, nicht ich hatte Kontakt zu ihm, ER hatte Kontakt zu MIR! Er war Senator Naboos und hatte schon sehr früh damit begonnen, alles für sein späteres Imperium in die Wege zu leiten. Und er hatte MICH schon sehr früh entdeckt und eine Freundschaft zu mir aufgebaut. Er war mein Mentor, jemand, der immer ein offenes Ohr für mich hatte. Auch wenn ich erst jetzt weiß, daß er mir, ebenso wie die Jedi, Gift ins Ohr tröpfelte. Aber er tat es sehr, sehr gut. Ich merkte nichts davon. Ich wußte nur, daß hier jemand war, der mich verstand. Mich auffing, tröstete und mich darin bestärkte, daß ich gut war. Zu gut für die Jedi, die mich immer noch unterdrückten, mir nichts zutrauten."
Luke starrte ihn überrascht an. Daß sein Vater – VADER! – sich so offen gegen den Imperator aussprach, hatte er nicht erwartet. Vader beging hier Hochverrat. Was, wenn der Kaiser davon erfuhr?
Sein Gegenüber schien das zu ahnen – oder er konnte wirklich Gedanken lesen, wie man es ihm nachsagte. Mit einem hörbaren Lächeln in der Stimme beruhigte er ihn. „Keine Sorge. Dieser Garten ist sicher – und ich habe meine mentalen Schilde um uns beide herum ausgebreitet. Ich werde dir bald zeigen, wie du die deinen dicht bekommst. Das ist das allerwichtigste, Luke. Lebenswichtig. Der Kaiser darf nicht wissen, daß du bei mir bist – und wenn, muß er denken, daß ich dich auf die dunkle Seite ziehen will."
„Aber… ich… ich denke, das ist genau, was du…" stotterte der Junge verdutzt.
„Verdammt, nein!" Vader schoß hoch, ging erregt ein paar Schritte und fuhr mit wehendem Cape herum. Luke zuckte zunächst erschrocken zurück, beruhigte sich aber schnell wieder, als er spürte, daß sich die Erregung seines Vaters nicht gegen ihn richtete, im Gegenteil. „Das ist, was ich noch vor einigen Wochen gewollt hätte, ja! Aber es hat sich viel verändert, Luke. Ich kann dir noch nicht alles erzählen, aber glaub mir: ich will dich nicht bekehren, im Gegenteil. Ich brauche dich als Jedi. Und ich muß, auf der anderen Seite, Sith bleiben. DAS ist das Gleichgewicht!"
Sein Sohn starrte ihn sprachlos an. Vader seufzte. „Soll ich weitererzählen?"
„Ja." Luke blinzelte ein-, zweimal, versuchte, sich wieder zu beherrschen, und Vader kam, langsamer, aber nicht weniger elegant als in seinem vorigen Ausbruch, zur Bank zurück und setzte sich wieder.
„Dann wurde mein Meister, Obi-Wan, entführt – von Count Dooku, einem weiteren Sith, wie sich später herausstellte. Und wieder übertrat ich Verbote, als ich nach Geonosis reiste, um ihn zu retten – und wieder war es Padmé, die die offizielle Entscheidung für uns beide traf. Am Ende sollten wir alle drei hingerichtet werden – und nur das Eingreifen von zweihundert Jedirittern bewahrte uns vor dem sicheren Tod. Dooku floh, Obi-Wan und ich verfolgten und stellten ihn in einem Geheimhangar. Obi-Wan wurde verletzt und fiel aus, ich kämpfte mit ihm – und verlor in diesem Duell meine rechte Hand."
Luke schnappte nach Luft. Sein Vater war also noch jünger gewesen als er…
Vader schien zu lächeln. „Ja – und damals gab es noch keine Synthehaut, um das nackte Metall zu verkleiden. Luke… es tut mir leid. Ich wollte das nicht."
Der Junge schluckte und nickte. So viel hatte er mittlerweile begriffen – und es auch akzeptiert. Irgendwie. „Schon gut."
„Nein, das ist es nicht. Und ich schwöre dir, ich werde nicht zulassen, daß dir noch einmal Schmerz oder Schaden zugefügt werden – nicht, wenn ich es verhindern kann." Mit meinem Leben, wenn notwendig. fügte er in Gedanken hinzu.
Luke bewegte sich unruhig, wußte nicht, was er sagen sollte. „Was geschah dann?" versuchte er, abzulenken.
Vader lächelte ein wenig. „Yoda traf ein. Auch er kämpfte mit Dooku, doch dieser brachte eine Säule zum Einsturz, die auf uns zu fallen drohte. Yoda fing sie auf, und Dooku entkam. Ich traf ihn erst viel später wieder, als Kanzler Palpatine – denn das war er inzwischen –entführt worden war. Angeblich von Count Dooku und einem Cyborg, General Grievous. Ein Täuschungsmanöver, eine Falle, ein weiterer Pflasterstein auf meinem Weg zur Hölle… und wir kämpften wiederum. Und diesmal war ich der stärkere. Und Palpatine, gefesselt als Zuschauer daneben, forderte mich auf, ihn zu töten… und ich tat es. Dooku war ein Sith, Dooku war der Feind, und Palpatine mein Mentor, dem ich vertraute…
Palpatine wurde befreit und gerettet, ich war wieder einmal der Held. Man nannte mich damals den „Helden ohne Furcht". Ein idiotischer Titel. Aber als junger Mann, mittlerweile Jedi-Ritter, fand ich ihn äußerst schmeichelhaft.
Padmé und ich waren inzwischen verheiratet, und sie war schwanger. Niemand wußte davon, niemand ahnte, daß ich der Vater des Kindes war. Und wieder begannen Alpträume – diesmal sah ich meine geliebte Frau, die bei der Geburt ums Leben kam. Ich hätte alles gegeben, um das zu verhindern, ALLES! Aber ich konnte ja nicht einmal offen im Tempel nach Möglichkeiten fragen… und so mischte erneut Palpatine sich ein. Er erzählte mir von Darth Plagueis, der eine Möglichkeit gefunden hätte, den Tod zu besiegen…"
„Das war der, der dich erschaffen hatte?"
Vader lachte leise. „Ja, genau der. Es stellte sich heraus, daß er Palpatines – oder besser, Darth Sidious' – Lehrer gewesen war… bis jener ihn tötete, um selbst Meister zu werden. Nun, wie gesagt, ich liebte sie so sehr, daß ich nach jedem Strohhalm griff. Und das war mein Untergang. Palpatine band mich immer mehr an sich. Er ernannte mich zu seiner Stimme bei den Jedi, zu seinem persönlichen Vertreter, was bedeutete, daß ich zu einem Mitglied des Rates ernannt wurde – aber man versagte mir den Rang des Meisters."
„Was?"
„Was, ‚was', mein Sohn?"
„Du warst Mitglied des Jedi-Rates?" hakte Luke entsetzt nach.
„Nicht ‚war'." korrigierte Vader amüsiert. „Ich bin es immer noch. Und wie es aussieht, der letzte Überlebende – außer Yoda."
„Ich fass es nicht…!" stöhnte Luke.
„Noch etwas, was man dir nicht erzählt hat, wie es aussieht." meinte sein Vater trocken.
„Nein. Ben sagte mir nur, du seist Jedi-Ritter gewesen – ein sehr guter. Und ein Spitzenpilot."
Vader grinste. „Da hat er ausnahmsweise nicht gelogen." Er wurde schlagartig ernst. „Im Gegensatz zu der Tatsache, daß er behauptet hat, ich hätte deinen Vater verraten und ermordet. Hm?"
„Ja." murmelte Luke unbehaglich.
Vader sah ihn einen Moment lang prüfend an, entschied dann aber, das Thema auf später zu verschieben, und fuhr fort.
„Palpatine gab sich mir nun endlich als Darth Sidious zu erkennen. Ich war entsetzt. Jahrelang hatte ich einem Sithlord gedient, hatte ihm Geheimnisse anvertraut, ihm Interna über die Jedi erzählt! Ich ging zu Mace Windu, einem führenden Mitglied des Jedirates, und berichtete ihm alles. Mace nahm sich drei andere Jediritter und ging, um Sidious zu töten… es mißlang. Alle vier wurden regelrecht geschlachtet… und ich war Zeuge des letzten, Windus, Todes, denn ich ging wieder hin, voll Furcht, daß der einzige Mensch, der Padmé retten konnte, getötet werden sollte – denn das war Maces Absicht gewesen. Verhaften kam nicht in Frage. Und so warf ich mich dazwischen. Und oh, wie gut spielte er den alten, schwachen Mann! Er jammerte und greinte – und als ich mit Mace kämpfte, ihm die Hand abschlug, zeigte er seine wahre Macht, sein wahres Gesicht, das seit damals so entstellt ist, wie er heute aussieht. Er schleuderte ihn mit Machtblitzen aus dem Fenster hinaus, rappelte sich auf, als sei nichts geschehen, und forderte mich auf, vor ihm niederzuknien und ihm die Treue zu schwören. Und seit diesem Moment…" Er holte tief Luft. „Seit diesem Moment bin ich Darth Vader."
Luke starrte ihn an. Wortlos. Vader seufzte und fuhr fort.
„Palpatine hatte mich ebenfalls belogen, aber ich war trotzdem nur zu bereit, ihm zu glauben – ihm mehr zu glauben als den Jedi, die mich am ausgestreckten Arm hatten verhungern lassen. Er sagte mir, er wolle den Krieg beenden – und das wollte ich auch. Er sagte mir, er könne Padmé retten – und sie war mir das Kostbarste überhaupt. Ich folgte ihm. Auch, wenn die folgenden Tage die schrecklichsten in meinem Leben waren.
Er stellte mir die 501ste Legion zur Verfügung – die mir heute noch dient, sie ist hier an Bord dieses Schiffes – und befahl mir, zunächst den Jeditempel zu „säubern". Ich tat es." Vader holte tief Luft. „Ja – ich tötete sie, zusammen mit der Klonarmee. Alle, die nicht mit der Armee auf Außeneinsätzen im Krieg waren - Ritter, Padawane. Selbst die Jünglinge. Sie hatten mich jahrelang belogen, verraten, wollten mir nicht helfen. Sie hatten es verdient." Er seufzte. „Der Meinung war ich jedenfalls zu diesem Zeitpunkt.
Anschließend sandte Palpatine mich zu einem anderen Ziel, Mustafar. Dort sollte ich die letzten Separatisten töten, um den Krieg zu beenden. Zuvor ging ich zu Padmé, erzählte ihr, daß ich einen Weg gefunden hätte, sie zu schützen. Was ich nicht wußte, war, daß Obi-Wan sie mehrfach aufgesucht hatte, und sie hatte ihm erzählt, welche Sorgen sie sich um mich machte. Padmé folgte mir, voller Angst… und Obi-Wan versteckte sich an Bord ihres Schiffes.
Ich erledigte meinen Auftrag, dann traf ich auf meine geliebte, hochschwangere Frau. Sie war verzweifelt. Und plötzlich sah ich hinter ihr meinen Meister auftauchen. Ich dachte, sie hätte mich an ihn verraten. Ich würgte sie – aber sie lebte noch, dessen bin ich mir ganz sicher. Ich wußte nicht, daß er sich heimlich eingeschlichen hatte. Wir kämpften. Den Rest hast du vorhin gesehen."
Luke nickte, von Entsetzen erfüllt.
„Palpatine sammelte das, was von mir übrig war, auf, und steckte mich in diesen Anzug, ohne den ich nicht hätte überleben können. Er erzählte mir, ich hätte Padmé getötet. Ich nahm das medizinische Labor auseinander – ohne auch nur eine Hand zu rühren. Mein Schmerz war endlos. ICH hatte sie getötet, ICH war derjenige, der meine Vision erfüllt hatte!"
Luke standen die Tränen in den Augen, als er den Schmerz fühlte, den sein Vater nochmals erlebte.
„Und erst jetzt, vor wenigen Wochen, erfuhr ich, daß Obi-Wan sie nach Polis Massa gebracht hatte, eine Asteroidenkolonie, wo sie dich gebar, Luke. Und erst dort starb sie. Es war nicht ich, der sie getötet hatte. Vielleicht indirekt, aber nicht durch meine Hand. Und erst vor wenigen Wochen erfuhr ich, daß ich einen Sohn habe."
Vader sah Luke an, beinahe furchtsam – und floh doch vor dessen Reaktion. Er erhob sich.
„Ich denke, du brauchst jetzt ein wenig Zeit. Ich ebenfalls… ich habe all dies bis jetzt nur einem einzigen anderen Menschen erzählt… jemandem, den ich sehr liebe." Auf Lukes verblüfften Blick hin lächelte er ein wenig traurig. „Ja, mein Sohn, ich KANN lieben. Und du wirst alles erfahren… bald, hoffe ich.
Ich schicke dir Captain Cass – ich habe ihn gebeten, sich um dich zu kümmern die nächsten Tage. Wir sehen uns morgen. Bis dann, mein Sohn."
Und er ging davon, nicht allzu schnell, keine wirkliche Flucht… doch sein Mantel blähte sich hinter ihm wie ein Schutzschild. Und Luke starrte ihm sprachlos nach.
